Klare Kommunikation – ohne Abschweifer

Dislaimer (um mir Hasskommentare zu ersparen): Dieser Post ist nicht pro „Maskenpflicht im Freien“, er handelt von der Durchsetzung von definierten Regeln. Am Beispiel der Maskenpflicht im Freien. Wer diese Unterscheidung nicht versteht, der möge nicht weiterlesen.

Heute Morgen war ich an der Tankstelle bei Coop Pronto. Vor dem Shop standen drei junge Männer sehr nahe beieinander und schauten sich ein sicher lustiges Video auf einem Smartphone an. Warum ich das erzähle?

Weil ich das Gefühl habe (nein, kein wissenschaftlicher Beweis, ein Gefühl), dass dies mit der eher schwammigen behördlichen Kommunikation (oder sogar mit der Schwammigkeit der Regeln an sich) zu tun hat. Hier mal eine Snapshot der letzten Aenderungen in Bezug auf die Ausdehnung der Maskenpflicht:

Quelle: BAG

Ich würde mal zusammenfassen: Recht kompliziert und vor allem der letzte Satz wird dann irgendwann sehr schwammig. Zumal ja auch hinlänglich bekannt ist, dass zwar grundsätzlich eine Verzeigung bei Nicht-Einhaltung erfolgen kann, die Polizei aber nicht ermächtigt ist, Ordnungsbussen auszustellen.

Vor allem der letzte Satz hat es in sich: „…wo der erforderliche Abstand…nicht eingehalten werden kann“. Warum liebes BAG verwendet ihr eine so unscharfe Formulierung? Wenn ich drei Erfahrungen aus meiner Führungserfahrung (und die ist jetzt doch schon ein paar Jahre gewachsen) mitnehme, dann die, dass

  1. einfache Regeln leichter zu kommunzieren sind als komplizierte.
  2. Regeln, die nicht durchgesesetzt werden (könnnen), wenig Wirkung erzielen.
  3. die Kumulation von Regel 1 und und Regel 2 dazu führt, dass man sich die Aufsetzung einer Regel auch sparen könnte.

Im konkreten Beispiel heisst dies, dass vor Läden oder auf dichter bevölkerten Strassen die MaskenträgerInnen in der Minderheit bleiben werden und im dümmsten Fall von den Nicht-Trägern noch schräg angeschaut werden. Kennen wir doch irgendwie vom öffentlichen Verkehr, wo die Empfehung des Maskentragens wenig Effekt hatte (gefühlt 20 %,), die Vorschrift und die angedrohte Konsequenz (Entfernung aus dem Zuge) aber eine sehr gute Wirkung (gefühlt 95 %).

Also hätte ich da drei Empfehlungen (ich weiss, hört sich jetzt irgendwo zwischen Klugscheisser und Oberlehrer an, ist aber ernst und vor allem wirklich gut gemeint):

  1. Die Formulierung ändern von „wo der Abstand nicht eingehalten werden kann“ hin zu „wo Sie den Abstand nicht einhalten“. Dies würde Klarheit schaffen und gäbe jeder einzelnen Person die Handlungsoption den Abstand einzuhalten (zum Beispiel beim Schwatz mit dem zufällig angetroffenen Kollegen) oder wenn man das nicht will, halt eine Maske anzuziehen. Denn aus meiner Sicht ist „Abstand“ in den meisten Fällen (ausser vielleich im öffentlichen Verkehr zur Stosszeit) selbst aktiv gewählt und kein passiv aufgezwungener Zustand.
  2. Ich bin weder Jurist noch Politologe aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es doch möglich sein müsste, in irgendeiner geeigneten und legalen Form Ordnungsbussen für entsprechendes Fehlverhalten einzuführen. Ich meine, wir haben im März immerhin mal rasch diversen Berufsgruppen ein faktisches Berufsverbot erteilt. Also aus meiner Sicht lieber die Ordnungsbusse allenfalls rechtlich ein wenig durchwürgen als irgendwie superdemokratisch und legal wieder einen Lockdown befehlen zu müssen.
  3. Es macht aus meiner Sicht Sinn, wenn lokale „Hotspots“ (in Bezug auf das Personenaufkommen) mit einer generellen Maskenpflicht versehen werden. Tagesschwankungen im Fussgängeraufkommen kann man problemlos mit einer zeitlichen Befristung Rechnung tragen, wie dies z.B. die Stadt München tut.

Ich respektiere übrigens auch andere Meinungen und finde entsprechende Rückmeldungen spannend. Danke, dass Ihr auch meine Meinung respektiert. Und egal, wie genau Eure Meinung aussieht (und sogar unabhängig davon, was ihr von Donald Trump und seinem aktuellen Verhalten hält): Bliebed xund!

Next Stop: virtual schooling @HSLU

Darf, kann, muss oder soll man im Winter 20/21 Skifahren gehen?

Bevor ich die Fragen beantworte ein schönes Bild aus dem bereits verschneiten Arosa:

Nun, genau die im Titel gestellten Fragen habe ich mir gestellt. Und drei der vier sind recht einfach und schnell beantwortet:

Darf: Ja, man darf. Die Schweiz versucht sich aktuell im Gegensatz zu allen Nachbarländern in einem Slowdown und verzichtet auf einen Lockdown. Sprich die Sportanlagen sind offen, die Restaurants ebenso und auch ein Hotel findet sich. Man darf also.

Kann: Ja, man kann. Die Sportanlagen sind wie gesagt offen, man kann also rein technisch gesehen problemlos Skifahren gehen.

Muss: Nein, ganz sicher nicht, denn „Kein Mensch muss müssen“ (Gotthold Ephraim Lessing. (1729 – 1781).

Soll: Wäre diese Frage so rasch beantwortet wie die anderen drei, dann könnte dieser Blog in die Liste der kürzesten Blogs aller Zeiten aufgenommen werden. Aber genau diese Frage hat es in sich. Insbesondere auch, weil die behördliche Kommunikation in Sachen Corona durchaus widersprüchlich ist.

Warum ich mir diese Fragen überhaupt stelle: Ich war letztes Wochenende Skifahren, genau genommen in Arosa, meiner liebsten Destination. Irgendwie schuldete mir die abgebrochene Saison 2019/2020 noch ein paar Skitage und so wollte ich zwei davon bei erster Gelegenheit nachholen. Durchaus auch mit dem Hintergedanken eines drohenden Lockdowns, welcher dann weitere Schneetage bis auf Weiteres verunmöglichen würde.

