… und dann kam Corona – meine zwei Saisons als Leiter Zentrale Kundenberatung 2018 – 2020

Mitte 2018 kam es zu einer kleinen Reorganisatin. Zu den im letzten Beitrag erwähnten Teams kamen zwei personelle Schwergewichte dazu: die telefonische Beratung der Retail-Kunden und das Contact Center, getauft auf Zentrale Kundenberatung. Personell eine massive Vergrösserung, aber inhaltlich übernahm ich zwei gut funktionierende Bereiche mit erstaunlich vielen Synergien zu meinem bisherigen Spielplatz. Die Retail-Beratung verantwortete rund 150’000 Kundenbeziehungen in Bezug auf Risiko und Compliance (und ich lernte viel, unter anderem zu Love Scam und Enkeltricks) und nutzte die Kundenkontakte gut für Cross Selling. Das Contact Center war 2016 zum besten Contact Center aller Banken in der Schweiz gekürt worden und hatte seither einen massiven Upgrade zum Kunden-Service-Center hinter sich. Alle Anrufe aller Kundengruppen wurden dorthin geroutet. Ziel war nicht mehr das klassische „Ich verbinde Sie weiter“, sondern die fallabschliessende Lösung des Kundenanliegens.

Soweit, so grossartig. Bis auf ein paar prozessuale Optimierungen und eine mitarbeiter- und kundenfreundlichere Einsatzplanung gab es gar nicht so viel zu verändern. Es lief so gut, dass mir mein Vorgesetzter sogar drei Monate Auszeit in Australien bewilligte. Nachzulesen wäre das hier. Während ich irgendwo zwischen Sydney, Outback und Perth im roten Staub stand und mich fragte, ob man wirklich je genug australische Sonnenuntergänge gesehen haben kann, lief der Laden zu Hause…einfach weiter.

Dazu kam, was als sauber integriertes Feature im Online Banking begann – Screen Sharing für Verkaufs- oder Supportgespräche, nüchtern gedacht als „praktische Zeigehilfe“ – entwickelte ein Eigenleben. Unsere Mitarbeiter nutzten diese Zeigehilfe hervorragend. So sehr sogar, dass 2019 über 50 % aller Screen-Sharing-Nutzungen der gesamten Credit Suisse aus der NAB kamen, genauer gesagt aus der Zentralen Kundenberatung. Offenbar hatten wir wieder einmal einen Sweet Spot gefunden. Bis heute vermutlich die liebste Kennzahl meiner Karriere.

Rossy vertrat mich während meiner Auszeit hervorragend. So hervorragend, dass gewisse Leute die Meinung äusserten, ich könnte doch eigentlich gleich dort bleiben, wo ich gerade war. Ich interpretiere das bis heute als Lob. Ganz ohne Auftrag wollte ich dann aber doch nicht verschwinden. Also setzte ich zwei kleine Pflänzchen, von denen ich damals nicht wusste, wie wichtig sie noch werden würden: Robin widmete seine Bachelorarbeit dem Thema „KSC@Home“ – einer vagen Vision von mir, dass Kundenservice eines Tages auch von zuhause aus funktionieren könnte. Dani nutzte 40 Prozent seiner Arbeitszeit während ein paar Monaten, um eine Wissensdatenbank aufzubauen.

Letzteres war unser Versuch, wegzukommen vom täglichen Mail-Tsunami. Vorher war die Logik etwa so: Wenn du sicherstellen willst, dass niemand etwas verpasst, schickst du es einfach allen. Am besten jeden Tag. Und wenn du dich einmal zurückhältst, dann halt am Freitag eine Sammelmail mit 27 Themen. Die Wissensdatenbank sollte genau das beenden: alle Informationen gut auffindbar ablegen, statt alles in Posteingängen zu begraben. Das brauchte ein wenig Change Management. Die typische Reaktion war: „Dazu habe ich keine Mail erhalten.“ Unsere neue Standardantwort: „Du wirst auch nie mehr eine erhalten.

Intern positionierten wir uns als ‚es macht Spass dort zu arbeiten’. So stellten wir unseren Bereich an einem Jahres Kick Off mittels einer Bravo Fotolove-Story vor. Welche darin gipfelte, dass Nicolas die Bühne in einem Superman Kostüm stürmte. Warum wissen wir eigentlich auch nicht mehr, aber er hatte gerade hart seine Komfortzone verlassen. Also eigentlich war wirklich alles recht lustig und erfolgreich.

Und dann kam Corona.

Zuerst dezentralisierten wir die Teams auf mehrere Standorte. So weit, so Krisenhandbuch. Zwei Wochen später schickten wir praktisch alle nach Hause, was die Arbeitswege massiv verkürzte.

Das Krisenhandbuch hatte ab Seite 47 dann doch noch ein paar leere Seiten, die wir spontan füllen mussten. Laptops waren kaum mehr verfügbar. In dieser Phase zeigte sich einmal mehr, dass es oft Einzelne sind, die Systeme retten. In unserem Fall hiess sie Tabea.

Tabea war die erste, die herausfand, wie man „die Bank“ auf einem privaten Laptop installieren konnte, ohne dass die IT kollektiv Schnappatmung bekam. Und sie teilte ihr Wissen dann grosszügig mit allen. Aus Sicherheitsgründen streng nach Vorschrift. Aus praktischen Gründen ziemlich schnell. Plötzlich sassen Menschen mit Headset am Küchentisch, im Kinderzimmer oder auf dem Balkon (ja wirklich).

Zusätzlich zu allem anderen tauchten die Corona-Kredite des Bundes auf. Innerhalb kürzester Zeit sollten grosse Beträge gesprochen werden. Die Vorgaben waren – höflich formuliert – dynamisch. Viel war unklar, Interpretationen änderten sich, und mittendrin sassen unsere Leute an der Front und versuchten, das Chaos für die Kunden in irgendetwas zu übersetzen, das sich wie eine seriöse Banklösung anfühlt. Die Telefonleitungen liefen heiss, die Mails auch. Ich war einmal mehr beeindruckt, wie viel Pragmatismus, Bauchgefühl und gesunder Menschenverstand in so einem System stecken, bevor dann irgendwann die offiziellen Weisungen hinterherkommen.

Wie so viele andere mussten auch wir lernen, wie sich Kultur über Bildschirme anfühlt. Wir bespassten uns und unsere Mitarbeitenden mit Video- und Foto-Challenges, virtuellen Apéros (und genau bei so einem lief ein Partner halbnackt in die Party rein) und kreativen Pausenformaten. Nicht alles war tiefgründig, vieles war einfach lustig – und genau das brauchte es.

Und wir wurden wieder kreativ – diesmal sehr konkret: Um ältere Kunden aus den Schalterhallen fernzuhalten, boten wir einen Hauslieferdienst für Bargeld an. Nichts, womit man Geld verdient. Ganz im Gegenteil: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht war das ein absoluter Unsinn. Aber als Bank ein paar Sympathiepunkte zu holen, kann ja auch nicht schaden. Eine Bank, die Bargeld nach Hause liefert, hat in Zeiten von Social Distancing etwas fast Rührendes.

Vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus dieser Phase: Du kannst Strategien planen, Organigramme malen und Prozesse definieren – aber wenn es ernst wird, halten dich am Ende immer die Menschen. Die, die wissen, wo das Wissen steht. Die, die Verantwortung übernehmen, auch wenn niemand sie offiziell darum gebeten hat. Und die, die im Zweifel lieber eine pragmatische Lösung für einen Kunden finden, als auf die perfekte Weisung zu warten.

Und als wir das alles geübt und bewiesen hatten und die Schweiz im Sommer 2020 das Gefühl hatte, auch Corona irgendwie unter Kontrolle gebracht zu haben, da haute uns unser Mutterhaus mitten eins in die Fresse. Aber dazu mehr beim nächsten Mal.

In naher Zukunft werde ich alle Stationen meiner Karriere in Blogform verarbeiten, reflektieren oder – ehrlich gesagt – einfach hobbyliterarisch verwursten. Abonniere diesen Blog, um keine Folge zu verpassen.

Daneben wage ich den Schritt in die Selbständigkeit. Wenn Du mehr darüber erfahren willst:

toao-gmbh.ch / Thomas@toao-gmbh.ch / linkedin.com/in/thomastoao/

Klare Kommunikation – ohne Abschweifer

Dislaimer (um mir Hasskommentare zu ersparen): Dieser Post ist nicht pro „Maskenpflicht im Freien“, er handelt von der Durchsetzung von definierten Regeln. Am Beispiel der Maskenpflicht im Freien. Wer diese Unterscheidung nicht versteht, der möge nicht weiterlesen.

Heute Morgen war ich an der Tankstelle bei Coop Pronto. Vor dem Shop standen drei junge Männer sehr nahe beieinander und schauten sich ein sicher lustiges Video auf einem Smartphone an. Warum ich das erzähle?

