Klare Kommunikation – ohne Abschweifer

Dislaimer (um mir Hasskommentare zu ersparen): Dieser Post ist nicht pro „Maskenpflicht im Freien“, er handelt von der Durchsetzung von definierten Regeln. Am Beispiel der Maskenpflicht im Freien. Wer diese Unterscheidung nicht versteht, der möge nicht weiterlesen.

Heute Morgen war ich an der Tankstelle bei Coop Pronto. Vor dem Shop standen drei junge Männer sehr nahe beieinander und schauten sich ein sicher lustiges Video auf einem Smartphone an. Warum ich das erzähle?

Weil ich das Gefühl habe (nein, kein wissenschaftlicher Beweis, ein Gefühl), dass dies mit der eher schwammigen behördlichen Kommunikation (oder sogar mit der Schwammigkeit der Regeln an sich) zu tun hat. Hier mal eine Snapshot der letzten Aenderungen in Bezug auf die Ausdehnung der Maskenpflicht:

Quelle: BAG

Ich würde mal zusammenfassen: Recht kompliziert und vor allem der letzte Satz wird dann irgendwann sehr schwammig. Zumal ja auch hinlänglich bekannt ist, dass zwar grundsätzlich eine Verzeigung bei Nicht-Einhaltung erfolgen kann, die Polizei aber nicht ermächtigt ist, Ordnungsbussen auszustellen.

Vor allem der letzte Satz hat es in sich: „…wo der erforderliche Abstand…nicht eingehalten werden kann“. Warum liebes BAG verwendet ihr eine so unscharfe Formulierung? Wenn ich drei Erfahrungen aus meiner Führungserfahrung (und die ist jetzt doch schon ein paar Jahre gewachsen) mitnehme, dann die, dass

  1. einfache Regeln leichter zu kommunzieren sind als komplizierte.
  2. Regeln, die nicht durchgesesetzt werden (könnnen), wenig Wirkung erzielen.
  3. die Kumulation von Regel 1 und und Regel 2 dazu führt, dass man sich die Aufsetzung einer Regel auch sparen könnte.

Im konkreten Beispiel heisst dies, dass vor Läden oder auf dichter bevölkerten Strassen die MaskenträgerInnen in der Minderheit bleiben werden und im dümmsten Fall von den Nicht-Trägern noch schräg angeschaut werden. Kennen wir doch irgendwie vom öffentlichen Verkehr, wo die Empfehung des Maskentragens wenig Effekt hatte (gefühlt 20 %,), die Vorschrift und die angedrohte Konsequenz (Entfernung aus dem Zuge) aber eine sehr gute Wirkung (gefühlt 95 %).

Also hätte ich da drei Empfehlungen (ich weiss, hört sich jetzt irgendwo zwischen Klugscheisser und Oberlehrer an, ist aber ernst und vor allem wirklich gut gemeint):

  1. Die Formulierung ändern von „wo der Abstand nicht eingehalten werden kann“ hin zu „wo Sie den Abstand nicht einhalten“. Dies würde Klarheit schaffen und gäbe jeder einzelnen Person die Handlungsoption den Abstand einzuhalten (zum Beispiel beim Schwatz mit dem zufällig angetroffenen Kollegen) oder wenn man das nicht will, halt eine Maske anzuziehen. Denn aus meiner Sicht ist „Abstand“ in den meisten Fällen (ausser vielleich im öffentlichen Verkehr zur Stosszeit) selbst aktiv gewählt und kein passiv aufgezwungener Zustand.
  2. Ich bin weder Jurist noch Politologe aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es doch möglich sein müsste, in irgendeiner geeigneten und legalen Form Ordnungsbussen für entsprechendes Fehlverhalten einzuführen. Ich meine, wir haben im März immerhin mal rasch diversen Berufsgruppen ein faktisches Berufsverbot erteilt. Also aus meiner Sicht lieber die Ordnungsbusse allenfalls rechtlich ein wenig durchwürgen als irgendwie superdemokratisch und legal wieder einen Lockdown befehlen zu müssen.
  3. Es macht aus meiner Sicht Sinn, wenn lokale „Hotspots“ (in Bezug auf das Personenaufkommen) mit einer generellen Maskenpflicht versehen werden. Tagesschwankungen im Fussgängeraufkommen kann man problemlos mit einer zeitlichen Befristung Rechnung tragen, wie dies z.B. die Stadt München tut.

Ich respektiere übrigens auch andere Meinungen und finde entsprechende Rückmeldungen spannend. Danke, dass Ihr auch meine Meinung respektiert. Und egal, wie genau Eure Meinung aussieht (und sogar unabhängig davon, was ihr von Donald Trump und seinem aktuellen Verhalten hält): Bliebed xund!

Next Stop: virtual schooling @HSLU

Darf, kann, muss oder soll man im Winter 20/21 Skifahren gehen?

Bevor ich die Fragen beantworte ein schönes Bild aus dem bereits verschneiten Arosa:

Nun, genau die im Titel gestellten Fragen habe ich mir gestellt. Und drei der vier sind recht einfach und schnell beantwortet:

Darf: Ja, man darf. Die Schweiz versucht sich aktuell im Gegensatz zu allen Nachbarländern in einem Slowdown und verzichtet auf einen Lockdown. Sprich die Sportanlagen sind offen, die Restaurants ebenso und auch ein Hotel findet sich. Man darf also.

Kann: Ja, man kann. Die Sportanlagen sind wie gesagt offen, man kann also rein technisch gesehen problemlos Skifahren gehen.

Muss: Nein, ganz sicher nicht, denn „Kein Mensch muss müssen“ (Gotthold Ephraim Lessing. (1729 – 1781).

Soll: Wäre diese Frage so rasch beantwortet wie die anderen drei, dann könnte dieser Blog in die Liste der kürzesten Blogs aller Zeiten aufgenommen werden. Aber genau diese Frage hat es in sich. Insbesondere auch, weil die behördliche Kommunikation in Sachen Corona durchaus widersprüchlich ist.

Warum ich mir diese Fragen überhaupt stelle: Ich war letztes Wochenende Skifahren, genau genommen in Arosa, meiner liebsten Destination. Irgendwie schuldete mir die abgebrochene Saison 2019/2020 noch ein paar Skitage und so wollte ich zwei davon bei erster Gelegenheit nachholen. Durchaus auch mit dem Hintergedanken eines drohenden Lockdowns, welcher dann weitere Schneetage bis auf Weiteres verunmöglichen würde.

Anreise mit dem Zug, ich gönnte mir ein Ticket erster Klasse, somit waren die Abstände auf jeden Fall sehr gut einzuhalten. Auch die Maskenpflicht wurde (bis auf einen weit entfernt sitzenden Nasenpimmler) ernst genommen und umgesetzt. Auch an die Masken am Bahnhof scheinen sich die meisten Menschen bereits gewöhnt zu haben, obwohl die Wirkung ja umstritten ist. Nur vier Jugendliche in der unterirdischen Passage am Bahnhof Zürich mussten eng an eng sitzen und sich dazu laut und lustig Geschichten aus ihrem Leben erzählen – natürlich ohne Maske, obwohl die Pflicht wohl primär wegen solcher Situationen besteht.

Im Hotel von Check-In bis Check-Out Maskenfplicht ausser im eigenen Zimmer und am eigenen Tisch bei Frühstück und Abendessen. Und obwohl ja ganz laut und viel diskutiert wurde, ob man eine Maske tragen kann, um ins Restaurant reinzugehen oder sich am Buffet zu bedienen, fällt das Fazit kurz aus: Es geht und es geht sogar problemlos. Und alle, welche sich über die Maskenpflicht aufregen: In Oesterreich startet heute Abend der zweite Lockdown und ab 20.00 Uhr herrscht Ausgangssperre. Welches ist das kleinere Uebel?

Beim Skifahren ebenfalls Maskenpflicht beim Anstehen und in der Gondel (diese bestand ja schon seit Juli). Nun aber auch Maskenpflicht beim Anstehen am Sessellift und bei der Fahrt auf diesem. Nun, die Beschriftung könnte noch ein wenig grösser und klarer sein, aber eigentlich wussten es ja alle. Zu gewissen Zeiten stand ein „Ranger“ neben den Anstehenden und machte auf (von der Fahrt) noch unter dem Kinn getragene Masken (kann ja mal passieren, dass jemand vergisst, sie hochzuziehen) aufmerksam. Einem „Verweigerer“, welcher die Maske erst genervt aus der Hosentasche hervorziehen musste, drohte er freundlich aber bestimmt den Entzug des Skipasses an. Diese Kontrollen sind aus meiner Sicht sehr angebracht aber noch zu selten. Ob es dafür einen „Ranger“ braucht oder ob nicht der normale Personalbestand eines Sesselliftes dies stemmen könnte, ist aus meiner Sicht fraglich. Ein kurzes Zeichen im Sinne von „zieh bitte die Maske hoch“ und „ich sehe Dich“ würde wohl genügen, um die Maskendisziplin zu erhöhen. Denn eines ist wohl sicher: nur ein perfekt eingehaltenes Schutzkonzept wird es den Skigebieten ermöglichen, offen zu bleiben. Sollte nur schon der Verdacht entstehen, dass nonchalantes Verhalten zu Ansteckungen führt, wird dem Spass wohl ein jähes und schmerzhaftes Ende bereitet.

