Damals, 2022, als wir mit dem Nachtzug verreisten – oder nochmals über Customer Experience

Ja, wie schon zu lesen, waren wir 2022 ja auf Kreuzfahrt, über die Buchung und die Irrungen und Wirrungen vor der Reise habe ich hier berichtet. Kreuzfahrten werden in der Tendenz in den Medien als Dreckschleudern dargestellt, daran ändert auch die vorgängig gekaufte CO2-Kompensation durch MyClimate nicht so schampar (Schwiizerhochdütsch is back) viel, denn damit wird zwar der approximative CO2-Ausstoss anderswo wieder ausgeglichen, weitere Umweltbelastungen wie zum Beispiel Feinstaubbelastung bleiben aber bestehen.

Darum entschieden wir uns, an den Abfahrtsort Hamburg mit dem Zug anstelle des Flugzeuges zu reisen. Stellten wir uns sehr entspannt vor und buchten darum den Schlafwagen im komfortablen Doppelzimmer, auf dem Hinweg mangels Verfügbarkeit mit Etagen-WC (heisst das bei einem Zug auch so?), für den Rückweg in der Kabine mit eigenen sanitären Anlagen inkl. Dusche. Weitere Vorteile der Zugsreise: Man entgeht dem Chaos an den Flughäfen und da man das Gepäck ja nicht aufgibt, bleibt Tonas Packsucht (herzliche Gratulation zum erneuten Gastauftritt) ohne Folgen.

Gebucht hatten wir über die Website der SBB, durchgeführt wurde die Fahrt von Nightjet, die gehören zum österreichischen Pendant der SBB, der ÖBB. Vor Abfahrt assen wir in Basel noch etwas und tranken zwei, drei Bier in meinem Lieblingslokal Bierrevier, die Ferien waren also lanciert und wir in der entsprechend prächtigen Stimmung.

Unseren Wagen fanden wir schnell, naja, einen, der mit unserer Nummer beschriftet war. Dort waren aber keine der gesuchten Schlafabteile zu finden sondern die Sechser-Sitzabteile (an welchen mit Post-it-Zetteln handschriftlich notiert unsere Nummern angeheftet waren), welche man in der Schweiz praktisch nie sieht, welche in Deutschland aber durchaus noch üblich sind. Es gibt Varianten davon, welche die Sitze so ausfahren lassen, dass quasi ein flaches Doppelbett entsteht, unser Abteil war keines davon. Was auch absolut egal war, denn wir hatten dieses Abteil nicht für uns sondern teilten es mit einer Mutter, welche mit ihrem Sohn an die Karl May Festspiele fuhr.

Quelle: Wikipedia

Warum wir das Abteil zu teilen hatten, erschloss sich mir nicht, waren doch leere Abteile besetzt von Getränken, welche nie zum Verkauf angeboten geschweige denn als Wiedergutmachung gratis abgegeben wurden. Meine Nachfrage nach einem eigenen Abteil wurde auch nicht beantwortet sondern unwirsch abgetan und da ich mich mangels Platz im Abteil weigerte, auch noch die Koffer in dieses zu nehmen (also doch noch Spätfolgen von Tonas Packsucht…), wurde mir zuerst die unmittelbare Verhaftung in Basel und später ein Verweis aus dem Zug irgendwo im Deutschen Hinterland angedroht. Ja, ich weiss, ich neige zu Übertreibungen, aber genau so wars, ich schwör. Aber grad souverän wirkte der Zugführer der ÖBB nicht. Ich vielleicht auch nicht, aber mir fehlt in solchen Situationen die Ruhe der Frau zwei Abteile weiter, welche die gleiche Geschichte bereits an Pfingsten erlebt hatte…

Noch aus dem Zug kontaktierte ich den Kundendienst der SBB, eine Telefonistin (gut oder wenigstens gut geschult in Complaint Management) nahm sich meines Anliegens an und stellte mir das Formular zur Einreichung meiner Reklamation mit zugehöriger Entschädigungsforderung via mail zu. Sie prognostizierte, dass mein Anliegen binnen zweier Arbeitstage behandelt werden sollte.

Auf eine Nachfrage via mail 4 Arbeitstage später habe ich nie wieder etwas gehört. Eine Nachfrage auf Twitter (auch dem SocialMedia-Team der SBB herzlichen Glückwunsch zum Gastauftritt) wurde mit Verweis auf den Kundendienst mit Angabe von falschen Öffnungszeiten beantwortet. Eine weitere telefonische Nachfrage brachte keine Prognose betreffend der Lösung des Falles und auch ein weiterer Anruf brachte keine neuen Erkenntnisse. Dafür weiss ich dank der Endloswiederholung in der Warteschleife, dass man Tickets auch online kaufen kann. Oh, wow, krass, das sind ja mal News!

Und dann wie aus dem Nichts bekam ich plötzlich eine Antwort von einer Dame, welche den Titel ‚Spezialistin Beschwerdemanagement‘ trägt.

Für mich stellt sich einfach die Frage, warum ich ein Formular einreichen muss, was es zwei Wochen zu überlegen gibt und wofür es überhaupt diese Spezialistin braucht, wenn die Erstattung ja ‚selbstverständlich‘ ist. Also warum in einem offenbar klaren Fall nicht einfach der Mitarbeiterin im Kundendienst die Kompetenz zur Abwicklung geben und so dem Kunden und der Organisation Ärger und Aufwand ersparen?

Zur Ergänzung: Die Rückreise hat im gebuchten Abteil und fast auf die Minute pünktlich geklappt. Trotzdem stellt sich mir die Frage, ob und mit wie viel Lust ich mich ein nächstes Mal auf das Abenteuer Nachtzug einlassen würde.

Next Stop: Aida.

Aida – Buchung, Fragen, Nachfragen – oder einfach über (bad) Customer Experience.

Nun, die Reise mit der Aida Prima von Hamburg nach Norwegen vom 25.06.-02.07. war unsere erste Kreuzfahrt. Die Buchung der Aida war primär dem Abfahrtsort und der Route geschuldet.

Gebucht hatten wir direkt über die Website von Aida. Geht recht problemlos, die Kabinenauswahl ist soweit übersichtlich, die Anreise konnten wir problemlos selber organisieren. Das Manifest füllten wir vorgängig aus, vielleicht ein wenig übermotiviert buchten wir auch schon Ausflüge. Aber Vorfreude ist ja die schönste Freude.

Regelmässig verfolgten wir auch die Anpassungen im Corona-Regime und stellten Anfang Juni einen Widerspruch fest: Einerseits war angegeben, dass ein EU-Covid-Zertifikat notwendig sei (wozu unser Schweizer Zertifikat nicht zählt), an anderer Stelle war ein EU-anerkanntes Zertifikat gefordert (was das Schweizer Zertifikat ist).

Quelle: aida.de

Nun, wir fragten nach via mail. Und eine Woche später nochmals. Und bis heute haben wir keine Antwort auf unsere mails erhalten, nicht mal eine Eingangsbestätigung. Und werden wohl nie mehr eine erhalten. Via Twitter fragten wir bei @aida_de (ja, liebes SocialMedia-Team von Aida, das wäre ein Gastauftritt, herzliche Gratulation) und erhielten die zwei gleichen widersprüchlichen Aussagen einfach umformuliert und verdichtet noch einmal (eigentlich sogar mehrmals).

Quelle: Twitter

Nun, nicht schlimm, denn dafür gibt es ja das gute alte Telefon. Zweimal hörte ich mir die (sehr nervige, laufend von der gleichen Ansage unterbrochene) Bandmusik für schlappe 50 Minuten an. Beim ersten Mal erhielt ich die Antwort, dass man die Antwort nicht kenne (kein ‚das ist tatsächlich ein Widerspruch, wir klären das gerne ab, geben Ihnen Rückmeldung und korrigieren das. Vielen Dank.‘), beim erbetenen Anruf zu einem späteren Zeitpunkt wurde ich an eine medizinische Hotline der Aida (‚die kann ganz bestimmt helfen’) verwiesen. Diese teilte mir dann auf Band mit, dass infolge der vielen Anfragen keine Anfragen mehr angenommen würden. Und legte auf.

