digitaler Unterricht – durch einen „digital idiot“ – ja, genau ich meine mich

Nun, ich bin ja nicht gerade bekannt als der digitale Ober-Nerd. Die Installation des ersten (damals noch analogen) Internet-Anschlusses kostete mich einiges an Schweiss (allenfalls waren es sogar Tränen). Der Wechsel zur damaligen Cablecom (welche dann später zur absoluten Hass-Firma der Schweiz wurde und sich darum (weiss nicht, ob es darum war, aber es hört sich irgendwie logisch an) später in UPC umbenennen musste) war so komplex, dass ich den Mann vom schicken Möbelhändler aufbieten musste zwecks Hilfestellung. Er schaltete meinen Laptop einmal aus und wieder ein und schon waren wir „drin“. Ja, irgendwie hat wohl alles im Leben mit dieser viel zitierten Aura zu tun.

Das erste elektronische Gerät, welches ich wirklich gerne mochte, war mein Iphone 4. Und so habe ich mich zwischenzeitlich bis zur 10 (sorry X) hochgearbeitet, ein wenig frustiert davon, dass meine Mutter sich nun mal locker das Nachfolgemodell angeschafft hat. Nun kann ich also ein superintuitives Produkt wie ein IPhone (IPad kann ich übrigens auch) bedienen, bleibe aber tendenziell immer noch überfordert davon, das Telefon bei meinem Lieblingsarbeitgeber auf meine Lieblingsstellvertreterin umzuleiten.

Insofern war der totale Shutdown und damit die Instruktion meines zweiten Lieblingsarbeitgebers zum virtuellen Unterrichten ein ziemlicher Schock. Hätte ich gewusst, wie einfach das geht, hätte ich mir die schlaflosen Nächte (ja, ok, grad ganz so schlimm wars nicht, aber ein wenig übertrieben habe ich ja schon immer) mit gutem Gewissen sparen können. Da zu Beginn noch keine Lösung seitens der Schule bereit stand, hielt ich meine ersten Schulstunden via zoom ab (ja genau, das zoom, bei dem ja zwischenzeitlich offenbar jede amerikanische Regierungsbehörde mitgehört hat – macht aber nichts, solange der #AmericanIdiot dort an der Macht ist, habe ich eh nicht vor einzureisen). Nach zehn Minuten hatte ich es mehr oder weniger begriffen und bereits eine tollen virtuellen Hintergrund installiert.

Und nach weiteren zehn Minuten war mein erster Testlauf mit dem immer nach Gastauftritten lechzenden Marco absolviert.

Marco: tief beeindruckt!

Auch die erste Schulstunde funktionierte sehr gut und dies obwohl ich mit der technischen Minimalvariante ab IPhone antrat. Terminaufsetzung sehr einfach, Ton- und Bildqualität gut, sharen (sharing is caring) von Inhalten selbsterklärend. Später setzte die HKV Aarau eine Lösung mit Microsoft Teams auf. Und obwohl der böse Bill Gates gewisse Funktionalitäten Benützern von Geräten seines Erzfeindes Steve Jobs (may he rest in peace) verwehrt, ist auch Teams einfach und gut anzuwenden. Zusätzlich bietet es die Möglichkeit, Dateien abzulegen, also quasi ein integriertes Share Point oder eine Drop Box. Was ich bei Teams vermisse (und was zoom bietet), ist die Möglichkeit, sich mittels „Hand hochhalten“ zu melden oder mittels Applaus einen Beitrag zu wertschätzen.

Nun, ich musste mich ein wenig an den virtuellen Unterricht an sich gewöhnen. Wenn man als Dozent etwas vorstellt, muss man erst einmal damit umgehen können, dass man nur sich selber reden hört (ja, normalerweise höre ich mich ja schon am liebsten selber reden, aber nicht grad stundenlang) ohne jegliche Möglichkeit des Feedbacks. Könnte man etwas reduzieren, wenn man die Studenten zwingen würde, ihre Kameras einzuschalten. Aber die Studenten sind ja Kunden, daher ist ihre Privatsphäre zu respektieren. Das klassische Lehrgespräch ist auch ein wenig anders: Normalerweise stellt man ja einfach eine Frage in den Raum und schaut dann, wer es kaum erwarten kann, seine Meinung zu äussern – oder wer grad intensiv mit seinem Smart Phone beschäftigt ist und daher einen wake up call benötigen könnte. Im virtuellen Unterricht muss man konkret jemanden aufrufen – hat aber auch den Vorteil, dass ja alle (immer und jederzeit und ohne jegliche Vorankündigung) aufgerufen werden können und daher aufmerksam bleiben müssen. Und damit ich mich möglichst nicht dem Verdacht aussetze, immer die gleichen (oder die einen gar nie) aufzurufen, lasse ich jeweils den sprechenden Studenten gleich den nächsten aufrufen.

