about Schneeketten

Ich hoffe, dass mich niemand verklagt wegen des irreführenden Titels, hier geht es nämlich gar nicht um Schneeketten oder höchstens ganz am Rand oder ganz am Schluss. Aber mal ganz von vorne.

1997 schloss ich die Kantonsschule Baden mit einer Maturität Typus E ab (ja, genau, ich bin so alt, dass es noch Maturitätstypen gab, ich habe im Kindergarten zu Weihnachten auch noch Aschenbecher getöpfert). Und da ich keine Pläne für nach der Kanti hatte, stand in der Auflistung aller Absolventen bei mir unter Zukunftsplänen „Zwischenjahr“, die edle Form von „keine Ahnung“. Nach dieser Matura ging ich in die Rekrutenschule nach Thun und nach ca. der Hälfte dieser RS fragte mich mein Vater, ob ich denn nun endlich einen Plan gefunden hätte. Nein, hatte ich nicht, aber als ich an jenem Wochenende wieder einrückte, suchte die Credit Suisse gerade Mittelschulpraktikanten und so bewarb ich mich da und bekam die Stelle. So viel zu meiner wohlüberlegten und sehr strukturierten Berufswahl.

Schulisch mogelte ich mich ab dann durch mit Weiterbildungen, welche ich gemäss meinem Bruder auswählte nach dem Kriterium „beste Chance mit wenig Aufwand in die Ränge zu kommen“ (was natürlich insbesondere auf das SKU-Programm in der Elite Stammgruppe A keinesfalls zutrifft), was ich natürlich vehemmt abstritt, abstreite und immer abstreiten werde. Und da ich irgendwann recht gut einschätzen konnte, dass ich absolut maximal untalentiert bin für das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten und für die Montage von Schneeketten (was ich genau einmal tat: in der RS, bei 32 Grad im Schatten, auf der sonnigen Panzerpiste des Waffenplatzes Thun, in einer Gruppe mit zwei Automechanikern), machte ich es irgendwann zu meinem Grundsatz, genau diese zwei Dinge nie zu tun in meinem Leben: eine Masterthese zu schreiben und Schneeketten zu montieren.

Quelle: Stern.de

Bis zu einem magischen Tag, als ich einem entfernten Bekannten durchaus mit Stolz davon erzählte, dass ich in jungen Jahren den Lehrgang zum eidg. dipl. Verkaufsleiter absolviert hätte und (ebenfalls mit Stolz) heute als Dozent an gleichem Lehrgang unterrichten würde. Er fragte dann leicht stutzend nach mit „habe ich das grad richtig verstanden, dass Dein höchster schulischer Abschluss eine Verkäuferlehre ist?“. Womit mir ein für allemal und endgültig bewusst wurde, dass in einem Umfeld, wo der Bachelor (nein, nicht der mit der Rose, der von der Fachhochschule) quasi die Verlängerung der Lehre ist und ja eigentlich nur universitäre Master aus Zürich und St.Gallen und noch besser Stanford zählen, ein MAS in irgendwas an der Schule irgendwie in irgendwo die Mindestanforderung ist, um überhaupt bei solch hochgestochenen Gesprächen zugelassen zu werden.

Womit ich dann mal zu recherchieren begann und feststellte, dass ich bei zwei absolvierten CAS noch genau ein CAS und eine Masterthese von genau diesem Abschluss entfernt bin. Das noch zu absolvierende CAS suchte ich dann aus nach der Methode „lässt sich mit den zwei anderen zu einem MAS zusammenfügen und hat am Schluss eine Prüfung anstatt eine Zertifikatsarbeit“, wobei ich ja zugeben muss, dass ein wenig Training in Form einer solchen Zertifikatsarbeit gar nicht so saublöd gewesen wäre.

Todesmutig habe ich mich im April in die Vorstudie zu meiner Masterthese gestürzt und für diese im Juni ein „pass“ erhalten (ich hatte noch kurz auf ein fail gehofft, dann wäre mir die weitere Arbeit erspart geblieben…), die letzten Monate habe ich mich mit für mich erstaunlicher Disziplin hinter diese Arbeit gesetzt und zwischenzeitlich überrascht festgetellt, dass ich sogar Spass daran hatte. Ja klar, mal mehr und mal weniger aber insgesamt war es ganz ok. Am letzten Samstag um den Mittag habe ich dann den letzten Punkt gesetzt. Am Samstagabend einen allerletzten Abschnitt ergänzt und erneut den letzten Punkt gesetzt. Am Montag noch zwei Quellen durch aus meiner Sicht validere Quellen ersetzt. Nun ist die Arbeit im Lektorat, nächste Woche werde ich letzte Korrekturen vornehmen, dann die Arbeit drucken und binden (lassen) und dann am 29. Oktober mit geplanten zwei Tagen Reserve hochfeierlich persönlich einreichen.

Womit noch genau eine letzte Komfortzone bleibt in meinem Leben: Ich habe weiterhin nie auf dem Weg nach Arosa im steilen Stück unterhalb von Litzirüti in der Dunkelheit eines aufziehenden Schneesturmes Schneeketten aufgezogen. Eigentlich soll man seine Komfortzone ja verlassen. Aber ich lasse Euch entscheiden:

Daumen hoch unter den Post dieses Artikels auf Linked in oder Facebook heisst: brauchen wir nicht, bleib an der Wärme

ein Herz unter den Post dieses Artikles auf Linked In oder Facebook heisst. Los, verlasse Deine Komfortzone, warte den Sturm ab, zieh die Ketten auf. Ich will das Video davon sehen.

next stop: Litzrüti

Die „grösste Produktinnovation in der Ge­schichte der Migros“ – what else

Für diejenigen unter Euch, welche die Schlagzeilen nicht ganz so eng verfolgen wie ich, fasse ich kurz zusammen, wirklich ganz kurz, denn es werden mir ja immer wieder Abschweifer und Irrungen und Wirrungen vorgeworfen, welche meine Texte nur unnötig lang machen. Kürzlich wurde einer meiner Ergüsse sogar als Pamphlet bezeichnet (ok, ich nehme das als Kompliment), deshalb wirklich nur kurz:

  • In der letzten Augustwoche wurde bekannt, dass die Migros für den 6. September zu einer Medienkonferenz geladen hätte, um die grösste Produktinnovation in der Geschichte der Migros zu lancieren
  • Nur wenig später schrieben die Medien, dass es sich dabei wohl um eine Art Kaffeekapsel handeln müsse, denn die Migros habe die Marke Coffee B eintragen lassen. Und in Frankreich sei das Produkt schon vorgestellt worden. Bis hierhin eine vollmundige Ankündigung mit geschicktem Durchsickern-lassen, damit das Feuerchen auch am Lodern bleibt
  • Am 6. September wurde die Nicht-Kaffee-Kapsel dann tatsächlich lanciert. Und so sieht sie aus

Kleiner Einschub: Die Migros und ihre Innovationen sind ja so ein Sache für sich. Eigentlich wurde die Migros als Immitatorin gross: Kaffee Hag wurde als Kaffee Zaun kopiert, Rivella verkaufte Migros leicht abgeändert und produziert von Rivella als Mivella und aus der Swatch wurde die M-Watch. Eigene Kreationen: das vegane „hart gekochte“ Ei wurde nach kurzer Zeit wieder vom Markt genommen, dem vegangen Rührei wünsche ich nach einmaliger Verkostung gleiches Schicksal, bitte bald.

