100 Tage 2020 – über Corona, Arbeitswege, eine abgebrochene Skisaison und einkaufende Rentner

Nun, das Jahr 2020 begann so weit ja so normal: alle stiessen im Astoria zu Arosa (mein Lieblingshotel, dem ich seinen ganz eigenen Beitrag gewidmet habe) mit von Jasmin (welche ja eigentlich Chantal heisst, aber immer böse wird, wenn man es Schantall ausspricht) servierten gekühlten, kohlesäurehaltigen Getränken auf das neue Jahr an und Oli gab den ‚Highway to hell‘ zum Besten (ja, wenn wir damals schon gewusst hätten, dass wir gerade auf die Schnellstrasse in Richtung Hölle einbogen, zum Glück wussten wir es nicht). Das Wetter war wunderbar, die Pisten in Arosa voll. Dummerweise stürzte ich am zweitletzten Tag saudumm (und ein zu Hause im Schrank vor sich hin mottender Rückenpanzer entfaltet eben nur begrenzte wenig keine Wirkung). Weil der Schmerz nicht besser sondern schlimmer wurde (irgendwann fühlte es sich an, als hätte mir jemand ein Messer in den Rücken gerammt (schlimmer als jede Männergrippe)), suchte ich mit einer Woche Verspätung sogar die Notfallaufnahme im Kantonsspital Baden (für Insider: ja, genau, Knipser Knuser umschrieb es der Einfachheit halber mal als das grosse Haus, wo man hingeht, wenn man krank ist) auf (damals, als man das noch ohne Voranmeldung zur Notaufnahme durfte). Wartezeit schlappe 3 Stunden, denn immer als ich fast dran gewesen wäre, wurde wieder ein (offenbar anderweitig schwer gestürztes) schreiendes Kind mit blutendem Kinn hereingetragen…oder so ähnlich.

Nun, die muskelentspannenden Medikamente entfalteten Wirkung (und man schläft wahnsinnig gut, so gut, dass ich nach acht Jahren tatsächlich erstmals an einem Samstag meinen Unterricht (als Dozent und nicht Student wohlverstanden) verpennte) und so fuhr ich schon bald in die nächsten Skiferien, dieses Mal mit den Fröschen, natürlich wieder nach Arosa (darüber berichtet habe ich hier). Ich steuerte direkt auf einen neuen Rekord an Schneetagen pro Saison hin. Dachte ich.

Das nächste Skiwochenende in Arosa war dann ein wenig überschattet von fast schon unzähligen Telefonkonferenzen infolge dieses Corona (und von einem weiteren, noch dämlicheren Sturz, bei welchem ich mir die Rippen auf der noch unversehrten Seite quetschte). Ehrlich gesagt fand ich die Massnahme meines Lieblingsarbeitgebers leicht übertrieben, Teams auf verschiedene Standorte aufzuteilen und ein Kontaktverbot zwischen den Standorten zu erlassen. Naja, im Nachhinein war es sogar untertrieben, bald verschoben wir so viele Mitarbeitende wie irgendwie möglich ins Home Office. Mit dem angenehmen Nebeneffekt massiv verkürzter Arbeitswege.

Das traditionelle Männerskiweekend Mitte März war dann kein Skiweekend mehr. Gleich am Freitag beendete der Bundesrat die Skisaison (was ein paar Schlaumeier im Kanton Bern leider so sehr missverstanden, dass sie erst am Samstag schlossen), die Restaurants wurden auf 50 Gäste begrenzt und am Montag dann ganz geschlossen. Alles soweit erträglich, irgendwie einfach doof, dass ich am folgenden Dienstag den dringend notwendigen Termin bei meiner Lieblingscoiffeuse gehabt hätte (und hier braucht jetzt wohl niemand eine Erklärung des Konjunktivs).

heutiger Zwischenstand in der Corona Hair Style Trophy

Ich habe jetzt dafür mehr Zeit, Social Media zu pflegen und bin tatsächlich wieder einmal von Watson zitiert worden (und zwar in der Rangliste der 30 lustigsten Corona-Tweets, ok, nur Rang 29, aber hätte es einen zweiten Lauf gegeben, hätte ich Stile eines Ingemar Stenmark angegriffen und das Feld von hinten aufgerollt, aber es gab ja keinen zweiten Lauf). Dies erwähne ich hier übrigens nur, damit ich Watson taggen kann und so meine Chancen erhöhe in der Liste der 30 besten Corona-Blogger zu erscheinen.

Der (ein wenig) Ruhm und Ehre bringende Tweet

Aber Corona hat ja auch schöne Seiten: Ich kaufe nun für zwei Personen aus der Risikogruppe ein und mittlerweile haben wir das Übergabeprozedere so weit perfektioniert, dass sogar ein Bier unter Einhaltung von maximalen Distanzregeln möglich ist. Einfach nur eins, damit ich wieder zu Hause bin, bevor das Bier auf die Blase drückt und ich das Haus der Risikoperson nicht betreten muss. Virtuelle Feierabendbiere finden fast schon regelmässig statt und sogar an einer ersten virtuellen Geburtstagsparty war ich dabei. Ich habe gelernt, virtuell zu unterrichten und zwar ganz alleine (was quasi eine Sensation ist, denn bei der Erstinstallation meines Internet-Anschlusses benötigte ich noch die Hilfe des schicken Möbelhändlers (aber das war so um die Jahrtausendwende).

Und das frühzeitige Ende der Skisaison wirkt sich sehr positiv auf mein #Projekt3660 aus (die zwei Gratis-Essen sind übrigens schon lange weg, ich freue mich trotzdem über weitere Spendenzusagen), mein Rückstand auf die Marschtabelle per Ostermontag wird eher bei 100 Kilometern als bei 200 liegen, was die Chancen auf eine erfolgreichen Abschluss massiv erhöht.

Was mich immer noch nervt (auch wenn die Disziplin massiv zugenommen hat): die einkaufenden Alten. Wenn ihr schon einkaufen müsst, warum nicht im Volg mit vielleicht drei Kunden? Warum zum Teufel müsst ihr in einen grossen Coop und warum zur Hölle müsst ihr beim Gemüse noch ein Schwätzchen halten? Und vor allem: Warum (why the hell) am Samstagnachmittag, wenn der Laden auch ohne Euch voll wäre? Damit ihr mal heldenhaft erzählen könnt, ihr hättet den höchsten ‚möglichst viele Viren pro Altersjahr-Quotienten‘ überlebt? Und an Grossfamilien mit vielen Kindern: Ist es sinnvoll (ratsam, schlau, intelligent) mit allen Kinder möglichst lang in diesem grossen Coop zu sein? Etwa so sinnvoll (ratsam, schlau, intelligent) wie der Rentner, der über Ostern ins Tessin fahren musste, um den Rasen seines Ferienhauses zu wässern (sorry, aber bitte what the fuck?).

Was ich sagen will? Die Kurve scheint abzuflachen, die Spitäler können aktuell die Last tragen, eine schrittweise Öffnung der Wirtschaft scheint möglich. Also haltet jetzt doch einfach diese zwei Wochen noch durch. Geht an die Frische Luft und geniesst den Frühling. Aber reduziert Eure sozialen physischen Kontakte auf das absolute Minimum. Und wenn sie absolut notwendig sind, dann bleibt auf Distanz. Und für diejenigen, welche nicht auf 5 zählen oder 2 Meter abschätzen können: bleibt einfach alleine zu Hause oder #staythefuckhome (it could save lifes).

Frohe Ostern allerseits!

Meine Reise mit den Fröschen – oder wieder mal über beloved Arosa – mit vielen Abschweifern (unter anderem zum EHC Arosa)

Zuerst mal für alle, die Arosa nicht kennen, ein schönes Bild (ok, ist zwar Lenzerheide aber die Skigebiete gehören ja zusammen und so detailverliebt war ich jetzt ja noch nie):

In der dritten Januarwoche hatte ich auf Anweisung meines Vorgesetzten Thomas Wechsler (endlich der wohlverdiente Gastauftritt, um den Du gar nie gebeten hast) noch Resturlaub (unter diesem Namen hat Tommy Jaud ein sehr lustiges Buch publiziert, nicht ganz so legendär wie das legendäre Hummeldumm, aber immer noch sehr lustig) zu beziehen. Ja, hört sich seltsam an, wenn ich als gefühlter Dauerurlauber noch Resturlaub habe, aber ausser meinen drei wundervollen unbezahlten Tagen Wochen Monaten in Australien (für alle, die es verpasst haben: die Zusammenfassung mit allen links hier) hatte ich 2019 keine eigentlichen Ferien bezogen.

Als Destination kam natürlich nur Arosa in Frage, da ich alleine verreiste und erst knapp zwei Wochen davor dort ausgecheckt hatte, war für einmal das heissgeliebte Astoria (darüber habe ich hier berichtet) nicht die erste Wahl. Dank etwas Recherche fand ich heraus, dass das altehrwürdige Hotel Hohenfels ab dieser Saison vom Deutschen Sportreiseanbieter Frosch geführt wird (die strategische Absicht dahinter findet sich hier). Genau in meiner Ferienwoche sollte eine Alleinreisendenwoche (welche gewisse TeilnehmerInnen dann als Single-Woche missinterpretierten – Toni, das wäre Dein Gastauftritt, gern geschehen) stattfinden: also Gruppenbespassung ohne das Risiko, alleine essen zu müssen (die ganz grosse und völlig unbegründete Panik vieler Alleinreisender). Mein Gedanke dazu: wenn die alle nerven, dann ist es ein günstiges Zimmer mit Halbpension – sie sollten nicht nerven.

Mit leicht unsicherem Gefühl reiste ich nach Arosa. Erster Erfolg: ich konnte mir den letzten verfügbaren Gratisparkplatz schnappen – zwei Minuten später wäre er weg gewesen. Die Begrüssung freundlich, das Zimmer sauber und geräumig. Dann der erste Kontaktangriff in der Bar und wie sich herausstellen sollte, war ich tatsächlich der einzige Schweizer unter 60 Deutschen. Diese konnten es auch kaum fassen und fragten immer wieder: warum genau (also in Englisch: why the hell) verreist ein Schweizer mit Frosch in die Schweiz? Nun, ich integrierte mich recht rasch (zumindest nach meinem Gefühl, vielleicht sahen das die Deutschen ja anders), obwohl es ja schon kulturelle Unterschiede gibt: Oder wie viele Schweizerinnen, welche vor dem Abendessen mal rasch zwei grosse Bier weghauen, kennt ihr?