Maske laufend Hochziehen ist mit Helm und Handschuhen tendenziell etwas mühsam, wobei Einwegmasken eher besser gehen als Stoffmasken. Wirkliche Erleichterung bringen dann wohl die Schläuche, welche letztes Wochenende noch nicht erhältlich waren. Online werden schon an diversen Orten welche angeboten, sofort liefern kann der Schweizer Anbieter Maskenshopping.

Nicht ganz so bequem, dafür sehr chic: die Stoffmaske des EHC Arosa

Womit ich zurück komme zur Frage, ob man soll. Die bundesrätliche Aufforderung bezieht sich darauf, Kontakte zu reduzieren. Dies kann auf zwei grundlegend unterschiedliche Arten geschehen. Ich reduziere effektiv die Kontakte, indem ich zum Beispiel im Home Office arbeite oder mich nicht mehr auf ein Bier verabrede (oder aufs Skifahren verzichte). Oder ich nehme die Kontakte zwar zum Teil noch wahr, halte aber Abstand (z.B. anstatt ins Restaurant zu gehen für eine Pizza, diese ins Büro zu bestellen und dort mit Abstand zu meinen Kollegen essen). Oder adaptiert aufs Skifahren: Ich fahre nicht mit drei Freunden die 360 Kurven ins geliebte Arosa hoch, gehe mit drei anderen zum Essen am Mittag, mit nochmals anderen zum Apéro und mit wieder anderen zum Abendessen, sondern ich gehe mit ein bis drei Freunden ein Wochenende weg und reduziere meine Kontakte auf genau diese eins bis drei. Damit senke ich das Ansteckungsrisiko (und auch wenn alle bis und mit mein Alter wohl nicht an Corona sterben werden, so gibt es doch hässliche Geschichten über Langzeitschäden), ich reduziere aber auch das Risiko, in eine Quarantäne geschickt zu werden infolge eines zu nahen und zu langen Kontakts. Und ganz ehrlich: eine Quarantäne ist bei vielen Kontakten ja grundsätzlich auch mehrfach möglich und ich würde wohl durchdrehen, wenn ich diesen Winter mehrmals faktisch zum Hausarrest verdonnert würde.

Und darum fällt meine Antwort auf die Frage „soll man?“ differenziert aus: Ja, man soll. Der Bundesrat lässt die Bergbahnen, Hotels und Restaurants unter anderem darum offen, weil er aus einem Lockdown zu grossen wirtschaftlichen Schaden fürchtet. Und wenn niemand mehr geht, dann könnte man genausogut einfach zumachen. Aber man soll sich überlegen, wie man Skifahren geht: nämlich unter Einhaltung der Regeln (Abstand und wo das nicht geht Maske) und Beschränkung der Kontakte auf die direkten Reisebegleiter. Und da die Corona-Massnahmen ja offenbar vor allem notwendig sind, um eine Überlastung der Spitäler zu verhindern, macht es wohl Sinn, zwecks Vermeidung von Unfällen ein wenig Tempo rauszunehmen und auf Alkohol auf der Piste zu verzichten.

Dies wäre ein Appell an alle, dies mehr oder weniger so umzusetzen. Denn es wäre schade, wenn die Saison unter- oder gar abgebrochen werden müsste. Und dass dies droht, lässt sich spätestens seit der Wiedereinführung der Geisterspiele in Fussball und Eishockey nicht mehr abstreiten. Auch die Sportclubs hatten gute Schutzkonzepte, diese wurden wohl grösstenteils sehr gut eingehalten, trotzdem identifizierte man genau diese Veranstaltungen irgendwann als Gefahrenherd, wodurch es sie nicht mehr gibt in dieser Form. Also: Kontakte so knapp wie möglich halten und Maske auf wo vorgeschrieben und/oder sinnvoll. Und sich nicht über die Maske aufregen, sondern sich daran freuen, dass wir Skifahren dürfen.

Cheers, mates.

Next stop: Homeoffice!

Eigentlich geht es uns doch immer noch recht gut oder warum ich sammle für Kinder in Malawi

Für die eiligen Leser: Ich würde mich freuen, wenn Du mein #Projekt3360 (ich laufe im Jahr 2020 3660 Kilometer (das sind 10 pro Tag) und sammle damit Geld) mit einer Spende zugunsten eines Schulprojektes in Malawi von 4Africa unterstützen würdest. Kontoangaben findest Du auf dem Link. Wem das zu mühsam ist, der kann auch gerne einen Betrag an mich (078 619 43 57) twinten. Ich leite es gerne weiter. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle, welche mein Projekt rsp. 4Africa bereits mit Spenden oder Spendenzusagen von rund CHF 10’000 unterstützt haben.

Quelle: 4africa.ch (Screenshot)

So, nun aber der Reihe nach: Etwas bestimmt unser aller Leben im Jahre 2020 ja ziemlich umfassend: Corona. Die einen findens etwas schlimm, die anderen schlimm und die dritten ganz extrem schlimm. Natürlich sind auch nicht alle gleich betroffen: Wirtschaftlich die Gastro- und Tourismus-Branche sicher mehr als eine Bank (und trotzdem kommt man nur in der Bankbranche auf die Idee, das süsse, lokale Töchterchen in die grosse Mutter zu integrieren – sorry, diese kleine, persönliche Aufarbeitung musste gerade sein), primär zu Hause-Sitzer (wie ich) sicher weniger als die hippen Tsüri-Clubber, kinderlose sicher weniger als kinderreiche.

Nun sollte man aber bei aller persönlichen Betroffenheit wohl zwei Dinge nicht aus den Augen verlieren:

Die Schweiz hat ein relativ liberales Regime

Die Schweiz hat relativ zu den meisten anderen Ländern (und insbesondere im Vergleich zu unseren direkten Nachbarn) ein insgesamt sehr liberales Regime. Ja, wir haben zwar eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, aber keine generelle in Läden, keine in Restaurants. Wir hatten nie eine Ausgangssperre und es ist auch keine absehbar. Alle die nun von Corona-Diktatur reden, denen wünsche ich, dass sie nie in einer Diktatur leben müssen. Und ja, natürlich sind gewisse Massnahmen nicht leicht nachvollziehbar oder in sich sogar widersprüchlich. Aber bei der Corona-Prävention geht es wohl letzten Endes um eine simple Reduktion der Anzahl ungeschützter Kontakte (also hilft eben jede getroffene Massnahme, auch wenn eine andere nicht getroffene weiter munter vor sich hin schadet) und einfache Regeln (#stay(thefuck)home) sind einfacher zu kommunizieren und umzusetzen als komplizierte.

Uns geht es immer noch gut

Bei allen wirtschaftlichen Hindernissen und Rückschlägen, welche Corona mit sich bringt, geht es uns in der Schweiz immer noch verhältnismässig gut. Die Schweiz ist auf hohem wirtschaftlichem Niveau in die Krise gestartet. Die Schweiz hat sehr rasch ein Hilfspaket zur Verhinderung wirtschaftlicher Schäden geschnürt. Und die Schweiz hat einen gut ausgebauten Sozialstaat, welcher Schäden zumindest wirtschaftlich gut abfedert. Also sollten wir bei allem Aerger, bei aller Ungeduld und bei aller Frustration nicht vergessen, dass es uns unter dem Strich wohl immer noch verhältnismässig gut geht.

Womit ich überleite zu Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns (ok, leicht holprig, ich gebe es zu): Grundsätzlich mal allen Menschen in Entwicklungsländern, denen ging es schon ohne Corona wirtschaftlich massiv schlechter als uns. Und jede wirtschaftliche Einschränkung führt sofort zu einer existentiellen Krise. Und bei der Frage, ob man was essen oder die Kinder zur Schule schicken kann, entscheiden sich viele Eltern dann wohl verständlicherweise für das Essen. Womit sich dann auch eine Schulschliessung als Pandemievorsorge erübrigt.

Und hier setzt nun das Schulprojekt von 4Africa in Malawi an. Wer sich grad fragt, wo Malawi liegt, dem oder der helfe die Karte:

Quelle: google maps (Screenshot)

Wiederum für die eiligen Leser geht das so: Das Projekt läuft seit 2012, mehrere einfache Schulhäuser wurden erstellt, primär mittels Schulpatenschaften wird der Unterricht für rund 300 Kinder (darunter 50 Waisen) finanziert. Im Lauf der Zeit wurde die Ausstattung unter anderem mit einer Bibliothek erweitert. Nun wird das Gelände um einen landwirtschaftlichen Teil zum Anbau von Mais und Gemüse ergänzt. Dies schafft Arbeitsplätze, ermöglicht Ausbildung im Landbau und sichert den Schülern eine Mahlzeit pro Schultag. Nun benötigt das Projekt unter anderem für Wasserleitungen oder ein kleines Wächterhaus noch rund CHF 20’000. Für die nicht ganz so eiligen Leser findet sich die ausführliche Umschreibung inkl. eines Videos hier.