Weil ich das Gefühl habe (nein, kein wissenschaftlicher Beweis, ein Gefühl), dass dies mit der eher schwammigen behördlichen Kommunikation (oder sogar mit der Schwammigkeit der Regeln an sich) zu tun hat. Hier mal eine Snapshot der letzten Aenderungen in Bezug auf die Ausdehnung der Maskenpflicht:

Quelle: BAG

Ich würde mal zusammenfassen: Recht kompliziert und vor allem der letzte Satz wird dann irgendwann sehr schwammig. Zumal ja auch hinlänglich bekannt ist, dass zwar grundsätzlich eine Verzeigung bei Nicht-Einhaltung erfolgen kann, die Polizei aber nicht ermächtigt ist, Ordnungsbussen auszustellen.

Vor allem der letzte Satz hat es in sich: „…wo der erforderliche Abstand…nicht eingehalten werden kann“. Warum liebes BAG verwendet ihr eine so unscharfe Formulierung? Wenn ich drei Erfahrungen aus meiner Führungserfahrung (und die ist jetzt doch schon ein paar Jahre gewachsen) mitnehme, dann die, dass

  1. einfache Regeln leichter zu kommunzieren sind als komplizierte.
  2. Regeln, die nicht durchgesesetzt werden (könnnen), wenig Wirkung erzielen.
  3. die Kumulation von Regel 1 und und Regel 2 dazu führt, dass man sich die Aufsetzung einer Regel auch sparen könnte.

Im konkreten Beispiel heisst dies, dass vor Läden oder auf dichter bevölkerten Strassen die MaskenträgerInnen in der Minderheit bleiben werden und im dümmsten Fall von den Nicht-Trägern noch schräg angeschaut werden. Kennen wir doch irgendwie vom öffentlichen Verkehr, wo die Empfehung des Maskentragens wenig Effekt hatte (gefühlt 20 %,), die Vorschrift und die angedrohte Konsequenz (Entfernung aus dem Zuge) aber eine sehr gute Wirkung (gefühlt 95 %).

Also hätte ich da drei Empfehlungen (ich weiss, hört sich jetzt irgendwo zwischen Klugscheisser und Oberlehrer an, ist aber ernst und vor allem wirklich gut gemeint):

  1. Die Formulierung ändern von „wo der Abstand nicht eingehalten werden kann“ hin zu „wo Sie den Abstand nicht einhalten“. Dies würde Klarheit schaffen und gäbe jeder einzelnen Person die Handlungsoption den Abstand einzuhalten (zum Beispiel beim Schwatz mit dem zufällig angetroffenen Kollegen) oder wenn man das nicht will, halt eine Maske anzuziehen. Denn aus meiner Sicht ist „Abstand“ in den meisten Fällen (ausser vielleich im öffentlichen Verkehr zur Stosszeit) selbst aktiv gewählt und kein passiv aufgezwungener Zustand.
  2. Ich bin weder Jurist noch Politologe aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es doch möglich sein müsste, in irgendeiner geeigneten und legalen Form Ordnungsbussen für entsprechendes Fehlverhalten einzuführen. Ich meine, wir haben im März immerhin mal rasch diversen Berufsgruppen ein faktisches Berufsverbot erteilt. Also aus meiner Sicht lieber die Ordnungsbusse allenfalls rechtlich ein wenig durchwürgen als irgendwie superdemokratisch und legal wieder einen Lockdown befehlen zu müssen.
  3. Es macht aus meiner Sicht Sinn, wenn lokale „Hotspots“ (in Bezug auf das Personenaufkommen) mit einer generellen Maskenpflicht versehen werden. Tagesschwankungen im Fussgängeraufkommen kann man problemlos mit einer zeitlichen Befristung Rechnung tragen, wie dies z.B. die Stadt München tut.

Ich respektiere übrigens auch andere Meinungen und finde entsprechende Rückmeldungen spannend. Danke, dass Ihr auch meine Meinung respektiert. Und egal, wie genau Eure Meinung aussieht (und sogar unabhängig davon, was ihr von Donald Trump und seinem aktuellen Verhalten hält): Bliebed xund!

Next Stop: virtual schooling @HSLU

Eigentlich geht es uns doch immer noch recht gut oder warum ich sammle für Kinder in Malawi

Für die eiligen Leser: Ich würde mich freuen, wenn Du mein #Projekt3360 (ich laufe im Jahr 2020 3660 Kilometer (das sind 10 pro Tag) und sammle damit Geld) mit einer Spende zugunsten eines Schulprojektes in Malawi von 4Africa unterstützen würdest. Kontoangaben findest Du auf dem Link. Wem das zu mühsam ist, der kann auch gerne einen Betrag an mich (078 619 43 57) twinten. Ich leite es gerne weiter. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle, welche mein Projekt rsp. 4Africa bereits mit Spenden oder Spendenzusagen von rund CHF 10’000 unterstützt haben.

Quelle: 4africa.ch (Screenshot)

So, nun aber der Reihe nach: Etwas bestimmt unser aller Leben im Jahre 2020 ja ziemlich umfassend: Corona. Die einen findens etwas schlimm, die anderen schlimm und die dritten ganz extrem schlimm. Natürlich sind auch nicht alle gleich betroffen: Wirtschaftlich die Gastro- und Tourismus-Branche sicher mehr als eine Bank (und trotzdem kommt man nur in der Bankbranche auf die Idee, das süsse, lokale Töchterchen in die grosse Mutter zu integrieren – sorry, diese kleine, persönliche Aufarbeitung musste gerade sein), primär zu Hause-Sitzer (wie ich) sicher weniger als die hippen Tsüri-Clubber, kinderlose sicher weniger als kinderreiche.

Nun sollte man aber bei aller persönlichen Betroffenheit wohl zwei Dinge nicht aus den Augen verlieren:

Die Schweiz hat ein relativ liberales Regime

Die Schweiz hat relativ zu den meisten anderen Ländern (und insbesondere im Vergleich zu unseren direkten Nachbarn) ein insgesamt sehr liberales Regime. Ja, wir haben zwar eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, aber keine generelle in Läden, keine in Restaurants. Wir hatten nie eine Ausgangssperre und es ist auch keine absehbar. Alle die nun von Corona-Diktatur reden, denen wünsche ich, dass sie nie in einer Diktatur leben müssen. Und ja, natürlich sind gewisse Massnahmen nicht leicht nachvollziehbar oder in sich sogar widersprüchlich. Aber bei der Corona-Prävention geht es wohl letzten Endes um eine simple Reduktion der Anzahl ungeschützter Kontakte (also hilft eben jede getroffene Massnahme, auch wenn eine andere nicht getroffene weiter munter vor sich hin schadet) und einfache Regeln (#stay(thefuck)home) sind einfacher zu kommunizieren und umzusetzen als komplizierte.

Uns geht es immer noch gut

Bei allen wirtschaftlichen Hindernissen und Rückschlägen, welche Corona mit sich bringt, geht es uns in der Schweiz immer noch verhältnismässig gut. Die Schweiz ist auf hohem wirtschaftlichem Niveau in die Krise gestartet. Die Schweiz hat sehr rasch ein Hilfspaket zur Verhinderung wirtschaftlicher Schäden geschnürt. Und die Schweiz hat einen gut ausgebauten Sozialstaat, welcher Schäden zumindest wirtschaftlich gut abfedert. Also sollten wir bei allem Aerger, bei aller Ungeduld und bei aller Frustration nicht vergessen, dass es uns unter dem Strich wohl immer noch verhältnismässig gut geht.

Womit ich überleite zu Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns (ok, leicht holprig, ich gebe es zu): Grundsätzlich mal allen Menschen in Entwicklungsländern, denen ging es schon ohne Corona wirtschaftlich massiv schlechter als uns. Und jede wirtschaftliche Einschränkung führt sofort zu einer existentiellen Krise. Und bei der Frage, ob man was essen oder die Kinder zur Schule schicken kann, entscheiden sich viele Eltern dann wohl verständlicherweise für das Essen. Womit sich dann auch eine Schulschliessung als Pandemievorsorge erübrigt.

Und hier setzt nun das Schulprojekt von 4Africa in Malawi an. Wer sich grad fragt, wo Malawi liegt, dem oder der helfe die Karte:

Quelle: google maps (Screenshot)

Wiederum für die eiligen Leser geht das so: Das Projekt läuft seit 2012, mehrere einfache Schulhäuser wurden erstellt, primär mittels Schulpatenschaften wird der Unterricht für rund 300 Kinder (darunter 50 Waisen) finanziert. Im Lauf der Zeit wurde die Ausstattung unter anderem mit einer Bibliothek erweitert. Nun wird das Gelände um einen landwirtschaftlichen Teil zum Anbau von Mais und Gemüse ergänzt. Dies schafft Arbeitsplätze, ermöglicht Ausbildung im Landbau und sichert den Schülern eine Mahlzeit pro Schultag. Nun benötigt das Projekt unter anderem für Wasserleitungen oder ein kleines Wächterhaus noch rund CHF 20’000. Für die nicht ganz so eiligen Leser findet sich die ausführliche Umschreibung inkl. eines Videos hier.