Nun, aber wirklich zur grössten Innovation der Unternehmensgeschichte. Wobei nein, zuerst noch ein paar Worte zu Marketing. Bis in die 1980-er-Jahre war die Migros wohl in Sachen Marketing Weltklasse. Man schreibt ihr quasi die Erfindung der „Aktion“ zu und die Migros-Musik können wohl viele noch heute nachsingen. Später fiel die Migros dann doch immer wieder durch Flops auf. Welche zwar sehr lustig sind, aber halt doch Flops (Nummer 1 übrigens selber fotografiert, 2 und 3 sind #Netzfunde):

So nun zurück zur grössten Innovation der Firmengeschichte. Da präsentierte also Migros Chef Fabrice Zumbrunnen in der Euphorie von Emil als Wahlverlierer (und wer das nicht kennt: sofort googeln) die Kapsel ohne Kapsel. Ein Kaffeeball, der aussieht wie eine Lindor-Kugel, leider einfach nicht schmeckt wie eine Lindor-Kugel. Und die Migros nennt den Kaffeeball Coffee B – was dann dazu führt, dass es genau 10 Stunden dauert, bis ein amerikanischer Late Night Talker über „Swiss Balls“ redet oder eher lacht. Erinnert irgendwie daran, dass der Mazda MR2 in Frankreich nie so recht zum Erfolg wurde, weil es sich auf französisch ausgesprochen halt einfach Scheisse anhört oder dass der Fiat Punto in Finnland nie durchstartete, weil wer will schon ein Auto kaufen, das Idiot heisst.

So weit so gut, trotzdem wollte ich natürlich testen. Und da ich grad oben an einer Migros wohne, rannte ich am Samstag fast schon zu dieser Filiale. Kleine Randnotiz: Diese Filiale hat im Untergeschoss den neuen Migros-Brillenhändler Misenso. Brillen im Untergeschoss ohne Tageslicht zwischen Toilettenpapier und Hundefutter finde ich gelinde gesagt schwierig. Könnte allenfalls klappen, mit sehr aktivem Verkaufspersonal, welches allen bebrillt vorbeigehenden Kund:innen eine kostenlose Reinigung oder was auch immer anbietet und sie so in ein Gespräch verwickelt….was ja aber so nicht ist, weil zwei gelangweilte Personen hinter der Theke einfach auf bessere Zeiten warten. Ok sorry, die Randnotiz wurde grad ein wenig länger.

Also, Coffee B konnte ich dann tatsächlich testen. Nachdem ich drei Mal interessiert am Stand vorbeigegangen war und ganz interessiert geschaut hatte (dazu halblaut „was isch ächt das?“ vor mich hin brabbelte) und dann laut fragte, was denn das sei. Der Stand optimal platziert in der Einflugschneise des Ladens, so dass man immer fürchten musste, von einem Wägelchen in der Achillessehne getroffen zu werden. Geruchlich schön arrangiert zwischen Gemüse und Brot, angereichert von gebratenem Poulet in der Auslage. Und ja, Tageslicht hat es auch im Obergeschoss dieser Filiale nicht wirklich. Ich durfte also testen, es war weder besonders gut noch besonders schlecht, es war in einem Kartonbecherchen, es war sicher nicht Premium (also gar nicht so premiumig wie oben abgebildet – aber hätte so voll Premium wirklich voll zur Migros gepasst?), rein schon von der Ambiance her nicht. Und meine Frage, was denn nun an diesen Nicht-Kapseln besser sein soll als an den kompostierbaren Nespresso-Imitaten konnte man mir nicht beantworten. Und in den Medien kann man lesen, dass in gewissen Filialen die Mitarbeitenden das Produkt gar nicht kennen würden (da hatte ich ja grad noch Glück) und dass bei der Tochter Digitec die Kugeln schon ausverkauft seien (was ich fast nicht glauben kann, denn sooo verrückt viele können ja da noch gar nicht bestellt worden sein….). Also zusammengefasst: Liebe Migros, so hast Du gegen George Clooney und die elegante Verkäuferin in der noch eleganteren Nespresso-Boutique (oder umgekehrt), welche strahlend „Willkomme bi Nespresso“ sagt schlicht und ergreifend keine Chance. Egal wie umweltfreundlich, nachhaltig und was noch immer diese tollen Nicht-Kapseln sein mögen.

Aber auch liebe Migros: Ich mag Dich wirklich. Und ich finde es toll, dass Du es mit dem Weltmarktführer Nespresso aufnehmen willst. Und auch das Kulturprozent finde ich super. Und deine Produkte mag ich. Und dass Du weiterhin auf Alkohol und Zigaretten verzichtest (und uns als Genossenschafter:innen darüber hast abstimmen lassen), macht dich sogar einmalig.

Aber Produktlancierungen kannst Du besser, oder?

next stop: Migros.

Meine Erfahrungen mit der Aida – Folge 4 (von 3)

Wer hier einen schönen Reisebericht erwartet, soll bitte nicht weiterlesen. Dieser Beitrag handelt von Customer Experience und konkret Beschwerdemanagement. Und ja, die Aida hat versagt, eigentlich sogar richtig abgekackt.

Regelmässige LeserInnen erinnern sich allenfalls noch an die Folgen 1-3, Folge eins über die Direktbuchung bei Aida (welche zur Empfehlung führte, nie direkt sondern immer über ein Reisebüro zu buchen), Folge zwei über das Schiff an sich (welches ich mit ein wenig Mäkeln auf hohem Niveau echt gut bewertete), Folge drei über die Software (sprich Organisation, Prozesse und Mitarbeite, welche nicht schlecht aber weniger gut als die Hardware bewertet wurde). Und eigentlich war diese Kleinserie nach drei Folgen auch abgeschlossen.

Aber zuerst mal Bild, denn landschatlich war Norwegen echt Weltklasse!

Da ich auf meine Kundenrückmeldung von anfangs Juli noch nichts gehört hatte, schrieb ich am 2. August einen kurzen Brief, legte eine Kopie der Lüftungs-Rückmeldung sowie die drei Folgen meiner Beiträge in gedruckter Form bei. Ich adressierte das Schreiben an Herrn Felix Eichhorn, welcher im Internet als als President Aida Cruises vorgestellt wird. Briefe an CEOs und ähnliche funktionieren normalerweise sehr gut. Natürlich antwortet nie ein CEO persönlich, aber die Briefe gehen an darauf spezialisierte Abteilungen und die geben dann eine mehr oder weniger gute Antwort. Ich mache dies übrigens nur, wenn ich keine Antwort vom Kundendienst erhalte (hier geschehen) und sich auf der Website keine entsprechende Abteilung findet (oder zumindest nicht innert nützlicher Frist).

Und dann hörte ich lange nichts mehr. Was mich auch nicht überraschte, denn ich hatte keine Forderung gestellt und grundsätzlich auch klargestellt, dass ich mich wohl als ehemaligen Kunden betrachte.

Heute erreichte mich nun ein Anruf von einem Herrn Meier (nein, er hiess nicht Meier, es war eine Frau, ihr Name tut nichts zur Sache, sie war auch nur Ueberbringerin der Botschaft und hatte den Zonk, mich anrufen zu müssen, wohl als Hauptpreis beim Zonk-Bingo gewonnen). Den Anruf gestern hatte ich nicht entgegennehmen können, heute erfolgte der zweite Versuch, somit Pluspunkte fürs Dranbleiben. Herr Meier ist Angestellter einer Fachabteilung, den genauen Namen habe ich vergessen, aber sicher irgendas gescheites und fantasievolles wie „Customer Feedback and Complaint Improvement Management schiessmichtot“. Er identifizierte mich anhand Vorname und Geburtsdatum, was ich aus Datenschutzgründen schätze und stieg ein mit dem Satz, dass er mich anrufe, weil er den Prozess beschleunigen wolle. Ok, kein Hitparadenstürmer für die Rangliste der besten Einstiegssätze, wurde mir doch klar signalisiert, dass man mich so rasch als möglich los haben möchte. Nun, Ziel erreicht, die Aida hat mich für immer los.