Wer nun also auch zum Schluss kommt, dass dies doch eigentlich eine recht gute Sache (also ja, sie ist sogar wirklich verdammt gut, aber es reicht, wenn Du sie gerade recht gut findest) sei, der finde Spendenmöglichkeiten über #Projekt3360 hier rsp. in der leicht gekürzten Fassung hier. Selbstverständlich sind auch direkte Spenden an 4Africa genauso erwünscht wie geschätzt, die Kontoangaben hier. Und wer kein Geld geben kann oder mag, der verschickt vielleicht diesen Beitrag via whatsapp oder teilt ihn in den sozialen Medien. Denn wie immer gilt: Auch ein in den sozialen Medien geteilter Beitrag ist ein Beitrag.

Next stop: no stop, muss ja weiterlaufen, es fehlen mir Stand heute noch genau 1000 KM.

Cheers, mates

Von der Sache mit der App

In meinem letzten Artikel (wenn Du jetzt geklickt hast, dann hast Du in etwa gleiche Aufmerksamkeitsspanne wie Donald Trump – herzliche Gratulation) habe ich ja zu erklären versucht, dass wir aus meiner Sicht weiterhin 1. die Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen und dabei 2. Wege wählen sollten mit möglichst tiefen sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen (Neben-) Kosten. Daher meine Erkenntnis, dass es weniger „weh“ tut, im Zug oder beim Einkaufen eine Maske zu tragen, als nicht mehr ins Restaurant zu können oder Geisterspiele im Fussball anzusehen – oder gar wieder einen (partiellen) Lockout zu haben.

Seine Ausbreitung wollen wir vermeiden

Weiterer Teil der Eindämmungsstrategie ist ja das konsequente Contact Tracing. Das heisst in etwa so viel, dass eine Person mit positivem Corona-Test nach all ihren näheren Kontakten in letzten Tagen befragt wird. Diese Kontakte werden dann angerufen und aufgefordert, sich selber zu isolieren und/oder (hoffentlich negativ) testen zu lassen, um nicht weitere Personen anzustecken.

Soweit so gut und die entsprechenden Kapazitäten sind gegenüber der ersten (hoffen wir, dass sie die einzige bleibt, mein Optimismus ist (nennen wir es mal) überschaubar) Welle massiv ausgebaut in allen Kantonen. Nun ist dieses manuelle Tracen erstens sehr aufwändig (also die Befragung der einzelnen Person und das Abtelefonieren dieser Kontakte) und zweitens nie vollständig. Eine positiv getestete Person kann nur Kontaktpersonen angeben, welche sie kennt. Kein Problem beim gemeinsamen Restaurantbesuch mit einem Freund, auch kein Problem bei der Bürokollegin, wohl auch recht einfach in Bezug auf die Teilnehmenden an einem hippen Networking-Event von coolen Start-Up-Foundern im Bereich der aufstrebenden digital Life Coaching-Branche (kurzes Selbstlob hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz: Diese Anlassumschreibung finde ich gerade wieder mal saumässig gelungen).

Aber durchaus problematisch in Bezug auf den unbekannten lustigen Engländer von der Alstom, mit dem ich mich im Mr. Pickwick-Pub in Baden (genau, im legendären Piwi, welches noch genau so aussieht wie vor 25 Jahren und dabei war es schon damals leicht schmuddelig) so blendend unterhalten habe. Auch problematisch in Bezug auf den laut (und vor allem saumässig gescheit, so viele englische Fremdwörter wie lean, team, stream, am liebsten in der ververbten Form wie „mir müend das jetzt einfach konsequent leane“) telefonierenden Sitznachbar im vollen Zug nach Zürich (und eine Maske habe ich ja auch nicht getragen, obwohl es an dieser Stelle vor wenigen Tagen ja so eindringlich empfohlen wurde). Und auch problematisch in Bezug auf die attraktive 30jährige, welche ich stylish aufgemotzt an der SaNaPa faktisch niedergeflirtet habe, welche mir ihre Nummer aber trotz aller Ueberredungskünste einfach nicht geben wollte. Nun kann ich ja argumentieren, dass ich auch gar nicht zu wissen brauche, wenn eine mir unbekannte Person Covid-positiv ist, weil ich am nahen Kontakt ja dann eh nichts mehr ändern kann und folglich auch positiv (mit oder ohne Symptome) oder nicht bin. Eine gleich doppelt sehr egoistische Denkweise, denn erstens gefährde ich damit alle mir nahe stehenden und nahe kommenden Personen (sei es bei der Arbeit, z.B. in einem Beruf, welcher Distanz nicht zulässt) oder bei meinen Liebsten, mit denen ich allenfalls ja sogar zusammenwohne oder im Falle der Eltern mal zusammengewohnt habe. Und zweitens verhalte ich mich damit schlicht unsolidarisch mit der „Restschweiz“, welche alles unternimmt, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten und dafür ja grosse (wirtschaftliche) Nebenwirkungen in Kauf nimmt.

Da ich ja nicht unsolidarisch sein will, gehen wir mal davon aus, dass ich grundsätzlich wissen möchte, wenn positiv-gefährdet bin, entweder um mich hoffentlich negativ testen zu lassen oder mich sonst zu isolieren. Und hier kommt nun diese Covid-App ins Spiel, welche mir ja mit gewisser Wahrscheinlichkeit (nein, 100 % Sicherheit gibt es logischerweise nicht, aber nicht alles Unperfekte ist deswegen gleich unterirdisch schlecht) melden würde, wenn eine mir nahe gewesene Person (und eben auch die, die ich nicht kenne) positiv ist. Smart oder?

Verfügbar ab 25.06.2020, weitere Informationen hier

Trotzdem gibt es Argumente gegen das Herunterladen dieser App. Meine persönlichen Favoriten: „ich habe kein entsprechendes Gerät“ – ja solche Personen gibt es ganz sicher. Aber ganz sicher nicht die 11 %, welche diese Antwort in einer Umfrage des Tagesanzeigers gewählt haben. Einfach: Wenn Du diesen Blog auf Deinem Smartphone liest, dann hast Du vermutlich ein passendes Gerät. Nummer zwei: „es funktioniert über Bluetooth, dann ist mein Akku schneller leer“. Rein technisch gesehen korrekt. Auch die modernste Version von Bluetooth benötigt ein wenig Strom, folglich entleert sich der Akku ein wenig schneller. Aber: Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Gruppen von Smartphone-Nutzern: Fast-nie-und-nur-im-Notfall-Nutzer wie meine Mutter, deren Akku sowieso locker einen Tag hält. Und mega-viel-die-ganze-Zeit-auf-den-Bildschirm-Starrer-und-dazu-(mit-Bluetooth)-über-die-coolen-Air-Pods-laut-Musik-Hörer, bei denen der Zusatzverbrauch (also die Zeit, in denen sie gerade nicht Musik hören oder Filme schauen) quasi irrelevant ist, weil sie eh nur mit Zwischenladungen durch den Tag kommen. Ja, genau, und dann gibt es noch die 0.0001% der Bevölkerung, deren Akku jeweils genau beim zu Bett gehen von 2 % auf 1 % wechselt, weil sie auch sonst ihre Energie immer opitmal einteilen. Falls Du zu dieser Gruppe gehörst, akzeptiere ich Deine Ausrede. Bitte ab heute jeden Abend ein Screen-Shot mit Akku-Anzeige an mich. Danke.

Nun aber zu meinen absoluten Favoriten: Den Datenschutz-Aposteln, welche irgendwie verwandt scheinen mit den Verschwörungstheoretikern. Zuerst ganz kurz: Die App zeichnet auf dem Gerät auf, welchen anderen Geräten Du nahe gekommen bist. Dabei interessiert sich die App nicht dafür, wer Du bist, faktisch interessiert sie sich nur für den Standort des Gerätes relativ zu anderen Geräten, egal ob im Zug, an der SaNaPa oder im Piwi. Aber sogar wenn: Es ist der Schweizer Staat, der hier Daten auswerten würde, wenn denn die schiere Menge individuell auswertbar wäre und es jemanden interessieren würde. Und die Auswertung würde (wenn sie denn stattfände) ja maschinell stattfinden, oder meinst Du, dass sich Simonetta Somuaruga jeweils am Abend mit Alain Berset (oder allenfalls Bill Gates) zusammensetzen würde, um dann zu sagen: „Du, lueg, dä Heiri, dä Saucheib isch scho wieder im Piwi. Debi hät er doch am Trudi gseit, er segi hüt im Turnverein“.

Darum geht es aber gar nicht. Es geht darum, dass jeder Smartphone-Nutzer und jede -Nutzerin sowieso schon viel mehr Spuren hinterlässt, als Simonetta und Alain je kennen wollen. Ja, alle Apple-Pay-Bezahler (die dann aber im Restaurant keine Nummer hinterlassen wollen bei der Reservation, übrigens auch die, welche per Karte bezahlen) und alle Facebook- (und damit auch Insta- und Whatsapp-) Nutzer hinterlassen Spuren (vor allem diejenigen, welche bei so lustigen Spielen Religion, Einkommen, sexuelle Orientierung sowie Unterhosefarbe hinterlassen, um dann herauszufinden, dass sie im nächsten Leben ein dreibeiniges Einhorn sein könnten). Auch alle die begeisterten Besteller bei Wish und Ali-Express (weil es eben so viel günstiger ist dort – was Menschenrechte oder Umweltverschutzung in China? hä?) hinterlassen viele Daten genauso wie alle Leser meines Blogs (ja, genau, WordPress weiss jetzt, dass Du hier warst, ich persönlich weiss es trotzdem nicht, aber ich freue mich über Deinen Besuch). Wenn das alles also nicht auf Dich zutritt (einfach gesagt: wenn Du das also gerade auf einem Desktop gelesen hast), dann hast Du die Legitimation, die App App sein zu lassen und Dich und Deine Daten zu schützen. Maximal 1% der Leser hier.

