#staythefuckhome – fast ganz ohne Abschweifer

Normalerweise beschreibe ich hier ja mehr oder weniger lustige (oder was ich lustig finde) Geschichten. Und diese Geschichten handeln meist von glatten, geselligen, manchmal lauten Zusammenkünften mit Menschen.

Dieses Wochenende wäre ich zum Beispiel mit ein paar netten Menschen nach Davos zum Skifahren gefahren. Ursprünglich waren wir eine Gruppe von 21 Personen, welche sich dann aufgrund der Split-Organisation unseres gemeinsamen Lieblingsarbeitgebers auf 12 reduzierte. Nun, mit den bundesrätlichen Beschlüssen vom 13. März wurden alle Planungen leider hinfällig, das Hotel schloss seine Saison bereits am Folgetag ab.

Es wäre lustig gewesen, da bin ich sicher. Vielleicht wäre ein Teil der Gruppe zum Ärger des Kellners wieder zu spät zum Nachtessen erschienen, vielleicht hätte gleicher Kellner mir zu erklären versucht, dass dieser penetrante Korkgeschmack genau das tolle Bouquet des bestellten Weins sei, vielleicht hätte Oli (hey, quasi ein erdachter Gastauftritt) zuerst scheu abgklärt, was eigentlich so eine Insta-Story sei und dann gleich seine erste (zum Beispiel ein Schnappschuss des gemusterten Teppichs) produziert, vielleicht hätten wir mit der Mutter von Nikki Lauda (ja, genau, Mama Lauda) getanzt, vielleicht hätten wir mit den berollten Barstühlen cool runnings gespielt, vielleicht hätte ich beim Auschecken wie jedes Jahr ein wenig Angst vor einem Hausverbot gehabt und vielleicht wäre am Sonntag bei bestem Wetter dann trotz aller Vorsätze niemand mehr Ski gefahren. Vielleicht, wäre, könnte, hätte (hätte, Fahrradkette).

Nun, wir sind nicht gefahren. Was zwar schade, aber ganz sicher nicht das grösste Problem unseres gemeinsamen Lieblingsarbeitgebers, unseres Landes oder der Welt ist. Täglich sterben mehr Menschen an Corona, täglich breitet sich Corona schneller aus, wöchentlich werden Massnahmen verschärft, die totale Ausgangssperre droht.

Mich nerven dabei zwei Gruppen von Menschen (und zwar sehr!):

1. die Besserwisser, welche vor kurzem über die Absage von Fussballspielen heulten und jetzt den Bundesrat dafür kritisieren, dass er entweder den Coiffeur zugemacht oder noch keine absolute Ausgangssperre verhängt hat. Und wenn sie ihren Unmut grad nicht kund tun, dann kaufen sie die Regale mit (bitte wählen) WC-Papier, Fiebersenkern und Tiefkühlpizzas (ausser Hawaii, dass dann doch nicht) leer. Ich richte mich direkt an Euch: mit Euren Kommentaren ruft ihr mehr oder weniger direkt dazu auf, sich nicht an die bundesrätlichen Regeln zu halten, ihr bestätigt all diejenigen, welche auch dieses Wochenende wieder lustige Grillparties feiern wollen und so direkt auf die Ausgangssperre hinarbeiten – und die Ausbreitung des Virus weiter beschleunigen. Also bitte, zwei Regeln für Euch:

#shutthefuckup and #staythefuckhome

2. die Alten (sorry, so wollt ihr über 65jährigen nicht genannt werden, also: die Reifen oder Lebenserfahrenen) welche jetzt eben doch noch selber einkaufen müssen oder doch noch Enkel hüten oder sich gegenseitig einladen. Wenn ich es direkt sagen darf: Ihr nervt mich sehr gewaltig, ich bin echt sauer auf Euch! Ihr seid Risikogruppe, ihr müsst mit grösserer Wahrscheinlichkeit in Spitalpflege oder sogar auf die Intensivstation, ihr nehmt dort (bitte selber wählen) einem Familienvater nach einem Unfall, einem kleinen Kind mit Krebs oder einer fitten Mit-Fünfzigerin mit Corona den Platz weg. Wenn es Euch egal ist zu sterben, dann tragt bitte Eure Patentienverfügung mit Verzicht auf jegliche Intensivpflege immer gut sichtbar auf Euch. Und bleibt trotzdem zu Hause, denn nur weil ihr unbedingt lebensmüde sein müsst, müsst ihr ja das Virus nicht weiterverbreiten. Wenn ihr jetzt endlich zu Hause bleibt, dann können wir vielleicht erstens die totale Ausgangssperre und zweitens die totale Überlastung der Spitäler verhindern. Also ist es für Euch einfach, ihr kriegt nur eine Anweisung: #staythefuckhome

Zum Schluss mein herzlicher Dank an alle Angestellten in allen medizinischen Berufen dafür, dass ihr das System am Laufen hält. Danke auch an alle Angestellten im Detailhandel, auch ihr hält ein wichtiges System am Laufen. Meine Gedanken sind aber auch bei allen Wirtinnen, Coiffeuren, Verkäuferinnen oder allen Touristikern, welche von dieser Krise wirtschaftlich brutal hart getroffen werden. Zum Glück leben wir in einem Land, welches die finanziellen Mittel hat, gewissen finanzielle Schäden abzufedern.

Wenn wir also die totale Ausgangssperre und den Zusammenbruch des Gesundheitssystems verhindern wollen, dann gilt (bitte, bitte, bitte):

Bleibt zu Hause, wann immer ihr könnt! Und für alle über 65: bleibt ganz zu Hause! Und falls ihr diese freundliche Aufforderung nicht versteht, dann nochmals in aller Kürze:

just stay the fuck home!

Meine erste Reise mit dem Flixbus – kurze Review mit kurzen Abschweifern

So, es stand also ein kleiner Ausflug nach München an, dieses Mal ganz ohne Knipser Knuser und auch ohne seinen Vater (womit auch die Gefahr von Ohnmachtsanfällen schon mal massiv reduziert wurde, später mehr dazu, das war grad ein ganz klassischer Teaser).

Zum allerersten Mal buchte ich mir eine Reise mit einem Flixbus. Und ich erwartete ja insbesondere nach dem aufregenden Bericht im Kassensturz (und die müssen es ja wissen und sind vor allem immer total neutral und auch nie tendenziös, frage mich gerade, warum ich Büchsenravioli nicht mehr mag) das Schlimmste – und dann noch eins schlimmer dazu. Nun, ich buchte also die Fahrt hin und zurück und für schlappe 6 Euro obendrauf die erste Reihe im Oberdeck dazu, welche fantastische Aussicht versprach (und auch hielt). Für Euro 0.52 neutralisierte ich die Fahrt in Bezug auf die Klimagase (und spürte dabei den Schulterklopfer Gretas) wie das gemäss Homepage schon über 5000 FlixBus-Passagiere getan haben. Bitte wie? Flixbus hat 2019 gemäss eigenen Angaben 62 Millionen Passagiere transportiert und gerade mal 0.1 Promille waren bereit, den kleinen Aufpreis der Klimaneutralisierung zu bezahlen! Ich würde mal sagen: schämt Euch Ihr restlichen 99.99 Prozent.

Lustig oder eher ärgerlich, dass mir Flixbus seit der Buchung in allen sozialen Medien 10 % auf ‚Deine erste Buchung mit Flixbus‘ anbietet. Ach, jetzt habt ihr ganz offenbar gemerkt, dass ich eine Fahrt suchte und habt nicht bemerkt, dass ich diese Fahrt dann auch gleich buchte (yeah, ein Reim der Reise ins Dichter- und Denker-Land würdig)? Ärgerlich, wenn ihr Geld ausgebt, um mich mit einem Angebot zu ärgern, von dem ich ärgerlicherweise gar nicht mehr profitieren kann! Aber irgendwie auch beruhigend, wenn das Internet offenbar doch nicht ganz alles weiss (für Verschwörungstheoretiker: vielleicht weiss das Internet doch alles, tut aber so, als ob es nicht alles weiss, um mich hinters Licht zu führen).

Egal, am Freitag um 15 Uhr, sollte es losgehen, um 18.45 sollten wir in München sein. Mir graute ja echt, da Freitag Nachmittag zwischen 3 und 7 ja tendenziell Staugefahr (vor allem an der Grenze, wenn die Schweizer ihre harten Franken als weiche Euro ausgeben wollen) besteht. Nun, der Bus stand pünktlich da, ich stieg um 10 vor 3 ein und mein Platz war zu meiner Freude auch noch nicht besetzt. So hatte ich bereits beste Aussicht auf die mehrsprachigen Versuche einer Frau mit reserviertem Platz einen keine der mehreren Sprachen verstehenden Mann ohne Reservation von diesem eben von ihr reservierten Platz zu verscheuchen. Ganz grosses Kino – fast wie damals, als wir vor Jahren Atze Schröder als Vater des den Hebel nicht ziehenden in München sahen (und sich der Mann vom schicken Möbelladen aus nicht näher erläuterten Gründen ein Auge zuhalten musste).

Und dann das: ich wollte ja eine vernichtende Review schreiben und dann gibt es nichts zu meckern. Wir fuhren um 15.02 Uhr los, womit der Bus auch nach Standards der Schweizerischen Bundesbahnen als Zug dieser Bahnen rein statistisch noch zu pünktlich gezählt hätte (aber es war ja eben eh ein Bus und damit für diese viel diskutierte Statistik nicht relevant) und erreichten den Busbahnhof in München um 18.38 und damit sogar 7 Minuten zu früh (womit meine Review auch nicht schlechter sondern sogar noch besser wird). Es ging als echt schnell (fast schon rassig, fast so rassig wie damals Knipser Knusers Vaters (man achte auf den doppelten Genitiv) Currywurst der Schärfestufe 7, welche zu oben erwähnten Ohnmachtsanfällen führte, welche Ihr bitte für Euch behält, denn seine Frau darf davon unter keinen Umständen erfahren) aber noch schneller wäre es mit dem Zeitraffer gegangen (ja, das war jetzt grad ein wenig holprig aber ich wollte doch mein Filmli ankünden):

Wifi nicht gerade zum Gucken von ganzen Filmen (ist auf 150 MB limitiert und nicht ganz störungsfrei) aber für ein paar Whatsapp- (oder eher Signal oder Threema, ich wende mich da gerade mehr oder weniger engagiert vom weltbeherrschenden Marktführer ab) Nachrichten reicht es allemal.