Anreise mit dem Zug, ich gönnte mir ein Ticket erster Klasse, somit waren die Abstände auf jeden Fall sehr gut einzuhalten. Auch die Maskenpflicht wurde (bis auf einen weit entfernt sitzenden Nasenpimmler) ernst genommen und umgesetzt. Auch an die Masken am Bahnhof scheinen sich die meisten Menschen bereits gewöhnt zu haben, obwohl die Wirkung ja umstritten ist. Nur vier Jugendliche in der unterirdischen Passage am Bahnhof Zürich mussten eng an eng sitzen und sich dazu laut und lustig Geschichten aus ihrem Leben erzählen – natürlich ohne Maske, obwohl die Pflicht wohl primär wegen solcher Situationen besteht.

Im Hotel von Check-In bis Check-Out Maskenfplicht ausser im eigenen Zimmer und am eigenen Tisch bei Frühstück und Abendessen. Und obwohl ja ganz laut und viel diskutiert wurde, ob man eine Maske tragen kann, um ins Restaurant reinzugehen oder sich am Buffet zu bedienen, fällt das Fazit kurz aus: Es geht und es geht sogar problemlos. Und alle, welche sich über die Maskenpflicht aufregen: In Oesterreich startet heute Abend der zweite Lockdown und ab 20.00 Uhr herrscht Ausgangssperre. Welches ist das kleinere Uebel?

Beim Skifahren ebenfalls Maskenpflicht beim Anstehen und in der Gondel (diese bestand ja schon seit Juli). Nun aber auch Maskenpflicht beim Anstehen am Sessellift und bei der Fahrt auf diesem. Nun, die Beschriftung könnte noch ein wenig grösser und klarer sein, aber eigentlich wussten es ja alle. Zu gewissen Zeiten stand ein „Ranger“ neben den Anstehenden und machte auf (von der Fahrt) noch unter dem Kinn getragene Masken (kann ja mal passieren, dass jemand vergisst, sie hochzuziehen) aufmerksam. Einem „Verweigerer“, welcher die Maske erst genervt aus der Hosentasche hervorziehen musste, drohte er freundlich aber bestimmt den Entzug des Skipasses an. Diese Kontrollen sind aus meiner Sicht sehr angebracht aber noch zu selten. Ob es dafür einen „Ranger“ braucht oder ob nicht der normale Personalbestand eines Sesselliftes dies stemmen könnte, ist aus meiner Sicht fraglich. Ein kurzes Zeichen im Sinne von „zieh bitte die Maske hoch“ und „ich sehe Dich“ würde wohl genügen, um die Maskendisziplin zu erhöhen. Denn eines ist wohl sicher: nur ein perfekt eingehaltenes Schutzkonzept wird es den Skigebieten ermöglichen, offen zu bleiben. Sollte nur schon der Verdacht entstehen, dass nonchalantes Verhalten zu Ansteckungen führt, wird dem Spass wohl ein jähes und schmerzhaftes Ende bereitet.

Maske laufend Hochziehen ist mit Helm und Handschuhen tendenziell etwas mühsam, wobei Einwegmasken eher besser gehen als Stoffmasken. Wirkliche Erleichterung bringen dann wohl die Schläuche, welche letztes Wochenende noch nicht erhältlich waren. Online werden schon an diversen Orten welche angeboten, sofort liefern kann der Schweizer Anbieter Maskenshopping.

Nicht ganz so bequem, dafür sehr chic: die Stoffmaske des EHC Arosa

Womit ich zurück komme zur Frage, ob man soll. Die bundesrätliche Aufforderung bezieht sich darauf, Kontakte zu reduzieren. Dies kann auf zwei grundlegend unterschiedliche Arten geschehen. Ich reduziere effektiv die Kontakte, indem ich zum Beispiel im Home Office arbeite oder mich nicht mehr auf ein Bier verabrede (oder aufs Skifahren verzichte). Oder ich nehme die Kontakte zwar zum Teil noch wahr, halte aber Abstand (z.B. anstatt ins Restaurant zu gehen für eine Pizza, diese ins Büro zu bestellen und dort mit Abstand zu meinen Kollegen essen). Oder adaptiert aufs Skifahren: Ich fahre nicht mit drei Freunden die 360 Kurven ins geliebte Arosa hoch, gehe mit drei anderen zum Essen am Mittag, mit nochmals anderen zum Apéro und mit wieder anderen zum Abendessen, sondern ich gehe mit ein bis drei Freunden ein Wochenende weg und reduziere meine Kontakte auf genau diese eins bis drei. Damit senke ich das Ansteckungsrisiko (und auch wenn alle bis und mit mein Alter wohl nicht an Corona sterben werden, so gibt es doch hässliche Geschichten über Langzeitschäden), ich reduziere aber auch das Risiko, in eine Quarantäne geschickt zu werden infolge eines zu nahen und zu langen Kontakts. Und ganz ehrlich: eine Quarantäne ist bei vielen Kontakten ja grundsätzlich auch mehrfach möglich und ich würde wohl durchdrehen, wenn ich diesen Winter mehrmals faktisch zum Hausarrest verdonnert würde.

Und darum fällt meine Antwort auf die Frage „soll man?“ differenziert aus: Ja, man soll. Der Bundesrat lässt die Bergbahnen, Hotels und Restaurants unter anderem darum offen, weil er aus einem Lockdown zu grossen wirtschaftlichen Schaden fürchtet. Und wenn niemand mehr geht, dann könnte man genausogut einfach zumachen. Aber man soll sich überlegen, wie man Skifahren geht: nämlich unter Einhaltung der Regeln (Abstand und wo das nicht geht Maske) und Beschränkung der Kontakte auf die direkten Reisebegleiter. Und da die Corona-Massnahmen ja offenbar vor allem notwendig sind, um eine Überlastung der Spitäler zu verhindern, macht es wohl Sinn, zwecks Vermeidung von Unfällen ein wenig Tempo rauszunehmen und auf Alkohol auf der Piste zu verzichten.

Dies wäre ein Appell an alle, dies mehr oder weniger so umzusetzen. Denn es wäre schade, wenn die Saison unter- oder gar abgebrochen werden müsste. Und dass dies droht, lässt sich spätestens seit der Wiedereinführung der Geisterspiele in Fussball und Eishockey nicht mehr abstreiten. Auch die Sportclubs hatten gute Schutzkonzepte, diese wurden wohl grösstenteils sehr gut eingehalten, trotzdem identifizierte man genau diese Veranstaltungen irgendwann als Gefahrenherd, wodurch es sie nicht mehr gibt in dieser Form. Also: Kontakte so knapp wie möglich halten und Maske auf wo vorgeschrieben und/oder sinnvoll. Und sich nicht über die Maske aufregen, sondern sich daran freuen, dass wir Skifahren dürfen.