Wer nun also auch zum Schluss kommt, dass dies doch eigentlich eine recht gute Sache (also ja, sie ist sogar wirklich verdammt gut, aber es reicht, wenn Du sie gerade recht gut findest) sei, der finde Spendenmöglichkeiten über #Projekt3360 hier rsp. in der leicht gekürzten Fassung hier. Selbstverständlich sind auch direkte Spenden an 4Africa genauso erwünscht wie geschätzt, die Kontoangaben hier. Und wer kein Geld geben kann oder mag, der verschickt vielleicht diesen Beitrag via whatsapp oder teilt ihn in den sozialen Medien. Denn wie immer gilt: Auch ein in den sozialen Medien geteilter Beitrag ist ein Beitrag.

Next stop: no stop, muss ja weiterlaufen, es fehlen mir Stand heute noch genau 1000 KM.

Cheers, mates

Von der Sache mit der App

In meinem letzten Artikel (wenn Du jetzt geklickt hast, dann hast Du in etwa gleiche Aufmerksamkeitsspanne wie Donald Trump – herzliche Gratulation) habe ich ja zu erklären versucht, dass wir aus meiner Sicht weiterhin 1. die Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen und dabei 2. Wege wählen sollten mit möglichst tiefen sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen (Neben-) Kosten. Daher meine Erkenntnis, dass es weniger „weh“ tut, im Zug oder beim Einkaufen eine Maske zu tragen, als nicht mehr ins Restaurant zu können oder Geisterspiele im Fussball anzusehen – oder gar wieder einen (partiellen) Lockout zu haben.

Seine Ausbreitung wollen wir vermeiden

Weiterer Teil der Eindämmungsstrategie ist ja das konsequente Contact Tracing. Das heisst in etwa so viel, dass eine Person mit positivem Corona-Test nach all ihren näheren Kontakten in letzten Tagen befragt wird. Diese Kontakte werden dann angerufen und aufgefordert, sich selber zu isolieren und/oder (hoffentlich negativ) testen zu lassen, um nicht weitere Personen anzustecken.

Soweit so gut und die entsprechenden Kapazitäten sind gegenüber der ersten (hoffen wir, dass sie die einzige bleibt, mein Optimismus ist (nennen wir es mal) überschaubar) Welle massiv ausgebaut in allen Kantonen. Nun ist dieses manuelle Tracen erstens sehr aufwändig (also die Befragung der einzelnen Person und das Abtelefonieren dieser Kontakte) und zweitens nie vollständig. Eine positiv getestete Person kann nur Kontaktpersonen angeben, welche sie kennt. Kein Problem beim gemeinsamen Restaurantbesuch mit einem Freund, auch kein Problem bei der Bürokollegin, wohl auch recht einfach in Bezug auf die Teilnehmenden an einem hippen Networking-Event von coolen Start-Up-Foundern im Bereich der aufstrebenden digital Life Coaching-Branche (kurzes Selbstlob hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz: Diese Anlassumschreibung finde ich gerade wieder mal saumässig gelungen).

Aber durchaus problematisch in Bezug auf den unbekannten lustigen Engländer von der Alstom, mit dem ich mich im Mr. Pickwick-Pub in Baden (genau, im legendären Piwi, welches noch genau so aussieht wie vor 25 Jahren und dabei war es schon damals leicht schmuddelig) so blendend unterhalten habe. Auch problematisch in Bezug auf den laut (und vor allem saumässig gescheit, so viele englische Fremdwörter wie lean, team, stream, am liebsten in der ververbten Form wie „mir müend das jetzt einfach konsequent leane“) telefonierenden Sitznachbar im vollen Zug nach Zürich (und eine Maske habe ich ja auch nicht getragen, obwohl es an dieser Stelle vor wenigen Tagen ja so eindringlich empfohlen wurde). Und auch problematisch in Bezug auf die attraktive 30jährige, welche ich stylish aufgemotzt an der SaNaPa faktisch niedergeflirtet habe, welche mir ihre Nummer aber trotz aller Ueberredungskünste einfach nicht geben wollte. Nun kann ich ja argumentieren, dass ich auch gar nicht zu wissen brauche, wenn eine mir unbekannte Person Covid-positiv ist, weil ich am nahen Kontakt ja dann eh nichts mehr ändern kann und folglich auch positiv (mit oder ohne Symptome) oder nicht bin. Eine gleich doppelt sehr egoistische Denkweise, denn erstens gefährde ich damit alle mir nahe stehenden und nahe kommenden Personen (sei es bei der Arbeit, z.B. in einem Beruf, welcher Distanz nicht zulässt) oder bei meinen Liebsten, mit denen ich allenfalls ja sogar zusammenwohne oder im Falle der Eltern mal zusammengewohnt habe. Und zweitens verhalte ich mich damit schlicht unsolidarisch mit der „Restschweiz“, welche alles unternimmt, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten und dafür ja grosse (wirtschaftliche) Nebenwirkungen in Kauf nimmt.

Da ich ja nicht unsolidarisch sein will, gehen wir mal davon aus, dass ich grundsätzlich wissen möchte, wenn positiv-gefährdet bin, entweder um mich hoffentlich negativ testen zu lassen oder mich sonst zu isolieren. Und hier kommt nun diese Covid-App ins Spiel, welche mir ja mit gewisser Wahrscheinlichkeit (nein, 100 % Sicherheit gibt es logischerweise nicht, aber nicht alles Unperfekte ist deswegen gleich unterirdisch schlecht) melden würde, wenn eine mir nahe gewesene Person (und eben auch die, die ich nicht kenne) positiv ist. Smart oder?

Verfügbar ab 25.06.2020, weitere Informationen hier

Trotzdem gibt es Argumente gegen das Herunterladen dieser App. Meine persönlichen Favoriten: „ich habe kein entsprechendes Gerät“ – ja solche Personen gibt es ganz sicher. Aber ganz sicher nicht die 11 %, welche diese Antwort in einer Umfrage des Tagesanzeigers gewählt haben. Einfach: Wenn Du diesen Blog auf Deinem Smartphone liest, dann hast Du vermutlich ein passendes Gerät. Nummer zwei: „es funktioniert über Bluetooth, dann ist mein Akku schneller leer“. Rein technisch gesehen korrekt. Auch die modernste Version von Bluetooth benötigt ein wenig Strom, folglich entleert sich der Akku ein wenig schneller. Aber: Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Gruppen von Smartphone-Nutzern: Fast-nie-und-nur-im-Notfall-Nutzer wie meine Mutter, deren Akku sowieso locker einen Tag hält. Und mega-viel-die-ganze-Zeit-auf-den-Bildschirm-Starrer-und-dazu-(mit-Bluetooth)-über-die-coolen-Air-Pods-laut-Musik-Hörer, bei denen der Zusatzverbrauch (also die Zeit, in denen sie gerade nicht Musik hören oder Filme schauen) quasi irrelevant ist, weil sie eh nur mit Zwischenladungen durch den Tag kommen. Ja, genau, und dann gibt es noch die 0.0001% der Bevölkerung, deren Akku jeweils genau beim zu Bett gehen von 2 % auf 1 % wechselt, weil sie auch sonst ihre Energie immer opitmal einteilen. Falls Du zu dieser Gruppe gehörst, akzeptiere ich Deine Ausrede. Bitte ab heute jeden Abend ein Screen-Shot mit Akku-Anzeige an mich. Danke.

Nun aber zu meinen absoluten Favoriten: Den Datenschutz-Aposteln, welche irgendwie verwandt scheinen mit den Verschwörungstheoretikern. Zuerst ganz kurz: Die App zeichnet auf dem Gerät auf, welchen anderen Geräten Du nahe gekommen bist. Dabei interessiert sich die App nicht dafür, wer Du bist, faktisch interessiert sie sich nur für den Standort des Gerätes relativ zu anderen Geräten, egal ob im Zug, an der SaNaPa oder im Piwi. Aber sogar wenn: Es ist der Schweizer Staat, der hier Daten auswerten würde, wenn denn die schiere Menge individuell auswertbar wäre und es jemanden interessieren würde. Und die Auswertung würde (wenn sie denn stattfände) ja maschinell stattfinden, oder meinst Du, dass sich Simonetta Somuaruga jeweils am Abend mit Alain Berset (oder allenfalls Bill Gates) zusammensetzen würde, um dann zu sagen: „Du, lueg, dä Heiri, dä Saucheib isch scho wieder im Piwi. Debi hät er doch am Trudi gseit, er segi hüt im Turnverein“.

