Nach unserer kleinen Reise durch die vier Cluster der Preissensitivität rsp. Wechselbereitschaft– Marktattraktivität, Kunden(un)zufriedenheit, bisheriger Preis beziehungsweise Rabatt als Referenzpunkt und Kundenbindung – haben wir eines festgestellt: Ein bisschen betriebswirtschaftliche und preisliche Grundbildung schadet der Preisverhandlung definitiv nicht.
Irgendwann muss man dann aber auch noch wissen, wie man eigentlich verhandelt.
Und da beginnt die Technik erstaunlich unspektakulär: bei der Vorbereitung des Kundengesprächs.
Natürlich wäre es schön, wenn ein Kundenberater nicht zuerst 17 Systeme öffnen müsste, um sich die relevanten Informationen zusammenzusuchen. Noch schöner wäre es, wenn das System daraus gleich einen sinnvollen Preisvorschlag basteln würde. Am besten inklusive Begründung, Argumentarium und vielleicht noch einem kleinen Motivationsspruch für den Berater.
Aber egal. Bis es so weit ist, funktioniert auch die gute alte Praktikermethode.
Ein paar Fragen sollte ich vor dem Gespräch beantworten können: Wie gross ist das Gesamtvolumen des Kunden? Wie gross ist die jetzt fällige Tranche? Und wie einfach wäre es für den Kunden tatsächlich, mit diesem Geschäft zu einer anderen Bank zu gehen? Denn CHF 100’000 bei einer Gesamtbeziehung von zwei Millionen sind etwas anderes als CHF 100’000, bei denen praktisch die gesamte Beziehung auf dem Spiel steht.
Dann lohnt sich ein Blick auf die Beziehung selbst: Gibt es Gründe, weshalb der Kunde besonders zufrieden oder unzufrieden sein könnte? Wie war sein letzter Preis? Welcher Rabatt wurde damals gewährt? Und was ist eigentlich seit dem letzten Abschluss passiert? Wie oft hatten wir Kontakt? Hat der Kunde unsere Beratung genutzt? Hat er weitere Geschäfte mit uns gemacht oder seine Beziehung sogar ausgebaut?
Aus all diesen Informationen entsteht – mehr oder weniger strukturiert, manchmal wahrscheinlich auch etwas intuitiv – ein Bild. Und daraus sollte ich vor dem Gespräch meinen fairen Preis ableiten. Also den Preis, den ich aufgrund der gesamten Situation für angemessen halte und den ich auch gerne durchsetzen möchte.
Zusätzlich brauche ich eine Schmerzgrenze. Wo ist definitiv Schluss? Und diese Grenze sollte natürlich nicht unter den variablen Gestehungskosten liegen. Sonst haben wir zwar erfolgreich verhandelt, aber leider in die falsche Richtung. Dann wäre es vermutlich besser, das Geschäft gar nicht erst zu machen. Und: Das Argument, dass sich um ein grosses Volumen handelt wird nicht besser, wenn wir mit negativer Marge operieren, dann gilt: je grösser, desto schlimmer.
Und auch bei der Schmerzgrenze gilt: Ich sollte vorher wissen, unter welchen Bedingungen ich bereit bin, mich ihr anzunähern. Mehr Volumen? Zusätzliche Produkte? Längere Bindung? Ein anderer Geschäftsabschluss? Irgendeine Gegenleistung sollte es schon geben. Denn ein Rabatt ist kein Geschenk. Zumindest sollte er keines sein.
Eigentlich ist das alles gar nicht so kompliziert. Ist auch nicht ganz neu, sondern angelehnt an das Harvard Verhandlungskonzept, könnt ihr hier kurz nachlesen. Ein paar Informationen zusammentragen, einen fairen Preis festlegen, eine Schmerzgrenze definieren und überlegen, unter welchen Bedingungen ich mich davon wegbewegen würde.
Und jetzt mal ganz ehrlich:
Wie oft macht ihr das wirklich so systematisch?
Oder schaut ihr fünf Minuten vor dem Gespräch noch schnell nach, welchen Rabatt der Kunde letztes Mal bekommen hat, atmet einmal tief durch und denkt:
„Na gut. Schauen wir mal, was heute passiert.“
Genau hier beginnt dann die eigentliche Technik der Preisverhandlung.
Und darum geht es im nächsten Beitrag.
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