Erwachsen werden – Geschäftsstellen Leiter Stellvertreter auf der NAB Muri, 04-06

Der Anfang vom Ende meiner ersten Laufbahn auf der UBS begann nicht mit Drama oder so sondern mit einer unschuldig klingenden E-Mail mit dem Titel „Überarbeitung der Anstellungsbedingungen“. Ein Titel, der nach einem neuen Fringe-Benefit klang. Ich öffnete es hoffnungnsvoll. Stattdessen fand ich darin eine kompakte Liste an Streichungen: weniger Dienstaltersgeschenke, weniger Krankenkassenzulage, weniger Verpflegungsentschädigung. Es ging nicht um die ganz grossen Beträge aber die Art der Kommunikation vermittelte halt irgendwie auch das Gefühl von „wir brauchen Dich eigentlich nicht“.

Und weil gekränkte Prinzipien ein hervorragender Karriereberater sind, dachte ich: „Euch zeige ich es.“ Innerhalb eines Nachmittags schrieb ich drei Bewerbungen — ohne grosse strategische Überlegung, sondern eher zur persönlichen Frustbewältigung. Zu meiner Überraschung meldete sich die NAB. Nach einem ersten Bewerbungsgespräch mit HR wurde ich zur Geschäftsstelle Muri eingeladen, wo mich ein noch sehr junger Geschäftsstellenleiter empfing. Er suchte einen Stellvertreter. Er mochte vor allem Hypotheken. Ich wollte lieber wieder Anlagethemen. Ein perfekter Match lange bevor Algorithmen solche errechneten. Damit hatte er mich aber noch nicht gewonnen, denn eigentlich gefiel es mir viel zu gut auf der UBS in Brugg und die Fringe-Beneftis-Kürzungsfrustration war eigentlich auch schon wieder abgeklungen.

Dann passierte etwas, was ich rückblickend als eine Mischung aus Verkaufstalent und Verhandlungsgeschick aber auch moderner Rekrutierung auf Augenhöhe bezeichnen würde. Der erwähnte junge Geschäftsstellenleiter zeigte mir, wie mein zukünftiges Kundenbuch aussehen könnte, welche Entwicklungsmöglichkeiten es gäbe (für die von mir voller Selbstbewusstsein angemeldeten Ambitionen) — und endete mit dem Satz, den ich seither nie vergessen habe: „Lieber zwei Jahre einen guten Stellvertreter als zehn Jahre einen schlechten.“ Beim Lohn sagte er dann noch: „Das ist eigentlich nicht meine Kompetenz, aber ich nehme sie mir jetzt. Ich will Sie.“ In dem Moment wollte ich dann auch und die kleine NAB hatte gegen die grosse UBS aus einer Nicht-Chance gerade ein Tor gemacht. Genau, der Ball dieser Geschichte wäre dann ich.

Und so wechselte ich zur NAB Muri (das Gebäude beheimatet heute eine Pizzeria). Keine Rebellion. Kein dramatisches Goodbye. Einfach ein leises, zufriedenes „Ja, das fühlt sich richtig an.“ Und es war richtig. Ich hatte ein wirklich schönes Kundenbuch, durfte Anlagekunden betreuen (und die Börse war seit 2003 wieder im freundlichen Rallyemodus), und ich bekam Freiheiten — echte. Was nicht nur der Bank geschuldet war, sondern auch dem Umstand, dass „Anlageberatung“ vor der Finanzkrise praktisch nicht reguliert war.

Die NAB unterstützte auch meine Weiterbildung zum eidgenössisch diplomierten Verkaufsleiter, bis heute aus meiner Sicht übrigens meine Weiterbildung mit dem höchsten praktischen Nutzen. Und eine bewusste bildungsmässige ‚Contrarian-Strategie’ neben all den vielen Betriebswirtschaftern und Bankfachleuten. Und irgendwann wurde ich dann Mitglied des Kaders aka Assistant Vice President aka Prokurist. Böse Zungen behaupten, ich hätte die neuen Visitenkarten vor der offiziellen Kommunikation bestellt. Ja, und wenn ich ehrlich bin, würde ich sowas meinem jungen ich durchaus auch zutrauen. Aber egal, ich würde behaupten, dass ich langsam aber sicher einfach erwachsen geworden war.

In naher Zukunft werde ich alle Stationen meiner Karriere in Blogform verarbeiten, reflektieren oder – ehrlich gesagt – einfach hobbyliterarisch verwursten. Abonniere diesen Blog, um keine Folge zu verpassen.

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Irgendjemand musste ja schuld sein am Niedergang der Swissair. Privatkundenberater bei der UBS – 01-04

Während der berüchtigten, leicht eskalierenden Partyphase bei der Credit Suisse – ja, jener, die irgendwann im kollektiven Gedächtnis nur noch als „der Abend mit dem vollgekotzten Tisch“ existiert – hatte ich bereits etwas begonnen, das sich nach Zukunft und Erwachsenwerden anfühlte: die Höhere Fachschule für Wirtschaft. So lange ist das her, dass sie noch HKG hiess, Höhere Kaufmännische Gesamtschule. Ein Name, der so viel Ernsthaftigkeit ausstrahlte, dass man beinahe automatisch gerade sass, wenn man ihn aussprach. Unfreundlichere Stimmen bezeichneten die HKG als „Schmalspur-HWV“, aber ganz ehrlich: Uns war das egal. Wir hatten dreimal die Woche Unterricht, was sich recht streng anhört, aber irgendwie auch viel Spass war, vor allem weil wir (ok, behaupten wohl ca. 280’000 Menschen in der Schweiz) den „dä Donschtig isch dä neu Frietig“ erfanden und jeden Donnerstagabend nach dem Unterricht die Stadt (also nur Baden) ein wenig unsicher machten.