Herr Meier hatte mit den Kollegen auf dem Schiff meine Rückmeldung betreffend nicht funktionierender Lüftung geprüft und entschuldigte sich für die nie erhaltene Antwort in Sachen Covid-Zertifikat. Dann erklärte er mir, dass gemäss den Aufzeichnungen auf dem Schiff die Lüftung einwandfrei funktioniert hätte, die Aida mir also rechtlich nichts schuldig sei. Aida schätze meine ehrlichen Feedbacks aber sehr und die Hinweise würden dazu beitragen, dass Aida noch bessere Urlaubserlebnisse bieten könne. Er fuhr fort damit, dass Aida mich als Kunden sehr wertschätze und trotz meiner Unzufriedenheit in Sachen Lüftung zum Stammkunden machen möchte, deshalb offeriere mir Aida auf eine nächste Buchung einer Premium Balkonkabine bei Direktbuchung einen Rabatt von 200 Euro oder 4 % (was beides übrigens klar unter den 6 % im Affiliate Programm oder 10 % -14 % Provisionszahlungen an Reisebüros liegt). Und ja, es gäbe jetzt drei Möglichkeiten: Ich sei weiterhin unzufrieden und würde Aida fern bleiben (würde die nette Geste aber allenfalls anerkennen und aus dieser entstünden Aida ja auch keine Kosten), ich würde aufgrund der netten Geste wieder Aida buchen, aber halt in einem Reisebüro (auch dann wäre der Gutschein für Aida ja kostenlos und nur eine nette Geste) oder ich würde bei Aida direkt buchen, womit Aida zu bedeutend tieferen Kosten als bei einer Buchung im Reisebüro die Chance hätte mich zu einem der vielen Fans zu machen (und Geld mit mir zu verdienen), welche Aida ja zum Marktführen machten.

Aber nein, so war es nicht: Darauf, dass dieser Anruf zwei Monate nach Eingang der Rückmeldung erfolgte, ging Herr Meier nicht ein. Herr Meier erklärte, dass die Lüftung gemäss seinen Abklärungen einwandfrei funktioniert hätte und dass er den Fall jetzt abschliesen wolle, schnell, jetzt, eigentlich sofort. Auf meine Rückfrage, ob er mich der Lüge bezichtigte, verneinte er. Er wollte den Sachverhalt aber nochmals mit den Schiff klären, mir aber keine weitere Rückmeldung geben, weil er die Sache als mit diesem Telefonat erledigt betrachte. Meine Frage nach schriftlicher Bestätigung dieser Lüftungssache beantwortete er erst im zweiten Anlauf mit ja. Er wollte sich nicht festlegen, bis wann ich eine solche Bestätigung erhalten würde. Als ich darum bat, als nun definitiv und unwiderbringlich verlorener Ex-Kunde gemäss der Deutschen Datenschutz-Grundverordnung aus sämtlichen Datenbanken gestrichen werden (weil ich auch keine Werbe-E-Mails mehr brauche) entgegnete Herr Meier, dass er dies schriftlich brauche. Worauf ich echt nur noch lachen konnte und das Gespräch mit den besten Wünschen zum Wochenende beeneden musste. Liebe Aida, ich werde diesen Beitrag öffentlich posten und @Aida taggen, ich betrachte die Schriftlichkeit somit als erfüllt. Es ist Herr Meier sehr zu Gute zu halten, dass er während des gesamten Gespräches sehr professionell und freundlich blieb. Dass er aber offenbar keinerlei Kompetenz für ein Entgegenkommen hatte und Aida die Sache zu einer juristischen Auseinandersetzung mit Aussage und Gegenaussage verkommen lässt, zeugt von extrem wenig Kundenorientierung. Wie oben geschrieben: ich habe keinerlei Forderung gestellt und gedenke es auch weiterhin nicht zu tun. Aida scheint schlicht genügend Kunden zu haben und muss darum nicht auf Kundenrückmeldungen eingehen, ein Fakt den es allenfalls bei einem nächsten Antrag auf Staatshilfe zu berücksichtigen gilt.

Weniger als zwei Stunden später erhielt ich tatsächlich eine E-Mail, allerdings nicht mit der gewünchten Bestätigung in Sachen #Lüftungsgate (also dass Aida die Lüftung als voll funktionsfähig betrachtete (irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie bei mir einen Beweis für die Nicht-Funktionsfähigkeit vermuten und grad so beim total offensichtlichen Lügen wollen sie sich dann doch nicht erwischen lassen, weil vor Gericht, wo wir ja nie enden werden….sorry, einer der selten gewordenen Abschweifer)), sondern mit Standardfloskeln, welche im Baukastensystem zusammengesetzt waren. Immerhin erfolgte hier eine Entschuldigung für die verspätete Antwort.

Ja, liebe Aida, somit endet hier unsere gemeinsame Reise für immer, ein klassischer Fall von aufNimmerAIDAsehen und wirklich sehr schlechtem Beschwerdemanagement, denn bis vor wenigen Stunden hattet ihr immer noch die Chance, mich zum regelmässig buchenden Fan zu machen. Ihr hattet mehrere Chancen aber alle fahrlässig vertan. Wir haben für Neujahr eine erneute Kreuzfahrt in einem Reisebüro gebucht. Es wurde uns Mein Schiff empfohlen, wir sind der Empfehlung gefolgt und freuen uns sehr auf die Reise.

Fazit: ich gönne es allen herzlich, welche sich als Fans der Aida betrachten und bezeichnen, ich will auch niemandem die Freude verderben. Ich bleibe bei meiner Empfehlung, Aida nur über ein Reisebüro zu buchen und rate von Direktbuchungen dringend ab.

Ich bin übrigens auch kein frustrierter Stänkerer, ich freue mich sehr ob gutem Service (gestern im Volkshaus Bern, vor kurzem bei Visilab in Baden oder immer wieder am Achensee) und noch mehr über gutes Complaint Management (wobei der Oskar dafür an die Spago in Aarau geht, die waren bei #ColaGate so rasch und gut in der Behebung, dass ich immer noch verblüfft bin –> sorry, das ist jetzt nur ein Teaser auf die nächste Folge, ich würde diesen Cliffhanger ganz unbescheiden als genial bezeichnen).

Die Aida erhält leider keinen Oskar, ihr kann ich für ihr Beschwerdemanagement leider nun den soeben geschaffenen blauen Kussmund für die totale Fehlleistung feierlich aber virtuell überreichen.

Next stop: Mein Schiff.

Warum eigentlich immer wieder Pertisau am Achensee? Oder einfach ein kleiner Hotel-Vergleich

Nein, das frage ich mich eigentlich nicht aber ich werde es immer wieder gefragt, auch jetzt wieder, wo ich binnen 2 Jahren zum fünften Mal in Pertisau war.

Nun, die Neue Zürcher Zeitung analysierte schon 2005 in einem Artikel, warum die Region Achensee ein gutes Beispiel für funktionierenden Sommertourismus in den Alpen sein könnte.

