Swissness unplugged: Mein digitaler Flug in den Service-Dschungel

Ich fliege gerne mit SWISS. Die Marke steht für mich für Stil, Ordnung, und ein bisschen schweizerische Gelassenheit. Auch wenn der Trend Richtung Air Baltic im Wetlease inzwischen zum Alltag gehört – ich habe immer noch ein gutes Gefühl, wenn ich bei SWISS buche. Klar, lieber Business (#vornesitzen) als Economy – aber das gilt für jede Fluggesellschaft und alle Passagiere.

quelle: swiss.com


Ich wollte eigentlich nur eines: meine Ferien verschieben. Nicht stornieren, nicht neu planen, nicht den Mount Everest erklimmen. Einfach nur meine Flüge mit SWISS umbuchen. Klingt simpel, oder?

Doch was dann passierte, war eine Reise an sich – durch Apps, Chatbots, mehr oder weniger anwesende Kundenberater und die tiefen Untiefen eines Systems, das zwar sehr „Swiss“ aussieht, sich aber manchmal eher wie ein kaputtes Käsefondue anfühlt: außen glatt, innen klumpig.

Kapitel 1: Die App – oder: Hoffnung in der Hosentasche

Ich öffnete die SWISS App. Sie begrüßte mich im gewohnten Design: edel, strukturiert, mit einem Hauch von Business-Class-Flair, selbst im Economy-Tarif. Ich klickte auf „Buchung verwalten“, wählte neue Flüge, sah sogar eine sauber kalkulierte Tarifdifferenz. Alles lief wie geschmiert.

Bis zum letzten Schritt. Senden. Nichts. Statt einer Bestätigung kam eine Fehlermeldung. Keine Details, kein Grund. Nur ein schlichter Hinweis, dass „ein Fehler aufgetreten“ sei. Versuchen Sie es später erneut.

Ich bin ein geduldiger Mensch. Also versuchte ich es später. Und nochmal. Und nochmal. Insgesamt fünf Mal. Die App blieb stur. Ich vermute, sie hat dabei genickt und „Nein“ gedacht – ganz schweizerisch-passiv-aggressiv.

Kapitel 2: Der Chatbot – digitaler Smalltalk mit abruptem Ende

Gut, dachte ich. Dann eben über den Chatbot auf der Website. Der war erstaunlich freundlich. Er fragte alles ab, was ich schon der App erzählt hatte: Buchungscode, Flugdatum, neue Wünsche. Ich beantwortete alles artig. Wir waren fast Freunde.

Dann kam der letzte Schritt: „Bitte bestätigen Sie, dass Sie die Umbuchung durchführen möchten.“ Ich klickte.

Trommelwirbel.

Fehlermeldung.

Ein Systemfehler. Wieder. Aber immerhin: Der Bot leitete mich automatisch weiter zu einem „echten Menschen“. Hoffnung keimte auf. Ich saß aufrecht. Vielleicht war jetzt die Zeit gekommen.

Kapitel 3: Der Chat-Agent – kurz da, dann wie weggebeamt

Der Chat-Agent meldete sich auf Englisch. Nicht schlimm. Ich bin flexibel. Er fragte: „Can you please confirm your booking reference and preferred dates again?“ Kein Problem, dachte ich – doppelt hält besser.

Ich tippte alles ein, wartete auf seine Antwort.

Nichts.

Minuten vergingen. Ich schrieb nochmal: „Hello? Are you still there?“

Er war nicht mehr da. Ob das WLAN streikte, die Kaffeemaschine rief oder er im Bermuda-Dreieck der Airline-IT verschwand – ich werde es nie erfahren.

Kapitel 4: Der Anruf – analog ist das neue digital

Jetzt blieb nur noch der Griff zum Telefon. Überraschung: keine Warteschleife! Eine sehr ruhige, fast meditative Agentin meldete sich. Ich schilderte zum dritten Mal mein Anliegen.

Sie prüfte alles – und erklärte mir dann sanft, aber bestimmt: „Eine Umbuchung ist laut Tarifbedingungen leider nicht möglich.“

Ich fragte nach – sie sagte, sie müsse mit der Fachabteilung Rücksprache halten. Nach kurzem Warten: „Dort ist aktuell niemand erreichbar.“ Natürlich nicht.

Dann die überraschende Wendung: „Ich versuche es jetzt trotzdem im System.“ Und siehe da – es funktionierte. Das System nahm die Umbuchung an. Ich war kurz geneigt zu applaudieren.

Aber: Ganz durch war es noch nicht. Jetzt müssen wir 24 Stunden warten. Entweder kommt die Bestätigung – oder die Buchung wird einfach wieder storniert. Also so eine Art digitales Glücksspiel, nur ohne Jetons.

Fazit: Swissness mit Ladehemmung

Ich liebe SWISS. Wirklich. Aber was als moderner, durchdigitalisierter Service daherkommt, ist manchmal eher ein digitaler Hindernislauf mit nostalgischem Rückblick auf die Zeit, als man einfach jemanden am Schalter fragte und die Sache in drei Minuten erledigt war.

Die App? Hübsch, aber stumm.
Der Chatbot? Charmant, aber nutzlos.
Der Chat-Agent? Kurzlebiger als ein Snapchat-Selfie.
Die Hotline? Endlich Hilfe – aber bitte mit Wartefrist auf Bestätigung durch ein System, das sich selbst nicht ganz sicher zu sein scheint.

Ich hoffe, dass meine Umbuchung nun durchgeht. Und falls nicht – hey, dann schreibe ich eben noch Teil 2 dieses Abenteuers. Arbeitstitel:
„Die Bestätigung kam nie – aber ich habe viel gelernt.“

Ex-Chef wird Thriller-Autor – und ich rezensiere ihn (vorsichtshalber freundlich)

Rezension: Operation Tiefer Dorn von Matthias Vetsch

Ein fesselnder Thriller mit beunruhigend realem Szenario – und mein (leicht sentimentaler und karrieretaktisch kluger) Einstieg ins Feuilleton.

Willkommen zu einem historischen Moment auf diesem Blog! Bisher drehte sich hier alles um Ferienerlebnisse, Alltagsbeobachtungen und gelegentliche Rants über Kundenservice, der sich eher wie ein Gedulds-Training anfühlt – ja, und manchmal ging es um Kreuzfahrten. Doch heute wird’s ernst: Ich rezensiere ein Buch. Richtig gelesen. Literatur. Kultur. Feuilleton! Quasi die totale eher hilflose Neupositionierung meiner selbst.