Darum geht es aber gar nicht. Es geht darum, dass jeder Smartphone-Nutzer und jede -Nutzerin sowieso schon viel mehr Spuren hinterlässt, als Simonetta und Alain je kennen wollen. Ja, alle Apple-Pay-Bezahler (die dann aber im Restaurant keine Nummer hinterlassen wollen bei der Reservation, übrigens auch die, welche per Karte bezahlen) und alle Facebook- (und damit auch Insta- und Whatsapp-) Nutzer hinterlassen Spuren (vor allem diejenigen, welche bei so lustigen Spielen Religion, Einkommen, sexuelle Orientierung sowie Unterhosefarbe hinterlassen, um dann herauszufinden, dass sie im nächsten Leben ein dreibeiniges Einhorn sein könnten). Auch alle die begeisterten Besteller bei Wish und Ali-Express (weil es eben so viel günstiger ist dort – was Menschenrechte oder Umweltverschutzung in China? hä?) hinterlassen viele Daten genauso wie alle Leser meines Blogs (ja, genau, WordPress weiss jetzt, dass Du hier warst, ich persönlich weiss es trotzdem nicht, aber ich freue mich über Deinen Besuch). Wenn das alles also nicht auf Dich zutritt (einfach gesagt: wenn Du das also gerade auf einem Desktop gelesen hast), dann hast Du die Legitimation, die App App sein zu lassen und Dich und Deine Daten zu schützen. Maximal 1% der Leser hier.

Alle anderen (also die verbleibenden 99%): Bitte legt Euch diese App zu, sie entfaltet ihre Wirkung offenbar nur, wenn ein substantieller Teil der Bevölkerung und vor allem die Aktiven mitmachen. Es braucht also uns alle! Löscht dafür zwei, drei andere Apps, welche ihr nicht mehr nützt. Damit tut ihr was Gutes für Euch und für die Schweiz und gleichzeitig reduziert ihr sogar Eure Spuren im Netz ein wenig. Smart, hä?

Danke – und bliebed gsund!

next stop: sag ich Euch sicher nicht, das ist meine Privatsphäre! 🙂

Cheers, mates

Meine Gedanken zum Start der Bundesliga

Nun, ich bin nicht der ganz grosse Fussballfan. Als Kind gewann der FC Wettingen mein Herz, der es genau einmal in den damaligen Uefa Cup schaffte, dort überraschend die erste Runde überstand und dann nur ganz knapp gegen das grosse Napoli mit Diego Maradona ausschied (wahlweise, weil sie auswärts zweimal das leere Tor nicht trafen oder neben der gegnerischen Mannschaft auch noch gegen einen Schafsziegel von Schiedsrichter anzutreten hatten). Nun, 1993 ging der FC Wettingen in Konkurs und ausgerechnet in jenem Jahr feierte der lokale Konkurrent aus Aarau seinen einzigen Meistertitel.

Zwischenzeitlich hat sich mein Fussballkonsum auf gelegentliche Besuche im altehrwürdigen Brügglifeld des ehemaligen Meisters aus Aarau reduziert. Daneben verfolge (verschlafe) ich gerne das jeweilige Spiel der Schweizer Super League am Sonntagnachmittag. Und wenn die Schweizer Nationalmannschaft wieder einmal vor dem ganz grossen Durchbruch an einem grossen Turnier steht (und diesen dann ganz knapp doch nicht schafft), dann werde ich für zwei Stunden zum ganz grossen Modefan

Die Bundesliga ist die einzige ausländische Liga, welche ich mehr oder weniger verfolge. Nein, ich habe kein Abo bei Sky und brauche auch keine Konferenzschaltung, aber die Sportschau am Samstagabend schaue ich mir gerne an. Nicht, dass ich Termine um sie herumlegen würde, aber wenn ich eh grad zu Hause bin, dann schaue ich sie mir an.

Auch live habe ich die Bundesliga schon gesehen. Zum ersten Mal zum Mal gegen Ende des letzten Jahrtausends im Olympiastadion in München, ganz spontan, als ich eh in München war. Ja, genau, damals konnte mal am Spieltag zum Stadion gehen und sich ein Ticket an der Tageskasse kaufen. Und dann war ich eher zufällig beim ersten Spiel des grossen Pep Guardiola als Bayern-Trainer dabei. Das war dann schon die Allianz-Arena mit riesigem Fanshop und irgendwie amerikanischen Verhältnissen: sehr gesittete, ruhige Zuschauer, welche bei einem Tor wie auf Knopfdruck zwei Minuten wie die verrückten jubeln und sich dann brav wieder hinsetzen.

So und jetzt ist die Bundesliga gerade in Zwangspause. Was insofern schade ist, alsdass ich ja nun eigentlich immer am Samstag zu Hause wäre und wunderbar Zeit für die Sportschau hätte. Aber eben: für mich als maximal scheu Interessierten gibt es aktuell auf der Welt grössere Probleme als den fehlenden Fussball. Ich kann aber nachvollziehen, dass die Sportpause andere mehr und härter trifft.

Darum kann ich auch nachvollziehen, dass die Bundesliga wieder starten will. Wobei ich ihr mal unterstelle, dass sich ihre Sorgen eher um entgehende Fernsehgelder als um Entzugserscheinungen von Fans drehen. Aber wie wird die Bundesliga denn konkret restarten?

Das komplette Sicherheitskonzept habe ich nicht gefunden, es sickern aber laufend Details in den Medien durch. Zuerst sollen also alle Mannschaften bis zum Start unter Quarantäne trainieren. Das kann ja durchaus funktionieren. Sicher ist dies aber nicht, denn Fussballer sind junge Männer aus sehr unterschiedlichen Kulturen (und sprechen unterschiedliche Sprachen), insofern wird sich zeigen, inwiefern sich diese sehr heterogene Gruppe kontrollieren lassen wird. Der Fall aus Berlin hat zumindest nicht gerade überoptimistisch gestimmt. Auch sollen regelmässig alle Spieler und Betreuer getestet werden, hört sich vernünftig an, ist aber bei beschränkten Testkapazitäten eher mässig sinnvoll. Gemäss Konzept soll ein positiv getesteter Spieler isoliert werden. Gesundheitsämter können aber weitergehende Massnahmen verfügen, wie gerade geschehen in Dresden. Ja, und wenn es ein paar mal passiert, dass ganze Mannschaften zwei Wochen pausieren müssen, dann wird der sehr ambitionierte Spielplan dann irgendwann sehr eng.

Die Spiele sollen als Geisterspiele, also ohne Zuschauer, stattfinden. Und verkommen damit halt stimmungsmässig zu Testspielen. Ein Beispiel: der FC Basel hat am 12. März im Rahmen der Europa League auswärts in Frankfurt (bereits ohne Publikum) gleich mit 3-0 gewonnen. Ohne alle Archive zu durchforsten, würde ich dies als einen der grössten Siege einer Schweizer Mannschaft auf Deutschem Boden bezeichnen. Stimmung: wie bei einem Testspiel. Bei mit ausgelöste Emotionen: wie bei einem Testspiel. Erinnerungswert: wie bei einem Testspiel. Was die Geisterspiele nicht verhindern können: dass sich Fans versammeln, sei es vor dem Stadion, in Bars und Kneipen oder zu Hause. Und dann bei einem Tor auch zusammen jubeln. Und gemeinsam Bier zu trinken geht mit Maske genau so wenig wie gemeinsam über ein Tor zu jubeln mit Abstand.

Spannend auch die Regeln für die Spieler: Einlauf ins Stadion zeitversetzt, kein Abklatschen und schon gar keine Unarmungen. Auch nicht beim Torjubel: dort ist ‚Abklatschen‘ mit Ellbogen oder Füssen erlaubt. Hört sich ja alles vernünftig an. Aber wie sollen Zweikämpfe genau funktionieren? Oder wie soll ein Verteidiger mit dem gegnerischen Stürmer bei einem Eckball verfahren? Oder wie soll Abstand gehalten werden, wenn bei einem Freistoss eine Mauer gebildet werden soll? Also sind die Einlauf- und Torjubel-Regeln aus meiner Sicht eine Maskerade, welche nichts daran ändern, dass Fussball ein Kontaktsport ist und bleibt und damit ganz grundsätzlich mal mässig Corona-tauglich.

Was aber die ganze Diskussion rund um den Restart der Bundesliga nicht berücksichtigt: warum eigentlich gerade Fussball und warum eigentlich nur die Männer? Rein in Bezug auf die Ansammlung von Fangruppen (egal wie und wo) gibt es wohl nichts weniger geeignetes als Männerfussball in Zeiten von Corona. Aber vermutlich hat die finanzielle Stärke, gutes Lobbying, die Sehnsucht nach ein wenig Normalität und die Lust der Fans auf Fussball über die rein wissenschaftliche Pandemie-Eindämmung gesiegt. Was ich nicht einmal falsch finde, irgendwie werden wir wohl noch eine Weile mit diesem Virus leben müssen und daher müssen wir uns wohl langsam und behutsam in Richtung neue Normalität vortasten.