Alle anderen (also die verbleibenden 99%): Bitte legt Euch diese App zu, sie entfaltet ihre Wirkung offenbar nur, wenn ein substantieller Teil der Bevölkerung und vor allem die Aktiven mitmachen. Es braucht also uns alle! Löscht dafür zwei, drei andere Apps, welche ihr nicht mehr nützt. Damit tut ihr was Gutes für Euch und für die Schweiz und gleichzeitig reduziert ihr sogar Eure Spuren im Netz ein wenig. Smart, hä?

Danke – und bliebed gsund!

next stop: sag ich Euch sicher nicht, das ist meine Privatsphäre! 🙂

Cheers, mates

Meine Gedanken zum Start der Bundesliga

Nun, ich bin nicht der ganz grosse Fussballfan. Als Kind gewann der FC Wettingen mein Herz, der es genau einmal in den damaligen Uefa Cup schaffte, dort überraschend die erste Runde überstand und dann nur ganz knapp gegen das grosse Napoli mit Diego Maradona ausschied (wahlweise, weil sie auswärts zweimal das leere Tor nicht trafen oder neben der gegnerischen Mannschaft auch noch gegen einen Schafsziegel von Schiedsrichter anzutreten hatten). Nun, 1993 ging der FC Wettingen in Konkurs und ausgerechnet in jenem Jahr feierte der lokale Konkurrent aus Aarau seinen einzigen Meistertitel.

Zwischenzeitlich hat sich mein Fussballkonsum auf gelegentliche Besuche im altehrwürdigen Brügglifeld des ehemaligen Meisters aus Aarau reduziert. Daneben verfolge (verschlafe) ich gerne das jeweilige Spiel der Schweizer Super League am Sonntagnachmittag. Und wenn die Schweizer Nationalmannschaft wieder einmal vor dem ganz grossen Durchbruch an einem grossen Turnier steht (und diesen dann ganz knapp doch nicht schafft), dann werde ich für zwei Stunden zum ganz grossen Modefan

Die Bundesliga ist die einzige ausländische Liga, welche ich mehr oder weniger verfolge. Nein, ich habe kein Abo bei Sky und brauche auch keine Konferenzschaltung, aber die Sportschau am Samstagabend schaue ich mir gerne an. Nicht, dass ich Termine um sie herumlegen würde, aber wenn ich eh grad zu Hause bin, dann schaue ich sie mir an.

Auch live habe ich die Bundesliga schon gesehen. Zum ersten Mal zum Mal gegen Ende des letzten Jahrtausends im Olympiastadion in München, ganz spontan, als ich eh in München war. Ja, genau, damals konnte mal am Spieltag zum Stadion gehen und sich ein Ticket an der Tageskasse kaufen. Und dann war ich eher zufällig beim ersten Spiel des grossen Pep Guardiola als Bayern-Trainer dabei. Das war dann schon die Allianz-Arena mit riesigem Fanshop und irgendwie amerikanischen Verhältnissen: sehr gesittete, ruhige Zuschauer, welche bei einem Tor wie auf Knopfdruck zwei Minuten wie die verrückten jubeln und sich dann brav wieder hinsetzen.

So und jetzt ist die Bundesliga gerade in Zwangspause. Was insofern schade ist, alsdass ich ja nun eigentlich immer am Samstag zu Hause wäre und wunderbar Zeit für die Sportschau hätte. Aber eben: für mich als maximal scheu Interessierten gibt es aktuell auf der Welt grössere Probleme als den fehlenden Fussball. Ich kann aber nachvollziehen, dass die Sportpause andere mehr und härter trifft.

Darum kann ich auch nachvollziehen, dass die Bundesliga wieder starten will. Wobei ich ihr mal unterstelle, dass sich ihre Sorgen eher um entgehende Fernsehgelder als um Entzugserscheinungen von Fans drehen. Aber wie wird die Bundesliga denn konkret restarten?

Das komplette Sicherheitskonzept habe ich nicht gefunden, es sickern aber laufend Details in den Medien durch. Zuerst sollen also alle Mannschaften bis zum Start unter Quarantäne trainieren. Das kann ja durchaus funktionieren. Sicher ist dies aber nicht, denn Fussballer sind junge Männer aus sehr unterschiedlichen Kulturen (und sprechen unterschiedliche Sprachen), insofern wird sich zeigen, inwiefern sich diese sehr heterogene Gruppe kontrollieren lassen wird. Der Fall aus Berlin hat zumindest nicht gerade überoptimistisch gestimmt. Auch sollen regelmässig alle Spieler und Betreuer getestet werden, hört sich vernünftig an, ist aber bei beschränkten Testkapazitäten eher mässig sinnvoll. Gemäss Konzept soll ein positiv getesteter Spieler isoliert werden. Gesundheitsämter können aber weitergehende Massnahmen verfügen, wie gerade geschehen in Dresden. Ja, und wenn es ein paar mal passiert, dass ganze Mannschaften zwei Wochen pausieren müssen, dann wird der sehr ambitionierte Spielplan dann irgendwann sehr eng.

Die Spiele sollen als Geisterspiele, also ohne Zuschauer, stattfinden. Und verkommen damit halt stimmungsmässig zu Testspielen. Ein Beispiel: der FC Basel hat am 12. März im Rahmen der Europa League auswärts in Frankfurt (bereits ohne Publikum) gleich mit 3-0 gewonnen. Ohne alle Archive zu durchforsten, würde ich dies als einen der grössten Siege einer Schweizer Mannschaft auf Deutschem Boden bezeichnen. Stimmung: wie bei einem Testspiel. Bei mit ausgelöste Emotionen: wie bei einem Testspiel. Erinnerungswert: wie bei einem Testspiel. Was die Geisterspiele nicht verhindern können: dass sich Fans versammeln, sei es vor dem Stadion, in Bars und Kneipen oder zu Hause. Und dann bei einem Tor auch zusammen jubeln. Und gemeinsam Bier zu trinken geht mit Maske genau so wenig wie gemeinsam über ein Tor zu jubeln mit Abstand.

Spannend auch die Regeln für die Spieler: Einlauf ins Stadion zeitversetzt, kein Abklatschen und schon gar keine Unarmungen. Auch nicht beim Torjubel: dort ist ‚Abklatschen‘ mit Ellbogen oder Füssen erlaubt. Hört sich ja alles vernünftig an. Aber wie sollen Zweikämpfe genau funktionieren? Oder wie soll ein Verteidiger mit dem gegnerischen Stürmer bei einem Eckball verfahren? Oder wie soll Abstand gehalten werden, wenn bei einem Freistoss eine Mauer gebildet werden soll? Also sind die Einlauf- und Torjubel-Regeln aus meiner Sicht eine Maskerade, welche nichts daran ändern, dass Fussball ein Kontaktsport ist und bleibt und damit ganz grundsätzlich mal mässig Corona-tauglich.

Was aber die ganze Diskussion rund um den Restart der Bundesliga nicht berücksichtigt: warum eigentlich gerade Fussball und warum eigentlich nur die Männer? Rein in Bezug auf die Ansammlung von Fangruppen (egal wie und wo) gibt es wohl nichts weniger geeignetes als Männerfussball in Zeiten von Corona. Aber vermutlich hat die finanzielle Stärke, gutes Lobbying, die Sehnsucht nach ein wenig Normalität und die Lust der Fans auf Fussball über die rein wissenschaftliche Pandemie-Eindämmung gesiegt. Was ich nicht einmal falsch finde, irgendwie werden wir wohl noch eine Weile mit diesem Virus leben müssen und daher müssen wir uns wohl langsam und behutsam in Richtung neue Normalität vortasten.

Wie es in der Schweiz weitergeht, ist übrigens noch nicht entschieden. Hier sind die Fernsehgelder offenbar so tief, dass sich die Clubs nicht einmal einig sind, ob sich Geisterspiele wirtschaftlich überhaupt lohnen.

Next Stop: Sportschau. Cheers, mates

Unmöglich, dass ich einmal Ueli Maurers Meinung (fast) uneingeschränkt teile – aber Corona macht alles möglich

Ja, unser Finanzminister ist wohl eines der beliebtesten Parodie-Opfer der letzten 20 Jahre. Seine clowneske Frisur (welche mit der Kürze ein wenig an diesbezüglicher Würze verloren hat) machte ihn mit oder ohne rote Nase sofort erkennbar.

Quelle: svp.ch

Viktor Giaccobo (den meine Mutter in seinen Anfängen konsequent Giacomo nannte) liess Ueli jeweils nach Uebervater Christoph rufen (weil er grad fragen musste, ob er a) für den EU-Beitritt stimmen soll, b) einem Bundesrat die Hand schütteln soll oder c) rasch zur Toilette dürfe). In einer angeblichen Kindersendung wurde er zum lustigen Mittanzen beim „Ringel-Ringel-Reihe“ animiert genötigt und liess dies gnädig über sich ergehen (der link dazu hier). Ganz generell liess er alles in fast schon stoischer Ruhe über sich ergehen, also zumindest eine dicke Haut hatte er wohl immer.

