Über Reiseblogs und Bier und lustige Geschichten

So ein Reiseblog handelt ja vom Reisen (mal ein wenig Logik zum Einstieg), mehr oder weniger ausgeschmückt mit lustigen oder halt auch nicht so lustigen, allenfalls sogar traurigen oder interessanten (ja, ich gebs zu: eher selten) Geschichten. Nachdem meine wunderbare Reise durch Australien (falls jemand nicht gemerkt hat, dass ich weg war, der Reisebericht in Kurzform findet sich hier) ja mit der Landung in Zürich (für Deutsche Leser) rsp. Kloten (für besserwissende Schweizer) ein jähes Ende gefunden hatte, frage ich mich schon ein wenig (also sogar recht fest (Schwiizerhochdütsch)), wie es mit meinen (aus meiner Sicht) lustigen Geschichten weiter gehen soll. Eine Möglichkeit wäre ein Unterbruch bis zur nächsten Reise, aber so gefühlte zehn Jahre wären doch ein wenig zu viel des Wartens. Also einfach lustige Geschichten erzählen? Wäre möglich, aber irgendwie würde wohl doch der Aufhänger oder rote Faden fehlen. Da war dann guter Rat teuer – aber die (mal ganz unbescheiden so bezeichnete) geniale Idee nicht weit.

Ich werde zum Tester von Produkten und Dienstleistungen. Was mir gerade in den Sinn kommt, was mir gerade über den Weg läuft und vor allem was sich gerade eignet, um Geschichten zu erzählen.

Wir beginnen mit dem Anker Bier. Ja, richtig gelesen, Anker aus dem Coop, der grosse Bruder des 1291 aus dem Denner. Eigentlich bin ich ja Migros-Kind aber alkoholfreies Bier ist immer noch nicht so gut wie in der Werbung beschrieben.

Warum gerade Anker Bier? Nun, ich habe ein bisschen Expertise zum Thema Bier (stark ausgebaut in Australien, zum Beispiel in Exmouth), es ist mir am ersten Tag zurück im Büro ins Auge gesprungen und Bier eignet sich hervorragend für Abschweifer.

Warum ist mir das Anker am ersten Tag im Büro ins Auge gesprungen? Nun, kurz vor meiner Abreise nach Australien lud ich meine Mitarbeitenden (zusammen mit Nicolas, der anschliessend grosse Karriere im Private Banking machte) zu einem kleinen Abschiedsumtrunk ein. Und da die meisten Feldschlösschen mögen (und ein Anker ist faktisch ein Feldschlösschen, auch wenn sie das nicht zugeben würden. Aber es wird bei Feldschlösschen in Rheinfelden gebraut und wenn ausreichend kalt könnten ab Dose wohl nur die Allerwenigsten das Orignial mit Sicherheit erkennen) und wir eher in die Menge als in die Marke investieren wollten, wurde Anker aufgetischt (professionell gekühlt in einem mit Eis gefüllten Sandkasten, so das Modell hellblau, muschelförmig, mit Deckel, einfach ohne Sand drin). Nun, gewisse Mitarbeitende empfanden das Aufstellen eines Markenimitats als zu wenig Wertschätzung und boykottierten deshalb das Bier. Irgendwie wurde trotz grosser Hitze weniger als erwartet getrunken und so haben wir immer noch Restbestände.

Anker kann man zum Normalpreis von CHF 1.20 (alle genannten Preise beziehen sich auf einen halben Liter in der Aludose) in jedem Coop kaufen. Faktisch sind die CHF 1.20 ein Mondpreis, denn man kauft es nur, wenn es (wie alle paar Wochen) zum halben Preis angeboten wird. Verlangt Coop den vollen Preis, weicht man aus auf das Tell (welches von Heineken in Chur gebraut wird und damit ein verkapptes Calanda ist. Halt einfach ohne Bündner Feriengefühle dazu), welches CHF 0.75 kostet. Und legt man überhaupt keinen Wert auf Status und Prestige, begnügt man sich mit der Billigabfüllung Prix Garantie auch aus Chur, somit wieder ein Bergbier ohne Berggefühl und eigentlich ist Prix Garantie recht kultig, denn die Kultmarke M-Budget von der Konkurrenz produziert ja kein Bier und so konnte Coop hier in die Bresche springen. Schade ist, dass Coop das Design von Prix Garantie (rein grammantikalisch wäre oder ist es übrigens le prix und darum frage ich mich, was dieses e hinter garanti soll) ein wenig aufgefrischt hat (fast schon edel), die alte Version war bedeutend kult-freundlicher.

All diese Biere sind keine geschmacklichen Offenbarungen wie die in Australien gekosteten Kunstwerke von Little Creatures oder Stone Wood, aber sie löschen den Durst (so zum Beispiel im Sommer nach dem Rasenmähen, ok, es ist jetzt nicht Sommer und den Rasen muss man auch nicht mehr mähen aber trotzdem) hervorragend und (sofern dies das Bedürfnis sein sollte) sie machen gleich schnell betrunken wie andere Lagerbiere.

Prix Garantie hält dazu noch Extra-Spass bereit (welcher bei Anker nur teilweise funktioniert), aber nur wenn man nach Plan vorgeht. Mein Plan war es, zusammen mit Thomas Mezera (Knisper Knuser für Insider und der Mann von Andrea Mezera, welche ich nur erwähne, damit ich den Beitrag auf Facebook taggen kann) ein Eishockeyspiel in Langnau zu besuchen. Vereinbart war die Anreise mit dem Zuge (wenn es Prix Garantie heisst, darf ich auch ein e an den Zug dranhängen), ich ab Turgi, er ab Aarau. Ausgemacht war weiter, dass ich Biere (die Mehrzahl von Bier, vor allem wollte ich aber nochmals ein sinnloses e anhängen) mitbringen würde (da sprechen wir uns immer ab, nicht weil wir sonst kein Bier hätten, sondern ganz sicher zu viel). Da ich von je drei solchen Aludosen pro Nase (also 1.5 pro Auge, das ist jetzt aber mal ein Lacher) plus einer für mich für die Strecke Turgi-Aarau ausging (von welcher ich Tom nicht erzählte, sonst hätte er auch vier gewollt), kaufte ich sieben Dosen. Der Spass besteht darin, mit diesen sieben Dosen ein Abteil der ersten Klasse zu betreten, die Dosen auszupacken (die Mitreisenden wissen ja nicht, dass noch wer zusteigt), kurz zu murmeln „hoffe, dass das reicht bis Olten“ und dann zügig unter lautem Zischen die erste Dose zu öffnen. Blicke so unbezahlbar, dass geeignet für die Mastercard-Werbung. Wobei dies dann auch der einzig lustige Teil dieses Reise war, denn da Langnau damals gerade ein neues Stadion hatte und Ambri völlig ausserplanmässig erfolgreich war, war das Spiel leider (also ich freute mich zusammen mit dem Kassenwart des Heimteams wie verrückt, beinahe hätte ich über dem Kopf geklatscht) ausverkauft, so dass wir unverrichteter Dinge (und ohne Biervorrat) wieder nach Hause reisen mussten.

Meine Mitarbeitenden hatten ein wenig den Status und das Prestige oder von mir aus die gezeigte Wertschätzung vermisst beim Anker Bier. Nun, da ein substantieller Teil von Bier ausgeschüttet wird, spielt das wirklich keine Rolle. Drei Beispiele, alle auch wieder an Hockeyspielen und die waren nicht ausverkauft und wir darum sogar im Stadion. Tom (wieder er) wollte uns die Geschichte erzählen, wie ein Freund beim Torjubel das Bier hochwarf (vermutlich wollte der zu einem Überkopfklatscher ansetzen, Anmerkung der Redaktion) und sich so mit Bier zuschüttete. Eigentlich mässig spektakulär, nur dass Tom die Geschichte real nachspielte und zu Demonstrationszwecken tatsächlich ein Bier in die Höhe warf, was ja noch gegangen wäre, aber leider mangelte es ihm ein wenig an Souveränität beim Versuch es wieder aufzufangen und so schaffte er es, sich in der wie immer frischen Valascia zu bierduschen (gibt es das als Verb?). Anders als meine Mutter, welche zum Spiel in die sehr kalte Valascia ihren neuen todschicken und doppelt gefütterten Mantel vom nicht-Billiglabel Max Mara ausführte. Und nach dem ersten Tor der Heimmannschaft hatte sie dann dank Gollo (der vor der Kesb, der sich dem Internet verweigert, er ist zwar nicht verheiratet aber seit immer zusammen mit Karin (von Gollo, dieses von Gollo versteht nur der very inner circle, sorry not sorry)) einen nicht mehr neuen, immer noch recht schicken dafür mit Bier würdevoll getauften doppelt gefütterten Mantel des immer noch nicht billigen Labels. Wobei sie sehr gelassen reagierte (zumindest äusserlich), ganz im Gegensatz zu den Anzug tragenden Sitzplatz-Modefans in Lausanne. Das war an Toms Polterabend (für Deutsche: Junggesellenabschied, weiss nur dank der Walfamilie, dass ihr Polterabend nicht versteht), also Tom wollte ja keinen Polterabend (falls ihr es grad überlesen habt, liebe Deutsche Leser: Junggesellenabschied, hatte übrigens auch ein entsprechendes Erlebnis in Australien), deshalb bezeichneten wir diesen lustigen Abend einfach als seinen Polterabend (für die Deutschen: ihr wisst schon) und Töbi (der mir dann irgendwann noch Pulp Fiction erklärt und dessen Frau Claudia ja so grausam stolz auf ihren Tobiässli ist) war auch dabei. Bei allen Geschichten war übrigens auch Claudio Beffa (der vom schicken Möbelladen) dabei, aber das wäre auch ohne Erwähnung klar gewesen. Auf jeden Fall wollte Tom im Zug kein Bier (schon gar kein Billigbier) sondern Wein im Speisewagen kredenzen. Und zwar nicht billigen in der 1.875-Deziliter-Flasche (welcher für Töbi und mich absolut ausreichend war, fand Tom), sondern die echte Flaschenqualität, von welcher er uns dann auch bei jedem Schluck vorschwärmte. Auch noch, als er schon lange von der Toilette zurück war und Töbi und ich sein Glas schon lange mit dem billigen Fusel aufgefüllt hatten und an seiner Stelle das genau gleich gut oder schlecht schmeckendes teures Edelgesöff tranken….aber das war ja nur die Anreise, denn das Bier wurde erst am Spiel verschüttet. Weil Lausanne für Gästefans gefühlte 12 (vielleicht waren es 150) Stehplätze zur Verfügung stellte, wichen wir auf die Sitzplätze aus (also wären wir wohl eh, aber war eine gute Ausrede) und da Ambri ja immer noch die überraschend erfolgreiche Saison spielte und mehr Tore also der Gegner schoss und wir bei jedem Tor euphorischer wurden, passierte es, dass wir (ganz versehentlich und ohne jede böse Absicht, ich schwörs, im Fall) den Anzugträgern vor uns ein paar Schlucke (Schluck wäre die korrekte Mehrzahl, aber ich wollte nochmals ein sinnloses e anhängen und ok, es waren allenfalls mehrere Becher) über ihre sicher gar nicht so teueren Anzüge schütteten. Und auch der Verweis auf meine in solchen Situationen so gelassen regierende Mutter half gar nichts mehr, sondern liess die Situation eher noch mehr eskalieren. Egal, wir kamen heil raus und Töbi konnte sich auf den Heimweg noch zwei Bier kaufen. Eigentlich hätte ihm eins genügt, da er aber nicht wusste, ob es eher un oder une bière heissen würde, bestellte er zur Sicherheit grad deux. Wer mit gleicher Unsicherheit wirklich nur eins möchte, der möge ausweichen auf „trois bières et deux retour“. Von diesem Abend gibt es sogar ein Bild (vermutlich aufgenommen von einem der später biergeduschten Anzugträger). Fazit zum Bild: der Mann vom Möbelladen und Tobiässli hatten mehr Haare als heute, ich mehr Kilos, Tom dafür klar weniger graue Haare. Egal, herzliche Gratulation zum ersten bebilderten Gastauftritt.

Was das alles jetzt genau mit dem angekündigen Produkttest zu tun haben mag, weiss ich selbst nicht mehr. Ich würde zusammenfassen: Ein ganz normales (hundskommunes) Lagerbier lässt sich wunderbar in der Billigversion geniessen, selbstverständlich hat dies aber wenig mit dem Genuss eines Spezialbieres zu tun.

So, das war die erste Folge meines Produkttest-Blogs (formerly known as Travelblog, wie Prince, der irgendwann Mr. Symbol formerly known as Prince hiess). Falls jemand gerne ein Produkt getestet haben möchte: jederzeit eine Meldung an mich. Sofern es sich halbwegs sinnvoll mit Geschichten aus dem Leben verknüpfen lässt, bin ich da also sehr offen.