In einer solchen Donnerstagsnacht sprach mich ein Mitschüler an und fragte, ob ich Lust hätte, zur UBS zu wechseln. Und weil Jobwechsel in jungen Jahren fast nie eine Lohnreduktion bedeuten – und weil man Skills erweitern und andere Arbeitskulturen kennenlernen soll und sicher nie ein Sesselkleber sein will – war ich natürlich interessiert. Wenige Monate später sass ich bei der UBS und lernte zwei Dinge ziemlich schnell: Erstens, was eine Hypothek wirklich ist – also so richtig mit Grundbuchauszug und Schuldbrief und so. Und zweitens, wie man Menschen, die sowieso eine brauchen (das haben Käufer von Immobilien einfach an sich), dazu bringt, diese beim eigenen Arbeitgeber abzuschliessen. So geile Wörter wie Sales Funnel, Conversation Rate und und Cross Selling kannten wir eher weniger aber wahrscheinlich ging es genau darum.

Parallel dazu war die Fusion von Schweizerischem Bankverein und der SBG noch relativ frisch – und die Gefühle dazu… sagen wir: gemischt. Ich selbst hatte ein Bankverein-Kundenbuch, und viele Kundinnen und Kunden erinnerten sich noch lebhaft an „ihre Bank“. Manche sagten das mit Nostalgie. Andere mit dem Tonfall eines Menschen, der gerade herausgefunden hat, dass sein Lieblingsrestaurant für immer geschlossen hat. Eine gute Uebung für alles was viel später noch sehr aktuell werden sollte.

Dann kam 9/11 – und mit diesem Tag implodierten die letzten Reste der Dotcom-Euphorie. Alles, was vorher nach Zukunft, Wachstum und grenzenlosen Möglichkeiten klang, wurde plötzlich sehr leise. Hypotheken machten in dieser Zeit richtig Freude (auch weil die Zinsen so schön fielen) – Anlageberatung dagegen weniger. Fonds, die vorher wie Zukunftsversprechen verkauft wurden, empfahl man nun mit dem Tonfall eines Arztes, der schlechte Nachrichten vorsichtig dosiert.

Im Fahrwasser von 9/11 ging dann auch die Swissair unter, und weil ein Schuldiger her musste, einigte man sich rasch auf die UBS. Das war für mich eine überraschend praktische Gelegenheit, die in einem Training vermittelten Kompetenzen im Umgang mit schwierigen Kundengesprächen anzuwenden. Die Realität ist leider ein wenig anders als die Uebungsanlage und ob die Einwandbehandlungstechnik saisonal bedingt gerade aus 3, 4, 5 oder gar 6 Schritten besteht, macht bei hochemotionalen Gesprächen dann auch nicht mehr den Wahnsinnsunterschied. Aber wieder viel gelernt.

Die wilde Partykultur aus den Dotcom-Jahren war offiziell vorbei und die UBS war diesbzüglich wohl generell immer eher konservativer als die CS. Aber das hielt uns als Team nicht davon ab, eine informelle Partykultur zu pflegen. Wir waren alle zwischen 20 und 30, voller Energie und Überzeugung, dass Schlaf etwas war, das man später im Leben nachholen könnte. Gefühlt jeden zweiten Freitag waren wir zusammen unterwegs. Keine Closing Parties mehr, keine Berater in hochgekrempelten Hemdärmeln, keine PowerPoint-Slides über Vision und Transformation – nur wir, Musik, Gespräche, Lachen und die stille Überzeugung: Das Leben meint es im Moment ziemlich gut mit uns.

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Reise mit der Mein Schiff Relax – zweite Halbzeit und Fazit (28.12.2025 – 04.01.2026)

Wer die erste Hälfte meines Berichtes verpasst hat, möge hier nachlesen.

Kulinarisch hatten wir auf der Relax wenig Grund zur Klage – im Gegenteil. Das Essen im Höfde an Silvester war hervorragend (und der Service trotz sehr guter Belegung zügig), das Chalet war gut und auch X-View konnte überzeugen. Das Chalet ist wohl etwas weniger edel positioniert als das Schmakerl dafür auch günstiger (ohne Paket). Wer alle drei besuchen will, dem sei ein Gourmet-Paket zu empfehlen.

Ein echtes Highlight war das Silvester-Angebot mit Champagner und Canapés aufs Zimmer. Also theoretisch. Praktisch war es fünf Minuten vor Mitternacht noch nicht da. Silvester ist eben der eine Abend im Jahr, an dem Timing nicht einfach ein nettes Extra, sondern die halbe Miete ist. Wir haben die Wartezeit pragmatisch genutzt und sind kurzerhand aufs Deck ausgewichen, dort gab es reichlich Getränke und eine tolle Aussicht auf das wirklich grossartige Feuerwerk von Funchal.

12 Schiffe vor Funchal

Als wir später zurückkamen, war die Lieferung dann da – ganz brav, ganz korrekt, nur eben… zeitlich knapp vorbei (was halt auch daneben ist). Fazit: Champagner schmeckt auch nach Mitternacht, aber der Moment lässt sich halt nicht nachliefern.

Etwas schwieriger war für uns das Gefühl von „zwei Reisen auf einem Schiff“ (wohl ca. die Hälfte der Gäste wurde am 02.01. ‚gewechselt’). Gefühlt mitten in der Reise zu Sarah Connors ‚es war gut’ aufzustehen und zu applaudieren, nur um am nächsten Tag in etwa 18-mal erklärt zu bekommen, dass jetzt die Sicherheitseinweisung ist, funktioniert emotional nicht so gut, wie wenn für alle gleichzeitig gilt von ‚herzlich willkommen’ bis zu ‚wir verabschieden uns jetzt von Ihnen, vielen Dank’. Vor allem dann, wenn man zufällig an der vollbeschallten Stelle sitzt und die KI-ähnliche Stimme von ‚Ihr Kreuzfahrtdirektor, Sebastian‘ eh schon langsam nervt. Eine veränderte Situation exakt gleich zu bespielen, funktioniert halt nur bedingt.

Tolle Überraschung dafür am 3. Januar. Da die Relax ja doch recht gross ist, wurde sie von einer Freundin erblickt, welche gerade in Lanzarote im Urlaub war. So konnten wir uns spontan auf eine Kaffee treffen, naja, ok, auf ein Bier bei Nao (persönliche Empfehlung für alle, welche Kleinbrauereien mögen).