Nun, ich teilte diese und noch zwei, drei weitere Erfahrungen handschriftlich auf dem dafür an Board ausgehändigten Formular sowie via mail, eine Antwort habe ich nach 10 Tagen noch keine und ja, ich weiss, wir kennen den Ausgang schon.

Zurück zum Zertifikat: ich übertrug mein Schweizer Zertifikat auf die Deutsche Corona-App (ging viel einfacher als gedacht). Beim Check-in wies ich mein Schweizer Zertifikat vor, dieses wurde aber nicht etwa gescannt sondern nur mit Augenschein geprüft. Also wäre eine hilfreiche Angabe auf der Website: Bringen Sie etwas mit, was halbwegs nach gültigem Zertifikat ausschaut und gut ist.

Diese kleine Geschichte sagt nichts aus über die Reise an sich, diese beschreibe ich in einem oder zwei noch zu erstellenden Beiträgen. Aber: Aida ist offenbar nicht fähig oder willens, Anfragen von Direktbuchern innert nützlicher Frist und kompetent zu beantworten. Insofern würde ich eine weitere Reise mit Aida ausschliesslich und nur noch über ein Reisebüro buchen. Aus Sicht von Aida mit Blick auf die zu zahlende Provision irgendwo zwischen schade und dumm.

Next stop: was nach dem Check in geschah.

Was für ein Jahr

Also eigentlich dachte ich ja, dass ich dieses Jahr vor allem viel laufen, daneben auch viel Skifahren und natürlich sehr motiviert mein 90%-Pensum bei meinem Lieblingsarbeitgeber abarbeiten würde. Ah, ja, nicht zu vergessen die fehlenden 10% bei meinem zweiten Lieblingsarbeitgeber. Daneben hatte ich noch ein CAS an der HSLU (bei Nils Hafner (der hat einen Wikipedia-Eintrag und hier einen professoralen Gastauftritt) einfach um etwas Abwechslung in die Normalität zu bringen.

Nun, es sollte anders kommen: irgendwann im Januar hörte man von einem neuartigen Virus, irgendwann etwas später von einer abgeriegelten Stadt (mit der Einwohnerzahl der Schweiz) irgendwo in China (und damit ganz weit weg). Ja und dann ging es plötzlich schnell: Ende Februar verbot der Bundesrat Grossveranstaltungen (wow, unglaublich, wie entschlossen der Bundesrat damals handelte), zwei Wochen später wurden Reataurants auf 50 Personen beschränkt und drei Tage später ganz geschlossen. Und wir sollten alle zu Hause bleiben und taten dies auch grossmehrheitlich.

Gegen das Ende eines recht entspannten Sommers beschloss die Mutter meines Lieblingsarbeitgebers diesen zu integrieren, netterweise beschloss diese Mutter dann auch, zu meinem neuen Lieblingsarbeitgeber zu werden. Das bedeutete dann vor allem mal viel Arbeit, so dass ich fast ein wenig verpasste, wie die Fallzahlen mal locker auf ein Mehrfaches des Frühlings explodierten.

Da geriet #Projekt3660 ein wenig in den Hintergrund. Was nichts daran änderte, dass ich nach skibedingt schwachem Start den Lockdown im Frühling zu einer grandiosen Aufholjagd genutzt hatte, im Sommer den Vorsprung leicht ausbaute und es im Herbst eigentlich recht gemütlich hätte nehmen können. Hätte, hätte Fahrradkette. Diverse Spendenzusagen hatten nämlich auf meinen Ehrgeiz abgezielt und spendeten nicht etwa für das Erreichen des Ziels von 3660 KM oder 10 pro Tag oder einen Betrag pro Kilometer sondern für Mehrkilometer. Das ausgeklügeldste System entwickelte Remo, der in Anlehnung an das Qualifikationssystem meines alten und meines neuen Lieblingsarbeitgebers (der alte war auch sein Arbeitgeber, es ist unbekannt, ob auch Lieblingsarbeitgeber) eine gesamtkilometerabhängige Kilometerspende definierte. Lange Rede kurzer Sinn: bis 3842.99 Km hätte er 5 Rp pro Kilometer bezahlt und weil die Schwelle für 10 Rappen unerreichbar war, werde ich heute Abend (und darauf habe ich lange abgezielt) genau 3843 KM erreichen, womit er gemäss seiner Zusage 7 Rappen pro KM spendet. Was er schon getan hat und dabei sogar noch grosszügig aufgerundet. Ja, ich bin käuflich. Habt ihr was anderes erwartet bei meinem Berufsstand?

Sehr gefreut hat mich das persönliche Engagement von Peter. Er hat seine sommerliche Radtour genützt und pro gefahrenen Kilometer einen Franken gespendet. Und weil er sehr weit geradelt ist und dann auch noch aufgerundet hat, sind so weitere CHF 500 zusammengekommen. Und auch schön, dass die Geldübergabe für ein gemeinsames Bier (damals im recht unbeschwerten Sommer 2020) genutzt werden konnte.

Auch gefreut haben mich Spenden von Personen, zu denen ich keinen Kontakt mehr hatte, die ich flüchtig oder im Extremfall gar nicht kenne. Die erste solche Person war Hannes (ja, wow, genau, er ist sogar so was wie ein lokaler Promi mit ganzen vielen Hits bei google) und obwohl ich ihn immer noch nicht kenne, mag ich ihn sehr gut, obwohl er sich früh als Fan des HC Lugano geoutet hat (was total unentschuldbar und ein klar freundschaftsverhindernder Grund ist).

Ja, und heute Abend beschliesse ich nun #Projekt3660 (aus welchem #Projekt3843.01 geworden ist). Und wer jetzt in seinem Hosensack noch eine dank Corona nicht ausgegebene 50er-Note findet, der möge diese doch direkt an 4Africa spenden.

Ja, damals, 2020, als es die NAB noch gab…

Spenden mit dem Vermerk #Projekt3660 kommen direkt dem Projekt Yankho zugute, mit welchem sichergestellt ist, dass 300 Schulkinder (wovon 50 Waisen) unterrichtet werden. Und wenn man liest, dass da in Malawi Geld gebraucht wird für die Ausbildung von Kindern, dann muss man doch zugeben, dass es uns trotz Corona eigentlich immer noch recht gut geht und die Frage, ob wir jetzt Skifahren können oder nicht ein klassisches #firstworldproblem ist. Daher ganz herzlichen Dank an alle, welche sich mit einem grösseren oder kleineren Betrag an der Lösung eines #thirdworldproblem beteiligt haben, beteiligen oder beteiligen werden.

Next stop: 2021

Machet‘s guet und bliebed xund!

Klare Kommunikation – ohne Abschweifer

Dislaimer (um mir Hasskommentare zu ersparen): Dieser Post ist nicht pro „Maskenpflicht im Freien“, er handelt von der Durchsetzung von definierten Regeln. Am Beispiel der Maskenpflicht im Freien. Wer diese Unterscheidung nicht versteht, der möge nicht weiterlesen.

Heute Morgen war ich an der Tankstelle bei Coop Pronto. Vor dem Shop standen drei junge Männer sehr nahe beieinander und schauten sich ein sicher lustiges Video auf einem Smartphone an. Warum ich das erzähle?