Somit next stop oder next product: your choice.

Cheers, mates.

Ein kleiner Rückblick

Genau heute vor drei Monaten landete ich auf dem Weg nach Australien in Singapur. Und naiv wie ich war, bildete ich mir ein, diese drei Monate Auszeit würden ewig dauern und nie zu Ende gehen. Nun, wie eigentlich absehbar, kam es anders. Morgen beginnt wieder der Ernst des Lebens mit #backtowork und somit habe ich heute die finale Gelegenheit für einen kleinen Rückblick. Und damit ich Euch nicht jedes Mal mit einem Hinweis auf den ausführlichen Bericht nerven muss, ist immer gleich Beginn des Abschnittes der Link. Dies erleichtert auch das diagonale Lesen ganz stark.

Singapur: ich hatte mich im Marina Bay Sands eingemietet, mein Fazit: irgendwie ganz massiv überzahlt (und Food bei weitem nicht auf 5-Sterne-Niveau) aber sein Geld halt doch wert wegen diesem gigantischen Pool mit der gigantischen Aussicht. Weiter berichtenswehrtes aus Singapur: eigentlich nichts.

Darwin: Mein Timing wohl perfekt, im August ist Darwin warm aber nicht heiss und eben trocken (im Vergleich zu schwül oder regnerisch). Die Stadt besteht aus Esplanade (zum Spazieren oder Joggen (nicht persönlich getestet aber andere dabei beobachtet)), Waterfront zum Baden und Essen und Mitchell Street zum Leute treffen, Live-Musik hören und Bier trinken. Für mich war die Gemächlichkeit Darwins auch wunderbar, um herunterzufahren und mich an den Akzent der Australier zu gewöhnen.

Meine Rundreise als Altenbetreuer: Kathrine Gorge, Kakadu und Litchfield sind absolute must-sees und landschaftliche Highlights. Ich würde diese einfach nicht mehr auf einer Hotelrundreise mit primär pensionierten Mitreisenden besuchen. Wäre die Gruppe jünger, könnte man mehr zu Fuss erkunden und so noch viel mehr sehen. Und der Spassfaktor wäre mit jüngeren Teilnehmern vielleicht tendenziell ganz sicher auch höher.

Broome: Dies die einzige Station, welche eine Vorausbuchung des Tagesausfluges in die Kimberleys bedingt hätte, die waren nämlich rest- und ausnahmslos ausgebucht. Aber auch so bot Broome den wohl besten Beach, mit die beste Brauerei, das spannendste Openair-Kino (ok, ich war nur genau in diesem, aber ich masse mir das jetzt mal an) und das wohl schlechteste Hotel (ganz sicher in Bezug auf Preis/Leistung) meiner Reise. Ganz generell ist Broome teuer aber (wie ich finde) den Eintritt wert.

Exmouth: der Weg ab Broome ist runde 1300 Kilometer weit, würde ich ein nächstes Mal auf drei Tage verteilen. Nicht beinflussen konnte ich den lautesten und mühsamsten Hotelnachbar in Karratha. Exmouth selber ist süss und klein, verfügt über einen eigenen Nationalpark, tolle Exkursionen auf das Meer (Chance auf eine Sunsets-Cruise mit ganz viel Gossip…), einen schönen Strand und (ganz wichtig) zwei tolle, lokale Brauereien (etwa eine pro Tausend Einwohner).

Coral Bay: alle, die schon mal da waren, lieben dieses Dörfchen bestehend aus genau einer Strasse. Tolles Reef unmittelbar vor dem Strand, schöne Ausflugsmöglichkeiten mit der guten Chance, Manta Rays und Reef Sharks zu sehen und ganz einfach ein wunderbar ruhiger Ort.

Monkey Mia: die eigentliche Haupattraktion, nämlich die tägliche Fütterung der Delfine, fand ich sehr touristisch und die Reise nicht wert. Aber: wunderschön gelegenes Resort rsp. Camping Platz, feinsandiger Strand, gutes Essen und motivierte Mitarbeitende. Und der Weg dahin bietet schon gefühlte 27 Gründe irgendwo anzuhalten, etwas anzuschauen oder einen kleinen Walk zu machen.

Auf dem Weg nach Perth habe ich es tatsächlich geschafft, den Pink Lake (welcher auch wirklich gerade sehr pink gewesen wäre) zu verpassen. Das hat mich geärgert. Pinnacles Desert dafür aus meiner Sicht der landschaftliche Höhepunkt meiner Reise. Perth selber fand ich nicht so aufregend (ausser dass sich die Möglichkeit ergab, gewisse Reiseutensilien zu kaufen). Rottnest Island ist sicher mindestens einen Tagesausflug wert, Freemantle ebenso (dort hat es eine grosse und eine kleine Brauerei).

Einfach mal nichts tun: mein Reisetempo war ja sehr entspannt, dies liess ganz viel Zeit zum Lesen, Musik hören und vor allem zum ganz ausgiebigen Nichts-Tun. Erst nach Publikation dieses Beitrags für mich entdeckt: irgendwo sitzen und Menschen beobachten.

Airlie Beach und die Whitsunday Islands: mein absoluter Lieblingsort, deshalb bin ich ganz zum Schluss meiner Reise gleich nochmal hingeflogen. Das Städtchen herzig (einmal Schwiizerhochdütsch ist auch im Rückblick zwingend), die Lagoon ‚best place to hang out’, gutes kulinarisches Angebot (keine Selbstverständlichkeit in Australien), viele Orte mit guter Live-Musik und perfekt auf Alleinreisende ausgerichtet (praktisch jedes Restaurant hat grosse Tische zum Dazusitzen). Fast schon unzählige Ausflugsmöglichkeiten auf dem Wasser, wobei ein Besuch von Whitehaven Beach wohl zwingend ist.

Fraser Island: nächster absolut zwingender Stopp bei einer Ostküstenreise, ich war zwei Tage dort, was ich als Minimum bezichnen würde. Zu meinem Glück waren auf meiner Tour zehn Frauen auf Polterwochenende (das verstehen jetzt halt die Deutschen leider nicht), so hatte ich neben landschaftlichen Schönheiten auch viel Spass. Auch der Ort, wo mich eine Deutsche Mitteisende siezte und so mein gefühltes Alter massiv erhöhte.

Noosa bietet einen tollen Strand (also sogar mehrere), einen eigenen Nationalpark ‚within walking distance’ und mediterranes Flair sowie auch eine gute Auswahl wirklich guter Restaurants. In Noosa hatte ich wohl das beste Essen meiner Reise und gleichzeitig den einzigen (kurzen) unangenehmen Moment als Alleinreisender (lustigerweise beides im gleichen Lokal).

Surfers Paradise und Byron Bay: Surfers ist nicht zwingend, es ist quasi das Mallorca der Australischen Ostküste. Sehenswert ist es trotzdem und ‚good fun for one weekend‘. Byron Bay ist dann doch schon eher ein Klassiker, wobei diese Destination schon primär aus dem wunderschönen Städtchen mit den vielen netten Cafés und Restaurants (und dem Strand mit den guten Surfmöglichkeiten) besteht, sonst ist da nicht so viel.

Ausflüge habe ich im Dutzend gemacht, Dauer von zwei Stunden bis zu sechs Tagen, den wohl absurdesten beschreibt dieser Beitrag. Tendenziell lohnt es sich, die Preise ein wenig zu vergleichen, vor allem in der Nebensaison bietet eine kurzfristige Buchung gute Chancen auf Rabatte. Und häufig ist das gebuchte Datum eher eine Indikation, bei zu wenigen Buchungen werden zwei Tage zusammengelegt, darum lohnt sich das langsame Reisen, dann verpasst man auch bei Verschiebungen nichts.

Fiji war quasi eine holiday from the holiday. Fiji ist wunderbar, sehr entspannt, bietet viele naturnahe Erlebnisse und vor allem herrlich warmes Wasser zum stundenlangen Schnorcheln. Ich würde Island Hopping empfehlen, ich hatte jeweils ein eigenes Zimmer, aber immer in Resorts, welche auch Mehrbettzimmer haben (sorgt für junge, unterhaltsame Mitreisende).

Menschen: eigentlich handelt dieser Bericht vor allem von meiner Reise nach Adelaide oder meinem Aufenthalt dort. Aber eigentlich geht es vor allem um die vielen wunderbaren Menschen, welche ich auf meiner Reise getroffen habe, hier am Beispiel der Walfamilie (welche ja regelmässige Leser schon bestens kennen).

Das Abenteuer Outback wird hier beschrieben, Abenteuer im Sinne von viel roter Erde, beindruckenden Felsformationen, grosser Hitze und vielen Fliegen. Aber auch Abenteuer im Sinne von Camping in einem Swag, gemeinsamem Kochen und viel Spass haben. Und ja irgendwie wurde ich wieder massiv älter, als mir zwei Töchter angedichtet wurden.

Von meiner Reise zurück nach Airlie Beach handelt dieser Post – eigentlich. Denn er handelt auch vom ganz grossen Zufall, dass ich in Australien insgesamt vielleicht eine Stunde TV schaute und mich dabei um ein Haar selber gesehen hätte. Und dann geht es auch noch um einen weiteren tollen Schnorchelausflug ab Airlie Beach.

Leider bereits mein letzter Ausflug, nochmals ein richtig toller, zwei Tage und zwei Nächte auf einer paradiesischen Insel. Und dann gehts noch darum, dass die Parties vor 17 Jahren irgendwie grösser waren (vielleicht nicht besser aber ganz sicher grösser).

Ums alleine reisen und was gewisse Menschen davon abhält gehts hier. Und alle, welche sich diesen Bericht antun diesem Bericht lesen, erhalten ein kostenloses Frühstück auf dem Gotthardpass (also eigentlich überall auf der Welt).

Ganz zum Schluss war ich noch zwei Tage in Sydney, als sehr typischer Tourist, welcher möglichst zügig die Hot Spots Opera House, Harbour Bridge, Watson’s Bay, Bondi Beach und Darling Harbour abgearbeitet hat. Und dann genoss ich noch mein last beer und zuletzt noch mein very last beer.

#verylastbeerwithaview

Und das wars dann auch schon. Wer genau mitgelesen hat (und Australien ein wenig kennt) wird feststellen, dass ich diverse sehenswerte Orte nicht gesehen habe. Ich habe mich bewusst für eine sehr gemächliche Gangart entschieden, so war ich nicht überall. Dort wo ich war, hatte ich aber wunderbar viel Zeit und auch die Flexibilität, etwas länger zu bleiben. Und da meine Bucket List somit auch noch nicht komplett abgearbeitet ist, kann ich ja mit gutem Gewissen meine nächste Australien-Reise planen.

So, next Stopp, Neue Aargauer Bank in Brugg.

Cheers, mates

Über Sydney und über die flying doctors oder Männergrippen

Dies wäre oder vielmehr ist dann wohl der letzte Bericht über meine Australien-Reise. Nachdem mein Hotelzimmer in Sydney über eine Personenwaage verfügt, muss ich auch zugeben, dass dies vielleicht gar nicht nur schlecht ist. Die Ausdehnung meiner erotischen Nutzfläche (Danke, Laura, dass Du mich mit diesem Begriff bekannt gemacht hast, er hat es von Null in die Top 5 meiner Lieblingsbegriffe geschafft) nimmt langsam epische Züge an. Somit ein guter Zeitpunkt, um mal wieder Diät zu halten. Aber davor noch mein Aufenthalt in Sydney. Von Airlie Beach flog ich mit Tiger Air (das ist so quasi die Easy Jet Australiens, einfach teurer) nach Sydney. Dort hatte ich für drei Nächte einen room with a view (die Waage war nicht erwähnt, allenfalls hätte ich es mir anders überlegt). Aber neben dieser Waage bekam ich wirklich eine tolle Aussicht.

Meine Pläne für die zwei vollen Tage bescheiden: ein wenig Shoppen bei Uniqlo (das trägt jetzt ja King Roger, also muss es gut sein) und Kathmandu (meine neue liebste Outdoormarke), Darling Harbour und Opernhaus (von aussen) besuchen und allenfalls den rund zwei stündigen Walk von der Watsons Bay an den Bondi Beach machen.