Überzeugendes Bier bei Nao

Sehr positiv überrascht haben uns die Mistral Bar mit ihrer wirklich schönen Lage sowie die Captain’s Bar, die mit originellen Drinks punktet – also solchen, bei denen man erst skeptisch schaut, dann probiert und schließlich beschließt, dass man genau davon noch einen braucht.

Drink in der Captain‘s Bar

Auch die musikalischen Darbietungen, ob in den Bars oder im ehemaligen Klanghaus, waren durchweg überzeugend und angenehm abwechslungsreich.

Was wir allerdings ein wenig vermisst haben: das Kuchenbuffet um 15:30 Uhr. Es ist leider nicht mehr vorhanden. Aber man muss die Dinge ja positiv sehen – so hatten wir zumindest ein besseres Gewissen, das toll ausgestattete Fitnessstudio nicht täglich zu besuchen.

Was mich seit der ersten Reise mit mein Schiff nervt: die Bitte um Feedback (‚weil wir uns stets verbessern wollen‘) verbunden mit dem fast schon Betteln um positive Rückmeldungen. Entweder wollt ihr ehrliches Feedback oder nicht. Wenn Ihr es nicht wollt (ertragen könnt), dann lasst es doch eifach sein. Danke.

Fazit:

Werden wir weiterhin mit Mein Schiff fahren? Ja, klar.

Werden wir gezielt Routen mit der Relax oder Flow suchen? Nein.

Werden wir auf eine tolle Route verzichten, nur weil es sie ausschließlich mit der Relax oder Flow gibt? Ganz sicher nicht.

Denn am Ende gilt wie so oft: Das Gesamtpaket zählt – und das stimmt hier immer noch. 🚢🥂

Die grosse Euphorie vor dem grossen Kater – Privatkundenberater auf der Credit Suisse 98 – 01

Nach dem rauchenden Einsatz im Devisenhandel – und „rauchend“ ist hier nicht metaphorisch gemeint, man hätte in diesem Büro problemlos einen Lachs haltbar machen können – kehrte ich zurück nach Olten in die Privatkundenberatung. Allerdings nur für zwei Monate, denn danach stand Militärdienst an: die Ausbildung zum Unteroffizier der Schweizer Armee. Das klang wichtig, patriotisch und nach Disziplin – spätestens bis zu dem Moment, in dem ich dort erschien. Nach genau sechs Stunden wurde ich wieder entlassen. Meine mangelnde Motivation war zu offensichtlich erkennbar gewesen.

Die ‚alte‘ Credit Suisse Baden

So landete ich wieder bei der Credit Suisse, diesmal in Baden – immer noch als Mittelschulpraktikant, aber mit dem Vorteil, die Armee erfolgreich „überlebt“ zu haben. Dort wurde ich schliesslich fest angestellt als Privatkundenberater (und erhielt meine ersten Visitenkarten, saustolz war ich) genau in der Zeit, in der die Dotcom-Blase in voller Blüte stand und die Bankenwelt kollektiv glaubte, dass Technologie alles lösen könne. Die Credit Suisse wurde zur besten Internetbank Europas gekürt, und die Bank lancierte digitale Plattformen in einem Tempo, bei dem selbst Startup-Teams ins Schwitzen geraten wären. „yourhome“ hier, „youtrade“ dort – Innovation per Fließband – überlebt hat keine.

Passend dazu wurden Fonds mit Slogans lanciert, die heute in einer Werbeagentur vermutlich zum sofortigen Rausschmiss führen würden. „Take your share in die e-Revolution!“ – wer das nicht kaufte, hatte praktisch schon verloren. Wer es hatte, verlor dann noch mehr. Die UBS machte es nicht viel besser, nur… seriöser. Sie vermarktete den Telekom-Fonds mit dem Claim „damit es in Ihrem Portfolio klingelt“. Man konnte sich vorstellen, wie ein Team am Flipchart sass, brainstormte, lachte – und dann sagten alle: „Ja. Das ist es.“ Parallel dazu wurde mit ‚Energy‘ ein Incentive-System lanciert. Der Gewinner bekam ein Auto, ich schaffte (da ich das Punktesystem recht gut durchschaute) mittels Verkauf von Kreditkarten und dem Abschluss von Online Banking Verträgen immerhin ein paar Reisegutscheine.

Die Kunden wollten diese Fonds unbedingt. Nicht, weil sie verstanden, was drin war – sondern weil sie überzeugt waren, dass „alles mit Internet“ automatisch Zukunft bedeutete. Und ganz ehrlich: Wir Mitarbeitenden glaubten das auch. Wenigstens bis später klar wurde, dass Charts nicht nur steigen, sondern auch… fallen können. Teils schnell. Teils sehr tief.

Technologisch war es eine magische Zeit. Nach einer kurzen Phase mit Lotus Notes erhielten wir Outlook, und plötzlich konnten wir E-Mails mit Dateien verschicken. Damals fühlte sich das an wie eine Mondlandung. „Ich habe dir das Dokument gesendet.“ – „Wirklich? Direkt? Einfach so?“. Und heute frage ich mich manchmal, wie eine Organisation in der vor-Attachement-Zeit funktionieren konnte aber auch, ob es nicht einfach einfacher war.

In dieser Welle technologischer Euphorie durfte ich Teil eines Pilotprojekts mit dem futuristischen Namen „Originator“ sein. Der Name versprach Innovation, Digitalisierung, Zukunft – und die Realität war: Wir riefen Kunden an und fragten, ob sie vielleicht irgendwann Lust hätten, mal über Geld zu sprechen. Ein Outbound-Telemarketingprojekt in futuristischer Verpackung. Natürlich wurde dieses Projekt irgendwann zum Grossprojekt aufgeblasen, begleitet von McKinsey, Strategiefolien und einem Vokabular, das so weltverändernd klang, dass niemand mehr genau wusste, worum es eigentlich ging – was damals ein positives Attribut war.