Wie es in der Schweiz weitergeht, ist übrigens noch nicht entschieden. Hier sind die Fernsehgelder offenbar so tief, dass sich die Clubs nicht einmal einig sind, ob sich Geisterspiele wirtschaftlich überhaupt lohnen.

Next Stop: Sportschau. Cheers, mates

Unmöglich, dass ich einmal Ueli Maurers Meinung (fast) uneingeschränkt teile – aber Corona macht alles möglich

Ja, unser Finanzminister ist wohl eines der beliebtesten Parodie-Opfer der letzten 20 Jahre. Seine clowneske Frisur (welche mit der Kürze ein wenig an diesbezüglicher Würze verloren hat) machte ihn mit oder ohne rote Nase sofort erkennbar.

Quelle: svp.ch

Viktor Giaccobo (den meine Mutter in seinen Anfängen konsequent Giacomo nannte) liess Ueli jeweils nach Uebervater Christoph rufen (weil er grad fragen musste, ob er a) für den EU-Beitritt stimmen soll, b) einem Bundesrat die Hand schütteln soll oder c) rasch zur Toilette dürfe). In einer angeblichen Kindersendung wurde er zum lustigen Mittanzen beim „Ringel-Ringel-Reihe“ animiert genötigt und liess dies gnädig über sich ergehen (der link dazu hier). Ganz generell liess er alles in fast schon stoischer Ruhe über sich ergehen, also zumindest eine dicke Haut hatte er wohl immer.

Quelle: srf.ch

Nur einmal schaffte es Roger Schawinski, ihn aus der Fassung zu bringen, so sehr, dass er kurzerhand das kleine Studio von Tele 24 verliess (wobei ich diese Aktion immer im Verdacht hatte, dass sie abgesprochen war, da das Skandälchen beiden Protagonisten nützte (und irgendwie einstudiert wirkte)). Dass dieser Mann mal Bundesrat werden würde, war etwa so ausgeschlossen wie a) dass die SVP je für eine konstruktive Zusammenarbeit mit Europa wäre, b) ein Dunkelhäutiger US-Präsident würde oder c) Uebervater Christoph selber Bundesrat werden könnte. Nun, die Geschichte lehrt uns ja manchmal, dass unmögliche Dinge möglich sind, in Bezug auf die Zusammenarbeitsfähigkeit der SVP besteht ja allenfalls auch noch Hoffnung.

Nun, Ueli wurde Bundesrat. Sein Start im VBS ziemlich holprig, seine Aussage zur „besten Armee der Welt“ wurde mehr zum Kalauer als zum Ziel, den Kampfjet (-Prototypen) aus Schweden versenkte er in einer Volksabstimmung kollosal (sorry, Ueli, ich habe zu Deiner Niederlage beigetragen). Bei einer Interviewanfrage hatte er auch mal schlicht ‚kä Luscht’. Wie er genau den Finanzolymp erklimmen konnte, ist mir eigentlich eher unerklärlich. Aber aus meiner Sicht hat der Mann seither klar an Format gewonnen. Die Finanzen hat er gut im Griff, die Ueberschüsse waren immer höher als prognostiziert (was keine besondere Qualität ist, aber politisch grundsätzlich nicht ungeschickt, wenn man seinen Finanzhaushalt im Griff haben will).

Nun, bei Corona war er nicht grad der grosse „Bringer“. Angeblich soll er gegen einen Lockdown gewesen sein und sein Interview in der NZZ (die ja auch total gegen zu viel staatliche Hilfe ist, dann aber trotzdem die hohle Hand machte – was sie den Ertrag meines Abos der NZZ am Sonntag kostete) ritzte das Kollegialitätsprinzip aufs äusserste Maximum, was ich besonderns in einer Krisensituation (höflich ausgedrückt) schwierig finde. Bei seiner Finanzhilfe neigte er zur Uebertreibung (angeblich waren an besagten Sonntagmorgen nicht dreihundert sondern nur hundert Bankchefs am Telefon, aber ist ja immer noch recht viel), bei der angekündigten Durchlaufzeit für einen Covid19-Kredit war er dann mit der genannten halben Stunde doch arg optimistisch oder forsch.

Aber mit seiner kurzen Speech (link hier) vor dem Nationalrat (mehr: sein Appell an die Damen und Herren Parlamentarier) vom Mittwochabend riss er es irgendwie heraus. Und ja, eben, obwohl ich es nicht für möglich gehalten hätte, muss ich ihm für einmal einfach komplett und umfassend (naja, ok, dass die Schweiz den besten Wein hat war wieder so eine kleine Uebertreibung, aber die will ich ihm mal nachsehen) recht geben: Lasst uns die Beerdigung(sstimmung) beenden, lasst uns das Leben und den Sommer und unser schönes Land und von mir aus auch den Wein geniessen. Und lasst uns Geld ausgeben: die Rezession wird nicht weniger schlimm sondern schlimmer, wenn jetzt alle möglichst viel Geld zur Seite legen. Lasst uns dabei aber Abstand und Hygiene halten und lasst uns vor allem die Risikogruppen weiter möglichst gut schützen.

Wobei hier der Appell wohl ein wenig zu spät gekommen ist. Angeblich feierten ja rund fünfzig solche Parlamentarier am Dienstagabend zusammen eine lustige, bierseelige und gesellige Corona-Party im Bea-Restaurant, nachdem sie schon während des Tages intensive Diskussionen in dicht beieinanderstehenden, mittelgrossen Gruppen hatten führen müssen. Was Roger Köppel (vielleicht war er sauer, weil er nicht eingeladen war) und Christoph Mörgeli (er wohl sauer, dass er quasi von den Wählenden des Kanton Zürich ausgeladen wurde) und mich mit ihnen recht sauer machte. Also fast schon unglaublich: Ich stimme in Zeiten von Corona sogar mal (und wirklich nur in dieser Sache) mit Köppel und Mörgeli überein. Zumindest interessant, dass auf meinen entsprechenden Tweet zu dieser angeblichen Party bisher mit Thierry Burkart und Lilian Studer (bei ihr war ich recht sicher, dass sie nicht dabei gewesen war) erst zwei eine Teilnahme an dieser dementierten. Was mich zum Umkehrschluss führt, dass – aber ich will ja nicht so böse sein und verzichte darum auf Unterstellungen.

So, dies eine weitere kleine Corona-Geschichte. Geniesst den Sommer und das Leben – bleibt trotzdem auf Distanz – wascht bitte weiter brav die Hände – und vor allem: bleibt gesund.

Next Stop: Home (noch bis Montag)

digitaler Unterricht – durch einen „digital idiot“ – ja, genau ich meine mich

Nun, ich bin ja nicht gerade bekannt als der digitale Ober-Nerd. Die Installation des ersten (damals noch analogen) Internet-Anschlusses kostete mich einiges an Schweiss (allenfalls waren es sogar Tränen). Der Wechsel zur damaligen Cablecom (welche dann später zur absoluten Hass-Firma der Schweiz wurde und sich darum (weiss nicht, ob es darum war, aber es hört sich irgendwie logisch an) später in UPC umbenennen musste) war so komplex, dass ich den Mann vom schicken Möbelhändler aufbieten musste zwecks Hilfestellung. Er schaltete meinen Laptop einmal aus und wieder ein und schon waren wir „drin“. Ja, irgendwie hat wohl alles im Leben mit dieser viel zitierten Aura zu tun.

Das erste elektronische Gerät, welches ich wirklich gerne mochte, war mein Iphone 4. Und so habe ich mich zwischenzeitlich bis zur 10 (sorry X) hochgearbeitet, ein wenig frustiert davon, dass meine Mutter sich nun mal locker das Nachfolgemodell angeschafft hat. Nun kann ich also ein superintuitives Produkt wie ein IPhone (IPad kann ich übrigens auch) bedienen, bleibe aber tendenziell immer noch überfordert davon, das Telefon bei meinem Lieblingsarbeitgeber auf meine Lieblingsstellvertreterin umzuleiten.

Insofern war der totale Shutdown und damit die Instruktion meines zweiten Lieblingsarbeitgebers zum virtuellen Unterrichten ein ziemlicher Schock. Hätte ich gewusst, wie einfach das geht, hätte ich mir die schlaflosen Nächte (ja, ok, grad ganz so schlimm wars nicht, aber ein wenig übertrieben habe ich ja schon immer) mit gutem Gewissen sparen können. Da zu Beginn noch keine Lösung seitens der Schule bereit stand, hielt ich meine ersten Schulstunden via zoom ab (ja genau, das zoom, bei dem ja zwischenzeitlich offenbar jede amerikanische Regierungsbehörde mitgehört hat – macht aber nichts, solange der #AmericanIdiot dort an der Macht ist, habe ich eh nicht vor einzureisen). Nach zehn Minuten hatte ich es mehr oder weniger begriffen und bereits eine tollen virtuellen Hintergrund installiert.