Geplant zusammen mit Jessi, rund 20jährige Schweizerin aus dem schönen Solothurn. Sie war eine derjenigen, welche in Airlie Beach zusammen mit mir für Sekunden auf den Tischen getanzt hatte (bevor wir ziemlich barsch der Unterlassung gemahnt wurden, nachzulesen hier). Und da sich unsere Tage in Sydney überschnitten und wir ähnliche Pläne hatten (vor allem aber, da wir beide keine Lust hatten, uns für ein paar wenige Tage nochmals neue Freunde zu suchen, in den grossen Städten ist es zwar auch nicht schwierig, aber allenfalls ein wenig schwieriger). Und als ausgebildete Kinderbetreuerin (in Deutschland heisst der genau gleiche Beruf übrigens Erzieherin (ich muss dann immer an Fräulein Rottenmeier aus Heidi denken), ob das nur eine sprachliche oder doch eher eine kulturelle Unterscheidung ist, bleibe mal dahin gestellt) ist sie doch bestens als Aufsichtsperson für mich geeignet. Und allenfalls verbloggt sie ihre Erlebnisse mit mir dann auch in einem Post, in welchem sie ihre Erfahrungen als Altenbetreuerin beschreibt. Wer sich vielleicht schon die ganze Zeit fragt, warum ich immer von Frauen begleitet werde und fast nie von Männern: Es sind praktisch nur Frauen unterwegs. Die einzigen Männer sind die Pensionierten, welche von ihren Frauen zum Reisen genötigt werden. Bei den jungen (und teilweise sehr jungen) Reisenden bekomme ich echt das Gefühl, dass die jungen Männer ihrer Karriere nachrennen und möglichst rasch ihre Ausbildungen hinter sich bringen wollen, während die Frauen ihre Sprachkenntnisse verbessern und ihren Horizont erweitern. Womit ich zum doppelten Exoten werde, denn Reisende in meinem Alter sind etwa so selten wie Männer. Lustig war noch, dass Jessi in der Millionentadt Sydney auf der Strasse drei Schweizer Kolleginnen aus der Sprachschule in Noosa (dort war ich auch, hatte aber primär über Cannes und Erinnerungen berichtet) antraf. Irgendwie bei zwei sich bewegenden Punkten ja fast nicht möglich, aber ich liebe ja solch statistische Wahnsinne (ist das die Mehrzahl von Wahnsinn?). Sprachschulen in Noosa haben teilweise fast reine Schweizer Klassen, da unsere Nation dort so übermässig vertreten sind. Mag zwar den Spassfaktor erhöhen, wird aber tendenziell die Verbesserung der Englischkenntnisse bremsen (habe ich jetzt einfach noch geschrieben, damit auch dieser Post einen added value hat, wenn es dieses Mal schon kein kostenloses Frühstück gibt).

Also, der Darling Harbour ist immer noch so schön wie 2003, mein damaliger Lieblings-Starbucks existiert nicht mehr, vielleicht wurden die Mieten sogar für den teuren Kaffeeröster zu hoch. Aber es hat Dutzende andere Restaurants, alle in Anbetracht der Lage preislich ok (vor allem während der Happy Hour und von Mittag bis acht Uhr abends hat immer irgendwer Happy Hour und diese gilt für Drinks und für Food), daher dort ein Abendessen. Ums Opernhaus die genau gleiche Szenerie, in der Opera House Bar zu meiner Freude noch mein Lieblingsbier (Gatherer) von meiner Lieblingsbrauerei (Stonewood in Byron Bay). In der Happy Hour fast schon ein Schnäppchen (umgerechnet 6 Franken für einen Pint, im Piwi in Baden bezahlt man für einen stinknormalen halben Liter Lagerbier mehr und das Piwi punktet jetzt ja nicht gerade mit schöner Einrichtung oder aufregender Aussicht), deshalb nach dem last beer with a view noch das very last beer with a view. Und anschliessend das zweite Abendessen, immer noch mit spektakulärer view.

Bei Kathmandu hatte ich ein weiteres Hoodie gekauft, bei Uniqlo primär günstige Kinderkleider für die Nichten und Neffen. Und wer jetzt denkt, dass dieser Aufenthalt so weit so langweilig ist, dann war er das eigentlich auch, aber wäre es eben doch nur gewesen (seltsamer Satz – wer es nicht verstanden hat: einfach weiterlesen). Ich habe natürlich mit dem neuen Hoodie auch noch ein Hoodie-Pic (und auch das war halt leider very last one, langsam werde ich leicht melancholisch und hoffe auf Euer Mitgefühl) gemacht, gebe aber zu, dass damit das Spannungsmoment nur unwesentlich steigt.

Aber der Aufenthalt in Sydney wurde doch noch ein wenig aufregend (ohne, dass ich auf Tischen getanzt oder im falschen Moment ein Wifi gesucht hätte wie bei der Einreise in Darwin), denn in meiner zweitletzten Nacht (nachdem ich drei Monate lang nie auch nur das geringste Wehwehchen gehabt hatte) in Australien überfiel mich sehr fieses Halsweh. Ja, und als Mann sind ja nur schon Anzeichen einer möglichen Männergrippe Signale von aktuer Todesgefahr, aber dieser Schmerz war dann verbunden mit dem Husten doch mehr als nur ein Grippchen. Trotzdem hätte ich das zu Hause heldenhaft durchgestanden (auch wenn mir meine ehemalige Lieblingsmitarbeiterin Christina stets eine leichte Wehleidigkeit unterstellt hat, sorry, Christina, genau jetzt isch dis Whatsapp cho, Du häsch Dich indirekt ufdrängt für dä Uftritt und gibs zue, wärsch enttüscht gsi, wännd nie erwähnt worde wärsch), mir graute aber vor den sehr bald anstehenden 20 Stunden Flugzeit nach Hause. Und so fragte ich im Hotel der Möglichkeit eines Arztbesuches. Und tatsächlich gibt es in Sydney flying hotel doctors, die fliegen zwar nicht, aber springen von Hotel zu Hotel. Und so hatte ich zwar keinen kulinarischen aber einen medizinischen Room Service und Medikamente wurden direkt aus dem mitgebrachten Rucksack abgegeben.

Und so brachte ich dann in leicht geschwächt aber dafür im gedopten Zustand auch noch die Wanderung an den Bondi Beach hinter mich. Geschwitzt wie noch selten (obwohl es gar nicht sooo heiss war), aber das soll ja nicht ungesund sein.

Sehr nett (und von guter Organisation und Ausbildung zeugend) dann die handgeschriebene Nachricht, welche mir das Zimmermädchen hinterliess: „Dear Thomas, I hope you feel better. I have left you some extra tea bags“. Ja, und hätte ich es fotografiert, könnte ich es hier zeigen, aber wieder einmal muss die Nacherzählung genügen, sorry not sorry.

So, und das wars dann also aus Sydney und damit auch aus Australien. Next stop und dort bleibe ich ja dann eine Weile: Untersiggenthal.

Cheers, mates.

Vom alleine Essen und von Roger und von Kinobesuchen

Wie bereits mehrfach berichtet, hält ja die Aussicht, alleine in einem Restaurant essen zu müssen, gewisse Menschen vom Reisen, ja sogar von Ausflügen ab. Diese Geschichte soll alle Mitglieder dieser Gruppe ermutigen, es mal zu versuchen.

Zuerst aber ein Abschweifer, der handelt auch vom alleine essen. Und enthält eine freie Mahlzeit auf dem Gotthard-Pass für alle Leser (also nicht etwa einen Gutschein oder so, aber eine ziemlich brauchbare Anleitung). Die Geschichte handelt von Roger Keller. Es ist wohl der Chef, dem ich am meisten zu verdanken habe (das gäbe einen eigenen Beitrag), andere würden es wohl mit ein paar Kisten Wein tun, ich mit einem Gastauftritt, um den er fast schon flehentlich gebettelt hat (und Roger, falls Christiane (Paar-Gastauftritt) die Geschichte noch nicht kennt: Jetzt wäre ein guter Moment, sie mal zu erzählen). Die Geschichte geht so: Roger lud einmal alle seine Direktunterstellten zu einer Wanderung auf den Gotthardpass ein (also eigentlich zwang er uns). Das Bild stammt von meinem Instagram-Profil, einfach falls jemand noch nicht weiss, dass ich auf Instagram bin:

Die Einladung von Roger grosszügig, denn in Andermatt (von Andermatt handelt übrigens einer meiner ersten Blogposts (ja genau der, in dem ich ganz nah am Olympiasieg Olympiasieger in der Herrenabfahrt dran war und Reto (der einfach nie ins Bett wollte) und Lars (der hätte bei einer Tanzeinlage noch fast einen Unfall gehabt) hatten tragende Nebenrollen)) stellte sich Roger im Coop an die Kasse und wir durften uns alle unseren Proviant (ein sogenannter Zwipf (militärische Kurzform von Zwischenverpflegung) in Rogers Sprache) zusammenstellen. Der Unverschämteste (nicht ich) deckte sich gleich noch mit einer Kurpackung der teuren Gilette-Rasierklingen ein. Nun, die Wanderung war für die einen wunderschön, für andere eher anstrengend, mir mich beides. Oben angekommen bezogen wir die schönen Zimmer im Hospiz und dann gab es wohlverdient was zu Essen und ein paar Bier oder Gläser Wein. Um Mitternacht wollte die Wirtin schliessen, unter grossen persönlichen Einsatz erkämpfte Roger fünf weitere Runden für seine festfreudigen Mitarbeitenden, die zweitletzte durch Androhung des Anstimmens von „einer geht noch, einer geht noch rein“, die allerletzte durch tatsächliches Absingen dieses Partykrachers (so zumindest meine Erinnerung).

Aber eigentlich handelt die Geschichte ja vom alleine Essen und ihr alle wollt ja vor allem kostenlos speisen auf dem Gotthard. Und das war so: Alle sassen beim Frühstück, nur Roger fehlte. Als die Abfahrt des Buses nur noch 20 Minuten entfernt war, versuchten wir in grösser werdender Panik, Roger zu erreichen. Als er endlich den Anruf entgegennahm, fragte er sogleich leicht genervt: „wo sind ihr?“. Auch Roger war beim Frühstück (allein oder einfach mit sich selber) und fragte sich, wo wir waren. Er war über die Strasse ins Selbstbedienungsrestaurant gegangen, hatte sich reichlich mit Kaffee, Obst, Müesli, Käse, Wurstwaren und Brot mit Butter (und sicher auch noch Honig und Konfitüre, womöglich hat er noch nach seiner persönlichen Lieblingssorte gefragt) eingedeckt und die Kasse selbstbewusst mit „bin Hotelgast“ passiert. Und das wäre jetzt die Anleitung zur Gratisverpflegung gewesen: Einfach selbstbewusst (am besten hart an der Grenze zur Arroganz) an der Kasse vorbeischreiten und mit Bestimmtheit etwas halbwegs plausibles sagen, Variationen könnten sein: „gehöre zur Bustour“, „bitte auf Rechnung Meier“ oder „Skiclub Gontenschwil“ – die gewagteste Variante (hier für den Gastauftritt von Pippo und Lukas (er der mutigste Lernende, dem ich je begegnet bin)) wäre sicher #TeamSchletzBier. Und so was funktioniert alleine tendenziell besser als in der Gruppe.

Damit haben wir diesen Abschweifer endlich hinter uns. Er leitet mich aber zu einem zweiten, sehr kurzen (versproche, im Fall). Rogers Auftritt erinnert ja stark an Leonardo di Caprio und seine Rolle in Catch me if you can. Über Leo (für Freunde) habe ich bereits In meinem Beitrag über Broome geschrieben. Catch me if you can sah ich 2003 in Sydney, an einem regnerischen Nachmittag in einem fast leeren Kino. Und weil mir der Film so gut gefiel und ich fand, dass man bei einer zweiten Betrachtung sicher weitere amüsante Details entdecken würde (und vor allem auch, weil es immer noch regnete), war Vorstellungsende plus zehn Minuten für mich auch grad nochmals Vorstellungsbeginn. Habe ich vorher nie gemacht, habe ich danach nie mehr gemacht. Aber genau darum ist Reisen so wunderbar, weil man (leicht absurde) Dinge tun kann, die man sonst nie tut (und wenn man alleine reist, muss man sich nicht mal rechtfertigen).

So, aber jetzt genug der Abschweifer, jetzt gehts ums alleine Essen: Am Abend nach der nicht ganz so wilden Return-Party (nachzulesen hier) sass ich gemütlich in der Breeze Bar in Airlie Beach. Natürlich alleine, also mit meinem I-Pad, auf dem ich ein Buch las. Und obwohl es gar nicht so war, können wir uns ja vorstellen, dass sowohl die Pärchen an den Nebentischen wie auch die grosse Männergruppe am grossen Tisch immer wieder mitleidig zu mir schauten. Allenfalls machten sie noch Aussagen wie „poor guy“, „lonely“, „lonesome“ oder „no wonder he has no friends, just look at him“. Vielleicht lachten sie dazu und zeigten mit dem Finger auf mich und vielleicht fragte mich noch einer direkt „why are you alone?“. Machten sie alles nicht, in Airlie Beach sind viele Alleinreisende unterwegs und alle Restaurants haben grosse Tische und man kann sich überall dazusetzen (also vielleicht nicht grad bei den Frischverliebten, welche die Finger keine Sekunde von einander lassen können, aber bei allen anderen schon).

