Ich fliege gerne mit SWISS. Die Marke steht für mich für Stil, Ordnung, und ein bisschen schweizerische Gelassenheit. Auch wenn der Trend Richtung Air Baltic im Wetlease inzwischen zum Alltag gehört – ich habe immer noch ein gutes Gefühl, wenn ich bei SWISS buche. Klar, lieber Business (#vornesitzen) als Economy – aber das gilt für jede Fluggesellschaft und alle Passagiere.

Ich wollte eigentlich nur eines: meine Ferien verschieben. Nicht stornieren, nicht neu planen, nicht den Mount Everest erklimmen. Einfach nur meine Flüge mit SWISS umbuchen. Klingt simpel, oder?
Doch was dann passierte, war eine Reise an sich – durch Apps, Chatbots, mehr oder weniger anwesende Kundenberater und die tiefen Untiefen eines Systems, das zwar sehr „Swiss“ aussieht, sich aber manchmal eher wie ein kaputtes Käsefondue anfühlt: außen glatt, innen klumpig.
Kapitel 1: Die App – oder: Hoffnung in der Hosentasche
Ich öffnete die SWISS App. Sie begrüßte mich im gewohnten Design: edel, strukturiert, mit einem Hauch von Business-Class-Flair, selbst im Economy-Tarif. Ich klickte auf „Buchung verwalten“, wählte neue Flüge, sah sogar eine sauber kalkulierte Tarifdifferenz. Alles lief wie geschmiert.
Bis zum letzten Schritt. Senden. Nichts. Statt einer Bestätigung kam eine Fehlermeldung. Keine Details, kein Grund. Nur ein schlichter Hinweis, dass „ein Fehler aufgetreten“ sei. Versuchen Sie es später erneut.
Ich bin ein geduldiger Mensch. Also versuchte ich es später. Und nochmal. Und nochmal. Insgesamt fünf Mal. Die App blieb stur. Ich vermute, sie hat dabei genickt und „Nein“ gedacht – ganz schweizerisch-passiv-aggressiv.
Kapitel 2: Der Chatbot – digitaler Smalltalk mit abruptem Ende
Gut, dachte ich. Dann eben über den Chatbot auf der Website. Der war erstaunlich freundlich. Er fragte alles ab, was ich schon der App erzählt hatte: Buchungscode, Flugdatum, neue Wünsche. Ich beantwortete alles artig. Wir waren fast Freunde.
Dann kam der letzte Schritt: „Bitte bestätigen Sie, dass Sie die Umbuchung durchführen möchten.“ Ich klickte.
Trommelwirbel.
Fehlermeldung.
Ein Systemfehler. Wieder. Aber immerhin: Der Bot leitete mich automatisch weiter zu einem „echten Menschen“. Hoffnung keimte auf. Ich saß aufrecht. Vielleicht war jetzt die Zeit gekommen.
Kapitel 3: Der Chat-Agent – kurz da, dann wie weggebeamt
Der Chat-Agent meldete sich auf Englisch. Nicht schlimm. Ich bin flexibel. Er fragte: „Can you please confirm your booking reference and preferred dates again?“ Kein Problem, dachte ich – doppelt hält besser.
Ich tippte alles ein, wartete auf seine Antwort.
Nichts.
Minuten vergingen. Ich schrieb nochmal: „Hello? Are you still there?“
Er war nicht mehr da. Ob das WLAN streikte, die Kaffeemaschine rief oder er im Bermuda-Dreieck der Airline-IT verschwand – ich werde es nie erfahren.
Kapitel 4: Der Anruf – analog ist das neue digital
Jetzt blieb nur noch der Griff zum Telefon. Überraschung: keine Warteschleife! Eine sehr ruhige, fast meditative Agentin meldete sich. Ich schilderte zum dritten Mal mein Anliegen.
Sie prüfte alles – und erklärte mir dann sanft, aber bestimmt: „Eine Umbuchung ist laut Tarifbedingungen leider nicht möglich.“
Ich fragte nach – sie sagte, sie müsse mit der Fachabteilung Rücksprache halten. Nach kurzem Warten: „Dort ist aktuell niemand erreichbar.“ Natürlich nicht.
Dann die überraschende Wendung: „Ich versuche es jetzt trotzdem im System.“ Und siehe da – es funktionierte. Das System nahm die Umbuchung an. Ich war kurz geneigt zu applaudieren.
Aber: Ganz durch war es noch nicht. Jetzt müssen wir 24 Stunden warten. Entweder kommt die Bestätigung – oder die Buchung wird einfach wieder storniert. Also so eine Art digitales Glücksspiel, nur ohne Jetons.
Fazit: Swissness mit Ladehemmung
Ich liebe SWISS. Wirklich. Aber was als moderner, durchdigitalisierter Service daherkommt, ist manchmal eher ein digitaler Hindernislauf mit nostalgischem Rückblick auf die Zeit, als man einfach jemanden am Schalter fragte und die Sache in drei Minuten erledigt war.
Die App? Hübsch, aber stumm.
Der Chatbot? Charmant, aber nutzlos.
Der Chat-Agent? Kurzlebiger als ein Snapchat-Selfie.
Die Hotline? Endlich Hilfe – aber bitte mit Wartefrist auf Bestätigung durch ein System, das sich selbst nicht ganz sicher zu sein scheint.
Ich hoffe, dass meine Umbuchung nun durchgeht. Und falls nicht – hey, dann schreibe ich eben noch Teil 2 dieses Abenteuers. Arbeitstitel:
„Die Bestätigung kam nie – aber ich habe viel gelernt.“
















