Der Anfang vom Ende meiner ersten Laufbahn auf der UBS begann nicht mit Drama oder so sondern mit einer unschuldig klingenden E-Mail mit dem Titel „Überarbeitung der Anstellungsbedingungen“. Ein Titel, der nach einem neuen Fringe-Benefit klang. Ich öffnete es hoffnungnsvoll. Stattdessen fand ich darin eine kompakte Liste an Streichungen: weniger Dienstaltersgeschenke, weniger Krankenkassenzulage, weniger Verpflegungsentschädigung. Es ging nicht um die ganz grossen Beträge aber die Art der Kommunikation vermittelte halt irgendwie auch das Gefühl von „wir brauchen Dich eigentlich nicht“.
Und weil gekränkte Prinzipien ein hervorragender Karriereberater sind, dachte ich: „Euch zeige ich es.“ Innerhalb eines Nachmittags schrieb ich drei Bewerbungen — ohne grosse strategische Überlegung, sondern eher zur persönlichen Frustbewältigung. Zu meiner Überraschung meldete sich die NAB. Nach einem ersten Bewerbungsgespräch mit HR wurde ich zur Geschäftsstelle Muri eingeladen, wo mich ein noch sehr junger Geschäftsstellenleiter empfing. Er suchte einen Stellvertreter. Er mochte vor allem Hypotheken. Ich wollte lieber wieder Anlagethemen. Ein perfekter Match lange bevor Algorithmen solche errechneten. Damit hatte er mich aber noch nicht gewonnen, denn eigentlich gefiel es mir viel zu gut auf der UBS in Brugg und die Fringe-Beneftis-Kürzungsfrustration war eigentlich auch schon wieder abgeklungen.
Dann passierte etwas, was ich rückblickend als eine Mischung aus Verkaufstalent und Verhandlungsgeschick aber auch moderner Rekrutierung auf Augenhöhe bezeichnen würde. Der erwähnte junge Geschäftsstellenleiter zeigte mir, wie mein zukünftiges Kundenbuch aussehen könnte, welche Entwicklungsmöglichkeiten es gäbe (für die von mir voller Selbstbewusstsein angemeldeten Ambitionen) — und endete mit dem Satz, den ich seither nie vergessen habe: „Lieber zwei Jahre einen guten Stellvertreter als zehn Jahre einen schlechten.“ Beim Lohn sagte er dann noch: „Das ist eigentlich nicht meine Kompetenz, aber ich nehme sie mir jetzt. Ich will Sie.“ In dem Moment wollte ich dann auch und die kleine NAB hatte gegen die grosse UBS aus einer Nicht-Chance gerade ein Tor gemacht. Genau, der Ball dieser Geschichte wäre dann ich.

Und so wechselte ich zur NAB Muri (das Gebäude beheimatet heute eine Pizzeria). Keine Rebellion. Kein dramatisches Goodbye. Einfach ein leises, zufriedenes „Ja, das fühlt sich richtig an.“ Und es war richtig. Ich hatte ein wirklich schönes Kundenbuch, durfte Anlagekunden betreuen (und die Börse war seit 2003 wieder im freundlichen Rallyemodus), und ich bekam Freiheiten — echte. Was nicht nur der Bank geschuldet war, sondern auch dem Umstand, dass „Anlageberatung“ vor der Finanzkrise praktisch nicht reguliert war.
Die NAB unterstützte auch meine Weiterbildung zum eidgenössisch diplomierten Verkaufsleiter, bis heute aus meiner Sicht übrigens meine Weiterbildung mit dem höchsten praktischen Nutzen. Und eine bewusste bildungsmässige ‚Contrarian-Strategie’ neben all den vielen Betriebswirtschaftern und Bankfachleuten. Und irgendwann wurde ich dann Mitglied des Kaders aka Assistant Vice President aka Prokurist. Böse Zungen behaupten, ich hätte die neuen Visitenkarten vor der offiziellen Kommunikation bestellt. Ja, und wenn ich ehrlich bin, würde ich sowas meinem jungen ich durchaus auch zutrauen. Aber egal, ich würde behaupten, dass ich langsam aber sicher einfach erwachsen geworden war.
In naher Zukunft werde ich alle Stationen meiner Karriere in Blogform verarbeiten, reflektieren oder – ehrlich gesagt – einfach hobbyliterarisch verwursten. Abonniere diesen Blog, um keine Folge zu verpassen.
Daneben wage ich den Schritt in die Selbständigkeit. Wenn Du mehr darüber erfahren willst:
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