Das Projekt fand seinen krönenden Abschluss in einer Closing Party, die ich heute als kulturelle Mischung aus „Corporate Networking“, „Studentenfete“ und „Sozialwissenschaftliches Feldexperiment zum Thema Gruppendynamik unter Alkohol“ beschreiben würde. Es begann elegant, stilvoll und professionell. Doch irgendwann – und das ist der Moment, an dem alle Legenden beginnen – endete es damit, dass jemand (nein, nicht ich, im Fall) auf die weiss gedeckte Tafel kotzte. Direkt. Ohne Vorwarnung. Ohne Scham. Und mit der Entschlossenheit eines Menschen, der wusste: Davon werden sie in 25 Jahren noch reden. Oder wenigstens einer drüber schreiben. Genauso wie über die jährliche Vertriebs-Incentive-Reise von Swiss Bankers (damals noch Traveller Cheques) welche mich nach Griechenland führte. Wer einmal dabei, weiss, was ich mit ‚legendär‘ meine. Lang, lang ists her.

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nächster Halt: Privatkundenberater bei der UBS 01-04

Von Weihnachtsessen – Firmenkundenberatung Olten 98

Im Jahr 1998 war die Schweizer Finanzwelt in einem Zustand zwischen historischem Wandel und gutem altem Chaos. Der Schweizerische Bankverein fusionierte mit der SBG zur neuen UBS, und bei der Credit Suisse war sofort klar: Jetzt oder nie! Wenn der grosse Konkurrent gerade mit sich selbst beschäftigt ist, könnte man ihm doch elegant Marktanteile wegnehmen. So zumindest die strategische Grossidee. Die operative Umsetzung war… sagen wir: kostengünstig. Ein grosser Teil der Mittelschulpraktikanten wurde kurzerhand ins Firmenkundengeschäft verschoben — vermutlich in der Hoffnung, dass wir mit jugendlichem Enthusiasmus, Kugelschreiber und Einmaleins das Firmenkundensegment in neue Sphären führen würden. Ich mag meinen persönlichen Beitrag gar nicht einschätzen, aber 25 Jahre später hat dann halt doch die UBS gewonnen.

So kam ich nach Olten, in den ehrwürdigen Hauptsitz der kurz zuvor übernommenen Ersparniskasse Olten.

Schon lange keine Bank mehr

Dort lernte ich schnell eine der wichtigsten Regeln meines jungen Berufslebens: Diese Bank hiess nicht EKO. Sie hiess nicht Ersparniskasse Olten. Nein. Sie hiess EEEEEEEE-KAAAAAAAAA-OOOOOOOOO. Wer es falsch aussprach, erzeugte Reaktionen, als hätte man im Klubhaus einer Fussballmannschaft versehentlich den Namen des Erzrivalen gelobt. Nach zwei Fehlversuchen sagte ich den Namen vorsichtshalber nur noch mit kontrollierter Überbetonung und leichtem Wiederhall-Effekt.

Die Arbeit dort war eine Mischung aus Banking, Abenteuer und stillem inneren Kopfschütteln. Ich durfte an Kundengesprächen teilnehmen und Notizen machen — und verstand so ungefähr knapp die Hälfte – oder tat zumindest so. Beim Besuch eines Kunden tätig in der Gastronomie redete dessen Beraterin ausführlich über „F&B“ und wie die Umsätze gesteigert werden könnten. Ich nickte selbstverständlich wissend, hatte aber keine Ahnung, was es hiess. Jahre später erfuhr ich, dass damit schlicht Food & Beverage gemeint war – eigentlich noch recht naheliegend bei einem Restaurant. Der Moment war erhellend — und leicht ernüchternd.

Auch in Olten blieb wirtschaftliches Denken ein Dauerthema. Ich durfte Sonderkonditionsanträge erstellen — in Word, gedruckt, gelocht, abgestempelt und dann per interner Post hierarchiegerecht verschickt. Kein „Approve“-Button, kein Workflow, keine Automation. Nur Papier, Tonergeruch und Laufwege. Bürokratie erzeugte damals noch Muskeln.

Gleichzeitig hielt die Zukunft Einzug — oder zumindest etwas, das danach aussah. Das Internet wurde eingeführt. Natürlich noch ungefiltert, ungesperrt und unüberwacht. Niemand wusste, was man darf (also doch klar, man durfte alles) — also machten wir, was alle jungen Menschen in historisch bedeutenden Momenten tun: Wir testeten die Grenzen aus. Fachlich dokumentiert hätten wir wahrscheinlich schreiben müssen: „Markterkundung neuer digitaler Informationsquellen.“ Realistisch war es eher: „Wow — rotten.com!“

Obwohl ich später in eine andere Abteilung wechselte, wurde ich zu einer sehr wichtigen Tradition eingeladen: dem Weihnachtslunch. Damals ein profanes Essen am letzten Freitag vor Weihnachten. Ueber 25 Jahre später: eine Legende. Etwa zehn inzwischen angegraute, leicht nostalgische Männer treffen sich jährlich am letzten Freitag vor Weihnachten, essen, lachen (tauschen sich dabei aber durchaus ernsthaft über die Entwicklungen ihrer Arbeitgeber aus) und beginnen ab ungefähr 15:00 Uhr die immer gleichen Geschichten zu erzählen — mit wachsender Begeisterung und abnehmender faktischer Präzision. Ein sozialgeschichtlich wertvolles Experiment und ich möchte es nicht unterlassen, dem OK unter Leitung des fachkundigen Präsidenten und seines Vizes für die jährliche Organisation herzlich zu danken.

Für zwei Monate ging es danach noch in den Devisenhandel nach Bern. Dort war die Atmosphäre eine Mischung aus Händlerdrama und Raucherlounge. Alles lief telefonisch, jedes Geschäft wurde handschriftlich auf einer Souche festgehalten, und Essen wurde selbstverständlich geliefert — denn Händler verlassen ihre Bildschirme nur, wenn der Feueralarm gleichzeitig mit einem drohenden Länderrisiko ausgelöst wird. Es war laut, schnell, verraucht— und irgendwie fühlte ich mich wahnsinnig cool, quasi Gordon Gecko im Kleinformat.