Auf dem Heimweg nicht viel Neues: Wieder mit 2 Minuten Verspätung losgefahren und dann mit 4 Minuten Vorsprung in Zürich amgekommen. Dazwischen zwei Tage in München. Total knapp 20 Kilometer für #Projekt3660 (primär im Englischen Garten und im Olympiapark), dazu ein Besuch bei Hirmer und den Laden liebe ich, seit sich ein Verkäufer als echter Berater entpuppte, weil er sich faktisch weigerte, mir einen Anzug zu verkaufen, mit der simplen Begründung, dass er mir schlicht nicht sass – und mir dann zwei viel besser sitzende Anzüge verkaufte. Und auch Spass hatte ich da drin schon, nämlich als sich Noosa-Hasser Fausto (er mag es übrigens total, wenn Ihr ihn Faustolino nennt) für gefühlt 700 Euro (und das war damals noch richtig Geld) Poschettli (für Deutsche LeserInnen: Einstecktücher) kaufte und Mele (herzliche Gratulation zum Gastauftritt) ein T-Shirt in 7XL anprobierte (frage mich gerade, warum zum Teufel Du das getan hast aber es war sehr glatt).

So, next step noch unbekannt.

Cheers, mates

Meine Reise mit den Fröschen – oder wieder mal über beloved Arosa – mit vielen Abschweifern (unter anderem zum EHC Arosa)

Zuerst mal für alle, die Arosa nicht kennen, ein schönes Bild (ok, ist zwar Lenzerheide aber die Skigebiete gehören ja zusammen und so detailverliebt war ich jetzt ja noch nie):

In der dritten Januarwoche hatte ich auf Anweisung meines Vorgesetzten Thomas Wechsler (endlich der wohlverdiente Gastauftritt, um den Du gar nie gebeten hast) noch Resturlaub (unter diesem Namen hat Tommy Jaud ein sehr lustiges Buch publiziert, nicht ganz so legendär wie das legendäre Hummeldumm, aber immer noch sehr lustig) zu beziehen. Ja, hört sich seltsam an, wenn ich als gefühlter Dauerurlauber noch Resturlaub habe, aber ausser meinen drei wundervollen unbezahlten Tagen Wochen Monaten in Australien (für alle, die es verpasst haben: die Zusammenfassung mit allen links hier) hatte ich 2019 keine eigentlichen Ferien bezogen.

Als Destination kam natürlich nur Arosa in Frage, da ich alleine verreiste und erst knapp zwei Wochen davor dort ausgecheckt hatte, war für einmal das heissgeliebte Astoria (darüber habe ich hier berichtet) nicht die erste Wahl. Dank etwas Recherche fand ich heraus, dass das altehrwürdige Hotel Hohenfels ab dieser Saison vom Deutschen Sportreiseanbieter Frosch geführt wird (die strategische Absicht dahinter findet sich hier). Genau in meiner Ferienwoche sollte eine Alleinreisendenwoche (welche gewisse TeilnehmerInnen dann als Single-Woche missinterpretierten – Toni, das wäre Dein Gastauftritt, gern geschehen) stattfinden: also Gruppenbespassung ohne das Risiko, alleine essen zu müssen (die ganz grosse und völlig unbegründete Panik vieler Alleinreisender). Mein Gedanke dazu: wenn die alle nerven, dann ist es ein günstiges Zimmer mit Halbpension – sie sollten nicht nerven.

Mit leicht unsicherem Gefühl reiste ich nach Arosa. Erster Erfolg: ich konnte mir den letzten verfügbaren Gratisparkplatz schnappen – zwei Minuten später wäre er weg gewesen. Die Begrüssung freundlich, das Zimmer sauber und geräumig. Dann der erste Kontaktangriff in der Bar und wie sich herausstellen sollte, war ich tatsächlich der einzige Schweizer unter 60 Deutschen. Diese konnten es auch kaum fassen und fragten immer wieder: warum genau (also in Englisch: why the hell) verreist ein Schweizer mit Frosch in die Schweiz? Nun, ich integrierte mich recht rasch (zumindest nach meinem Gefühl, vielleicht sahen das die Deutschen ja anders), obwohl es ja schon kulturelle Unterschiede gibt: Oder wie viele Schweizerinnen, welche vor dem Abendessen mal rasch zwei grosse Bier weghauen, kennt ihr?

Das Essen nicht grad auf Gault Millau-Niveau, aber reichlich, wobei man dem Koch sicher keine Verliebtheit unterstellen konnte, was zu einer fast schon übermässigen Beanspruchung des Salzstreuers führte (aber lieber nachsalzen als entsalzen, weil das irgendwie ja gar nicht geht). Der Speisesaal mit akustischem Potential, aber genau der fast schon nervtötende Lärm kreierte eine Skilager-Atmosphäre, welche an längst vergessene Zeiten in der Lenzerheide erinnerten, als ich zusammen mit dem Mann vom schicken Möbelladen die Party des Nachbarskilagers besuchte, wir vom Lehrer dort freundlich gebeten wurden, wieder zu gehen hinausgeschmissen wurden und dafür dann am nächsten Abend sein Bier übernahmen, was ihm (und allen an unserem Tisch) unendlich peinlich war (wow, das war jetzt grad ein sehr langer Satz, danke fürs Durchhalten).

Nach dem Essen am ersten Abend konnte ich drei der neuen Freunde sogar zu einem Besuch des Spiels des EHC Arosa (also zuerst fanden sie ja die dritthöchste Schweizer Spielklasse nicht grad prickelnd, aber als ich dann mit angelesenem Fachwissen zum ehemaligen Serienmeister auftrumpfte, waren sie rasch überzeugt) gegen den EHC Basel (als die noch in der obersten Liga spielten, begleiteten wir regelmässig Ambrí nach Basel und einmal fuhr Knipser Knuser mit dem Taxi vor (es weiss bis heute niemand genau warum, aber irgendwie wurde er spätestens da zur Legende) und ein ander Mal verliess sein Vater wegen eines 0-4- Rückstandes das Spiel nach zwei Dritteln (weil er rechtzeitig für ,10 vor 10‘ zu Hause sein wollte) und verpasste die vielleicht legendärste und spektakulärste Aufholjagd ever) überreden (überreden bezieht sich immer noch auf meine Deutschen Begleiter – sorry not sorry für den Abschweifer). Wir waren etwa zur Mitte des Spiels da, Arosa führte 5-1 und es schien ein gemütlicher Abend zu werden. Nun, am Ende war es ein grosser Kampf mit ein wenig Krampf, vielen Emotionen, diversen (auch unnötigen) Strafen, Nettigkeiten zwischen Spielern, Nettigkeiten zwischen Fans, Nettigkeiten zwischen Fans und Spielern und einem sehr engagiertem Präsidenten (er kommt hier zu seinem Gastauftritt, weil er mich dann vielleicht teilt, was wichtig wäre, weil er echt was von social media versteht (ok, das war jetzt grad sehr schleimig)). Alles egal, der EHC Arosa gewann zum Schluss heroisch 6-5, die Halle kochte (eine der Deutschen war überrascht, dass es eine Halle hatte, sie erwartete tatsächlich Freiluft-Hockey in der rückständigen Schweiz) und der EHC hat jetzt drei neue Fans in Deutschland.

Gruppenskifahren war am Sonntag auf 09.15 Uhr angesagt, als ich um 08.30 zum Frühstück kam, waren alle schon fertig und als ich fragte, warum (ja genau: why the hell) man um acht frühstückt, wenn man erst um viertel nach neun bereit stehen muss, wurde mir trocken mit ‚das ist eben Deutsch‘ geantwortet. Nun, wir fuhren gemeisam mit dem Lift hoch (nein zuerst marschierten wir als 60er-Gruppe durchs Dorf und ich hoffte einfach, dass mich niemand erkannte) und dort war erst mal Einturnen angesagt (habe ich nicht mehr gemacht, seit mich mein Bruder (er damals zehn, ich sieben) in seiner korrekten sehr korrekten überkorrekten unausstehlich korrekten Art dazu genötigt hatte). Es beschlich mich die leichte Panik, dass gerade als ich mit 60 Deutschen den Hampelmann zu machen hatte, mich jemand erkennen könnte, aber zum Glück war diese unbegründet – oder wenigstens hat jemand, der mich erkannt hat, diskret und leicht beschämt weggeschaut oder es zumindest nicht in den sozialen Medien verbreitet.

Selbstbewusst schloss ich mich der Gruppe ‚schnell‘ an, welche dann aber gar nicht so schnell war, weil am ersten Tag ja zuerst einmal das Skigebiet gezeigt werden sollte. Als dann aber nach der gefühlt ersten zweiten dritten Liftfahrt bereits erste TeilnehmerInnen Druck auf der Blase verspürten, schlug ein neuer Freund (ja, Jan, auch Dir Dein Gastauftritt) die Abspaltung der Gruppe ‚Sport‘ vor, womit ich quasi zum Guide befördert wurde. Allenfalls als leichte Arroganz konnte man es dieser Gruppe Sport auslegen, dass Neuaufnahmen für den Rest der Woche nur noch nach einem streng benoteten Vorfahren möglich waren.

Nun, die Woche verging bei tollstem Wetter, leeren Pisten (die dritte Januarwoche bleibt die beste Woche des Jahres für Skiferien) und gutem Schnee wie im Fluge, alles verlief sehr geordnet und trotz den günstigen Barpreisen (die Bar auch mit akustischem Potential, vor allem fehlte aber Schantall hinter der Bar, sie gibt es halt wirklich nur im Astoria) gab es keine nennenswerten Eskalationen. Meine drei Niederlagen bei drei Spielen (im letzten Spiel hielten wir das 0-0 immerhin bis kurz vor Schluss) im Töggeliturnier verkraftete ich ohne Folgeschaden. Alle Deuschen waren sehr nett und extrem stolz drauf, dass sie mein Schweizerdeutsch so gut verstanden, wobei ich mir ja auch wirklich alle erdenkliche Mühe gab und alles in bestem Schwiizerhochdütsch (Emil hätte es nicht besser gekonnt) von mir gab. Nur am Donnerstag beim Hüttenabend (wir würden es Fondueplausch in der Tschuggenhütte nennen) mit vorgängigem Après-Ski im Kuhstall (und dort ist es wirklich bis zum ersten Bier kaum auszuhalten (mir fallen dann auch all die organisatorischen Mängel auf, welche zu unnötigen Wartezeiten führen) – nach zwei Bier kocht die Stimmung dann aber über und plötzlich haben die auch die Abläufe toll im Griff) und anschliessendem Après-Fondue in der Brüggli-Bar gab es Tendenzen von Unkontrollierheit. Auch bei mir. Weshalb ich den auf 08.50 Uhr vorverlegten Start der Gruppe Sport auch locker verpasste, mich aber blendend amüsieren konnte, dass Harald um 08.52 Uhr nachfragte, ob 08.50 Uhr noch gelten würde.

