Gruppenreisen oder wie ich zum Altenbetreuer mutierte…

Nun, eigentlich hatte ich ja vorgehabt, die Westküste im Rahmen einer rund dreiwöchigen Gruppenreise zu erkunden. Man muss sich um nichts kümmern, man findet quasi automatisch Anschluss, man wird überall hingebracht, wo man eh nach der Reise gewesen sein muss. Nach reiflicher Ueberlegung kam ich zum Schluss, dass dies nicht das Richtige für mich ist. Die weltbeste Reiseberaterin (welche mich ja ziemlich gut und lange kennt) brauchte genau drei Wörter („bist Du sicher“?) und einen Blick, um mich vom Plan abzubringen.

Um etwas Sicherheit zu haben, entschied ich mich dann für die Buchung einer 4tägigen Kurzgruppenreise durch die Nationalparks des Nordens. Da ich die Alterslimite für Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsbad und für Campingsafaris gefühlt überschritten habe, entschied ich mich für die von AAT Kings angebotene „Northern Top End Tour“.

Der Start soweit so gut: 23 Personen in einem Bus mit 48 Personen Fassungsvermögen, USB-Anschluss an jedem Platz, zwei Fernseher, welche die Perspektive des Fahrers übertrugen, soweit also sehr bequem. Wir fuhren also rund eine Stunde, als wir beim „jumping crodile“ ankamen. Da fährt man auf einem Boot für eine Stunde auf einen Billabong und während dieser Stunde wird (abwechslungsweise für die linke und die rechte Seite des Bootes) einem namentlich genannten Krokodil Fleisch vor die Nase gehalten, in der Hoffnung dieses Krokodil möge aus dem Wasser springen. Also quasi ein Zirkus in freier Natur. Leider waren die Krokodile nicht gerade übermotiviert, sodass keine wirklich beindruckenden Sprünge zu bewundern gewesen wären. Höhepunkt waren damit die tollen Jokes des Guides, welche ich ja leider schon von der letzten Ausfahrt kannte. Für die unregelmässigen Leser meines Blogs: „Please clap your hands, so I know that you still have both hands“…harrharrharr.

Die Busfahrt wurde primär darauf verwendet, einen scenic flight zu verkaufen. Da ich diesen nicht wollte, kriegte ich am Nachmittag zwei Stunden Freizeit am Pool. Danach gingen wir auf einen scenic walk, auf welchem wir durchaus beindruckende Höhlenmalereien besichtigen. Anschliessend bestiegen wir eine Felsformation mit toller Aussicht. Mit „wir“ meine ich den Teil der Gruppe, welcher genügend fit für diese Besteigung war. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Gruppe einiger Teilnehmer war das rund ein Drittel. Bei zwei der Besteiger fragte ich mich während des Aufstieges, wie die es je wieder nach unten schaffen sollten. Oben angekommen beobachtete ich Teilnehmer einer Camping-Safari (alle jung, lustig und in Flip Flops) beim Vertilgen von Bier und Chips. Für uns gab es ebenfalls Bier, dazu auch Wein oder einen G&T, ergänzt von schmackhaften Häppchen. Ja, wäre eine tolle Idee gewesen, hatte bei unserem Veranstalter offenbar noch nie jemand. Wobei wir sowieso nicht bis zum Sonnenuntergang bleiben konnten, da ja gewisse Teilnehmer länger für den Abstieg brauchten und es in der Dunkelheit zu gefährlich gewesen wäre….

Auf das Buffet im Hotel (und damit auf die Gesellschaft meiner Reisegruppe) verzichtete ich dann, ich genoss dafür kühles Bier, einen guten Hamburger und das Rugby-Derby Australien gegen Neuseeland im Pub. Ich verstehe zwar nichts von dem Spiel, aber Australien erzielte einen heroischen Sieg über Neuseeland.

Das Frühstück am nächsten Morgen wollte ich eigentlich auslassen, da ich mässig Hunger hatte. Allerdings hatte das Hotel eine sehr stylische Maschine von Nespresso, wo ich den Eintritt für das Frühstück nur schon mit dem Konsum von 4 Espresso-Machiato herausholte. Ich würde diese Maschine als mässig sehr ungeeignet betrachten für Hotels mit Gästen, welche 1. Nespresso als System nicht kennen, 2. grösstenteils über 70 sind und 3. grösstenteils nur für eine Nacht bleiben. Da die Gäste dieses Hotels alle drei Kritierien grossmehrheitlich erfüllten, ergab sich eine nette Schlange vor der Maschine, welche ich dann aber quasi als David Hasselhoff aller Kaffeezubereiter mittels geduldigen Instruktionen abzubauen half.

Tag zwei soweit so gut. Ein Bush Walk. Eine weitere Ausfahrt auf einem Billabong, dieses Mal aber landschaftlich durchaus bemerkenswert und der Guide kannte neben den Krokodilen sogar einige Vögel, welche er uns zeigte. Dann quasi als Höhepunkt die Möglichkeit eines Bades an den Edith Falls. Bei 14 Grad Wassertemperatur überwand ich meine diesbezügliche Phobie und sprang todesmutig ins Wasser. Bei 20 Grad Wassertemperatur netzte ich mich vorbildlich an und war als einer der ersten der Gruppe im Wasser. Nein, bei rund 24 Grad Wassertemperatur war ich als rund 5. unserer Gruppe im Wasser. Gleichzeitig auch als letzter, der grösste Teil der Gruppe fand das Umziehen zu aufwändig. Anschliessend spazierten wir auf dem wunderschönen Spazierweg. Es hatte einen Spazierweg, diesen benützten wir aber nicht, wir musste ja zum Nachtessen ins Hotel. Dieses ein Ibis Styles. Der Name war das einzig stylische. Nachtessen liess ich aus und nützte die Zeit für einen Spaziergang.

Tag 3 war wohl so etwas wie der Höhepunkt. Eine wundervolle Ausfahrt auf Katherine Gorge. Wirklich sehenswert. Und zum Glück ein offenbar frischer Guide, welcher all die alten Jokes noch nicht kannte. Dies wäre nun ein Ort, an dem ich als Individualreisender länger geblieben wäre. Aber wenigstens blieb Zeit für ein Hooddie-Pic ;-).

Dann eine sehr lange Rückfahrt nach Darwin. Hier löste sich die Gruppe dann auf, einige hatten 3 Tage gebucht, andere wie ich noch einen vierten Tag.

Tag 4 führt uns in den Litchfield National Park. Heute gab es zwei Gelegenheiten für ein Bad. An zwei wundervollen Orten, darunter die Wangi Falls, wo sogar genügend Zeit blieb für den Loop Walk.

Fazit: ich bin wohl irgendwo in einem alters- und anspruchsmässigen Niemandsland: zu alt und verwöhnt für Camping- oder Mehrbettzimmer-Touren aber eben auch zu jung und abenteuerlustig für die klassischen Hoteltouren. Also würde ich jedem Touroperator raten, Angebote auf die Komfort suchende und durchaus zahlungswillige aber deswegen immer noch coole Hipster-Generation auszurichten…dass ich mich zu den Hipsters zähle, versteht sich wohl von selbst…Erwähnen möchte ich noch Warren, unseren sehr engagierten und motivierten Fahrer. Auch er nicht ganz sicher vor den Guide-Jokes (seinen finde ich aber sogar noch lustig): „Thank you for having chosen AAT Kings, if you had not, I would have had to look for a serious job“.

Cheers, mates.

6 Kommentare zu „Gruppenreisen oder wie ich zum Altenbetreuer mutierte…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s