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nächster Halt: Privatkundenberatung Baden – Dezember 1998 bis April 2001

Unsere Reise mit der Mein Schiff Relax (28.12.2025 – 04.01.2026)

Man sollte Größe nicht überschätzen. Und doch spielt sie eine Rolle.

Die Mein Schiff Relax im Hafen von Madeira

Die Mein Schiff Relax ist groß. Sehr groß. So groß, dass man sich unweigerlich fragt, ob irgendwo an Bord ein eigener Stadtplan ausgegeben wird, vermutlich gleich neben der Tagespost, welche es ja nur noch auf Nachfrage in Papier gibt. Und trotzdem: Uns gefällt das. Größe wirkt hier nicht protzig, sondern strukturiert. Wie ein gut organisierter Gedanke, der ein bisschen länger ausgefallen ist als geplant.

Unsere Reise begann am 28. Dezember 2025 auf Gran Canaria. Davor drei wunderbare Tage in Maspalomas. Ein Ort, der genau das tut, was er soll: entschleunigen, ohne es groß zu thematisieren. Sonne, Meer, Abstand. Danach fühlt sich ein Kreuzfahrtschiff nicht wie ein Bruch an, sondern wie eine logische Fortsetzung.

Wir sind große Fans von Mein Schiff, schon einmal ausführlich kundgetan in diesem Beitrag. Das vorweg, zur Einordnung. Nicht unkritisch, aber loyal. Vielleicht, weil man hier meist das Gefühl hat, dass Dinge aus Gründen so sind – und nicht aus Zufall oder bloßer Marketingidee.

Die Relax ist neu, und das merkt man. Überall. Materialien, Farben, Licht. Viele liebevolle Details, die nicht nach „Designkonzept“ schreien, sondern eher flüstern: Hier hat jemand nachgedacht.

Die Crew: wie gewohnt sehr freundlich, engagiert, an den Bars teilweise unglaublich schnell im Service. Unprätentiös. Präsenz ohne Aufdringlichkeit. Man merkt, dass Freundlichkeit hier kein kurzfristiges Schulungsmodul ist sondern eine gelebte Kultur.

Kulinarisch hat sich einiges getan. Besonders überzeugend sind die neuen Angebote „Sur Mer“ und die griechische Taverna. Beide Orte, an denen man gerne länger sitzt, als man ursprünglich geplant hatte. Gute Küche erkennt man nicht daran, dass man darüber spricht – sondern daran, dass man kurz vergisst, auf einem Schiff zu sein.

Der Harbour Market hingegen wirft Fragen auf. Er ist exakt das, was früher der Anckelmannsplatz war. Wirklich exakt. Man fragt sich unweigerlich, warum der Name geändert wurde. Hatte einfach jemand Lust auf Englisch? Oder die grosse Internationalisierung? Inhaltlich jedenfalls bleibt alles beim Alten. Also immer noch sehr gut.

Wir wohnen in einer Junior Suite. Eine sehr gute Entscheidung. Die Kabine ist großzügig, durchdacht, ruhig. Die Suitenbereiche insgesamt sind groß, offen und angenehm gestaltet. Kein unnötiger Luxus, sondern Raum, der funktioniert. Und Raum ist auf See ein unterschätzter Wert.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte, ja muss ja sein, sorry an alle, welche sich grad nerven und mit Tomaten nach mir werfen wollen.

Zum Beispiel das oberste Deck: Man kann dort keine vollständige Runde mehr laufen. Das mag banal klingen – und ist es auch. Für Menschen, die gern gehen, um zu denken (oder um nichts zu denken), ist das ein echter kleiner Verlust. Bewegung ohne Ziel ist ein Privileg – und hier ein bisschen eingeschränkt.

Am ersten Abend dann eine recht lange Wartezeit im Atlantik. Technisch erklärbar, emotional nur mäßig befriedigend. Heute, am 31.12.2025, wissen wir außerdem, dass wir Madeira früher verlassen müssen – wegen Sturm. Dafür kann niemand etwas. Das ist Seefahrt. Wer absolute Planbarkeit sucht, ist hier grundsätzlich falsch.

Wofür jemand etwas kann: Die Beschallung ist teilweise… ambitioniert. An gewissen Orten unverständlich da zu leise, dann abrupt sehr laut. Als hätte jemand die Lautstärkeregelung delegiert und anschließend vergessen, wer zuständig war.

Der Kreuzfahrtdirektor wiederum wirkt kompetent, präsent, souverän. Seine Stimme allerdings erinnert auffällig an das, was man landläufig für KI-generiert hält: sehr korrekt, sehr glatt, minimal entrückt. Das ist keine Kritik, eher eine Beobachtung unserer Zeit. Vielleicht sprechen wir inzwischen einfach alle ein wenig nach Algorithmus.

Und meine ewige Kritik gehört bei Mein Schiff dem Bier: Die Auswahl ist nach wie vor sehr bescheiden. Erstaunlich bescheiden. In einer Welt voller Mikrobrauereien, Geschmacksvielfalt und Hopfenexperimente bleibt man hier erstaunlich defensiv. Man könnte mehr. Man tut es nicht.

Bitte die Kritikpunkte nicht überbewerten, wir lieben mein Schiff. Aber gegenüber Dingen (und Menschen), die man mag, ist man vielleicht besonders kritisch.

Dies ist ein Zwischenbericht. Die Reise ist noch nicht zu Ende, die Eindrücke auch nicht. Aber schon jetzt lässt sich sagen: Die Mein Schiff Relax ist ein gelungenes Schiff. Groß, ja. Aber nicht leer. Modern, ohne kühl zu wirken. Mit kleinen Schwächen, die man diskutieren darf – und vielen Stärken, die man einfach genießen kann.

Fortsetzung folgt. Vermutlich mit Wind. Vielleicht mit besserem Bier.

