Meine Bankkarriere begann am 1. Dezember 1997 als Mittelschulpraktikant bei der Credit Suisse, im Bereich Autoleasing. Damals hiess das noch Credit Suisse Leasing, heute längst Bank Now – vermutlich, weil Bank Later nicht ganz so knackig wäre. Das Internet war zwar bereits erfunden, wirklich viel damit anzufangen wussten wir aber noch nicht. Wir hatten stattdessen ein Memo-System, das ausschliesslich Textnachrichten verschicken konnte – ohne Anhänge, ohne Emojis, ohne Rückgängig-Button. Grüne Schrift auf schwarzem Grund. Es war schon damals retro auch wenn ich dieses Wort noch nicht kannte.

Ueber die nächsten gut 25 Jahre passierte sehr viel: hotair.com wagte den Börsengang – ein Name, der rückblickend unfreiwillig prophetisch war – und kurz darauf platzten die „New Markets“ so richtig. Parallel dazu groundete die Swissair und plötzlich standen Menschen in grossen Mengen wutentbrannt in UBS-Geschäftsstellen, denn irgendwo musste man seine Frustration ja loswerden. Die Börsen stiegen danach zu Höhen, die niemand für möglich gehalten hätte, nur um später wieder tiefer zu fallen, als meine Motivation nach dem dritten eLearning zu „Regulatorischem Verhalten in hypothetischen Spezialfällen“. Lehman Brothers ging mit grossem Getöse unter, alle 3 isländischen Grossbanken versanken, die UBS fast und ich versuchte irgendwo im hohen Norden Deutschlands Kunden zu erklären, dass dies nur eine etwas grössere Schwankung sei.
Nachdem auch noch Griechenland faktische Insolvenz anmeldete, kamen Jahre der Nullzinsen, welche dann rasch zu Negativ-Zinsen wurden. Ein Finanzkonzept, bei dem man bezahlt, damit die Bank das eigene Geld nicht verliert. Ich will nicht behaupten, dass es unlogisch war – nur dass niemand es logisch fand. Dafür war spätestens mit der Aufhebung der Euro-Untergrenze der Einkauf ennet der Grenze plötzlich wahnsinnig billig.
Und als alles fast wieder normal war, kam Corona. Homeoffice, VPN, Teams-Calls (oder war erst erst sogar noch Skype?) und eine Poststrasse besetzt mit den zwei Mitarbeitenden, welche eine Home-Offfice Dispens erhalten hatten. Klassiker der Meetings: „Du bist noch auf mute“, „Jetzt hör ich dich nicht“, „Siehst Du, was ich teile?» oder „Bin ich noch drin?“. Gleichzeitig wurde die NAB in die CS integriert, und kurz nachdem ich meine Masterthese endlich abgegeben hatte, kam ChatGPT und hätte die Erstellung dieser radikal vereinfacht. Hätte, hätte, Fahrradkette.
Als man dachte, so langsam sei der Climax erreicht, erlebte die Credit Suisse mit Archegos und Greensill zwei weitere Waterloos und dann einen historischen Bankrun. Eine Bank, die too big to fail war, aber trotzdem scheiterte – und per Ende 2025 in der Schweiz dann ganz primär nur noch aus Erinnerungen, nostalgischen Werbeartikeln und vielen alten Geschichten bestehen wird.

Und genau per dann endet auch meine eigene Reise: Wenn am 1. Januar 2026 überall die Champagnerkorken knallen und die Welt wieder einmal so tut, als hätte sie nun alles im Griff. Nach fast drei Jahrzehnten, Marktzyklen, Krisen, Innovationen, Mergern, Systemwechseln und ungefähr 47 regulatorischen Weiterentwicklungen verabschiede ich mich aus dieser Welt – mit einem lachenden und einem weinenden aber irgendwie auch mit zwei ganz grossen staunenden Augen.
In naher Zukunft werde ich die Stationen meiner Karriere in Blogform verarbeiten, reflektieren oder – ehrlich gesagt – einfach hobbyliterarisch verwursten. Abonniere diesen Blog, um keine Folge zu verpassen.
Daneben wage ich den Schritt in die Selbständigkeit. Wenn Du mehr darüber erfahren willst:
toao-gmbh.ch / Thomas@toao-gmbh.ch / https://www.linkedin.com/in/thomastoao/
nächster Halt: Autoleasing 01.01.1997 – 31.03.1998

