Weil ich das Gefühl habe (nein, kein wissenschaftlicher Beweis, ein Gefühl), dass dies mit der eher schwammigen behördlichen Kommunikation (oder sogar mit der Schwammigkeit der Regeln an sich) zu tun hat. Hier mal eine Snapshot der letzten Aenderungen in Bezug auf die Ausdehnung der Maskenpflicht:

Quelle: BAG

Ich würde mal zusammenfassen: Recht kompliziert und vor allem der letzte Satz wird dann irgendwann sehr schwammig. Zumal ja auch hinlänglich bekannt ist, dass zwar grundsätzlich eine Verzeigung bei Nicht-Einhaltung erfolgen kann, die Polizei aber nicht ermächtigt ist, Ordnungsbussen auszustellen.

Vor allem der letzte Satz hat es in sich: „…wo der erforderliche Abstand…nicht eingehalten werden kann“. Warum liebes BAG verwendet ihr eine so unscharfe Formulierung? Wenn ich drei Erfahrungen aus meiner Führungserfahrung (und die ist jetzt doch schon ein paar Jahre gewachsen) mitnehme, dann die, dass

  1. einfache Regeln leichter zu kommunzieren sind als komplizierte.
  2. Regeln, die nicht durchgesesetzt werden (könnnen), wenig Wirkung erzielen.
  3. die Kumulation von Regel 1 und und Regel 2 dazu führt, dass man sich die Aufsetzung einer Regel auch sparen könnte.

Im konkreten Beispiel heisst dies, dass vor Läden oder auf dichter bevölkerten Strassen die MaskenträgerInnen in der Minderheit bleiben werden und im dümmsten Fall von den Nicht-Trägern noch schräg angeschaut werden. Kennen wir doch irgendwie vom öffentlichen Verkehr, wo die Empfehung des Maskentragens wenig Effekt hatte (gefühlt 20 %,), die Vorschrift und die angedrohte Konsequenz (Entfernung aus dem Zuge) aber eine sehr gute Wirkung (gefühlt 95 %).

Also hätte ich da drei Empfehlungen (ich weiss, hört sich jetzt irgendwo zwischen Klugscheisser und Oberlehrer an, ist aber ernst und vor allem wirklich gut gemeint):

  1. Die Formulierung ändern von „wo der Abstand nicht eingehalten werden kann“ hin zu „wo Sie den Abstand nicht einhalten“. Dies würde Klarheit schaffen und gäbe jeder einzelnen Person die Handlungsoption den Abstand einzuhalten (zum Beispiel beim Schwatz mit dem zufällig angetroffenen Kollegen) oder wenn man das nicht will, halt eine Maske anzuziehen. Denn aus meiner Sicht ist „Abstand“ in den meisten Fällen (ausser vielleich im öffentlichen Verkehr zur Stosszeit) selbst aktiv gewählt und kein passiv aufgezwungener Zustand.
  2. Ich bin weder Jurist noch Politologe aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es doch möglich sein müsste, in irgendeiner geeigneten und legalen Form Ordnungsbussen für entsprechendes Fehlverhalten einzuführen. Ich meine, wir haben im März immerhin mal rasch diversen Berufsgruppen ein faktisches Berufsverbot erteilt. Also aus meiner Sicht lieber die Ordnungsbusse allenfalls rechtlich ein wenig durchwürgen als irgendwie superdemokratisch und legal wieder einen Lockdown befehlen zu müssen.
  3. Es macht aus meiner Sicht Sinn, wenn lokale „Hotspots“ (in Bezug auf das Personenaufkommen) mit einer generellen Maskenpflicht versehen werden. Tagesschwankungen im Fussgängeraufkommen kann man problemlos mit einer zeitlichen Befristung Rechnung tragen, wie dies z.B. die Stadt München tut.

Ich respektiere übrigens auch andere Meinungen und finde entsprechende Rückmeldungen spannend. Danke, dass Ihr auch meine Meinung respektiert. Und egal, wie genau Eure Meinung aussieht (und sogar unabhängig davon, was ihr von Donald Trump und seinem aktuellen Verhalten hält): Bliebed xund!

Next Stop: virtual schooling @HSLU

Darf, kann, muss oder soll man im Winter 20/21 Skifahren gehen?

Bevor ich die Fragen beantworte ein schönes Bild aus dem bereits verschneiten Arosa:

Nun, genau die im Titel gestellten Fragen habe ich mir gestellt. Und drei der vier sind recht einfach und schnell beantwortet:

Darf: Ja, man darf. Die Schweiz versucht sich aktuell im Gegensatz zu allen Nachbarländern in einem Slowdown und verzichtet auf einen Lockdown. Sprich die Sportanlagen sind offen, die Restaurants ebenso und auch ein Hotel findet sich. Man darf also.

Kann: Ja, man kann. Die Sportanlagen sind wie gesagt offen, man kann also rein technisch gesehen problemlos Skifahren gehen.

Muss: Nein, ganz sicher nicht, denn „Kein Mensch muss müssen“ (Gotthold Ephraim Lessing. (1729 – 1781).

Soll: Wäre diese Frage so rasch beantwortet wie die anderen drei, dann könnte dieser Blog in die Liste der kürzesten Blogs aller Zeiten aufgenommen werden. Aber genau diese Frage hat es in sich. Insbesondere auch, weil die behördliche Kommunikation in Sachen Corona durchaus widersprüchlich ist.

Warum ich mir diese Fragen überhaupt stelle: Ich war letztes Wochenende Skifahren, genau genommen in Arosa, meiner liebsten Destination. Irgendwie schuldete mir die abgebrochene Saison 2019/2020 noch ein paar Skitage und so wollte ich zwei davon bei erster Gelegenheit nachholen. Durchaus auch mit dem Hintergedanken eines drohenden Lockdowns, welcher dann weitere Schneetage bis auf Weiteres verunmöglichen würde.

Anreise mit dem Zug, ich gönnte mir ein Ticket erster Klasse, somit waren die Abstände auf jeden Fall sehr gut einzuhalten. Auch die Maskenpflicht wurde (bis auf einen weit entfernt sitzenden Nasenpimmler) ernst genommen und umgesetzt. Auch an die Masken am Bahnhof scheinen sich die meisten Menschen bereits gewöhnt zu haben, obwohl die Wirkung ja umstritten ist. Nur vier Jugendliche in der unterirdischen Passage am Bahnhof Zürich mussten eng an eng sitzen und sich dazu laut und lustig Geschichten aus ihrem Leben erzählen – natürlich ohne Maske, obwohl die Pflicht wohl primär wegen solcher Situationen besteht.

Im Hotel von Check-In bis Check-Out Maskenfplicht ausser im eigenen Zimmer und am eigenen Tisch bei Frühstück und Abendessen. Und obwohl ja ganz laut und viel diskutiert wurde, ob man eine Maske tragen kann, um ins Restaurant reinzugehen oder sich am Buffet zu bedienen, fällt das Fazit kurz aus: Es geht und es geht sogar problemlos. Und alle, welche sich über die Maskenpflicht aufregen: In Oesterreich startet heute Abend der zweite Lockdown und ab 20.00 Uhr herrscht Ausgangssperre. Welches ist das kleinere Uebel?

Beim Skifahren ebenfalls Maskenpflicht beim Anstehen und in der Gondel (diese bestand ja schon seit Juli). Nun aber auch Maskenpflicht beim Anstehen am Sessellift und bei der Fahrt auf diesem. Nun, die Beschriftung könnte noch ein wenig grösser und klarer sein, aber eigentlich wussten es ja alle. Zu gewissen Zeiten stand ein „Ranger“ neben den Anstehenden und machte auf (von der Fahrt) noch unter dem Kinn getragene Masken (kann ja mal passieren, dass jemand vergisst, sie hochzuziehen) aufmerksam. Einem „Verweigerer“, welcher die Maske erst genervt aus der Hosentasche hervorziehen musste, drohte er freundlich aber bestimmt den Entzug des Skipasses an. Diese Kontrollen sind aus meiner Sicht sehr angebracht aber noch zu selten. Ob es dafür einen „Ranger“ braucht oder ob nicht der normale Personalbestand eines Sesselliftes dies stemmen könnte, ist aus meiner Sicht fraglich. Ein kurzes Zeichen im Sinne von „zieh bitte die Maske hoch“ und „ich sehe Dich“ würde wohl genügen, um die Maskendisziplin zu erhöhen. Denn eines ist wohl sicher: nur ein perfekt eingehaltenes Schutzkonzept wird es den Skigebieten ermöglichen, offen zu bleiben. Sollte nur schon der Verdacht entstehen, dass nonchalantes Verhalten zu Ansteckungen führt, wird dem Spass wohl ein jähes und schmerzhaftes Ende bereitet.