Von Faxgeräten – Autoleasing Dezember 97 – März 98

Wenn ich heute auf meine berufliche Reise von 1997 bis 2025 zurückblicke, fühlt es sich an wie eine Mischung aus Zeitreise, Digitalisierungsexperiment und Charakterbildung, wer den Auftakt verpasst hat, findet die Zusammenfassung hier. Mein Start war jedenfalls unvergesslich — nicht weil ich irgendwie brillierte, sondern weil ich gleich am ersten Tag zu spät zum Welcome Day kam. Der Grund war nicht Müdigkeit oder Nervosität, sondern ein schlichter logistischer Denkfehler: Ich wartete geduldig auf einen Zug, den es gar nicht gab. 1997 war eben noch die Zeit, in der Fahrpläne noch im Kopf hatte (oder es zumindest meinte) und niemand ein Smartphone bei sich hatte, um die Realität zu überprüfen.

Wo ich am 01.12.1997 zu spät erschien: Uetlihof Zürich

Trotz diesem charmanten Fehlstart ging es dann erstaunlich gut weiter. Mein Einsatz im Autoleasing der Credit Suisse fühlte sich an wie die erste grosse „Berufsmission“. Ich durfte mitarbeiten — richtig mitarbeiten, nicht nur Ordner sortieren oder Kaffee holen. Leasinganträge kamen damals in allen Varianten ins Haus: per Fax (mal gestochen scharf, mal in kreativer Graustufeninterpretation), per Post, wurden uns telefonisch diktiert (wobei wir schnelle Handnotizen nahmen, um die Informationen später ins System zu übertragen) oder per Aussendienstmitarbeiter persönlich überbracht — gerne verbunden mit „Du, das ist dringend“ rsp. nein, das war alles vor der grossen Du-Kultur-Revolution, somit eher „Sie, das ist dringend“.

Und dann gab es noch die Königsdisziplin: Der Kunde oder zur grossen Aufregung des jungen männlichen Teams die Kundin brachte sein Formular selbst vorbei — quasi die 90er-Version von „Same-day-Delivery“.

Ich war motiviert, neugierig und offenbar auch nützlich — denn im Januar 1998 wurde ich zum Mitarbeiter des Monats gewählt. Für mich war das riesig. Da stand ich nun, ein junger Praktikant, stolz wie ein frisch polierter Neuwagen. Ich hätte mir fast überlegt, Autogrammkarten drucken zu lassen.

Während ich langsam verstand, wie die Arbeitswelt funktionierte, veränderte sie sich rund um mich — und zwar mit zwei technischen Innovationen (innerhalb meines Praktiumseinsatzen von 4 Monaten), die für uns fast wie Science-Fiction waren.
Die erste war unser neues Call Center. Modernstes Europas! Mit einem grossen Apéro gesponsert vom Lieferanten Siemens aus Deutschland eingeführt. Man konnte plötzlich Anrufe priorisieren, Warteschlangen anzeigen und genau messen, wie lange jemand telefonierte. Heute Standard. Damals fast cyber. Wir waren überzeugt: Wenn wir noch ein blinkendes Bedienpult und Laserlichter bekommen, sind wir offiziell NASA.

Die zweite Revolution hiess POS — wobei niemand so genau wusste, was die Buchstaben bedeuteten. Für uns war es einfach „das Terminal“. Erst später fand ich heraus, dass es wohl „Point of Sale“ hiess — und nicht „Please Obviously Sign“. Mit diesem Gerät konnten Autoverkäufer direkt mit dem Kunden prüfen, ob ein Leasing machbar grundsätzlich machbar war. Und wenn alles passte, wurde der Antrag elektronisch übermittelt und bei uns — wie von Zauberhand — ausgedruckt. Und dann nahmen wir es aus dem Drucker und übertrugen die Daten ins System. Damals fühlte es sich aber an, als hätten wir gerade die digitale Zukunft erfunden.

Neben Fax, Formularen und futuristischen Terminals lernte ich vor allem eines: wirtschaftlich zu denken. Zu jedem Geschäft konnten wir berechnen, wie hoch der Bruttogewinn war und welche Rendite wir auf das eingesetzte Kapital erzielten. Ein Leasing war nicht einfach ein Leasing — es war ein kleiner Business Case. Und so wurde mir früh klar: Ein genehmigtes Geschäft ist gut, ein rentables ist besser.

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28 Jahre – es ist viel passiert

Meine Bankkarriere begann am 1. Dezember 1997 als Mittelschulpraktikant bei der Credit Suisse, im Bereich Autoleasing. Damals hiess das noch Credit Suisse Leasing, heute längst Bank Now – vermutlich, weil Bank Later nicht ganz so knackig wäre. Das Internet war zwar bereits erfunden, wirklich viel damit anzufangen wussten wir aber noch nicht. Wir hatten stattdessen ein Memo-System, das ausschliesslich Textnachrichten verschicken konnte – ohne Anhänge, ohne Emojis, ohne Rückgängig-Button. Grüne Schrift auf schwarzem Grund. Es war schon damals retro auch wenn ich dieses Wort noch nicht kannte.

Wo am 01.12. 1997 alles begann… (Quelle: Tagesanzeiger)

Ueber die nächsten gut 25 Jahre passierte sehr viel: hotair.com wagte den Börsengang – ein Name, der rückblickend unfreiwillig prophetisch war – und kurz darauf platzten die „New Markets“ so richtig. Parallel dazu groundete die Swissair und plötzlich standen Menschen in grossen Mengen wutentbrannt in UBS-Geschäftsstellen, denn irgendwo musste man seine Frustration ja loswerden. Die Börsen stiegen danach zu Höhen, die niemand für möglich gehalten hätte, nur um später wieder tiefer zu fallen, als meine Motivation nach dem dritten eLearning zu „Regulatorischem Verhalten in hypothetischen Spezialfällen“. Lehman Brothers ging mit grossem Getöse unter, alle 3 isländischen Grossbanken versanken, die UBS fast und ich versuchte irgendwo im hohen Norden Deutschlands Kunden zu erklären, dass dies nur eine etwas grössere Schwankung sei.