Quelle: srf.ch

Nur einmal schaffte es Roger Schawinski, ihn aus der Fassung zu bringen, so sehr, dass er kurzerhand das kleine Studio von Tele 24 verliess (wobei ich diese Aktion immer im Verdacht hatte, dass sie abgesprochen war, da das Skandälchen beiden Protagonisten nützte (und irgendwie einstudiert wirkte)). Dass dieser Mann mal Bundesrat werden würde, war etwa so ausgeschlossen wie a) dass die SVP je für eine konstruktive Zusammenarbeit mit Europa wäre, b) ein Dunkelhäutiger US-Präsident würde oder c) Uebervater Christoph selber Bundesrat werden könnte. Nun, die Geschichte lehrt uns ja manchmal, dass unmögliche Dinge möglich sind, in Bezug auf die Zusammenarbeitsfähigkeit der SVP besteht ja allenfalls auch noch Hoffnung.

Nun, Ueli wurde Bundesrat. Sein Start im VBS ziemlich holprig, seine Aussage zur „besten Armee der Welt“ wurde mehr zum Kalauer als zum Ziel, den Kampfjet (-Prototypen) aus Schweden versenkte er in einer Volksabstimmung kollosal (sorry, Ueli, ich habe zu Deiner Niederlage beigetragen). Bei einer Interviewanfrage hatte er auch mal schlicht ‚kä Luscht’. Wie er genau den Finanzolymp erklimmen konnte, ist mir eigentlich eher unerklärlich. Aber aus meiner Sicht hat der Mann seither klar an Format gewonnen. Die Finanzen hat er gut im Griff, die Ueberschüsse waren immer höher als prognostiziert (was keine besondere Qualität ist, aber politisch grundsätzlich nicht ungeschickt, wenn man seinen Finanzhaushalt im Griff haben will).

Nun, bei Corona war er nicht grad der grosse „Bringer“. Angeblich soll er gegen einen Lockdown gewesen sein und sein Interview in der NZZ (die ja auch total gegen zu viel staatliche Hilfe ist, dann aber trotzdem die hohle Hand machte – was sie den Ertrag meines Abos der NZZ am Sonntag kostete) ritzte das Kollegialitätsprinzip aufs äusserste Maximum, was ich besonderns in einer Krisensituation (höflich ausgedrückt) schwierig finde. Bei seiner Finanzhilfe neigte er zur Uebertreibung (angeblich waren an besagten Sonntagmorgen nicht dreihundert sondern nur hundert Bankchefs am Telefon, aber ist ja immer noch recht viel), bei der angekündigten Durchlaufzeit für einen Covid19-Kredit war er dann mit der genannten halben Stunde doch arg optimistisch oder forsch.

Aber mit seiner kurzen Speech (link hier) vor dem Nationalrat (mehr: sein Appell an die Damen und Herren Parlamentarier) vom Mittwochabend riss er es irgendwie heraus. Und ja, eben, obwohl ich es nicht für möglich gehalten hätte, muss ich ihm für einmal einfach komplett und umfassend (naja, ok, dass die Schweiz den besten Wein hat war wieder so eine kleine Uebertreibung, aber die will ich ihm mal nachsehen) recht geben: Lasst uns die Beerdigung(sstimmung) beenden, lasst uns das Leben und den Sommer und unser schönes Land und von mir aus auch den Wein geniessen. Und lasst uns Geld ausgeben: die Rezession wird nicht weniger schlimm sondern schlimmer, wenn jetzt alle möglichst viel Geld zur Seite legen. Lasst uns dabei aber Abstand und Hygiene halten und lasst uns vor allem die Risikogruppen weiter möglichst gut schützen.

Wobei hier der Appell wohl ein wenig zu spät gekommen ist. Angeblich feierten ja rund fünfzig solche Parlamentarier am Dienstagabend zusammen eine lustige, bierseelige und gesellige Corona-Party im Bea-Restaurant, nachdem sie schon während des Tages intensive Diskussionen in dicht beieinanderstehenden, mittelgrossen Gruppen hatten führen müssen. Was Roger Köppel (vielleicht war er sauer, weil er nicht eingeladen war) und Christoph Mörgeli (er wohl sauer, dass er quasi von den Wählenden des Kanton Zürich ausgeladen wurde) und mich mit ihnen recht sauer machte. Also fast schon unglaublich: Ich stimme in Zeiten von Corona sogar mal (und wirklich nur in dieser Sache) mit Köppel und Mörgeli überein. Zumindest interessant, dass auf meinen entsprechenden Tweet zu dieser angeblichen Party bisher mit Thierry Burkart und Lilian Studer (bei ihr war ich recht sicher, dass sie nicht dabei gewesen war) erst zwei eine Teilnahme an dieser dementierten. Was mich zum Umkehrschluss führt, dass – aber ich will ja nicht so böse sein und verzichte darum auf Unterstellungen.

So, dies eine weitere kleine Corona-Geschichte. Geniesst den Sommer und das Leben – bleibt trotzdem auf Distanz – wascht bitte weiter brav die Hände – und vor allem: bleibt gesund.

Next Stop: Home (noch bis Montag)

digitaler Unterricht – durch einen „digital idiot“ – ja, genau ich meine mich

Nun, ich bin ja nicht gerade bekannt als der digitale Ober-Nerd. Die Installation des ersten (damals noch analogen) Internet-Anschlusses kostete mich einiges an Schweiss (allenfalls waren es sogar Tränen). Der Wechsel zur damaligen Cablecom (welche dann später zur absoluten Hass-Firma der Schweiz wurde und sich darum (weiss nicht, ob es darum war, aber es hört sich irgendwie logisch an) später in UPC umbenennen musste) war so komplex, dass ich den Mann vom schicken Möbelhändler aufbieten musste zwecks Hilfestellung. Er schaltete meinen Laptop einmal aus und wieder ein und schon waren wir „drin“. Ja, irgendwie hat wohl alles im Leben mit dieser viel zitierten Aura zu tun.

Das erste elektronische Gerät, welches ich wirklich gerne mochte, war mein Iphone 4. Und so habe ich mich zwischenzeitlich bis zur 10 (sorry X) hochgearbeitet, ein wenig frustiert davon, dass meine Mutter sich nun mal locker das Nachfolgemodell angeschafft hat. Nun kann ich also ein superintuitives Produkt wie ein IPhone (IPad kann ich übrigens auch) bedienen, bleibe aber tendenziell immer noch überfordert davon, das Telefon bei meinem Lieblingsarbeitgeber auf meine Lieblingsstellvertreterin umzuleiten.

Insofern war der totale Shutdown und damit die Instruktion meines zweiten Lieblingsarbeitgebers zum virtuellen Unterrichten ein ziemlicher Schock. Hätte ich gewusst, wie einfach das geht, hätte ich mir die schlaflosen Nächte (ja, ok, grad ganz so schlimm wars nicht, aber ein wenig übertrieben habe ich ja schon immer) mit gutem Gewissen sparen können. Da zu Beginn noch keine Lösung seitens der Schule bereit stand, hielt ich meine ersten Schulstunden via zoom ab (ja genau, das zoom, bei dem ja zwischenzeitlich offenbar jede amerikanische Regierungsbehörde mitgehört hat – macht aber nichts, solange der #AmericanIdiot dort an der Macht ist, habe ich eh nicht vor einzureisen). Nach zehn Minuten hatte ich es mehr oder weniger begriffen und bereits eine tollen virtuellen Hintergrund installiert.

Und nach weiteren zehn Minuten war mein erster Testlauf mit dem immer nach Gastauftritten lechzenden Marco absolviert.

Marco: tief beeindruckt!

Auch die erste Schulstunde funktionierte sehr gut und dies obwohl ich mit der technischen Minimalvariante ab IPhone antrat. Terminaufsetzung sehr einfach, Ton- und Bildqualität gut, sharen (sharing is caring) von Inhalten selbsterklärend. Später setzte die HKV Aarau eine Lösung mit Microsoft Teams auf. Und obwohl der böse Bill Gates gewisse Funktionalitäten Benützern von Geräten seines Erzfeindes Steve Jobs (may he rest in peace) verwehrt, ist auch Teams einfach und gut anzuwenden. Zusätzlich bietet es die Möglichkeit, Dateien abzulegen, also quasi ein integriertes Share Point oder eine Drop Box. Was ich bei Teams vermisse (und was zoom bietet), ist die Möglichkeit, sich mittels „Hand hochhalten“ zu melden oder mittels Applaus einen Beitrag zu wertschätzen.

Nun, ich musste mich ein wenig an den virtuellen Unterricht an sich gewöhnen. Wenn man als Dozent etwas vorstellt, muss man erst einmal damit umgehen können, dass man nur sich selber reden hört (ja, normalerweise höre ich mich ja schon am liebsten selber reden, aber nicht grad stundenlang) ohne jegliche Möglichkeit des Feedbacks. Könnte man etwas reduzieren, wenn man die Studenten zwingen würde, ihre Kameras einzuschalten. Aber die Studenten sind ja Kunden, daher ist ihre Privatsphäre zu respektieren. Das klassische Lehrgespräch ist auch ein wenig anders: Normalerweise stellt man ja einfach eine Frage in den Raum und schaut dann, wer es kaum erwarten kann, seine Meinung zu äussern – oder wer grad intensiv mit seinem Smart Phone beschäftigt ist und daher einen wake up call benötigen könnte. Im virtuellen Unterricht muss man konkret jemanden aufrufen – hat aber auch den Vorteil, dass ja alle (immer und jederzeit und ohne jegliche Vorankündigung) aufgerufen werden können und daher aufmerksam bleiben müssen. Und damit ich mich möglichst nicht dem Verdacht aussetze, immer die gleichen (oder die einen gar nie) aufzurufen, lasse ich jeweils den sprechenden Studenten gleich den nächsten aufrufen.