Maske laufend Hochziehen ist mit Helm und Handschuhen tendenziell etwas mühsam, wobei Einwegmasken eher besser gehen als Stoffmasken. Wirkliche Erleichterung bringen dann wohl die Schläuche, welche letztes Wochenende noch nicht erhältlich waren. Online werden schon an diversen Orten welche angeboten, sofort liefern kann der Schweizer Anbieter Maskenshopping.

Nicht ganz so bequem, dafür sehr chic: die Stoffmaske des EHC Arosa

Womit ich zurück komme zur Frage, ob man soll. Die bundesrätliche Aufforderung bezieht sich darauf, Kontakte zu reduzieren. Dies kann auf zwei grundlegend unterschiedliche Arten geschehen. Ich reduziere effektiv die Kontakte, indem ich zum Beispiel im Home Office arbeite oder mich nicht mehr auf ein Bier verabrede (oder aufs Skifahren verzichte). Oder ich nehme die Kontakte zwar zum Teil noch wahr, halte aber Abstand (z.B. anstatt ins Restaurant zu gehen für eine Pizza, diese ins Büro zu bestellen und dort mit Abstand zu meinen Kollegen essen). Oder adaptiert aufs Skifahren: Ich fahre nicht mit drei Freunden die 360 Kurven ins geliebte Arosa hoch, gehe mit drei anderen zum Essen am Mittag, mit nochmals anderen zum Apéro und mit wieder anderen zum Abendessen, sondern ich gehe mit ein bis drei Freunden ein Wochenende weg und reduziere meine Kontakte auf genau diese eins bis drei. Damit senke ich das Ansteckungsrisiko (und auch wenn alle bis und mit mein Alter wohl nicht an Corona sterben werden, so gibt es doch hässliche Geschichten über Langzeitschäden), ich reduziere aber auch das Risiko, in eine Quarantäne geschickt zu werden infolge eines zu nahen und zu langen Kontakts. Und ganz ehrlich: eine Quarantäne ist bei vielen Kontakten ja grundsätzlich auch mehrfach möglich und ich würde wohl durchdrehen, wenn ich diesen Winter mehrmals faktisch zum Hausarrest verdonnert würde.

Und darum fällt meine Antwort auf die Frage „soll man?“ differenziert aus: Ja, man soll. Der Bundesrat lässt die Bergbahnen, Hotels und Restaurants unter anderem darum offen, weil er aus einem Lockdown zu grossen wirtschaftlichen Schaden fürchtet. Und wenn niemand mehr geht, dann könnte man genausogut einfach zumachen. Aber man soll sich überlegen, wie man Skifahren geht: nämlich unter Einhaltung der Regeln (Abstand und wo das nicht geht Maske) und Beschränkung der Kontakte auf die direkten Reisebegleiter. Und da die Corona-Massnahmen ja offenbar vor allem notwendig sind, um eine Überlastung der Spitäler zu verhindern, macht es wohl Sinn, zwecks Vermeidung von Unfällen ein wenig Tempo rauszunehmen und auf Alkohol auf der Piste zu verzichten.

Dies wäre ein Appell an alle, dies mehr oder weniger so umzusetzen. Denn es wäre schade, wenn die Saison unter- oder gar abgebrochen werden müsste. Und dass dies droht, lässt sich spätestens seit der Wiedereinführung der Geisterspiele in Fussball und Eishockey nicht mehr abstreiten. Auch die Sportclubs hatten gute Schutzkonzepte, diese wurden wohl grösstenteils sehr gut eingehalten, trotzdem identifizierte man genau diese Veranstaltungen irgendwann als Gefahrenherd, wodurch es sie nicht mehr gibt in dieser Form. Also: Kontakte so knapp wie möglich halten und Maske auf wo vorgeschrieben und/oder sinnvoll. Und sich nicht über die Maske aufregen, sondern sich daran freuen, dass wir Skifahren dürfen.

Cheers, mates.

Next stop: Homeoffice!

Eigentlich geht es uns doch immer noch recht gut oder warum ich sammle für Kinder in Malawi

Für die eiligen Leser: Ich würde mich freuen, wenn Du mein #Projekt3360 (ich laufe im Jahr 2020 3660 Kilometer (das sind 10 pro Tag) und sammle damit Geld) mit einer Spende zugunsten eines Schulprojektes in Malawi von 4Africa unterstützen würdest. Kontoangaben findest Du auf dem Link. Wem das zu mühsam ist, der kann auch gerne einen Betrag an mich (078 619 43 57) twinten. Ich leite es gerne weiter. Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle, welche mein Projekt rsp. 4Africa bereits mit Spenden oder Spendenzusagen von rund CHF 10’000 unterstützt haben.

Quelle: 4africa.ch (Screenshot)

So, nun aber der Reihe nach: Etwas bestimmt unser aller Leben im Jahre 2020 ja ziemlich umfassend: Corona. Die einen findens etwas schlimm, die anderen schlimm und die dritten ganz extrem schlimm. Natürlich sind auch nicht alle gleich betroffen: Wirtschaftlich die Gastro- und Tourismus-Branche sicher mehr als eine Bank (und trotzdem kommt man nur in der Bankbranche auf die Idee, das süsse, lokale Töchterchen in die grosse Mutter zu integrieren – sorry, diese kleine, persönliche Aufarbeitung musste gerade sein), primär zu Hause-Sitzer (wie ich) sicher weniger als die hippen Tsüri-Clubber, kinderlose sicher weniger als kinderreiche.

Nun sollte man aber bei aller persönlichen Betroffenheit wohl zwei Dinge nicht aus den Augen verlieren:

Die Schweiz hat ein relativ liberales Regime

Die Schweiz hat relativ zu den meisten anderen Ländern (und insbesondere im Vergleich zu unseren direkten Nachbarn) ein insgesamt sehr liberales Regime. Ja, wir haben zwar eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, aber keine generelle in Läden, keine in Restaurants. Wir hatten nie eine Ausgangssperre und es ist auch keine absehbar. Alle die nun von Corona-Diktatur reden, denen wünsche ich, dass sie nie in einer Diktatur leben müssen. Und ja, natürlich sind gewisse Massnahmen nicht leicht nachvollziehbar oder in sich sogar widersprüchlich. Aber bei der Corona-Prävention geht es wohl letzten Endes um eine simple Reduktion der Anzahl ungeschützter Kontakte (also hilft eben jede getroffene Massnahme, auch wenn eine andere nicht getroffene weiter munter vor sich hin schadet) und einfache Regeln (#stay(thefuck)home) sind einfacher zu kommunizieren und umzusetzen als komplizierte.

Uns geht es immer noch gut

Bei allen wirtschaftlichen Hindernissen und Rückschlägen, welche Corona mit sich bringt, geht es uns in der Schweiz immer noch verhältnismässig gut. Die Schweiz ist auf hohem wirtschaftlichem Niveau in die Krise gestartet. Die Schweiz hat sehr rasch ein Hilfspaket zur Verhinderung wirtschaftlicher Schäden geschnürt. Und die Schweiz hat einen gut ausgebauten Sozialstaat, welcher Schäden zumindest wirtschaftlich gut abfedert. Also sollten wir bei allem Aerger, bei aller Ungeduld und bei aller Frustration nicht vergessen, dass es uns unter dem Strich wohl immer noch verhältnismässig gut geht.