Nachdem auch noch Griechenland faktische Insolvenz anmeldete, kamen Jahre der Nullzinsen, welche dann rasch zu Negativ-Zinsen wurden. Ein Finanzkonzept, bei dem man bezahlt, damit die Bank das eigene Geld nicht verliert. Ich will nicht behaupten, dass es unlogisch war – nur dass niemand es logisch fand. Dafür war spätestens mit der Aufhebung der Euro-Untergrenze der Einkauf ennet der Grenze plötzlich wahnsinnig billig.

Und als alles fast wieder normal war, kam Corona. Homeoffice, VPN, Teams-Calls (oder war erst erst sogar noch Skype?) und eine Poststrasse besetzt mit den zwei Mitarbeitenden, welche eine Home-Offfice Dispens erhalten hatten. Klassiker der Meetings: „Du bist noch auf mute“, „Jetzt hör ich dich nicht“, „Siehst Du, was ich teile?» oder „Bin ich noch drin?“. Gleichzeitig wurde die NAB in die CS integriert, und kurz nachdem ich meine Masterthese endlich abgegeben hatte, kam ChatGPT und hätte die Erstellung dieser radikal vereinfacht. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Als man dachte, so langsam sei der Climax erreicht, erlebte die Credit Suisse mit Archegos und Greensill zwei weitere Waterloos und dann einen historischen Bankrun. Eine Bank, die too big to fail war, aber trotzdem scheiterte – und per Ende 2025 in der Schweiz dann ganz primär nur noch aus Erinnerungen, nostalgischen Werbeartikeln und vielen alten Geschichten bestehen wird.

…und am 24.12.2025 endete. (Quelle Wikipedia)

Und genau per dann endet auch meine eigene Reise: Wenn am 1. Januar 2026 überall die Champagnerkorken knallen und die Welt wieder einmal so tut, als hätte sie nun alles im Griff. Nach fast drei Jahrzehnten, Marktzyklen, Krisen, Innovationen, Mergern, Systemwechseln und ungefähr 47 regulatorischen Weiterentwicklungen verabschiede ich mich aus dieser Welt – mit einem lachenden und einem weinenden aber irgendwie auch mit zwei ganz grossen staunenden Augen.

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nächster Halt: Autoleasing 01.01.1997 – 31.03.1998

toao.blog ist zurück – als knallharter Buchkritiker

Willkommen zurück im Feuilleton. Oder zumindest in dem Teil davon, den ich mir inzwischen zutraue.


Nach meinem vielbeachteten (ok: wohlwollend zur Kenntnis genommenen) Einstieg in die Welt der Literaturkritik habe ich eine wegweisende Entscheidung getroffen: Rezensionen auf toao.blog wird es weiterhin geben – aber ausschliesslich zur Trilogie Operation Tiefer Dorn von Matthias Vetsch.

Warum diese inhaltliche Verengung? Nun ja. Er war mal mein Chef. Und Loyalität ist bekanntlich eine Tugend – nicht nur im Militär. Ausserdem ist die Trilogie praktischerweise noch nicht abgeschlossen, was mir erlaubt, seriös nach aussen zu wirken und trotzdem nicht jedes halbe Jahr ein neues Genre lernen zu müssen.

Kommen wir also zu Band 2: Infiltration, der direkt an den ersten Teil der Aufmarsch anschliesst.

Der Einstieg ist – und das meine ich ausdrücklich positiv – fast schon gemütlich. Wieder dieser leicht ironische, liebevolle Blick auf eine Schweizer Armee, die rund 35 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges aus der Mottenkiste geholt wird. Man hört förmlich, wie Planungsordner aufgeklappt, alte Befehle entstaubt und Uniformen mit dem Bügeleisen bearbeitet werden. Dazu ein Bundesrat, der – sagen wir – entscheidungsfreudig wäre, wenn Entscheiden nicht so kompliziert wäre.

Doch wer jetzt denkt, das bleibe alles im Bereich sanfter Miliz-Satire, täuscht sich.

Sehr schnell bewegt sich die Armee sowohl auf der virtuellen als auch auf der realen Ebene in ein Terrain, das irgendwo zwischen Landesverteidigung, Gegenangriff und – nun ja – handfester Aggression liegt. Die Grenzen verschwimmen. Politisch. Militärisch. Moralisch. Und genau da wird es spannend.

Was mir besonders gefällt: Trotz aller Ernsthaftigkeit bleibt die Armee zwischendurch herrlich tollpatschig. Dinge gehen schief. Abstimmungen haken. Abläufe sind… optimierbar. Kurz: Es bleibt glaubwürdig schweizerisch. Und genau das verhindert, dass das Buch in martialischen Pathos abrutscht oder ganz so beängstigend wird wie das beschriebene Szenario.

Und dann kommt das Ende.

Oder besser gesagt: kein Ende.

Wer – geprägt von Band 1 – auf ein beruhigendes „Ist ja grad nochmal gut gegangen“ hofft, wird eiskalt sitzen gelassen. Infiltration endet mitten in einem sich aufbauenden Crescendo. Ein Cliffhanger der Extraklasse. So sauber gesetzt, dass selbst die Autoren von Gute Zeiten, schlechte Zeiten anerkennend nicken würden.

Ergebnis: akuter Zwang, auf Band 3 zu warten.

Kann man Band 2 unabhängig von Band 1 lesen?
Ja, durchaus. Man findet sich zurecht.
Macht es mehr Spass, die Reihenfolge einzuhalten?
Absolut. Und zwar deutlich.

Fazit: Infiltration ist eine starke, konsequente Fortsetzung, die den Einsatz erhöht, die Tonalität hält und mutig auf ein offenes, spannungsgeladenes Ende setzt. Und es ist ein Buch, welches leider thematisch aktueller denn je ist. Hoffen wir, dass es eine Realität bleibt. Oder hoffen wir, dass wir wenigstens vernünftig vorbereitet sind, wenn es keine bleiben sollte. Ich bin offiziell investiert. Emotional. Leserisch. Und auch blogstrategisch.