Auch Gruppenarbeiten funktionieren wunderbar. Und obwohl Teams mir als Konkurrenz-Nutzer die Funktion von Sub-Teams nicht bietet (vielleicht habe ich sie auch einfach noch nicht gefunden), löse ich das mit whatsapp. Sprich ich formiere Gruppen und diese connecten sich ausserhalb des Calls über die whatsapp-conference-Funktion. Technisch einwandfrei. Allerdings entfällt nach Start der Gruppenarbeit die Interaktion, sprich es können keine Fragen mehr gestellt werden. So musste ich gestern feststellen, dass meine äusserst liebevolle Instruktion für die praktische Anwendung meiner liebsten Kreativitätstechnik 6-3-5 (über die habe ich übrigens damals im SVEB I bei der Lernwerkstatt Olten meine Minilektion gehalten – und bestanden – bin immer noch schaurig und schampar stolz drauf) wohl nicht liebevoll genug gewesen war und von drei Gruppen genau 0 (in Worten: null) den Ablauf verstanden hatten. So konnte ich der Klasse halt nur die Erkenntnis anbieten, dass eine gute Instruktion Grundbedingung für jeden Auftrag ist (ok, hätten sie wohl auch ohne dieses Erlebnis verstanden, aber sie waren so höflich, richtige Begeisterung für diese Erkenntnis zu zeigen (ich glaube, dass sie nahe an einem virtuellen Ueberkopfklatscher waren)).

Wunderbar am virutellen Unterricht ist, dass Unterrichtsende + 10 Sekunden = Bieröffnung. Die gesparte Zeit kann ich einsetzen, um meinen Studenten die Möglichkeit zu geben, mir Aufgaben via mail oder als Foto via whatsapp zu schicken und direkt ein Feedback zu erhalten. So können wir die nicht vorhandene Möglichkeit von „Du, häsch gschnäll e Minute?“ mehr oder weniger kompensieren. Und etwas, was ich auch nach Corona beibehalten werde: eine whatsapp-Chatgruppe mit jeder Klasse. Sehr einfache und praktische Möglichkeit, um Unklarheiten zu klären, an Hausaufgaben zu erinnern oder um mal etwas Vergessenes zu erinnern.

Fazit: Wenn ich das kann, kann es nicht so schwierig sein. Grad Kurse in virtuellem Unterricht werde ich wohl nicht anbieten, aber ich schlage mich (persönliche Einschätzung hart an der Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz) so weit so erfolgreich durch.

Hoffentlich next stop ab 08.06.: real class room. Cheers, mates.

100 Tage 2020 – über Corona, Arbeitswege, eine abgebrochene Skisaison und einkaufende Rentner

Nun, das Jahr 2020 begann so weit ja so normal: alle stiessen im Astoria zu Arosa (mein Lieblingshotel, dem ich seinen ganz eigenen Beitrag gewidmet habe) mit von Jasmin (welche ja eigentlich Chantal heisst, aber immer böse wird, wenn man es Schantall ausspricht) servierten gekühlten, kohlesäurehaltigen Getränken auf das neue Jahr an und Oli gab den ‚Highway to hell‘ zum Besten (ja, wenn wir damals schon gewusst hätten, dass wir gerade auf die Schnellstrasse in Richtung Hölle einbogen, zum Glück wussten wir es nicht). Das Wetter war wunderbar, die Pisten in Arosa voll. Dummerweise stürzte ich am zweitletzten Tag saudumm (und ein zu Hause im Schrank vor sich hin mottender Rückenpanzer entfaltet eben nur begrenzte wenig keine Wirkung). Weil der Schmerz nicht besser sondern schlimmer wurde (irgendwann fühlte es sich an, als hätte mir jemand ein Messer in den Rücken gerammt (schlimmer als jede Männergrippe)), suchte ich mit einer Woche Verspätung sogar die Notfallaufnahme im Kantonsspital Baden (für Insider: ja, genau, Knipser Knuser umschrieb es der Einfachheit halber mal als das grosse Haus, wo man hingeht, wenn man krank ist) auf (damals, als man das noch ohne Voranmeldung zur Notaufnahme durfte). Wartezeit schlappe 3 Stunden, denn immer als ich fast dran gewesen wäre, wurde wieder ein (offenbar anderweitig schwer gestürztes) schreiendes Kind mit blutendem Kinn hereingetragen…oder so ähnlich.

