Nun, ich bin ja nicht gerade bekannt als der digitale Ober-Nerd. Die Installation des ersten (damals noch analogen) Internet-Anschlusses kostete mich einiges an Schweiss (allenfalls waren es sogar Tränen). Der Wechsel zur damaligen Cablecom (welche dann später zur absoluten Hass-Firma der Schweiz wurde und sich darum (weiss nicht, ob es darum war, aber es hört sich irgendwie logisch an) später in UPC umbenennen musste) war so komplex, dass ich den Mann vom schicken Möbelhändler aufbieten musste zwecks Hilfestellung. Er schaltete meinen Laptop einmal aus und wieder ein und schon waren wir „drin“. Ja, irgendwie hat wohl alles im Leben mit dieser viel zitierten Aura zu tun.
Das erste elektronische Gerät, welches ich wirklich gerne mochte, war mein Iphone 4. Und so habe ich mich zwischenzeitlich bis zur 10 (sorry X) hochgearbeitet, ein wenig frustiert davon, dass meine Mutter sich nun mal locker das Nachfolgemodell angeschafft hat. Nun kann ich also ein superintuitives Produkt wie ein IPhone (IPad kann ich übrigens auch) bedienen, bleibe aber tendenziell immer noch überfordert davon, das Telefon bei meinem Lieblingsarbeitgeber auf meine Lieblingsstellvertreterin umzuleiten.
Insofern war der totale Shutdown und damit die Instruktion meines zweiten Lieblingsarbeitgebers zum virtuellen Unterrichten ein ziemlicher Schock. Hätte ich gewusst, wie einfach das geht, hätte ich mir die schlaflosen Nächte (ja, ok, grad ganz so schlimm wars nicht, aber ein wenig übertrieben habe ich ja schon immer) mit gutem Gewissen sparen können. Da zu Beginn noch keine Lösung seitens der Schule bereit stand, hielt ich meine ersten Schulstunden via zoom ab (ja genau, das zoom, bei dem ja zwischenzeitlich offenbar jede amerikanische Regierungsbehörde mitgehört hat – macht aber nichts, solange der #AmericanIdiot dort an der Macht ist, habe ich eh nicht vor einzureisen). Nach zehn Minuten hatte ich es mehr oder weniger begriffen und bereits eine tollen virtuellen Hintergrund installiert.

Und nach weiteren zehn Minuten war mein erster Testlauf mit dem immer nach Gastauftritten lechzenden Marco absolviert.

Auch die erste Schulstunde funktionierte sehr gut und dies obwohl ich mit der technischen Minimalvariante ab IPhone antrat. Terminaufsetzung sehr einfach, Ton- und Bildqualität gut, sharen (sharing is caring) von Inhalten selbsterklärend. Später setzte die HKV Aarau eine Lösung mit Microsoft Teams auf. Und obwohl der böse Bill Gates gewisse Funktionalitäten Benützern von Geräten seines Erzfeindes Steve Jobs (may he rest in peace) verwehrt, ist auch Teams einfach und gut anzuwenden. Zusätzlich bietet es die Möglichkeit, Dateien abzulegen, also quasi ein integriertes Share Point oder eine Drop Box. Was ich bei Teams vermisse (und was zoom bietet), ist die Möglichkeit, sich mittels „Hand hochhalten“ zu melden oder mittels Applaus einen Beitrag zu wertschätzen.
Nun, ich musste mich ein wenig an den virtuellen Unterricht an sich gewöhnen. Wenn man als Dozent etwas vorstellt, muss man erst einmal damit umgehen können, dass man nur sich selber reden hört (ja, normalerweise höre ich mich ja schon am liebsten selber reden, aber nicht grad stundenlang) ohne jegliche Möglichkeit des Feedbacks. Könnte man etwas reduzieren, wenn man die Studenten zwingen würde, ihre Kameras einzuschalten. Aber die Studenten sind ja Kunden, daher ist ihre Privatsphäre zu respektieren. Das klassische Lehrgespräch ist auch ein wenig anders: Normalerweise stellt man ja einfach eine Frage in den Raum und schaut dann, wer es kaum erwarten kann, seine Meinung zu äussern – oder wer grad intensiv mit seinem Smart Phone beschäftigt ist und daher einen wake up call benötigen könnte. Im virtuellen Unterricht muss man konkret jemanden aufrufen – hat aber auch den Vorteil, dass ja alle (immer und jederzeit und ohne jegliche Vorankündigung) aufgerufen werden können und daher aufmerksam bleiben müssen. Und damit ich mich möglichst nicht dem Verdacht aussetze, immer die gleichen (oder die einen gar nie) aufzurufen, lasse ich jeweils den sprechenden Studenten gleich den nächsten aufrufen.
Auch Gruppenarbeiten funktionieren wunderbar. Und obwohl Teams mir als Konkurrenz-Nutzer die Funktion von Sub-Teams nicht bietet (vielleicht habe ich sie auch einfach noch nicht gefunden), löse ich das mit whatsapp. Sprich ich formiere Gruppen und diese connecten sich ausserhalb des Calls über die whatsapp-conference-Funktion. Technisch einwandfrei. Allerdings entfällt nach Start der Gruppenarbeit die Interaktion, sprich es können keine Fragen mehr gestellt werden. So musste ich gestern feststellen, dass meine äusserst liebevolle Instruktion für die praktische Anwendung meiner liebsten Kreativitätstechnik 6-3-5 (über die habe ich übrigens damals im SVEB I bei der Lernwerkstatt Olten meine Minilektion gehalten – und bestanden – bin immer noch schaurig und schampar stolz drauf) wohl nicht liebevoll genug gewesen war und von drei Gruppen genau 0 (in Worten: null) den Ablauf verstanden hatten. So konnte ich der Klasse halt nur die Erkenntnis anbieten, dass eine gute Instruktion Grundbedingung für jeden Auftrag ist (ok, hätten sie wohl auch ohne dieses Erlebnis verstanden, aber sie waren so höflich, richtige Begeisterung für diese Erkenntnis zu zeigen (ich glaube, dass sie nahe an einem virtuellen Ueberkopfklatscher waren)).
Wunderbar am virutellen Unterricht ist, dass Unterrichtsende + 10 Sekunden = Bieröffnung. Die gesparte Zeit kann ich einsetzen, um meinen Studenten die Möglichkeit zu geben, mir Aufgaben via mail oder als Foto via whatsapp zu schicken und direkt ein Feedback zu erhalten. So können wir die nicht vorhandene Möglichkeit von „Du, häsch gschnäll e Minute?“ mehr oder weniger kompensieren. Und etwas, was ich auch nach Corona beibehalten werde: eine whatsapp-Chatgruppe mit jeder Klasse. Sehr einfache und praktische Möglichkeit, um Unklarheiten zu klären, an Hausaufgaben zu erinnern oder um mal etwas Vergessenes zu erinnern.
Fazit: Wenn ich das kann, kann es nicht so schwierig sein. Grad Kurse in virtuellem Unterricht werde ich wohl nicht anbieten, aber ich schlage mich (persönliche Einschätzung hart an der Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz) so weit so erfolgreich durch.
Hoffentlich next stop ab 08.06.: real class room. Cheers, mates.