Zu kaufen gibt es das Buch im gut sortierten Buchhandel oder direkt beim Antium Verlag.

Und jetzt bleibt mir nur noch eines zu sagen:
Lieber Matthias, falls du das liest – nimm dir Zeit für Band 3. Aber bitte auch nicht zu viel.

toao.blog bleibt dran.
Als knallharter Buchkritiker. Mit sehr überschaubarem Themenspektrum.

Bemerkung: Der Autor wurde vor Veröffentlich zu zu einer Stellungnahme eingeladen, er hat innerhalb der grosszügig gesetzten Frist von 4 Minuten nicht reagiert :-).

Das Bier, das keiner buchen wollte – aber eigentlich geht‘s um die Customer Experience

Ach, Pertisau. Wer meinen Blog (hier der Beitrag zu Pertisau aus dem Jahr 2022) kennt, weiß: Ich liebe diesen Ort. Dieser Flecken am Achensee ist für mich mehr als nur Urlaub – es ist der Ort, an dem ich komplett abschalte. Besonders das Hotel Rieser hat es mir angetan. Hier stimmt einfach alles: Die Aussicht auf den See, das freundliche Personal, das Frühstück, das schon fast eine Einladung zum Mittagsschlaf ist – und vor allem: mein ganz persönliches Wellnessparadies.

Dazu mal ein Bild:

Achensee 07.00

Jetzt muss man wissen: Wenn ich von Wellness spreche, meine ich nicht das klassische Programm mit Saunagängen, Aufgüssen und eiskalten Tauchbecken. Nein, mein Rezept lautet: Bequeme Liege. Gutes Buch. Dösen. Und vielleicht – wenn’s wild wird – ein kleiner Ausflug in den Whirlpool. Unterbrochen nur von Mittagsjause oder Kuchenbuffet. Das ist meine Form von Entspannung. Keine Hektik, kein Zeitdruck. Einfach nur ich, mein Buch, mein halbwacher Blick auf die Berge und das Gefühl, dass nichts dringend ist – außer vielleicht der nächste Seitenwechsel.

Gestern war so ein Tag. Es regnete aus Kübeln, also: ab auf meine Lieblingsliege im Wellnessbereich. Stundenlanges Dahindämmern, gelegentliches Blättern – und ein Espresso zur Krönung. Als dann überraschend die Sonne hervorlugte, nutzte ich die Gelegenheit für einen ausgedehnten Spaziergang ins Karwendeltal. Ein Klassiker, der nie langweilig wird. Frische Luft, rauschende Bäche, und dieses beruhigende Gefühl von Natur ganz nah.

Auf dem Rückweg meldete sich dann ein sehr menschliches Bedürfnis: Durst. Und zwar kein x-beliebiger Durst, sondern ganz konkret: Bierdurst! Noch konreter: Achenseebier-Durst. Nun, das Hotel Rieser hat viele Stärken – aber leider kein Achenseebier auf der Karte. Also zog es mich spontan in ein anderes Hotel, das diese lokale Spezialität im Ausschank hat.

Zwei Biere später (sehr lecker!) war die Welt noch ein kleines Stückchen besser. Bis zur Bezahlung.

10 Euro. Fair. Sehr fair! Aus Schweizer Optik fast ein Schnäppchen. Ich zückte meine Kreditkarte – wie man das eben tut im Jahr 2025. Der Kellner holte die Wirtin. Mir ahnte Böses. Die Wirtin blickte mich dann an, als hätte ich eine Zahlung mit Bitcoin verlangt oder einen Ziegenbock zum Tausch angeboten. Sie war not amused. Gar nicht. Ihr Blick hätte töten können.

„Kreditkarte? Für externe Gäste erst ab 50 Euro.“

Ich: „Wie bitte?“

Sie: „Die Gebühren. Das zahlt sich sonst nicht aus.“

Ich begann zu ahnen, warum ich der einzige Gast war.

Natürlich habe ich später nachrecherchiert: Bei 10 Euro liegen die Kreditkartengebühren je nach Modell bei maximal 80 Cent. Von angeblichen 2 Euro, wie behauptet, keine Spur. Und rechtlich? Auch in Österreich gilt: Wenn man Kreditkarten akzeptiert, dann bitte ohne Mindestbetrag. Nennt sich Vertragstreue. Gilt sogar auf 1.000 Meter Seehöhe.

Ich bot höflich an (der möglicherweise tödliche Blick hatte mich verängstigt) kurz in mein Hotel zu gehen und Bargeld zu holen. Fünf Minuten Fußweg, wenn man noch einen Keks vom Frühstück dabei isst. Die Antwort: „Na passt schon diesmal.“ In einem Ton, der sagte: „Aber wirklich nur diesmal.“ und eigentlich verstand ich: „Komm dafür bloss nie wieder.“

Mein Fazit? Es geht nicht um 10 Euro oder 80 Cent. Es geht nicht mal ums Bier. Es geht um das Gefühl, willkommen zu sein. Wenn man schon keine Karte will – dann bitte vorher sagen. Freundlich. Mit einem kleinen Schild (aber allzu offen vertragsbrüchig möchte man ja dann doch nicht sein, oder?). Oder besser noch: mit einem Lächeln, das den Gast nicht vertreibt, sondern einlädt, wiederzukommen. Man könnte ja auch sagen: „Für einen Stammgast mache ich gerne eine Ausnahme“ und damit faktisch eine Reservation für den Folgetag entgegennehmen. Dann mit Bargeld. Dafür mit Vorfreude. Und einem guten Gefühl.

Ich trinke mein nächstes Bier lieber wieder dort, wo der Umgang mit Gästen stimmt – auch wenn’s dort kein Achenseebier gibt. Denn im Rieser schmeckt mir der Aufenthalt trotzdem am besten. Vielleicht liegt’s an der Liege. Vielleicht am Lesen. Oder vielleicht auch daran, dass das Bier da auch ganz ok ist.