So wurde ich also – nach überstandener Rekrutierung (nachzulesen hier) – Geschäftsstellenleiter der NAB Aarau.
Eigentlich der NABs in Aarau. Denn neben dem Hauptsitz gab es noch die Aussenstelle im Einkaufszentrum Telli. Heute fast nicht mehr vorstellbar, dass die NAB damals einen reinen Kassenschalter führte, die Schliessung ist aber noch keine 15 Jahre her. Es war auch die Zeit, als die NAB ein Fragezeichen als Maskottchen einführte und man den Kunden noch so nette Imagebroschüren mit tollen Fotos zustellte.

Ich führte zum ersten Mal Teamleiter:innen, die ihrerseits Kundenberater:innen führten (ich glaube, dass das damals noch nicht gegendert wurde). Ein recht grosser Laden – insbesondere im Verhältnis zu meiner bis dahin eher überschaubaren Führungserfahrung. Ich wusste theoretisch, wie Führung funktioniert. Praktisch lernte ich sehr schnell, dass Theorie in der Praxis nicht immer funktioniert. Mein Lernkurve war unter anderem steil, weil meine Mitarbeitenden sich nie mit Feedback zurückhielten und zum Beispiel meine aus meiner Sicht genialen Excel-Listen recht rasch zum Abschuss freigaben.
Es war die Zeit nach Lehman Brothers. Die Bank hatte erkannt, dass strukturierte Beratung durchaus Sinn macht und dass diversifizierte Anlagen langfristig wohl kundenfreundlicher sind als einzelne, schwer verständliche strukturierte Produkte, von denen man im Nachhinein wusste, dass man nie so genau gewusst hatte, wie sie funktionierten.
Ich hatte eine relativ junge, sehr motivierte und stark engagierte Truppe, was sicher die Einführung von neuen Beratungsstandards einfacher machte.
Alle – inklusive mir – gefühlt kurz vor der nächsten Beförderung. Alle wahnsinnig motiviert.
Und alle der festen Überzeugung, dass man Erfolge im Platzhirsch nicht nur mit Applaus, sondern vor allem mit Bier und irgendwann „Schöttli“ begiessen und feiern muss. Exzessiver als die Platzhirsch-Donnerstage waren eigentlich nur die durchaus eskalativen Weihnachtsessen sowie die legendären Skiweekends.

Dort entstanden wahre Legenden. Und auch dort lernten wir viel, z.B.
dass Saas-Fee im Wallis liegt, dass Skiliftfahren überraschend anspruchsvoll sein kann und dass man es vielleicht manchmal besser unterlässt, seine Frau direkt aus dem Après-Ski anzurufen.
Aber wir lernten in dieser Zeit auch Wichtiges: Zum Beispiel, dass sich Beharrlichkeit lohnt oder dass man manchmal in sich bietende Sweet Spots stechen muss, wenn sie da sind.
So nutzten wir die Neugeldaktionen der NAB (im Nachhinein frage ich mich gelegentlich, ob die Bank damals schon ein Passivgeld-Problem hatte) zu wahren Akquisitionshöchstleistungen. Nicht Laut. Nicht Durchaus spektakulär. Sehr konsequent.
2012 schafften wir es als grösste von 33 Geschäftsstellen Rang 3, 2013 toppten wir das Ganze sogar noch.
Was dann dazu führte, dass die Bank irgendwann fand, ich solle eine noch wichtigere Funktion übernehmen.
Was ich eigentlich gar nicht wollte.
Aber dann kam wieder Roger.
So wie er mich damals zurückgeholt zurückgenommen faktisch eingetauscht hatte, animierte er mich nun, weiterzuziehen. Mit einem Satz, der sich eingebrannt hat:
„Bleib nicht wegen deiner Leute. Am Schluss kannst du ja auch nicht erwarten, dass sie wegen dir bleiben.“
Ah ja, Roger.
Der Chef, der mich forderte und förderte.
Der verrückte Ideen hatte – etwa ein Kick-off um 06:30 Uhr (was ihm seine Frau dann zu unser aller Glück ausredete). Der seine Mitarbeitenden ein Jahresmotto bestimmen liess und damit lebte, dass dabei ‚mir sind geil, mir gönd steil‘ herauskam. Der mit uns auf den Gotthard wanderte. Und der seither weiss, wie man dort immer und jederzeit zu einem kostenlosen Frühstück kommt. (Fragt nicht. Aber es funktioniert. Die Geschichte dazu hier.)
Rückblickend war Aarau eine extrem prägende Zeit. Beruflich wohl die aufregendste und beste Zeit meiner gesamten 28 Jahre im Bankgeschäft.
Führung lernen. Verantwortung tragen. Erfolg haben. Erfolg feiern. Menschen wachsen sehen – mir einreden, dass es nur an mir liegt – und sie dann weiterziehen lassen.
Und so zog ich dann weiter.
In naher Zukunft werde ich alle Stationen meiner Karriere in Blogform verarbeiten, reflektieren oder – ehrlich gesagt – einfach hobbyliterarisch verwursten. Abonniere diesen Blog, um keine Folge zu verpassen.
Daneben wage ich den Schritt in die Selbständigkeit. Wenn Du mehr darüber erfahren willst:
toao-gmbh.ch / Thomas@toao-gmbh.ch / linkedin.com/in/thomastoao/




