Auch Gruppenarbeiten funktionieren wunderbar. Und obwohl Teams mir als Konkurrenz-Nutzer die Funktion von Sub-Teams nicht bietet (vielleicht habe ich sie auch einfach noch nicht gefunden), löse ich das mit whatsapp. Sprich ich formiere Gruppen und diese connecten sich ausserhalb des Calls über die whatsapp-conference-Funktion. Technisch einwandfrei. Allerdings entfällt nach Start der Gruppenarbeit die Interaktion, sprich es können keine Fragen mehr gestellt werden. So musste ich gestern feststellen, dass meine äusserst liebevolle Instruktion für die praktische Anwendung meiner liebsten Kreativitätstechnik 6-3-5 (über die habe ich übrigens damals im SVEB I bei der Lernwerkstatt Olten meine Minilektion gehalten – und bestanden – bin immer noch schaurig und schampar stolz drauf) wohl nicht liebevoll genug gewesen war und von drei Gruppen genau 0 (in Worten: null) den Ablauf verstanden hatten. So konnte ich der Klasse halt nur die Erkenntnis anbieten, dass eine gute Instruktion Grundbedingung für jeden Auftrag ist (ok, hätten sie wohl auch ohne dieses Erlebnis verstanden, aber sie waren so höflich, richtige Begeisterung für diese Erkenntnis zu zeigen (ich glaube, dass sie nahe an einem virtuellen Ueberkopfklatscher waren)).

Wunderbar am virutellen Unterricht ist, dass Unterrichtsende + 10 Sekunden = Bieröffnung. Die gesparte Zeit kann ich einsetzen, um meinen Studenten die Möglichkeit zu geben, mir Aufgaben via mail oder als Foto via whatsapp zu schicken und direkt ein Feedback zu erhalten. So können wir die nicht vorhandene Möglichkeit von „Du, häsch gschnäll e Minute?“ mehr oder weniger kompensieren. Und etwas, was ich auch nach Corona beibehalten werde: eine whatsapp-Chatgruppe mit jeder Klasse. Sehr einfache und praktische Möglichkeit, um Unklarheiten zu klären, an Hausaufgaben zu erinnern oder um mal etwas Vergessenes zu erinnern.

Fazit: Wenn ich das kann, kann es nicht so schwierig sein. Grad Kurse in virtuellem Unterricht werde ich wohl nicht anbieten, aber ich schlage mich (persönliche Einschätzung hart an der Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz) so weit so erfolgreich durch.

Hoffentlich next stop ab 08.06.: real class room. Cheers, mates.

Damals 2020 – als sich Ambrì im letzten Spiel der Ligaquali heroisch gerettet hätte

Nun, wir alle wissen ja, dass die Eishockey-Saison 2019 / 2020 wegen Corona nicht zu Ende gespielt werden konnte. Dass es also keinen Meister, keinen Absteiger und damit auch keinen Aufsteiger aus der Swiss League gab. Dass sich die Kolummnen von Eismeister Zaugg auf Watson irgendwie noch inhaltsleerer und damit länger als sonst anfühlten und dass man im Blick tatsächlich einmal zuerst Politik und Wirtschaft las – mangels spannender Sportnews (vom selbsternannten pensionierten Radiopionier Roger Schawinski immer noch „Nuus“ ausgesprochen).

Nun, leider wissen wir ja, dass es so war. Aber angenommen, wir wüssten es nicht. Dann könnten wir uns vorstellen, wie abartig spannend diese Saison ausgegangen wäre. Hätte ausgehen können.

Ambrì hatte ja eigentlich schon eine sehr ansprechende und aufregende Saison hinter sich. Der Herbst war geprägt von legendären Nächten in der Champions Hockey League, welche ich nur aus der Ferne mitbekam, weil ich ja ein wenig durch Australien reiste. Nicht mitbekommen? Der Bericht dazu hier. Zwischen Weihnachten und Neujahr spielte sich der Verein mit beherzten Auftritten am Spengler-Cup in die Herzen der ganzen Hockeyschweiz (ach was, der gesamten Hockeywelt). Über diesen Höhepunkt berichtete ich hier. Und es ist wohl nicht total vermessen zu behaupten, dass die Playoffs zumindest nicht unrealistisch gewesen wären ohne diese zwei doch sehr viele Ressourcen fressenden Saisonhöhepunkte. Nun, immerhin reichte es dank einem kleinem Schlussspurt und einem grossen und grossartigen Sieg gegen die bösen Bianconeri aus Lugano zum Abschluss der Qualifikation noch zu Rang 10 und damit zum Heimrecht in der ersten Playoutrunde. Ja ich weiss, diese Playout-Halbfinals gibt es seit Jahren nicht mehr, aber damals, als es sie noch gab, war alles noch viel lustiger (weil früher eh alles besser war) und darum gibt es sie in der imaginären Ausgabe 2020 wieder. Nur einmal, nur der Geschichte wegen.

Der legendäre Sieg am Spengler-Cup in Davos

Ich bin sicher: Ambrì hätte die ersten zwei Spiele gewonnen, ja regelrecht an die Wand gespielt hätten sie den zweiten Dorfklub in der National League aus Langnau. Nach diesen zwei grandiosen Siegen hätte sich ein wenig der Schlendrian eingestellt, wären die Spiele drei und vier knapp (eines nach Verlängerung und auch nur weil der Schiedsrichter total unnötigerweise eine völlig übertriebene Strafe für gar nicht vorhandene übertriebene Härte (wir sind ja nicht beim Kindervolleyball) zu einem mental ungünstigen Zeitpunkt gepfiffen hätte. Nun, die Spiele fünf und sechs wären dann eher langweilig gewesen, zu sehr surfte Langnau auf einer perfekten Welle und zu tief unten im Tal waren die Leventiner.

Finanziell ja gar nicht so unattraktiv: Da die Lakers aus Rapperswil den überheblichen Meister in einem zähen, nervenaufreibenden Kampf (und Krampf) niedergerungen hatten, ging es im Playout-Final tatsächlich gegen die Millionarios aus der Bundeshauptstadt. Hier umgekehrte Vorzeichen: Spiel eins und zwei gewannen die Berner überlegen, einmal fünf zu eins und einmal gleich mit neun zu zwei. Innerlich bereiteten sich die Fans aus dem Tessin bereits auf die Spiele gegen Kloten und damit gegen den Abstieg vor. Doch Ambrì zeigte das gewohnte und erwartete ja viel beschworene Kämpferherz und siegte in Spiel drei nach heroischem Kampf in der 19. Minute der Verlängerung, dies sensationellerweise mit einem wunderschönen Konter in Unterzahl. Spiel vier dann fast schon unaufgeregt: Ein diskussionsloser Sieg nach 60 Minuten. Leider verwendeten die angezählten Berner die letzten Spielminuten primär darauf, den ersten Block von Ambrì zu provozieren rsp. mit unzähligen Unsportlichkeiten verletzungsbedingt zu dezimieren. So sollte der gesamte erste Sturm von Ambrì wegen Sperren oder Verletzungen den Rest der Serie verpassen. Bern im Gegenzug mobilisierte die unerschöpflichen finanziellen Ressourcen und engagierte gleich einen gesamten Block an Verstärkungsspielern, auch das Gentleman’s Agreement in Bezug auf die maximale Anzahl Ausländer wurde gebrochen. Marc Lüthy liess sich im Blick zitieren, er würde sich nicht an solche Vereinbarungen halten, wenn sich Ambrì nicht an die alte Regel hielte, am Schluss zu verlieren. Die verstärkte Juniorenauswahl aus dem Tessin kämpfte heroisch, konnte die Niederlagen gegen die übermächtigen Berner aber nicht abwenden. So sicherte sich Bern den Ligaerhalt, allerdings unter wüsten Schmährufen der enttäuschten Fans aus dem Tessin. Knipser Knuser wollte ein Bier aufs Eis werfen, traf sich aber selber, der Mann vom schicken Möbelladen kam mit seinem Gerstensaft ein wenig weiter und schoss den vor ihm stehenden Vater von Knipser Knuser ab.