Cheers, mates.

Next stop: Homeoffice!

Unmöglich, dass ich einmal Ueli Maurers Meinung (fast) uneingeschränkt teile – aber Corona macht alles möglich

Ja, unser Finanzminister ist wohl eines der beliebtesten Parodie-Opfer der letzten 20 Jahre. Seine clowneske Frisur (welche mit der Kürze ein wenig an diesbezüglicher Würze verloren hat) machte ihn mit oder ohne rote Nase sofort erkennbar.

Quelle: svp.ch

Viktor Giaccobo (den meine Mutter in seinen Anfängen konsequent Giacomo nannte) liess Ueli jeweils nach Uebervater Christoph rufen (weil er grad fragen musste, ob er a) für den EU-Beitritt stimmen soll, b) einem Bundesrat die Hand schütteln soll oder c) rasch zur Toilette dürfe). In einer angeblichen Kindersendung wurde er zum lustigen Mittanzen beim „Ringel-Ringel-Reihe“ animiert genötigt und liess dies gnädig über sich ergehen (der link dazu hier). Ganz generell liess er alles in fast schon stoischer Ruhe über sich ergehen, also zumindest eine dicke Haut hatte er wohl immer.

Quelle: srf.ch

Nur einmal schaffte es Roger Schawinski, ihn aus der Fassung zu bringen, so sehr, dass er kurzerhand das kleine Studio von Tele 24 verliess (wobei ich diese Aktion immer im Verdacht hatte, dass sie abgesprochen war, da das Skandälchen beiden Protagonisten nützte (und irgendwie einstudiert wirkte)). Dass dieser Mann mal Bundesrat werden würde, war etwa so ausgeschlossen wie a) dass die SVP je für eine konstruktive Zusammenarbeit mit Europa wäre, b) ein Dunkelhäutiger US-Präsident würde oder c) Uebervater Christoph selber Bundesrat werden könnte. Nun, die Geschichte lehrt uns ja manchmal, dass unmögliche Dinge möglich sind, in Bezug auf die Zusammenarbeitsfähigkeit der SVP besteht ja allenfalls auch noch Hoffnung.

Nun, Ueli wurde Bundesrat. Sein Start im VBS ziemlich holprig, seine Aussage zur „besten Armee der Welt“ wurde mehr zum Kalauer als zum Ziel, den Kampfjet (-Prototypen) aus Schweden versenkte er in einer Volksabstimmung kollosal (sorry, Ueli, ich habe zu Deiner Niederlage beigetragen). Bei einer Interviewanfrage hatte er auch mal schlicht ‚kä Luscht’. Wie er genau den Finanzolymp erklimmen konnte, ist mir eigentlich eher unerklärlich. Aber aus meiner Sicht hat der Mann seither klar an Format gewonnen. Die Finanzen hat er gut im Griff, die Ueberschüsse waren immer höher als prognostiziert (was keine besondere Qualität ist, aber politisch grundsätzlich nicht ungeschickt, wenn man seinen Finanzhaushalt im Griff haben will).

Nun, bei Corona war er nicht grad der grosse „Bringer“. Angeblich soll er gegen einen Lockdown gewesen sein und sein Interview in der NZZ (die ja auch total gegen zu viel staatliche Hilfe ist, dann aber trotzdem die hohle Hand machte – was sie den Ertrag meines Abos der NZZ am Sonntag kostete) ritzte das Kollegialitätsprinzip aufs äusserste Maximum, was ich besonderns in einer Krisensituation (höflich ausgedrückt) schwierig finde. Bei seiner Finanzhilfe neigte er zur Uebertreibung (angeblich waren an besagten Sonntagmorgen nicht dreihundert sondern nur hundert Bankchefs am Telefon, aber ist ja immer noch recht viel), bei der angekündigten Durchlaufzeit für einen Covid19-Kredit war er dann mit der genannten halben Stunde doch arg optimistisch oder forsch.

Aber mit seiner kurzen Speech (link hier) vor dem Nationalrat (mehr: sein Appell an die Damen und Herren Parlamentarier) vom Mittwochabend riss er es irgendwie heraus. Und ja, eben, obwohl ich es nicht für möglich gehalten hätte, muss ich ihm für einmal einfach komplett und umfassend (naja, ok, dass die Schweiz den besten Wein hat war wieder so eine kleine Uebertreibung, aber die will ich ihm mal nachsehen) recht geben: Lasst uns die Beerdigung(sstimmung) beenden, lasst uns das Leben und den Sommer und unser schönes Land und von mir aus auch den Wein geniessen. Und lasst uns Geld ausgeben: die Rezession wird nicht weniger schlimm sondern schlimmer, wenn jetzt alle möglichst viel Geld zur Seite legen. Lasst uns dabei aber Abstand und Hygiene halten und lasst uns vor allem die Risikogruppen weiter möglichst gut schützen.

Wobei hier der Appell wohl ein wenig zu spät gekommen ist. Angeblich feierten ja rund fünfzig solche Parlamentarier am Dienstagabend zusammen eine lustige, bierseelige und gesellige Corona-Party im Bea-Restaurant, nachdem sie schon während des Tages intensive Diskussionen in dicht beieinanderstehenden, mittelgrossen Gruppen hatten führen müssen. Was Roger Köppel (vielleicht war er sauer, weil er nicht eingeladen war) und Christoph Mörgeli (er wohl sauer, dass er quasi von den Wählenden des Kanton Zürich ausgeladen wurde) und mich mit ihnen recht sauer machte. Also fast schon unglaublich: Ich stimme in Zeiten von Corona sogar mal (und wirklich nur in dieser Sache) mit Köppel und Mörgeli überein. Zumindest interessant, dass auf meinen entsprechenden Tweet zu dieser angeblichen Party bisher mit Thierry Burkart und Lilian Studer (bei ihr war ich recht sicher, dass sie nicht dabei gewesen war) erst zwei eine Teilnahme an dieser dementierten. Was mich zum Umkehrschluss führt, dass – aber ich will ja nicht so böse sein und verzichte darum auf Unterstellungen.

So, dies eine weitere kleine Corona-Geschichte. Geniesst den Sommer und das Leben – bleibt trotzdem auf Distanz – wascht bitte weiter brav die Hände – und vor allem: bleibt gesund.

