12 Erkenntnisse aus der Besteigung des Kilimanjaro. Nr. 3: Ziele sind Träume, Maßnahmen sind Arbeit. Und ja, beim Titel könnte man noch ergänzen: bei einem weiteren Anlauf würde ich allenfalls noch wenig genauer nachdenken…).
Nachdem wir letzte Woche geklärt haben, dass ein Ziel attraktiv sein muss, kommen wir nun zum unromantischen Teil: der Arbeit. Erkenntnis Nummer 3 lautet schlicht: Definiere konkrete Maßnahmen – und setze diese konsequent um – und verwechsle sie um Himmels Willen nicht mit dem Ziel selbst. Das passiert in Sitzungszimmern nämlich dauernd. Da sagt jemand: „Unser Ziel ist mehr Umsatz!“ und schreibt als Maßnahme ins Protokoll: „Umsatz steigern.“ Das ist keine Maßnahme, das ist nur das Ziel noch einmal lauter ausgesprochen. Oder umgekehrt:
Statt eines Ziels definiert man: „Beratungsqualität steigern mittels Besuchsbegleitung“. Toll, hört sich super an, ist leider einfach eine Massnahme. Die Quasi-Garantie zur Vermischung oder gar Verwechslung erhält man übrigens (hey, und dies ist ein Gratis-Tip), wenn man im Konzept den Titel Ziele/Massnahmen setzt. Darum nochmals für alle und in aller Ruhe: Ein Ziel beschreibt das „Wohin“, die Maßnahme das „Wie“. Und genau wie Ziele sollten auch Maßnahmen smart sein.
Ich spreche da aus Erfahrung, denn meine Vorbereitung auf den Kili war eine Mischung aus militärischer Präzision und naiver Verdrängung. Auf der Haben-Seite meiner Maßnahmen-Liste stand ein radikaler Schnitt: Am 15. August 2025 habe ich die letzte Zigarette geraucht. Dazu kam ein strikter „Dry January“, viel Zeit zur Akklimatisierung in Arosa und unzählige Stunden im Fitnessstudio auf dem „Climb Mill“, dieser endlosen Treppe ins Nirgendwo. Auch die mentale Vorbereitung stimmte, ich habe brav die SRF-Doku zum Kilimanjaro geschaut – vom Sofa aus sah das alles sehr machbar aus.
Dann gab es aber die Kategorie „Maßnahmen, die Sinn gemacht hätten, die ich aber erfolgreich verdrängt habe“. Ganz oben auf der Liste: Erholung trainieren oder Schlafen üben, zum Beispiel im Schlafsack. Meine letzte Erfahrung in einem Schlafsack datierte von einem Open Air im Jahr 2005. Damals war der Boden weicher oder mein Rücken jünger, wahrscheinlich half auch ein wenig Alkohol zur Beruhigung. Ebenfalls hätte ich trainieren sollen, auf dem Rücken einzuschlafen. Warum? Weil Seitenschläfer am Berg verlieren. Wenn du dich auf 4.000 Metern auf die Seite drehst, pocht der Puls so laut im Ohr, dass du denkst, du liegst in einer Bass-Box im Technoclub. Nur ohne Bass, ohne Club, dafür mit Kopfweh. Auch eine Übernachtung im Garten bei Minustemperaturen im Zelt wäre eine valide Maßnahme gewesen, um die Kältetoleranz zu testen. Ich habe stattdessen auf das Prinzip Hoffnung gesetzt.
Der absolute Klassiker des misslungenen Maßnahmen-Managements traf mich dann in der Gipfelnacht. Eine sehr konkrete und einfach umsetzbare Idee wäre gewesen: „Teste, ob der Akku der Stirnlampe im Kältemodus wirklich sieben Stunden durchhält.“ Spoiler: Er sollte nicht halten. Und glaubt mir, der Gipfelaufstieg verliert massiv an Attraktivität, wenn man im stockfinsteren Afrika steht und die einzige Lichtquelle der eigene, leicht panische Optimismus ist. Was uns das für den Job lehrt? Wenn du willst, dass dein Team das Ziel erreicht, definieren wir Maßnahmen, die so konkret sind, dass jeder weiß, was am Montagmorgen zu tun ist. Und wir testen sie. „Wir machen Kaltakquise“ ist ein Wunsch. „Wir rufen jeden Tag zehn Kontakte an und haben ein funktionierendes Headset“ ist eine Maßnahme. Ich habe den Gipfel erreicht – trotz der Lampe und dank dem Rauchstopp. Aber beim nächsten Mal plane ich die Maßnahmen so sorgfältig wie das Ziel selbst. Zumindest nehme ich Ersatzbatterien mit. Nächste Woche erzähle ich euch von Erkenntnis Nummer 4. Spoiler: Es geht um „sunk cost“ oder einfach ganz konkret um einen nicht passenden Rucksack.
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