Wir fahren weiter mit dem Ziel unsere Kunden (und genau den Kunden oder die Kundin, die gerade vor uns sitzt) zufrieden und glücklich zu machen.
Der freundliche Empfang ist geschafft (hoffentlich!) – und dann kommt er: der Small Talk. Eine der am meisten unterschätzten Disziplinen im Kundenkontakt. Das kleine Gespräch im Sinne des Wortes. Ich gebe auch zu, dass ich nicht immer in der Laune für Small Talk bin….und darum auf geschlossene Fragen konsequent mit „ja“ oder „nein“ antworte. Beispiel gefällig? Wenn ich beim Coiffeur gefragt werde (Klassiker): „Sind Sie scho i dä Ferie xi?“ – „ja“ und dann folgt darauf ein „isch schön gsi“ – „ja“, dann ist, was als hoffnungsvolles Gespräch startete, innert Sekunden abgewürgt.
Aber reden wir übers Banking: Hier ein persönliches Best-of (eigentlich ein worst-of) meiner wirklich misslungenen Small Talks:
„Haben Sie uns gut gefunden?“
Klingt harmlos, hat aber ein Problem: Wenn ja, war es erwartbar. Wenn nein (Stau, Baustelle, Parkplatzsuche), wirkt es schnell unangenehm konfrontativ im Sinne von „ich habe festgestellt, dass sie 5 Minuten verspätet waren“. Bei einer Geldanlage würden wir von Risiko ohne Upside Potential reden – und darum die Finger davon lassen.
Politik?
Nach der Wahl von Donald Trump wirkte das kurzzeitig erstaunlich sicher – weil, sorry, da haben doch nun wirkilich alle die gleiche Meinung. Meinte ich, bis der erste Fan des 45. und 47. Amerikanischen Präsidenten im Gespräch sass.
Witze, am liebsten über Minderheiten?
Selbsterklärend riskant. Aber doch lustig. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man genau den falschen persönlichen Bezug trifft. Und ja, Humor ist eh immer schwierig und wirkt so verdammt schnell unbeholfen und peinlich. Und wir wollen ja nicht, dass der Kunde sich für uns fremdschämen muss.
Die haussierenden Kürse an der Börse ja, nennen wir es Rally. Muss doch jeder toll finden.
Auch heikel. Entweder läuft sie gerade perfekt – oder der Kunde hat exakt vor der Rally einen substantiellen Teil seiner Position realisiert. Und meint sich zu erinnern, dass ich ihm dazu geraten habe. Es tut dann nicht mal mehr so sehr viel zur Sache ob es so war oder nicht.
Und das Wetter?
Klassiker. Unoriginell aber doch eigentlich ganz risikolos – und halt ebenfalls tückisch, wenn es gerade 12 Grad unter Null hat und jemand mit Gips im Gespräch sitzt…..
Die ehrliche Konsequenz daraus: Small Talk ist dann gut, wenn man einen echten Anknüfungspunkt hat mit dem Kunden. Er hat bei der Terminvereinbarung erzählt, dass er in zwischenzeitlich in die Ferien fährt. Davon erzählt er sicher gerne. Oder die Enkelin wurde eingeschult – jetzt kann sie sicher schon lesen. Oder der Lokalpolitiker wurde wiedergewählt, er wird sicher gerne von seinem Wahlkampf erzählen.
Aber: Wenn man den Kunden nicht gut oder halt auch gar nicht kennt, ist verkrampfter Small Talk oft schlechter als kein Small Talk.
Besser: ein klarer, ruhiger Einstieg.
„Schön, dass Sie hier sind. Ich freue mich, Sie kennenzulernen. Darf ich Ihnen kurz zeigen, was ich für unser Gespräch vorbereitet habe?“
Oder als sanfter Übergang:
„Mit welchen Erwartungen sind Sie heute gekommen?“
„Was ist Ihnen im Gespräch besonders wichtig?“
Offene Fragen schaffen Raum und bringen den Kunden zum Reden– und verhindern genau das, was Small Talk oft erzeugt: unangenehme Stille oder ungewollte Missverständnisse.
Darum: Small Talk, wenn es etwas Kleines zu bereden gibt. Etwas, das verbindet. Etwas, worüber der Kunde gerne erzählt. Und sonst: lieber mit Beratungskompetenz überzeugen als auf Peinlichkeiten verkrampfen.