Der Achensee im Sommer 2022

Wir kamen im Sommer 2020 eher zufällig zum Achensee. Die Lust aufs Fliegen war grad noch nicht riesengross so kurz nach der ersten Corona-Welle und da Antonia (herzliche Gratulation zum zweiten Gastauftritt nach dem Beitrag zur Frosch-Reise) damals noch in München wohnte, war das Kriterium primär ‚See zwischen Baden und München‘. Mit Booking schauten wir kurz nach Hotels (gebucht haben wir dann natürlich direkt). Wir wussten noch nicht, dass die allermeisten Hotels am Achensee auf den gängigen Buchungsplattformen gar nicht gelistet sind, fanden die Auswahl an guten Hotels aber schon so schwer in Ordnung.

Unsere erste Woche in Pertisau am Achensee verbrachten wir also im August 2020. Man kann da herrlich wandern (im Karwendel-Gebirge oder etwas flacher vom Achenkirch nach Pertisau), man kann auch einfach ein wenig spazieren in Richtung Maurach, man kann im See baden (ich allerdings nur kurz und nur wenn es grad sehr warm ist), man kann Schiff fahren (oder sich ein Boot mieten) und man könnte wunderbar Mountainbiken oder natürlich Golfen. Oder Ausflüge nach Kitzbühl oder Innsbruck machen. Haben wir alles aber gar nicht so wahnsinnig intensiv gemacht, da wir vor allem gewohnt, gegessen und gewellnesst haben und das kann man rund um den Achensee bis zum Exzess machen. Faktisch besteht Pertisau aus lauter 4 – 4.5-Sterne-Hotels. Und hätte man alle durchgetestet, müsste man wieder vorne anfangen, denn alle verändern und verbessern sich baulich laufend. Man kann die verschiedenen baulichen Massnahmen der unterschiedlichen Hotels nur schon im Bereich Wellness durchaus als Wettrüsten bezeichnen.

Unsere Aufzählung also bei weitem nicht abschliessend, aber immerhin vier Hotels haben wir bisher getestet.

Im August 2020 waren wir im Seehotel Einwaller. Es besticht durch perfekte Lage direkt am See, sehr stylisch-moderne (nicht wahnsinnig grosse) Zimmer mit wunderschönem Ausblick, einem exklusivem Liegebereich über den See gebaut und einem modernen und gemütlichen Wellnessbereich im Dachgeschoss. Küche gut (aber nicht überragend), Service sehr freundlich aber nicht unbedingt herzlich. Ja, und wenn man krankheitsbedingt einen Tag das Essen auslässt, sich eine Cola quasi als Medikament aufs Zimmer bringen lässt und diese dann verrechnet wird, dann ist das sicher korrekt aber irgendwie kleinlich. Rang 3 in unserem persönlichen Achensee-Ranking.

Über Pfingsten 2021 und jetzt dieses Wochenende waren wir im Verwöhnhotel Kristall. Von der Lage her weniger attraktiv (kein Blick auf den See), gemütlich eingerichtete und grosse Zimmer, sehr schönes Wellness mit diversen Saunen, ein Innen- und Aussenpool sowie ein Schwimmteich, ausserdem ein schön angelegter Garten und mehrere Ruhebereiche. Vor allem aber vorzügliches Essen, eine einladende Bar, ein engagierter Hotelier und herzliches, freundliches und teilweise sogar lustiges Personal im Service. Wenn man ein Haar in der Suppe suchen will: der Fitnessraum ist in die Jahre gekommen. Rang 1.

Beispiel eines Essens im Kristall

Im Sommer 2021 sowie erneut im Januar 2022 waren wir im ‚Das Rieser‘ (nein, es heisst nicht einfach ‚Rieser‘, es ist ‚das Rieser‘ und jetzt sogar als ‚Das Rieser – Achensee Resort‘ angeschrieben). Der Wellnessbereich war schon riesig, als wir da waren, wird jetzt aber grad massiv vergrössert. Der Schwimmteich mit der umgebenden Liegefläche wohl das Schönste an der ganzen Anlage, das Gym geräumig und modern. Die Zimmer sind gemütlich und gross. Das Essen ist sehr gut (vielleicht einen Tick hinter dem Kristall), die Mitarbeitenden sehr freundlich. Allfälliger Kritikpunkt: die Bar ist nicht aufregend und zeichnet sich durch Wartezeiten aus. Trotzdem Rang 1 zusammen mit den Nachbarn vom Kristall. Noch eine weitere Referenz notwendig? Sogar Knipser Knuser (sorry, liebe Neuleser hier, das ist ein Insiderscherz) war schon da und auch er war begeistert (hat er zumindest gesagt) und seine Holde empfindet die Tennisplätze und den Yogalehrer als grosses Plus (kann ich bei beidem nicht so wirklich mitreden…).

Winter am Achensee

Die andere Hälfte der Sommerferien 2021 verbrachten wir im ‚Das Kronthaler‘ (auch dieses heisst nicht profan einfach ‚Kronthaler‘ sondern natürlich ‚Das Kronthaler‘). Nun, als double income no kids waren wir das Zentrum der Zielgruppe dieser ‚adults only’-Anlage. Dachten wir. Die Anlage ist sehr schön, trohnt quasi über Achenkirch (wobei uns Pertisau viel besser gefällt als das das sehr langgezogene und im Sommer eher leere Achenkirch), der Hanggarten sehr liebevoll gestaltet, Wellness und Gym modern aber nicht riesig. Die angekündigte Gourmet-Küche gut aber nicht so gut wie erwartet oder angekündigt und ‚high protein low carb‘-Waffeln zum Frühstück sind zwar sicher total gesund aber schmecken halt einfach wie ‚high protein low carb‘-Waffeln. Vor allem aber strahlt das Hotel eine Kühle und Arroganz aus, welche uns nicht passte (irgendwie scheinen Porsche-Fahrer willkommener als andere Gäste). Schon damals im Sommer 2021 gab es praktisch keine Corona-Massnahmen, im Winter 2022 kam das Hotel deswegen dann zu unrühmlicher medialer Präsenz. Und ja, bei Hotels, welche sich nicht an Corona-Regeln halten, frage ich mich immer, wie genau sie es mit den Hygiene-Regeln in der Küche nehmen. Insgesamt sehr ok aber trotzdem abgeschlagen auf Rang 4.

Also, Ihr merkt: die Region ist wunderschön, die rund 4stündige Autofahrt auf alle Fälle wert. Wenn aber ein wirklich gutes Hotel wie das Einwaller nicht über Rang 3 von 4 hinauskommt, dann zeigt dies vor allem, dass es rund um den Achensee und konzentriert in Pertisau eine exzellente Hotellerie gibt, welche aus meiner Sicht ihresgleichen sucht. Und diese geniessen wir sehr. Immer wieder. Darum immer wieder Achensee. Oder immer wieder Pertisau.

Falls jemand übrigens Empfehlungen für Hotels hat – jederzeit gerne 😉.

Unsere Reise mit der Aida Prima nach Norwegen – Teil 3: unsere Erfahrung mit der ‚Software‘

Dies ist der letzte Beitrag über unsere wunderschöne Reise mit der Aida Prima nach Norwegen. Über die eher missglückte Anreise habe ich hier berichtet, der eher schwierige Direktbuchungsprozess ist hier umschrieben, über das Schiff (die Hardware) habe ich hier berichtet.

Nun soll es also um die Software gehen, womit ich einfach gesagt alles sammle, was sich um Mitarbeitende, Prozesse, Führung oder Kundenorientierung dreht.

Nach meinen Erfahrungen bei der Buchung war mein Optimismus übersichtlich: unsere Mails (versandt ab 4 Wochen vor der Reise) blieben bis heute (4 Wochen nach der Reise) unbeantwortet und die einzige Mitarbeiterin, welche ich nach vielen Versuchen und mehreren Stunden in der Warteschleife telefonisch erreichen konnte, war zwar sehr freundlich, konnte aber nicht helfen.