Harald war in der Gruppe Sport übrigens für die B-Note für den künstlerischen Eindruck verantwortlich, weshalb er regelmässig wie eine leichte Schneeflocke über die Piste tanzte. Und Harald (Flöckli): dies ist gerade der erste Video-Gastauftritt in der zweihundert jährigen tägigen Geschichte dieses Blogs, sei stolz drauf.

Fazit: tolle Woche zu einem für Schweizer Verhältnisse günstigen Preis, gutes Essen, lustiges Rahmenprogramm (an welchem man ja teilnehmen kann aber nicht muss), nette Teilnehmende und daher alles in allem viel Spass.

Nachteil: Beim #projekt3660 konnten keine grossen Fortschritte erzielt werden. Aber trotz beträchtlichem Rückstand auf die Marschtabelle sind Gegenwetten weiterhin herzlich willkommen.

Next stop: Untersiggenthal.

Cheers, mates.

Über Arosa und über das Hotel Astoria – ein Erklärungsversuch oder fast schon eine Liebeserklärung mit Abschweifern

Ja, alle, die mir in den sozialen Medien folgen, wissen, dass ich im Winter gerne Zeit in Arosa verbringe. Und oft werde ich gefragt, warum es eigentlich immer Arosa sein müsse.

Einen ersten Erklärungsversuch habe ich ja schon unternommen in meinem Beitrag über das Novemberhoch. Aber meine Geschichte mit Arosa reicht schon viel weiter zurück. Gemäss historischen Dokumenten (so Fotos mit leichten Gelbstich und die Menschen drauf sehen so lustig aus und tragen vor allem so seltsame Kleider und Brillen – und wenn man dann genau hinschaut, stellen sich diese Menschen als meine Eltern und Grosseltern heraus) war ich schon in meinem Geburtsjahr 1977 zum ersten Mal in Arosa. Gemäss Erzählungen waren meine Eltern schon vor der Hochzeit zusammen in Arosa und da sie noch nicht verheiratet waren, fühlte sich meine Grossmutter genötigt, im Hotel zu erklären, sie würden bald heiraten, um die Peinlichkeit des konkubinären Doppelzimmers ein wenig kleiner zu machen – ja, die Zeiten ändern sich.

Erinnern kann ich mich an die Skiferien ca. 1986, später folgten dann einige Jahre Pause, weil es ja so viel cooler war, ins Skilager ins Wirzweli (ja damals, als es sogar im Wirzweli noch Schnee hatte, ich gewann übrigens in der vierten Klasse das Skirennen, es sollte ein einsamer sportlicher Höhepunkt in meiner Karriere (welche ja eben nie stattfand) bleiben) zu verreisen anstatt mit den Eltern nach Arosa. Später während der Kanti war ich dann wieder mit dabei. Gleichzeitig waren auch ein paar aus meiner Klasse da und das einzige, an das ich mich wirklich erinnere ist der knallrote, einteilige Skianzug von Samuel Ischer (welchen er für seinen Vater noch austrug). Und später erfand dann der Mann vom schicken Möbelladen in Arosa die 200-Franken-Abfahrt und die geht so: man miete die teuerste verfügbare Skiausrüstung inkl. Lange-Rennschuh, kaufe eine Tageskarte, fahre einmal hoch und lege sich den ganzen Tag in einen Liegestuhl in der Carmenna-Hütte. Beachten sollte man den Rat der Vermieterin, den Schuh nie auszuziehen, man bringt ihn sonst nie mehr an oder nur, nachdem man ihn auf der Toilette 30 Minuten unter dem Handtrockner vorgewärmt hat (ein Bild für die Ewigkeit). Auch der Vater von Knipser Knuser war schon oft in Arosa, seine Erzählungen reichen gefühlt bis 1853 zurück, auf jeden Fall weit genug, dass sie der sonst so geduldige Tobiässli mit ‚Opa erzählt vom Krieg‘ kommentierte.

Soweit zur Geschichtsschreibung, welche ja eigentlich überhaupt keine Frage beantwortet. Also zurück in die Realität. Zuerst aber ein schönes Bild:

Nun, mit dem Zusammenschluss mit der Lenzerheide hat Arosa ein echt tolles Skigebiet, vorher war es schon ok, aber die Varianten werden massiv mehr und die Urdenbahn ist rein technisch offenbar sehr beeindruckend (verstehe nichts davon, aber wurde mir so erzählt). Gastronomisch bietet Arosa auch auf der Piste mit Alpenblick, Hörnlihütte und neu Alp Arosa (noch nicht persönlich getestet, aber soll sehr cool sein) einiges, auf jeden Fall einiges mehr als den Skihütten-Einheitsbrei mit den immer gleichen Älplermakarani täglich frisch geliefert von Hilcona aus Liechtenstein. In Bezug auf Apres-Ski wurde in den letzten Jahren massiv aufgerüstet. Im Munggaloch war es schon immer lustig (und ist es immer noch), mit der Kuhbar wurde aber eine neue Dimension erreicht. Und auch wenn diese Art Bespassung auf Kommando eigentlich gar nicht meins ist, so muss ich doch zugeben, dass es nach zwei oder drei Bier erträglich und nach vier oder mehr sogar richtig lustig wird. Ausgangstechnisch gibt es sich in Davos sicher hippere Clubs als in Arosa, aber wenn man die 40 mal überschritten hat und einfach gerne gemütlich in einer Bar sitzt und etwas trinkt (und dazu nicht unbedingt „die eine, die immer lacht“ hören und grölen muss (das wird im Halligalli geboten)) ist es sehr ok.

Nun werde ich auch immer gefragt, in welchem Hotel ich den jeweils absteige (also eigentlich wohne ich einfach da, aber absteigen hört sich mondän an). Nun, ich war schon in vielen und eigentlich waren alle mindestens ok, die meisten sogar gut oder richtig gut. Aber an Neujahr 2016 kamen wir zum allerersten Mal im Astoria an. Wir wurden von der Gastgeberin Edith Schmid (damals noch „Frau Schmid“) gefragt, ob wir zum ersten Mal in Arosa seien, was wir verneinten (ich glaube, dass ich das Wort Hotelnomade benützte), worauf sie uns fragte, was denn geschehen müsste, damit wir Stammgäste würden. Worauf ich spontan antwortete, wir würden uns eigentlich sehr wohl fühlen, wenn sich unser Hund (Bailey, sie kennt man als Grund für Spaziergänge oder Wanderungen, mehr dazu hier) wohl fühlt. Und seither fühlt sich unser Hund dort wohl und sogar die fairen CHF 12.00 pro Nacht werden mir jedes Mal geschenkt. Wobei, Edith (mittlerweile darf ich zu ihr „Du“ sagen), früher hast Du das jeweils noch explizit erwähnt, damit ich auch danke sagen konnte…solltest Du vielleicht wieder Mal (und das ist jetzt ein Test, ob Du das liest). Nun, bereits im März 2016 fand zum ersten Mal unser Männerweekend im Astoria statt (und seither immer, wenn ich nicht zu buchen vergesse und sie dann schon voll (also ausgebucht, nicht betrunken) sind). Eigentlich ein rechtes Risiko, denn unsere Gruppe kann manchmal auch etwas gar lustig und gar laut sein. Aber im Astoria wurde unsere Gruppe mit grosser Geduld ertragen und alle fühlten sich so wohl, dass die entsprechende Whatsapp-Gruppe sogar in „Frau Schmid“ umbenannt wurde.

Nun, an Ostern 2016 hatten wir dann eine echte Bewährungsprobe: Wir waren über die Feiertage da und es war so etwas wie eine Seasons-closing-Party angesagt. Auf dem Höhepunkt kündigte Oli (der Gastgeber) an, er würde nun noch ein wenig rocken. Aus Furcht vor einem gewaltigen Fremdscham-Moment (sorry, so ein Wirt, der meint, er könne Musik machen, es aber eigentlich gar nicht kann und weil er der Chef ist, sagt es ihm kein Angestellter und weil alle Gäste so höflich sind, sagen die auch nichts) entschied ich mich für die Flucht und führte den Hund Gassi. Von draussen hörte ich aber, wie gerade der Speisesaal zum Highway to Hell wurde und als ich wieder drinnen war, sagte meine Mutter, dass sie, hätte sie einen BH vörig (Schwiizerhochdütsch) gehabt, diesen nach vorne geworfen hätte (oder so ähnlich, auf jeden Fall war sie wahnsinnig begeistert, wobei nicht ganz so begeistert wie Edith, sie bleibt der grösste Fan ihres Mannes). Der eigentliche Wahnsinn ist aber, dass alle von 6 – 86 Jahren mitrocken und diese Seasons-Closing-Party echt eine geile Party ist. Und auf Wunsch spielt die doppelt engagierte (weil die sind ja gebucht, also engagiert, aber die engagieren sich auch wirklich; ich feiere mein Wortspiel gerade überkopfklatschend) Zwei-Mann-Kapelle sogar noch die eine, die immer lacht.

Ein ähnliches Setting wird jeweils auch zum Silvester aufgefahren. Wobei dort einfach um 12 noch vorher wildfremde Menschen mittels Zuprosten zu besten Freunden werden, bevor die Autobahn zur Hölle dann wieder befahren oder mit ‚T.N.T’ gesprengt wird. Erinnerungswürdig der Silvester 2017. Neue Servicekraft war eine gewisse Jasmin, wobei ich diese Jasmin von Beginn an Chantal nannte (natürlich „Schantall“ (das ist quasi ein running gag, siehe auch unser Reislein nach Berlin mit dem geliebten HCAP) ausgesprochen, ich forderte sie aber nie auf, leise zu heulen). Nun, lustig wurde das eigentlich erst, als ein anderer Gast sie auch so nannte (aber nicht aus Spass, er dachte wirklich, das sei ihr Name) und wirklich glatt war es erst, als sogar einer Arbeitskollegin dieser Fauxpas passierte. Nun, sie scheint es verkraftet zu haben und tut zumindest jedes Mal so, als würde sie sich wahnsinnig freuen, wenn ich wieder komme und sie winkt mir sogar, wenn sie mich im Coop sieht, aber ich sah sie nicht und das tut mir ja echt leid, weil so ins Leere winken ist irgendwie sackpeinlich ist. Und sie hat dafür gesorgt, dass der von mir vorgeschlagene Röteli Spritz auf die Karte kommt (den Edith nun als ihre Erfindung anpreist, dabei wusste sie vor zwei Jahren noch nicht mal, was das sein könnte – oder so ähnlich).