Next Stop: Home (noch bis Montag)

2 Wochen Lockdown

Vor einer Woche habe ich ja alle, also wirklich alle, aber noch viel mehr alle Personen aus Risikogruppen, und da vor allem die teils sehr uneinsichtigen Rentner, ultimativ aufgefordert, jetzt einfach zu Hause zu bleiben. Zu Neudeutsch #staythefuckhome (ja, ok, es ginge theoretisch auch ohne fuck, aber das ist jetzt wirklich sehr theoretisch) oder auf Schweizerdeutsch wohl am ehesten „bliebed jetzt eifach mal dihei, gopfertelli!“.

Nun, eigentlich würde ich ja jetzt gerne beurteilen, ob sich nun alle brav daran halten. Aber irgendwie kann ich das nicht wirklich. Denn ich selber bin ja kaum noch unterwegs. Eingekauft habe ich diese Woche am Samstag zum ersten Mal, für mich und meine Mutter, die ich nach langem Kampf, unter anderem ausgetragen in den sozialen Medien, dazu bringen konnte, sich einkaufen zu lassen. Sogar online bestellt hat sie Lebensmittel zwischenzeitlich, leider erfolgt aber jene Lieferung erst Mitte April. Offenbar ist sie nicht die Einzige, welche jetzt die Vorteile des Online-Shopping entdeckt. Aber bei diesem Samstagseinkauf stellte ich grosse Disziplin fest: fast schon peinlich genau bemühten sich alle um Abstand, vor der Gemüsewaage wurde brav gewartet, an der Kasse Abstand genommen. Und meine Mutter wäre echt aufgefallen: ich sah genau einen Mann, den man eindeutig der Risikogruppe Rentner zuordnen konnte. Und ihm hätte ich am liebsten direkt gesagt, dass es in praktisch jeder Gemeinde nun doch freiwillige Helfer gibt, welche das erledigen.

Was weiter auffällt, dass Bahnhöfe und Züge wirklich leer sind. Wenn man sich den Wagen (nicht das Abteil) mit einer zweiten Person teilen muss, dann ist es fast schon eng. Nicht nur zu Randzeiten, auch mitten in der (ehemaligen, in Englisch: formerly known as) Stosszeit. Auf den Bänken draussen (also wir würden das ja Bänkli nennen, aber das verstehen dann meine Lieblingsmenschen von der Walfamilie wieder genau so nicht wie sie schon Polterabend nicht verstanden haben oder zumindest nicht verstehen wollten) hat es auch praktisch keine Leute mehr, teilweise sind sie aber auch abgesperrt (ja, und dann hat es halt offensichtlich keine Leute mehr, weil es keine Leute mehr haben kann). Gewisse Menschen gehen wirklich auf Distanz. Ich absolviere den Arbeitsweg jetzt teilweise zu Fuss. Und es gibt also Menschen, die die Strassenseite wechseln, damit wir uns nicht kreuzen müssen. Normalerweise nähme ich dies ja persönlich. Also jetzt auch, aber irgendwie dankbar. Mein Arbeitsweg führt zu einem guten Teil entlang der Limmat (Fluss in der Schweiz, für die nicht Ortskundigen), an manchen Stellen ist der Weg recht schmal. Und wenn man sich dort kreuzt, dann sind 2 Meter Abstand gar nicht möglich. Aber meine äusserst vernünftigen „Wegkreuzer“ (und ich auch, also ich halte mich auch für sehr vernünftig, war ich schon immer) nicken uns nur noch zu, um uns nicht versehentlich beim freundlichen „guete Morge“ virenbefallen anzuspucken.

Ja, das sind die Vernünftigen. Es gibt aber auch immer noch die Anderen. Kleine Gruppen von Jugendlichen, welche sich trotz aller Warnungen ganz nah zueinander setzen müssen auf dem Schulhausplatz. Bei denen läuft wohl zu Hause irgendetwas schief, wenn sie auch bei 5 Grad lieber draussen rumhängen und von ihren Eltern offenbar auch in keiner Art und Weise daran gehindert werden (können). Oder Frauen mit spielenden Hunden, welche ihren Sidetalk nicht aus 2 Metern Distanz führen können. Und welche mich verständlos anschauen, wenn ich sie frage, ob sie im gleichen Haushalt wohnen würden (ja, klar, es geht mich nichts an und eigentlich ist es mir frei nach Rüdiger Hofmann auch so was von egal). Und wäre ich nicht so höflich, würde ich ihnen am Liebsten #staythefuckhome ins Gesicht brüllen.

Insgesamt würde ich sagen, dass die nicht-Ausgangssperre gut funktioniert. Auch vermeldet nicht-Linguistiker Daniel Koch vom BAG (seine Erklärung, warum er den Konjunktiv nicht erklären könne, ist wohl der humoristische Höhepunk der gesamten Corona-Krise, der link zum kurzen Video hier) zwar noch keine sinkenden aber immerhin weniger steil steigende Neu-Infizierten-Zahlen, obwohl die Tests offenbar massiv ausgeweitet wurden. Wobei die grosse Bewährungsprobe noch kommt: eine leicht abflachende Ansteckungskurve könnte dazu anregen, die Disziplin ein wenig zu reduzieren. Und ein schöner sonniger Frühlingssonntag (heute wohl eher weniger) wird die Leute nach draussen treiben und ob sie dann noch Abstand halten, bleibt abzuwarten. Und sinkende Disziplin würde die Chance auf eine totale Ausgangssperre wieder massiv erhöhen und ja, ehrlich, die möchte ich auf keinen Fall.

Was wird von Corona bleiben, wenn der Virus dann mal überstanden ist? Ich denke, dass Bund und Kantone ihre Notbestände an medizinischem Material aufstocken werden (irgendwie fast schon peinlich, wie uns die Blockierung einer einzigen Lieferung an Schutzmasken durch den grossen Nachbarskanton im Norden in Nöte bringt). Alle Berufe im Gesundheitswesen werden hoffentlich (auch finanziell) mehr Wertschätzung erfahren. Home Office wird etabliert sein (auch für all die Chefs, welche vor 4 Wochen noch dachten und behaupteten, dass dies bei ihnen total unmöglich ja gar undenkbar sei). Wir alle werden bei unseren digitalen Fähigkeiten einen grossen Quantensprung gemacht haben (ich bin jetzt ja nicht grad der Ober-Techie, aber ich unterrichte jetzt virtuell ab I-Phone mit zoom (und ich kann dabei sogar #staythefuckhome als virtuellen Hintergrund einblenden, dies im Klassenzimmer jedes Mal aufzuhängen wäre massiv mühsamer) und auch wenn es noch ungewohnt und eher hölzern ist: die Technik ist dabei nicht das Problem).