Die Ehre für diesen Sprung ins neue Genre gebührt Operation Tiefer Dorn – ein packender Thriller aus der Feder von Matthias Vetsch, pensionierter Banker, frischer Autor (‚Jungautor‘) und, wie es das Leben so will, einst mein direkter Vorgesetzter. Ich erinnere mich noch lebhaft an den Anruf direkt nach seinen Ferien. Ich war freudig überrascht – ein nettes „Ich bin zurück“ vielleicht? Stattdessen eröffnete er mir mit ruhiger Stimme, dass er nicht mehr mein Chef sei. Ich war wirklich traurig. Fast so traurig wie damals, als die Neue Aargauer Bank unterging (ok, das ist jetzt sehr sentimental, aber wer versteht mich besser als ihr, liebe Leser*innen? Oder zumindest die NAB-Legenden unter Euch).

Dass Matthias Vetsch nun einen Thriller vorlegt, überrascht nicht – analytisches Denken, strukturiertes Vorgehen und ein Auge fürs Detail hatte er schon damals. Operation Tiefer Dorn ist spannend, durchdacht und erschreckend plausibel. Das geopolitische Szenario entwickelt sich so glaubwürdig, dass man sich mehrfach daran erinnern muss, dass es sich hier „nur“ um Fiktion handelt (hoffentlich!). Und: Zum ersten Mal sehe ich die Österreicher nicht nur als Gegner auf der Skipiste, sondern auch als globale Player (also zumindest aus Perspektive Bern) mit richtig Zündstoff – ein brillanter, leicht schockierender Perspektivenwechsel.

Besonders erfreulich: Das Buch liest sich auch für Leute wie mich, deren Interesse an Militärthemen irgendwo zwischen „mäßig“ und „kann man machen, muss man aber nicht“ (also halt, ich musste ja durchaus mal) liegt. Die Story bleibt zugänglich, spannend und verständlich. Der Stil ist klar, der Spannungsbogen top und die Dialoge sitzen. Und noch was: Ich mag Bücher nicht, in denen ein übermenschlicher Held à la James Bond alles allein regelt – genauso wenig wie jene, bei denen man erst ein Excel-Sheet braucht, um die 792 auftauchenden Charaktere zu sortieren. Matthias Vetsch findet hier genau den perfekten Mittelweg: glaubwürdige Figuren, gut dosiert, und eine Geschichte, die trägt, ohne zu überfordern.
Und weil hier volle Transparenz herrscht: Diese Rezension ist natürlich rein objektiv und völlig unbeeinflusst von der Tatsache, dass Matthias Vetsch ja theoretisch wieder ins Bankgeschäft zurückkehren könnte… und wer weiß, vielleicht plötzlich wieder mein Chef ist. Sicher ist sicher. Und selbst wenn nicht: Ein bisschen Ehrfurcht bleibt. Und ein großer Respekt vor diesem gelungenen Debüt.

Fazit: Operation Tiefer Dorn ist ein beeindruckendes Erstlingswerk, das nicht nur unterhält, sondern auch nachdenklich macht. Ein Buch, das mich als Leser begeistert und als Blogger inspiriert hat – und wer weiß, vielleicht wird das hier ja der Auftakt zu einer neuen Rubrik: „Bücher mit Background“.

Das Beste an Tiefer Dorn: Es ist der erste Band einer Trilogie – ich freue mich auf die Fortsetzung!

Bis dahin: 5 von 5 Sternen – aus Überzeugung, mit einem Hauch Nostalgie und einem breiten Lächeln.

Jungautor trifft Neo-Feuilletisten

Nochmals von der Badenfahrt (aka „Badenfest an der Aare“)

So, nun ist «Neo» also schon wieder Geschichte. Schade. Wirklich schade. Und wohl trotzdem auch gut, denn meine Kraftreserven (und ich glaube nicht nur meine) neigten sich langsam dem Ende zu.

Hier eine kurze, sehr subjektiv gehaltene Rückschau:

Wie mir mein Neffe seine Meinung zu diesem Fest kundtut, die Welt erklärt oder mich fragt, warum ich im Sommer eine Mütze trage.

Ich fand die Badenfahrt oder eben «Neo» schlicht gigantisch. Sie war gross, die Bauten waren spektakulär, die Musik war laut, das Essen war vielfältig und wohlschmeckend (ok, ein Börger nicht grad der Börner, aber sonst wirklich). Die Menschenmassen schlicht beeindruckend, manchmal ein wenig nervig, ganz selten fast schon angsteinflössend (aber in meiner Wahrnehmung doch immer friedlich). Und ganz offenbar mit vielen, welche Baden bisher maximal aus dem Geographieunterricht oder auch gar nicht kannten. So zum Beispiel die Deutsche Besucherin, welche dieses «Badenfest» (wenigstens sagte sie nicht Badenerfahrt) wahnsinnig beindruckend fand und bemerkte, dass, wenn nicht gerade Fest sei, die Orte an der Aare sicher lauschig sein müssten. Ich liess es bei einer freundlichen aber aus meiner Sicht klaren Ermahnung bewenden und verzichtete auf eine Anzeige.

Nicht erklärbar für mich, warum ich eine Person am ersten Samstag innert vier Stunden dreimal antraf, eine andere (welche ich, sorry, eigentlich viel lieber getroffen hätte und welche inkl. der Vor-Badenfahrt wie ich auf total elf Besuche kam) bis zum Sonntagnachmittag gar nie. Dies kann mir allenfalls ein Mathematiker mit Flair für Wahrscheinlichkeitsrechnung erklären. Zum Glück trafen wir uns dann im heftigsten Regen dieser Badenfahrt am frühen Sonntagabend doch noch. Immerhin.

Auch nicht erklärbar, weshalb ich die an der Badenfahrt schon legendär-spektakuläre Mischung aus Rindfleisch, Erbsli und roten Zwiebeln getoppt mit Pommes Frites (sie nennt sich Lomo Saltado) erst am letzten Abend entdeckte. Aber auch hier: immerhin. Es schmeckte sowas von geil. Und sorry, für die, dies es verpasst haben.

Spätestens ab Donnerstag wussten wir endgültig, dass Petrus ein Badener sein muss. Während es in Aarau heftig gewitterte und in Zürich das Musikfestival geräumt wurde, gab es in Baden zeitlich sehr begrenzt einen kurzen Sommerregen. Der Nachmittagsregen am Samstag hielt allenfalls ein paar Auswärtige vom Besuch ab und war daher im Sinne der Verhinderung von Staus durchaus angenehm. Und der doch recht heftige Regen am Sonntagabend war perfekt im Timing, da er den Abschied ein wenig erleichterte. Einzig der Umzug war ein wenig ein Wetteropfer: Am ersten Sonntag eine fast schon mörderische Mittagshitze, am zweiten Sonntag dann doch eher erfrischend kühl.

Was neben den wirklich aufregenden Bauten, Bars, Bands, Bühnen (alles mit B, darum endet die Aufzählung hier) fast ein wenig unterging: Die Toilettensituation spielte gegenüber früheren Ausgaben in einer anderen Liga. Richtig viele, richtig sauber und ich glaube, es hätte sogar einen Stromanschluss für eine spontane Rasur gehabt. Leider auch erst am späten Sonntagnachmittag kam ich auf die Idee, mich bei einer der Reinigungskräfte persönlich für den sicher nicht immer angenehmen Einsatz zu bedanken. Aber auch hier: immerhin kam es mir noch in den Sinn und ich hoffe, dass ich nicht der einzige war.