Musikalisch ist das Niveau nicht immer ganz gleich hoch, die Ankündigung des mexikanischen Buffets (auf welchem es dann unter anderem Sushi (und sogar echt gute) hatte weil gemäss Oli die Mexikaner das einst erfunden hätten und erst später von den Japanern kopiert worden sei…er muss es wissen, denn auch sehr lecker Roastbeef und Tatar und Entenbrust: alles ursprünglich aus Mexiko) weist noch Potential (die musikalische Ankündigung, nicht das Essen, man beachte die vielen Klammern) auf, aber ganz ernst gemeint ist der Beitrag auch nicht. Dafür sind die Kostüme umso schöner.

Fazit: Es gibt sicher spektakulärere Skigebiete als Arosa, es gibt sicher noch tollere (das müssten dann aber echt die töllsten sein) Pisten-Restaurants und auch ausgehen kann man anderswo sicher aufregender. Und es gibt sicher beeindruckendere Hotels als das Astoria (zum Beispiel das Marina Bay Sands), aber ich mag Arosa trotzdem mit Abstand am liebsten und das Astoria auch.

Next Stop: Arosa, what else.

Cheers, mates.

Vom Laufen und Wandern – und vom grossen Kampf zum Schluss – aber eigentlich ist dieser Beitrag nur ein Teaser

Ich muss ein wenig ausholen: Meine Wanderkarriere begann schon als Kind, der Sonntagsspaziergang war meinen Eltern quasi heilig, Wanderferien (welche andere Kinder mit „was Ihr gönd go tschumple i dä Ferie?“ kommentierten) machten wir wohl jedes Jahr. Manchmal war es lustig und manchmal nicht. Weniger lustig war zum Beispiel, als mein Bruder Peter bei der Besteigung des Monte Lema eine Abkürzung kannte, welche sich dann als die Variante „Alpin Sport für Fortgeschrittene“ herausstellte. Spannend auch, wie sich beim Wandern Charaktereigenschaften herauskristallisieren: So wollte meine Mutter einmal mit Rücksicht auf uns Kinder den Weg durchs Tal nehmen, weil dieser die gesamte Wanderung um rund 90 Minuten verkürzt hätte. Dies lehnte mein Vater allerdings ab mit der Begründung, dass der schnellste Weg von A nach B wohl tendenziell mit dem Auto zurückgelegt werden könnte, wir ja aber wanderten, weil wir es gerne machten (er vielleicht) und darum der lange Weg zu beschreiten sei.

Nun, irgendwie machte ich dann einen sehr langen Wanderunterbruch. Dieser endete in einem ganz frühen Stadium der Beziehung mit meiner Frau (sie kennt man schon als die beste Reisesachverständige der Welt). Mit ihr machte ich eine grössere Besteigung in Saas Fee (und wenn man so frisch liiert ist, tut man ja auch noch so, als würde es Spass machen) mit der Aussicht, den Rückweg dann auf den zu mietenden Trottinetts zurückzulegen. Nun waren wir leider einen Tag zu früh dran (oder die Lieferung der Trottis zu spät, so genau wird man es nie wissen) und mussten den Rückweg ins Tal wieder zu Fuss machen. Aber eben: zu Beginn einer Beziehung macht ja sogar das (angeblich) Spass.

Richtig berggängig wurde ich erst nach der Anschaffung von Bailey. Diesbezüglicher Höhepunkt war wohl die Wanderung von Reiden nach Ambri. Claudio (damals war er noch nicht so ein schicker Möbelhändler sondern noch ganz gewöhnlicher Informatiker) und ich wollten zum ersten Match der Saison zu Fuss anreisen und planten dafür eine Woche Ferien ein. Wir starteten in Reiden, weil er gerade da wohnte und so erzählte er unterwegs auch allen Leuten, er laufe von zu Hause ins Tessin, ich halt nur ab Reiden. Die erste Etappe führte nach Hildisrieden, die zweite dann nach Hergiswil. Durch die Stadt Luzern holten wir uns die schlimmsten Blatern (Schwizerhochdütsch, wir liefen so himmeltraurig, dass uns die lokale Drogerie sogar Rabatt gewährte auf Blasenpflastern), welche uns bis zum Ende der Woche begleiten sollten. Wir waren so erschöpft und die Füsse schmerzten so sehr, dass wir uns richtig aufraffen mussten, zum Essen nochmals aufzustehen. Sehr frustierend, dass unsere damals noch jungen Hunde herumhüpften, als wären sie seit Wochen nicht mehr draussen gewesen.

Für Tag drei reiste Willi (hoi Willi, hoi; der Vater von Stammgast Knipser Knuser) an, welcher als Proviant eine ganze Flasche Cola Zero dabeihatte, diese aber erst nach Ankunft in Seelisberg wieder in seinem Rucksack fand. Da Willis Tenu mit seinem Petar Aleksandrov-Stirnband sehr sportlich aussah, legten wir ein entsprechendes Tempo vor. Was Willi dann zum Kommentar veranlasste, dies würde er nicht mehr als Wandern bezeichnen. Den Abend in Seelisberg verbrachten wir lustig und lange mit dem lokalen Turnverein, wofür wir dann am nächsten Tag ein wenig ziemlich sehr büssten. Der Weg nach Amsteg war für einen der Hunde sehr beschwerlich, der Tierarzt diagnostizierte dann auch bei ihm Blasen (wusste auch nicht, dass es das gibt, aber offenbar gibt es das). Weiter nach Andermatt, wo die Strecke zwischen Wassen und Göschenen deshalb so tödlich ist, weil man nach 80 Höhenmetern Anstieg (gefühlte) 75 Abstieg macht, so dass die 200 Höhenmeter fast nie enden. Am Abend in Andermatt dann eine lustige Begegnung mit einem älteren Ehepaar, welches sich trotz vieler freier Tische zu uns setzte, weil „sie sich in 64 Jahren Ehe langsam alles gesagt haben“. Der Aufstieg zum Gotthard wunderschön, das Essen oben gut, auch wenn ich damals den Trick mit Rogers Gratisverpflegung noch nicht kannte und deshalb dafür bezahlte. Der Abstieg nach Airolo auch schön, überschattet nur von einem spektakulären Sturz meinerseits, weil Bailey genau im dümmsten Moment unerwartet die Richtung wechselte. Stürze meinerseits haben Tradition auf Wanderungen, dass Beffa darüber lacht auch. Für die letzten 10 Kilometer von Airolo nach Ambri stiess dann Knipser Knuser himself noch zu uns und seither erzählt er allen, er sei auch mal nach Ambri gewandert.

Nun, zwei Jahre später haben wir auch noch die Strecke von Ambri an die italienische Grenze gemeistert (darüber berichte ich dann ein ander Mal) und ich habe zwischenzeitlich auch noch Zurzach-Reiden abgewandert, ich habe die Schweiz also komplett zu Fuss durchquert. Und wenn Du das einem Australier erzählst, dann hat er eine vage Vorstellung davon, wie klein unser Land ist.

Nun, regelmässig zu laufen begann ich eigentlich erst 2013. Mein Gewicht war nach einer Woche in London (es war eine Kurswoche des SKU und Andy wollte das Kursgeld immer bar ins Kässeli der Kursleiterin werfen – übrigens Andy: ich sitze gerade in so einem Schüttelzug Deines Arbeitgebers und es schüttelt als wirklich ein bisschen – sorry not sorry, wollte einfach mal ein wenig SBB-Bashing machen, weil das ja so sehr in Mode ist) und dem Wettiger Fäscht (die Mutter aller Feste) auf gut 99 Kilo (das Gewicht, sorry not sorry, der Satz hat vor rund 3 Minuten begonnen) gestiegen und ich nahm mir vor, dass dieses nie dreistellig werden sollte. Und weil bei allen Diättipps (gar kein Fett, ganz viel Fett, kein Zucker, Friss die Hälfte, Friss gar nichts) wohl einfach die Formel gilt, dass man mehr verbrennen sollte als man zu sich nimmt, begann ich meine morgendlichen Ausmärsche mit Bailey auszudehnen. So hungerte ich mich binnnen 3er Monate auf 86 Kilo runter. Für 2014 ging ich das etwas systematischer an und nahm mir 2000 Kilometer zu Fuss vor, was ich dann mit 2600 locker übertraf. So strebte ich 2015 3000 Kilometer an, was ich knapp schaffte. 2016 fuhr ich sehr intensiv Ski (und hatte neu ein Abo im Basefit), so dass ich die Leistung wieder auf 2600 Kilometer reduzierte. 2017 entdeckte ich, dass es im Basefit auch ein Laufband gibt, so dass ich die 3000 Kilometer wieder schaffte, was ich 2018 wiederholte. Nun, 2019 hatte ich ja 3 Monate unbezahlten Urlaub in Australien (für alle die es verpasst haben, der Rückblick dazu findet sich hier) und so nahm ich mir 3650 Kilometer vor, was genau 10 pro Tag entspricht. Bis zum Ende der Skisaison hatte ich mir einen Rückstand von rund 150 Kilometer eingehandelt, welchen ich bis Ende Juni aufholte. Im Juli erarbeitete ich mir einen kleinen Vorsprung, welchen ich dann in Australien vor allem in Darwin, Noosa und Byron Bay massiv ausbaute. Im Oktober gab ich vor allem auf Fiji etwas von diesem Vorsprung preis, trotzdem hätte es locker reichen müssen. Im November verwaltete ich den Vorsprung geschickt, im Dezember wusste ich, dass es mit dem Start der Skisaison etwas schwieriger werden würde. Aber es wäre locker drin gewesen, hätte mich nicht ein bakterieller Infekt 4 Tage flach gelegt. Und so fehlen mir 5 Tage vor Torschluss noch genau 50 Kilometer, was bedeutet, dass ich wohl am Silvester bis kurz vor Mitternach um den Obersee in Arosa laufen werde. Aber wenn ich mir ein Ziel setze, möchte ich es eigentlich auch erreichen.

Nun, für 2020 habe ich mir etwas mehr vorgenommen. Und darum ist dieser Beitrag eigentlich primär ein Teaser. Nämlich 3660 Kilometer zu Fuss. Das ist nicht mal mehr als 2019, denn 2020 ist zum guten Glück (mit Rücksicht auf die Freitage rund um Weihnachten/Neujahr eher Pech) ein Schaltjahr. Mir aber fehlen 3 Monate zum Nichts-Tun oder eben Laufen, womit ich diese 3660 Kilometer als ambitiös bezeichnen würde. Warum das alles nun ein Teaser ist? Nun, ich verrate nicht zu viel, aber sollte ich es nicht schaffen, kommt 4Africa zu einer grosszügigen Spende – und sollte ich es schaffen, dann hoffentlich auch, denn eigentlich veranstalte ich 2020 einen sehr ausführlichen Sponsorenlauf für einen guten Zweck, welcher mir sehr am Herzen liegt.