Nun, die muskelentspannenden Medikamente entfalteten Wirkung (und man schläft wahnsinnig gut, so gut, dass ich nach acht Jahren tatsächlich erstmals an einem Samstag meinen Unterricht (als Dozent und nicht Student wohlverstanden) verpennte) und so fuhr ich schon bald in die nächsten Skiferien, dieses Mal mit den Fröschen, natürlich wieder nach Arosa (darüber berichtet habe ich hier). Ich steuerte direkt auf einen neuen Rekord an Schneetagen pro Saison hin. Dachte ich.

Das nächste Skiwochenende in Arosa war dann ein wenig überschattet von fast schon unzähligen Telefonkonferenzen infolge dieses Corona (und von einem weiteren, noch dämlicheren Sturz, bei welchem ich mir die Rippen auf der noch unversehrten Seite quetschte). Ehrlich gesagt fand ich die Massnahme meines Lieblingsarbeitgebers leicht übertrieben, Teams auf verschiedene Standorte aufzuteilen und ein Kontaktverbot zwischen den Standorten zu erlassen. Naja, im Nachhinein war es sogar untertrieben, bald verschoben wir so viele Mitarbeitende wie irgendwie möglich ins Home Office. Mit dem angenehmen Nebeneffekt massiv verkürzter Arbeitswege.

Das traditionelle Männerskiweekend Mitte März war dann kein Skiweekend mehr. Gleich am Freitag beendete der Bundesrat die Skisaison (was ein paar Schlaumeier im Kanton Bern leider so sehr missverstanden, dass sie erst am Samstag schlossen), die Restaurants wurden auf 50 Gäste begrenzt und am Montag dann ganz geschlossen. Alles soweit erträglich, irgendwie einfach doof, dass ich am folgenden Dienstag den dringend notwendigen Termin bei meiner Lieblingscoiffeuse gehabt hätte (und hier braucht jetzt wohl niemand eine Erklärung des Konjunktivs).

heutiger Zwischenstand in der Corona Hair Style Trophy

Ich habe jetzt dafür mehr Zeit, Social Media zu pflegen und bin tatsächlich wieder einmal von Watson zitiert worden (und zwar in der Rangliste der 30 lustigsten Corona-Tweets, ok, nur Rang 29, aber hätte es einen zweiten Lauf gegeben, hätte ich Stile eines Ingemar Stenmark angegriffen und das Feld von hinten aufgerollt, aber es gab ja keinen zweiten Lauf). Dies erwähne ich hier übrigens nur, damit ich Watson taggen kann und so meine Chancen erhöhe in der Liste der 30 besten Corona-Blogger zu erscheinen.

Der (ein wenig) Ruhm und Ehre bringende Tweet

Aber Corona hat ja auch schöne Seiten: Ich kaufe nun für zwei Personen aus der Risikogruppe ein und mittlerweile haben wir das Übergabeprozedere so weit perfektioniert, dass sogar ein Bier unter Einhaltung von maximalen Distanzregeln möglich ist. Einfach nur eins, damit ich wieder zu Hause bin, bevor das Bier auf die Blase drückt und ich das Haus der Risikoperson nicht betreten muss. Virtuelle Feierabendbiere finden fast schon regelmässig statt und sogar an einer ersten virtuellen Geburtstagsparty war ich dabei. Ich habe gelernt, virtuell zu unterrichten und zwar ganz alleine (was quasi eine Sensation ist, denn bei der Erstinstallation meines Internet-Anschlusses benötigte ich noch die Hilfe des schicken Möbelhändlers (aber das war so um die Jahrtausendwende).

Und das frühzeitige Ende der Skisaison wirkt sich sehr positiv auf mein #Projekt3660 aus (die zwei Gratis-Essen sind übrigens schon lange weg, ich freue mich trotzdem über weitere Spendenzusagen), mein Rückstand auf die Marschtabelle per Ostermontag wird eher bei 100 Kilometern als bei 200 liegen, was die Chancen auf eine erfolgreichen Abschluss massiv erhöht.