Nun, wir wurden positiv überrascht: der Check In hochprofessionell, ein klar strukturierter Prozess, keine Wartezeit. Die (digitale) Sicherheitseinweisung einfach, der ‚Rettungswestentest‘ sauber aufgeteilt und darum ohne Zeitverlust. Das Gepäck zeitnah vor der Kabine deponiert. Auch der Check Out ganz zum Schluss wieder sehr gut organisiert und ohne jegliche Wartezeit.

Regelmässige Leser wissen, dass ich die Masketragdisziplin von Mitarbeitenden quasi zum Indikator für gute Führung erkoren habe. Diesbezüglich grosses Kompliment: alle Mitarbeitenden trugen die vorgeschriebene FFP2 Maske stets vorbildlich.

Nun, leider war nicht alles perfekt: Die Buffetrestaurants teilweise arg überfüllt. Da benutzte Tische erst ‚freigegeben‘ werden mussten, wäre etwas mehr Kapazität zum Abräumen und Desinfizieren wünschenswert gewesen und hätte Wartezeiten reduziert. Bei den Bedienrestaurants war mir als Aida-Einsteiger nicht klar, welches wann zu reservieren ist. Und die im French Kiss (sorry, dass ich mich hingesetzt habe, aber warum wird aufgedeckt für Gäste, die nicht kommen dürfen?) eher barsch vorgetragene Regel dass ‚alle Bedienrestaurants‘ am Abend zu reservieren seien, erwies sich dann bereits wenige Meter später beim Brauhaus als falsch. Insgesamt das Essen aber gut (und reichlich), im Steak House und Rossini sogar sehr gut.

Wartezeiten an den Bars je nach Tageszeit unterschiedlich, am Abend teilweise am obstersten Ende des Akzeptablen, Wartezeit an der Reception teilweise lange. Und ja, sorry, dass wir als Einsteiger nicht wussten, dass sich der Code für das Boardportal in der Buchungsbestätigung fand. Aber man hätte es uns auch höflich sagen können.

Ausflugserfahrungen wechselhaft. Einmal ganz toll mit sehr kompetenter und engagierter Reiseleiterin (allerdings nach halbstündiger Wartezeit im Dunkelraum vor dem Starbucks und endloser Anstehzeit für ein mittelprächtiges Mittagessen). Einmal von einer Französin ohne vertiefte Kenntnisse in gebrochenem Englisch vorgelesen. Einmal nicht über Aida gebucht und echt Klasse. Einmal gesundheitsbedingt abgesagt (nach ‚Stornierungsschluss‘, so ein Beinbruch lässt sich leider nur schwer terminieren) und dann einen leicht vorwurfsvollen Wake Up Call wegen nicht-Erscheinen erhalten.

Tiefpunkt in Bezug auf Kundenerfahrung war leider ‚Lüftungsgate’. Unsere Lüftung ging ab Tag 1 nicht, egal in Bezug auf die Kabine (wir schlafen eh mit offenem Fenster), wenig prickelnd in Bezug auf das nicht mehr trocken zu kriegende Bad, total uncool nach dem Beinbruch. Nun am Sonntag, Dienstag und Donnerstag bemühten sich bis zu drei Techniker und zogen stets mit der frohen (aber leider falschen) Botschaft ab, die Lüftung würde nun laufen. Am Freitag (ich hatte aufgegeben) verlangte ich vorsorglich für allfällige Versicherungszwecke im Falle eines Sturzes eine Bestätigung der nicht-Funktionalität. Und erhielt (und echt, ich konnte es kaum fassen): Eine Bestätigung der einwandfreien Funktionsweise. Nun, ich zitierte die unterzeichnende Person auf die Kabine und wir stellten gemeinsam fest: die Lüftung funktionierte nicht. Was sich tatsächlich nach einem weiteren Besuch der Techniker änderte. Änderte aber nichts daran, dass ich mir irgendwo zwischen nicht Ernst genommen und verarscht vorkam.

Nun, nach der finalen Behebung des Lüftungsproblems erhielt ich das Formular ‚Anmeldung zur Gästemeldung‘ ausgehändigt, welches ich umgehend handschriftlich ausfüllte und einreichte. Es wurde mir dann noch geraten, dieses Formular zu fotografieren und via mail zu schicken (könnte man auch verstehen als ‚negative Rückmeldungen schmeissen wir eh weg‘). Was ich auch tat und nun seit genau 30 Tagen auf irgendeine Reaktion von Aida warte.

Ganz offenbar macht die Aida ganz vieles richtig, davon zeugen die extrem vielen positiven Kommentare auf Facebook, die vielen geposteten Erinnerungen, die Menschen, welche sich als richtige Fans outen. Und ja, auch wir haben ganz viele positive Erinnerungen und auch bei uns hat ‚Sail away’ die Aida irgendwie positiv emotional verankert. Und klar: Norwegen ist eine Reise wert und auch jederzeit wieder. Unsere Erfahrung mit der Aida war aber leider gesamthaft nicht sehr positiv. Mich verärgert vor allem, dass Aida offenbar null Interesse an Rückmeldungen von Gästen hat oder zum zumindest null Interesse zeigt.

Darum im Gesamturteil für die Software knapp genügende 6 von 10 Punkten. Noch einmal: dies bezieht sich nicht auf einzelne Mitarbeitende, welche wir grösstenteils als äusserst engagiert erlebt haben. Aber Personalmangel oder ungenügend geschulte Mitarbeitende sind letzten Endes ein bewusster Management-Entscheid mit entsprechendem Einfluss auf die Gästeerfahrung.

Darum aktuell höchst unsicher, ob es für uns ‚auf Aidasehen‘ heisst.

Unsere Reise mit der Aida Prima – die Hardware

Wir waren Ende Juni mit der Aida ab Hamburg in Norwegen, über die nicht ganz reibungslose Direktbuchung habe ich hier berichtet, über die missglückte Anreise mit dem Nachtzug hier.

Ich unterteile die Beurteilung meiner Aufenthalte in Hotels oder generell touristische Leistungen stets in die Hardware (buchhalterisch wären das die Immobilien und das Mobiliar) und die Software (einfach gesagt die Mitarbeitenden und die Prozesse). Heute soll es um die Hardware der Aida gehen.

Wir fuhren auf der Aida Prima ab Hamburg zu den Fjorden Norwegens.

Die Aida Prima ist durchaus beieindruckend (die erfahrenen Adia-Experten mögen diesen rein beschreibenden Abschnitt allenfalls auslassen): Sie bietet Platz für 3300 Passagiere (und dabei zählt man bei einer ‚normalen‘ Kabine offenbar nur zwei Gäste, Kinder auf Zusatzbetten kommen da noch dazu), hat fast schon unzählige Restaurants, ein Aussenbad, ein Innenbad, eine Wasserrutsche, ein sehr grosszügiges und mit sehr modernen Geräten eingerichtetes Gym, ein Theater, welches sich über drei Decks erstreckt, diverse Innen- und Aussenbars, eine eigene Schiffsbrauerei mit zugehörigem Brauhaus, eine kleine Filiale von Starbucks, ein Hospital und sogar eine Currywurst-Bude. Verpflegen kann man sich an den Buffets, wer es etwas exklusiver mag, geht (teilweise gegen Aufpreis) in eines der bedienten Restaurants. Was ich sehr mochte an der Aida, war das Lockere und Ungezwungene: hier gibt es weder feste Essenszeiten noch Kleidervorschriften (ok, eine lange Hose zum Abendessen hätte ich mir so oder so angezogen) noch ein Captains Dinner mit grossen Ansprachen.