Als Entschädigung für den grossen und grossartigen Einsatz in der vergangenen Arbeitswoche bekommt Teststudent Marco Ferrara einen bebilderten Gastauftritt

Und weil ja dann alle die Videotechnik begriffen haben, könnte sich die Geschäftsreisetätigkeit massiv reduzieren. Die für Ferien wohl nicht, Strandurlaub ab Video ist wohl nicht das Gleiche, aber ein dröges, internes Meeting braucht wohl wirklich keine physische Anwesenheit mehr. Und weil wir uns gerade an aus der Form gewachsene Frisuren gewöhnen (müssen), sind wir vielleicht alle ein wenig weniger eitel.

Ja, und dann frage ich mich noch, ob wir uns inskünftig noch bei jeder Gelegenheit die Hände schütteln werden (so zur Begrüssung beim Lunch, war ja eigentlich schon immer eklig). Und ob sich das ‚blieb gsund‘ als das neue ‚en Schöne‘ (habe ich nie besonders gemocht) etablieren wird.

Wir werden sehen. Bis dann gilt weiterhin: #staythefuckhome (so betitelter Beitrag von letzter Woche hier) oder bliebed jetzt eifach dihei, gopfertelli! Und dann erweist sich vielleicht sogar der neue most popular Hashtag #alleswirdgut nicht nur als zweckoptimistische Hoffnung sondern als echte Prognose.

#Projekt3660 – Wasserstandsmeldung mit Abschweifern

Ich habe mir für 2020 ja viel vorgenommen – nämlich pro Tag 10 Kilometer zu Fuss (wobei nur Aktivitäten von mehr als einem Kilometer gezählt werden), also total 3660 km. Und für jeden Kilometer, welchen ich unter den 3660 bleibe, spende ich 4Africa CHF 10, was ein theoretisches finanzielles Risiko von CHF 36600 ergibt. Da ich davon ausgehe, dass ich die 3660 km schaffen werde, suchte und suche ich Gegenwetten von Menschen, welche meine Laufleistung mit einer Spende an 4Africa unterstützen. Alle Details zum #Projekt3660 hier. Und jetzt mal ein nettes Foto von meiner Lieblings-Laufbegleiterin:

Bailey, leicht erschöpft

Nun, unmittelbar nach Publikation des ‚Angebotes‘ gingen ja bereits die ersten Zusagen ein. Die erste und damit Gewinnerin eines Mittagessens mit mir war Nathalie (sie kennen regelmässige Leser schon als Trägerin eines Skihelmes mit integriertem Visier, was ja superpraktisch ist, aber halt leider…ihr wisst schon) und ihre Ansage war nennen wir es mal mutig: pro Kilometer, welchen ich unter oder über die 3660 zu liegen komme, will sie CHF 2 spenden. Einen kurzen Moment überlegte ich, sofort alle Bemühungen einzustellen und ihr eine Rechnung über CHF 7320 zukommen zu lassen. Dann wurde mir bewusst, dass meine Rechnung dann genau 5mal so hoch ausgefallen wäre, worauf ich dem Plan wieder verwarf. Nr. 2 war Yannik, er qualifizierte sich damit für ein Mittagessen auf meine Kosten, einzunehmen alleine. Alleine Essen ist ja quasi mein Lieblingsthema. Und dazu schon wieder eine neue Geschichte, welche grad wunderbar als Abschweifer taugt: Letzte Woche war ich mit Beks zum Lunch. Und für Beks reicht eigentlich ein einziger Abschweifer nicht, er gäbe alleine drei ganze Beiträge her, eine kleine Auswahl: er bestellt locker nach Cordon Bleu mit Pommes anstelle eines Espressos eine heisse Schokolade (Gerüchten zufolge überlegte er sich sogar, diese als Mélange zu bestellen), er sucht Restaurants primär nach der Aussicht aus (obwohl es beim Besuch dann Abend und stockdunkel ist) oder er fragt ernsthaft, ob der Schweizer Film Eine wie iig, dr Dällebach Kari in Deutscher Sprache oder in Englisch mit Untertitel im Kino gezeigt würde. Egal, die zwei Jahre mit Beks waren beruflich meine erfolgreichsten, ob wegen oder trotz Beks sei dahingestellt. Also, ich war mit Beks im Hirschli in Baden (für mich immer noch das beste Lokal der Stadt, die Bistrobestuhlung mag Geschmackssache sein, aber Food und Service haben Klasse. Und Architektur und Einrichtung sind auch nach 20 Jahren noch so zeitlos, dass mich so ein moderner Zürcher (Züricher für Deutsche, Züzis für uns Aargauer) wie Hipster Patrick Tributsch fragte, ob diese Bar neu sei). Wir sassen also gemütlich im Hirschli als Peter (ich nenne ihn ab jetzt den jungen Peter, ihr merkt gleich warum) reinkam, der mit seinem Ex-Chef (ebenfalls Peter, ab jetzt der alte Peter) verabredet war. Der junge Peter blickte schon leicht in Panik um sich, denn er war runde 5 Minuten verspätet, der alte (und pensionierte) Peter hätte also eigentlich schon da sein müssen. Ein Telefongespräch zwischen dem jungen um dem alten Peter brachte Klärung: der alte Peter genoss gerade die Sonne im Tessin und hatte den jungen Peter offenbar vergessen. Der junge Peter war in kurzer Sorge, im Hirschli (wo er als Lokalmatador sogar erkannt werden könnte) alleine speisen zu müssen und deshalb wahnsinnig erleichtert, uns zu sehen (und wir boten ihm sogar Asyl an unserem Tisch an, gemein wäre ja gewesen: ‚du nein, wir haben was wichtiges zu besprechen, vor allem aber schauen wir dir gerne beim alleine essen zu‘), so wahnsinnig erleichtert, dass er sogar Kaffee spendierte (und sogar Beks gönnte sich einem Kaffee und verzichtete auf die heisse Schokolade).

Aber ich war ja eigentlich bei den Spendern: Bisher klar am originellsten die Zusage von Remo: nicht nur hat er das Qualifikationsschema meines Lieblingsarbeitgebers auch Jahre nach seinem Wechsel zur bösen Konkurrenz verinnerlicht, sondern er versteht es auch, Reize zu setzen. Und aus Angst vor diesen Reizen hat Marco seine Zusage um einen Cap bei 4000 km ergänzt und für diese Absicherung sogar eine Prämie von CHF 5 geboten.