Womit ich überleite zu Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns (ok, leicht holprig, ich gebe es zu): Grundsätzlich mal allen Menschen in Entwicklungsländern, denen ging es schon ohne Corona wirtschaftlich massiv schlechter als uns. Und jede wirtschaftliche Einschränkung führt sofort zu einer existentiellen Krise. Und bei der Frage, ob man was essen oder die Kinder zur Schule schicken kann, entscheiden sich viele Eltern dann wohl verständlicherweise für das Essen. Womit sich dann auch eine Schulschliessung als Pandemievorsorge erübrigt.

Und hier setzt nun das Schulprojekt von 4Africa in Malawi an. Wer sich grad fragt, wo Malawi liegt, dem oder der helfe die Karte:

Quelle: google maps (Screenshot)

Wiederum für die eiligen Leser geht das so: Das Projekt läuft seit 2012, mehrere einfache Schulhäuser wurden erstellt, primär mittels Schulpatenschaften wird der Unterricht für rund 300 Kinder (darunter 50 Waisen) finanziert. Im Lauf der Zeit wurde die Ausstattung unter anderem mit einer Bibliothek erweitert. Nun wird das Gelände um einen landwirtschaftlichen Teil zum Anbau von Mais und Gemüse ergänzt. Dies schafft Arbeitsplätze, ermöglicht Ausbildung im Landbau und sichert den Schülern eine Mahlzeit pro Schultag. Nun benötigt das Projekt unter anderem für Wasserleitungen oder ein kleines Wächterhaus noch rund CHF 20’000. Für die nicht ganz so eiligen Leser findet sich die ausführliche Umschreibung inkl. eines Videos hier.

Wer nun also auch zum Schluss kommt, dass dies doch eigentlich eine recht gute Sache (also ja, sie ist sogar wirklich verdammt gut, aber es reicht, wenn Du sie gerade recht gut findest) sei, der finde Spendenmöglichkeiten über #Projekt3360 hier rsp. in der leicht gekürzten Fassung hier. Selbstverständlich sind auch direkte Spenden an 4Africa genauso erwünscht wie geschätzt, die Kontoangaben hier. Und wer kein Geld geben kann oder mag, der verschickt vielleicht diesen Beitrag via whatsapp oder teilt ihn in den sozialen Medien. Denn wie immer gilt: Auch ein in den sozialen Medien geteilter Beitrag ist ein Beitrag.

Next stop: no stop, muss ja weiterlaufen, es fehlen mir Stand heute noch genau 1000 KM.

Cheers, mates

#Projekt3660 – Press release

Ja, genau, ihr lest richtig, dies ist gar kein richtiger Blogblost (also bitte erwartet keine Gastauftritte vom Vater von Knipser Knuser, dem Mann vom schicken Möbelladen, meiner Mutter oder Fausto (der war schon lange nicht mehr dran). Und ihr werdet auch enttäuscht, wenn ihr Euch erhofft, dass ich in erneuten Abschweifern davon erzähle, wie ich wieder mal im Zug ein Bier getrunken habe (jetzt eh grad schwierig mit Maske (und die, die extra ein Bier trinken, nur um die Maske nicht tragen zu müssen, die nerven mich ganz gewaltig)) oder in Arosa (dort wo Oli Sushi als mexikanische Spezialität auf dem Astoria-Buffet anpreist) einen grandiosen Sturz hingelegt habe.

Nein, dieser Artikel (und den haben wir jetzt so richtig an die Presse geschickt, da ich als Blogger irgendwie immer noch auf den langersehten Durchbruch warte, setze ich jetzt doch wieder vermehrt auf die traditionellen Medien) wurde geschrieben von Matthias (er ist so quasi der Chef von 4africa und damit ein richtiger (oder zumindest halber) Promi, vor allem aber ein geschätzter Arbeitskollege beim Lieblingsarbeitgeber) und handelt davon, dass ich laufe, wie weit ich laufe, mit wem ich laufe und vor allem warum ich laufe.

Ich wünsche der geneigten Leserschaft viel Spass. und freue mich auf weitere Spendenzusagen für #Projekt3660:

3660 Kilometer zu Fuss in 366 Tagen

Thomas Häfliger hat sich viel vorgenommen. Im Jahr 2020 will er durchschnittlich 10 Kilometer pro Tag zu Fuss marschierend unterwegs sein. Mittels Kilometer-Sponsoring möchte er über CHF 10’000 sammeln. Die erlaufene Summe wird Ende 2020 dem Verein 4africa aus Rothrist übergeben, welcher damit an einer Schule in Malawi ein Landwirtschaftsprojekt finanziert.

Beruflich arbeitet Häfliger in einem 90% Pensum als Leiter Zentrale Kundenberatung bei der Neuen Aargauer Bank. Im Nebenamt unterrichtet er Organisation und Führung an der Handelsschule KV Aarau. Gerne bereist er ferne Länder. Aus aktuellem Corona-Anlass ist er vermehrt in der Schweiz unterwegs. Erlebtes verarbeitet er regelmässig in seinem Blog toao.blog.  

«Mit meinem Hund und treuen Begleiter Bailey verbringe ich gerne Zeit in der Natur. Das Unterwegssein hält mich fit, ist Inspirationsquelle für meinen Blog und tut mir einfach gut». Häfliger hat aber auch ein Herz für Menschen, die es nicht einfach haben im Leben. Dies ist für ihn Motivation genug, den erlaufenen Betrag via 4africa in Malawi zu investieren. An der dortigen Yankho-Schule soll mittels einem eigenen Landwirtschaftsprojekt die Verpflegung der rund 300 Schüler, davon 50 Waisenkinder, sichergestellt werden.

Gewissheit, dass das Geld zielgerichtet eingesetzt wird gibt ihm Matthias Klöti, der Präsident des Vereins 4africa. Häfliger und Klöti sind langjährige Arbeitskollegen bei der Neuen Aargauer Bank. Die Yankho-Schule war eines von drei Charity-Projekten, die am NAB Award 2018 der Neuen Aargauer Bank prämiert wurden. So verbindet die beiden mittlerweile nicht nur das berufliche Engagement.  «Der Blick auf den Kilometerstand von Thomas bei Halbzeit des Projektes stimmt mich zuversichtlich, dass er sein gestecktes Ziel erreichen wird. Ich freue mich sehr, dass er mit seinem sportlichen Engagement und seinem Umfeld massgeblich an die Weiterentwicklung der Yankho-Schule in Malawi beiträgt», so Matthias Klöti.

Gemeinsam unterwegs für eine grosse Sache. V.l. Matthias Klöti, Präsident 4africa, Bailey und Thomas Häfliger

Info-Box:

Kilometerspenden können bei Thomas Häfliger via 078 619 43 57 zugesagt oder direkt auf das Spendenkonto von 4africa (siehe www.4africa.ch) überwiesen werden. Vermerk 3660 Kilometer. Alle Spenden sind steuerlich abzugsberechtigt.

IBAN CH75 0588 1154 4672 2100 0
4africa, 4852 Rothrist

Zum 4africa: Der Verein 4africa wurde 2010 in Rothrist gegründet. Die vier Mitglieder, die auch den Vorstand bilden, arbeiten alle ehrenamtlich. „4africa“ ist vor allem im südlichen Afrika tätig. Der Verein vertritt christliche Grundwerte, beschreibt sich aber als konfessionell und politisch neutral. Neben der Schule in Malawi unterstützt „4africa“ eine Vielzahl weiterer Projekte. Darunter befinden sich zum Beispiel eine Vorschule und eine Berufsvorbereitungsschule in Madagaskar, Start-Ups im Bereich Micro-Business, eine Fotoschule sowie ein Rollhockey-Projekt in Südafrika.