Das Essen nicht grad auf Gault Millau-Niveau, aber reichlich, wobei man dem Koch sicher keine Verliebtheit unterstellen konnte, was zu einer fast schon übermässigen Beanspruchung des Salzstreuers führte (aber lieber nachsalzen als entsalzen, weil das irgendwie ja gar nicht geht). Der Speisesaal mit akustischem Potential, aber genau der fast schon nervtötende Lärm kreierte eine Skilager-Atmosphäre, welche an längst vergessene Zeiten in der Lenzerheide erinnerten, als ich zusammen mit dem Mann vom schicken Möbelladen die Party des Nachbarskilagers besuchte, wir vom Lehrer dort freundlich gebeten wurden, wieder zu gehen hinausgeschmissen wurden und dafür dann am nächsten Abend sein Bier übernahmen, was ihm (und allen an unserem Tisch) unendlich peinlich war (wow, das war jetzt grad ein sehr langer Satz, danke fürs Durchhalten).

Nach dem Essen am ersten Abend konnte ich drei der neuen Freunde sogar zu einem Besuch des Spiels des EHC Arosa (also zuerst fanden sie ja die dritthöchste Schweizer Spielklasse nicht grad prickelnd, aber als ich dann mit angelesenem Fachwissen zum ehemaligen Serienmeister auftrumpfte, waren sie rasch überzeugt) gegen den EHC Basel (als die noch in der obersten Liga spielten, begleiteten wir regelmässig Ambrí nach Basel und einmal fuhr Knipser Knuser mit dem Taxi vor (es weiss bis heute niemand genau warum, aber irgendwie wurde er spätestens da zur Legende) und ein ander Mal verliess sein Vater wegen eines 0-4- Rückstandes das Spiel nach zwei Dritteln (weil er rechtzeitig für ,10 vor 10‘ zu Hause sein wollte) und verpasste die vielleicht legendärste und spektakulärste Aufholjagd ever) überreden (überreden bezieht sich immer noch auf meine Deutschen Begleiter – sorry not sorry für den Abschweifer). Wir waren etwa zur Mitte des Spiels da, Arosa führte 5-1 und es schien ein gemütlicher Abend zu werden. Nun, am Ende war es ein grosser Kampf mit ein wenig Krampf, vielen Emotionen, diversen (auch unnötigen) Strafen, Nettigkeiten zwischen Spielern, Nettigkeiten zwischen Fans, Nettigkeiten zwischen Fans und Spielern und einem sehr engagiertem Präsidenten (er kommt hier zu seinem Gastauftritt, weil er mich dann vielleicht teilt, was wichtig wäre, weil er echt was von social media versteht (ok, das war jetzt grad sehr schleimig)). Alles egal, der EHC Arosa gewann zum Schluss heroisch 6-5, die Halle kochte (eine der Deutschen war überrascht, dass es eine Halle hatte, sie erwartete tatsächlich Freiluft-Hockey in der rückständigen Schweiz) und der EHC hat jetzt drei neue Fans in Deutschland.

Gruppenskifahren war am Sonntag auf 09.15 Uhr angesagt, als ich um 08.30 zum Frühstück kam, waren alle schon fertig und als ich fragte, warum (ja genau: why the hell) man um acht frühstückt, wenn man erst um viertel nach neun bereit stehen muss, wurde mir trocken mit ‚das ist eben Deutsch‘ geantwortet. Nun, wir fuhren gemeisam mit dem Lift hoch (nein zuerst marschierten wir als 60er-Gruppe durchs Dorf und ich hoffte einfach, dass mich niemand erkannte) und dort war erst mal Einturnen angesagt (habe ich nicht mehr gemacht, seit mich mein Bruder (er damals zehn, ich sieben) in seiner korrekten sehr korrekten überkorrekten unausstehlich korrekten Art dazu genötigt hatte). Es beschlich mich die leichte Panik, dass gerade als ich mit 60 Deutschen den Hampelmann zu machen hatte, mich jemand erkennen könnte, aber zum Glück war diese unbegründet – oder wenigstens hat jemand, der mich erkannt hat, diskret und leicht beschämt weggeschaut oder es zumindest nicht in den sozialen Medien verbreitet.

Selbstbewusst schloss ich mich der Gruppe ‚schnell‘ an, welche dann aber gar nicht so schnell war, weil am ersten Tag ja zuerst einmal das Skigebiet gezeigt werden sollte. Als dann aber nach der gefühlt ersten zweiten dritten Liftfahrt bereits erste TeilnehmerInnen Druck auf der Blase verspürten, schlug ein neuer Freund (ja, Jan, auch Dir Dein Gastauftritt) die Abspaltung der Gruppe ‚Sport‘ vor, womit ich quasi zum Guide befördert wurde. Allenfalls als leichte Arroganz konnte man es dieser Gruppe Sport auslegen, dass Neuaufnahmen für den Rest der Woche nur noch nach einem streng benoteten Vorfahren möglich waren.

Nun, die Woche verging bei tollstem Wetter, leeren Pisten (die dritte Januarwoche bleibt die beste Woche des Jahres für Skiferien) und gutem Schnee wie im Fluge, alles verlief sehr geordnet und trotz den günstigen Barpreisen (die Bar auch mit akustischem Potential, vor allem fehlte aber Schantall hinter der Bar, sie gibt es halt wirklich nur im Astoria) gab es keine nennenswerten Eskalationen. Meine drei Niederlagen bei drei Spielen (im letzten Spiel hielten wir das 0-0 immerhin bis kurz vor Schluss) im Töggeliturnier verkraftete ich ohne Folgeschaden. Alle Deuschen waren sehr nett und extrem stolz drauf, dass sie mein Schweizerdeutsch so gut verstanden, wobei ich mir ja auch wirklich alle erdenkliche Mühe gab und alles in bestem Schwiizerhochdütsch (Emil hätte es nicht besser gekonnt) von mir gab. Nur am Donnerstag beim Hüttenabend (wir würden es Fondueplausch in der Tschuggenhütte nennen) mit vorgängigem Après-Ski im Kuhstall (und dort ist es wirklich bis zum ersten Bier kaum auszuhalten (mir fallen dann auch all die organisatorischen Mängel auf, welche zu unnötigen Wartezeiten führen) – nach zwei Bier kocht die Stimmung dann aber über und plötzlich haben die auch die Abläufe toll im Griff) und anschliessendem Après-Fondue in der Brüggli-Bar gab es Tendenzen von Unkontrollierheit. Auch bei mir. Weshalb ich den auf 08.50 Uhr vorverlegten Start der Gruppe Sport auch locker verpasste, mich aber blendend amüsieren konnte, dass Harald um 08.52 Uhr nachfragte, ob 08.50 Uhr noch gelten würde.

Harald war in der Gruppe Sport übrigens für die B-Note für den künstlerischen Eindruck verantwortlich, weshalb er regelmässig wie eine leichte Schneeflocke über die Piste tanzte. Und Harald (Flöckli): dies ist gerade der erste Video-Gastauftritt in der zweihundert jährigen tägigen Geschichte dieses Blogs, sei stolz drauf.

Fazit: tolle Woche zu einem für Schweizer Verhältnisse günstigen Preis, gutes Essen, lustiges Rahmenprogramm (an welchem man ja teilnehmen kann aber nicht muss), nette Teilnehmende und daher alles in allem viel Spass.

Nachteil: Beim #projekt3660 konnten keine grossen Fortschritte erzielt werden. Aber trotz beträchtlichem Rückstand auf die Marschtabelle sind Gegenwetten weiterhin herzlich willkommen.

Next stop: Untersiggenthal.

Cheers, mates.

Über Arosa und über das Hotel Astoria – ein Erklärungsversuch oder fast schon eine Liebeserklärung mit Abschweifern

Ja, alle, die mir in den sozialen Medien folgen, wissen, dass ich im Winter gerne Zeit in Arosa verbringe. Und oft werde ich gefragt, warum es eigentlich immer Arosa sein müsse.

Einen ersten Erklärungsversuch habe ich ja schon unternommen in meinem Beitrag über das Novemberhoch. Aber meine Geschichte mit Arosa reicht schon viel weiter zurück. Gemäss historischen Dokumenten (so Fotos mit leichten Gelbstich und die Menschen drauf sehen so lustig aus und tragen vor allem so seltsame Kleider und Brillen – und wenn man dann genau hinschaut, stellen sich diese Menschen als meine Eltern und Grosseltern heraus) war ich schon in meinem Geburtsjahr 1977 zum ersten Mal in Arosa. Gemäss Erzählungen waren meine Eltern schon vor der Hochzeit zusammen in Arosa und da sie noch nicht verheiratet waren, fühlte sich meine Grossmutter genötigt, im Hotel zu erklären, sie würden bald heiraten, um die Peinlichkeit des konkubinären Doppelzimmers ein wenig kleiner zu machen – ja, die Zeiten ändern sich.