Negativpunkte: Ja, klar, es war schon sehr voll (ja schon klar, wenn es alle so toll finden und jeden Tag wiederkommen) sowie teilweise sehr heiss und die Staus waren genauso mühsam wie die Sperrung des Limmatpromenadezugangs in der Halde. Allenfalls hätte man die neuralgischen Punkte noch ein wenig genauer vorhersehen und zwei, drei Beizen weg von der Promenade in Ennetbaden platzieren können. Allenfalls hätte es geholfen, Richtungsmarkierungen anzubringen. Allenfalls hätte man in der Halde den Musiklautstärkenwettbewerb (bei welchem die leisen und feinen Töne halt hochkant verloren) ein wenig steuern können. Und allenfalls hätte man beim Foodangebot den gefühlt 17. Dönerstand auch durch etwas anderes ersetzen und so die Diversität noch grösser machen können. Aber eben: hätte hätte Fahrradkette. Ich würde mir nie anmassen, irgendwas zu kritisieren, denn die Organisation einer solchen Grossveranstaltung, welche nur alle X Jahre stattfindet und jedes Mal rein örtlich anders ist, ist eine gewaltige Leistung an sich. Wenn also vielleicht 98 von 100 Punkten erreicht werden, dann habe ich für (ganz selten gehörte) Unzufriedene und Stärkerer höchstens ein müdes Lächeln übrig. Ihre Kritik sagt wohl mehr über sie als über die Badenfahrt aus. Immerhin sagt sie was aus.

So, nun versuche ich noch spektakulär den Bogen zu meinem üblichen Thema #CustomerExperience» zu spannen. Nicht ganz einfach. Ok, ich gebe es zu: es misslingt gerade. Aber ich glaube, dass wenn alle immer so motiviert und engagiert wären, wie es die zig Tausend Helfer:innen während der Badenfahrt waren, dann würden wir nicht mehr von der Servicewüste Schweiz lesen oder darüber reden darüber, dass wir nach Österreich zum Skifahren fahren (also ich nicht, aber es soll solche geben), weil sie dort eben netter sind als bei uns. Also, lasst uns alle die Badenfahrts-Vibes (und für alle Auswärtigen: Nennt sie von mir aus sogar Badenerfahrts-Vibes) eine Weile in den Alltag mitnehmen, dann kreiren wir grossartige Kundenerfahrungen, dann sind unsere Chefinnen und Chefs superzufrieden mit uns, dann sind wir alle glücklicher und haben weniger Ärger…und dann dauert es vielleicht auch nicht mehr ganz so lange bis zur nächsten Badenfahrt. Immerhin.

Next Stop: Mein Bett.

Eine Ode an die Badenfahrt – auch eine #CustomerExperience

Falls es Deutschlehrer:innen unter meinen Leser:innen hat: Ich habe mich gefragt, ob es eine Ode an oder eine Ode auf die Badenfahrt heisst. Schnelles Googlen hat keine neuen Erkenntnisse gebracht. Aber egal, ob an oder auf, Ihr versteht ja, worum es in diesem Beitrag gehen soll.

Kurzer historischer Rückblick: 1847 fuhr die Eisenbahn erstmals von Zürich nach Baden. 1923 wurde diese Jungfernfahrt mit einer ersten Badenfahrt gefeiert, aktuell feiern wir also das 100-Jahr-Jubliläum. Als Kind lernte ich, dass immer in den 7ner-Jahren eine grosse und in den 2er-Jahren eine kleine Badenfahrt (welche eigentlich gleich gross ist wie die grosse) stattfindet und dass es ganz wichtig ist, dass man dieses Fest Badenfahrt und nicht Badenerfahrt nennt (weil man sich ansonsten sofort und unmittelbar als Auswärtiger oder maximal als Zugewanderter outet). 1991 wurde die Party wegen 700 Jahren Schweiz vorgezogen, 1997 war ich bei «La Badenfahrt» leider gerade in der Rekrutenschule, 2002 fiel irgendwie ins Wasser, 2007 war dann mit «Welt statt Baden» richtig gross. 2012 war das Stadtfest Baden, wobei ich bis heute nicht weiss, ob dies wirklich ein Stadtfest war oder ob Stadtfest einfach das Motto einer kleinen (und doch recht grossen) Badenfahrt war. 2017 folgte «Versus» und nun also 2023 wegen dem 100-Jahr Jubiläum «Neo». Und ob «Neo» nun eine grosse kleine oder einfach eine Badenfahrt ist, kann mir niemand so genau beantworten. Aber sie ist wirklich gross und wie ich finde grossartig.

Insider feiern die Badenfahrt nicht nur 10 Tage, sondern sogar deren 11, denn am Donnerstagabend vor dem Start findet die Vor-Badenfahrt statt. Nicht offiziell oder höchstens, um die eigenen Helfer in ihre Aufgaben einzuführen und ihnen vielleicht ein Bier zu offerieren. Aber trotzdem war die Stadt schon sehr voll.

Am Freitag dann der offizielle Startschuss – mit einem echten Urknall, welcher sogar unsere eigentlich taube Hündin Bailey aus ihren süssen Träumen weckte. Ich ging erst kurz nach 21 Uhr an den Start. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Zugang zur Limmatpromenade wegen Verstopfungserscheinungen gesperrt. Das mobile Netz war hart an der Grenze zum Zusammenbruch, die Stadt wirklich wahnsinnig voll. Am Samstag wieder das gleiche, nur dass die Stadt einfach schon viel früher voll war. Und zu meiner Ueberraschung war es auch am Sonntag nicht so, dass der Besucherstrom ab 18 Uhr weniger wurde. Zwar transportierten die Busse ab dann viele Familien mit Kindern weg, aber offenbar auch nochmals viele neue Festbesucher hin. Mein liebstes Sportgetränkt KA-EX (welches gemäss Gerüchten auch bei Kater helfen soll) war bereits am Samstagmorgen nicht mehr verfügbar bei Coop, die Müllberge gross, die Reinigung das ganze Wochenende im Dauereinsatz. Eine Stadt im Ausnahmezustand oder halt einfach Badenfahrt.