More to come, more to read, jeweils zu finden hier oder in allen sozialen Medien unter dem Häschtäg projekt3660 oder eben #projekt3660.

Next Stop: Schuhladen für neue Turnschuhe. Oder mag sich ein netter Produzent als Sponsor hervortun?

Cheers, mates

Der grosse, total unabhängige Test: das Novemberhoch in beloved Arosa

Ja, ich weiss, irgendwie ist dieser Titel ‚Novemberhoch’ eine Provokation für alle Flachländer, welche gefühlt von Mitte Oktober bis Mitte März unter einer Hochnebeldecke verbringen, durch welche die Sonne nur selten durchdrückt (was man dann fast schon abfeiert).

Nun, meine allerliebste Bergdestination Arosa (also bitte null Neutralität bei diesem Test erwarten, er ist nicht unabhängig sondern emotional verblendet durch Erinnerungen, welche bis in die späten 1970er-Jahre zurückreichen…ok, ich kann mich nicht an die späten 1970er erinnern, aber es gibt Fotos von mir in Arosa aus dieser Zeit, ja genau so Fotos mit leichtem orange-Stich und alle Menschen tragen so seltsame Kleidung und die Brillen sind auch so lustig) vermarktet unter dem Titel ‚Novemberhoch’ Kurzurlaube an der Sonne. Man kann da biken, golfen, wandern (so far: who cares?). Vor allem kann man (sofern bereits genug Schnee gefallen ist (er fällt primär aus Schneekanonen, dafür braucht es kalte Nächte)) bereits ab November Ski fahren.

Nun, dieses Jahr mussten sich die Skifahrer (Snowboarder soll es ja auch noch geben, aber genauso wie die männliche Form jeweils auch die weibliche einschliesst (warum eigentlich praktisch nie umgekehrt?) sollen die SkifahrerInnen hier alle SchneesportlerInnen meinen) bis am 16. November gedulden. Dafür hatte es zwischenzeitlich sogar richtig natürlich geschneit und es war gutes Wetter angesagt.

Also entschied ich mich für einen spontanen Tagesausflug nach Arosa. Bisher war ich erst einmal schon im November Ski gefahren, nämlich 2016. Damals hatte ich mit Tom (ihr wisst schon: Knipser Knuser, der Mann von Andrea Mezera) ein Wochenende im Hotel Vetter verbracht. Und weil der Samstag auf der Piste so toll war, reiste Claudio Beffa, ja genau, der mit dem Möbelladen (welcher übrigens auch noch ganz viele Dinge verkauft, welche die Welt eigentlich nicht unbedingt brauchen würde, die aber halt schampar schick aussehen)) am Samstagnachmittag auch grad spontan noch an. Weil es am Sonntag dann aber regnete, reiste er am Morgen schon wieder ab und gehört somit zur exklusiven Sorte Mensch, welche einfach mal rasch nach Arosa in den Ausgang fährt. Dieser Ausgang hatte es aber in sich: wir assen im Hotel, gingen dann zum Eishockey (in Arosa spielt der ehemalige Schweizer Meister EHC Arosa, aber über die schreibe ich dann ein ander Mal, weil sich sonst Töbi (der Mann von der ach so stolzen Claudia) wieder über die Länge meines Beitrages beklagt, aber ganz kurz: Arosa spielte gestern auch und hätte ich das früher realisiert, wäre ich wohl über Nacht geblieben, weil zu einem Besuch in Arosa eigentlich auch der Besuch eines Spiels des EHC gehört. Habe ich aber nicht realisiert, deshalb nur ein Tagesausflug) und landeten dann wieder in der Bar des Hotels Vetter. Dort wurden wir um zirka Mitternacht aufgefordert zu gehen, wogegen wir einen offiziellen Spielfeldprotest einlegten, welcher insofern aufschiebende Wirkung hatte, alsdass uns angeboten wurde, mit dem nur noch auf unseren Abgang wartenden Hotelpersonal weiter auszugehen. Und irgendwie war das dann richtig glatt (ausser für Tom, der wollte irgendwie weder tanzen noch reden noch sonst was und wäre wohl froh gewesen, wenn unser Spielfeldprotest keinen Erfolg gehabt hätte) und dauerte irgendwie auch länger als geplant. Und beim Auschecken fragte uns dann die Wirtin, ob wir eigentlich (und das Wort eigentlich macht in diesem Zusammenhang den Unterschied zwischen interessierter Frage und leichtem Vorwurf) ein Polterabend (für die Deutschen: Junggesellenabschied) seien und seither ist uns das so peinlich, dass wir nie mehr im Vetter abgestiegen sind.

Also, egal, dieses Mal nur ein kurzer seriöser Sporttag auf den Skiern. Das Wetter etwas schlechter als angesagt, auch etwas kühler als erwartet. Der Parkplatz am Hörnli schon voll. Darum parkierte ich im Brüggli, wo mir der Bus grad vor der Nase wegfuhr (ja ok, ich verpasste ihn um 12 Minuten und der nächste wäre bald gekommen) und ich darum den Weg zur Talstation zu Fuss in Angriff nehmen musste (etwa 400 Meter, aber leicht ansteigend und auf 1800 Metern über Meer – aber vor allem hatte ich ja das grosse Reissen nach den ersten Schwüngen des Winters und in diesem Moment zählt jede Minute). Die Hörnlihütte so voll wie der Parkplatz, diverse Speisen schon ausverkauft, die Wartezeit auf eine der übrig gebliebenen (sie hatten passenderweise noch Hörnli) infolge zu wenig Personal lang. Einzige offene Anlage war (neben der Gondelbahn – die heisst so Europa-Park-mässig Hörnli-Express) der Sessellift am Hörnli und das ist der einzige ohne Windschutzhaube und darum mag ich den nicht, nicht mal im Frühling, wenn es wieder wärmer ist. Die Talabfahrt geschlossen, darum ganz zum Schluss nochmals mit dem zugigen Sessel (und es war wirklich ein wenig windig) hoch, um dann mit der Gondel ins Tal zu fahren. Nur zwei Pisten offen, also zu Beginn, dann leider ein erster Unfall der Saison mit Helikoptereinsatz und darum jene Piste gesperrt. Darum nur noch eine offen und die deshalb gut frequentiert und irgendwann auch eher ausgefahren. Und im Schatten lag die auch ab dem frühen Nachmittag, wobei das Hörnli ohne Bösartigkeit sowieso als Schattenloch bezeichnet werden darf, nicht mal im März scheint dort den ganzen Tag die Sonne, darum hält der Schnee auch ewig und im März interessiert es eh nicht so, weil dann ja die restlichen 200 Pistenkilometer zur Verfügung stehen aber die standen ja gestern eben nicht zur Verfügung.

Das schlechte Wetter am Schattenloch Hörnli 😉

Aber wisst ihr was: es war wunderbar. Weil es kalt war, war der Schnee super (ein richtiger Knaller waren diese Pisten (später: diese Piste)), es war toll, so früh in der Saison die ersten Schwünge zu ziehen und so zu Beginn der Saison sind ja auch die Kanten noch frisch geschliffen und greifen (bei Eis im Februar sind sie dann schon schön abgefahren, darum rutschen dann alle nur noch rum). Und das Wetter war wegen der zwei Wolken zwar etwas schlechter als angesagt aber immer noch lange ausreichend für einen Sonnenbrand (und für alle die grad fragen wollten: klar war ich eingecremt). Und dass der Lift keine Haube hat, wusste ich und die Temperatur hätte ich vorgängig recherchieren können und somit war es rein meine Schuld, dass mir igendwann kalt war (es gibt eh kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung). Und vor allem: wir fuhren auf frischem Naturschnee und rundherum war alles frisch eingeschneit (nicht wie im Winter 2016, als es zu Neujahr überall in den Bergen wie im November aussah und sich gefühlt wanderwegbreite Kunstschneepisten ins Tal schlängelten) und so war dieser Novembertag ein richtig toller, sonniger Wintertag! Und stellt Euch vor, wie geil es erst wird, wenn ich warm angezogen bin, alle Bahnen, Pisten und Restaurants in Betrieb sind und ich sowohl den Busfahr- wie auch dem Spielplan des EHC Arosa im Kopf habe.

Fazit: Ich freue mich auf die kommende Saison wie jedes Jahr wie ein kleines Kind (warum sagt man das eigentlich so? habe ich mich als Kind anders gefreut als jetzt?) und ich bin ja so was von froh, dass ich das ganz grosse Reissen vor der ersten Fahrt bereits ein wenig kurieren konnte (und schon wertvolles Know How zum Beispiel rund um den Bus aufbauen konnte). Und Tom ist sicher auch froh, so können wir bei unserem Ausflug im Dezember allenfalls sogar das Frühstück geniessen, ohne dass ich wegen der ersten Gondel stürme (fast hätte ich es geschafft, aber ganz ohne Schwiizerhochdütsch geht es dann doch nicht). Sorry Tom: Vergiss das mit dem Frühstück – bei gutem Wetter können wir es eh nicht geniessen, dass Reissen ist bis dann zurück.

Next stop – Arosa

Cheers, mates

Über Reiseblogs und Bier und lustige Geschichten

So ein Reiseblog handelt ja vom Reisen (mal ein wenig Logik zum Einstieg), mehr oder weniger ausgeschmückt mit lustigen oder halt auch nicht so lustigen, allenfalls sogar traurigen oder interessanten (ja, ich gebs zu: eher selten) Geschichten. Nachdem meine wunderbare Reise durch Australien (falls jemand nicht gemerkt hat, dass ich weg war, der Reisebericht in Kurzform findet sich hier) ja mit der Landung in Zürich (für Deutsche Leser) rsp. Kloten (für besserwissende Schweizer) ein jähes Ende gefunden hatte, frage ich mich schon ein wenig (also sogar recht fest (Schwiizerhochdütsch)), wie es mit meinen (aus meiner Sicht) lustigen Geschichten weiter gehen soll. Eine Möglichkeit wäre ein Unterbruch bis zur nächsten Reise, aber so gefühlte zehn Jahre wären doch ein wenig zu viel des Wartens. Also einfach lustige Geschichten erzählen? Wäre möglich, aber irgendwie würde wohl doch der Aufhänger oder rote Faden fehlen. Da war dann guter Rat teuer – aber die (mal ganz unbescheiden so bezeichnete) geniale Idee nicht weit.