Erinnern kann ich mich an die Skiferien ca. 1986, später folgten dann einige Jahre Pause, weil es ja so viel cooler war, ins Skilager ins Wirzweli (ja damals, als es sogar im Wirzweli noch Schnee hatte, ich gewann übrigens in der vierten Klasse das Skirennen, es sollte ein einsamer sportlicher Höhepunkt in meiner Karriere (welche ja eben nie stattfand) bleiben) zu verreisen anstatt mit den Eltern nach Arosa. Später während der Kanti war ich dann wieder mit dabei. Gleichzeitig waren auch ein paar aus meiner Klasse da und das einzige, an das ich mich wirklich erinnere ist der knallrote, einteilige Skianzug von Samuel Ischer (welchen er für seinen Vater noch austrug). Und später erfand dann der Mann vom schicken Möbelladen in Arosa die 200-Franken-Abfahrt und die geht so: man miete die teuerste verfügbare Skiausrüstung inkl. Lange-Rennschuh, kaufe eine Tageskarte, fahre einmal hoch und lege sich den ganzen Tag in einen Liegestuhl in der Carmenna-Hütte. Beachten sollte man den Rat der Vermieterin, den Schuh nie auszuziehen, man bringt ihn sonst nie mehr an oder nur, nachdem man ihn auf der Toilette 30 Minuten unter dem Handtrockner vorgewärmt hat (ein Bild für die Ewigkeit). Auch der Vater von Knipser Knuser war schon oft in Arosa, seine Erzählungen reichen gefühlt bis 1853 zurück, auf jeden Fall weit genug, dass sie der sonst so geduldige Tobiässli mit ‚Opa erzählt vom Krieg‘ kommentierte.

Soweit zur Geschichtsschreibung, welche ja eigentlich überhaupt keine Frage beantwortet. Also zurück in die Realität. Zuerst aber ein schönes Bild:

Nun, mit dem Zusammenschluss mit der Lenzerheide hat Arosa ein echt tolles Skigebiet, vorher war es schon ok, aber die Varianten werden massiv mehr und die Urdenbahn ist rein technisch offenbar sehr beeindruckend (verstehe nichts davon, aber wurde mir so erzählt). Gastronomisch bietet Arosa auch auf der Piste mit Alpenblick, Hörnlihütte und neu Alp Arosa (noch nicht persönlich getestet, aber soll sehr cool sein) einiges, auf jeden Fall einiges mehr als den Skihütten-Einheitsbrei mit den immer gleichen Älplermakarani täglich frisch geliefert von Hilcona aus Liechtenstein. In Bezug auf Apres-Ski wurde in den letzten Jahren massiv aufgerüstet. Im Munggaloch war es schon immer lustig (und ist es immer noch), mit der Kuhbar wurde aber eine neue Dimension erreicht. Und auch wenn diese Art Bespassung auf Kommando eigentlich gar nicht meins ist, so muss ich doch zugeben, dass es nach zwei oder drei Bier erträglich und nach vier oder mehr sogar richtig lustig wird. Ausgangstechnisch gibt es sich in Davos sicher hippere Clubs als in Arosa, aber wenn man die 40 mal überschritten hat und einfach gerne gemütlich in einer Bar sitzt und etwas trinkt (und dazu nicht unbedingt „die eine, die immer lacht“ hören und grölen muss (das wird im Halligalli geboten)) ist es sehr ok.

Nun werde ich auch immer gefragt, in welchem Hotel ich den jeweils absteige (also eigentlich wohne ich einfach da, aber absteigen hört sich mondän an). Nun, ich war schon in vielen und eigentlich waren alle mindestens ok, die meisten sogar gut oder richtig gut. Aber an Neujahr 2016 kamen wir zum allerersten Mal im Astoria an. Wir wurden von der Gastgeberin Edith Schmid (damals noch „Frau Schmid“) gefragt, ob wir zum ersten Mal in Arosa seien, was wir verneinten (ich glaube, dass ich das Wort Hotelnomade benützte), worauf sie uns fragte, was denn geschehen müsste, damit wir Stammgäste würden. Worauf ich spontan antwortete, wir würden uns eigentlich sehr wohl fühlen, wenn sich unser Hund (Bailey, sie kennt man als Grund für Spaziergänge oder Wanderungen, mehr dazu hier) wohl fühlt. Und seither fühlt sich unser Hund dort wohl und sogar die fairen CHF 12.00 pro Nacht werden mir jedes Mal geschenkt. Wobei, Edith (mittlerweile darf ich zu ihr „Du“ sagen), früher hast Du das jeweils noch explizit erwähnt, damit ich auch danke sagen konnte…solltest Du vielleicht wieder Mal (und das ist jetzt ein Test, ob Du das liest). Nun, bereits im März 2016 fand zum ersten Mal unser Männerweekend im Astoria statt (und seither immer, wenn ich nicht zu buchen vergesse und sie dann schon voll (also ausgebucht, nicht betrunken) sind). Eigentlich ein rechtes Risiko, denn unsere Gruppe kann manchmal auch etwas gar lustig und gar laut sein. Aber im Astoria wurde unsere Gruppe mit grosser Geduld ertragen und alle fühlten sich so wohl, dass die entsprechende Whatsapp-Gruppe sogar in „Frau Schmid“ umbenannt wurde.

Nun, an Ostern 2016 hatten wir dann eine echte Bewährungsprobe: Wir waren über die Feiertage da und es war so etwas wie eine Seasons-closing-Party angesagt. Auf dem Höhepunkt kündigte Oli (der Gastgeber) an, er würde nun noch ein wenig rocken. Aus Furcht vor einem gewaltigen Fremdscham-Moment (sorry, so ein Wirt, der meint, er könne Musik machen, es aber eigentlich gar nicht kann und weil er der Chef ist, sagt es ihm kein Angestellter und weil alle Gäste so höflich sind, sagen die auch nichts) entschied ich mich für die Flucht und führte den Hund Gassi. Von draussen hörte ich aber, wie gerade der Speisesaal zum Highway to Hell wurde und als ich wieder drinnen war, sagte meine Mutter, dass sie, hätte sie einen BH vörig (Schwiizerhochdütsch) gehabt, diesen nach vorne geworfen hätte (oder so ähnlich, auf jeden Fall war sie wahnsinnig begeistert, wobei nicht ganz so begeistert wie Edith, sie bleibt der grösste Fan ihres Mannes). Der eigentliche Wahnsinn ist aber, dass alle von 6 – 86 Jahren mitrocken und diese Seasons-Closing-Party echt eine geile Party ist. Und auf Wunsch spielt die doppelt engagierte (weil die sind ja gebucht, also engagiert, aber die engagieren sich auch wirklich; ich feiere mein Wortspiel gerade überkopfklatschend) Zwei-Mann-Kapelle sogar noch die eine, die immer lacht.

Ein ähnliches Setting wird jeweils auch zum Silvester aufgefahren. Wobei dort einfach um 12 noch vorher wildfremde Menschen mittels Zuprosten zu besten Freunden werden, bevor die Autobahn zur Hölle dann wieder befahren oder mit ‚T.N.T’ gesprengt wird. Erinnerungswürdig der Silvester 2017. Neue Servicekraft war eine gewisse Jasmin, wobei ich diese Jasmin von Beginn an Chantal nannte (natürlich „Schantall“ (das ist quasi ein running gag, siehe auch unser Reislein nach Berlin mit dem geliebten HCAP) ausgesprochen, ich forderte sie aber nie auf, leise zu heulen). Nun, lustig wurde das eigentlich erst, als ein anderer Gast sie auch so nannte (aber nicht aus Spass, er dachte wirklich, das sei ihr Name) und wirklich glatt war es erst, als sogar einer Arbeitskollegin dieser Fauxpas passierte. Nun, sie scheint es verkraftet zu haben und tut zumindest jedes Mal so, als würde sie sich wahnsinnig freuen, wenn ich wieder komme und sie winkt mir sogar, wenn sie mich im Coop sieht, aber ich sah sie nicht und das tut mir ja echt leid, weil so ins Leere winken ist irgendwie sackpeinlich ist. Und sie hat dafür gesorgt, dass der von mir vorgeschlagene Röteli Spritz auf die Karte kommt (den Edith nun als ihre Erfindung anpreist, dabei wusste sie vor zwei Jahren noch nicht mal, was das sein könnte – oder so ähnlich).

Musikalisch ist das Niveau nicht immer ganz gleich hoch, die Ankündigung des mexikanischen Buffets (auf welchem es dann unter anderem Sushi (und sogar echt gute) hatte weil gemäss Oli die Mexikaner das einst erfunden hätten und erst später von den Japanern kopiert worden sei…er muss es wissen, denn auch sehr lecker Roastbeef und Tatar und Entenbrust: alles ursprünglich aus Mexiko) weist noch Potential (die musikalische Ankündigung, nicht das Essen, man beachte die vielen Klammern) auf, aber ganz ernst gemeint ist der Beitrag auch nicht. Dafür sind die Kostüme umso schöner.

Fazit: Es gibt sicher spektakulärere Skigebiete als Arosa, es gibt sicher noch tollere (das müssten dann aber echt die töllsten sein) Pisten-Restaurants und auch ausgehen kann man anderswo sicher aufregender. Und es gibt sicher beeindruckendere Hotels als das Astoria (zum Beispiel das Marina Bay Sands), aber ich mag Arosa trotzdem mit Abstand am liebsten und das Astoria auch.

Next Stop: Arosa, what else.

Cheers, mates.

Ein kleiner Rückblick

Genau heute vor drei Monaten landete ich auf dem Weg nach Australien in Singapur. Und naiv wie ich war, bildete ich mir ein, diese drei Monate Auszeit würden ewig dauern und nie zu Ende gehen. Nun, wie eigentlich absehbar, kam es anders. Morgen beginnt wieder der Ernst des Lebens mit #backtowork und somit habe ich heute die finale Gelegenheit für einen kleinen Rückblick. Und damit ich Euch nicht jedes Mal mit einem Hinweis auf den ausführlichen Bericht nerven muss, ist immer gleich Beginn des Abschnittes der Link. Dies erleichtert auch das diagonale Lesen ganz stark.

Singapur: ich hatte mich im Marina Bay Sands eingemietet, mein Fazit: irgendwie ganz massiv überzahlt (und Food bei weitem nicht auf 5-Sterne-Niveau) aber sein Geld halt doch wert wegen diesem gigantischen Pool mit der gigantischen Aussicht. Weiter berichtenswehrtes aus Singapur: eigentlich nichts.

Darwin: Mein Timing wohl perfekt, im August ist Darwin warm aber nicht heiss und eben trocken (im Vergleich zu schwül oder regnerisch). Die Stadt besteht aus Esplanade (zum Spazieren oder Joggen (nicht persönlich getestet aber andere dabei beobachtet)), Waterfront zum Baden und Essen und Mitchell Street zum Leute treffen, Live-Musik hören und Bier trinken. Für mich war die Gemächlichkeit Darwins auch wunderbar, um herunterzufahren und mich an den Akzent der Australier zu gewöhnen.