Meine Eindrücke nach dem ersten Wochenende: Die Badenfahrt ist riesig, sie hat ihren früheren Schwerpunkt weg von Hochbrücke / Schulhausplatz in Richtung Bäder verschoben. Die Bauten sind wie immer aufwändig (mehrere Stockwerke, aufwändige und sehr attraktive Holzkonstruktionen, mit Liebe zum Detail eingerichtet), das Food-Angebot sehr breit und international (mit klar grösserem vegetarischen und veganem Angebot im Vergleich zur letzten Ausgabe), die Getränkekarten breit gefächert. Das Musikangebot hat sich in der Tendenz weg von live hin zu DJ verschoben (wobei das Angebot an Live-Musik immer noch sehr breit ist und dies nicht nur auf den Bühnen). Der riesige Lunapark führt zu leuchtenden Kinderaugen, mich fasziniert das Laute und das Flimmern immer noch gleich wie vor 35 Jahren, wobei mir dieses Mal die leicht schmierigen und verschmierten «jetzt Tickets chaufe, jetzt alli istiege» irgendwie fehlten (ob diese im Sinne einer Regulierungswut untersagt wurden?).

Aufgefallen ist mir, dass man auch am Samstagabend problemlos in einer Bar einen (Steh-) Platz fand, die Wege zum Teil aber arg verstopft waren (z.B. Limmatpromenade, man könnte jetzt diskutieren, ob die super attraktive Beiz mit den Schaukeln an der gefühlt schmalsten Stelle perfekt platziert ist, aber sie ist jetzt da und sie ist schön und wem es nicht passt, soll zu Hause bleiben, dann ist es schon ein bisschen weniger verstopft). Offenbar hatten beim Erstbesuch alle das Bedürfnis, alles ein wenig zu erkunden, allenfalls legt sich dies am zweiten Wochenende. Das Sicherheits- und Polizeiaufgebot empfand ich als sehr gross und habe mich gefragt, ob mir dieses nun wirklich Sicherheit vermittelt oder nicht (weil irgendwie muss es ja sehr gefährlich sein, wenn es so viel Polizei hat). Das Food-Angebot ist zwar breit, gefühlt aber relativ kostspielig. Wobei halt die persönliche Preiswahrnehmung sehr subjektiv ist: Man empfindet 8 Franken für eine aufwändig gebaute Bahn auf dem Lunapark als hoch und ein asiatisches Nudelgericht für 15 Franken als teuer, bezahlt aber ohne mit der Wimper zu zucken 7 Franken für einen halben Liter Bier aus der Dose.

Zum Schluss noch ein paar Gedanken zum «Bändeli“: Grundsätzlich ist es obligatorisch, man kann es als Tagespass auch an einem Ticketautomaten der SBB kaufen. Kontrolliert wird das Tragen nicht, folglich kann man sich auch kostenlos an die Badenfahrt schmuggeln und rein rechtlich kann einen wohl niemand das Abmarschieren von öffentlich zugänglichen Orten verwehren. Aber der Kauf des Bändelis ermöglicht das Stemmen der Kosten für Abfallentsorgung, Sicherheit und die inkludierte Kultur. Sie ist aber auch ein Zeichen der Wertschätzung für alle die Helfer (sei es beim Aufbau, Abbau oder einfach im Einsatz während des Festes) und auch für das OK, welches den Anlass während mehrerer Jahre geplant hat. Und wenn ich von Preisen für Konzerte grosser Stars (von denen ich teilweise einen oder maximal zwei Songs kenne) lese, dann ist die Badenfahrt nicht nur schlicht fantastisch sondern schlicht ein Schnäppchen. Sogar mit dem Gönnerbändeli, welches ich mit Stolz trage.

Als selbsternannter Einheimischer freue ich mich auf die Abende von Montag bis Mittwoch, diese sind viel ruhiger und gemütlicher. Am Mittwochabend stehe ich ab 22.00 Uhr bei Herr Schmitt im Mättelipark hinter der Bar und freue mich auf Besuch.

Next Stop: Badenfahrt.

Digitalisierung bei Coiffina – Luft nach oben bei der #CustomerExperience

Regelmässige Leser:innen wissen, dass ich seit Jahren Kunde fast schon Fan der Coiffeurkette Coiffina bin. Wer es noch nicht wusste, dem oder der sei mein Beitrag zum Verkauf von Shampoo wärmstens empfohlen.

Bisher war es so, dass ich jeweils am Tag vor dem Besuch eine Bestätigungs-SMS bekam, auf welche ich mit J oder N antworten konnte. Ich mag solch niederschwellige Möglichkeiten der Terminverschiebung oder -absage, aus Anbietersicht reduziert sich die No-Show-Quote und damit Leerzeiten. Und da ich wusste, dass die Antworten im Salon gelesen werden, habe ich mir irgendwann einen Spass daraus gemacht, abwechslungsreich und aus meiner Sicht witzig zu antworten…ja, eben, aus meiner Sicht witzig.

Nun hat Coiffina ein neues CRM. Neu heisst vielleicht sogar irgendwann besser aber aus meiner Sicht im Moment leider nicht wirklich gut.

Vorteil Nummer 1 ist, dass nun alle Salons vernetzt sind, sprich als Kunde in Brugg könnte ich auch mal ins Glattzentrum und die wüssten dann, wer ich wäre (und (noch) nicht so relevant für mich, aber sie wüssten dann auch gleich, welche Farbe sie zu verwenden hätten). Sich daraus ergebender Nachteil ist, dass es in der Schweiz mit guter Wahrscheinlichkeit mehrere Kund:innen mit gleichem Namen gibt, so dass bei der Terminvereinbarung der oder die richtige zuerst gefunden werden muss. Vor allem mühsam bei Kunden, welche nur die Telefonnummer aber nicht den Wohnort hinterlegt haben. Bei jenen findet nun ein fröhliches Nummernabfragen statt. Zum Glück heissen nicht alle Hans Meier oder Peter Müller und irgendwann sind ja dann alle Wohnorte hinterlegt.

Vorteil Nummer 2 ist, dass die Terminbestätigung nun automatisiert vonstatten geht und direkt ins Online Buchungstool verlinkt. Wenn es denn mal läuft, sehe ich alle Vorteile, nämlich, dass ich nicht nur absagen sondern auch schieben kann. Aktuell ist es aber so, dass es eine reine Terminbestätigung mit einem Link ist, es ist nicht ersichtlich, ob eine Interaktion gewünscht ist oder nicht.

Gravierender ist aber, dass der link ins Buchungstool-Nirvana führt

Und da ich nun auf die SMS nicht mehr antworten kann, muss ich bei Verhinderung wieder anrufen (wie damals in den 1990-Jahren auf den letzten Wählscheiben-Telefonen). Kein Riesenaufwand aber halt ein unnötiger Medienbruch und darum glaube denke weiss ich, dass dies besser gelöst werden könnte.