Ich werde zum Tester von Produkten und Dienstleistungen. Was mir gerade in den Sinn kommt, was mir gerade über den Weg läuft und vor allem was sich gerade eignet, um Geschichten zu erzählen.

Wir beginnen mit dem Anker Bier. Ja, richtig gelesen, Anker aus dem Coop, der grosse Bruder des 1291 aus dem Denner. Eigentlich bin ich ja Migros-Kind aber alkoholfreies Bier ist immer noch nicht so gut wie in der Werbung beschrieben.

Warum gerade Anker Bier? Nun, ich habe ein bisschen Expertise zum Thema Bier (stark ausgebaut in Australien, zum Beispiel in Exmouth), es ist mir am ersten Tag zurück im Büro ins Auge gesprungen und Bier eignet sich hervorragend für Abschweifer.

Warum ist mir das Anker am ersten Tag im Büro ins Auge gesprungen? Nun, kurz vor meiner Abreise nach Australien lud ich meine Mitarbeitenden (zusammen mit Nicolas, der anschliessend grosse Karriere im Private Banking machte) zu einem kleinen Abschiedsumtrunk ein. Und da die meisten Feldschlösschen mögen (und ein Anker ist faktisch ein Feldschlösschen, auch wenn sie das nicht zugeben würden. Aber es wird bei Feldschlösschen in Rheinfelden gebraut und wenn ausreichend kalt könnten ab Dose wohl nur die Allerwenigsten das Orignial mit Sicherheit erkennen) und wir eher in die Menge als in die Marke investieren wollten, wurde Anker aufgetischt (professionell gekühlt in einem mit Eis gefüllten Sandkasten, so das Modell hellblau, muschelförmig, mit Deckel, einfach ohne Sand drin). Nun, gewisse Mitarbeitende empfanden das Aufstellen eines Markenimitats als zu wenig Wertschätzung und boykottierten deshalb das Bier. Irgendwie wurde trotz grosser Hitze weniger als erwartet getrunken und so haben wir immer noch Restbestände.

Anker kann man zum Normalpreis von CHF 1.20 (alle genannten Preise beziehen sich auf einen halben Liter in der Aludose) in jedem Coop kaufen. Faktisch sind die CHF 1.20 ein Mondpreis, denn man kauft es nur, wenn es (wie alle paar Wochen) zum halben Preis angeboten wird. Verlangt Coop den vollen Preis, weicht man aus auf das Tell (welches von Heineken in Chur gebraut wird und damit ein verkapptes Calanda ist. Halt einfach ohne Bündner Feriengefühle dazu), welches CHF 0.75 kostet. Und legt man überhaupt keinen Wert auf Status und Prestige, begnügt man sich mit der Billigabfüllung Prix Garantie auch aus Chur, somit wieder ein Bergbier ohne Berggefühl und eigentlich ist Prix Garantie recht kultig, denn die Kultmarke M-Budget von der Konkurrenz produziert ja kein Bier und so konnte Coop hier in die Bresche springen. Schade ist, dass Coop das Design von Prix Garantie (rein grammantikalisch wäre oder ist es übrigens le prix und darum frage ich mich, was dieses e hinter garanti soll) ein wenig aufgefrischt hat (fast schon edel), die alte Version war bedeutend kult-freundlicher.

All diese Biere sind keine geschmacklichen Offenbarungen wie die in Australien gekosteten Kunstwerke von Little Creatures oder Stone Wood, aber sie löschen den Durst (so zum Beispiel im Sommer nach dem Rasenmähen, ok, es ist jetzt nicht Sommer und den Rasen muss man auch nicht mehr mähen aber trotzdem) hervorragend und (sofern dies das Bedürfnis sein sollte) sie machen gleich schnell betrunken wie andere Lagerbiere.

Prix Garantie hält dazu noch Extra-Spass bereit (welcher bei Anker nur teilweise funktioniert), aber nur wenn man nach Plan vorgeht. Mein Plan war es, zusammen mit Thomas Mezera (Knisper Knuser für Insider und der Mann von Andrea Mezera, welche ich nur erwähne, damit ich den Beitrag auf Facebook taggen kann) ein Eishockeyspiel in Langnau zu besuchen. Vereinbart war die Anreise mit dem Zuge (wenn es Prix Garantie heisst, darf ich auch ein e an den Zug dranhängen), ich ab Turgi, er ab Aarau. Ausgemacht war weiter, dass ich Biere (die Mehrzahl von Bier, vor allem wollte ich aber nochmals ein sinnloses e anhängen) mitbringen würde (da sprechen wir uns immer ab, nicht weil wir sonst kein Bier hätten, sondern ganz sicher zu viel). Da ich von je drei solchen Aludosen pro Nase (also 1.5 pro Auge, das ist jetzt aber mal ein Lacher) plus einer für mich für die Strecke Turgi-Aarau ausging (von welcher ich Tom nicht erzählte, sonst hätte er auch vier gewollt), kaufte ich sieben Dosen. Der Spass besteht darin, mit diesen sieben Dosen ein Abteil der ersten Klasse zu betreten, die Dosen auszupacken (die Mitreisenden wissen ja nicht, dass noch wer zusteigt), kurz zu murmeln „hoffe, dass das reicht bis Olten“ und dann zügig unter lautem Zischen die erste Dose zu öffnen. Blicke so unbezahlbar, dass geeignet für die Mastercard-Werbung. Wobei dies dann auch der einzig lustige Teil dieses Reise war, denn da Langnau damals gerade ein neues Stadion hatte und Ambri völlig ausserplanmässig erfolgreich war, war das Spiel leider (also ich freute mich zusammen mit dem Kassenwart des Heimteams wie verrückt, beinahe hätte ich über dem Kopf geklatscht) ausverkauft, so dass wir unverrichteter Dinge (und ohne Biervorrat) wieder nach Hause reisen mussten.

Meine Mitarbeitenden hatten ein wenig den Status und das Prestige oder von mir aus die gezeigte Wertschätzung vermisst beim Anker Bier. Nun, da ein substantieller Teil von Bier ausgeschüttet wird, spielt das wirklich keine Rolle. Drei Beispiele, alle auch wieder an Hockeyspielen und die waren nicht ausverkauft und wir darum sogar im Stadion. Tom (wieder er) wollte uns die Geschichte erzählen, wie ein Freund beim Torjubel das Bier hochwarf (vermutlich wollte der zu einem Überkopfklatscher ansetzen, Anmerkung der Redaktion) und sich so mit Bier zuschüttete. Eigentlich mässig spektakulär, nur dass Tom die Geschichte real nachspielte und zu Demonstrationszwecken tatsächlich ein Bier in die Höhe warf, was ja noch gegangen wäre, aber leider mangelte es ihm ein wenig an Souveränität beim Versuch es wieder aufzufangen und so schaffte er es, sich in der wie immer frischen Valascia zu bierduschen (gibt es das als Verb?). Anders als meine Mutter, welche zum Spiel in die sehr kalte Valascia ihren neuen todschicken und doppelt gefütterten Mantel vom nicht-Billiglabel Max Mara ausführte. Und nach dem ersten Tor der Heimmannschaft hatte sie dann dank Gollo (der vor der Kesb, der sich dem Internet verweigert, er ist zwar nicht verheiratet aber seit immer zusammen mit Karin (von Gollo, dieses von Gollo versteht nur der very inner circle, sorry not sorry)) einen nicht mehr neuen, immer noch recht schicken dafür mit Bier würdevoll getauften doppelt gefütterten Mantel des immer noch nicht billigen Labels. Wobei sie sehr gelassen reagierte (zumindest äusserlich), ganz im Gegensatz zu den Anzug tragenden Sitzplatz-Modefans in Lausanne. Das war an Toms Polterabend (für Deutsche: Junggesellenabschied, weiss nur dank der Walfamilie, dass ihr Polterabend nicht versteht), also Tom wollte ja keinen Polterabend (falls ihr es grad überlesen habt, liebe Deutsche Leser: Junggesellenabschied, hatte übrigens auch ein entsprechendes Erlebnis in Australien), deshalb bezeichneten wir diesen lustigen Abend einfach als seinen Polterabend (für die Deutschen: ihr wisst schon) und Töbi (der mir dann irgendwann noch Pulp Fiction erklärt und dessen Frau Claudia ja so grausam stolz auf ihren Tobiässli ist) war auch dabei. Bei allen Geschichten war übrigens auch Claudio Beffa (der vom schicken Möbelladen) dabei, aber das wäre auch ohne Erwähnung klar gewesen. Auf jeden Fall wollte Tom im Zug kein Bier (schon gar kein Billigbier) sondern Wein im Speisewagen kredenzen. Und zwar nicht billigen in der 1.875-Deziliter-Flasche (welcher für Töbi und mich absolut ausreichend war, fand Tom), sondern die echte Flaschenqualität, von welcher er uns dann auch bei jedem Schluck vorschwärmte. Auch noch, als er schon lange von der Toilette zurück war und Töbi und ich sein Glas schon lange mit dem billigen Fusel aufgefüllt hatten und an seiner Stelle das genau gleich gut oder schlecht schmeckendes teures Edelgesöff tranken….aber das war ja nur die Anreise, denn das Bier wurde erst am Spiel verschüttet. Weil Lausanne für Gästefans gefühlte 12 (vielleicht waren es 150) Stehplätze zur Verfügung stellte, wichen wir auf die Sitzplätze aus (also wären wir wohl eh, aber war eine gute Ausrede) und da Ambri ja immer noch die überraschend erfolgreiche Saison spielte und mehr Tore also der Gegner schoss und wir bei jedem Tor euphorischer wurden, passierte es, dass wir (ganz versehentlich und ohne jede böse Absicht, ich schwörs, im Fall) den Anzugträgern vor uns ein paar Schlucke (Schluck wäre die korrekte Mehrzahl, aber ich wollte nochmals ein sinnloses e anhängen und ok, es waren allenfalls mehrere Becher) über ihre sicher gar nicht so teueren Anzüge schütteten. Und auch der Verweis auf meine in solchen Situationen so gelassen regierende Mutter half gar nichts mehr, sondern liess die Situation eher noch mehr eskalieren. Egal, wir kamen heil raus und Töbi konnte sich auf den Heimweg noch zwei Bier kaufen. Eigentlich hätte ihm eins genügt, da er aber nicht wusste, ob es eher un oder une bière heissen würde, bestellte er zur Sicherheit grad deux. Wer mit gleicher Unsicherheit wirklich nur eins möchte, der möge ausweichen auf „trois bières et deux retour“. Von diesem Abend gibt es sogar ein Bild (vermutlich aufgenommen von einem der später biergeduschten Anzugträger). Fazit zum Bild: der Mann vom Möbelladen und Tobiässli hatten mehr Haare als heute, ich mehr Kilos, Tom dafür klar weniger graue Haare. Egal, herzliche Gratulation zum ersten bebilderten Gastauftritt.