Meine Rundreise als Altenbetreuer: Kathrine Gorge, Kakadu und Litchfield sind absolute must-sees und landschaftliche Highlights. Ich würde diese einfach nicht mehr auf einer Hotelrundreise mit primär pensionierten Mitreisenden besuchen. Wäre die Gruppe jünger, könnte man mehr zu Fuss erkunden und so noch viel mehr sehen. Und der Spassfaktor wäre mit jüngeren Teilnehmern vielleicht tendenziell ganz sicher auch höher.

Broome: Dies die einzige Station, welche eine Vorausbuchung des Tagesausfluges in die Kimberleys bedingt hätte, die waren nämlich rest- und ausnahmslos ausgebucht. Aber auch so bot Broome den wohl besten Beach, mit die beste Brauerei, das spannendste Openair-Kino (ok, ich war nur genau in diesem, aber ich masse mir das jetzt mal an) und das wohl schlechteste Hotel (ganz sicher in Bezug auf Preis/Leistung) meiner Reise. Ganz generell ist Broome teuer aber (wie ich finde) den Eintritt wert.

Exmouth: der Weg ab Broome ist runde 1300 Kilometer weit, würde ich ein nächstes Mal auf drei Tage verteilen. Nicht beinflussen konnte ich den lautesten und mühsamsten Hotelnachbar in Karratha. Exmouth selber ist süss und klein, verfügt über einen eigenen Nationalpark, tolle Exkursionen auf das Meer (Chance auf eine Sunsets-Cruise mit ganz viel Gossip…), einen schönen Strand und (ganz wichtig) zwei tolle, lokale Brauereien (etwa eine pro Tausend Einwohner).

Coral Bay: alle, die schon mal da waren, lieben dieses Dörfchen bestehend aus genau einer Strasse. Tolles Reef unmittelbar vor dem Strand, schöne Ausflugsmöglichkeiten mit der guten Chance, Manta Rays und Reef Sharks zu sehen und ganz einfach ein wunderbar ruhiger Ort.

Monkey Mia: die eigentliche Haupattraktion, nämlich die tägliche Fütterung der Delfine, fand ich sehr touristisch und die Reise nicht wert. Aber: wunderschön gelegenes Resort rsp. Camping Platz, feinsandiger Strand, gutes Essen und motivierte Mitarbeitende. Und der Weg dahin bietet schon gefühlte 27 Gründe irgendwo anzuhalten, etwas anzuschauen oder einen kleinen Walk zu machen.

Auf dem Weg nach Perth habe ich es tatsächlich geschafft, den Pink Lake (welcher auch wirklich gerade sehr pink gewesen wäre) zu verpassen. Das hat mich geärgert. Pinnacles Desert dafür aus meiner Sicht der landschaftliche Höhepunkt meiner Reise. Perth selber fand ich nicht so aufregend (ausser dass sich die Möglichkeit ergab, gewisse Reiseutensilien zu kaufen). Rottnest Island ist sicher mindestens einen Tagesausflug wert, Freemantle ebenso (dort hat es eine grosse und eine kleine Brauerei).

Einfach mal nichts tun: mein Reisetempo war ja sehr entspannt, dies liess ganz viel Zeit zum Lesen, Musik hören und vor allem zum ganz ausgiebigen Nichts-Tun. Erst nach Publikation dieses Beitrags für mich entdeckt: irgendwo sitzen und Menschen beobachten.

Airlie Beach und die Whitsunday Islands: mein absoluter Lieblingsort, deshalb bin ich ganz zum Schluss meiner Reise gleich nochmal hingeflogen. Das Städtchen herzig (einmal Schwiizerhochdütsch ist auch im Rückblick zwingend), die Lagoon ‚best place to hang out’, gutes kulinarisches Angebot (keine Selbstverständlichkeit in Australien), viele Orte mit guter Live-Musik und perfekt auf Alleinreisende ausgerichtet (praktisch jedes Restaurant hat grosse Tische zum Dazusitzen). Fast schon unzählige Ausflugsmöglichkeiten auf dem Wasser, wobei ein Besuch von Whitehaven Beach wohl zwingend ist.

Fraser Island: nächster absolut zwingender Stopp bei einer Ostküstenreise, ich war zwei Tage dort, was ich als Minimum bezichnen würde. Zu meinem Glück waren auf meiner Tour zehn Frauen auf Polterwochenende (das verstehen jetzt halt die Deutschen leider nicht), so hatte ich neben landschaftlichen Schönheiten auch viel Spass. Auch der Ort, wo mich eine Deutsche Mitteisende siezte und so mein gefühltes Alter massiv erhöhte.

Noosa bietet einen tollen Strand (also sogar mehrere), einen eigenen Nationalpark ‚within walking distance’ und mediterranes Flair sowie auch eine gute Auswahl wirklich guter Restaurants. In Noosa hatte ich wohl das beste Essen meiner Reise und gleichzeitig den einzigen (kurzen) unangenehmen Moment als Alleinreisender (lustigerweise beides im gleichen Lokal).

Surfers Paradise und Byron Bay: Surfers ist nicht zwingend, es ist quasi das Mallorca der Australischen Ostküste. Sehenswert ist es trotzdem und ‚good fun for one weekend‘. Byron Bay ist dann doch schon eher ein Klassiker, wobei diese Destination schon primär aus dem wunderschönen Städtchen mit den vielen netten Cafés und Restaurants (und dem Strand mit den guten Surfmöglichkeiten) besteht, sonst ist da nicht so viel.

Ausflüge habe ich im Dutzend gemacht, Dauer von zwei Stunden bis zu sechs Tagen, den wohl absurdesten beschreibt dieser Beitrag. Tendenziell lohnt es sich, die Preise ein wenig zu vergleichen, vor allem in der Nebensaison bietet eine kurzfristige Buchung gute Chancen auf Rabatte. Und häufig ist das gebuchte Datum eher eine Indikation, bei zu wenigen Buchungen werden zwei Tage zusammengelegt, darum lohnt sich das langsame Reisen, dann verpasst man auch bei Verschiebungen nichts.

Fiji war quasi eine holiday from the holiday. Fiji ist wunderbar, sehr entspannt, bietet viele naturnahe Erlebnisse und vor allem herrlich warmes Wasser zum stundenlangen Schnorcheln. Ich würde Island Hopping empfehlen, ich hatte jeweils ein eigenes Zimmer, aber immer in Resorts, welche auch Mehrbettzimmer haben (sorgt für junge, unterhaltsame Mitreisende).

Menschen: eigentlich handelt dieser Bericht vor allem von meiner Reise nach Adelaide oder meinem Aufenthalt dort. Aber eigentlich geht es vor allem um die vielen wunderbaren Menschen, welche ich auf meiner Reise getroffen habe, hier am Beispiel der Walfamilie (welche ja regelmässige Leser schon bestens kennen).

Das Abenteuer Outback wird hier beschrieben, Abenteuer im Sinne von viel roter Erde, beindruckenden Felsformationen, grosser Hitze und vielen Fliegen. Aber auch Abenteuer im Sinne von Camping in einem Swag, gemeinsamem Kochen und viel Spass haben. Und ja irgendwie wurde ich wieder massiv älter, als mir zwei Töchter angedichtet wurden.

Von meiner Reise zurück nach Airlie Beach handelt dieser Post – eigentlich. Denn er handelt auch vom ganz grossen Zufall, dass ich in Australien insgesamt vielleicht eine Stunde TV schaute und mich dabei um ein Haar selber gesehen hätte. Und dann geht es auch noch um einen weiteren tollen Schnorchelausflug ab Airlie Beach.

Leider bereits mein letzter Ausflug, nochmals ein richtig toller, zwei Tage und zwei Nächte auf einer paradiesischen Insel. Und dann gehts noch darum, dass die Parties vor 17 Jahren irgendwie grösser waren (vielleicht nicht besser aber ganz sicher grösser).

Ums alleine reisen und was gewisse Menschen davon abhält gehts hier. Und alle, welche sich diesen Bericht antun diesem Bericht lesen, erhalten ein kostenloses Frühstück auf dem Gotthardpass (also eigentlich überall auf der Welt).

Ganz zum Schluss war ich noch zwei Tage in Sydney, als sehr typischer Tourist, welcher möglichst zügig die Hot Spots Opera House, Harbour Bridge, Watson’s Bay, Bondi Beach und Darling Harbour abgearbeitet hat. Und dann genoss ich noch mein last beer und zuletzt noch mein very last beer.

#verylastbeerwithaview

Und das wars dann auch schon. Wer genau mitgelesen hat (und Australien ein wenig kennt) wird feststellen, dass ich diverse sehenswerte Orte nicht gesehen habe. Ich habe mich bewusst für eine sehr gemächliche Gangart entschieden, so war ich nicht überall. Dort wo ich war, hatte ich aber wunderbar viel Zeit und auch die Flexibilität, etwas länger zu bleiben. Und da meine Bucket List somit auch noch nicht komplett abgearbeitet ist, kann ich ja mit gutem Gewissen meine nächste Australien-Reise planen.

So, next Stopp, Neue Aargauer Bank in Brugg.

Cheers, mates

Über Sydney und über die flying doctors oder Männergrippen

Dies wäre oder vielmehr ist dann wohl der letzte Bericht über meine Australien-Reise. Nachdem mein Hotelzimmer in Sydney über eine Personenwaage verfügt, muss ich auch zugeben, dass dies vielleicht gar nicht nur schlecht ist. Die Ausdehnung meiner erotischen Nutzfläche (Danke, Laura, dass Du mich mit diesem Begriff bekannt gemacht hast, er hat es von Null in die Top 5 meiner Lieblingsbegriffe geschafft) nimmt langsam epische Züge an. Somit ein guter Zeitpunkt, um mal wieder Diät zu halten. Aber davor noch mein Aufenthalt in Sydney. Von Airlie Beach flog ich mit Tiger Air (das ist so quasi die Easy Jet Australiens, einfach teurer) nach Sydney. Dort hatte ich für drei Nächte einen room with a view (die Waage war nicht erwähnt, allenfalls hätte ich es mir anders überlegt). Aber neben dieser Waage bekam ich wirklich eine tolle Aussicht.