Remos Ansage

So und jetzt doch noch die Wasserstandsmeldung zum Projektfortschritt: Nun, nach 40 Tagen stehe ich bei gut 330 km. Dies entspricht einem Durchschnitt von 8.25 km pro Tag, also habe ich mir einen Rückstand von knapp 70 Kilometern auf die Marschtabelle eingehandelt. Nicht weiter beunruhigend: ich war zweimal eine Woche zum Skifahren in Arosa (zuerst im Astoria und dann mit den Fröschen im Hohenfels) und in diesen zwei Wochen war ich nicht grad übermässig läufig. Ausserdem hat mich eine schmerzhafte Rippenprellung (man merke sich: wenn man beim Skifahren auf den Rücken stürzt, dann nützt ein Rückenprotektor sehr wenig, vor allem, wenn er zu Hause im Schrank liegt, mein Besuch in der Notfallaufnahme ist des Abschweifens auch noch wert: immer wenn ich kurz vor der Behandlung stand, wurde wieder ein kleines, schreiendes Kind mit blutendem Kinn hereingetragen, welches dann logischerweise priorisiert wurde, so zumindest meine leicht verzerrte Erinnerung) ein wenig eingeschränkt. Ich wage mal die Prognose: habe ich nach Ostern (und damit nach der Skisaison) runde 200 Kilometer Rückstand, dann sollte das zu schaffen sein. Ist der Rückstand markant kleiner, dann könnte ich wohl die 4000 tatsächlich in Angriff nehmen. Sollte er massiv grösser sein, dann müsste ich wohl Wanderferien einplanen.

Soweit mal der Zwischenstand. Ich freue mich über weitere Wetten, Gegenwetten, Herausforderungen oder auch einfach simple Spendenzusagen (ja, auch die gab es schon und auch die nehme ich gerne) zugunsten von 4 Africa. Und für jene, welche nicht spenden können oder wollen: auch ein in den sozialen Medien geteilter Beitrag ist ein Beitrag!

Next stop: Siggenthaler Feld, die nächsten Kilometer stehen an.

Cheers, mates

 

Meine Reise mit den Fröschen – oder wieder mal über beloved Arosa – mit vielen Abschweifern (unter anderem zum EHC Arosa)

Zuerst mal für alle, die Arosa nicht kennen, ein schönes Bild (ok, ist zwar Lenzerheide aber die Skigebiete gehören ja zusammen und so detailverliebt war ich jetzt ja noch nie):

In der dritten Januarwoche hatte ich auf Anweisung meines Vorgesetzten Thomas Wechsler (endlich der wohlverdiente Gastauftritt, um den Du gar nie gebeten hast) noch Resturlaub (unter diesem Namen hat Tommy Jaud ein sehr lustiges Buch publiziert, nicht ganz so legendär wie das legendäre Hummeldumm, aber immer noch sehr lustig) zu beziehen. Ja, hört sich seltsam an, wenn ich als gefühlter Dauerurlauber noch Resturlaub habe, aber ausser meinen drei wundervollen unbezahlten Tagen Wochen Monaten in Australien (für alle, die es verpasst haben: die Zusammenfassung mit allen links hier) hatte ich 2019 keine eigentlichen Ferien bezogen.

Als Destination kam natürlich nur Arosa in Frage, da ich alleine verreiste und erst knapp zwei Wochen davor dort ausgecheckt hatte, war für einmal das heissgeliebte Astoria (darüber habe ich hier berichtet) nicht die erste Wahl. Dank etwas Recherche fand ich heraus, dass das altehrwürdige Hotel Hohenfels ab dieser Saison vom Deutschen Sportreiseanbieter Frosch geführt wird (die strategische Absicht dahinter findet sich hier). Genau in meiner Ferienwoche sollte eine Alleinreisendenwoche (welche gewisse TeilnehmerInnen dann als Single-Woche missinterpretierten – Toni, das wäre Dein Gastauftritt, gern geschehen) stattfinden: also Gruppenbespassung ohne das Risiko, alleine essen zu müssen (die ganz grosse und völlig unbegründete Panik vieler Alleinreisender). Mein Gedanke dazu: wenn die alle nerven, dann ist es ein günstiges Zimmer mit Halbpension – sie sollten nicht nerven.

Mit leicht unsicherem Gefühl reiste ich nach Arosa. Erster Erfolg: ich konnte mir den letzten verfügbaren Gratisparkplatz schnappen – zwei Minuten später wäre er weg gewesen. Die Begrüssung freundlich, das Zimmer sauber und geräumig. Dann der erste Kontaktangriff in der Bar und wie sich herausstellen sollte, war ich tatsächlich der einzige Schweizer unter 60 Deutschen. Diese konnten es auch kaum fassen und fragten immer wieder: warum genau (also in Englisch: why the hell) verreist ein Schweizer mit Frosch in die Schweiz? Nun, ich integrierte mich recht rasch (zumindest nach meinem Gefühl, vielleicht sahen das die Deutschen ja anders), obwohl es ja schon kulturelle Unterschiede gibt: Oder wie viele Schweizerinnen, welche vor dem Abendessen mal rasch zwei grosse Bier weghauen, kennt ihr?

Das Essen nicht grad auf Gault Millau-Niveau, aber reichlich, wobei man dem Koch sicher keine Verliebtheit unterstellen konnte, was zu einer fast schon übermässigen Beanspruchung des Salzstreuers führte (aber lieber nachsalzen als entsalzen, weil das irgendwie ja gar nicht geht). Der Speisesaal mit akustischem Potential, aber genau der fast schon nervtötende Lärm kreierte eine Skilager-Atmosphäre, welche an längst vergessene Zeiten in der Lenzerheide erinnerten, als ich zusammen mit dem Mann vom schicken Möbelladen die Party des Nachbarskilagers besuchte, wir vom Lehrer dort freundlich gebeten wurden, wieder zu gehen hinausgeschmissen wurden und dafür dann am nächsten Abend sein Bier übernahmen, was ihm (und allen an unserem Tisch) unendlich peinlich war (wow, das war jetzt grad ein sehr langer Satz, danke fürs Durchhalten).