Aber stellen wir uns vor, es wäre so gewesen oder zumindest gefühlt so gewesen. Denn genau in jenem Moment als ich mich unter meinem Tisch vergraben wollte, erschien Esther, regelmässige Leser kennen sie schon als weiblichen Teil aus dem Schweizerischen-Holländischen Doppel von der Return-Party. Und ab hier hat es sich zu 100 % genau so zugetragen (ich schwörs, im Fall). Nun, Esther ist so die Person, die tendenziell auffällt, ein Bild mag es schon zum Teil erklären:

Wer mehr von ihr sehen möchte, der folge ihr auf Instagram, wenig überraschend hat sie ein leicht besseres Likes/Follower-Verhältnis als ich. Aber auch sie hat ihre bad-hair-moments, zum Beispiel, wenn sie grad aus einem Flugzeug springt (Foto offiziell autorisiert von der Protagonistin):

Nun hat sie auch einen Gang, der gewisse Männerköpfe (und auch die der Frauen) drehen lässt, vor allem aber ist sie tendenziell manchman eher wahnsinnig laut und extrovertiert im Vergleich zu anderen Menschen. Und sie lacht immer. Und so rief schrie sie meinen Namen durch die ganze Bar und da ich in mein Buch vertieft war sogar mehr als einmal und darum schauten auch all die Pärchen (sogar die Frischverliebten) auf. Zweite auffällige Eigenschaft an Esther ist, dass Begrüssung ohne Umarmung nicht geht, so richtig fest mit drücken und auf den Rücken klopfen, dazu laut lachen. Erste neidische Blicke von der grossen Männergruppe trafen mich, erste giftige Blicke des weiblichen Teils der Frischverliebten trafen Esther. In diesem Moment wurde mein Essen serviert, was Esther mit ‚oh, I have already had my dinner, so I cannot join you‘. Leichte Schadenfreude vom Männertisch, gewisse Erleichterung bei der Frischverliebten. Aber ohne Aufforderung meinerseits fuhr Esther fort mit „but you know what, I will just join you for a drink“ und führte damit zu einer leichten Gesichtsentgleisung bei der Frischverliebten, weil ihr Frischverliebter darob erfreut zu sein schien. Hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz (habe trainiert für den Gotthard) antwortete ich „well, you know, I actually would have preferred to keep going with my book (kurzes Aufflackern von Hoffnung am Nebentisch) – but if you do not have any other plans, why not?“

Und so setzte sich Esther nieder, erzählte lustige Geschichten (laut und extrovertiert mit vielen Lachern). Zwischenzeitlich verliess sie mich mal kurz wortlos (kurze Hoffnung oder Schadenfreude an den Nebentischen), aber nur um eine zu rauchen (und das ist in Australien schon so was von rebellisch, die Raucher müssen sich ihre Zonen richtiggehend suchen). Sie kam wieder. Als ich fertig gespiesen und wir beide fertig getrunken hatten, forderte sie mich auf (wieder nahe 100 Dezibel), noch in ein anderes Lokal auf ein Bier zu kommen. Und so verliessen wir den Tatort (ganz kurz: der letzte Schweizer Tatort war ja so was von unterirdisch schlecht, ich fühle mich fast genötigt, mich bei allen Deutschen und Österreichern dafür zu entschuldigen) gemeinsam. Ich spürte die Blicke in unseren Rücken (schaute aber nicht zurück) und als wäre mein Triumpf nicht schon umfassend genug gewesen, fragte ich Esther (ja und genau da könnte man mal auf die Schnauze fliegen, weil man übertreibt), ob sie sich nicht bei mir einhängen wolle, was sie mit lautem Lachen freudig tat.

Und was Lernen wir draus: Alleine Essen kann gratis sein, alleine Essen muss überhaupt nicht einsam sein, falls man mit einem Auftritt Esthers rechnet, empfiehlt sich allenfalls ein Pamir und zum Glück bekommt der Tatort ein neues Schweizer Ermittlerduo.

Next Stop: immer noch Sydney.

Cheers, mates.

Vom Aufräumen und Abschweifen – also eigentlich wieder mal über Airlie Beach – und über den Kronzeugen

Ich muss zuerst ein wenig Aufräumen (weiter unten räumt dann noch jemand auf) respektive zum allerersten Mal in der 100-jährigen tägigen Geschichte dieses Blogs offiziell eine Falschaussage korrigieren. Alle, die gerade um Ihre Gastauftritte fürchten: Nein, keine Angst, Claudio Beffa, ich finde Mooris weiterhin einen stylishen Möbelladen und nein, liebe Walfamilie, ihr bleibt meine liebste Walfamilie. Nein, es geht darum, dass ich ja darüber berichtet habe, dass wir den Quarterpounder nicht kennen, da wir diesen ja Royal with Cheese nennen würden. Natürlich nennen wir ihn nicht so, in Pulp Fiction (der Film, den ich nicht verstehe – aber Töbi hat versprochen, ihn mir nach meiner Rückkehr zu erklären und seine Frau Claudia ist jetzt sicher wahnsinnig stolz, dass ihr Tobiässli hier im Internet so prominent erwähnt wird und sie gleich noch dazu) wird nur erzählt, dass er in Paris „Royale with Cheese“ (und weil es in Paris ist, schreibe ich anstelle von Royal Royale) heisst. Bei uns wird er vermarktet als „Cheeseburger Royal“. Ich finde es bemerkenswert, dass nur bei uns der Burger im Namen erwähnt wird, wahrscheinlich unterstellt McDonalds uns damit, dass wir ohne explizite Erwähnung eine Pizza oder einen Auflauf erwarten würden. Ich entschuldige mich auf jeden Fall in aller Form für diesen gravierenden Faux Pax.

So, haben wir das also hinter uns gebracht. Zu berichten habe ich noch von meinem letzten (und zwar leider wirklich last und nicht latest) Ausflug. Die Whitsunday Islands kann man ab Airlie wohl auf drei Arten erkunden. Mit Tagesausflügen, welche aber ziemlich viel schnelle und laute Fahrt enthalten, wenn man Whitehaven Beach besuchen will. Oder ein Zweitagesausflug mit Uebernachtung auf einem Boot (irgendwie ein wenig Abenteuer, ein wenig romantisch (je nach Anbieter auch ziemlich partylastig), aber halt mässig komfortabel – hatte ich bei meinem letzten Besuch gemacht und hier darüber berichtet). Oder man kann auch einen Mehrtagesausflug machen, bei welchen man die Tage zwar auf See verbringt, in der Nacht aber in einem Resort auf einer Insel untergebracht ist. Diese Option wählte ich dieses Mal, wiederum in der für mich stimmigen Version mit meinem Einzelzimmer (und es war ein richtig geiles, eigentlich war es eher eine Beach Villa) in einem Resort, welches aber vor allem Backpackers in Dorms beherbergt. Und trotzdem war ich nicht der älteste Teilnehmer, war auch mal wieder schön.

Wir waren bestellt auf 14.00 Uhr, das Boot sollte um 14.30 Uhr loslegen. Als vorbildlicher Schweizer war ich natürlich kurz vor halb zwei da, ich war zu meiner Beruhigung aber nicht mal der Erste. Insgesamt hatten sich um 14.00 Uhr rund 30 Leute eingefunden. Nur einfach niemand, um uns abzuholen. Kurz vor 14.30 Uhr erschien unser Guide dann doch noch, eine Begründung oder gar Entschuldigung für die Verspätung fand er nicht so wichtig. Es war ein schlechter Start und leider sollte das Schema ‚Gäste da – Crew noch nicht‘ so etwas wie der rote Faden oder Running Gag der Tour werden. Und alle die schon mal mit mir zusammengearbeitet haben, wissen, dass ich bei Unpünktlichkeit tendenziell spassreduziert bin.

Wir wurden überschifft auf Paradise Cove, eine kleine Insel mit tollem Resort. Dort konnten wir uns eher aktiv (so seltsame Dinge wie Kanufahren) oder passiv (so wunderbares Zeugs wie in der Hängematte hängen) beschäftigen, was wir auch ausgiebig taten. Nachtessen gut (aber doch recht Convenience-lastig), anschliessend wurde das Campfire gezündet und man konnte Marshmallows (bitte nicht versehentlich Marshmello übers Feuer halten) darüber grillen. Und da dieser Ort als „best place to have a glass of wine“ einzustufen ist (und ich habe da jetzt ein wenig Expertise), wurde es zwar überhaupt keine wilde Partynacht aber trotzdem ein „quite remarkable evening“. Am nächsten Tag dann der Hauptausflug zum Whitehaven Beach. Nun war es insgesamt schon mein dritter Besuch da, aber man könnte auch 10 Mal gehen, der Ausblick ist jedes Mal wieder fantastisch und infolge von Ebbe und Flut auch jedes Mal ein wenig anders. Und natürlich gab es auch eine Gelegenheit für ein Hoodie-Pic.

Auf der Rückfahrt dann leider Regen, starker Wind und recht hoher Wellengang, so dass wir immer wieder nassgespritzt wurden. Und so entstehen dann so lustige Instagram-Stories wie „come to Australia they said – it will be fun they said – it will always be sunny and warm they said“ (ja, wäre als Original sicher noch viel lustiger gewesen, aber habe leider vergessen, einen Screen Shot zu machen, weshalb hier die Nacherzählung reichen muss). Auf dieser Rückfahrt noch ein wenig Schnorcheln am besten Spot meiner Reise (und leider entfällt hier das „bisher“, denn leider ist das Schnorcheln in Australien nun Geschichte – also für mich, ich gehe schon davon aus, dass diese Ausflüge weiterhin angeboten werden). Wirklich unzählige Fische in fast unzähligen Arten und unterschiedlichsten Grössen. Und mittlerweile hat das Wasser auch eine Temperatur erreicht, welche sogar Menschen mit Kaltwasserphobie nicht mehr vom Reinspringen abhält. Am Abend dann nochmals die gleiche Routine, also Wein am Campfire, beim zweiten Mal zwar immer noch super aber das Überraschungsmoment fehlt halt ein wenig (ist wie bei Filmen, die zweite Ausgabe ist nie besser als die Erste. Wobei es katastrophale Ausreisser nach unten gibt wie „dumb an dumber“ aber auch löbliche Ausnahme wie „Terminator“, wo Nummer zwei massiv besser war als die schon sehr gute Erstausgabe). Am nächsten Morgen ein wirklich letztes Mal Schnorcheln (gut aber halt nicht so überragend wie am Vortag aber niemals so stark abfallend wie „dumb and dumber“) und dann war die Sause auch schon wieder zu Ende.

Am Abend war noch die grosse grossartige gross angekündigte Return-Party angesagt. Nun, diese Parties haben im Vergleich zu 2003 massiv abgegeben. Ein Teil der Gruppe war schon weitergereist, andere hatten schlicht keine Lust. Eine Kanadierin war wahnsinnig enttäuscht, da der Guide sich um eine Stunde verspätete (ich war irgendwie nicht so überrascht) und ihr Interesse auch nicht erwiderte (auch das war mit etwas Lebenserfahrung eigentlich recht absehbar). Ein Engländer verschwand bald mit einer Engländerin (sie wollten den Brexit wohl ungestört diskutieren). Und so war unsere Gruppe recht früh auf ein gemischtes Schweizerisch-Holländisches Doppel reduziert, welches dann mit anderen Restgruppen fusionierte und doch noch einen sauglatten Abend hatte.