Wir hatten eine Balkon-Kabine gebucht, welche neben einer tollen (ja sogar fantastischten, teilweise atemberaubenden) Aussicht auch Zugang zum exklusiven-Patio-Deck bot.

Ja, ok über Qualität von Videos Marke Eigenbau lässt sich immer streiten…

So weit so gut, ich fand dieses Schiff echt beindruckend, erlaube mir aber vier Kritikpunkte (einer individuell und wohl etwas Pech, drei generell, welche aus meiner Sicht mit relativ wenig Aufwand Hebel auf eine noch bessere Gästeerfahrung hätten):

1. Die Beschriftung auf dem Schiff mag für Aida-Profis absolut ausreichen. Für blutige Anfänger wie uns war nicht alles total intuitiv und klar oder immer leicht zu finden. Allenfalls könnte auch kleine Führungen am ersten Tag (allenfalls zusammen mit erfahrenen Gästen) helfen. Wobei man mit orientierungslosem Suchen das Schiff irgendwie früher oder später auch kennenlernt.

2. die Lifte waren zu Stosszeiten chronisch überlastet. Das Schiff ist keine zehn Jahre alt. Also frage ich mich, warum nicht ‚intelligente‘ Lifte (welche viel weniger oft anhalten, weil man am Abfahrtsstockwerk (und nicht im Lift) das Zielstockwerk wählt) verbaut wurden.

3. die Gästekarte rsp. das Bordportal liessen aus meiner Sicht zu, dass die Gäste (die, die wollen) die Getränke selber wählen und bestellen (seit Corona gibt es das auch in vielen Restaurants) könnten. Die Barkeeper rsp. Kellner könnten sich dann mehr auf Zubereitung und Service konzentrieren, was (wieder primär zu Stosszeiten) Wartezeiten reduzieren könnte.

4. die Lüftung unserer Kabine war defekt. Eigentlich egal in Bezug auf die Kabine (es war herrlich mit offenem Fenster zu schlafen), etwas weniger cool in Bezug auf das nicht mehr trocken zu kriegende Bad. Insgesamt vier Mal erschienen Techniker. Beim vierten Mal erst nach einem Augenschein einer Vertreterin der Rezeption (man hatte mir schlicht nicht geglaubt, dass die Lüftung immer noch nicht ging). Auf das von ihr netterweise gleich mitgebrachte und von mir ausgefüllte und persönlich wie auch via E-Mail eingereichte Reklamationsformular habe ich bis heute (vier Wochen später) keine Rückmeldung erhalten. Aber das wäre ja dann schon eher Software. Dazu beim nächsten Beitrag mehr.

Fazit: ein fantastisches Schiff, welches in jedem Hafen von aussen beeindruckt und auch als Gast ein tolles Erlebnis bietet. Da es unserer erste (aber wohl nicht letzte) Kreuzfahrt war (die Vergleichsmöglichkeiten also noch fehlen) und es ja immer (und wie oben beschrieben) ein wenig Luft nach oben gibt, gebe ich mal faire und wohlverdiente 8 von 10 Punkten.

Damals, 2022, als wir mit dem Nachtzug verreisten – oder nochmals über Customer Experience

Ja, wie schon zu lesen, waren wir 2022 ja auf Kreuzfahrt, über die Buchung und die Irrungen und Wirrungen vor der Reise habe ich hier berichtet. Kreuzfahrten werden in der Tendenz in den Medien als Dreckschleudern dargestellt, daran ändert auch die vorgängig gekaufte CO2-Kompensation durch MyClimate nicht so schampar (Schwiizerhochdütsch is back) viel, denn damit wird zwar der approximative CO2-Ausstoss anderswo wieder ausgeglichen, weitere Umweltbelastungen wie zum Beispiel Feinstaubbelastung bleiben aber bestehen.

Darum entschieden wir uns, an den Abfahrtsort Hamburg mit dem Zug anstelle des Flugzeuges zu reisen. Stellten wir uns sehr entspannt vor und buchten darum den Schlafwagen im komfortablen Doppelzimmer, auf dem Hinweg mangels Verfügbarkeit mit Etagen-WC (heisst das bei einem Zug auch so?), für den Rückweg in der Kabine mit eigenen sanitären Anlagen inkl. Dusche. Weitere Vorteile der Zugsreise: Man entgeht dem Chaos an den Flughäfen und da man das Gepäck ja nicht aufgibt, bleibt Tonas Packsucht (herzliche Gratulation zum erneuten Gastauftritt) ohne Folgen.

Gebucht hatten wir über die Website der SBB, durchgeführt wurde die Fahrt von Nightjet, die gehören zum österreichischen Pendant der SBB, der ÖBB. Vor Abfahrt assen wir in Basel noch etwas und tranken zwei, drei Bier in meinem Lieblingslokal Bierrevier, die Ferien waren also lanciert und wir in der entsprechend prächtigen Stimmung.

Unseren Wagen fanden wir schnell, naja, einen, der mit unserer Nummer beschriftet war. Dort waren aber keine der gesuchten Schlafabteile zu finden sondern die Sechser-Sitzabteile (an welchen mit Post-it-Zetteln handschriftlich notiert unsere Nummern angeheftet waren), welche man in der Schweiz praktisch nie sieht, welche in Deutschland aber durchaus noch üblich sind. Es gibt Varianten davon, welche die Sitze so ausfahren lassen, dass quasi ein flaches Doppelbett entsteht, unser Abteil war keines davon. Was auch absolut egal war, denn wir hatten dieses Abteil nicht für uns sondern teilten es mit einer Mutter, welche mit ihrem Sohn an die Karl May Festspiele fuhr.

Quelle: Wikipedia

Warum wir das Abteil zu teilen hatten, erschloss sich mir nicht, waren doch leere Abteile besetzt von Getränken, welche nie zum Verkauf angeboten geschweige denn als Wiedergutmachung gratis abgegeben wurden. Meine Nachfrage nach einem eigenen Abteil wurde auch nicht beantwortet sondern unwirsch abgetan und da ich mich mangels Platz im Abteil weigerte, auch noch die Koffer in dieses zu nehmen (also doch noch Spätfolgen von Tonas Packsucht…), wurde mir zuerst die unmittelbare Verhaftung in Basel und später ein Verweis aus dem Zug irgendwo im Deutschen Hinterland angedroht. Ja, ich weiss, ich neige zu Übertreibungen, aber genau so wars, ich schwör. Aber grad souverän wirkte der Zugführer der ÖBB nicht. Ich vielleicht auch nicht, aber mir fehlt in solchen Situationen die Ruhe der Frau zwei Abteile weiter, welche die gleiche Geschichte bereits an Pfingsten erlebt hatte…

Noch aus dem Zug kontaktierte ich den Kundendienst der SBB, eine Telefonistin (gut oder wenigstens gut geschult in Complaint Management) nahm sich meines Anliegens an und stellte mir das Formular zur Einreichung meiner Reklamation mit zugehöriger Entschädigungsforderung via mail zu. Sie prognostizierte, dass mein Anliegen binnen zweier Arbeitstage behandelt werden sollte.