Meine Pläne für die zwei vollen Tage bescheiden: ein wenig Shoppen bei Uniqlo (das trägt jetzt ja King Roger, also muss es gut sein) und Kathmandu (meine neue liebste Outdoormarke), Darling Harbour und Opernhaus (von aussen) besuchen und allenfalls den rund zwei stündigen Walk von der Watsons Bay an den Bondi Beach machen.

Geplant zusammen mit Jessi, rund 20jährige Schweizerin aus dem schönen Solothurn. Sie war eine derjenigen, welche in Airlie Beach zusammen mit mir für Sekunden auf den Tischen getanzt hatte (bevor wir ziemlich barsch der Unterlassung gemahnt wurden, nachzulesen hier). Und da sich unsere Tage in Sydney überschnitten und wir ähnliche Pläne hatten (vor allem aber, da wir beide keine Lust hatten, uns für ein paar wenige Tage nochmals neue Freunde zu suchen, in den grossen Städten ist es zwar auch nicht schwierig, aber allenfalls ein wenig schwieriger). Und als ausgebildete Kinderbetreuerin (in Deutschland heisst der genau gleiche Beruf übrigens Erzieherin (ich muss dann immer an Fräulein Rottenmeier aus Heidi denken), ob das nur eine sprachliche oder doch eher eine kulturelle Unterscheidung ist, bleibe mal dahin gestellt) ist sie doch bestens als Aufsichtsperson für mich geeignet. Und allenfalls verbloggt sie ihre Erlebnisse mit mir dann auch in einem Post, in welchem sie ihre Erfahrungen als Altenbetreuerin beschreibt. Wer sich vielleicht schon die ganze Zeit fragt, warum ich immer von Frauen begleitet werde und fast nie von Männern: Es sind praktisch nur Frauen unterwegs. Die einzigen Männer sind die Pensionierten, welche von ihren Frauen zum Reisen genötigt werden. Bei den jungen (und teilweise sehr jungen) Reisenden bekomme ich echt das Gefühl, dass die jungen Männer ihrer Karriere nachrennen und möglichst rasch ihre Ausbildungen hinter sich bringen wollen, während die Frauen ihre Sprachkenntnisse verbessern und ihren Horizont erweitern. Womit ich zum doppelten Exoten werde, denn Reisende in meinem Alter sind etwa so selten wie Männer. Lustig war noch, dass Jessi in der Millionentadt Sydney auf der Strasse drei Schweizer Kolleginnen aus der Sprachschule in Noosa (dort war ich auch, hatte aber primär über Cannes und Erinnerungen berichtet) antraf. Irgendwie bei zwei sich bewegenden Punkten ja fast nicht möglich, aber ich liebe ja solch statistische Wahnsinne (ist das die Mehrzahl von Wahnsinn?). Sprachschulen in Noosa haben teilweise fast reine Schweizer Klassen, da unsere Nation dort so übermässig vertreten sind. Mag zwar den Spassfaktor erhöhen, wird aber tendenziell die Verbesserung der Englischkenntnisse bremsen (habe ich jetzt einfach noch geschrieben, damit auch dieser Post einen added value hat, wenn es dieses Mal schon kein kostenloses Frühstück gibt).

Also, der Darling Harbour ist immer noch so schön wie 2003, mein damaliger Lieblings-Starbucks existiert nicht mehr, vielleicht wurden die Mieten sogar für den teuren Kaffeeröster zu hoch. Aber es hat Dutzende andere Restaurants, alle in Anbetracht der Lage preislich ok (vor allem während der Happy Hour und von Mittag bis acht Uhr abends hat immer irgendwer Happy Hour und diese gilt für Drinks und für Food), daher dort ein Abendessen. Ums Opernhaus die genau gleiche Szenerie, in der Opera House Bar zu meiner Freude noch mein Lieblingsbier (Gatherer) von meiner Lieblingsbrauerei (Stonewood in Byron Bay). In der Happy Hour fast schon ein Schnäppchen (umgerechnet 6 Franken für einen Pint, im Piwi in Baden bezahlt man für einen stinknormalen halben Liter Lagerbier mehr und das Piwi punktet jetzt ja nicht gerade mit schöner Einrichtung oder aufregender Aussicht), deshalb nach dem last beer with a view noch das very last beer with a view. Und anschliessend das zweite Abendessen, immer noch mit spektakulärer view.

Bei Kathmandu hatte ich ein weiteres Hoodie gekauft, bei Uniqlo primär günstige Kinderkleider für die Nichten und Neffen. Und wer jetzt denkt, dass dieser Aufenthalt so weit so langweilig ist, dann war er das eigentlich auch, aber wäre es eben doch nur gewesen (seltsamer Satz – wer es nicht verstanden hat: einfach weiterlesen). Ich habe natürlich mit dem neuen Hoodie auch noch ein Hoodie-Pic (und auch das war halt leider very last one, langsam werde ich leicht melancholisch und hoffe auf Euer Mitgefühl) gemacht, gebe aber zu, dass damit das Spannungsmoment nur unwesentlich steigt.

Aber der Aufenthalt in Sydney wurde doch noch ein wenig aufregend (ohne, dass ich auf Tischen getanzt oder im falschen Moment ein Wifi gesucht hätte wie bei der Einreise in Darwin), denn in meiner zweitletzten Nacht (nachdem ich drei Monate lang nie auch nur das geringste Wehwehchen gehabt hatte) in Australien überfiel mich sehr fieses Halsweh. Ja, und als Mann sind ja nur schon Anzeichen einer möglichen Männergrippe Signale von aktuer Todesgefahr, aber dieser Schmerz war dann verbunden mit dem Husten doch mehr als nur ein Grippchen. Trotzdem hätte ich das zu Hause heldenhaft durchgestanden (auch wenn mir meine ehemalige Lieblingsmitarbeiterin Christina stets eine leichte Wehleidigkeit unterstellt hat, sorry, Christina, genau jetzt isch dis Whatsapp cho, Du häsch Dich indirekt ufdrängt für dä Uftritt und gibs zue, wärsch enttüscht gsi, wännd nie erwähnt worde wärsch), mir graute aber vor den sehr bald anstehenden 20 Stunden Flugzeit nach Hause. Und so fragte ich im Hotel der Möglichkeit eines Arztbesuches. Und tatsächlich gibt es in Sydney flying hotel doctors, die fliegen zwar nicht, aber springen von Hotel zu Hotel. Und so hatte ich zwar keinen kulinarischen aber einen medizinischen Room Service und Medikamente wurden direkt aus dem mitgebrachten Rucksack abgegeben.

Und so brachte ich dann in leicht geschwächt aber dafür im gedopten Zustand auch noch die Wanderung an den Bondi Beach hinter mich. Geschwitzt wie noch selten (obwohl es gar nicht sooo heiss war), aber das soll ja nicht ungesund sein.

Sehr nett (und von guter Organisation und Ausbildung zeugend) dann die handgeschriebene Nachricht, welche mir das Zimmermädchen hinterliess: „Dear Thomas, I hope you feel better. I have left you some extra tea bags“. Ja, und hätte ich es fotografiert, könnte ich es hier zeigen, aber wieder einmal muss die Nacherzählung genügen, sorry not sorry.

So, und das wars dann also aus Sydney und damit auch aus Australien. Next stop und dort bleibe ich ja dann eine Weile: Untersiggenthal.

Cheers, mates.

Fraser Island – über den Dingo und über Hennen

Zuerst eine kleine Ergänzung zu meinem letzten Bericht über die Whitsunday Islands rsp. Airlie Beach. Meinem Bruder (ich bin fast versucht zu sagen: wem sonst) ist folgende mathematische Unlogik aufgefallen: Bei zehn Frauen erweisen sich drei als die lauten und laut lachenden, was ich als die eine Hälfte beschreibe. Nun ist drei nicht die Hälfte von zehn und mein Bruder fühlte sich an seine Zeit an der Bezirksschule Wettingen und den Unterricht bei Matthias Steinemann (Mathematiklehrer) erinnert, welcher sich immer mal wieder aufregte: ‚weil ein Drittel der Klasse schwatzte und die andere Hälfte nach hinten schaute‘ (sic.). Also herzliche Entschuldigung für diesen redaktionellen Fehler Vermutlich interessiert sich ausser meinem Bruder niemand wirklich für solche Nebensächlichkeiten, aber sollten sich weitere solche eingeschlichen haben, bitte ich um Rückmeldung. Entschädigung ist natürlich die wertschätzende aufs Korn nehmende persönliche Erwähnung in einem künftigen Beitrag.

So, jetzt aber zu Fraser Island.