Das neue CRM bietet aber noch weitere Vorteile. Bei der Abrechnung wird nun meine Coiffeuse aufgefordert, nach einem Folgetermin zu fragen. Hier sehe ich zwei Potentiale: Sie wird aktuell nämlich vor und nach Bezahlung gefragt. Vor Bezahlung entspricht intuitiv nicht der normalen Customer Journey (ich bezahle und schliesse damit den heutigen Besuch ab, dann vereinbare den nächsten Termin). Die Anzeige vor der Bezahlung könnte man für die Aufforderung für einem Zusatzverkauf verwenden (das wäre intuitiv richtig platziert vor der Bezahlung), im besseren Fall würde ein konkretes Angebot angezeigt («15 % Rabatt auf alle Wachse»), im besten Fall wäre das Angebot kundenindividuell (Kundin hat vor drei Monaten ein Shampoo der Marke «Schiess-mich-tot» gekauft, jetzt nach Zufriedenheit und dann Wiederkauf fragen).

Nach dem Besuch hat das CRM auch noch eine Dankesmail mit Feedbackmöglichkeit geschickt. Das finde ich sehr gut, die Anzeige es Fotos meiner Coiffeuse wirkt professionell, die Eingabe dauert keine 30 Sekunden. Weniger gut ist, dass ich in dieser Mail aufgefordert werde, einen Folgetermin zu buchen. Liebes CRM, Du solltest am besten wissen, dass ich genau eine Stunde zuvor einen solchen vereinbart habe. Aber weil ich meine Agenda wieder nicht sauber geführt hatte, wollte ich den Termin grad umbuchen und habe darum auf den link geklickt. Ich landete, ihr ahnt es schon, wieder im ausser-Betrieb-Modus und damit Vorhof zur Customer-Experience-Hölle.

Fazit: Ich finde es positiv, dass sich auch eine absolut undigitale Berufsgruppe (oder kennt jemand einen Coiffeur-Roboter?) der Digitalisierung annimmt. Und ganz sicher stiftet das neue CRM, wenn es dann mal läuft, auch wirklich Nutzen. Fraglich ist aus meiner Sicht, wieso mit einem Beta-Pre-Minimum-Viable-Product, welches zu einer Verschlechterung der #CustomerExperience führt, live gegangen wurde.

Next Stop: Coiffina

Paris – über eine wunderschöne Stadt, Digitalisierung und (wie immer) #CustomerExperience

Am letzten Wochenende waren wir in Paris – um Freunde aus Sydney zu treffen, welche gerade in England leben. Dieser Einstiegssatz dient einzig der Unterstützung meiner Positionierung als internationaler Jetsetter :-).

Aber von vorne: Als ich das letzte Mal in Paris war, bin ich noch mit der Swissair dorthin geflogen. Das ist also sicher länger als 20 Jahre her, denn so lange liegt das uns traumatisierende Grounding bereits zurück. Ok, ich war 2005 oder so auch nochmals ganz kurz dort, weil ich mit dem Mann vom schicken Möbelladen kurz an ein Fussballspiel fuhr. Aber erstens zählt nicht so richtig und zweitens wären Abschweifer zu diesem Ausflug sogar für mich zu lange. Aber jetzt mal ein Bild:

Aussicht von der Terrasse der Gallerie Lavayette

Nun, dieses Mal fuhren wir mit dem Zug. Der Anschluss von Baden nach Basel wie auch der TGV nach Paris auf die Minute pünktlich und sehr komfortabel, der TGV auch in der ersten Klasse bis auf den letzten Platz gefüllt. Ankunft in Paris Gare de Lyon und dann direkt zur U-Bahn. Dachten wir. Weil wir London kennen und dort kann man seit gefühlt 10 Jahren einfach seine Kreditkarte (davor die O2-Card) an das Lesegerät halten und am Abend rechnet es zum besten kumulierten Tarif alle Fahrten ab.

Nun, in Paris steht man für runde 15 Minuten an einem Schalter oder Ticketautomaten an (beides getestet, weil wir unser falsche-Reihe-Risiko klug diversifizierten) und kauft sich dann ein Ticket aus Papier (!). Auf diesem hat man dann von Hand (!) seinen Namen und das Gültigkeitsdatum einzutragen. Und weil wir ja keinen Kugelschreiber mithatten, durfte ich also in bestem Schulfranzösisch eine mir nicht bekannte Person mit «est-ce que vous avez un stylo à bille … pour … hä … vous savez pourquoi…» ansprechen. Also so aus Kundensicht zusammengefasst: Anstatt die schöne Stadt schon zu erkunden, stehe ich 15 Minuten tageslichtbefreit an und muss mich dann noch mit fehlenden Sprachkenntnissen blamieren. Clou an diesem Magnetstreifen-durchzogenen Ticket war dann, dass es bereits am zweiten Tag nicht mehr richtig funktionierte. Was dazu führte, dass wir (sofern Personal vorhanden) uns wiederum umständlich erklären oder (wenn kein Personal vorhanden) einen weiteren Schein kaufen mussten.

Im sehr zentral gelegenen Hotel angekommen, wurden wir aufgefordert, uns für das Check in zu setzen. Und ich wusste auch bald warum: Der Check-in meiner mit allen Daten hinterlegten digitalen Buchung dauerte runde 10 Minuten, der Mann an der Rezeption schaute dabei abwechselnd auf unterschiedliche Zettel und machte sich dazu Handnotizen und ich glaube, er murmelte noch unverständliche Wörter vor sich hin. Egal, das Zimmer ruhig und frisch renoviert, mit (sehr wichtig) Wasserfalldusche.

Nun, wir verbrachten die zwei Tage so, wie man zwei solche Tage verbringt: Shopping (die Galerie Lafayettes ist ja schon beeindruckend) mit einer Tour im Hop-on-Hop-off-Bus, mit dem Besuch einer wirklich sehr geilen Boulangerie sowie mit ausgiebigen Gastronomie-Tests. Dort haben wir erlebt: wirklich extrem spektakulär-guten Cappucino, wirklich tolles Essen und sehr guten Wein. Aber auch 25 Minuten Zeit für einen Apéro vor dem Essen und in diesen 25 Minuten wurden wir genau unsere Bestellung los, trotz wiederholter Nachfrage wurde sie nicht geliefert. Oder in einer Bar neben dem Eiffelturm (ja, ok, Touristen-Falle) extreme lange Wartezeiten im Take Away und Stühle, welche beim Herumschieben einen fast unerträglichen Lärm machten (Gummipropfen an den Füssen (der Stühle) könnten das Problem entschärfen). Und wiederholt: die ewige Suche nach Münz für den Besuch einer Restauranttoilette.

Fazit: Paris ist und bleibt eine wunderschöne, sehr sehenswerte Stadt. Die Reise kurz, komfortabel und pünktlich; die Stadt mit hoher Dichte an Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum; einer grossen Auswahl an bezahlbaren, gut gelegenen Hotels; einer schönen Auswahl an guten Restaurants mit gepflegten Speis- und Trankkarten. Die diversen Unzulänglichkeiten taten dem Gesamtspass der Reise keinen Abbruch, da sie durchaus auch zum Amüsement beitrugen. Aber so in Bezug auf #Customerexperience und #Digitalisierung scheint Paris ein wenig im Schweizer Tourismus der 1990-Jahre stehengeblieben zu sein.