Kloten war im Verlaufe der Swiss League Playoffs immer besser in Form gekommen und hatte das Finale locker mit vier Siegen zu null Niederlagen gewonnen. Der B-Meister ging somit erholt und als Favorit in die Serie gegen Ambrì. Beide Mannschaften gewannen ihre jeweiligen Heimspiele, mal ein wenig knapper, mal ein wenig klarer. So stand es nach sechs Spielen unentschieden und es stand die erwartete und befürchtete Belle in der Valascia an. Und von diesem Spiel sollten die Anwesenden noch lange erzählen, ihren Kindern, Enkeln, Schwiegermüttern und auch sonst allen, die es eigentlich gar nicht interessierte. Kloten führte nach vier Minuten mit drei zu null, alle drei Tore waren äusserst knapp und jedes mal studierten die Schiedsrichter das Video mindestens (gefühlte) sieben Minuten. Jedes Mal entschieden die Schiedsrichter auf Tor, wütende Proteste konnten sie nicht davon abhalten. Darauf beruhigte sich das Geschehen ein wenig bis zur neunzehnten Minute, als gleich zwei Leventiner gleichzeitig auf die Strafbank geschickt wurden. Kloten suchte mit aller Vehemenz die frühzeitige Entscheidung (Chris McSorley hätte vermutlich den Torhüter rausgenommen aber so weit gingen die Flughafenstädter dann doch nicht), stand dabei sehr offensiv und lief gleich zweimal fast schon fahrlässig in Konter, welche zu einem doppelten Shorthander in doppelter Unterzahl führten. Zwei zu drei nach dem ersten Drittel. In Drittel zwei spielte Ambrì gross auf und kam zu drei Toren, wobei einmal Torhüter Conz den Assist gab und die erstmalige Führung gleich selber mit einem verunglückten Befreiungsschlag erzielte. Somit fünf zu drei vor dem Schlussdrittel. In diesem erhöhte Ambrì auf sieben zu drei, worauf Kloten den Torhüter zwölf Minuten vor Schluss durch einen weiteren Feldspieler ersetzte und so drei Minuten vor Schluss ausgleichen konnte. Den Torhüter liessen sie gleich draussen (es lief ja so gut oder sie hatten den Ausgleich in der Euphorie nicht realisiert), worauf Luca Cereda (er hatte sich wegen der vielen Verletzungen selbst aufgestellt) wenige Sekunden vor Schluss mit einem Konter auf das leere Tor zusteuerte. Er wurde unmittelbar vor Schussabgabe von hinten niedergemäht (nicht mal Tobiässli (der das Stadion einmal hoch oben in Altanca vergeblich gesucht hatte) von Claudia hätte eine bessere Blutgrätsche hingekriegt), worauf der Puck am Tor vorbeikullerte. Wieder lange Diskussionen, welche dann kurz vor Mitternacht aber im Entscheid „technisches Tor“ mündeten und womit sich Ambrì zwei Sekunden vor Schluss rettete. Und auch wenn es zum Spiel gepasst hätte, konnte Kloten diesen Rückstand nicht mehr aufholen. Ambrì war einmal mehr nicht abgestiegen, noch legendärer als 2009 in Biel und viel legendärer als gegen Visp 2012 und vor allem viel legendärer als 2013 in Langenthal. Stundenlang lagen sich Spieler und Fans in den Armen, dankten dem Hockeygott, feierten den Präsidenten, Trainer, Materialwart und Stadionbeizer. Genau erinnern kann sich niemand mehr, kurz nach Mitternacht war das Bier alle und ab dann wurde wahlweise Wein oder Nussschnaps in Bierbechern ausgeschenkt.

Ja, es war nicht so, aber es hätte so sein können und es wäre grandios gewesen. Und wir hätten noch lange darüber geredet. Und uns noch viel länger daran erinnert.

Und ja, irgendwann über Ostern war mir ein wenig langweilig.

Ich freue mich auf die nächste Saison.

100 Tage 2020 – über Corona, Arbeitswege, eine abgebrochene Skisaison und einkaufende Rentner

Nun, das Jahr 2020 begann so weit ja so normal: alle stiessen im Astoria zu Arosa (mein Lieblingshotel, dem ich seinen ganz eigenen Beitrag gewidmet habe) mit von Jasmin (welche ja eigentlich Chantal heisst, aber immer böse wird, wenn man es Schantall ausspricht) servierten gekühlten, kohlesäurehaltigen Getränken auf das neue Jahr an und Oli gab den ‚Highway to hell‘ zum Besten (ja, wenn wir damals schon gewusst hätten, dass wir gerade auf die Schnellstrasse in Richtung Hölle einbogen, zum Glück wussten wir es nicht). Das Wetter war wunderbar, die Pisten in Arosa voll. Dummerweise stürzte ich am zweitletzten Tag saudumm (und ein zu Hause im Schrank vor sich hin mottender Rückenpanzer entfaltet eben nur begrenzte wenig keine Wirkung). Weil der Schmerz nicht besser sondern schlimmer wurde (irgendwann fühlte es sich an, als hätte mir jemand ein Messer in den Rücken gerammt (schlimmer als jede Männergrippe)), suchte ich mit einer Woche Verspätung sogar die Notfallaufnahme im Kantonsspital Baden (für Insider: ja, genau, Knipser Knuser umschrieb es der Einfachheit halber mal als das grosse Haus, wo man hingeht, wenn man krank ist) auf (damals, als man das noch ohne Voranmeldung zur Notaufnahme durfte). Wartezeit schlappe 3 Stunden, denn immer als ich fast dran gewesen wäre, wurde wieder ein (offenbar anderweitig schwer gestürztes) schreiendes Kind mit blutendem Kinn hereingetragen…oder so ähnlich.

Nun, die muskelentspannenden Medikamente entfalteten Wirkung (und man schläft wahnsinnig gut, so gut, dass ich nach acht Jahren tatsächlich erstmals an einem Samstag meinen Unterricht (als Dozent und nicht Student wohlverstanden) verpennte) und so fuhr ich schon bald in die nächsten Skiferien, dieses Mal mit den Fröschen, natürlich wieder nach Arosa (darüber berichtet habe ich hier). Ich steuerte direkt auf einen neuen Rekord an Schneetagen pro Saison hin. Dachte ich.

Das nächste Skiwochenende in Arosa war dann ein wenig überschattet von fast schon unzähligen Telefonkonferenzen infolge dieses Corona (und von einem weiteren, noch dämlicheren Sturz, bei welchem ich mir die Rippen auf der noch unversehrten Seite quetschte). Ehrlich gesagt fand ich die Massnahme meines Lieblingsarbeitgebers leicht übertrieben, Teams auf verschiedene Standorte aufzuteilen und ein Kontaktverbot zwischen den Standorten zu erlassen. Naja, im Nachhinein war es sogar untertrieben, bald verschoben wir so viele Mitarbeitende wie irgendwie möglich ins Home Office. Mit dem angenehmen Nebeneffekt massiv verkürzter Arbeitswege.

Das traditionelle Männerskiweekend Mitte März war dann kein Skiweekend mehr. Gleich am Freitag beendete der Bundesrat die Skisaison (was ein paar Schlaumeier im Kanton Bern leider so sehr missverstanden, dass sie erst am Samstag schlossen), die Restaurants wurden auf 50 Gäste begrenzt und am Montag dann ganz geschlossen. Alles soweit erträglich, irgendwie einfach doof, dass ich am folgenden Dienstag den dringend notwendigen Termin bei meiner Lieblingscoiffeuse gehabt hätte (und hier braucht jetzt wohl niemand eine Erklärung des Konjunktivs).

heutiger Zwischenstand in der Corona Hair Style Trophy

Ich habe jetzt dafür mehr Zeit, Social Media zu pflegen und bin tatsächlich wieder einmal von Watson zitiert worden (und zwar in der Rangliste der 30 lustigsten Corona-Tweets, ok, nur Rang 29, aber hätte es einen zweiten Lauf gegeben, hätte ich Stile eines Ingemar Stenmark angegriffen und das Feld von hinten aufgerollt, aber es gab ja keinen zweiten Lauf). Dies erwähne ich hier übrigens nur, damit ich Watson taggen kann und so meine Chancen erhöhe in der Liste der 30 besten Corona-Blogger zu erscheinen.

Der (ein wenig) Ruhm und Ehre bringende Tweet

Aber Corona hat ja auch schöne Seiten: Ich kaufe nun für zwei Personen aus der Risikogruppe ein und mittlerweile haben wir das Übergabeprozedere so weit perfektioniert, dass sogar ein Bier unter Einhaltung von maximalen Distanzregeln möglich ist. Einfach nur eins, damit ich wieder zu Hause bin, bevor das Bier auf die Blase drückt und ich das Haus der Risikoperson nicht betreten muss. Virtuelle Feierabendbiere finden fast schon regelmässig statt und sogar an einer ersten virtuellen Geburtstagsparty war ich dabei. Ich habe gelernt, virtuell zu unterrichten und zwar ganz alleine (was quasi eine Sensation ist, denn bei der Erstinstallation meines Internet-Anschlusses benötigte ich noch die Hilfe des schicken Möbelhändlers (aber das war so um die Jahrtausendwende).

Und das frühzeitige Ende der Skisaison wirkt sich sehr positiv auf mein #Projekt3660 aus (die zwei Gratis-Essen sind übrigens schon lange weg, ich freue mich trotzdem über weitere Spendenzusagen), mein Rückstand auf die Marschtabelle per Ostermontag wird eher bei 100 Kilometern als bei 200 liegen, was die Chancen auf eine erfolgreichen Abschluss massiv erhöht.