Text: 4africa
Kontakt: 4africa, Matthias Klöti, Moosweg 10, 4803 Vordemwald
Natel: 079 775 93 75 / E-Mail: matthias.kloeti@4africa.ch

Von der Sache mit der App

In meinem letzten Artikel (wenn Du jetzt geklickt hast, dann hast Du in etwa gleiche Aufmerksamkeitsspanne wie Donald Trump – herzliche Gratulation) habe ich ja zu erklären versucht, dass wir aus meiner Sicht weiterhin 1. die Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen und dabei 2. Wege wählen sollten mit möglichst tiefen sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen (Neben-) Kosten. Daher meine Erkenntnis, dass es weniger „weh“ tut, im Zug oder beim Einkaufen eine Maske zu tragen, als nicht mehr ins Restaurant zu können oder Geisterspiele im Fussball anzusehen – oder gar wieder einen (partiellen) Lockout zu haben.

Seine Ausbreitung wollen wir vermeiden

Weiterer Teil der Eindämmungsstrategie ist ja das konsequente Contact Tracing. Das heisst in etwa so viel, dass eine Person mit positivem Corona-Test nach all ihren näheren Kontakten in letzten Tagen befragt wird. Diese Kontakte werden dann angerufen und aufgefordert, sich selber zu isolieren und/oder (hoffentlich negativ) testen zu lassen, um nicht weitere Personen anzustecken.

Soweit so gut und die entsprechenden Kapazitäten sind gegenüber der ersten (hoffen wir, dass sie die einzige bleibt, mein Optimismus ist (nennen wir es mal) überschaubar) Welle massiv ausgebaut in allen Kantonen. Nun ist dieses manuelle Tracen erstens sehr aufwändig (also die Befragung der einzelnen Person und das Abtelefonieren dieser Kontakte) und zweitens nie vollständig. Eine positiv getestete Person kann nur Kontaktpersonen angeben, welche sie kennt. Kein Problem beim gemeinsamen Restaurantbesuch mit einem Freund, auch kein Problem bei der Bürokollegin, wohl auch recht einfach in Bezug auf die Teilnehmenden an einem hippen Networking-Event von coolen Start-Up-Foundern im Bereich der aufstrebenden digital Life Coaching-Branche (kurzes Selbstlob hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz: Diese Anlassumschreibung finde ich gerade wieder mal saumässig gelungen).

Aber durchaus problematisch in Bezug auf den unbekannten lustigen Engländer von der Alstom, mit dem ich mich im Mr. Pickwick-Pub in Baden (genau, im legendären Piwi, welches noch genau so aussieht wie vor 25 Jahren und dabei war es schon damals leicht schmuddelig) so blendend unterhalten habe. Auch problematisch in Bezug auf den laut (und vor allem saumässig gescheit, so viele englische Fremdwörter wie lean, team, stream, am liebsten in der ververbten Form wie „mir müend das jetzt einfach konsequent leane“) telefonierenden Sitznachbar im vollen Zug nach Zürich (und eine Maske habe ich ja auch nicht getragen, obwohl es an dieser Stelle vor wenigen Tagen ja so eindringlich empfohlen wurde). Und auch problematisch in Bezug auf die attraktive 30jährige, welche ich stylish aufgemotzt an der SaNaPa faktisch niedergeflirtet habe, welche mir ihre Nummer aber trotz aller Ueberredungskünste einfach nicht geben wollte. Nun kann ich ja argumentieren, dass ich auch gar nicht zu wissen brauche, wenn eine mir unbekannte Person Covid-positiv ist, weil ich am nahen Kontakt ja dann eh nichts mehr ändern kann und folglich auch positiv (mit oder ohne Symptome) oder nicht bin. Eine gleich doppelt sehr egoistische Denkweise, denn erstens gefährde ich damit alle mir nahe stehenden und nahe kommenden Personen (sei es bei der Arbeit, z.B. in einem Beruf, welcher Distanz nicht zulässt) oder bei meinen Liebsten, mit denen ich allenfalls ja sogar zusammenwohne oder im Falle der Eltern mal zusammengewohnt habe. Und zweitens verhalte ich mich damit schlicht unsolidarisch mit der „Restschweiz“, welche alles unternimmt, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten und dafür ja grosse (wirtschaftliche) Nebenwirkungen in Kauf nimmt.

Da ich ja nicht unsolidarisch sein will, gehen wir mal davon aus, dass ich grundsätzlich wissen möchte, wenn positiv-gefährdet bin, entweder um mich hoffentlich negativ testen zu lassen oder mich sonst zu isolieren. Und hier kommt nun diese Covid-App ins Spiel, welche mir ja mit gewisser Wahrscheinlichkeit (nein, 100 % Sicherheit gibt es logischerweise nicht, aber nicht alles Unperfekte ist deswegen gleich unterirdisch schlecht) melden würde, wenn eine mir nahe gewesene Person (und eben auch die, die ich nicht kenne) positiv ist. Smart oder?

Verfügbar ab 25.06.2020, weitere Informationen hier

Trotzdem gibt es Argumente gegen das Herunterladen dieser App. Meine persönlichen Favoriten: „ich habe kein entsprechendes Gerät“ – ja solche Personen gibt es ganz sicher. Aber ganz sicher nicht die 11 %, welche diese Antwort in einer Umfrage des Tagesanzeigers gewählt haben. Einfach: Wenn Du diesen Blog auf Deinem Smartphone liest, dann hast Du vermutlich ein passendes Gerät. Nummer zwei: „es funktioniert über Bluetooth, dann ist mein Akku schneller leer“. Rein technisch gesehen korrekt. Auch die modernste Version von Bluetooth benötigt ein wenig Strom, folglich entleert sich der Akku ein wenig schneller. Aber: Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Gruppen von Smartphone-Nutzern: Fast-nie-und-nur-im-Notfall-Nutzer wie meine Mutter, deren Akku sowieso locker einen Tag hält. Und mega-viel-die-ganze-Zeit-auf-den-Bildschirm-Starrer-und-dazu-(mit-Bluetooth)-über-die-coolen-Air-Pods-laut-Musik-Hörer, bei denen der Zusatzverbrauch (also die Zeit, in denen sie gerade nicht Musik hören oder Filme schauen) quasi irrelevant ist, weil sie eh nur mit Zwischenladungen durch den Tag kommen. Ja, genau, und dann gibt es noch die 0.0001% der Bevölkerung, deren Akku jeweils genau beim zu Bett gehen von 2 % auf 1 % wechselt, weil sie auch sonst ihre Energie immer opitmal einteilen. Falls Du zu dieser Gruppe gehörst, akzeptiere ich Deine Ausrede. Bitte ab heute jeden Abend ein Screen-Shot mit Akku-Anzeige an mich. Danke.

Nun aber zu meinen absoluten Favoriten: Den Datenschutz-Aposteln, welche irgendwie verwandt scheinen mit den Verschwörungstheoretikern. Zuerst ganz kurz: Die App zeichnet auf dem Gerät auf, welchen anderen Geräten Du nahe gekommen bist. Dabei interessiert sich die App nicht dafür, wer Du bist, faktisch interessiert sie sich nur für den Standort des Gerätes relativ zu anderen Geräten, egal ob im Zug, an der SaNaPa oder im Piwi. Aber sogar wenn: Es ist der Schweizer Staat, der hier Daten auswerten würde, wenn denn die schiere Menge individuell auswertbar wäre und es jemanden interessieren würde. Und die Auswertung würde (wenn sie denn stattfände) ja maschinell stattfinden, oder meinst Du, dass sich Simonetta Somuaruga jeweils am Abend mit Alain Berset (oder allenfalls Bill Gates) zusammensetzen würde, um dann zu sagen: „Du, lueg, dä Heiri, dä Saucheib isch scho wieder im Piwi. Debi hät er doch am Trudi gseit, er segi hüt im Turnverein“.