Was das alles jetzt genau mit dem angekündigen Produkttest zu tun haben mag, weiss ich selbst nicht mehr. Ich würde zusammenfassen: Ein ganz normales (hundskommunes) Lagerbier lässt sich wunderbar in der Billigversion geniessen, selbstverständlich hat dies aber wenig mit dem Genuss eines Spezialbieres zu tun.

So, das war die erste Folge meines Produkttest-Blogs (formerly known as Travelblog, wie Prince, der irgendwann Mr. Symbol formerly known as Prince hiess). Falls jemand gerne ein Produkt getestet haben möchte: jederzeit eine Meldung an mich. Sofern es sich halbwegs sinnvoll mit Geschichten aus dem Leben verknüpfen lässt, bin ich da also sehr offen.

Somit next stop oder next product: your choice.

Cheers, mates.

Vom alleine Essen und von Roger und von Kinobesuchen

Wie bereits mehrfach berichtet, hält ja die Aussicht, alleine in einem Restaurant essen zu müssen, gewisse Menschen vom Reisen, ja sogar von Ausflügen ab. Diese Geschichte soll alle Mitglieder dieser Gruppe ermutigen, es mal zu versuchen.

Zuerst aber ein Abschweifer, der handelt auch vom alleine essen. Und enthält eine freie Mahlzeit auf dem Gotthard-Pass für alle Leser (also nicht etwa einen Gutschein oder so, aber eine ziemlich brauchbare Anleitung). Die Geschichte handelt von Roger Keller. Es ist wohl der Chef, dem ich am meisten zu verdanken habe (das gäbe einen eigenen Beitrag), andere würden es wohl mit ein paar Kisten Wein tun, ich mit einem Gastauftritt, um den er fast schon flehentlich gebettelt hat (und Roger, falls Christiane (Paar-Gastauftritt) die Geschichte noch nicht kennt: Jetzt wäre ein guter Moment, sie mal zu erzählen). Die Geschichte geht so: Roger lud einmal alle seine Direktunterstellten zu einer Wanderung auf den Gotthardpass ein (also eigentlich zwang er uns). Das Bild stammt von meinem Instagram-Profil, einfach falls jemand noch nicht weiss, dass ich auf Instagram bin:

Die Einladung von Roger grosszügig, denn in Andermatt (von Andermatt handelt übrigens einer meiner ersten Blogposts (ja genau der, in dem ich ganz nah am Olympiasieg Olympiasieger in der Herrenabfahrt dran war und Reto (der einfach nie ins Bett wollte) und Lars (der hätte bei einer Tanzeinlage noch fast einen Unfall gehabt) hatten tragende Nebenrollen)) stellte sich Roger im Coop an die Kasse und wir durften uns alle unseren Proviant (ein sogenannter Zwipf (militärische Kurzform von Zwischenverpflegung) in Rogers Sprache) zusammenstellen. Der Unverschämteste (nicht ich) deckte sich gleich noch mit einer Kurpackung der teuren Gilette-Rasierklingen ein. Nun, die Wanderung war für die einen wunderschön, für andere eher anstrengend, mir mich beides. Oben angekommen bezogen wir die schönen Zimmer im Hospiz und dann gab es wohlverdient was zu Essen und ein paar Bier oder Gläser Wein. Um Mitternacht wollte die Wirtin schliessen, unter grossen persönlichen Einsatz erkämpfte Roger fünf weitere Runden für seine festfreudigen Mitarbeitenden, die zweitletzte durch Androhung des Anstimmens von „einer geht noch, einer geht noch rein“, die allerletzte durch tatsächliches Absingen dieses Partykrachers (so zumindest meine Erinnerung).

Aber eigentlich handelt die Geschichte ja vom alleine Essen und ihr alle wollt ja vor allem kostenlos speisen auf dem Gotthard. Und das war so: Alle sassen beim Frühstück, nur Roger fehlte. Als die Abfahrt des Buses nur noch 20 Minuten entfernt war, versuchten wir in grösser werdender Panik, Roger zu erreichen. Als er endlich den Anruf entgegennahm, fragte er sogleich leicht genervt: „wo sind ihr?“. Auch Roger war beim Frühstück (allein oder einfach mit sich selber) und fragte sich, wo wir waren. Er war über die Strasse ins Selbstbedienungsrestaurant gegangen, hatte sich reichlich mit Kaffee, Obst, Müesli, Käse, Wurstwaren und Brot mit Butter (und sicher auch noch Honig und Konfitüre, womöglich hat er noch nach seiner persönlichen Lieblingssorte gefragt) eingedeckt und die Kasse selbstbewusst mit „bin Hotelgast“ passiert. Und das wäre jetzt die Anleitung zur Gratisverpflegung gewesen: Einfach selbstbewusst (am besten hart an der Grenze zur Arroganz) an der Kasse vorbeischreiten und mit Bestimmtheit etwas halbwegs plausibles sagen, Variationen könnten sein: „gehöre zur Bustour“, „bitte auf Rechnung Meier“ oder „Skiclub Gontenschwil“ – die gewagteste Variante (hier für den Gastauftritt von Pippo und Lukas (er der mutigste Lernende, dem ich je begegnet bin)) wäre sicher #TeamSchletzBier. Und so was funktioniert alleine tendenziell besser als in der Gruppe.

Damit haben wir diesen Abschweifer endlich hinter uns. Er leitet mich aber zu einem zweiten, sehr kurzen (versproche, im Fall). Rogers Auftritt erinnert ja stark an Leonardo di Caprio und seine Rolle in Catch me if you can. Über Leo (für Freunde) habe ich bereits In meinem Beitrag über Broome geschrieben. Catch me if you can sah ich 2003 in Sydney, an einem regnerischen Nachmittag in einem fast leeren Kino. Und weil mir der Film so gut gefiel und ich fand, dass man bei einer zweiten Betrachtung sicher weitere amüsante Details entdecken würde (und vor allem auch, weil es immer noch regnete), war Vorstellungsende plus zehn Minuten für mich auch grad nochmals Vorstellungsbeginn. Habe ich vorher nie gemacht, habe ich danach nie mehr gemacht. Aber genau darum ist Reisen so wunderbar, weil man (leicht absurde) Dinge tun kann, die man sonst nie tut (und wenn man alleine reist, muss man sich nicht mal rechtfertigen).

So, aber jetzt genug der Abschweifer, jetzt gehts ums alleine Essen: Am Abend nach der nicht ganz so wilden Return-Party (nachzulesen hier) sass ich gemütlich in der Breeze Bar in Airlie Beach. Natürlich alleine, also mit meinem I-Pad, auf dem ich ein Buch las. Und obwohl es gar nicht so war, können wir uns ja vorstellen, dass sowohl die Pärchen an den Nebentischen wie auch die grosse Männergruppe am grossen Tisch immer wieder mitleidig zu mir schauten. Allenfalls machten sie noch Aussagen wie „poor guy“, „lonely“, „lonesome“ oder „no wonder he has no friends, just look at him“. Vielleicht lachten sie dazu und zeigten mit dem Finger auf mich und vielleicht fragte mich noch einer direkt „why are you alone?“. Machten sie alles nicht, in Airlie Beach sind viele Alleinreisende unterwegs und alle Restaurants haben grosse Tische und man kann sich überall dazusetzen (also vielleicht nicht grad bei den Frischverliebten, welche die Finger keine Sekunde von einander lassen können, aber bei allen anderen schon).

Aber stellen wir uns vor, es wäre so gewesen oder zumindest gefühlt so gewesen. Denn genau in jenem Moment als ich mich unter meinem Tisch vergraben wollte, erschien Esther, regelmässige Leser kennen sie schon als weiblichen Teil aus dem Schweizerischen-Holländischen Doppel von der Return-Party. Und ab hier hat es sich zu 100 % genau so zugetragen (ich schwörs, im Fall). Nun, Esther ist so die Person, die tendenziell auffällt, ein Bild mag es schon zum Teil erklären:

Wer mehr von ihr sehen möchte, der folge ihr auf Instagram, wenig überraschend hat sie ein leicht besseres Likes/Follower-Verhältnis als ich. Aber auch sie hat ihre bad-hair-moments, zum Beispiel, wenn sie grad aus einem Flugzeug springt (Foto offiziell autorisiert von der Protagonistin):

Nun hat sie auch einen Gang, der gewisse Männerköpfe (und auch die der Frauen) drehen lässt, vor allem aber ist sie tendenziell manchman eher wahnsinnig laut und extrovertiert im Vergleich zu anderen Menschen. Und sie lacht immer. Und so rief schrie sie meinen Namen durch die ganze Bar und da ich in mein Buch vertieft war sogar mehr als einmal und darum schauten auch all die Pärchen (sogar die Frischverliebten) auf. Zweite auffällige Eigenschaft an Esther ist, dass Begrüssung ohne Umarmung nicht geht, so richtig fest mit drücken und auf den Rücken klopfen, dazu laut lachen. Erste neidische Blicke von der grossen Männergruppe trafen mich, erste giftige Blicke des weiblichen Teils der Frischverliebten trafen Esther. In diesem Moment wurde mein Essen serviert, was Esther mit ‚oh, I have already had my dinner, so I cannot join you‘. Leichte Schadenfreude vom Männertisch, gewisse Erleichterung bei der Frischverliebten. Aber ohne Aufforderung meinerseits fuhr Esther fort mit „but you know what, I will just join you for a drink“ und führte damit zu einer leichten Gesichtsentgleisung bei der Frischverliebten, weil ihr Frischverliebter darob erfreut zu sein schien. Hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz (habe trainiert für den Gotthard) antwortete ich „well, you know, I actually would have preferred to keep going with my book (kurzes Aufflackern von Hoffnung am Nebentisch) – but if you do not have any other plans, why not?“

Und so setzte sich Esther nieder, erzählte lustige Geschichten (laut und extrovertiert mit vielen Lachern). Zwischenzeitlich verliess sie mich mal kurz wortlos (kurze Hoffnung oder Schadenfreude an den Nebentischen), aber nur um eine zu rauchen (und das ist in Australien schon so was von rebellisch, die Raucher müssen sich ihre Zonen richtiggehend suchen). Sie kam wieder. Als ich fertig gespiesen und wir beide fertig getrunken hatten, forderte sie mich auf (wieder nahe 100 Dezibel), noch in ein anderes Lokal auf ein Bier zu kommen. Und so verliessen wir den Tatort (ganz kurz: der letzte Schweizer Tatort war ja so was von unterirdisch schlecht, ich fühle mich fast genötigt, mich bei allen Deutschen und Österreichern dafür zu entschuldigen) gemeinsam. Ich spürte die Blicke in unseren Rücken (schaute aber nicht zurück) und als wäre mein Triumpf nicht schon umfassend genug gewesen, fragte ich Esther (ja und genau da könnte man mal auf die Schnauze fliegen, weil man übertreibt), ob sie sich nicht bei mir einhängen wolle, was sie mit lautem Lachen freudig tat.