Gebucht war ich auf einen 2-Tages-Trip ab Hervey Bay mit Fraser Explorer Tours. Gebucht erneut über Get your guide und seit ich das gebucht habe, ballert mich diese Firma mit Werbung zu für genau die Tour, welche ich ja eben schon gebucht habe. Jungs, ihr habt zu wenig Know How oder zu viel Geld. Oder beides. Irgendwie hatte ich von meiner Australienreise 2003 im Kopf, dass man Fraser fast schon zwingend ab Hervey Bay bereist. Nun, genau so irgendwie stelle ich im Nachhinein fest, dass Rainbow Beach wohl gerade so geeignet gewesen wäre. Dies einerseits, weil der Weg auf die Insel kürzer (schneller) ist, andererseits auch weil Rainbow-Beach etwa zwei Busstunden südlich liegt, was als „Southbounder“ zu um zwei Stunden schlaftauglicheren Fahrzeiten führen würde. Und Hervey Bay ist irgendwie einfach ein riesengrosses Dorf ohne Zentrum (also gewissermassen das Wettingen der Ostküste, sorry not sorry), Rainbow Beach wäre kleiner und kompakter. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Aber eigentlich waren wir (also ja vor allem ich) ja auf Fraser Island: Wirklich sehenswert und aus meiner Sicht mit genügend Sehenswertem für zwei Tage. Lake McKenzie, Lake Wabby, Champagne Pools, Indian Heads oder Eli Creek, um nur einige zu nennen. Und wenn man zwei Tage da ist, kann man die Seen auch wirklich geniessen. Und den jungen Backpackers zuschauen, welche bis zu 20 Mal die Sanddüne runterrennen, um das perfekte Video mit dem Sprung ins kalte Nass zu erhalten (vielleicht auch um den Backpackerinnen zu imponieren). Die letztgenannte Sehenswürdigkeit wird übrigens ähnlich ausgesprochen wie Eloy (einfach, damit ich Dich auch mal erwähnt habe, alter Freund….und dabei habe ich gerade festgestellt, dass Du sogar auf Transfermarkt zu finden bist, Du bist ja schon eine Nummer). Bei Eli Creek zeigt sich aber auch, dass Fraser wohl tendenziell overtourism-gefährdet ist. Klar, es war Sonntag, deshalb auch viele Einheimische in ihren eigenen Fahrzeugen da, aber es sind keine Schulferien hier und es ist immer noch low season….und trotzdem war es doch schon sehr voll und sehr laut (wozu unsere Hennen (die werden erst unten erläutert, was Euch zum Weiterlesen nötigt) auch etwas beitrugen). Dass wir unterwegs drei Dingoes sahen, war mit ein wenig Glück verbunden, was unserer Freude und Aufregung keinen Abbruch tat (und den Hennen die neue Erkenntnis brachte, was ein Überkopfklatscher ist).

Auf Fraser Island gibt es verschiedene Arten von Touren: Selbstfahrer, Selbstfahrer in Kolonne mit Guide-Fahrzeug, 1-Tages-Bustour (eher die älteren Semester), 2-Tages-Bustour für die Jugendlichen (explitzit für 18-35 Jahre, wenn das mal nicht diskriminierend ist für Hobbyjugendliche wie mich) und 2 Tage für eben Leute wie mich. Insgesamt 33 Teilnehmer auf unserer Tour, bunt gemischt. Zum Beispiel drei Deutsche Stundentinnen, wobei mich beim Mittagessen am ersten Tag die eine tatsächlich siezte (oh, mein Gott, entweder ist die so höflich und wohlerzogen oder ich einfach doch so alt, ich tippe auf höflich und wohlerzogen). Dazu 10 Frauen auf „Hen’s Party (wir nennen das Polterabend, Deutsche nennen das explizit Junggesellinnenabschied und wollen Polterabend nicht einmal verstehen). Wieder die Wahl, sich über die (auf Schweizerhochdeutsch, für welches ich immer ausgelacht werde, würde es ab den heissen) lauten und laut lachenden zu nerven oder sich ihnen anzuschliessen. Klar, ich wählte Option 2. Und was die Mädchen boten, war schlicht sensationell: Sie trugen den ganzen Tag Ihre Tu-Tus, waren immer lustig aber nie störend und zum Abendessen kamen sie alle (richtig aufgebretzelt) in Abendkleidern (ich fühlte mich in Shorts, Flip Flops und Hoodie leicht underdressed, wobei Flip Flops in Australien immer gehen und ich das Hoodie immer tragen muss, weil sich daraus Chancen auf Hoodie-Pics ergeben). Und laut (und laut falsch oder vor allem sehr laut und sehr falsch) singen können sie auch (die Hennen, Hoodies können nicht singen…).

Untergebracht waren wir im Eurong Beach Resort, perfekte Lage, Essen ok, die Beach Bar lustig. Aber halt gebaut 1969 und in einem entsprechend eher dürftigen Zustand. Von meinem Onkel Adi (ja, von Dir gibts leider nur den Tel-Search-Eintrag…, dieser Link ist keine Aufforderung für unerwünschte Werbeanrufe oder ähnliches, einfach damit ich nicht falsch verstanden werde) habe ich mal gelernt, dass man auch einen alten Pulli waschen kann, wenn einem z.B. das Geld für einen neuen fehlt. Und ja, genau diese einfache Erkenntnis fehlt wohl den Betreibern des Eurong Beach Resort. Aber völlig ok für eine (kurze) Nacht.

Vorteil der Reise über Hervey Bay ist übrigens, dass man auf der Rückfahrt gratis und inklusive eine perfekte Sunsetcruise erhält. Auf dieser wurde auch ein weiteres absolutes perfektes Hoodie-Pic erstellt. Ich war so fasziniert von dem Sonnenuntergang, dass ich hier das Hoodiepic glatt vergass. Aber ich habe ja ein breites Sortiment an Hoodie-Pics.

Positiv zu erwähnen ist unser Guide Paul (welcher um jeden Preis nicht Paul sondern PT genannt werden wollte, uns aber nie sagte warum). Sehr guter Fahrer (sage ich mit der Erfahrung eines durch die beste Armee der Welt (war sie damals zwar noch nicht, aber ist ja egal) ausgebildeten Fahrers) auch im trockenen, tiefen Sand. Sehr viel Wissen, welches er bereitwillig teilte und sehr hohe Sozialkompetenz. Ich weiss nicht, ob ich es geschafft hätte, der ewig schwatzenden Teilnehmerin (welche es echt erschwerte, den Ausführungen des Guides zu folgen) so höflich zu sagen shut the fuck up „would you mind telling others your interesting stories once I am done so others can listen to me now“, dass die Angesprochene erst laut lachte und dann sogar noch klatschte…und dann wirklich ruhig war. Ich hätte wohl die stfu-Variante gewählt und hätte wenige Monate später unter einer Brücke gewohnt. Auch er nicht ganz sicher vor Guide-Jokes, aber bei „If have not liked me, please call me Steve in your review“ musste sogar ich lachen, weil Steve eben der Guide des anderen Busses und sein ‚best buddy‘ ist.

So, das war Fraser Island. Nach 46 Tagen ist bereits genau die Hälfte meiner Reise vorbei….ich hoffe, dass dies auch einer mathematischen Überprüfung durch meinen Bruder (oder wen auch immer, tendenziell mein Bruder…) standhält.

Next Stop, Noosa (wo es so hässlich sein soll, dass Fausto Giardina nach wenigen Stunden wieder abgereist ist). Der Link führt übrigens zu meinem Lieblings-Zweitarbeitgeber, dem HKV Aarau, wo Fausto einst seine Modelkarriere begann (und meines Wissens auch gleich wieder beendete).

Cheers, Mates.

Mein Weg nach Perth oder I don’t wanna miss a thing

Nach dem lustigen Abendessen mit der lustigen Reisegruppe nahm ich also die Strecke von Coral Bay nach Perth in Angriff. Dabei hatte ich eine Übernachtung in Geraldton eingeplant. Geraldton ist weder spektakulär noch hässlich sondern eher unscheinbar, aber hätte ich den gleichen Weg noch einmal vor mir, würde ich wohl eher in Carnarvon nächtigen, da man dann auch den Kalbarri National Park und den Pink Lake ganz sicher nicht verpasst. Warum das wichtig ist? Weil ich es nämlich tatsächlich schaffte, eine Abbiegung zu verpassen und so in Geraldton ankam, ohne den Pink Lake passiert zu haben. Ob das nun ein grosser Verlust ist, mag ich gar nicht beurteilen (denn ich habe ihn ja wie gerade geschrieben gar nicht gesehen). Den Berichten anderer Reisender Glauben schenkend, wäre es aber ein potentieller Höhepunkt gewesen. Aus vorbei, nicht mehr veränderbar.

Lernen kann man ja nur für die Zukunft und so zog ich meine Konsequenzen und hielt am Folgetag bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Und so sah ich Teiche in der Grösse des Eigi-Weihers von ganz nah, Aussichtspunkte so spektakulär wie das Steienbühl und Bäume so alt wie die Pappeln im Garten meines Vaters (ok, die sind alt und als Kind fand ich die recht spektakulär aber ein Schild für einen Aussichtspunkt hat es trotzdem nicht). Aber natürlich auch Spektakuläres, wie die Pinnacles Desert, welche ich rein optisch als Höhepunkt der bisherigen Reise bezeichnen würde (und ich mag dem Park Management sogar verzeihen, dass man den Ort auch per Auto besichtigen kann und es so fast unmöglich ist, ein Bild ohne Auto drauf zu bekommen). Für ein Hoodie-Pic (ohne Auto drauf; also auf dem Bild, ich habe keine Hoodies mit Autos drauf) reichte es dann auch noch. Am anderen Ende der Punkt-Skala (so müsste die Skalierung von Tiefpunkt zu Höhepunkt wohl heissen) dann die Sanddünen in Lancelin. Ich hatte mir da so eine Art kleiner Big Daddy aus Namibia vorgestellt, etwas spazieren, die Ruhe der Wüste geniessen….es hatte sehr viele, sehr laute Leute, teilweise auf Sandboards (bis hier hin alles gut), aber eher auf Moto-Cross-Motorrädern, noch eher auf Quads und noch eher auf einer Art vergittertem Quad für 4 Personen. Alles sehr laut und alles vor allem sehr gefährlich, da wild durcheinander. Empfehlung: never ever go there.

Angekommen in Perth bezog ich mein Zimmer. Dieses hatte ich gebucht über Priceline als „hidden buy“, sprich ich wusste ungefähr, wo das Hotel war, ich wusste, was es es zu bieten hatte und ich kannte die Anzahl Sterne. Für die Ungewissheit erhielt ich einen „unbeatable price“. Hotel und Preis ok aber auf Hotels hätte ich es zum genau gleichen Preis bekommen. Also wurde die Unsicherheit (das Risiko, kann ja nach oben wie unten ausschlagen), welches Hotel es war, nicht wirklich entschädigt. Egal, vielleicht war dieser Thrill ja ein „added value“ und so wichtig ist es dann auch nicht.

Am Abend durfte ich am Abschlussessen der lustigen Gruppe aus Coral Bay teilnehmen. Ich wusste dies erst im Nachhinein richtig zu schätzen, denn tatsächlich war eine Teilnehmerin des Abschnitts von Perth bis Broome (welche auch grad in Perth war) nicht eingeladen (auch die lustige Gruppe hatte also die Outsiderin, welche offenbar alle nervte). Aber welche Ehre für mich. Ein lustiger Abend.