Was mich immer noch nervt (auch wenn die Disziplin massiv zugenommen hat): die einkaufenden Alten. Wenn ihr schon einkaufen müsst, warum nicht im Volg mit vielleicht drei Kunden? Warum zum Teufel müsst ihr in einen grossen Coop und warum zur Hölle müsst ihr beim Gemüse noch ein Schwätzchen halten? Und vor allem: Warum (why the hell) am Samstagnachmittag, wenn der Laden auch ohne Euch voll wäre? Damit ihr mal heldenhaft erzählen könnt, ihr hättet den höchsten ‚möglichst viele Viren pro Altersjahr-Quotienten‘ überlebt? Und an Grossfamilien mit vielen Kindern: Ist es sinnvoll (ratsam, schlau, intelligent) mit allen Kinder möglichst lang in diesem grossen Coop zu sein? Etwa so sinnvoll (ratsam, schlau, intelligent) wie der Rentner, der über Ostern ins Tessin fahren musste, um den Rasen seines Ferienhauses zu wässern (sorry, aber bitte what the fuck?).

Was ich sagen will? Die Kurve scheint abzuflachen, die Spitäler können aktuell die Last tragen, eine schrittweise Öffnung der Wirtschaft scheint möglich. Also haltet jetzt doch einfach diese zwei Wochen noch durch. Geht an die Frische Luft und geniesst den Frühling. Aber reduziert Eure sozialen physischen Kontakte auf das absolute Minimum. Und wenn sie absolut notwendig sind, dann bleibt auf Distanz. Und für diejenigen, welche nicht auf 5 zählen oder 2 Meter abschätzen können: bleibt einfach alleine zu Hause oder #staythefuckhome (it could save lifes).

Frohe Ostern allerseits!

2 Wochen Lockdown

Vor einer Woche habe ich ja alle, also wirklich alle, aber noch viel mehr alle Personen aus Risikogruppen, und da vor allem die teils sehr uneinsichtigen Rentner, ultimativ aufgefordert, jetzt einfach zu Hause zu bleiben. Zu Neudeutsch #staythefuckhome (ja, ok, es ginge theoretisch auch ohne fuck, aber das ist jetzt wirklich sehr theoretisch) oder auf Schweizerdeutsch wohl am ehesten „bliebed jetzt eifach mal dihei, gopfertelli!“.

Nun, eigentlich würde ich ja jetzt gerne beurteilen, ob sich nun alle brav daran halten. Aber irgendwie kann ich das nicht wirklich. Denn ich selber bin ja kaum noch unterwegs. Eingekauft habe ich diese Woche am Samstag zum ersten Mal, für mich und meine Mutter, die ich nach langem Kampf, unter anderem ausgetragen in den sozialen Medien, dazu bringen konnte, sich einkaufen zu lassen. Sogar online bestellt hat sie Lebensmittel zwischenzeitlich, leider erfolgt aber jene Lieferung erst Mitte April. Offenbar ist sie nicht die Einzige, welche jetzt die Vorteile des Online-Shopping entdeckt. Aber bei diesem Samstagseinkauf stellte ich grosse Disziplin fest: fast schon peinlich genau bemühten sich alle um Abstand, vor der Gemüsewaage wurde brav gewartet, an der Kasse Abstand genommen. Und meine Mutter wäre echt aufgefallen: ich sah genau einen Mann, den man eindeutig der Risikogruppe Rentner zuordnen konnte. Und ihm hätte ich am liebsten direkt gesagt, dass es in praktisch jeder Gemeinde nun doch freiwillige Helfer gibt, welche das erledigen.

Was weiter auffällt, dass Bahnhöfe und Züge wirklich leer sind. Wenn man sich den Wagen (nicht das Abteil) mit einer zweiten Person teilen muss, dann ist es fast schon eng. Nicht nur zu Randzeiten, auch mitten in der (ehemaligen, in Englisch: formerly known as) Stosszeit. Auf den Bänken draussen (also wir würden das ja Bänkli nennen, aber das verstehen dann meine Lieblingsmenschen von der Walfamilie wieder genau so nicht wie sie schon Polterabend nicht verstanden haben oder zumindest nicht verstehen wollten) hat es auch praktisch keine Leute mehr, teilweise sind sie aber auch abgesperrt (ja, und dann hat es halt offensichtlich keine Leute mehr, weil es keine Leute mehr haben kann). Gewisse Menschen gehen wirklich auf Distanz. Ich absolviere den Arbeitsweg jetzt teilweise zu Fuss. Und es gibt also Menschen, die die Strassenseite wechseln, damit wir uns nicht kreuzen müssen. Normalerweise nähme ich dies ja persönlich. Also jetzt auch, aber irgendwie dankbar. Mein Arbeitsweg führt zu einem guten Teil entlang der Limmat (Fluss in der Schweiz, für die nicht Ortskundigen), an manchen Stellen ist der Weg recht schmal. Und wenn man sich dort kreuzt, dann sind 2 Meter Abstand gar nicht möglich. Aber meine äusserst vernünftigen „Wegkreuzer“ (und ich auch, also ich halte mich auch für sehr vernünftig, war ich schon immer) nicken uns nur noch zu, um uns nicht versehentlich beim freundlichen „guete Morge“ virenbefallen anzuspucken.