Damit endet heute meine short holiday from the long holiday. Und genau hier kommt nun Morena zu ihrem lange ersehnten und erkämpften Gastauftritt (Dein Feedback – war fast schon ein Coaching hart an der Grenze zum Todescoaching – betreffend Länge und Häufigkeit meiner Abschweifer habe ich mir sehr zu Herzen genommen und diese stark reduziert, leider wirst jetzt genau Du zum Hauptabschweifer). Morena hat eine sehr eigene Definition von holiday oder Ferien wie wir das nennen. So fuhr sie einmal (nach gängiger Sprachregelung) in die Skiferien, nach ihrer Definition waren das aber nur Skitage, da weniger als eine Woche. Es war aber auch kein verlängertes Wochenende, denn das müsste gemäss ihr an einem Freitag beginnen und dann am Montag oder Dienstag enden, was es aber nicht tat, denn sie fuhren ja erst am Samstag. Darum Skitage. Wenn ich „sie“ schreibe, dann beinhaltet das unter anderem Morenas Mann Franco. Von dem erzählte sie mir, er sei 1978 geboren und in Wettingen aufgewachsen. Nun kannte ich ihn aber nicht und ich kannte auch niemanden, der ihn als Kind oder Jugendlichen gekannt hätte oder nur schon jemanden gekannt hätte, der jemanden gekannt hätte, der ihn allenfalls hätte kennen können. Somit kam ich irgendwann zur festen Überzeugung, diese Legende sei im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes (Franco = Italien = Sizilien = Mafia = der musste Kronzeuge gewesen sein (und der erste Mensch, der es zu einem Gastauftritt im Titel schafft)) entstanden. Aber so war es nicht. Denn tatsächlich fand Morena beim Aufräumen (und hier schliesst sich jetzt der Kreis, kurzer Szenenapplaus für den Autor) den Juniorenkalender des FC Wettingen selig in der Ausgabe von 1990. Und tatsächlich hatten Franco und ich eine Saison in der gleichen Mannschaft gespielt. Wobei gespielt eher übertrieben wäre, denn er hat meist gespielt und ich war maximal Ersatzspieler (ich positionierte mich konsequent als Edelreservist oder Joker). Und Morena: Falls Du das Bild noch hast, poste es doch. Ich kann nicht nur über andere sondern auch über mich selber herzhaft lachen. Und Morena: Wie würdest 90 Tage Ferien am Stück nennen? Und Morena: Wir wollten seit über einen Jahr mal zusammen lunchen gehen (diese letzten drei Einschübe wirklich nur, um diesen Abschweifer zum längsten ever zu machen).

So, das wars nun mit Australien. All good things come to an end, das wusste schon Nelly Furtado. Wobei noch nicht ganz: next und very last stop: Sydney.

Cheers, mates.

Über lange Fahrten, Hitze, Fliegen und Naturwunder – und wie ich plötzlich zwei 18jährige Töchter hatte!

Zuerst mal kurz zum Preisausschreiben betreffend meiner ehemaligen Lektorin, welche sich ja zuerst zur Head of Research und dann Co-Autorin befördert hat. Nun, es ist genau eine richtige Antwort eingegangen, nämlich von meiner geschätzten Stellvertreterin Rossy, welche ja hier bereits die zweite Erwähnung findet, nachdem sie um den Auftritt im Beitrag über Noosa (welchen ich hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz von allen meinen bisherigen den besten finde) fast schon gebettelt hatte. Nun, ihre Antwort war richtig, da ich von der anonymen Co-Autorin wusste, dass sie es eben auch wusste, musste nach langen Beratungen mit meinem Roger Cahn (wer sich noch an ihn erinnern kann, ist definitiv vor 1980 geboren, genau, gemeint ist der absolut unbestechliche Juror aus Tellstar). Wir werten das Vorgehen Rossy nicht als Betrugsversuch (kleiner Abschweifer zu Tommaso Ramundo, wer sich an ihn erinnern kann, muss wohl vor 1990 auf der Welt gewesen sein) und verzichten daher auf ein Disziplinarverfahren. Damit bleibt das Rennen um das Mittagessen auf meine Kosten (aber ohne meine Begleitung) weiter offen. Dass Rossy die gesuchte Person kennt, sollte als Hinweis mal reichen.

Aber eigentlich wollte ich ja von langen Fahrten erzählen, genauer von den langen Fahrten auf meiner Gruppentour von Adelaide nach Alice Springs. Tag 1 wurde schon im letzten Post verwurstet, weshalb ich nicht noch einmal darauf eingehe. Am zweiten Tag fuhren wir (also primär Dan, der sich später noch als the world‘s best guide herausstellen wird – und ich habe jetzt ja doch so zwei oder drei Guides kennengelernt) runde sechs Stunden nach Coober Pedy, das liegt mitten in der Wüste, hat zirka 3000 Einwohner (welche wegen der grossen Hitze vor allem unterirdisch hausen), besteht eigentlich einfach aus einer langen Strasse. Aber: Coober Pedy ist das selbsternannte Weltzentrum der Opal Produktion, womit die einzige Touristenattraktion aus dem Opal Museum besteht, welches auch nicht mehr benützte unterirdische Stollen beinhaltet. Und bei aller Heimatliebe: diese sind den Meyerschen Stollen in Aarau doch ein wenig überlegen. Aber nur deswegen würde ich jetzt nicht grad nach Australien fliegen. Den Abend verbrachten wir in der unterirdischen Bar (welche an ein unterirdisches Casino angeschlossen ist) und übernachtet haben wir ebenfalls unterirdisch (ehrlich gesagt nicht aufregender als ein WK in einer Zivilschutzanlage, aber meine Mitreisenden kriegten sich fast nicht mehr ein). Aber in Anbetracht der im wahrsten Sinne des Wortes umwerfenden Temperaturen angenehm kühl. Kleiner Fun-Fact am Rande: In Coober Pedy kann man golfen, der grasfreie 18-Lochplatz ist wohl einer der ungewöhnlichsten der Welt.

Am nächsten Tag verschoben wir uns fast 8 Stunden in Richtung Zentrum Australiens. Ausser dieser Fahrt enthielt der Tag kein weiteres Programm, weshalb wir nach der Ankunft auf dem Camp Ground (hört sich irgendwie abenteuerlicher an als Camping-Platz (das erinnert mich so an die entsprechende TV-Serie auf RTL (womit Harley Jenkins zu seinem ersten und Eloy van der Sman zu seinem dritten Gastauftritt kommt, sorry, der ist jetzt wirklich nur für Insider des ‚inner circle’))) (Dreifachklammer – new personal best) nur noch ein wenig im Pool planschten. Wäre ja nicht aufregend, hat aber zum bisherigen Höhepunkt der Reise geführt. Die acht Teilnehmer unserer Gruppe badeten also ein wenig im kleinen Schwimmbad und kamen dabei mit den Teilnehmern einer anderen Gruppe ins Gespräch. Und irgendwann sagt ein Engländer zu mir: ‚You know, I find this awesome’ und auf meine Frage, was er denn so wahnsinnig awesome fände, ergänzte er mit Blick auf die zwei holländischen Schulabsolventinnen: ‚that you travel with your daughters and get along so well with them’. Ja, und seither heisse ich ‚Dad‘ und werde unter anderem von Guide Dan regelmässig aufgefordert , nach den ‚girls’ zu schauen im Sinne von ‚Thomas, could you make sure that the girls brush their theeth before they go to bed?‘.

Kurzer oder sogar langer Abschweifer zu Dan. Er hat von 2007 bis 2017 als Tourguide gearbeitet, ist dann aber in seinen ursprünglichen Beruf als Automechaniker zurückgekehrt (‚higher pay, relationsship-friendlier and you do not have to deal with weird tour guides anymore – i got sick of that’ – und dabei bringt er mindestens dreimal das f-Wort unter). Nun wurde er von Groovy Grape Tours kurzfristig angefragt, ob er infolge Personalmangel einspringen könnte (auch so typisch Australien: am Dienstag einen Guide für eine 6-Tages-Tour startend am Samstag zu suchen, aber irgendwie klappt es immer). Und so hatten wir also einen Guide, der (da selber gewissermassen auf einer ‚working holiday’) sich fast noch mehr als wir auf die Tour freute und ‚really excited’ war, uns alle Schönheiten des Landes zu zeigen und seine alten Freunde an jeder Station zu treffen. Zwei Dinge machen Dan besonders: Er ist extrem engagiert, legt zum Beispiel eine Vollbremsung hin, wenn er am Strassenrand ein Reptil sieht, welches uns interessieren könnte oder hält bei jedem überfahrenen Kangoroo, um zu schauen, ob es im Beutel ein zu rettendes Jungtier hat). Oder hält auch einfach mal an, um ein 2-Dollar-Stück, welches er angeblich im Vorbeifahren gesehen hatte, aufzulesen – und lacht sich dann fast kaputt, weil es fast alle glauben. Daneben kann er sich sich extrem aufregen, wenn sich andere Guides nicht an Regeln halten („he is not (fucking) supposed to (fucking) stop there, they (fucking) spoil our (fucking) view“) oder (noch schlimmer) wenn sich andere Verkehrsteilnehmer nicht an Verkehrsregeln halten und ihn zum Beispiel bei durchgezogener Linie überholen. Pech für das Deutsche Camper-Paar, dass sie am Folgetag genau neben uns parkierten…ich glaube, sie werden nie mehr irgendetwas überholen, auch nicht einen taubstummen Blinden an einer Migros-Kasse. Aber ja, sein Vater war Rescuer gewesen und hatte „too many dead bodies out of cars“ gezogen. Daneben hat Dan umwerfenden Humor und liebt es, alle mit seiner Plastikschlange (Slang ausgesprochen als Schlaang auf Holländisch) zu erschrecken (fast lieber fremde Gruppen als die eigene) oder mal rasch einen Sekundenschlaf am Steuer anzudeuten (‚loved your scared face’) oder auch einfach alte Räubergeschichten zu erzählen und so in zehn Jahren als Tourguide kommt ziemlich was zusammen. Sehr umfassend sein Wissen zu Aboriginees. Ein Ausschnitt: Der Uluru (ehemals Ayers Rock) wäre ja noch genau eine Woche für die Besteigung offen gewesen, endgültig verboten wird es am 26.10.2019. Ein paar Details dazu hier. Seine Erklärung, warum man das nicht tun sollte, auch wenn es noch möglich wäre, war sehr einleuchtend: Wenn man in einer Turnhalle die Strassenschuhe ausziehen soll, dann tun das alle und wenn man bei McDonalds seine Schuhe anziehen soll, dann machen das auch alle, wir halten uns also eigentlich an (wichtige und unwichtige) Regeln. Also warum den Wunsch der Ureinwohner (you know: they were there first) nicht einfach respektieren? Dass es in Zukunft nicht nur nicht erwünscht sondern verboten ist, liegt daran, dass die Zahl der Besteiger relativ zu den Besuchern unter 20 % gefallen ist. So konnte sogar der Tourismusminister dem Verbot zustimmen, da offenbar der Grossteil der Touristen nicht wegen dieser Besteigung kommt. Kleiner Fun Fact am Rande (auch gelernt von Dan): Wer schon einmal bei Beds are burning von Midnight Oilmitgesungen mitgegrölt hat:

‚The time has come to say fair’s fair
To pay the rent, to pay our share
The time has come, a fact’s a fact
It belongs to them, let’s give it back’ handelt genau von diesem Berg und dass man ihn den Ureinwohnern doch zurückgeben soll. Das ist schon lange geschehen, jetzt wird sogar ihr Wille nach Nicht-Besteigung umgesetzt.

Ich gehe davon aus, dass alle den Uluru schon mal auf einem Bild gesehen haben, Dan bezeichnete ihn als ein Geschenk des Marketing-Gotts (und fand es sauglatt, pseudo-nackt davor zu posen, ich auch, die girls mussten wir zum mitposen überreden). Eigentlich aber viel spektakulärer ist der Kings Canyon (heisst original Watarrka), in welchem wir eine rund 3stündige wirklich spektakuläre Wanderung (‚is this fucking amazing or is this not?‘) unternahmen und das bisher wohl beste non-hoodiepic dieser Reise geschossen wurde. Temperaturen sehr hoch und daher die Fliegen auch sehr aktiv. So konnte die Anschaffung eines Fliegennetzes wenigstens amortisiert werden. Und mit diesen Fliegennetzten ist es wie mit Skihelmen mit Visier (und ja: herzliche Gratulation zu Euren Auftritten Nathalie Nussbaumer und Thomas Mezera, frühere Fans kennen ihn noch als KK, Knipser Knuser): extrem praktisch, aber sieht halt Scheisse aus.

Und auch The Olgas (die heissen jetzt wieder Katja Tujta, dort wanderten wir wieder 3 Stunden) sind umwerfend schön oder einfach „fucking spectacular“. Und dort zum Glück etwas tiefere Temperaturen und recht heftiger Wind, welcher die Fliegen von allzu brutalen Attacken abhielt. Darum konnten wir uns blendend amüsieren ab den (primär asiatischen) Touristen, welche trotzdem so ein Netz trugen. Wahrscheinlich hatte es irgendeine eine Anleitung empfohlen.