Nach dem Essen am ersten Abend konnte ich drei der neuen Freunde sogar zu einem Besuch des Spiels des EHC Arosa (also zuerst fanden sie ja die dritthöchste Schweizer Spielklasse nicht grad prickelnd, aber als ich dann mit angelesenem Fachwissen zum ehemaligen Serienmeister auftrumpfte, waren sie rasch überzeugt) gegen den EHC Basel (als die noch in der obersten Liga spielten, begleiteten wir regelmässig Ambrí nach Basel und einmal fuhr Knipser Knuser mit dem Taxi vor (es weiss bis heute niemand genau warum, aber irgendwie wurde er spätestens da zur Legende) und ein ander Mal verliess sein Vater wegen eines 0-4- Rückstandes das Spiel nach zwei Dritteln (weil er rechtzeitig für ,10 vor 10‘ zu Hause sein wollte) und verpasste die vielleicht legendärste und spektakulärste Aufholjagd ever) überreden (überreden bezieht sich immer noch auf meine Deutschen Begleiter – sorry not sorry für den Abschweifer). Wir waren etwa zur Mitte des Spiels da, Arosa führte 5-1 und es schien ein gemütlicher Abend zu werden. Nun, am Ende war es ein grosser Kampf mit ein wenig Krampf, vielen Emotionen, diversen (auch unnötigen) Strafen, Nettigkeiten zwischen Spielern, Nettigkeiten zwischen Fans, Nettigkeiten zwischen Fans und Spielern und einem sehr engagiertem Präsidenten (er kommt hier zu seinem Gastauftritt, weil er mich dann vielleicht teilt, was wichtig wäre, weil er echt was von social media versteht (ok, das war jetzt grad sehr schleimig)). Alles egal, der EHC Arosa gewann zum Schluss heroisch 6-5, die Halle kochte (eine der Deutschen war überrascht, dass es eine Halle hatte, sie erwartete tatsächlich Freiluft-Hockey in der rückständigen Schweiz) und der EHC hat jetzt drei neue Fans in Deutschland.

Gruppenskifahren war am Sonntag auf 09.15 Uhr angesagt, als ich um 08.30 zum Frühstück kam, waren alle schon fertig und als ich fragte, warum (ja genau: why the hell) man um acht frühstückt, wenn man erst um viertel nach neun bereit stehen muss, wurde mir trocken mit ‚das ist eben Deutsch‘ geantwortet. Nun, wir fuhren gemeisam mit dem Lift hoch (nein zuerst marschierten wir als 60er-Gruppe durchs Dorf und ich hoffte einfach, dass mich niemand erkannte) und dort war erst mal Einturnen angesagt (habe ich nicht mehr gemacht, seit mich mein Bruder (er damals zehn, ich sieben) in seiner korrekten sehr korrekten überkorrekten unausstehlich korrekten Art dazu genötigt hatte). Es beschlich mich die leichte Panik, dass gerade als ich mit 60 Deutschen den Hampelmann zu machen hatte, mich jemand erkennen könnte, aber zum Glück war diese unbegründet – oder wenigstens hat jemand, der mich erkannt hat, diskret und leicht beschämt weggeschaut oder es zumindest nicht in den sozialen Medien verbreitet.

Selbstbewusst schloss ich mich der Gruppe ‚schnell‘ an, welche dann aber gar nicht so schnell war, weil am ersten Tag ja zuerst einmal das Skigebiet gezeigt werden sollte. Als dann aber nach der gefühlt ersten zweiten dritten Liftfahrt bereits erste TeilnehmerInnen Druck auf der Blase verspürten, schlug ein neuer Freund (ja, Jan, auch Dir Dein Gastauftritt) die Abspaltung der Gruppe ‚Sport‘ vor, womit ich quasi zum Guide befördert wurde. Allenfalls als leichte Arroganz konnte man es dieser Gruppe Sport auslegen, dass Neuaufnahmen für den Rest der Woche nur noch nach einem streng benoteten Vorfahren möglich waren.

Nun, die Woche verging bei tollstem Wetter, leeren Pisten (die dritte Januarwoche bleibt die beste Woche des Jahres für Skiferien) und gutem Schnee wie im Fluge, alles verlief sehr geordnet und trotz den günstigen Barpreisen (die Bar auch mit akustischem Potential, vor allem fehlte aber Schantall hinter der Bar, sie gibt es halt wirklich nur im Astoria) gab es keine nennenswerten Eskalationen. Meine drei Niederlagen bei drei Spielen (im letzten Spiel hielten wir das 0-0 immerhin bis kurz vor Schluss) im Töggeliturnier verkraftete ich ohne Folgeschaden. Alle Deuschen waren sehr nett und extrem stolz drauf, dass sie mein Schweizerdeutsch so gut verstanden, wobei ich mir ja auch wirklich alle erdenkliche Mühe gab und alles in bestem Schwiizerhochdütsch (Emil hätte es nicht besser gekonnt) von mir gab. Nur am Donnerstag beim Hüttenabend (wir würden es Fondueplausch in der Tschuggenhütte nennen) mit vorgängigem Après-Ski im Kuhstall (und dort ist es wirklich bis zum ersten Bier kaum auszuhalten (mir fallen dann auch all die organisatorischen Mängel auf, welche zu unnötigen Wartezeiten führen) – nach zwei Bier kocht die Stimmung dann aber über und plötzlich haben die auch die Abläufe toll im Griff) und anschliessendem Après-Fondue in der Brüggli-Bar gab es Tendenzen von Unkontrollierheit. Auch bei mir. Weshalb ich den auf 08.50 Uhr vorverlegten Start der Gruppe Sport auch locker verpasste, mich aber blendend amüsieren konnte, dass Harald um 08.52 Uhr nachfragte, ob 08.50 Uhr noch gelten würde.

Harald war in der Gruppe Sport übrigens für die B-Note für den künstlerischen Eindruck verantwortlich, weshalb er regelmässig wie eine leichte Schneeflocke über die Piste tanzte. Und Harald (Flöckli): dies ist gerade der erste Video-Gastauftritt in der zweihundert jährigen tägigen Geschichte dieses Blogs, sei stolz drauf.

Fazit: tolle Woche zu einem für Schweizer Verhältnisse günstigen Preis, gutes Essen, lustiges Rahmenprogramm (an welchem man ja teilnehmen kann aber nicht muss), nette Teilnehmende und daher alles in allem viel Spass.

Nachteil: Beim #projekt3660 konnten keine grossen Fortschritte erzielt werden. Aber trotz beträchtlichem Rückstand auf die Marschtabelle sind Gegenwetten weiterhin herzlich willkommen.

Next stop: Untersiggenthal.

Cheers, mates.