Darum geht es aber gar nicht. Es geht darum, dass jeder Smartphone-Nutzer und jede -Nutzerin sowieso schon viel mehr Spuren hinterlässt, als Simonetta und Alain je kennen wollen. Ja, alle Apple-Pay-Bezahler (die dann aber im Restaurant keine Nummer hinterlassen wollen bei der Reservation, übrigens auch die, welche per Karte bezahlen) und alle Facebook- (und damit auch Insta- und Whatsapp-) Nutzer hinterlassen Spuren (vor allem diejenigen, welche bei so lustigen Spielen Religion, Einkommen, sexuelle Orientierung sowie Unterhosefarbe hinterlassen, um dann herauszufinden, dass sie im nächsten Leben ein dreibeiniges Einhorn sein könnten). Auch alle die begeisterten Besteller bei Wish und Ali-Express (weil es eben so viel günstiger ist dort – was Menschenrechte oder Umweltverschutzung in China? hä?) hinterlassen viele Daten genauso wie alle Leser meines Blogs (ja, genau, WordPress weiss jetzt, dass Du hier warst, ich persönlich weiss es trotzdem nicht, aber ich freue mich über Deinen Besuch). Wenn das alles also nicht auf Dich zutritt (einfach gesagt: wenn Du das also gerade auf einem Desktop gelesen hast), dann hast Du die Legitimation, die App App sein zu lassen und Dich und Deine Daten zu schützen. Maximal 1% der Leser hier.

Alle anderen (also die verbleibenden 99%): Bitte legt Euch diese App zu, sie entfaltet ihre Wirkung offenbar nur, wenn ein substantieller Teil der Bevölkerung und vor allem die Aktiven mitmachen. Es braucht also uns alle! Löscht dafür zwei, drei andere Apps, welche ihr nicht mehr nützt. Damit tut ihr was Gutes für Euch und für die Schweiz und gleichzeitig reduziert ihr sogar Eure Spuren im Netz ein wenig. Smart, hä?

Danke – und bliebed gsund!

next stop: sag ich Euch sicher nicht, das ist meine Privatsphäre! 🙂

Cheers, mates

Meine Gedanken zum Start der Bundesliga

Nun, ich bin nicht der ganz grosse Fussballfan. Als Kind gewann der FC Wettingen mein Herz, der es genau einmal in den damaligen Uefa Cup schaffte, dort überraschend die erste Runde überstand und dann nur ganz knapp gegen das grosse Napoli mit Diego Maradona ausschied (wahlweise, weil sie auswärts zweimal das leere Tor nicht trafen oder neben der gegnerischen Mannschaft auch noch gegen einen Schafsziegel von Schiedsrichter anzutreten hatten). Nun, 1993 ging der FC Wettingen in Konkurs und ausgerechnet in jenem Jahr feierte der lokale Konkurrent aus Aarau seinen einzigen Meistertitel.

Zwischenzeitlich hat sich mein Fussballkonsum auf gelegentliche Besuche im altehrwürdigen Brügglifeld des ehemaligen Meisters aus Aarau reduziert. Daneben verfolge (verschlafe) ich gerne das jeweilige Spiel der Schweizer Super League am Sonntagnachmittag. Und wenn die Schweizer Nationalmannschaft wieder einmal vor dem ganz grossen Durchbruch an einem grossen Turnier steht (und diesen dann ganz knapp doch nicht schafft), dann werde ich für zwei Stunden zum ganz grossen Modefan

Die Bundesliga ist die einzige ausländische Liga, welche ich mehr oder weniger verfolge. Nein, ich habe kein Abo bei Sky und brauche auch keine Konferenzschaltung, aber die Sportschau am Samstagabend schaue ich mir gerne an. Nicht, dass ich Termine um sie herumlegen würde, aber wenn ich eh grad zu Hause bin, dann schaue ich sie mir an.

Auch live habe ich die Bundesliga schon gesehen. Zum ersten Mal zum Mal gegen Ende des letzten Jahrtausends im Olympiastadion in München, ganz spontan, als ich eh in München war. Ja, genau, damals konnte mal am Spieltag zum Stadion gehen und sich ein Ticket an der Tageskasse kaufen. Und dann war ich eher zufällig beim ersten Spiel des grossen Pep Guardiola als Bayern-Trainer dabei. Das war dann schon die Allianz-Arena mit riesigem Fanshop und irgendwie amerikanischen Verhältnissen: sehr gesittete, ruhige Zuschauer, welche bei einem Tor wie auf Knopfdruck zwei Minuten wie die verrückten jubeln und sich dann brav wieder hinsetzen.

So und jetzt ist die Bundesliga gerade in Zwangspause. Was insofern schade ist, alsdass ich ja nun eigentlich immer am Samstag zu Hause wäre und wunderbar Zeit für die Sportschau hätte. Aber eben: für mich als maximal scheu Interessierten gibt es aktuell auf der Welt grössere Probleme als den fehlenden Fussball. Ich kann aber nachvollziehen, dass die Sportpause andere mehr und härter trifft.

Darum kann ich auch nachvollziehen, dass die Bundesliga wieder starten will. Wobei ich ihr mal unterstelle, dass sich ihre Sorgen eher um entgehende Fernsehgelder als um Entzugserscheinungen von Fans drehen. Aber wie wird die Bundesliga denn konkret restarten?

Das komplette Sicherheitskonzept habe ich nicht gefunden, es sickern aber laufend Details in den Medien durch. Zuerst sollen also alle Mannschaften bis zum Start unter Quarantäne trainieren. Das kann ja durchaus funktionieren. Sicher ist dies aber nicht, denn Fussballer sind junge Männer aus sehr unterschiedlichen Kulturen (und sprechen unterschiedliche Sprachen), insofern wird sich zeigen, inwiefern sich diese sehr heterogene Gruppe kontrollieren lassen wird. Der Fall aus Berlin hat zumindest nicht gerade überoptimistisch gestimmt. Auch sollen regelmässig alle Spieler und Betreuer getestet werden, hört sich vernünftig an, ist aber bei beschränkten Testkapazitäten eher mässig sinnvoll. Gemäss Konzept soll ein positiv getesteter Spieler isoliert werden. Gesundheitsämter können aber weitergehende Massnahmen verfügen, wie gerade geschehen in Dresden. Ja, und wenn es ein paar mal passiert, dass ganze Mannschaften zwei Wochen pausieren müssen, dann wird der sehr ambitionierte Spielplan dann irgendwann sehr eng.

Die Spiele sollen als Geisterspiele, also ohne Zuschauer, stattfinden. Und verkommen damit halt stimmungsmässig zu Testspielen. Ein Beispiel: der FC Basel hat am 12. März im Rahmen der Europa League auswärts in Frankfurt (bereits ohne Publikum) gleich mit 3-0 gewonnen. Ohne alle Archive zu durchforsten, würde ich dies als einen der grössten Siege einer Schweizer Mannschaft auf Deutschem Boden bezeichnen. Stimmung: wie bei einem Testspiel. Bei mit ausgelöste Emotionen: wie bei einem Testspiel. Erinnerungswert: wie bei einem Testspiel. Was die Geisterspiele nicht verhindern können: dass sich Fans versammeln, sei es vor dem Stadion, in Bars und Kneipen oder zu Hause. Und dann bei einem Tor auch zusammen jubeln. Und gemeinsam Bier zu trinken geht mit Maske genau so wenig wie gemeinsam über ein Tor zu jubeln mit Abstand.