Wer jetzt auch an eine entsprechende Reise denkt: ich würde das Zentrum Australiens wirklich im Rahmen einer Camping-Safari bereisen – mit Groovy Grapes – und nach Dan als Guide (man nennt ihn auch Diesel Dan, wir haben aber nicht herausgefunden warum) fragen. Nächte im Swag (eine Art Überschlafsack, bitte keine Verwechslungen mit dem Jugendwort des Jahres 2011) sind abenteuerlich, zusammen kochen (und halt auch Abwaschen) macht durchaus Spass und ein paar Tage „shared facilities“ überleben alle. Vor allem aber sind die Teilnehmer solcher Touren im Vergleich zu den Hoteltouren jünger, fitter, aktiver und wohl vor allem lustiger. Wenn halt auch teilweise so jung, dass sie meine Töchter sein könnten. Und wer Angst hat, diese jungen Reisenden würden dann allzu ‚blöd tun’ (Schwiizerhochdütsch), der irrt. Vor 20 Jahren feierte man auf Reisen primär die Party seines Lebens und schaute nebenbei noch ein bisschen ein schönes Land an. Heute wird primär das Land bereist und wenn man um halb fünf aufstehen muss, dann muss man um spätestens 10 ins Bett, damit man dann auch was davon hat. Wirklich doof an den jungen Mitreisenden ist eigentlich nur, dass sie bei allen Abstimmungen betreffend der zu hörenden Musik absolute Mehrheiten für Justin Bieber finden…

So, das wars aus dem heissen Zentrum. Das grande finale meiner Reise führt mich zurück nach Airlie Beach, wo ich noch ein wenig segeln und die Lagoon geniessen werde. Leider dieses Mal ohne die Walfamilie, welche ich hier nur noch einmal erwähne, weil sie sich jedes Mal so schaurig fest freuen.

Cheers, mates

Über kurze Nächte, lange Flüge und noch längere Fahrten (Punkt 3 ist nur ein Teaser)

Über meinen Aufenthalt in Fiji habe ich ja bereits ausführlich berichtet, wer es verpasst hat, findet es hier. An meinem letzten Abend in Nadi kamen ja noch Nele und Maike an, die geliebten kleinen Schwestern aus der Walfamilie, welche es somit zum vierten Gastauftritt schafft, was gleichzeitig ein neuer Weltrekord ist (wohl leider aber auch der letzte Auftritt…). Aus Angst vor Ungeziefer wie Bedbugs hatten sie auf die Buchung einer Unterkunft vor der Abreise zum Islandhopping verzichtet und sich fest vorgenommen, irgendwo durchzumachen oder am Flughafen zu nächtigen. Dabei hatten sie sich wohl etwas komfortables wie Zürich oder mindestens Basel vorgestellt. Nun, der Flughafen in Nadi bietet vielleicht 20 unbequeme Stühle und das wärs dann auch schon. Ohne vertieftere Diskussionen liessen wir uns erst mal in eine Pizzeria fahren. Und weil wir alle sehr hungrig waren, wählten wir die zweitgrösste der zur Verfügung stehenden Optionen. Sehr gross aber irgendwie habe ich sie dann doch geschafft. Nele hatte im Duty Free sogar noch eine Flasche Wein gekauft, welche wir als bring your own günstig kredenzen wollten. Es blieb teilweise beim Wollen, da Maike und ich in der Aufregung und Freude über das Wiedersehen unsere Becher teilweise verschütteten. Da weder Durchmachen in dieser doch sehr drittweltigen Stadt noch der Flughafen echte Optionen waren, bot ich grossherzig den reichlich bemessenen Raum in meinem Doppelzimmer an (sharing is caring). Auf dem Weg dahin (wir wurden von einem wiehernden (echt jetzt, wirklich) Taxifahrer gefahren, welcher mehrfach leicht zweideutig nachfragte, ob ich die zwei Mädels am Flughafen „picked up“ hätte) kauften wir noch zwei Flaschen Wein, welche wir ohne weitere Verschütter in erstaunlichem Tempo zu leeren vermochten. Und trotz Weinkonsum blieb Nele bis zirka halb elf wach, was doch fast drei Stunden über ihrer üblichen Schlafenszeit lag und wenn nicht persönlicher Rekord dann wohl doch zumindest persönliche Jahresbestleistung darstellte. Nur eines hinderte die durchaus reiseerfahrenen Frauen an einem ruhigen Schlaf: sie hatten einen Transport vom Flughafen (da sie ja dort durchmachen wollten) zum Seehafen gebucht und mochten mir einfach nicht glauben, dass auch bei meinem Hotel täglich um halb acht ein Shuttle vorfuhr und dass sie diesen auch ohne Voucher benützen dürften….und dass im Notfall ein Taxi zur Verfügung stehen würde. Nun, der Shuttle war da und sie wurden ohne weitere Verzögerung transportiert und ich glaube, dass die zwei jetzt denken, dass ich schon wahnsinnig routiniert und gelassen reise. Aber ich kanns Euch jetzt ja sagen: ganz sicher war ich mir auch nicht und darum wahnsinnig froh, als ihr so problemlos in diesen Bus einsteigen durftet.

Ich brach wenig später selber zum Flughafen auf, wo ich die Wartezeit in der Lounge von Fiji Airways überbrückte. Nein, alle die denken, ich hatte mir den Zugang zu dieser Lounge mit einem Flug in der Business Class erkauft, irren. Zu meiner eigenen Überraschung flog ich Economy (nicht einmal Notausgang, dies aber nur, weil die Plätze schon verkauft waren) und erhielt den Zugang über den Priority Pass, welchen ich ja bei meinem MyNAB Paket (ja, das wussten jetzt schon fast alle, weil ich es ja bei jeder passenden und noch lieber unpassenden Gelegenheit erzähle) inbegriffen habe (und ja, der guten Form halber: ich arbeite für die NAB und ich werde für diese Arbeit (nicht aber für diese Erwähnung) auch bezahlt). Bei dieser Lounge könnten sich Swiss oder Lufthansa noch einiges abschauen: sehr schön eingerichtet und zum Zeitpunkt meines Besuches schwach frequentiert und entsprechend ruhig, das Essen wohl „best at an airport ever“ und die Getränke wurden sogar gebracht. Eher nervig dann, dass ich die letzten Fiji Dollar kurz vor dem Abflug in eine Flasche Wasser investierte, welche mir dann beim Besteigen des Flugzeuges mit Verweis auf einen neue Regelung abgenommen wurde.

Der Flug nach Sydney mit Virgin komfortabel, da ich wohl mit viel Losglück Gang mit freiem Mittelsitz hatte, von Sydney bis Adelaide dann eher beengt, da ich mit dem Mittelsitz vorlieb nehmen musste, aber das waren ja dann nur noch zwei Stunden.

In Adelaide angekommen hatte ich ein wenig Mühe, den Treffpunkt für ein Uber zu finden, weshalb ich zum ersten Mal in Australien ein normales Taxi benützte. Uber hätte 20 AUD gekostet (ja, ich weiss schon: hätte, hätte, Fahrradkette), das Taxi kostete 30 AUD. Für die Zahlung mit Kreditkarte wurden mir noch sagenhafte 5 % Zuschlag verrechnet. Gibt es immer noch Leute, welche sich über den Erfolg von Uber oder die Probleme der herkömmlichen Taxiunternehmen wundern?

Der Tag in Adelaide sehr mässig spekatakulär, eher der Wäsche und dem Ersatz meiner kurzen Hose gewidmet. Die alte hatte auf Fiji beim Einstieg auf ein Schiff Totalschaden erlitten (Schranz (einmal Schwiizerhochdütsch pro Beitrag ist zwingend) von rund 10 Zentimeter – genau im Schritt – da nützt auch das sehr gekonnte Umbinden eines Pullovers nichts mehr). Und einen Haarschnitt gab es auch noch. Der nächste wird frühestens in 10 Wochen fällig sein….

Tag 2 dann auf einer Wein Tour im Barossa Valley mit Groovy Grape Tours. Zuerst beim Grossproduzenten Jacobs Creek, danach bei drei kleineren. Und da drei Teilnehmer Rotwein nicht mochten (irgendwie doof auf einer Weintour – ist wie ein Winterausflug in die Berge, wenn man Schnee nicht mag) waren meine Degustationsproben von äusserst vernünftiger, ja sogar grosszügiger Grösse.

Und seit gestern befinde ich mich nun tatsächlich auf einer Gruppentour von Adelaide nach Alice Springs. Nicht auf einer Hoteltour wie in Darwin, wo ich ja bekanntlich eher zum Altenbetreuer mutierte. Nein, dieses Mal ist es eine Mehrbettzimmer- rsp. Swag-Camping-Tour. Ja, irgendwie hatte ich nach viel Komfort noch Lust auf ein wenig Abenteuer und je tiefer der Komfort desto lustiger die Teilnehmer (das ist echt ein Trade off und ich warte immer noch auf das Unternehmen, welches lustige Gruppen mit Kompfort hinkriegt. Wobei mir meine Co-Autorin (kleiner Teaser) sogar ein solches hat nennen können). Die Gruppe auf dieser Tour setzt sich zusammen aus einer Mutter (sogar etwas älter als ich) mit Kind, dem obligaten jungen Paar aus England (und die kommen entweder getrennt oder verlobt zurück, there is nothing in between), einem Deutschen etwa in meinem Alter sowie zwei 18jährigen Holländerinnen. Und wenn ich mir das ausrechne, dann bin ich nicht nur doppelt so alt, sondern sogar 2.33 Mal so alt wie die…aber man ist ja allerhöchstens so alt, wie man sich fühlt. Der Guide verfügt über zwölf Jahre Erfahrung und hat mir gestern Abend erklärt, dass früher gefragt wurde, ab wann man trinken dürfe und ob man überhaupt ins Bett müsse. Und heute fragen die jungen Reisenden tendenziell, ob man trinken müsse und ab wann man ins Bett dürfe. Vielleicht werden wir nur älter (aber deswegen leider nicht zwingend weiser), aber wenigstens scheinen die heutigen Jungen schon recht weise zu sein. Von dieser Tour berichte in dann in der nächsten Ausgabe.

Zum Schluss kurz zurück zum Teaser mit der Co-Autorin. Also begonnen hat das, dass sie mich via Whatsapp (der Link einfach, falls jemand Whatsapp nicht kennt, man weiss ja nie, der Chef der Swisscom soll es gemäss gut unterrichteten Quellen so ungefähr als Wäzzöpp aussprechen) Rechtschreibe-Fehler aufmerksam gemacht hat, eigentlich recht nervig, wenn ich ehrlich bin, wenn auch sicher gut gemeint. Mittlerweile verfügt sie aber über ein Erstleserecht und interpretiert ihre Rolle dahingehend aktiv, dass sie einzelne Abschweifer massiv ausbaut (die Erläuterungen zur Aussprache von Airlie Beach stammen weitestgehend von ihr) oder teilweise gewisse Fun Facts schon im Voraus recherchiert (zum Beispiel das mit der 7-Dollar-Note auf Fiji). Sie möchte anonym bleiben, weshalb sie hier einen anonymen Gastauftritt erhält. Sollte aber jemand einen „guess“ haben, um wen es sich handeln könnte: Tipps via Wäzzöpp an mich, die erste richtige Nennung (oder eher der Nenner oder die Nennerin) gewinnt ein von mir bezahltes Mittagessen, ganz alleine, nur für sich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und sollten keine richtigen Tipps eingehen, gibt es das nächste Mal einen Hinweis.

So, next stop Coober Pedy, das wäre dann die sehr lange Fahrt.

Cheers, mates.

Über Fiji, Fiji Time und Wilson selig

Fiji (die zweite Schreibweise Fidschi hört sich zwar ganz wahnsinnig stark nach Schwiizerhochdütsch an, ist aber nicht minder korrekt als die erste) ist bei uns wohl unter anderem bekannt wegen Fiji Water. Dieses wird ähnlich gehyped wie Voss Water, einen gesundheitlichen Nutzen können wohl beide nicht nachweisen und gerade in der Schweiz ist der Konsum von Flaschenwasser, herangeschifft vom anderen Ende der Welt, wohl doch eher fragwürdig fragwürdig nicht erklärbar eigentlich unentschuldbar. Etwas weniger bekannt ist, dass Fiji eine der grossen Rugby-Nationen dieser Welt ist und vor allem im 7-er Rugby fast schon dominiert. So wurde Fiji 2016 sogar Olympiasieger und damit zum ersten pazifischen Inselstadt mit einer olympischen Goldmedaille. Die Leute aus Fiji (heissen die wohl Fijianer?) waren darob so aus dem Häuschen, dass seither im Land eine 7-Dollar-Note zirkuliert. Fiji hat übrigens nichts mit Fuji zu tun (der eigentlich Ralph heisst, aber so nennt ihn niemand). Aber er verdient seinen Gastauftritt als grosser Fan meiner Beachwalk-Videos (er produziert mittlerweile schon Imitate, muss aber noch an der Verhinderung des Schattenwurfs arbeiten).