Über Surfers Paradise, Byron Bay, Kapitalisten und Hippies

Von Noosa reiste ich mit dem Bus weiter nach Surfers Paradise. Ich hatte mir kurz überlegt, ob ich wirklich nach Surfers zurückkehren oder direkt nach Byron Bay weiterreisen sollte. Die Tage 2003 waren richtig fett gewesen und mir war es klar, dass sich diese 2019 nicht wiederholen liessen. Warum war 2003 so fett gewesen? Nun, irgendwie hatten wir uns zu einer lustigen Gruppe junger, testosterongeladener Schweizer Männer gefunden, welche nach eher beschaulichen Tagen in Byron Lust auf die Woche ihres Lebens hatten. Was so viel hiess, wie den Nachmittag am Strand chillen (das Wort gab es damals wohl noch gar nicht), dann beim Essen vorglühen, anschliessend bei der Triple Happy Hour nachlegen. Und dann nicht einfach das Shooters besuchen, sondern das Shooters als Legenden verlassen. Ja, und am nächsten Morgen irgendwie alle Ereignisse der Nacht rekonstruieren, oder es zumindest versuchen. Etwa so war es. Lustig, dass ich anschliessend zu keinem der vier Kontakt hatte, zwei davon aber ganz zufällig wieder traf (mit dieser Geschichte erkläre ich übrigens Australiern, wie klein die Schweiz ist): Sandro im Militär (und auch dort gab es ein, zwei Nächte mit Sufers-ähnlichen Bedingungen, herzliche Gratulation zu Euren hart erarbeiteten und wohlverdienten Gastauftritten Reto und Patrick) und Chistian (auch er mittlerweile Model des HKV Aarau) als Teilnehmer des Verkaufsleiterlehrgangs, der mir irgendwie bekannt vor kam…ja, irgendwann fanden wir dann heraus, dass und woher wir uns tatsächlich kannten.

Nun, meine Erkenntnis nach zwei Tagen und Nächten in Surfers ist: Es ist noch genau gleich. Aufgebrezelte, aufgekratzte, laute junge Erwachsene am Vorglühen oder schon vorgeglüht auf dem Weg ins Shooters. Viel Licht, viel Musik, alles greller und lauter als sonst wo. Aber auch für mittlerweile eher genussorientierte Besucher wie mich bietet Surfers einiges (ausser den Jungen (tut schon ein wenig weh, das so zu schreiben) zuzuschauen und in alten Erinnerungen zu schwelgen und natürlich einem fast schon unendlich langen Sandstrand): gutes Essen, coole Bars und vor allem (wieder einmal) ein Craft Beer House mit 36 Sorten und Live-Musik, insofern wäre es länger auszuhalten gewesen. Und sehr schön: als ich um ca. halb eins des Morgens nochmals Hunger kriegte, hatte ich die Auswahl unter Dutzenden von Restaurants, welche danach lechzten, mir was zu servieren. Sonst ist das in Australien ja eher anspruchsvoll: alle haben zwar angeschrieben „open till late“, aber das kann auch 9 pm sein…

Von Surfers nahm ich dann den Bus nach Byron Bay. Auch diese irgendwie verträumte Küstenstadt (notabene der östlichste Punkte von Australien) liebte ich schon 2003. Und ich muss (ungern) zugeben, dass Fausto (auch er hatte schon seine 5 seconds of fame in der AZ – vor allem aber: herzliche Gratulation zum dritten Gastauftritt in Folge, das ist ein klassischer Hattrick) recht hat, wenn er Byron gegenüber Noosa den Vorzug gibt. Irgendwie ist hier alles hang loose, entspannt, relaxed und gemütlich. Wenn wir bei Hattrick (wer von den ehemals süchtigen Spielern dies liest, möge die Hand erheben) bleiben (das ist jetzt eine geniale Ueberleitung, ich weiss), dann wäre in der damaligen Spielerbewertung Noosa „Weltklasse“, Byron aber halt schon verdammt nah dran an „göttlich“. Und gemäss Wikipedia verfügt Byron über den ‚sexiest beach on earth’ – muss basierend auf meinem letzten Besuch 2003 entstanden sein. Byron ist seither ein wenig grösser, ein wenig besser gepflegt, ein wenig kommerzieller und ein wenig voller geworden. Den Kern der alten Hippie-Stadt hat es aber wohl mehr oder weniger erhalten. Unter anderem mit fast schon unzähligen Strassenmusikern oder Strassencafés, oder weil es (wegen Bürgerprotesten) keinen McDonalds gibt. Oder weil es total ok ist, 4 Stunden vor einem Kaffee zu sitzen (ginge wohl auch mit Bier, aber die halten nie vier Stunden) und einen Blog zu schreiben. Und im Gegensatz zu Surfers Paradise bietet die Bucht perfekte Bedingungen für Surfer, auch für Anfänger.

Auf einer Tagestour war ich natürlich auch: und zwar auf der Hinterland-Tour mit Rise Up. Wunderschöne Wasserfälle, ein beeindruckender Regenwald mit perfekter Szenerie für ein Hoddie-Pic, gutes Essen und nach Einbruch der Dunkelheit tausende von Glühwürmchen. Geführt von Chris, einem leicht abgedrehten Hippie aus Brasilien. Ich fasse zusammen: If you want wo know, what Byron is about, go with Chris.

Chris

Zum Schluss noch zwei Geschichten, welche Australien irgendwie gut zusammenfassen, mir zu Ohren gebracht von zwei „darf ich einen Gastauftritt haben? Kriegst dafür die Geschichte? liebschau.“

Roland (er versteht übrigens was von LinkedIn, falls sich da jemand noch ein wenig pimpen möchte) war in jungen Jahren zweimal im Sprachaufenthalt in Surfers. Überschattet wurde der Besuch eines nahe liegenden Vergnügungsparks davon, dass er zu einem Kollegen nach einer Achterbahnfahrt sagte: „fuck, isch das geil gsi“….und wegen Benützung des F-Wortes des Parks verwiesen wurde. Jaja, ein wenig Doppelmoral gibt es auch hier, in Byron gibt es zwar keinen Mc, Subway und Dominos Pizza gehen aber schon…

Svenja (Freunde dürfen Sie Svene nennen) verbrachte ihren Sprachaufenthalt in Byron. Dort wurde ihr das Velo (die Deutschen verstehen das jetzt wieder nicht, ich meine Fahrrad) gestohlen, obwohl Australien ja so sicher ist, dass man es nicht abschliessen muss. Dank Videoüberwachung (das dann doch) konnte der Täter (in Byron kennt jeder jeden) rasch ermittelt werden, so dass Svenja (sie soll übrigens in den Genuss des längsten Stages meiner bisherigen Laufbahn gekommen sein, behaupten böse Zungen) das Velo am Folgetag wieder zurück erhielt.

So, und mit diesem wunderbaren Happy End verabschiede ich mich vorerst aus Australien, fliege mal rasch nach Fiji (wämer scho mal i dä Nöchi isch und „wäg einisch“ (gäll, Tina, Gratulation zum bisher jüngsten Gastauftritt)).

Cheers, mates.