Auf eine Nachfrage via mail 4 Arbeitstage später habe ich nie wieder etwas gehört. Eine Nachfrage auf Twitter (auch dem SocialMedia-Team der SBB herzlichen Glückwunsch zum Gastauftritt) wurde mit Verweis auf den Kundendienst mit Angabe von falschen Öffnungszeiten beantwortet. Eine weitere telefonische Nachfrage brachte keine Prognose betreffend der Lösung des Falles und auch ein weiterer Anruf brachte keine neuen Erkenntnisse. Dafür weiss ich dank der Endloswiederholung in der Warteschleife, dass man Tickets auch online kaufen kann. Oh, wow, krass, das sind ja mal News!

Und dann wie aus dem Nichts bekam ich plötzlich eine Antwort von einer Dame, welche den Titel ‚Spezialistin Beschwerdemanagement‘ trägt.

Für mich stellt sich einfach die Frage, warum ich ein Formular einreichen muss, was es zwei Wochen zu überlegen gibt und wofür es überhaupt diese Spezialistin braucht, wenn die Erstattung ja ‚selbstverständlich‘ ist. Also warum in einem offenbar klaren Fall nicht einfach der Mitarbeiterin im Kundendienst die Kompetenz zur Abwicklung geben und so dem Kunden und der Organisation Ärger und Aufwand ersparen?

Zur Ergänzung: Die Rückreise hat im gebuchten Abteil und fast auf die Minute pünktlich geklappt. Trotzdem stellt sich mir die Frage, ob und mit wie viel Lust ich mich ein nächstes Mal auf das Abenteuer Nachtzug einlassen würde.

Next Stop: Aida.

Aida – Buchung, Fragen, Nachfragen – oder einfach über (bad) Customer Experience.

Nun, die Reise mit der Aida Prima von Hamburg nach Norwegen vom 25.06.-02.07. war unsere erste Kreuzfahrt. Die Buchung der Aida war primär dem Abfahrtsort und der Route geschuldet.

Gebucht hatten wir direkt über die Website von Aida. Geht recht problemlos, die Kabinenauswahl ist soweit übersichtlich, die Anreise konnten wir problemlos selber organisieren. Das Manifest füllten wir vorgängig aus, vielleicht ein wenig übermotiviert buchten wir auch schon Ausflüge. Aber Vorfreude ist ja die schönste Freude.

Regelmässig verfolgten wir auch die Anpassungen im Corona-Regime und stellten Anfang Juni einen Widerspruch fest: Einerseits war angegeben, dass ein EU-Covid-Zertifikat notwendig sei (wozu unser Schweizer Zertifikat nicht zählt), an anderer Stelle war ein EU-anerkanntes Zertifikat gefordert (was das Schweizer Zertifikat ist).

Quelle: aida.de

Nun, wir fragten nach via mail. Und eine Woche später nochmals. Und bis heute haben wir keine Antwort auf unsere mails erhalten, nicht mal eine Eingangsbestätigung. Und werden wohl nie mehr eine erhalten. Via Twitter fragten wir bei @aida_de (ja, liebes SocialMedia-Team von Aida, das wäre ein Gastauftritt, herzliche Gratulation) und erhielten die zwei gleichen widersprüchlichen Aussagen einfach umformuliert und verdichtet noch einmal (eigentlich sogar mehrmals).

Quelle: Twitter

Nun, nicht schlimm, denn dafür gibt es ja das gute alte Telefon. Zweimal hörte ich mir die (sehr nervige, laufend von der gleichen Ansage unterbrochene) Bandmusik für schlappe 50 Minuten an. Beim ersten Mal erhielt ich die Antwort, dass man die Antwort nicht kenne (kein ‚das ist tatsächlich ein Widerspruch, wir klären das gerne ab, geben Ihnen Rückmeldung und korrigieren das. Vielen Dank.‘), beim erbetenen Anruf zu einem späteren Zeitpunkt wurde ich an eine medizinische Hotline der Aida (‚die kann ganz bestimmt helfen’) verwiesen. Diese teilte mir dann auf Band mit, dass infolge der vielen Anfragen keine Anfragen mehr angenommen würden. Und legte auf.

Nun, ich teilte diese und noch zwei, drei weitere Erfahrungen handschriftlich auf dem dafür an Board ausgehändigten Formular sowie via mail, eine Antwort habe ich nach 10 Tagen noch keine und ja, ich weiss, wir kennen den Ausgang schon.

Zurück zum Zertifikat: ich übertrug mein Schweizer Zertifikat auf die Deutsche Corona-App (ging viel einfacher als gedacht). Beim Check-in wies ich mein Schweizer Zertifikat vor, dieses wurde aber nicht etwa gescannt sondern nur mit Augenschein geprüft. Also wäre eine hilfreiche Angabe auf der Website: Bringen Sie etwas mit, was halbwegs nach gültigem Zertifikat ausschaut und gut ist.

Diese kleine Geschichte sagt nichts aus über die Reise an sich, diese beschreibe ich in einem oder zwei noch zu erstellenden Beiträgen. Aber: Aida ist offenbar nicht fähig oder willens, Anfragen von Direktbuchern innert nützlicher Frist und kompetent zu beantworten. Insofern würde ich eine weitere Reise mit Aida ausschliesslich und nur noch über ein Reisebüro buchen. Aus Sicht von Aida mit Blick auf die zu zahlende Provision irgendwo zwischen schade und dumm.

Next stop: was nach dem Check in geschah.

Was für ein Jahr

Also eigentlich dachte ich ja, dass ich dieses Jahr vor allem viel laufen, daneben auch viel Skifahren und natürlich sehr motiviert mein 90%-Pensum bei meinem Lieblingsarbeitgeber abarbeiten würde. Ah, ja, nicht zu vergessen die fehlenden 10% bei meinem zweiten Lieblingsarbeitgeber. Daneben hatte ich noch ein CAS an der HSLU (bei Nils Hafner (der hat einen Wikipedia-Eintrag und hier einen professoralen Gastauftritt) einfach um etwas Abwechslung in die Normalität zu bringen.

Nun, es sollte anders kommen: irgendwann im Januar hörte man von einem neuartigen Virus, irgendwann etwas später von einer abgeriegelten Stadt (mit der Einwohnerzahl der Schweiz) irgendwo in China (und damit ganz weit weg). Ja und dann ging es plötzlich schnell: Ende Februar verbot der Bundesrat Grossveranstaltungen (wow, unglaublich, wie entschlossen der Bundesrat damals handelte), zwei Wochen später wurden Reataurants auf 50 Personen beschränkt und drei Tage später ganz geschlossen. Und wir sollten alle zu Hause bleiben und taten dies auch grossmehrheitlich.

Gegen das Ende eines recht entspannten Sommers beschloss die Mutter meines Lieblingsarbeitgebers diesen zu integrieren, netterweise beschloss diese Mutter dann auch, zu meinem neuen Lieblingsarbeitgeber zu werden. Das bedeutete dann vor allem mal viel Arbeit, so dass ich fast ein wenig verpasste, wie die Fallzahlen mal locker auf ein Mehrfaches des Frühlings explodierten.

Da geriet #Projekt3660 ein wenig in den Hintergrund. Was nichts daran änderte, dass ich nach skibedingt schwachem Start den Lockdown im Frühling zu einer grandiosen Aufholjagd genutzt hatte, im Sommer den Vorsprung leicht ausbaute und es im Herbst eigentlich recht gemütlich hätte nehmen können. Hätte, hätte Fahrradkette. Diverse Spendenzusagen hatten nämlich auf meinen Ehrgeiz abgezielt und spendeten nicht etwa für das Erreichen des Ziels von 3660 KM oder 10 pro Tag oder einen Betrag pro Kilometer sondern für Mehrkilometer. Das ausgeklügeldste System entwickelte Remo, der in Anlehnung an das Qualifikationssystem meines alten und meines neuen Lieblingsarbeitgebers (der alte war auch sein Arbeitgeber, es ist unbekannt, ob auch Lieblingsarbeitgeber) eine gesamtkilometerabhängige Kilometerspende definierte. Lange Rede kurzer Sinn: bis 3842.99 Km hätte er 5 Rp pro Kilometer bezahlt und weil die Schwelle für 10 Rappen unerreichbar war, werde ich heute Abend (und darauf habe ich lange abgezielt) genau 3843 KM erreichen, womit er gemäss seiner Zusage 7 Rappen pro KM spendet. Was er schon getan hat und dabei sogar noch grosszügig aufgerundet. Ja, ich bin käuflich. Habt ihr was anderes erwartet bei meinem Berufsstand?