Mein Entschluss für meine kleine holiday from the holiday entstand relativ spontan, dabei standen drei Reisevarianten zur Auswahl: Flug nach Nadi mit Unterkunft in einem Resort und der Zubuchung von Tagesausflügen wurde rasch verworfen, da Nadi an sich nicht gerade überragend schön ist und man bei Tagesausflügen viel Zeit mit Warten am Hafen verliert. Variante 2 wäre der Kauf eines Bula Pass (Quasi das GA für den Schiffsverkehr zwischen den kleinen Inseln) mit spontaner Buchung von Unterkünften gewesen. Birgt aber die Gefahr, dass gewisse Inseln dann halt schon ausgebucht sind und hätte auch ein wenig vorgängige Auseinandersetzung mit der Reise benötigt. Variante 3 ist die Buchung einer Pauschalreise, sprich man hat alle Transporte, Unterkünfte und Verpflegungen sowie zum Teil auch Aktivitäten im Voraus gebucht und lehnt sich entspannt zurück. Gebucht habe ich bei Jemma bei Peter Pans in Airlie Beach. Sie hatte recht rasch mein Bedürfnis erkannt: ein eigenes Zimmer (mit eigenem Bad) in einem Resort, das daneben auch über Mehrbettzimmer verfügt. Denn wenn es nur Doppelzimmer gibt, dann werde ich entweder zum Honeymoon-Zuschauer oder zum Altenbetreuer, wie beschrieben in meinem Beitrag über Darwin. Und aus dem „dorm with shared facilities“-Alter bin ich irgendwie hinausgewachsen. Faszinierend an Jemma fand ich aber vor allem, wie sie telefonisch mit einer Person auf Fiji meine Unterkünfte zusammenstellte (das läuft noch recht analog), mir dazu einen Flug buchte (das dann schon online), ihre zwei jungen (und nicht gerade übermotivierten) „holiday workers“ instruierte (wieder analog) und mit einem geduldigen Lächeln auch noch einer Nicht-Kundin den Wunsch nach einer wunderschönen gelben Peter Pans-Stofftüte erfüllte. Meine Bestätigung erhielt ich dann via e-mail mit der Aufforderung, diese doch am Standort Noosa (da ich schon weitergereist war, auch darüber kann man lesen, nämlich hier) bei einer Kollegin ausdrucken zu lassen. So aus Verkäufer-Optik mässig attraktiv, den Verkauf eines Dritten administrativ abzuschliessen. Aber auch hier wurde ich von Hanna positiv überrascht, sie erklärte mir alles noch einmal ganz geduldig und dies obwohl ich vor der offiziellen Öffnungszeit dafür aber schön nassgeschwitzt von meinem ausgedehnten morning walk eintraf. Und als sie meine Nationalität sah, hatte sie sogar noch den umwerfenden Charme zu sagen, ich würde aber ganz wunderbar englisch sprechen und man höre gar keinen Akzent. Ihr merkts, ich bin ein bisschen Fan von Peter Pans geworden und habe darum auch schon eine Weiterempfehlung ausgesprochen gegenüber Marc Sarasin (vielleicht solltest Du dich wieder mal um deinen Auftritt in den sozialen Medien kümmern, auf Xing findet man Dich als Mitarbeitenden der AKB, ich wusste nicht mal, dass Du mal dort warst, aber wenn Du es wirklich mal warst, dann muss das lange her sein). Das war jetzt nur eine kleine Überleitung, um kurz zum legendären Ausflug in den Europa-Park mit Marc abzuschweifen. Das muss 2001 gewesen sein und die Credit Suisse hatte rasch für ein Wochenende den ganzen Park für das damals noch herzlich geschätzte Personal gemietet. So richtig mit Abendunterhaltung, DJ Bobo trat sogar noch auf. Und alle waren ganz aus dem Häuschen und kriegten sich fast nicht mehr ein oder kurz zusammengefasst: Mann, waren das noch Zeiten. Wenn ich mich richtig erinnere, war Markus Grimm (der hat gar keinen Auftritt auf Social Media, der braucht das offenbar nicht) auch am Start. Und Markus, falls Du dies liest, wollte ich nachfragen, ob das traditionelle Weihnachtsessen eigentlich wieder stattfindet?

So, aber eigentlich wollte ich ja von Fiji erzählen. Hingeflogen ab Brisbane, mit dem Nachtflug, welcher um 00.30 abfliegt und am Morgen um 05.00 in Nadi landet. Man verliert keinen Reisetag und spart erst noch eine Nacht. So die Theorie. Der Flug hatte leider mehr als zwei Stunden Verspätung und so eine Nacht auf einem Flughafen mit ausschliesslich geschlossenen Läden und Restaurants bei sich zu Ende neigenden Akkus aller elektronischer Geräte (das war das wahre Drama) ist dann doch nicht so geil. Egal, kurz vor 08.00 landeten wir auf Fiji. Dort erhielt ich dann für jeden Transport, jede Mahlzeit, jede Übernachtung und jede Aktivität tatsächlichen einen papiereren Voucher in die Hand gedrückt. Ja, Fiji ist noch sehr traditionell oder eben anlog. Aber obwohl alles immer ein wenig chaotisch und unorganisiert wirkt (so auf Zuruf) hat immer alles ausnahmslos geklappt und obwohl immer auf die Fiji-Time verwiesen wird (in der Schweiz würde man sagen: chumi hüt nöd, chumi morn) war auch immer alles überraschend pünktlich. Vielleicht ist das mit der Fiji Time auch einfach sehr durchdachtes Expectation Management.

Den ersten Tag verbrachte ich auf der Seaspray Adventure, toller Tagesausflug zur Insel, auf der Cast Away mit Tom Hanks (und dem verschollenen Wilson, er ruhe in Frieden) gedreht wurde. Und auch wenn wir alle ganz sentimental waren (weil der arme Tom doch sieben Jahre darum kämpft, seine grosse Liebe wiederzusehen und dann hat die dummerweise in der Zwischeinzeit mit einem anderen angebandelt), so ist diese Insel doch einfach wahnsinnig sehenswert. Und das Wasser kristallklar und so wunderbar warm, dass sogar Menschen mit Kaltwasserphobie einfach reinspringen können. Der Ausflug ist nicht ganz billig, dafür „all inclusive“, wobei zwei durchaus trinkfreudige Paare aus Kanada dafür sorgten, dass der Weissweinvorrat irgendwann zur Neige ging. Wir wurden dann damit entschädigt, dass uns beim Schwimmen am Nachmittag Bier direkt ins Meer zugeworfen wurde. Und „all inclusive“ beinhaltet vor allem auch ein hervorragendes Barbecue zum Lunch.

Die erste Nacht verbrachte ich auf Beachcomber Island, so gross oder klein, dass man in 5 Minuten um die ganze Insel spazieren kann. Eigentlich wäre ich auf South Sea (noch ein wenig kleiner) gebucht gewesen, aber ich wurde dann kurzfristig auf dem Boot (improvisiert, auf Zuruf) umgebucht. Beachcomber ist ein wenig als Partyplace verschrien. Da wir aber nur rund ein Dutzend Gäste waren, hielten sich die Feierlichkeiten in engen Grenzen. Immerhin holten wir im Beer Drinking Contest bei drei startenden Teams sehr ehrenvoll und nach hartem, aufopfernden Kampf die wohlverdiente Bronzemedaille.

Tag zwei war der Verschiebung nach Wayalailai gewidmet, ein sehr süsses, sehr liebevoll gestaltetes kleines Resort. Direkt vor der Insel liegt ein zum Resort passendes (also kleines und süsses) Reef, an dem man wunderbar schnorcheln kann. Höhepunkt ist aber der Ausflug zu den Reef Sharks, welche so zahm sind, dass sie sich auf touch distance nähern. Und während man in Australien nie irgendetwas anfassen soll, sind die Fijianer wesentlich entspannter, sprich man wird aufgefordert, die süssen kleinen Haie zu streicheln. Und auch sehr wichtig: Sehr gutes Essen.

Nach zwei Nächten dann die Weiterreise zur Nabua Lodge. Auch dort eine sehr familiäre Atmosphäre. Eine der Aktivitäten ist Fischen und wenn ein Gast etwas fängt, wird dieser Fang auch gleich für die nächste Mahlzeit gekonnt verwertet. Ein Franzose war ganz angefressen vom Fischen und seine Frau ging immer mit, um ihm beim Fischen zuzuschauen und weil sie das so toll fand wird „watching somebody else fishing“ nun versuchsweise ins Aktivtätenprogramm aufgenommen. Also ich würde ja Fischen an sich schon langweilig genug finden, aber in einem Dritten dabei zuzuschauen, könnte dann doch eine tödliche Dosis an Langeweile sein. Darum ging auch auf den sehr kostengünstigen Snorkling Trip, welcher einen zu drei verschiedenen Reefs bringt. Und bei einem hat so viele Fische, dass man sich fast schon durchkämpfen muss. Am Abend spielten wir 5 Stunden UNO. Es war nie geplant, so lange zu spielen aber ein armer Engländer schaffte es sicher 20 Mal auf eine Karte runter aber nie zum Sieg und weil er uns so leid tat, spielten wir solange weiter, bis er dann doch mal noch gewann. Sehr spannend auch die länderspezifischen Regelinterpretationen, wobei wir uns irgendwann auf Demokratie einigten und bei Unsicherheiten einfach abstimmten. Was dann zu kleinen Unstimmigkeiten bei einem Paar führte, weil er einfach konsequent gegen die Interessen seiner Frau stimmte und dies auch noch lustig fand. Wir auch.

Letzte Station war das Manta Ray Island Resort. Etwas grösser, daher etwas lauter, dafür mit sehr gutem Essen und tollen Mitarbeitenden, welche sich die Goldmedaille in der Kategorie „farewell songs“ holten. Schade, dass keine Mantas gesichtet wurden (wie intensiv sie gesucht wurden, kann ich nicht beurteilen), womit die entsprechende Aktivität ins Wasser fiel. Aber die Mantas hatte ich ja schon in Coral Bay gesehen und darüber berichtet. Und so ein Tag in der Hängematte kann auch sehr attraktiv sein.

Ja, und so verbringe ich nun noch einen letzten Tag zurück in Nadi. Der erste wirkliche Regentag auf meiner bisherigen Reise, somit leider keine wirkliche Chance auf Tan Improvement. Was schade ist, denn ich habe mir extra noch eine Sonnencreme mit Schutzfaktor 30 gekauft, denn von diesem 50-Zeugs wird man einfach nicht braun (und ein bisschen rot muss es eh werden, damit es richtig braun werden kann – ein absoluter Evergreen dieser Reise, wobei immer alle Männer zustimmen und alle Frauen vehement widersprechen). Heute reisen noch zwei Schwestern aus der Walfamilie an, womit auch diese bereits zum dritten Gastauftritt kommt. Sie haben keine Unterkunft gebucht und wollen gemäss Ankündigung „durchmachen“ (habe ich zum letzten Mal wohl im Skilager in der Lenzerheide ca. 1993 gemacht), mal schauen, ob und was ich darüber berichten werde.

Next stop Adelaide.

Cheers mates.