Next stop: Coiffina Brugg – Teil 2

Vom besten Kaffee der Stadt – aber eigentlich geht es wie immer um #CustomerExperience

Mit Kaffee ist es ja so eine Sache. Es gibt die Koffein-Zuführer, welche sich Nescafé im Sinne der sofortigen Trinkbarkeit in nur lauwarmem Wasser auflösen (das sind auch die, welche frühmorgens ein ungekühltes M-Budget Redbull-Imitat laut schlürfen) und andere, welche die Zubereitung mit einer Bialetti Moka Maschine (die Firma soll übrigens kurz vor dem Konkurs stehen) richtiggehend zelebrieren. Einige schwören auf «frisch gemahlen, nicht gekapselt» (finde ich übrigens einen saublöden Slogan und die Werbung mit dem heiligen Roger kein bisschen besser), andere schwören auf Kapseln von Nespresso oder deren (billigeren, ökologischeren, schöneren, exklusiveren – you choose) Derivate.

Beim Ausserhaus-Konsum kamen mir mit Wohnort sehr nahe am Bahnhof Baden bis vor Kurzem vier Varianten in den Sinn:

Zu Hause gekochter Kaffee vermischt mit der zu Hause vorrätigen Milch im nachhaltigen Mehrwegbecher. Braucht Vorräte, etwas Zeit und schmeckt dann halt genau gleich gut oder schlecht wie der der Kaffee zu Hause.

Der von jeder Bäckerei und mittlerweile fast jedem Laden angebotene «Coffee to go», wobei ich mich dort immer frage, warum ich für einen Knopfdruck mit ungewissem bis maximal befriedigendem Resultat den dann doch horrenden Aufpreis bezahlen soll. 

Der sehr statusorientierte (und teure, aber mir durchaus schmeckende) Klassiker von Starbucks. Dieser birgt immer das Risiko des Falsch-Aussprechens der hippsten Kreation (was dann ein müdes Lächeln der Barista nach sich zieht), dafür auch die Chance auf einen total falsch-lustig geschriebenen Vornamen auf dem Becher. Im Ausland gehe ich total gerne zu Starbucks, man weiss, was man kriegt und die Chance, dass man jemanden kennt, vor dem man den Besuch bei Starbucks irgendwie rechtfertigen müsste, ist verschwindend klein.

Und dann hat Aldi (Lidl glaub sogar auch) einen Cappuccino-Automaten, der ein koffeinhaltiges, nicht mal so grausam schlechtes Heissgetränk in ausreichender Menge für CHF 1 (in Worten: einen Franken) ausspuckt. Kostenmässig also in etwa auf Höhe der Heimproduktion. Hygienischer Zustand der Maschine: unbekannt.

Ja, und seit ein paar Monaten gibt es am Bahnhof Baden die Variante Nummer 5 quasi als Untermieter des Hofladens Rüedu noch «Caffe Uno». Zentralst (gibt es das Wort?) gelegen am Gleis 1. Gegründet und geführt Nicolas Vuille, einem ehemaligen Banker, der jetzt lieber Kaffee macht. Der Kaffee an sich hervorragend, mit CHF 6.2 für einen Cappuccino Forte (das wäre ein double shot mit aufgeschäumter Milch– und sorry, drunter geht ja eh nichts) preislich in der Starbucks-Region (er führt aber quasi als Einsteigermodell auch einen Espresso für faire CHF 3.20), aber irgendwie rein aufgrund des Bechers weniger pompös und wichtigtuerisch, dafür etwas bescheidener und geschmacklich besser. Und irgendwie auch regionaler als der Kaffeehändler aus Seattle (Kaffee von der Mikrorösterei Röstlabor in Zürich, eine halbe-halbe Mischung aus Robuste und Arabica, falls es jemand genau wissen will; Milch von der Molkerei Neff in Wald und die Hafermilch von Gutsch; und jetzt soll bitte niemand fragen, ob auch eine Mandel-Soja-Baumnuss-Cuvée-Milchvariante möglich wäre, sonst endet dieser Satz nie mehr). Der Nachhaltigkeit wird mit Biomasse-beschichteten Recycling-Bechern Rechnung getragen, wer Zeit und Lust hat, kriegt aber auch eine richtige Tasse aus Porzellan. Aber eben, um den Kaffee geht es ja nur zum Teil.

Quelle: https://www.instagram.com/caffeuno/

Es geht bei mir ja eigentlich immer mehr um die #CustomerExperience. Bei meinem zweiten Besuch sprach Nicolas mich darauf an, dass wir auf LinkedIn befreundet seien (ich konnte mich schwach erinnern über die Eröffnung gelesen und ihm dann eine Anfrage geschickt zu haben, seit geistiges CRM scheint wacher zu sein als meins). Ab dem dritten Besuch kannte er meine Getränkewahl bereits, wenn ich den Laden betrat. Und wenn er grad keine Kunden hat, dann akquiriert er neue, primär indem er Kaffeetrinker mit Bechern von Mitbewerbern freundlich und unaufdringlich aber überzeugt seine Produkte vorstellt.

Leider reicht es mir nicht grad täglich für einen Besuch, was primär daran liegt, dass ich die Strecke ab Höhe Migros meistens rennend zurücklege. Aber wenn es mir reicht, dann habe ich mir frühmorgens den besten Kaffee der Stadt der Schweiz ach was der Welt

Next stop: Caffe Uno

toao.blog goes toao.podcast

Ich beginne kurz mit einem populärwissenschaftlichen Exkurs: «Bei der Markenerweiterung (Englisch: Brand Extension oder Category Extension) wird die bestehende Marke auf ein Produkt in einer neuen Produktkategorie übertragen. (…) Hierbei wird die Markenbekanntheit und das Image des ursprünglichen Produkts genutzt. Im Vergleich zur Neumarkenstrategie besteht ein großer Kosten- und Zeitvorteil (Quelle: Wikipedia).

Warum ich damit beginne: Der seit Jahren für hochstehende, humorvolle, tiefschürfende, analytische und hervorragend recherchierte Artikel bekannte Blogpost (leider keine Quelle, dies ist eine Eigendefinition) toao.blog wird für alle jene, welche lieber zuhören als lesen, erweitert um einen Podcast, welcher unter dem naheliegenden Namen toao.podcast an den Start geht. Und ja, ich weiss, dies war bereits wieder ein überlanger, mit zu vielen Einschüben zerstückelter, Satz gewesen. Ein weiterer Vorteil des Mediums Podcast: man kann mit Stimmhöhe, Betonung, Kunstpausen und ähnlichem unglaublich komplizierte Sätze als unglaublich kompetent wirkendes Stilmittel einsetzen. Und durchgestrichene (Teil-) Sätze sind beim Podcast technisch nicht möglich oder zumindest nicht vorgesehen.