Und nach weiteren zehn Minuten war mein erster Testlauf mit dem immer nach Gastauftritten lechzenden Marco absolviert.

Marco: tief beeindruckt!

Auch die erste Schulstunde funktionierte sehr gut und dies obwohl ich mit der technischen Minimalvariante ab IPhone antrat. Terminaufsetzung sehr einfach, Ton- und Bildqualität gut, sharen (sharing is caring) von Inhalten selbsterklärend. Später setzte die HKV Aarau eine Lösung mit Microsoft Teams auf. Und obwohl der böse Bill Gates gewisse Funktionalitäten Benützern von Geräten seines Erzfeindes Steve Jobs (may he rest in peace) verwehrt, ist auch Teams einfach und gut anzuwenden. Zusätzlich bietet es die Möglichkeit, Dateien abzulegen, also quasi ein integriertes Share Point oder eine Drop Box. Was ich bei Teams vermisse (und was zoom bietet), ist die Möglichkeit, sich mittels „Hand hochhalten“ zu melden oder mittels Applaus einen Beitrag zu wertschätzen.

Nun, ich musste mich ein wenig an den virtuellen Unterricht an sich gewöhnen. Wenn man als Dozent etwas vorstellt, muss man erst einmal damit umgehen können, dass man nur sich selber reden hört (ja, normalerweise höre ich mich ja schon am liebsten selber reden, aber nicht grad stundenlang) ohne jegliche Möglichkeit des Feedbacks. Könnte man etwas reduzieren, wenn man die Studenten zwingen würde, ihre Kameras einzuschalten. Aber die Studenten sind ja Kunden, daher ist ihre Privatsphäre zu respektieren. Das klassische Lehrgespräch ist auch ein wenig anders: Normalerweise stellt man ja einfach eine Frage in den Raum und schaut dann, wer es kaum erwarten kann, seine Meinung zu äussern – oder wer grad intensiv mit seinem Smart Phone beschäftigt ist und daher einen wake up call benötigen könnte. Im virtuellen Unterricht muss man konkret jemanden aufrufen – hat aber auch den Vorteil, dass ja alle (immer und jederzeit und ohne jegliche Vorankündigung) aufgerufen werden können und daher aufmerksam bleiben müssen. Und damit ich mich möglichst nicht dem Verdacht aussetze, immer die gleichen (oder die einen gar nie) aufzurufen, lasse ich jeweils den sprechenden Studenten gleich den nächsten aufrufen.

Auch Gruppenarbeiten funktionieren wunderbar. Und obwohl Teams mir als Konkurrenz-Nutzer die Funktion von Sub-Teams nicht bietet (vielleicht habe ich sie auch einfach noch nicht gefunden), löse ich das mit whatsapp. Sprich ich formiere Gruppen und diese connecten sich ausserhalb des Calls über die whatsapp-conference-Funktion. Technisch einwandfrei. Allerdings entfällt nach Start der Gruppenarbeit die Interaktion, sprich es können keine Fragen mehr gestellt werden. So musste ich gestern feststellen, dass meine äusserst liebevolle Instruktion für die praktische Anwendung meiner liebsten Kreativitätstechnik 6-3-5 (über die habe ich übrigens damals im SVEB I bei der Lernwerkstatt Olten meine Minilektion gehalten – und bestanden – bin immer noch schaurig und schampar stolz drauf) wohl nicht liebevoll genug gewesen war und von drei Gruppen genau 0 (in Worten: null) den Ablauf verstanden hatten. So konnte ich der Klasse halt nur die Erkenntnis anbieten, dass eine gute Instruktion Grundbedingung für jeden Auftrag ist (ok, hätten sie wohl auch ohne dieses Erlebnis verstanden, aber sie waren so höflich, richtige Begeisterung für diese Erkenntnis zu zeigen (ich glaube, dass sie nahe an einem virtuellen Ueberkopfklatscher waren)).

Wunderbar am virutellen Unterricht ist, dass Unterrichtsende + 10 Sekunden = Bieröffnung. Die gesparte Zeit kann ich einsetzen, um meinen Studenten die Möglichkeit zu geben, mir Aufgaben via mail oder als Foto via whatsapp zu schicken und direkt ein Feedback zu erhalten. So können wir die nicht vorhandene Möglichkeit von „Du, häsch gschnäll e Minute?“ mehr oder weniger kompensieren. Und etwas, was ich auch nach Corona beibehalten werde: eine whatsapp-Chatgruppe mit jeder Klasse. Sehr einfache und praktische Möglichkeit, um Unklarheiten zu klären, an Hausaufgaben zu erinnern oder um mal etwas Vergessenes zu erinnern.

Fazit: Wenn ich das kann, kann es nicht so schwierig sein. Grad Kurse in virtuellem Unterricht werde ich wohl nicht anbieten, aber ich schlage mich (persönliche Einschätzung hart an der Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz) so weit so erfolgreich durch.

Hoffentlich next stop ab 08.06.: real class room. Cheers, mates.

100 Tage 2020 – über Corona, Arbeitswege, eine abgebrochene Skisaison und einkaufende Rentner

Nun, das Jahr 2020 begann so weit ja so normal: alle stiessen im Astoria zu Arosa (mein Lieblingshotel, dem ich seinen ganz eigenen Beitrag gewidmet habe) mit von Jasmin (welche ja eigentlich Chantal heisst, aber immer böse wird, wenn man es Schantall ausspricht) servierten gekühlten, kohlesäurehaltigen Getränken auf das neue Jahr an und Oli gab den ‚Highway to hell‘ zum Besten (ja, wenn wir damals schon gewusst hätten, dass wir gerade auf die Schnellstrasse in Richtung Hölle einbogen, zum Glück wussten wir es nicht). Das Wetter war wunderbar, die Pisten in Arosa voll. Dummerweise stürzte ich am zweitletzten Tag saudumm (und ein zu Hause im Schrank vor sich hin mottender Rückenpanzer entfaltet eben nur begrenzte wenig keine Wirkung). Weil der Schmerz nicht besser sondern schlimmer wurde (irgendwann fühlte es sich an, als hätte mir jemand ein Messer in den Rücken gerammt (schlimmer als jede Männergrippe)), suchte ich mit einer Woche Verspätung sogar die Notfallaufnahme im Kantonsspital Baden (für Insider: ja, genau, Knipser Knuser umschrieb es der Einfachheit halber mal als das grosse Haus, wo man hingeht, wenn man krank ist) auf (damals, als man das noch ohne Voranmeldung zur Notaufnahme durfte). Wartezeit schlappe 3 Stunden, denn immer als ich fast dran gewesen wäre, wurde wieder ein (offenbar anderweitig schwer gestürztes) schreiendes Kind mit blutendem Kinn hereingetragen…oder so ähnlich.

Nun, die muskelentspannenden Medikamente entfalteten Wirkung (und man schläft wahnsinnig gut, so gut, dass ich nach acht Jahren tatsächlich erstmals an einem Samstag meinen Unterricht (als Dozent und nicht Student wohlverstanden) verpennte) und so fuhr ich schon bald in die nächsten Skiferien, dieses Mal mit den Fröschen, natürlich wieder nach Arosa (darüber berichtet habe ich hier). Ich steuerte direkt auf einen neuen Rekord an Schneetagen pro Saison hin. Dachte ich.

Das nächste Skiwochenende in Arosa war dann ein wenig überschattet von fast schon unzähligen Telefonkonferenzen infolge dieses Corona (und von einem weiteren, noch dämlicheren Sturz, bei welchem ich mir die Rippen auf der noch unversehrten Seite quetschte). Ehrlich gesagt fand ich die Massnahme meines Lieblingsarbeitgebers leicht übertrieben, Teams auf verschiedene Standorte aufzuteilen und ein Kontaktverbot zwischen den Standorten zu erlassen. Naja, im Nachhinein war es sogar untertrieben, bald verschoben wir so viele Mitarbeitende wie irgendwie möglich ins Home Office. Mit dem angenehmen Nebeneffekt massiv verkürzter Arbeitswege.