Wenn es total absurd und darum so lustig ist…

Bevor ich über Fiji berichte (wo es also wirklich sehr geil ist, das mal als kleine Vorschau auf die nächste Ausgabe) muss ich erst noch den letzten Tag in Byron Bay aufarbeiten….da war ich nämlich auf der Grasshopper Nimbin Tour, gebucht über getyourguide.ch und ja genau, seither beschallen sie mich mit Remarketing zu eben diesem Ausflug und haben es jetzt mit dieser erneuten Erwähnung in den Status des Running Gags geschafft (was die dicken Kinder von Landau bei Harald Schmidt mal waren). Nimbin ist das, was Byron wohl auch mal war: eine kleine verträumte Hippie- oder Kiffer-Stadt. Der Ausflug besteht aus der Fahrt nach Nimbin (in einem 1978 gebauten Bus, jüngere Teilnehmer bezeichneten diese 41 Jahre als uralt…), 2 Stunden Aufenthalt in Nimbin sowie einem Barbecue-Lunch, welcher die Rückfahrt unterbricht. Zwei Dinge sind an diesem Ausflug aussergewöhnlich, ja absurd aber eben auch lustig und darum erzählenswert:

erster Akt: Der Tankstop

Normalerweise ist bei der Buchung schon deklariert, ob ein Ausflug ‚licenced‘ (also man kann Alkohol kaufen) oder ‚bring your own‘ (man bringt die Getränke selber mit, was ja z.B. auf den Whitsunday Islands nicht alle Mitglieder der Walfamilie getan hatten). Nun, da dieser Ausflug ja eigentlich nur aus Hin- und Rückfahrt bestand, machte ich mir diesbezüglich überhaupt keine Gedanken, denn ausser in ganz extremen Notfällen wie bei Busfahrten nach Paris mit Claudio Beffa (der mit dem Möbelladen) und Dubi (der hat eine Privatschule, ist fast noch hipper als so überteuerte Designersachen) – und Nick, Nick war ja auch dabei und konnte den ganzen Rückweg nicht schlafen und hat alle zwei Minuten zur Uhr geschaut und war immer ganz enttäuscht, weil wieder nur zwei Minuten vergangen waren, aber das tut grad herzlich wenig zur Sache – trinke ich auf Busfahrten eigentlich kein Bier. Leicht anders kann es sich auf Zugfahrten verhalten wie beschrieben in Das Wunder von Neuenburg – ja genau, der Beitrag über den gar nicht mehr veryoungboysbaren Aufstieg des FC Aarau, welchen sie dann doch noch veraarauert haben….sorry not sorry für die vielen Abschweifer. Nun, auf dieser Tour wurde einem vom Busfahrer richtiggehend eingehämmert, dass man so viel trinken könne wie man wolle, dies sei eben eine Fun-Tour und man könne sich also richtig hart wegschiessen und einzig kotzen dürfe man nicht….dummerweise hatte ja aber gar niemand was dabei, um sich so richtig heftig wegzuknallen (das wäre auch mal ein glattes (Schwiizerhochdütsch) Spiel: Begriffe für sich betrinken aufzählen…ich wäre wohl nicht mal so schlecht…) – aber auch dafür hatte unser Fahrer eine Lösung: auf dem Höhepunkt seiner Heissmacherei hielten wir ganz zufällig bei einem Pub in the middle of nowhere (da wo weder jemand wohnt noch hält), wo man zu total überhöhten Preisen Bier über die Gasse kaufen konnte. Nicht nur war es Zufall, dass wir diesen Pub genau dann entdeckten, sondern der Pubbesitzer war auch noch ein guter Freund des Fahrers und ich bin wohl nicht allzu bösartig, wenn ich vermute, dass in diesem Fall verdeckte Kickbacks noch nicht verpönt sind. Einige vergassen in diesem provozierten Kaufrausch glatt, dass es in Nimbin rund eine Stunde später einen ganz normalen bottle shop mit ganz normalen Preisen gibt….darum tankten sie gleich mal für den Rest des Tages.

zweiter Akt: Das Laientheater

Mit stark unterschiedlichem Alkoholpegel aber alle wohlbehalten und amüsiert kamen wir in Nimbin an. Dort wurde uns vom Busfahrer sehr eindringlich erklärt, dass alle berauschenden Marihuana-Produkte in Australien verboten seien….aber auch wo man entsprechende Cookies kaufen könne….natürlich nicht offiziell, nur unter dem Ladentisch und unter der Hand und nur ganz leise und geheim. Nun, wir fragten in einem Café, das nach solchen Produkten ausschaute (man kann die Merkmale nicht genau beschreiben, aber wir wussten, dass wir am richtigen Ort waren). Der Besitzer schaute uns fast ein wenig schockiert an und erklärte, er führe ein seriöses Business und würde bestimmt nicht mit illegalen Produkten handeln. Und auf meine Nachfrage verneinte er auch die unter dem Tisch-Möglichkeit, er wurde dabei sogar ein wenig lauter und bestimmter. Also fragte ich ihn, ob er allenfalls denn jemanden wüsste, der so was, was er nie tun würde, eben doch tun würde. Worauf er mir sagte, allenfalls würde mir einer seiner Gäste so was besorgen können, wobei er mir natürlich nicht sagen könne welcher, denn dies wäre aus seiner Sicht schon hart an der Grenze zur Illegalität. Nun fragten wir uns also durch, worauf uns ein älterer Herr mit diskretem Handzeichen bedeutete, ihm (natürlich ganz unauffällig, vor allem nie zurückblicken, das erweckt sofort Aufsehen) zu folgen. Er war der gewünschte Dealer, sprach aber nur ganz leise mit uns (und so fast ohne die Lippen zu bewegen) und verbat sich Wörter, welche in irgendeiner Form auf ein illegales Geschäft hätten hinweisen können. Dann ging er mit konspirativem Blick zu seinem Wagen und kam mit einer Papiertüte zurück. Diese wurde dann ganz unauffällig unter dem Tisch gegen Geld getauscht, zusammen mit der Mahnung zum ganz vorsichtigen Umgang mit solch toxischen Substanzen. Hier könnte ich einen Mitarbeiter von mir nennen, der Gerüchten zufolge in jungen Jahren einmal ganz seltsame Erfahrungen gemacht haben soll beim nicht sachgemässen Umgang mit solcher Art Gebäck. Sein Name sei nicht genannt, aber im Nebenamt soll er noch Redaktor bei Netz Natur beim Schweizer Farbfernsehen sein.

Ob diese Cookies irgendetwas Berauschendes enthielten, fanden wir nicht heraus, aber die nächste Stunde war sehr lustig (richtig sauglatt war sie sogar). Ob das an den Cookies, dem Bier dazu oder einfach daran lag, dass wir das eben erlebte Theaterspektakel noch mindestens 12mal und immer ausufernder nachspielten, lässt sich leider oder zum Glück nicht mehr rekonstruieren. Wobei der Videobeweis durch den neu eingeführten VAR tendenziell auf eine leicht berauschende Wirkung schliessen lässt

Ja, und mit diesem Video wäre auch der zweite Gastauftritt meines namentlich höchstens aus Versehen genannten Mitarbeiters perfekt, denn diese junge Frau fasst all seine Ängste vor unbegleiteten Restaurantbesuchen perfekt zusammen. Und falls sich jetzt mein Mami Sorgen macht, weil ich doch auch so alleine und ganz sicher einsam bin: kann sie jemand anrufen und ihr sagen, dass es mir gut geht und mir die Alleinreiserei immer noch super gefällt? Die Telefonnummer findet sich hier.

Next stop Fiji 🇫🇯.

Cheers, mates.

Über Surfers Paradise, Byron Bay, Kapitalisten und Hippies

Von Noosa reiste ich mit dem Bus weiter nach Surfers Paradise. Ich hatte mir kurz überlegt, ob ich wirklich nach Surfers zurückkehren oder direkt nach Byron Bay weiterreisen sollte. Die Tage 2003 waren richtig fett gewesen und mir war es klar, dass sich diese 2019 nicht wiederholen liessen. Warum war 2003 so fett gewesen? Nun, irgendwie hatten wir uns zu einer lustigen Gruppe junger, testosterongeladener Schweizer Männer gefunden, welche nach eher beschaulichen Tagen in Byron Lust auf die Woche ihres Lebens hatten. Was so viel hiess, wie den Nachmittag am Strand chillen (das Wort gab es damals wohl noch gar nicht), dann beim Essen vorglühen, anschliessend bei der Triple Happy Hour nachlegen. Und dann nicht einfach das Shooters besuchen, sondern das Shooters als Legenden verlassen. Ja, und am nächsten Morgen irgendwie alle Ereignisse der Nacht rekonstruieren, oder es zumindest versuchen. Etwa so war es. Lustig, dass ich anschliessend zu keinem der vier Kontakt hatte, zwei davon aber ganz zufällig wieder traf (mit dieser Geschichte erkläre ich übrigens Australiern, wie klein die Schweiz ist): Sandro im Militär (und auch dort gab es ein, zwei Nächte mit Sufers-ähnlichen Bedingungen, herzliche Gratulation zu Euren hart erarbeiteten und wohlverdienten Gastauftritten Reto und Patrick) und Chistian (auch er mittlerweile Model des HKV Aarau) als Teilnehmer des Verkaufsleiterlehrgangs, der mir irgendwie bekannt vor kam…ja, irgendwann fanden wir dann heraus, dass und woher wir uns tatsächlich kannten.

Nun, meine Erkenntnis nach zwei Tagen und Nächten in Surfers ist: Es ist noch genau gleich. Aufgebrezelte, aufgekratzte, laute junge Erwachsene am Vorglühen oder schon vorgeglüht auf dem Weg ins Shooters. Viel Licht, viel Musik, alles greller und lauter als sonst wo. Aber auch für mittlerweile eher genussorientierte Besucher wie mich bietet Surfers einiges (ausser den Jungen (tut schon ein wenig weh, das so zu schreiben) zuzuschauen und in alten Erinnerungen zu schwelgen und natürlich einem fast schon unendlich langen Sandstrand): gutes Essen, coole Bars und vor allem (wieder einmal) ein Craft Beer House mit 36 Sorten und Live-Musik, insofern wäre es länger auszuhalten gewesen. Und sehr schön: als ich um ca. halb eins des Morgens nochmals Hunger kriegte, hatte ich die Auswahl unter Dutzenden von Restaurants, welche danach lechzten, mir was zu servieren. Sonst ist das in Australien ja eher anspruchsvoll: alle haben zwar angeschrieben „open till late“, aber das kann auch 9 pm sein…

Von Surfers nahm ich dann den Bus nach Byron Bay. Auch diese irgendwie verträumte Küstenstadt (notabene der östlichste Punkte von Australien) liebte ich schon 2003. Und ich muss (ungern) zugeben, dass Fausto (auch er hatte schon seine 5 seconds of fame in der AZ – vor allem aber: herzliche Gratulation zum dritten Gastauftritt in Folge, das ist ein klassischer Hattrick) recht hat, wenn er Byron gegenüber Noosa den Vorzug gibt. Irgendwie ist hier alles hang loose, entspannt, relaxed und gemütlich. Wenn wir bei Hattrick (wer von den ehemals süchtigen Spielern dies liest, möge die Hand erheben) bleiben (das ist jetzt eine geniale Ueberleitung, ich weiss), dann wäre in der damaligen Spielerbewertung Noosa „Weltklasse“, Byron aber halt schon verdammt nah dran an „göttlich“. Und gemäss Wikipedia verfügt Byron über den ‚sexiest beach on earth’ – muss basierend auf meinem letzten Besuch 2003 entstanden sein. Byron ist seither ein wenig grösser, ein wenig besser gepflegt, ein wenig kommerzieller und ein wenig voller geworden. Den Kern der alten Hippie-Stadt hat es aber wohl mehr oder weniger erhalten. Unter anderem mit fast schon unzähligen Strassenmusikern oder Strassencafés, oder weil es (wegen Bürgerprotesten) keinen McDonalds gibt. Oder weil es total ok ist, 4 Stunden vor einem Kaffee zu sitzen (ginge wohl auch mit Bier, aber die halten nie vier Stunden) und einen Blog zu schreiben. Und im Gegensatz zu Surfers Paradise bietet die Bucht perfekte Bedingungen für Surfer, auch für Anfänger.

Auf einer Tagestour war ich natürlich auch: und zwar auf der Hinterland-Tour mit Rise Up. Wunderschöne Wasserfälle, ein beeindruckender Regenwald mit perfekter Szenerie für ein Hoddie-Pic, gutes Essen und nach Einbruch der Dunkelheit tausende von Glühwürmchen. Geführt von Chris, einem leicht abgedrehten Hippie aus Brasilien. Ich fasse zusammen: If you want wo know, what Byron is about, go with Chris.

Chris

Zum Schluss noch zwei Geschichten, welche Australien irgendwie gut zusammenfassen, mir zu Ohren gebracht von zwei „darf ich einen Gastauftritt haben? Kriegst dafür die Geschichte? liebschau.“

Roland (er versteht übrigens was von LinkedIn, falls sich da jemand noch ein wenig pimpen möchte) war in jungen Jahren zweimal im Sprachaufenthalt in Surfers. Überschattet wurde der Besuch eines nahe liegenden Vergnügungsparks davon, dass er zu einem Kollegen nach einer Achterbahnfahrt sagte: „fuck, isch das geil gsi“….und wegen Benützung des F-Wortes des Parks verwiesen wurde. Jaja, ein wenig Doppelmoral gibt es auch hier, in Byron gibt es zwar keinen Mc, Subway und Dominos Pizza gehen aber schon…

Svenja (Freunde dürfen Sie Svene nennen) verbrachte ihren Sprachaufenthalt in Byron. Dort wurde ihr das Velo (die Deutschen verstehen das jetzt wieder nicht, ich meine Fahrrad) gestohlen, obwohl Australien ja so sicher ist, dass man es nicht abschliessen muss. Dank Videoüberwachung (das dann doch) konnte der Täter (in Byron kennt jeder jeden) rasch ermittelt werden, so dass Svenja (sie soll übrigens in den Genuss des längsten Stages meiner bisherigen Laufbahn gekommen sein, behaupten böse Zungen) das Velo am Folgetag wieder zurück erhielt.

So, und mit diesem wunderbaren Happy End verabschiede ich mich vorerst aus Australien, fliege mal rasch nach Fiji (wämer scho mal i dä Nöchi isch und „wäg einisch“ (gäll, Tina, Gratulation zum bisher jüngsten Gastauftritt)).

Cheers, mates.