Sehr gefreut hat mich das persönliche Engagement von Peter. Er hat seine sommerliche Radtour genützt und pro gefahrenen Kilometer einen Franken gespendet. Und weil er sehr weit geradelt ist und dann auch noch aufgerundet hat, sind so weitere CHF 500 zusammengekommen. Und auch schön, dass die Geldübergabe für ein gemeinsames Bier (damals im recht unbeschwerten Sommer 2020) genutzt werden konnte.

Auch gefreut haben mich Spenden von Personen, zu denen ich keinen Kontakt mehr hatte, die ich flüchtig oder im Extremfall gar nicht kenne. Die erste solche Person war Hannes (ja, wow, genau, er ist sogar so was wie ein lokaler Promi mit ganzen vielen Hits bei google) und obwohl ich ihn immer noch nicht kenne, mag ich ihn sehr gut, obwohl er sich früh als Fan des HC Lugano geoutet hat (was total unentschuldbar und ein klar freundschaftsverhindernder Grund ist).

Ja, und heute Abend beschliesse ich nun #Projekt3660 (aus welchem #Projekt3843.01 geworden ist). Und wer jetzt in seinem Hosensack noch eine dank Corona nicht ausgegebene 50er-Note findet, der möge diese doch direkt an 4Africa spenden.

Ja, damals, 2020, als es die NAB noch gab…

Spenden mit dem Vermerk #Projekt3660 kommen direkt dem Projekt Yankho zugute, mit welchem sichergestellt ist, dass 300 Schulkinder (wovon 50 Waisen) unterrichtet werden. Und wenn man liest, dass da in Malawi Geld gebraucht wird für die Ausbildung von Kindern, dann muss man doch zugeben, dass es uns trotz Corona eigentlich immer noch recht gut geht und die Frage, ob wir jetzt Skifahren können oder nicht ein klassisches #firstworldproblem ist. Daher ganz herzlichen Dank an alle, welche sich mit einem grösseren oder kleineren Betrag an der Lösung eines #thirdworldproblem beteiligt haben, beteiligen oder beteiligen werden.

Next stop: 2021

Machet‘s guet und bliebed xund!

Klare Kommunikation – ohne Abschweifer

Dislaimer (um mir Hasskommentare zu ersparen): Dieser Post ist nicht pro „Maskenpflicht im Freien“, er handelt von der Durchsetzung von definierten Regeln. Am Beispiel der Maskenpflicht im Freien. Wer diese Unterscheidung nicht versteht, der möge nicht weiterlesen.

Heute Morgen war ich an der Tankstelle bei Coop Pronto. Vor dem Shop standen drei junge Männer sehr nahe beieinander und schauten sich ein sicher lustiges Video auf einem Smartphone an. Warum ich das erzähle?

Weil ich das Gefühl habe (nein, kein wissenschaftlicher Beweis, ein Gefühl), dass dies mit der eher schwammigen behördlichen Kommunikation (oder sogar mit der Schwammigkeit der Regeln an sich) zu tun hat. Hier mal eine Snapshot der letzten Aenderungen in Bezug auf die Ausdehnung der Maskenpflicht:

Quelle: BAG

Ich würde mal zusammenfassen: Recht kompliziert und vor allem der letzte Satz wird dann irgendwann sehr schwammig. Zumal ja auch hinlänglich bekannt ist, dass zwar grundsätzlich eine Verzeigung bei Nicht-Einhaltung erfolgen kann, die Polizei aber nicht ermächtigt ist, Ordnungsbussen auszustellen.

Vor allem der letzte Satz hat es in sich: „…wo der erforderliche Abstand…nicht eingehalten werden kann“. Warum liebes BAG verwendet ihr eine so unscharfe Formulierung? Wenn ich drei Erfahrungen aus meiner Führungserfahrung (und die ist jetzt doch schon ein paar Jahre gewachsen) mitnehme, dann die, dass

  1. einfache Regeln leichter zu kommunzieren sind als komplizierte.
  2. Regeln, die nicht durchgesesetzt werden (könnnen), wenig Wirkung erzielen.
  3. die Kumulation von Regel 1 und und Regel 2 dazu führt, dass man sich die Aufsetzung einer Regel auch sparen könnte.

Im konkreten Beispiel heisst dies, dass vor Läden oder auf dichter bevölkerten Strassen die MaskenträgerInnen in der Minderheit bleiben werden und im dümmsten Fall von den Nicht-Trägern noch schräg angeschaut werden. Kennen wir doch irgendwie vom öffentlichen Verkehr, wo die Empfehung des Maskentragens wenig Effekt hatte (gefühlt 20 %,), die Vorschrift und die angedrohte Konsequenz (Entfernung aus dem Zuge) aber eine sehr gute Wirkung (gefühlt 95 %).

Also hätte ich da drei Empfehlungen (ich weiss, hört sich jetzt irgendwo zwischen Klugscheisser und Oberlehrer an, ist aber ernst und vor allem wirklich gut gemeint):

  1. Die Formulierung ändern von „wo der Abstand nicht eingehalten werden kann“ hin zu „wo Sie den Abstand nicht einhalten“. Dies würde Klarheit schaffen und gäbe jeder einzelnen Person die Handlungsoption den Abstand einzuhalten (zum Beispiel beim Schwatz mit dem zufällig angetroffenen Kollegen) oder wenn man das nicht will, halt eine Maske anzuziehen. Denn aus meiner Sicht ist „Abstand“ in den meisten Fällen (ausser vielleich im öffentlichen Verkehr zur Stosszeit) selbst aktiv gewählt und kein passiv aufgezwungener Zustand.
  2. Ich bin weder Jurist noch Politologe aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es doch möglich sein müsste, in irgendeiner geeigneten und legalen Form Ordnungsbussen für entsprechendes Fehlverhalten einzuführen. Ich meine, wir haben im März immerhin mal rasch diversen Berufsgruppen ein faktisches Berufsverbot erteilt. Also aus meiner Sicht lieber die Ordnungsbusse allenfalls rechtlich ein wenig durchwürgen als irgendwie superdemokratisch und legal wieder einen Lockdown befehlen zu müssen.
  3. Es macht aus meiner Sicht Sinn, wenn lokale „Hotspots“ (in Bezug auf das Personenaufkommen) mit einer generellen Maskenpflicht versehen werden. Tagesschwankungen im Fussgängeraufkommen kann man problemlos mit einer zeitlichen Befristung Rechnung tragen, wie dies z.B. die Stadt München tut.

Ich respektiere übrigens auch andere Meinungen und finde entsprechende Rückmeldungen spannend. Danke, dass Ihr auch meine Meinung respektiert. Und egal, wie genau Eure Meinung aussieht (und sogar unabhängig davon, was ihr von Donald Trump und seinem aktuellen Verhalten hält): Bliebed xund!

Next Stop: virtual schooling @HSLU