Das traditionelle Männerskiweekend Mitte März war dann kein Skiweekend mehr. Gleich am Freitag beendete der Bundesrat die Skisaison (was ein paar Schlaumeier im Kanton Bern leider so sehr missverstanden, dass sie erst am Samstag schlossen), die Restaurants wurden auf 50 Gäste begrenzt und am Montag dann ganz geschlossen. Alles soweit erträglich, irgendwie einfach doof, dass ich am folgenden Dienstag den dringend notwendigen Termin bei meiner Lieblingscoiffeuse gehabt hätte (und hier braucht jetzt wohl niemand eine Erklärung des Konjunktivs).

heutiger Zwischenstand in der Corona Hair Style Trophy

Ich habe jetzt dafür mehr Zeit, Social Media zu pflegen und bin tatsächlich wieder einmal von Watson zitiert worden (und zwar in der Rangliste der 30 lustigsten Corona-Tweets, ok, nur Rang 29, aber hätte es einen zweiten Lauf gegeben, hätte ich Stile eines Ingemar Stenmark angegriffen und das Feld von hinten aufgerollt, aber es gab ja keinen zweiten Lauf). Dies erwähne ich hier übrigens nur, damit ich Watson taggen kann und so meine Chancen erhöhe in der Liste der 30 besten Corona-Blogger zu erscheinen.

Der (ein wenig) Ruhm und Ehre bringende Tweet

Aber Corona hat ja auch schöne Seiten: Ich kaufe nun für zwei Personen aus der Risikogruppe ein und mittlerweile haben wir das Übergabeprozedere so weit perfektioniert, dass sogar ein Bier unter Einhaltung von maximalen Distanzregeln möglich ist. Einfach nur eins, damit ich wieder zu Hause bin, bevor das Bier auf die Blase drückt und ich das Haus der Risikoperson nicht betreten muss. Virtuelle Feierabendbiere finden fast schon regelmässig statt und sogar an einer ersten virtuellen Geburtstagsparty war ich dabei. Ich habe gelernt, virtuell zu unterrichten und zwar ganz alleine (was quasi eine Sensation ist, denn bei der Erstinstallation meines Internet-Anschlusses benötigte ich noch die Hilfe des schicken Möbelhändlers (aber das war so um die Jahrtausendwende).

Und das frühzeitige Ende der Skisaison wirkt sich sehr positiv auf mein #Projekt3660 aus (die zwei Gratis-Essen sind übrigens schon lange weg, ich freue mich trotzdem über weitere Spendenzusagen), mein Rückstand auf die Marschtabelle per Ostermontag wird eher bei 100 Kilometern als bei 200 liegen, was die Chancen auf eine erfolgreichen Abschluss massiv erhöht.

Was mich immer noch nervt (auch wenn die Disziplin massiv zugenommen hat): die einkaufenden Alten. Wenn ihr schon einkaufen müsst, warum nicht im Volg mit vielleicht drei Kunden? Warum zum Teufel müsst ihr in einen grossen Coop und warum zur Hölle müsst ihr beim Gemüse noch ein Schwätzchen halten? Und vor allem: Warum (why the hell) am Samstagnachmittag, wenn der Laden auch ohne Euch voll wäre? Damit ihr mal heldenhaft erzählen könnt, ihr hättet den höchsten ‚möglichst viele Viren pro Altersjahr-Quotienten‘ überlebt? Und an Grossfamilien mit vielen Kindern: Ist es sinnvoll (ratsam, schlau, intelligent) mit allen Kinder möglichst lang in diesem grossen Coop zu sein? Etwa so sinnvoll (ratsam, schlau, intelligent) wie der Rentner, der über Ostern ins Tessin fahren musste, um den Rasen seines Ferienhauses zu wässern (sorry, aber bitte what the fuck?).

Was ich sagen will? Die Kurve scheint abzuflachen, die Spitäler können aktuell die Last tragen, eine schrittweise Öffnung der Wirtschaft scheint möglich. Also haltet jetzt doch einfach diese zwei Wochen noch durch. Geht an die Frische Luft und geniesst den Frühling. Aber reduziert Eure sozialen physischen Kontakte auf das absolute Minimum. Und wenn sie absolut notwendig sind, dann bleibt auf Distanz. Und für diejenigen, welche nicht auf 5 zählen oder 2 Meter abschätzen können: bleibt einfach alleine zu Hause oder #staythefuckhome (it could save lifes).

Frohe Ostern allerseits!

2 Wochen Lockdown

Vor einer Woche habe ich ja alle, also wirklich alle, aber noch viel mehr alle Personen aus Risikogruppen, und da vor allem die teils sehr uneinsichtigen Rentner, ultimativ aufgefordert, jetzt einfach zu Hause zu bleiben. Zu Neudeutsch #staythefuckhome (ja, ok, es ginge theoretisch auch ohne fuck, aber das ist jetzt wirklich sehr theoretisch) oder auf Schweizerdeutsch wohl am ehesten „bliebed jetzt eifach mal dihei, gopfertelli!“.

Nun, eigentlich würde ich ja jetzt gerne beurteilen, ob sich nun alle brav daran halten. Aber irgendwie kann ich das nicht wirklich. Denn ich selber bin ja kaum noch unterwegs. Eingekauft habe ich diese Woche am Samstag zum ersten Mal, für mich und meine Mutter, die ich nach langem Kampf, unter anderem ausgetragen in den sozialen Medien, dazu bringen konnte, sich einkaufen zu lassen. Sogar online bestellt hat sie Lebensmittel zwischenzeitlich, leider erfolgt aber jene Lieferung erst Mitte April. Offenbar ist sie nicht die Einzige, welche jetzt die Vorteile des Online-Shopping entdeckt. Aber bei diesem Samstagseinkauf stellte ich grosse Disziplin fest: fast schon peinlich genau bemühten sich alle um Abstand, vor der Gemüsewaage wurde brav gewartet, an der Kasse Abstand genommen. Und meine Mutter wäre echt aufgefallen: ich sah genau einen Mann, den man eindeutig der Risikogruppe Rentner zuordnen konnte. Und ihm hätte ich am liebsten direkt gesagt, dass es in praktisch jeder Gemeinde nun doch freiwillige Helfer gibt, welche das erledigen.

Was weiter auffällt, dass Bahnhöfe und Züge wirklich leer sind. Wenn man sich den Wagen (nicht das Abteil) mit einer zweiten Person teilen muss, dann ist es fast schon eng. Nicht nur zu Randzeiten, auch mitten in der (ehemaligen, in Englisch: formerly known as) Stosszeit. Auf den Bänken draussen (also wir würden das ja Bänkli nennen, aber das verstehen dann meine Lieblingsmenschen von der Walfamilie wieder genau so nicht wie sie schon Polterabend nicht verstanden haben oder zumindest nicht verstehen wollten) hat es auch praktisch keine Leute mehr, teilweise sind sie aber auch abgesperrt (ja, und dann hat es halt offensichtlich keine Leute mehr, weil es keine Leute mehr haben kann). Gewisse Menschen gehen wirklich auf Distanz. Ich absolviere den Arbeitsweg jetzt teilweise zu Fuss. Und es gibt also Menschen, die die Strassenseite wechseln, damit wir uns nicht kreuzen müssen. Normalerweise nähme ich dies ja persönlich. Also jetzt auch, aber irgendwie dankbar. Mein Arbeitsweg führt zu einem guten Teil entlang der Limmat (Fluss in der Schweiz, für die nicht Ortskundigen), an manchen Stellen ist der Weg recht schmal. Und wenn man sich dort kreuzt, dann sind 2 Meter Abstand gar nicht möglich. Aber meine äusserst vernünftigen „Wegkreuzer“ (und ich auch, also ich halte mich auch für sehr vernünftig, war ich schon immer) nicken uns nur noch zu, um uns nicht versehentlich beim freundlichen „guete Morge“ virenbefallen anzuspucken.

Ja, das sind die Vernünftigen. Es gibt aber auch immer noch die Anderen. Kleine Gruppen von Jugendlichen, welche sich trotz aller Warnungen ganz nah zueinander setzen müssen auf dem Schulhausplatz. Bei denen läuft wohl zu Hause irgendetwas schief, wenn sie auch bei 5 Grad lieber draussen rumhängen und von ihren Eltern offenbar auch in keiner Art und Weise daran gehindert werden (können). Oder Frauen mit spielenden Hunden, welche ihren Sidetalk nicht aus 2 Metern Distanz führen können. Und welche mich verständlos anschauen, wenn ich sie frage, ob sie im gleichen Haushalt wohnen würden (ja, klar, es geht mich nichts an und eigentlich ist es mir frei nach Rüdiger Hofmann auch so was von egal). Und wäre ich nicht so höflich, würde ich ihnen am Liebsten #staythefuckhome ins Gesicht brüllen.