Was mich immer noch nervt (auch wenn die Disziplin massiv zugenommen hat): die einkaufenden Alten. Wenn ihr schon einkaufen müsst, warum nicht im Volg mit vielleicht drei Kunden? Warum zum Teufel müsst ihr in einen grossen Coop und warum zur Hölle müsst ihr beim Gemüse noch ein Schwätzchen halten? Und vor allem: Warum (why the hell) am Samstagnachmittag, wenn der Laden auch ohne Euch voll wäre? Damit ihr mal heldenhaft erzählen könnt, ihr hättet den höchsten ‚möglichst viele Viren pro Altersjahr-Quotienten‘ überlebt? Und an Grossfamilien mit vielen Kindern: Ist es sinnvoll (ratsam, schlau, intelligent) mit allen Kinder möglichst lang in diesem grossen Coop zu sein? Etwa so sinnvoll (ratsam, schlau, intelligent) wie der Rentner, der über Ostern ins Tessin fahren musste, um den Rasen seines Ferienhauses zu wässern (sorry, aber bitte what the fuck?).

Was ich sagen will? Die Kurve scheint abzuflachen, die Spitäler können aktuell die Last tragen, eine schrittweise Öffnung der Wirtschaft scheint möglich. Also haltet jetzt doch einfach diese zwei Wochen noch durch. Geht an die Frische Luft und geniesst den Frühling. Aber reduziert Eure sozialen physischen Kontakte auf das absolute Minimum. Und wenn sie absolut notwendig sind, dann bleibt auf Distanz. Und für diejenigen, welche nicht auf 5 zählen oder 2 Meter abschätzen können: bleibt einfach alleine zu Hause oder #staythefuckhome (it could save lifes).

Frohe Ostern allerseits!

2 Wochen Lockdown

Vor einer Woche habe ich ja alle, also wirklich alle, aber noch viel mehr alle Personen aus Risikogruppen, und da vor allem die teils sehr uneinsichtigen Rentner, ultimativ aufgefordert, jetzt einfach zu Hause zu bleiben. Zu Neudeutsch #staythefuckhome (ja, ok, es ginge theoretisch auch ohne fuck, aber das ist jetzt wirklich sehr theoretisch) oder auf Schweizerdeutsch wohl am ehesten „bliebed jetzt eifach mal dihei, gopfertelli!“.

Nun, eigentlich würde ich ja jetzt gerne beurteilen, ob sich nun alle brav daran halten. Aber irgendwie kann ich das nicht wirklich. Denn ich selber bin ja kaum noch unterwegs. Eingekauft habe ich diese Woche am Samstag zum ersten Mal, für mich und meine Mutter, die ich nach langem Kampf, unter anderem ausgetragen in den sozialen Medien, dazu bringen konnte, sich einkaufen zu lassen. Sogar online bestellt hat sie Lebensmittel zwischenzeitlich, leider erfolgt aber jene Lieferung erst Mitte April. Offenbar ist sie nicht die Einzige, welche jetzt die Vorteile des Online-Shopping entdeckt. Aber bei diesem Samstagseinkauf stellte ich grosse Disziplin fest: fast schon peinlich genau bemühten sich alle um Abstand, vor der Gemüsewaage wurde brav gewartet, an der Kasse Abstand genommen. Und meine Mutter wäre echt aufgefallen: ich sah genau einen Mann, den man eindeutig der Risikogruppe Rentner zuordnen konnte. Und ihm hätte ich am liebsten direkt gesagt, dass es in praktisch jeder Gemeinde nun doch freiwillige Helfer gibt, welche das erledigen.

Was weiter auffällt, dass Bahnhöfe und Züge wirklich leer sind. Wenn man sich den Wagen (nicht das Abteil) mit einer zweiten Person teilen muss, dann ist es fast schon eng. Nicht nur zu Randzeiten, auch mitten in der (ehemaligen, in Englisch: formerly known as) Stosszeit. Auf den Bänken draussen (also wir würden das ja Bänkli nennen, aber das verstehen dann meine Lieblingsmenschen von der Walfamilie wieder genau so nicht wie sie schon Polterabend nicht verstanden haben oder zumindest nicht verstehen wollten) hat es auch praktisch keine Leute mehr, teilweise sind sie aber auch abgesperrt (ja, und dann hat es halt offensichtlich keine Leute mehr, weil es keine Leute mehr haben kann). Gewisse Menschen gehen wirklich auf Distanz. Ich absolviere den Arbeitsweg jetzt teilweise zu Fuss. Und es gibt also Menschen, die die Strassenseite wechseln, damit wir uns nicht kreuzen müssen. Normalerweise nähme ich dies ja persönlich. Also jetzt auch, aber irgendwie dankbar. Mein Arbeitsweg führt zu einem guten Teil entlang der Limmat (Fluss in der Schweiz, für die nicht Ortskundigen), an manchen Stellen ist der Weg recht schmal. Und wenn man sich dort kreuzt, dann sind 2 Meter Abstand gar nicht möglich. Aber meine äusserst vernünftigen „Wegkreuzer“ (und ich auch, also ich halte mich auch für sehr vernünftig, war ich schon immer) nicken uns nur noch zu, um uns nicht versehentlich beim freundlichen „guete Morge“ virenbefallen anzuspucken.

Ja, das sind die Vernünftigen. Es gibt aber auch immer noch die Anderen. Kleine Gruppen von Jugendlichen, welche sich trotz aller Warnungen ganz nah zueinander setzen müssen auf dem Schulhausplatz. Bei denen läuft wohl zu Hause irgendetwas schief, wenn sie auch bei 5 Grad lieber draussen rumhängen und von ihren Eltern offenbar auch in keiner Art und Weise daran gehindert werden (können). Oder Frauen mit spielenden Hunden, welche ihren Sidetalk nicht aus 2 Metern Distanz führen können. Und welche mich verständlos anschauen, wenn ich sie frage, ob sie im gleichen Haushalt wohnen würden (ja, klar, es geht mich nichts an und eigentlich ist es mir frei nach Rüdiger Hofmann auch so was von egal). Und wäre ich nicht so höflich, würde ich ihnen am Liebsten #staythefuckhome ins Gesicht brüllen.

Insgesamt würde ich sagen, dass die nicht-Ausgangssperre gut funktioniert. Auch vermeldet nicht-Linguistiker Daniel Koch vom BAG (seine Erklärung, warum er den Konjunktiv nicht erklären könne, ist wohl der humoristische Höhepunk der gesamten Corona-Krise, der link zum kurzen Video hier) zwar noch keine sinkenden aber immerhin weniger steil steigende Neu-Infizierten-Zahlen, obwohl die Tests offenbar massiv ausgeweitet wurden. Wobei die grosse Bewährungsprobe noch kommt: eine leicht abflachende Ansteckungskurve könnte dazu anregen, die Disziplin ein wenig zu reduzieren. Und ein schöner sonniger Frühlingssonntag (heute wohl eher weniger) wird die Leute nach draussen treiben und ob sie dann noch Abstand halten, bleibt abzuwarten. Und sinkende Disziplin würde die Chance auf eine totale Ausgangssperre wieder massiv erhöhen und ja, ehrlich, die möchte ich auf keinen Fall.

Was wird von Corona bleiben, wenn der Virus dann mal überstanden ist? Ich denke, dass Bund und Kantone ihre Notbestände an medizinischem Material aufstocken werden (irgendwie fast schon peinlich, wie uns die Blockierung einer einzigen Lieferung an Schutzmasken durch den grossen Nachbarskanton im Norden in Nöte bringt). Alle Berufe im Gesundheitswesen werden hoffentlich (auch finanziell) mehr Wertschätzung erfahren. Home Office wird etabliert sein (auch für all die Chefs, welche vor 4 Wochen noch dachten und behaupteten, dass dies bei ihnen total unmöglich ja gar undenkbar sei). Wir alle werden bei unseren digitalen Fähigkeiten einen grossen Quantensprung gemacht haben (ich bin jetzt ja nicht grad der Ober-Techie, aber ich unterrichte jetzt virtuell ab I-Phone mit zoom (und ich kann dabei sogar #staythefuckhome als virtuellen Hintergrund einblenden, dies im Klassenzimmer jedes Mal aufzuhängen wäre massiv mühsamer) und auch wenn es noch ungewohnt und eher hölzern ist: die Technik ist dabei nicht das Problem).

Als Entschädigung für den grossen und grossartigen Einsatz in der vergangenen Arbeitswoche bekommt Teststudent Marco Ferrara einen bebilderten Gastauftritt

Und weil ja dann alle die Videotechnik begriffen haben, könnte sich die Geschäftsreisetätigkeit massiv reduzieren. Die für Ferien wohl nicht, Strandurlaub ab Video ist wohl nicht das Gleiche, aber ein dröges, internes Meeting braucht wohl wirklich keine physische Anwesenheit mehr. Und weil wir uns gerade an aus der Form gewachsene Frisuren gewöhnen (müssen), sind wir vielleicht alle ein wenig weniger eitel.

Ja, und dann frage ich mich noch, ob wir uns inskünftig noch bei jeder Gelegenheit die Hände schütteln werden (so zur Begrüssung beim Lunch, war ja eigentlich schon immer eklig). Und ob sich das ‚blieb gsund‘ als das neue ‚en Schöne‘ (habe ich nie besonders gemocht) etablieren wird.

Wir werden sehen. Bis dann gilt weiterhin: #staythefuckhome (so betitelter Beitrag von letzter Woche hier) oder bliebed jetzt eifach dihei, gopfertelli! Und dann erweist sich vielleicht sogar der neue most popular Hashtag #alleswirdgut nicht nur als zweckoptimistische Hoffnung sondern als echte Prognose.