Ja, das sind die Vernünftigen. Es gibt aber auch immer noch die Anderen. Kleine Gruppen von Jugendlichen, welche sich trotz aller Warnungen ganz nah zueinander setzen müssen auf dem Schulhausplatz. Bei denen läuft wohl zu Hause irgendetwas schief, wenn sie auch bei 5 Grad lieber draussen rumhängen und von ihren Eltern offenbar auch in keiner Art und Weise daran gehindert werden (können). Oder Frauen mit spielenden Hunden, welche ihren Sidetalk nicht aus 2 Metern Distanz führen können. Und welche mich verständlos anschauen, wenn ich sie frage, ob sie im gleichen Haushalt wohnen würden (ja, klar, es geht mich nichts an und eigentlich ist es mir frei nach Rüdiger Hofmann auch so was von egal). Und wäre ich nicht so höflich, würde ich ihnen am Liebsten #staythefuckhome ins Gesicht brüllen.

Insgesamt würde ich sagen, dass die nicht-Ausgangssperre gut funktioniert. Auch vermeldet nicht-Linguistiker Daniel Koch vom BAG (seine Erklärung, warum er den Konjunktiv nicht erklären könne, ist wohl der humoristische Höhepunk der gesamten Corona-Krise, der link zum kurzen Video hier) zwar noch keine sinkenden aber immerhin weniger steil steigende Neu-Infizierten-Zahlen, obwohl die Tests offenbar massiv ausgeweitet wurden. Wobei die grosse Bewährungsprobe noch kommt: eine leicht abflachende Ansteckungskurve könnte dazu anregen, die Disziplin ein wenig zu reduzieren. Und ein schöner sonniger Frühlingssonntag (heute wohl eher weniger) wird die Leute nach draussen treiben und ob sie dann noch Abstand halten, bleibt abzuwarten. Und sinkende Disziplin würde die Chance auf eine totale Ausgangssperre wieder massiv erhöhen und ja, ehrlich, die möchte ich auf keinen Fall.

Was wird von Corona bleiben, wenn der Virus dann mal überstanden ist? Ich denke, dass Bund und Kantone ihre Notbestände an medizinischem Material aufstocken werden (irgendwie fast schon peinlich, wie uns die Blockierung einer einzigen Lieferung an Schutzmasken durch den grossen Nachbarskanton im Norden in Nöte bringt). Alle Berufe im Gesundheitswesen werden hoffentlich (auch finanziell) mehr Wertschätzung erfahren. Home Office wird etabliert sein (auch für all die Chefs, welche vor 4 Wochen noch dachten und behaupteten, dass dies bei ihnen total unmöglich ja gar undenkbar sei). Wir alle werden bei unseren digitalen Fähigkeiten einen grossen Quantensprung gemacht haben (ich bin jetzt ja nicht grad der Ober-Techie, aber ich unterrichte jetzt virtuell ab I-Phone mit zoom (und ich kann dabei sogar #staythefuckhome als virtuellen Hintergrund einblenden, dies im Klassenzimmer jedes Mal aufzuhängen wäre massiv mühsamer) und auch wenn es noch ungewohnt und eher hölzern ist: die Technik ist dabei nicht das Problem).

Als Entschädigung für den grossen und grossartigen Einsatz in der vergangenen Arbeitswoche bekommt Teststudent Marco Ferrara einen bebilderten Gastauftritt

Und weil ja dann alle die Videotechnik begriffen haben, könnte sich die Geschäftsreisetätigkeit massiv reduzieren. Die für Ferien wohl nicht, Strandurlaub ab Video ist wohl nicht das Gleiche, aber ein dröges, internes Meeting braucht wohl wirklich keine physische Anwesenheit mehr. Und weil wir uns gerade an aus der Form gewachsene Frisuren gewöhnen (müssen), sind wir vielleicht alle ein wenig weniger eitel.