Insgesamt würde ich sagen, dass die nicht-Ausgangssperre gut funktioniert. Auch vermeldet nicht-Linguistiker Daniel Koch vom BAG (seine Erklärung, warum er den Konjunktiv nicht erklären könne, ist wohl der humoristische Höhepunk der gesamten Corona-Krise, der link zum kurzen Video hier) zwar noch keine sinkenden aber immerhin weniger steil steigende Neu-Infizierten-Zahlen, obwohl die Tests offenbar massiv ausgeweitet wurden. Wobei die grosse Bewährungsprobe noch kommt: eine leicht abflachende Ansteckungskurve könnte dazu anregen, die Disziplin ein wenig zu reduzieren. Und ein schöner sonniger Frühlingssonntag (heute wohl eher weniger) wird die Leute nach draussen treiben und ob sie dann noch Abstand halten, bleibt abzuwarten. Und sinkende Disziplin würde die Chance auf eine totale Ausgangssperre wieder massiv erhöhen und ja, ehrlich, die möchte ich auf keinen Fall.

Was wird von Corona bleiben, wenn der Virus dann mal überstanden ist? Ich denke, dass Bund und Kantone ihre Notbestände an medizinischem Material aufstocken werden (irgendwie fast schon peinlich, wie uns die Blockierung einer einzigen Lieferung an Schutzmasken durch den grossen Nachbarskanton im Norden in Nöte bringt). Alle Berufe im Gesundheitswesen werden hoffentlich (auch finanziell) mehr Wertschätzung erfahren. Home Office wird etabliert sein (auch für all die Chefs, welche vor 4 Wochen noch dachten und behaupteten, dass dies bei ihnen total unmöglich ja gar undenkbar sei). Wir alle werden bei unseren digitalen Fähigkeiten einen grossen Quantensprung gemacht haben (ich bin jetzt ja nicht grad der Ober-Techie, aber ich unterrichte jetzt virtuell ab I-Phone mit zoom (und ich kann dabei sogar #staythefuckhome als virtuellen Hintergrund einblenden, dies im Klassenzimmer jedes Mal aufzuhängen wäre massiv mühsamer) und auch wenn es noch ungewohnt und eher hölzern ist: die Technik ist dabei nicht das Problem).

Als Entschädigung für den grossen und grossartigen Einsatz in der vergangenen Arbeitswoche bekommt Teststudent Marco Ferrara einen bebilderten Gastauftritt

Und weil ja dann alle die Videotechnik begriffen haben, könnte sich die Geschäftsreisetätigkeit massiv reduzieren. Die für Ferien wohl nicht, Strandurlaub ab Video ist wohl nicht das Gleiche, aber ein dröges, internes Meeting braucht wohl wirklich keine physische Anwesenheit mehr. Und weil wir uns gerade an aus der Form gewachsene Frisuren gewöhnen (müssen), sind wir vielleicht alle ein wenig weniger eitel.

Ja, und dann frage ich mich noch, ob wir uns inskünftig noch bei jeder Gelegenheit die Hände schütteln werden (so zur Begrüssung beim Lunch, war ja eigentlich schon immer eklig). Und ob sich das ‚blieb gsund‘ als das neue ‚en Schöne‘ (habe ich nie besonders gemocht) etablieren wird.

Wir werden sehen. Bis dann gilt weiterhin: #staythefuckhome (so betitelter Beitrag von letzter Woche hier) oder bliebed jetzt eifach dihei, gopfertelli! Und dann erweist sich vielleicht sogar der neue most popular Hashtag #alleswirdgut nicht nur als zweckoptimistische Hoffnung sondern als echte Prognose.

#staythefuckhome – fast ganz ohne Abschweifer

Normalerweise beschreibe ich hier ja mehr oder weniger lustige (oder was ich lustig finde) Geschichten. Und diese Geschichten handeln meist von glatten, geselligen, manchmal lauten Zusammenkünften mit Menschen.

Dieses Wochenende wäre ich zum Beispiel mit ein paar netten Menschen nach Davos zum Skifahren gefahren. Ursprünglich waren wir eine Gruppe von 21 Personen, welche sich dann aufgrund der Split-Organisation unseres gemeinsamen Lieblingsarbeitgebers auf 12 reduzierte. Nun, mit den bundesrätlichen Beschlüssen vom 13. März wurden alle Planungen leider hinfällig, das Hotel schloss seine Saison bereits am Folgetag ab.

Es wäre lustig gewesen, da bin ich sicher. Vielleicht wäre ein Teil der Gruppe zum Ärger des Kellners wieder zu spät zum Nachtessen erschienen, vielleicht hätte gleicher Kellner mir zu erklären versucht, dass dieser penetrante Korkgeschmack genau das tolle Bouquet des bestellten Weins sei, vielleicht hätte Oli (hey, quasi ein erdachter Gastauftritt) zuerst scheu abgklärt, was eigentlich so eine Insta-Story sei und dann gleich seine erste (zum Beispiel ein Schnappschuss des gemusterten Teppichs) produziert, vielleicht hätten wir mit der Mutter von Nikki Lauda (ja, genau, Mama Lauda) getanzt, vielleicht hätten wir mit den berollten Barstühlen cool runnings gespielt, vielleicht hätte ich beim Auschecken wie jedes Jahr ein wenig Angst vor einem Hausverbot gehabt und vielleicht wäre am Sonntag bei bestem Wetter dann trotz aller Vorsätze niemand mehr Ski gefahren. Vielleicht, wäre, könnte, hätte (hätte, Fahrradkette).

Nun, wir sind nicht gefahren. Was zwar schade, aber ganz sicher nicht das grösste Problem unseres gemeinsamen Lieblingsarbeitgebers, unseres Landes oder der Welt ist. Täglich sterben mehr Menschen an Corona, täglich breitet sich Corona schneller aus, wöchentlich werden Massnahmen verschärft, die totale Ausgangssperre droht.

Mich nerven dabei zwei Gruppen von Menschen (und zwar sehr!):

1. die Besserwisser, welche vor kurzem über die Absage von Fussballspielen heulten und jetzt den Bundesrat dafür kritisieren, dass er entweder den Coiffeur zugemacht oder noch keine absolute Ausgangssperre verhängt hat. Und wenn sie ihren Unmut grad nicht kund tun, dann kaufen sie die Regale mit (bitte wählen) WC-Papier, Fiebersenkern und Tiefkühlpizzas (ausser Hawaii, dass dann doch nicht) leer. Ich richte mich direkt an Euch: mit Euren Kommentaren ruft ihr mehr oder weniger direkt dazu auf, sich nicht an die bundesrätlichen Regeln zu halten, ihr bestätigt all diejenigen, welche auch dieses Wochenende wieder lustige Grillparties feiern wollen und so direkt auf die Ausgangssperre hinarbeiten – und die Ausbreitung des Virus weiter beschleunigen. Also bitte, zwei Regeln für Euch:

#shutthefuckup and #staythefuckhome

2. die Alten (sorry, so wollt ihr über 65jährigen nicht genannt werden, also: die Reifen oder Lebenserfahrenen) welche jetzt eben doch noch selber einkaufen müssen oder doch noch Enkel hüten oder sich gegenseitig einladen. Wenn ich es direkt sagen darf: Ihr nervt mich sehr gewaltig, ich bin echt sauer auf Euch! Ihr seid Risikogruppe, ihr müsst mit grösserer Wahrscheinlichkeit in Spitalpflege oder sogar auf die Intensivstation, ihr nehmt dort (bitte selber wählen) einem Familienvater nach einem Unfall, einem kleinen Kind mit Krebs oder einer fitten Mit-Fünfzigerin mit Corona den Platz weg. Wenn es Euch egal ist zu sterben, dann tragt bitte Eure Patentienverfügung mit Verzicht auf jegliche Intensivpflege immer gut sichtbar auf Euch. Und bleibt trotzdem zu Hause, denn nur weil ihr unbedingt lebensmüde sein müsst, müsst ihr ja das Virus nicht weiterverbreiten. Wenn ihr jetzt endlich zu Hause bleibt, dann können wir vielleicht erstens die totale Ausgangssperre und zweitens die totale Überlastung der Spitäler verhindern. Also ist es für Euch einfach, ihr kriegt nur eine Anweisung: #staythefuckhome

Zum Schluss mein herzlicher Dank an alle Angestellten in allen medizinischen Berufen dafür, dass ihr das System am Laufen hält. Danke auch an alle Angestellten im Detailhandel, auch ihr hält ein wichtiges System am Laufen. Meine Gedanken sind aber auch bei allen Wirtinnen, Coiffeuren, Verkäuferinnen oder allen Touristikern, welche von dieser Krise wirtschaftlich brutal hart getroffen werden. Zum Glück leben wir in einem Land, welches die finanziellen Mittel hat, gewissen finanzielle Schäden abzufedern.

Wenn wir also die totale Ausgangssperre und den Zusammenbruch des Gesundheitssystems verhindern wollen, dann gilt (bitte, bitte, bitte):

Bleibt zu Hause, wann immer ihr könnt! Und für alle über 65: bleibt ganz zu Hause! Und falls ihr diese freundliche Aufforderung nicht versteht, dann nochmals in aller Kürze:

just stay the fuck home!