Spannend auch die Regeln für die Spieler: Einlauf ins Stadion zeitversetzt, kein Abklatschen und schon gar keine Unarmungen. Auch nicht beim Torjubel: dort ist ‚Abklatschen‘ mit Ellbogen oder Füssen erlaubt. Hört sich ja alles vernünftig an. Aber wie sollen Zweikämpfe genau funktionieren? Oder wie soll ein Verteidiger mit dem gegnerischen Stürmer bei einem Eckball verfahren? Oder wie soll Abstand gehalten werden, wenn bei einem Freistoss eine Mauer gebildet werden soll? Also sind die Einlauf- und Torjubel-Regeln aus meiner Sicht eine Maskerade, welche nichts daran ändern, dass Fussball ein Kontaktsport ist und bleibt und damit ganz grundsätzlich mal mässig Corona-tauglich.

Was aber die ganze Diskussion rund um den Restart der Bundesliga nicht berücksichtigt: warum eigentlich gerade Fussball und warum eigentlich nur die Männer? Rein in Bezug auf die Ansammlung von Fangruppen (egal wie und wo) gibt es wohl nichts weniger geeignetes als Männerfussball in Zeiten von Corona. Aber vermutlich hat die finanzielle Stärke, gutes Lobbying, die Sehnsucht nach ein wenig Normalität und die Lust der Fans auf Fussball über die rein wissenschaftliche Pandemie-Eindämmung gesiegt. Was ich nicht einmal falsch finde, irgendwie werden wir wohl noch eine Weile mit diesem Virus leben müssen und daher müssen wir uns wohl langsam und behutsam in Richtung neue Normalität vortasten.

Wie es in der Schweiz weitergeht, ist übrigens noch nicht entschieden. Hier sind die Fernsehgelder offenbar so tief, dass sich die Clubs nicht einmal einig sind, ob sich Geisterspiele wirtschaftlich überhaupt lohnen.

Next Stop: Sportschau. Cheers, mates

Unmöglich, dass ich einmal Ueli Maurers Meinung (fast) uneingeschränkt teile – aber Corona macht alles möglich

Ja, unser Finanzminister ist wohl eines der beliebtesten Parodie-Opfer der letzten 20 Jahre. Seine clowneske Frisur (welche mit der Kürze ein wenig an diesbezüglicher Würze verloren hat) machte ihn mit oder ohne rote Nase sofort erkennbar.

Quelle: svp.ch

Viktor Giaccobo (den meine Mutter in seinen Anfängen konsequent Giacomo nannte) liess Ueli jeweils nach Uebervater Christoph rufen (weil er grad fragen musste, ob er a) für den EU-Beitritt stimmen soll, b) einem Bundesrat die Hand schütteln soll oder c) rasch zur Toilette dürfe). In einer angeblichen Kindersendung wurde er zum lustigen Mittanzen beim „Ringel-Ringel-Reihe“ animiert genötigt und liess dies gnädig über sich ergehen (der link dazu hier). Ganz generell liess er alles in fast schon stoischer Ruhe über sich ergehen, also zumindest eine dicke Haut hatte er wohl immer.

Quelle: srf.ch

Nur einmal schaffte es Roger Schawinski, ihn aus der Fassung zu bringen, so sehr, dass er kurzerhand das kleine Studio von Tele 24 verliess (wobei ich diese Aktion immer im Verdacht hatte, dass sie abgesprochen war, da das Skandälchen beiden Protagonisten nützte (und irgendwie einstudiert wirkte)). Dass dieser Mann mal Bundesrat werden würde, war etwa so ausgeschlossen wie a) dass die SVP je für eine konstruktive Zusammenarbeit mit Europa wäre, b) ein Dunkelhäutiger US-Präsident würde oder c) Uebervater Christoph selber Bundesrat werden könnte. Nun, die Geschichte lehrt uns ja manchmal, dass unmögliche Dinge möglich sind, in Bezug auf die Zusammenarbeitsfähigkeit der SVP besteht ja allenfalls auch noch Hoffnung.

Nun, Ueli wurde Bundesrat. Sein Start im VBS ziemlich holprig, seine Aussage zur „besten Armee der Welt“ wurde mehr zum Kalauer als zum Ziel, den Kampfjet (-Prototypen) aus Schweden versenkte er in einer Volksabstimmung kollosal (sorry, Ueli, ich habe zu Deiner Niederlage beigetragen). Bei einer Interviewanfrage hatte er auch mal schlicht ‚kä Luscht’. Wie er genau den Finanzolymp erklimmen konnte, ist mir eigentlich eher unerklärlich. Aber aus meiner Sicht hat der Mann seither klar an Format gewonnen. Die Finanzen hat er gut im Griff, die Ueberschüsse waren immer höher als prognostiziert (was keine besondere Qualität ist, aber politisch grundsätzlich nicht ungeschickt, wenn man seinen Finanzhaushalt im Griff haben will).

Nun, bei Corona war er nicht grad der grosse „Bringer“. Angeblich soll er gegen einen Lockdown gewesen sein und sein Interview in der NZZ (die ja auch total gegen zu viel staatliche Hilfe ist, dann aber trotzdem die hohle Hand machte – was sie den Ertrag meines Abos der NZZ am Sonntag kostete) ritzte das Kollegialitätsprinzip aufs äusserste Maximum, was ich besonderns in einer Krisensituation (höflich ausgedrückt) schwierig finde. Bei seiner Finanzhilfe neigte er zur Uebertreibung (angeblich waren an besagten Sonntagmorgen nicht dreihundert sondern nur hundert Bankchefs am Telefon, aber ist ja immer noch recht viel), bei der angekündigten Durchlaufzeit für einen Covid19-Kredit war er dann mit der genannten halben Stunde doch arg optimistisch oder forsch.

Aber mit seiner kurzen Speech (link hier) vor dem Nationalrat (mehr: sein Appell an die Damen und Herren Parlamentarier) vom Mittwochabend riss er es irgendwie heraus. Und ja, eben, obwohl ich es nicht für möglich gehalten hätte, muss ich ihm für einmal einfach komplett und umfassend (naja, ok, dass die Schweiz den besten Wein hat war wieder so eine kleine Uebertreibung, aber die will ich ihm mal nachsehen) recht geben: Lasst uns die Beerdigung(sstimmung) beenden, lasst uns das Leben und den Sommer und unser schönes Land und von mir aus auch den Wein geniessen. Und lasst uns Geld ausgeben: die Rezession wird nicht weniger schlimm sondern schlimmer, wenn jetzt alle möglichst viel Geld zur Seite legen. Lasst uns dabei aber Abstand und Hygiene halten und lasst uns vor allem die Risikogruppen weiter möglichst gut schützen.

Wobei hier der Appell wohl ein wenig zu spät gekommen ist. Angeblich feierten ja rund fünfzig solche Parlamentarier am Dienstagabend zusammen eine lustige, bierseelige und gesellige Corona-Party im Bea-Restaurant, nachdem sie schon während des Tages intensive Diskussionen in dicht beieinanderstehenden, mittelgrossen Gruppen hatten führen müssen. Was Roger Köppel (vielleicht war er sauer, weil er nicht eingeladen war) und Christoph Mörgeli (er wohl sauer, dass er quasi von den Wählenden des Kanton Zürich ausgeladen wurde) und mich mit ihnen recht sauer machte. Also fast schon unglaublich: Ich stimme in Zeiten von Corona sogar mal (und wirklich nur in dieser Sache) mit Köppel und Mörgeli überein. Zumindest interessant, dass auf meinen entsprechenden Tweet zu dieser angeblichen Party bisher mit Thierry Burkart und Lilian Studer (bei ihr war ich recht sicher, dass sie nicht dabei gewesen war) erst zwei eine Teilnahme an dieser dementierten. Was mich zum Umkehrschluss führt, dass – aber ich will ja nicht so böse sein und verzichte darum auf Unterstellungen.

So, dies eine weitere kleine Corona-Geschichte. Geniesst den Sommer und das Leben – bleibt trotzdem auf Distanz – wascht bitte weiter brav die Hände – und vor allem: bleibt gesund.

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