Um den Exkurs zum Thema Marken noch zu Ende zu führen: toao steigt damit quasi zur Dachmarke auf, zur übergeordneten Marke eines im Rahmen einer Markentransferstrategie entstehenden Markensystems. Wobei der Koordinationsaufwand zwischen den Submarken ja recht leicht zu handeln ist, da dieses künftig riesige Markenuniversum ja aus genau einer Person besteht: mir (nein, es heisst nicht ich, es heisst hier mir). Und ja, am Markenauftritt kann, soll oder muss man immer arbeiten, aber ich musste jetzt einfach auf die Schnelle mal ein Profil für spotify eröffnen.

Wie soll toao.podcast funktionieren? Nun, ich werde immer einen Gast oder eine Gästin haben, weil alleine podcasten ist wie alleine essen und auch wenn das zwar geht (für eigentlich alle ausser meinen nicht namentlich genannten Mitarbeiter) ist es ab zwei Personen halt doch lustiger. Der Gast oder die Gästin wird sich kurz vorstellen und wir werden kurz erläutern, woher wir uns kennen und/oder was uns verbindet. Anschliessend werden wir einen Beitrag von toao.blog etwas genauer besprechen, der Gast oder die Gästin kann ein passendes eigenes Erlebnis zum Besten geben, übergeordnetes Thema soll aber immer (gute oder schlechte) Customer Experience sein. Und egal, wo wir grad stehen sollten, werden wir das Gespräch nach genau 33 Minuten und 33 Sekunden abbrechen (allenfalls gerade ein guter Cliffhanger für die nächste Folge).

Wer es jetzt kaum noch aushält: die very erste Folge findet sich genau hier auf Spotify

Folge eins dreht sich um meinen Beitrag zum Kauf meiner neuer Skier von Avanon und mein Gast ist Thomas Korner, begnadeter Musiker und Dirigent, ehemals grossartiger Bundesligamanager (also nicht so richtig, aber halt das aus den 1990er-Jahren bekannte Computerspiel so quasi der Vorläufer von Hattrick) und gemäss Profil auf LinkedIn ‚on the road to innovative learning and teaching‘.

Möchtest auch Du mal mein Gast oder meine Gästin sein? Nun, die nächsten zwei oder drei Folgen sind schon «versprochen», aber für die Fortsetzung freue ich mich über neue Stimmen und Gesichter.

Eine sympathische Firma, ein prominenter (und sympathischer) Geschäftsführer, zwei echte USPs – und ein wenig Luft nach oben bei der #CustomerExperience

Wie und wann ich genau auf den kleinen Bündner Skihersteller Anavon aufmerksam wurde, weiss ich ehrlich gesagt nicht mehr. Für alle, welche Anavon nicht kennen, sei hier die Website zitiert:

ANAVON ist rätoromanisch und bedeutet: Vorwärts! Die Heimat des ANAVON-Skis ist Disentis im Ski-Mekka Graubünden. Hier ist er geboren und aufgewachsen. Ausgestattet mit hochwertigen Materialien und von Einheimischen gehegt und gepflegt.

ANAVON bietet Dir genau die Präzision, mit der Du deine Linie haarscharf durch den Schnee ziehen kannst. ANAVON wird präzis für Dich gefertigt – und zwar zu 100 Prozent in der Schweiz. Mit bestem Handwerk und klarer Linie. Nachhaltigkeit durch kurze Wege und echtes Holz!

Anavon-Skis haben einen für mich wichtigen USP: Die unterschiedlichen Modelle gibt es in bis zu 22 Farben und 4 Schriftfarben, dies führt zu 88 möglichen Kombinationen. Somit erwirbt man zwar nicht gerade ein Unikat aber die Chance, jemanden mit dem genau gleichen Modell auf der Piste zu treffen ist doch arg klein. Für einen Individualität liebenden Egozentriker wie mich ein sehr relevanter Vorteil. Beim von mir ins Auge gefassten Modell Dual Performance kommt als zweites Alleinstellungsmerkmal dazu, dass der Ski über unterschiedlich lange Kanten verfügt. Dies ermöglicht, je nachdem, welcher Ski rechts und links getragen wird, mit einem Paar Ski zwei unterschiedliche Radien zu fahren. So eine Art 2 in 1, wie wir es schon von den Shampoos kennen.

Anavon organisiert im Winter an unterschiedlichsten Orten Skitestings. Um mich persönlich von den Vorteilen zu überzeugen, nahm ich Ende Januar an einem Testtag auf der Lenzerheide teil. Ich testete zwei unterschiedliche Modelle (fand beide wahnsinnig schön und toll zu fahren) und als ich mich schon fast für das kürzere Modell des Dual Performance entschieden hatte, animierte mich der Geschäftsführer und frühere Abfahrtsweltmeister (und Lauberhornsieger war er auch mal und eine Olympiamedaille hat er auch gewonnen) Bruno Kernen, doch auch noch das längere Modell zu testen. Ein weiser Rat, denn schlussendlich entschied ich mich für dieses. Ob es so viel besser oder zu mir passender war, könnte ich nicht mal mehr sagen. Aber obwohl ich mich selbst ja als wahnsinnig guten Skifahrer betrachte und auch wahnsinnig viel von solchen Brettern verstehe, hatte ich doch das Gefühl, dass Bruno Kernen irgendwie noch ein wenig mehr davon versteht.

Als Produktionszeit rsp. Lieferfrist wurden 8-10 Wochen angegeben, was theoretisch sogar eine Inbetriebnahme in der abgelaufenen Saison ermöglicht hätte. Aber wer will schon in einem schneearmen Winter im schmelzenden Frühlingssulz einen neuen Ski ausfahren? Als Belohnung für die Bestellung gab es noch ein winterliches Foto. Und ja, es war sehr kalt.

Nun kommen wir zum Teil mit der Luft nach oben. Anfang Mai fragte ich nach dem Verbleib meiner Skis und erhielt umgehende Antwort. Die neue Frist verstrich erneut, weshalb ich dann Anfang Juni noch einmal nachfragte. Die nun genannte Frist wurde eingehalten, der Ski wurde heute mit DHL geliefert.