Folgetag in Perth eher „hang out“ und „hang up“ (die Wäsche). Am Abend der Besuch einer mir empfohlenen Hinterhof-Bar. Auf meine Frage „do you have any IPAs“ räumte der Kellner etwa 5 Minuten den Kühlschrank aus und präsentierte mir rund 12 verschiedene. Aufgrund des hohen Alkoholgehalts der Biere musste ich mich nach zweien verabschieden mit den Worten „come back tommorow“.

Rottnest Island am folgenden Tag: ein must go. Bei der Fährenüberfahrt würde ich künftig einen Platz auf dem Unterdeck suchen, es schüttelt weniger, folglich wird weniger gekotzt (sinngemässe Übersetzung aus dem Englischen). Die Insel fast ein wenig Irisch oder ein perfekter Schauplatz für alle Filme von Rosamunde Pilcher. Aber bei aller landschaftlichen Schönheit sind die Quokkas, welche sich bereitwillig für Selfies zur Verfügung stellen, die Touristenattraktion schlechthin. Und noch „glätter“ ist es, die Selfies von Dritten zu „crashen“. Ok, sie kannte mich, sie hat mich aufgefordert, mit aufs Selfie zu kommen, aber das wäre ja keine gute Insta-Story geworden, oder?

Am Abend dann eine sehr nette Einladung zum Nachtessen bei einem Australischen Ehepaar. Sie hatten schon ganz spontan „der auf dem Selfie gecrashten“ (sie führt übrigens auch einen Blog) eine Bleibe für 3 Nächte angeboten. Und da ich sie am Morgen im Zug kennenlernte, luden sie mich spontan auch grad noch zum Essen ein, wahrscheinlich zum bisher besten Essen in Australien (you do not come for the food), da es offenbar auch in Australien mehr als Pub Food gibt. So in Bezug auf Gastfreundschaft könnten wir uns wohl noch die eine oder andere Scheibe abschneiden.

Und heute nun die weitere Reise ein wenig geplant. So fliege ich morgen nach Airlie Beach und erkunde von dort die Whitsundays. Von dort dann der Ostküste entlang Richtung Süden. Mal sehen, was es dort zu erleben und erkunden gibt.

Cheers, mates.

Wenn es nicht mehr kleiner geht, dann geht es eben doch noch kleiner…

Wie in meiner letzten Wortmeldung über Coral Bay beschrieben, war dieser Ort an Kleinheit eigentlich nicht zu unterbieten (oder wäre es rein sprachlich überbieten, wenn wir von Kleinheit ausgehen?). Dachte ich. Denn von Coral Bay fuhr ich runde 5 Stunden an die sogenannte Shark Bay, genau genommen nach nach Monkey Mia. Und dieses Monkey Mia besteht nicht wie Coral Bay aus einer Strasse mit mehreren Unterkünften, es besteht aus ganz genau einem Resort.

Irgendwie schon der Eintritt überzeugend: Man wird gebeten, eine Parkgebühr zu entrichten, entweder in Bar oder durch Angabe der Kreditkartendaten auf einem Formular. Und sollte das nicht möglich sein, so möge man sich bitte an der Rezeption melden. Und kontrolliert wird es aus meiner Sicht nicht. In Bezug auf die Anzahl Personen pro Auto auch gar nicht möglich. Irgendwie sympathisch vertrauend.

Das Resort besteht aus einem recht grossen Campingplatz sowie Mehrbettzimmern, sehr schönen Hotelzimmern und grosszügigen Beach Villas. Und dies führt dazu, dass man zwar ein sehr schönes Zimmer mit Beach View haben kann, trotzdem aber ein wenig Caravan- und Backpacker-Feeling bekommt. Sehr gemischtes Publikum in der Bar und im Restaurant, beide nicht die absolute Topliga ihrer Kategorie, aber beide sehr gemütlich mit freundlichen und motivierten „Holiday Workers“. Kleine, absolut unpolitische, dafür sehr sachliche Information: Allen Bürgern und Bürgerinnen der EU ist es möglich, Australien fast schon unendlich lange im Rahmen einer working holiday zu bereisen. Uns Schweizern nicht. Betrifft mich persönlich nicht (mehr), aber wenn ich alle die jungen, freundlichen, motivierten EngländerInnen, Deutschen und ItalienerInnen sehe, dann denke ich, dass so was auch noch der einen oder anderen jungen Person aus der Schweiz Spass machen könnte. Aber ich war ja beim Restaurant: Das Essen sehr ok für Australische Verhältnis („you do not come to Australia for the food“).

Nach Monkey Mia geht man eigentlich wegen der Dolphin Experience. Jeden Morgen um 8 Uhr (und dann noch zweimal im Verlaufe des Morgens) schwimmen Delfine vor, welche dann mit je einem Fisch gefüttert werden. Da somit jeder Delfin mit maximal 3 Fischen maximal 10 % seines Tagesbedarfes erhält, bleibt er (also die weiblichen Delfine natürlich auch) gezwungen, weiterhin auch selber zu jagen und bleibt so „wild“. Habe ich erfahren, die Informationen zu den Delfinen durchaus hörenswert. Soweit ja so nett, aber wenn namentlich benannte Delfine da vorschwimmen, um dann unter vielen Ohs und Ahs (um ein Haar hätte ich mich zu einem Überkopfklatscher hinreissen lassen) einen Fisch zu erhalten, ist es für mich halt doch ein wenig zu sehr Zirkus und ein wenig zu wenig Natur. Irgendwie hatte ich das ja schon mal bei den mässig motivierten Krokodilen nahe Darwin. Aber egal, gerade störend war es auch nicht.

Was Monkey Mia dafür hat: einen schönen weitläufigen Strand, den man für lange Spaziergänge quasi für sich hat, einen spektakulären Sonnenuntergang, die Möglichkeit von Touren auf einem Katamaran. Und eine grosse Portion Gelassenheit und Gemütlichkeit.

Auf jeden Fall entschied ich mich für eine Zusatznacht. Dies führte dann dazu, dass die Reisegruppe mit der Schweizer Fotografin vom Darwin-Blog (welche bisher immer so 1-2 Tage hinter mir zurücklagen) mich hier einholten. Lustig gemischte Gruppe von 20-74 Jahren. Beste Freunde nach 3 Wochen, viele lustige Geschichten. Irgendwie anders als die Gruppen , die ich bisher getroffen hatte. Ok, auch wenig verschworen gegen den Guide, gemeinsame Feindbilder verbinden immer. Gegen Einbringung einer Flasche Wein wurde ich zum Nachtessen in der Gemeinschaftsküche eingeladen. Also eigentlich wurde ich einfach eingeladen und habe dann absolut freiwillig dafür freundlich eine Flasche Wein gebracht. Sehr gut und reichlich, also das Essen. Am Tisch nebenan versuchten sich vier junge Frauen aus Argentinien am Gesang, begleitet von einer Gitarre. Und ja, genau darum ist Monkey Mia so wunderbar, weil sich so spontane Begegnungen ergeben, ohne dass man sie suchen muss. Und dass solche Begegnungen (ausgesprochen oder nicht) mit „it has been a pleasure, enjoy the rest of your life“ enden, spielt eigentlich keine grosse Rolle.

So, next stop und grand final of Western Australia: Perth.

Cheers, mates.

Eine lange Fahrt, ein lauter Nachbar und tolle Tage in Exmouth

Der Weg von Broome nach Exmouth lässt sich in zwei oder drei Tagesetappen aufteilen. Logischerweise entschied ich mich für die Variante Sport (wie schon damals an Claudio Beffas und Andrea Kamms Hochzeit, wo man zwischen drei Wanderungen (Sport, Turnschuh und Kinderwagen) wählen konnte und ich für den Todesmarsch angemeldet wurde…..und als erster oben war….und mich hundeelend fühlte….nur weil Ambri am Vortag gewonnen hatte, nein nicht deswegen, ich schweife ab, sorry not sorry), eine Wahl die ich auch hier nicht gerade bereue, die ich aber bei einem nächsten Mal etwas genauer überlegen würde. Somit bestanden meine zwei Tage aus total 14 Stunden rund 15 Stunden (sonst könnte ein Polizist noch ausrechnen, dass es in 14 unter Einhaltung der Geschwindigkeitslimite gar nicht machbar ist) Autofahrt. 8.5 an Tag eins und 5.5 an Tag zwei. Und die Geschichte ist auch rasch erzählt, einziger Spannungshöhepunkt war die Frage, ob mein Benzin bis zur nächsten Tankstelle reicht (natürlich hatte ich mir vorgenommen, an jeder Tankstelle zu tanken, natürlich hatte ich diesen Vorsatz ignoriert). Aber es reichte ja dann.

Die Nacht zwischen den langen Fahrten verbrachte ich im Karratha International Hotel, welches, wie es der Name ja schon sagt, in Karratha liegt. Oder kennt jemand eine Stadt die International heisst? Gem. den einschlägigen Portalen best place in town, aus meiner Sicht irgendwie ein seltsamer Ort: Die Zimmer innen neu und modern und eigentlich sogar chic. Von aussen betrachtet hat das Motel etwa die Bauart dessen, was wir einen „Schopf“ nennen würden. Am Pool hat es keinen einzigen Liegestuhl. Das Essen ok. Die Mitarbeitenden freundlich, aber nicht gerade überschäumend motiviert. Die wohl eher kostengünstige Bauweise bekam ich dann zur Schlafenszeit zu spüren. Mein Zimmernachbar führte offenbar ein sehr wichtiges oder zumindest sehr lautes Telefongespräch. So was kann ja nicht lange dauern, vor allem nicht abends um 10. Nach zwanzig Minuten fühlte ich mich an die SKU 94 2013-Studienreise nach Shanghai erinnert, als irgendein sich wichtig vorkommender Alumni auf jeder Busfahrt mit seinem Sekretär Josef telefonieren musste, der gerade an der Erstellung einer weltbewegenden Offerte war (falls ein Teilnehmer von SKU 94 hier mitliest, ich freue mich über ein Lebenszeichen, bei allen anderen Lesern entschuldige ich mich für das erneute Abschweifen). Nach 30 Minuten brach ich den Versuch einzuschlafen ab, rief die Rezeption an und verlangte den Umzug in ein anderes Zimmer. Ich rechnete mit dem schlimmsten, unter anderem mit einen Hausverbot (bin ja diesbezüglich ein wenig geschädigt), aber wie schon Nena sang: Wunder geschehen: innert 5 Minuten hatte ich ein anderes Zimmer und dann einen herrlich erholsamen Schlaf.