Und was Lernen wir draus: Alleine Essen kann gratis sein, alleine Essen muss überhaupt nicht einsam sein, falls man mit einem Auftritt Esthers rechnet, empfiehlt sich allenfalls ein Pamir und zum Glück bekommt der Tatort ein neues Schweizer Ermittlerduo.

Next Stop: immer noch Sydney.

Cheers, mates.

Eine Ode an perfekte Tage und Abende

Nachdem wir in Andermatt den Hotelausgang und damit den Bahnhof gefunden hatten (siehe Letzter Blog von gestern) fuhren wir mit dem Postauto über den Gotthardpass. Immer wieder eine beeindruckende Kulisse und wenn man sieht, wie lange das Postauto da aufwärts fährt, steigt der Stolz auf die entsprechenden Bezwingungen zu Fuss mit jeder Minute weiter an.

Ab Airolo direkt nach Locarno, wo wir im La Palma au Lac eincheckten. Das Zimmer war noch nicht fertig (wir auch zu früh dran), es wurden uns aber Tücher für dem Badeplausch im direkt davor liegenden See angeboten. Den Plausch wollten wir mit der Anmietung eines Pedalos erhöhen, steigerten ihn dann mit einem Motorboot fast schon ins Unermessliche. Ja bei Motorboot denke ich an eine Jacht mit mindestens 212 PS, 3 Kabinen und 4 Butlern, aber manchmal kommt es anders. Auch wenn die 8 PS dem Bötchen wohl kaum mehr als 10 km/h entlockten, sich einmal im Leben als El Capitano zu fühlen, war den Eintritt allemal wert.

Danach genossen wir den #roomwithaview und nützten diesen, um ein wenig vorzuglühen.

Der eigentliche Höhepunkt sollte aber ja noch folgen. Wir hatten uns preiswerte eher teure absolut wahnsinnig teure VIP-Tickets für das Moon and Stars genauer für das grande Finale mit Patent Ochsner und Stephan Eicher erworben. In der Kurzfassung für Schnellleser: Es war ganz grosses Kino:

Die Infrastruktur und das Catering wirklich auf VIP-Niveau. So Häppchen und Drinks bis zum Abwinken. Tolle Plattform, welche zu keinem Zeitpunkt irgendwie ‚crowded‘ war. Wie Geberit sein Dusch-WC an einem Open Air vermarktet, ist so übertrieben, dass man es direkt übertrieben finden könnte – vielleicht ist es einfach nur gut saumässsig gut.

Aber primär waren wir ja der Konzerte wegen dort. Und das war ja das Geile: es waren nicht zwei Konzerte unterteilt in eine Vorband, die keiner hören will und nur das Warten auf den Mainact verkürzt bis dieser Mainact dann endlich mit grosser Verspätung anfängt. Nein, die zwei grossen alten (sorry) Männer der Schweizer Musik gaben hier eben zusammen ein Konzert mit dem absolut besten aus den zwei doch recht unterschiedlichen Welten. Die absolut epische 11-minütige Version von Scharlachrot inkl. dem wohl geilsten Saxophonsolo der Musikgeschichte (sorry das immer noch vorhandene Adrenalin lässt mich schwärmen) war nur ein Höhepunkt des höhepunktreichen Abends…dass sich die zwei Protagonisten des Abends einen kurzen Moment nicht ganz einig waren in Bezug auf den Text gab dem ganzen einen zusätzlichen leicht improvisierten Touch (wäre ich böse, würde ich unterstellen, sie hätten das absichtlich gemacht ich bin ja mal nicht böse).

Die Bühne rsp. die Ausrichtung der Tribüne sowie die Farbe der Getränke waren eine faktisch perfekte Inszenierung für die Generation Instagram – interessiert wohl nicht so viele aber für so gefühlte Influencer wie mich natürlich Teil des Spasses.

Und weil ja schöne Geschichten ein Happy End brauchen: Dass ich dann am nächsten Morgen einen Schulkollegen an der Hotelrezeption antraf, den ich zuletzt wohl ca 1995 mit 18 Jahren vor über 20 Jahren ziemlich sicher 1995 getroffen hatte, rundete das nette Reislein noch wunderbar ab.

So, next Stop Singapur 🇸🇬.

Andermatt – 10 Jahre später

Wie doch so einige habe auch ich paar Wochen meines Lebens im grünen Kampfdress der besten Armee der Welt in Andermatt verbracht. Als unsere Truppe das erste Mal in Andermatt stationiert war, hiess uns der Präsident des damals dahinsiechenden Bergdorfes persönlich mit einem Apéro willkommen. Sein wichtigstes Argument für Andermatt war die fehlende Polizeistunde und damit die Möglichkeit zum masslosen militärischen Abfeiern. Wir nützten diese rege. Ein Jahr später war der reiche Onkel aus Ägypten mit seinem Projekt www.andermatt-swissalps.ch aufgetaucht und weil man diesen wohl nicht verschrecken wollte, wurde eine militärische Polizeistunde um Mitternacht erlassen. Bussenandrohung 100 Franken, Kontrolle durch die Militärpolizei. Nun, da gestohlene Äpfel ja am besten schmecken, erhöhte das auf Umwegen zu spät nach Hause schleichen den Spass des nächtlichen Tuns noch mehr. Ein Jahr später fand dann der Spatenstich für das Luxushotel The Chedi statt (www.thechediandermatt.com) und die ganze Bevölkerung (wir zählten uns dazu) wurde zu Brot und Spiele Wurst und Brot eingeladen. Später in einer Bar sahen wir den reichen Onkel dann noch mit der für sein Projekt werbenden Skilegende. Ja und so entstehen lustige Militärgeschichten, in denen ich mal ganz nah am Olympiasieg Olympiasieger in der Herrenabfahrt war.

Soweit mal mein Bezug zu Andermatt.

Jetzt, ziemlich genau 8 Jahre nachdem ich mein seit der RS liebevoll gehütetes und mehrfach gezügeltes Armeematerial in einer grauen Turnhalle zu entsorgen hatte, kehrte ich auf dem Weg ans Moon and Stars in Locarno für eine Nacht nach Andermatt zurück.

Gebucht hatten wir ein Zimmer im neuen Radisson Blu. Zwei sehr chice Holzchalets am Dorfeingang, leider auch sehr nahe an der Gotthardstrasse. Offenbar ist das Hotel nicht primär überhaupt nicht auf mit dem Zug reisende ausgerichtet, der Weg vom Bahnhof ist nicht wirklich beschriftet…und als Mann ist es ja sowieso ausgeschlossen, jemanden nach dem Weg zu fragen…und so sahen wir das Hotel zwar schon von weitem, mussten aber irgendwie noch über die stark befahrene Hauptstrasse und die Bahngeleise kommen…irgendwie haben wir es dann geschafft und später den direkten Weg auch noch gefunden.

Check in freundlich und schnell und schon um 13 Uhr möglich. Das Zimmer chic und stylish, mit Kaffeemaschine und fast schon spektakulärem Bad. Und riesigem Fernseher, den ich aber irgendwie nicht brauchte.

Nach dem Spaziergang wollte ich eigentlich ins Hallenbad. Da die Beschriftung auch innerhalb des Hotels mehr als dürftig ist (die Badtücher suchen wir immer noch haben wir nicht gefunden), bin ich zuerst im Fitness gelandet. Und da im TV gerade die Schlusssteigung der Tour de France lief, entschied ich mich für ein wenig gemütliches Spazieren auf dem Laufband (4.5 km/h). Ich wurde dann von einer Angestellten in englisch und eher sehr barsch darauf aufmerksam gemacht, dass ich für ein ‚excercise‘ gefälligst vernünftige Schuhe tragen solle. Auch meine Erwiderung, dass 4.5 km/h nicht Training sondern maximal aktive Erholung sei, konnte ihre offensichtlichen Sicherheitsbedenken nicht aus der Welt schaffen. Nun, auf dem Weg ins Bad bin ich dann in einer Pfütze beinahe zu Fall gekommen…soviel zu Sicherheit. Das Bad toll, geräumig mit riesigen Liegen…die Aussicht leider direkt auf die Hauptstrasse. Den Rest des Spas hätte ich auch noch besichtigt, leider mangels Beschriftung nicht gefunden…und ich hätte sogar gefragt, hätte ich irgendeine Badeaufsicht gesehen…

Die Bar: toll eingerichtet – bequeme Sitze und Sofas – gute Getränkeauswahl – freundliche Bedienung.

Das Restaurant konnten wir leider erst um 20.30 Uhr betreten, da es vorher ‚ausgebucht‘ war. Allerdings war es dann um halb 9 leer und irgendwie hatten wir nicht gerade viele Leute rauskommen sehen. Aber egal: die Einrichtung überzeugt, die Speisen sogar sehr, die Weinkarte ist umfassend und aus meiner Sicht fairpreisig, das Essen sehr gut!

Am nächsten Morgen eines der besten Frühstücksbuffets, welches ich je gesehen habe. Der selbst geräucherte Lachs (unten zu sehen im Bild welchen ich leider nicht fotografiert habe) war der Höhepunkt. Mäkeln auf ganz hohem Niveau: der Käseauswahl würde etwas Regionalität mit einem Urner Alpkäse oder so nicht schaden.

Check out anschliessend wieder bei Etienne, bei dem wir schon eingecheckt hatten: schnell, freundlich und zuvorkommend. Er hat uns sogar den schnellsten Weg zum Ausgang im zweiten UG erklärt…welchen wir mangels Beschriftung dann doch noch ein wenig suchen mussten…

Fazit zum Hotel: supertolle Hardware – Software noch mit einigen Bugs und daher Luft nach oben.

So, das wars, machen und jetzt auf den Weg zum Bahnhof…es regnet…darum auf direktem Weg…