Für einen Ski, der sich im oberen Preissegment positioniert, wäre es natürlich schöner (und professioneller), wenn von Beginn an eine realistische Frist genannt werden könnte und wenn alle Angaben (z.B. Sohlenlänge zwecks Einstellung der Bindung) auf einmal aufgenommen würden. Allfällige Lieferverzögerungen (und ich freue mich ja, wenn die Produktion offenbar sehr gut ausgelastet ist) würden im Sinne der Kundenorientierung besser proaktiv kommuniziert. Dies würde auch Rückfragen und die damit ausgelöste Mehrarbeit verhindern. Im Sinne von #Kundenverblüffung sehr cool wäre natürlich die Dokumentation des Produktionsprozesses. Also mal ein Vorfreude steigerndes Foto vom Rohling oder wie der fertige Ski versandfertig gemacht wird. Und ja, dieses Rohlingfoto müsste ja nicht unbedingt via Mail versandt werden, sondern könnte auch eine Postkarte sein. Und die wäre dann im Optimalfall vom oben erwähnten Lauberhornsieger handsigniert. Ich weiss, mit mir galoppiert gerade die Fantasie davon und wie man das schlank prozessieren könnte rsp. was das in einer Vollkostenrechnung kosten würde habe ich mir nicht überlegt. Aber irgendwie geil wäre es schon, oder?

Egal, der Ski ist da, ich finde ihn wunderschön (is it love?), meine Mutter (Gastauftritt – herzlichen Glückwunsch!) hat das Bild mit ‚pure Eleganz’ kommentiert und obwohl ich Sommerskifahren nicht wirklich cool (oder sogar wirklich nicht cool) finde, hätte ich gerade Lust, dieses Wochenende auf einem Gletscher ein wenig zu fahren. Werde ich nicht, aber wohl das erstmögliche Datum des Novemberhoch in Arosa nützen. Und ich freue mich schon jetzt drauf, unter anderem auf die sicher neidischen Blicke (welche ich mir allenfalls auch nur einbilden werde).

Next stopp daher: Arosa.

Eine eher unglückliche #CustomerExperience – oder geht es doch um #Fachkräftemangel?

Dieser Text ist wieder ein Original von mir, Kollege ChatGTP hat in Bezug auf Feedbacks nicht gerockt. Gestern waren wir als Team zusammen essen, dies zu Ehren des neuen Teamleiters Marco, welcher hier zu einem erneuten Gastauftritt kommt. Wir gingen in ein Steak-House, nennen wir es hier «Kobe» in Anlehnung an das sauteure Rindfleisch aus Japan. Aber nein, das Restaurant heisst nicht «Kobe», es ist nicht japanisch und wir essen auch kein Kobe-Rind mal so rasch zum Lunch.

Ich hatte reserviert für 6, wir erschienen pünktlich – und standen dann erst mal ein wenig rum wie bestellt und nicht abgeholt. Dann wurden wir gefragt, ob wir drinnen oder draussen essen möchten, aufgrund des schönen Wetters entschieden wir uns für draussen (wie alle anderen Gäste auch). Nun, draussen war kein Tisch für uns gedeckt, der grösste verfügbare Tisch war ein 4-er. Kann man verstehen als «wir haben eine Frischluftallergie vermutet und darum drinnen gedeckt» oder «wir haben Ihre Reservation vergessen» oder «Sie sind zwar unsere einzige 6-er-Gruppe heute aber es war es uns nicht wert, vorgängig aufzudecken». Egal, ein mässig guter Start, erstmal weiter rumzustehen und zuzuschauen, wie da zuerst ein Tisch und zwei Stühle hergetragen wurden und dann die fehlenden Plätze eingedeckt wurden.

Endlich sitzend schauten wir dann mal so 5 Minuten zu, wie andere Gäste bedient wurden, Teamkollege Jürg (Premieren-Gastauftritt, herzliche Gratulation) erbarmte sich dann unser und besorgte Menukarten. Die Karte umfassend – aber mindestens zweimal durchgelesen bis wir endlich unsere Bestellung aufgeben konnten.

Das Essen wurde innert angemessener Zeit serviert, der Burger schmeckte richtig gut, die dazu gereichten country cuts («kautri köts») waren auch schwer in Ordnung. Auch die anderen Menus schienen gut zu sein, wenigstens hörte ich keine Klagen. Obwohl vier von uns Pommes als Beilage hatten, mussten wir nach Ketchup fragen. Es wurde dann (als der Burger schon halb gegessen war) eine kleine Portion gereicht – worauf Jürg (wow, Doppelgastauftritt) sich erneut darum kümmerte. Wir hatten dann reichlich rote Sauce.

Als wir aufgegessen hatten, wurden wir gefragt, ob alles recht gewesen sein. Worauf die freundliche Serviertochter mit leeren Händen verschwand, um zwei Minuten wieder zu kommen, um abzuräumen. Generell waren sehr viele «Leerläufe» zu beobachten, teilweise wurden diese vom Personal (welches übrigens wirklich nett war) halb rennend absolviert, aber leer zu rennen bringt halt immer noch weniger als beladen zu gehen. Kaffee konnten wir nicht bestellen, dafür musste wieder der Kellner mit dem Bestell-Pad kommen, immerhin konnte ich gleichzeitig die Rechnung verlangen. Auf eine Quittung verzichtete ich, denn auch für diese hätte er nach Bezahlvorgang nochmals zurück zur Hauptkasse gehen oder rennen müssen.

Insgesamt 70 Minuten für einen Dreigänger ZweigängerEingänger mit Kaffee und Dessert. Immerhin ausreichend Zeit um nochmals ausführlich den Nicht-Aufstieg des FC Aarau und die sich abzeichnende Verpflichtung von Alex Frei als Trainer zu diskutieren.

Fazit: Ein Restaurant besteht einfach gesagt aus Produktion (Küche) und Vertrieb (Service). Die Küche wirklich sehr ok. Der Service wirklich mühsam, wenn auch freundlich. Nun insgesamt fehlt es wohl an einer sinnvollen Organisation (Reservation, Bestellung, Abrechnung), Technik (z.B. ein Bezahlgerät, welches eine Quittung drucken kann) und geschultem Personal (und ja, Fachkräfte im Service erkennt man daran, dass sie nie leer laufen). Vielleicht fehlte es auch ganz generell ein wenig am Ehrgeiz, dem Gast ein positives Erlebnis zu bieten. Vielleicht ist es aktuell auch sehr schwierig, Mitarbeitende zu finden, welche sinnvolle Prozesse definieren, Entscheide betreffend Technik fällen und positive Gästeerlebnisse bieten können. Das wäre dann der vielzitierte #Fachkräftemangel und das wäre wirklich schade, denn in der Küche scheint Fachpersonal vorhanden. Vielleicht fehlt es auch einfach an Führung, welche gewisse Grundregeln (Reservationen werden vorgängig aufgedeckt) und organisatorische Abläufe (alle können Bestellungen aufnehmen, weil alle ein entsprechendes Gerät haben) definiert und implementiert. Langsam etwas viel hätte und vielleicht und man könnte ja allenfalls. Aber es war auf jeden Fall kein Hit.

Next Stop: Triebguet – die beweisen an jedem schönen Sommertag, dass auch bei grossem Andrang in Zeiten von Fachkräftemangel ein gutes oder gar tolles Gästeerlebnis möglich ist.

Typenähnliches Symbolbild – leider hatte ich vergessen, ein Bild zu machen..