Ja, und dann frage ich mich noch, ob wir uns inskünftig noch bei jeder Gelegenheit die Hände schütteln werden (so zur Begrüssung beim Lunch, war ja eigentlich schon immer eklig). Und ob sich das ‚blieb gsund‘ als das neue ‚en Schöne‘ (habe ich nie besonders gemocht) etablieren wird.

Wir werden sehen. Bis dann gilt weiterhin: #staythefuckhome (so betitelter Beitrag von letzter Woche hier) oder bliebed jetzt eifach dihei, gopfertelli! Und dann erweist sich vielleicht sogar der neue most popular Hashtag #alleswirdgut nicht nur als zweckoptimistische Hoffnung sondern als echte Prognose.

Ueber Gebläse und Rasenmäher und das Ausmisten von alten T-Shirts

Über Gebläse und Rasenmäher sowie das Ausmisten von T-Shirts

Öffentliche Präsentation der Diplomarbeiten an der HFW Aarau vom Montag, 08.04.2019. Zwei Gruppen präsentierten ihre Arbeiten vor rund 100 Interessierten in der Aula, die restlichen Gruppen anschliessend während des Apéros an Ständen.

Die erste Gruppe, welche präsentierte, hatte einen Händler von Gartengeräten untersucht. Dieser bietet z.B. Gebläse oder Rasenmäher (ja, genau, solche zum Draufsitzen, der Bubentraum eines jeden Mannes) sowie die passenden Serviceleistungen dazu an. Wie bei vielen KMU war nicht näher bekannt, mit welchen Produkten oder Dienstleistungen Geld verdient und mit welchen Geld verloren wird. Eine eher gefährliche wenn nicht existenzbedrohende Situation in einem Umfeld knapper Margen. Nun, dem Auftraggeber konnte eine konkrete und korrekte Kalkulation vorgelegt werden, es wurde eine Sortimentserweiterung erarbeitet und ein neues Preissystem für den Rasenmäherservice  entworfen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Mut gewünscht: weniger kostenbasierte Kalkulation sondern eher ein Pricing (totales Unwort, aber es gibt halt doch kein besseres) mit klarem „ugly brother“ (welcher den ein wenig hübscheren Bruder richtig schön hätte erscheinen lassen) hätte mir gefallen.

Die zweite Gruppe untersuchte für einen Produzenten und Händler im Sanitärbereich die Lagerhaltung. Dabei wurde festgestellt, dass dieser stark abhängig ist von langjährigen Mitarbeitenden, welche auch ohne klare Ordnung im Lager und ohne logische Artikelnummerierung alles jederzeit problemlos sofort finden. Zur Behebung dieses Zustandes wurde ein neues, logisch aufgebautes Artikelnummerierungssystem (auch ein tolles Wort, die Autoren hatten ein Gescheiteres, dieses ist mir leider entfallen) entworfen und gleichzeitig die Empfehlung erarbeitet, das Sortiment um wenig Umsatz generierende C-Artikel zu bereinigen. Nun, zu Hause werde ich meine Kleider wohl nicht nach einem aufwändigen System nummerieren, ein paar alte T-Shirts aus der Kategorie C (praktisch nie getragen) könnte ich aber aussortieren.

Der guten Ordnung halber deklariere ich, dass ich Dozent für Organisation und Projektmanagement an der HFW Aarau http://www.hkvaarau.ch bin, bei der zweiten erwähnten Arbeit amtete ich als sogenannter Organisationsdozent. Zu diesem Artikel wurde ich nicht aufgefordert und werde für diesen auch nicht bezahlt (ein Glas Wein am Apéro habe aber schon konsumiert). Die HFW Aarau als Teil der Handelsschule KV Aarau bietet eine dreijährige, berufsbegleitende Ausbildung in Betriebswirtschaft. „Master Piece“ oder „Gesellenstück“ dieser Arbeit ist die in Gruppen absolvierte Diplomarbeit mit dem Ziel der Erweiterung rsp. Anwendung der erlernten Fach-, Methoden und Sozialkompetenzen. Auftraggeber für diese Arbeiten sind Unternehmungen aus der Region, welche gegen bescheidenes Entgelt eine konkrete Problemstellung untersuchen lassen.