Soweit also der Weg nach Exmouth. In Exmouth war ich gebucht in der Ningaloo Lodge. Nun, Zimmer hatte ich schon schönere, auch Aussicht gab es keine. Aber dafür ist die Lodge sehr zentral gelegen (wirklich alles in walking distance), hat sehr freundliche Mitarbeitende (und Inhaber) und sehr liebevoll gepflegte „shared facilities“ (wie Pool, Küche und living room). Die Gäste nett und auf ihre Art lustig (also die anderen, weiss ja nicht, was die über mich schreiben würden).

Am ersten Abend die obligate Sunset Cruise. Wie immer war ich der Jüngste, by far. Die Cruise war vor allem gebucht von den Teilnehmern einer Gruppenreise. Diese hatten schon mehr als die Hälfte ihrer Reise hinter sich, den stimmungsmässigen Höhepunkt ganz offenbar auch. Wirklich lustig, wie es einige Teilnehmer kaum erwarten konnten, bei den „Fremden“ die anderen Teilnehmer mal so richtig abzudissen. Aktiv zuhören, den Kopf schräg halten, hie und da nicken und verständnisvoll schauen (alles erlernbar in Kursen mit Titeln wie „aktiv zuhören“) machte die Erzählungen noch weit ergiebiger, unterhaltsamer, lustiger. Noch einmal war ich einfach nur froh, nicht bei dieser Gruppe gelandet sondern als Alleinreisender unterwegs zu sein. Wale sahen wir nebenbei auch sowie einen schönen Sonnenuntergang. Und für ein Hoodie-Pic reichte es auch noch.

Weiter machte ich einen rund 6stündigen Schnorchelausflug. War toll. Zweimal schnorcheln (und ja, ich bin jetzt genug alt, um ohne Hemmungen einen Anzug gegen das Kalte Wasser und einen Nudel als Schwimmhilfe zu verlangen, macht vieles einfacher, ich sags Euch), gut gegessen, viel Spass gehabt, ein Hoodie-Pic gemacht. Und vor allem war ich einmal nicht der Jüngste. 6 Schulfreunde im zarten Alter von 23 waren auf gemeinsamem Wochenendausflug (und dafür mal locker 13 Stunden Auto gefahren). Wirklich ein lustiger Tag.

Auch noch erwähnenswert wäre Town Beach. Die hat sogar einen eigenen Food Truck, man kann dort Frühstück und Kaffee kaufen. Wirklich gemütlich, schöner Sandstrand. Dazu Picknicktische, beschattet (also vor der Sonne geschützt, nicht das, was Matula jeweils in ein Fall für zwei macht). Lustig, dass es dort nie mehr als 10 Personen gleichzeitig hatte. Vielleicht war ich zur falschen Zeit da.

Die Abende verbrachte ich in den zwei Brauereien des Ortes. Ja genau, ein Ort mit ein paar Tausend Einwohnern hat mal locker zwei Brauereinen. Und was für welche, wirklich tolle. Die Whale Bone Brewing Company ist auf einem alten Industriegelände untergebracht. Tolle Anlage. Mit Kinderspielplatz, darum auch viele Familien. Mit Live Musik (und zwar richtig guter). Mit tollem Bier. Und noch tollerer Pizza. Die Froth Craft Microbrewery ist eher ein Pub, guter Pub-Food (und guter Salat, die Variante mit Haloumi (schreibt man das so? Also dieser griechische Schafskäse zum Anbraten halt) eher besser als mit Chicken und sogar 1 AUD billiger, wenn das mal kein Argument ist) ebenfalls tolles Bier. Und von Donnerstag bis Samstag ein DJ, sodass das nette Lokal dann eher zum Club wird. Und schön finde ich, dass das Ganze um 7 startet und um halb 11 wieder zu Ende ist. Irgendwie sehr altersgerechte Ausgangszeiten.

So, das war Exmout, next stop Coral Bay..

Cheers, mates.

Andermatt – 10 Jahre später

Wie doch so einige habe auch ich paar Wochen meines Lebens im grünen Kampfdress der besten Armee der Welt in Andermatt verbracht. Als unsere Truppe das erste Mal in Andermatt stationiert war, hiess uns der Präsident des damals dahinsiechenden Bergdorfes persönlich mit einem Apéro willkommen. Sein wichtigstes Argument für Andermatt war die fehlende Polizeistunde und damit die Möglichkeit zum masslosen militärischen Abfeiern. Wir nützten diese rege. Ein Jahr später war der reiche Onkel aus Ägypten mit seinem Projekt www.andermatt-swissalps.ch aufgetaucht und weil man diesen wohl nicht verschrecken wollte, wurde eine militärische Polizeistunde um Mitternacht erlassen. Bussenandrohung 100 Franken, Kontrolle durch die Militärpolizei. Nun, da gestohlene Äpfel ja am besten schmecken, erhöhte das auf Umwegen zu spät nach Hause schleichen den Spass des nächtlichen Tuns noch mehr. Ein Jahr später fand dann der Spatenstich für das Luxushotel The Chedi statt (www.thechediandermatt.com) und die ganze Bevölkerung (wir zählten uns dazu) wurde zu Brot und Spiele Wurst und Brot eingeladen. Später in einer Bar sahen wir den reichen Onkel dann noch mit der für sein Projekt werbenden Skilegende. Ja und so entstehen lustige Militärgeschichten, in denen ich mal ganz nah am Olympiasieg Olympiasieger in der Herrenabfahrt war.

Soweit mal mein Bezug zu Andermatt.

Jetzt, ziemlich genau 8 Jahre nachdem ich mein seit der RS liebevoll gehütetes und mehrfach gezügeltes Armeematerial in einer grauen Turnhalle zu entsorgen hatte, kehrte ich auf dem Weg ans Moon and Stars in Locarno für eine Nacht nach Andermatt zurück.

Gebucht hatten wir ein Zimmer im neuen Radisson Blu. Zwei sehr chice Holzchalets am Dorfeingang, leider auch sehr nahe an der Gotthardstrasse. Offenbar ist das Hotel nicht primär überhaupt nicht auf mit dem Zug reisende ausgerichtet, der Weg vom Bahnhof ist nicht wirklich beschriftet…und als Mann ist es ja sowieso ausgeschlossen, jemanden nach dem Weg zu fragen…und so sahen wir das Hotel zwar schon von weitem, mussten aber irgendwie noch über die stark befahrene Hauptstrasse und die Bahngeleise kommen…irgendwie haben wir es dann geschafft und später den direkten Weg auch noch gefunden.

Check in freundlich und schnell und schon um 13 Uhr möglich. Das Zimmer chic und stylish, mit Kaffeemaschine und fast schon spektakulärem Bad. Und riesigem Fernseher, den ich aber irgendwie nicht brauchte.

Nach dem Spaziergang wollte ich eigentlich ins Hallenbad. Da die Beschriftung auch innerhalb des Hotels mehr als dürftig ist (die Badtücher suchen wir immer noch haben wir nicht gefunden), bin ich zuerst im Fitness gelandet. Und da im TV gerade die Schlusssteigung der Tour de France lief, entschied ich mich für ein wenig gemütliches Spazieren auf dem Laufband (4.5 km/h). Ich wurde dann von einer Angestellten in englisch und eher sehr barsch darauf aufmerksam gemacht, dass ich für ein ‚excercise‘ gefälligst vernünftige Schuhe tragen solle. Auch meine Erwiderung, dass 4.5 km/h nicht Training sondern maximal aktive Erholung sei, konnte ihre offensichtlichen Sicherheitsbedenken nicht aus der Welt schaffen. Nun, auf dem Weg ins Bad bin ich dann in einer Pfütze beinahe zu Fall gekommen…soviel zu Sicherheit. Das Bad toll, geräumig mit riesigen Liegen…die Aussicht leider direkt auf die Hauptstrasse. Den Rest des Spas hätte ich auch noch besichtigt, leider mangels Beschriftung nicht gefunden…und ich hätte sogar gefragt, hätte ich irgendeine Badeaufsicht gesehen…

Die Bar: toll eingerichtet – bequeme Sitze und Sofas – gute Getränkeauswahl – freundliche Bedienung.

Das Restaurant konnten wir leider erst um 20.30 Uhr betreten, da es vorher ‚ausgebucht‘ war. Allerdings war es dann um halb 9 leer und irgendwie hatten wir nicht gerade viele Leute rauskommen sehen. Aber egal: die Einrichtung überzeugt, die Speisen sogar sehr, die Weinkarte ist umfassend und aus meiner Sicht fairpreisig, das Essen sehr gut!

Am nächsten Morgen eines der besten Frühstücksbuffets, welches ich je gesehen habe. Der selbst geräucherte Lachs (unten zu sehen im Bild welchen ich leider nicht fotografiert habe) war der Höhepunkt. Mäkeln auf ganz hohem Niveau: der Käseauswahl würde etwas Regionalität mit einem Urner Alpkäse oder so nicht schaden.

Check out anschliessend wieder bei Etienne, bei dem wir schon eingecheckt hatten: schnell, freundlich und zuvorkommend. Er hat uns sogar den schnellsten Weg zum Ausgang im zweiten UG erklärt…welchen wir mangels Beschriftung dann doch noch ein wenig suchen mussten…

Fazit zum Hotel: supertolle Hardware – Software noch mit einigen Bugs und daher Luft nach oben.

So, das wars, machen und jetzt auf den Weg zum Bahnhof…es regnet…darum auf direktem Weg…