Das Bier, das keiner buchen wollte – aber eigentlich geht‘s um die Customer Experience

Ach, Pertisau. Wer meinen Blog (hier der Beitrag zu Pertisau aus dem Jahr 2022) kennt, weiß: Ich liebe diesen Ort. Dieser Flecken am Achensee ist für mich mehr als nur Urlaub – es ist der Ort, an dem ich komplett abschalte. Besonders das Hotel Rieser hat es mir angetan. Hier stimmt einfach alles: Die Aussicht auf den See, das freundliche Personal, das Frühstück, das schon fast eine Einladung zum Mittagsschlaf ist – und vor allem: mein ganz persönliches Wellnessparadies.

Dazu mal ein Bild:

Achensee 07.00

Jetzt muss man wissen: Wenn ich von Wellness spreche, meine ich nicht das klassische Programm mit Saunagängen, Aufgüssen und eiskalten Tauchbecken. Nein, mein Rezept lautet: Bequeme Liege. Gutes Buch. Dösen. Und vielleicht – wenn’s wild wird – ein kleiner Ausflug in den Whirlpool. Unterbrochen nur von Mittagsjause oder Kuchenbuffet. Das ist meine Form von Entspannung. Keine Hektik, kein Zeitdruck. Einfach nur ich, mein Buch, mein halbwacher Blick auf die Berge und das Gefühl, dass nichts dringend ist – außer vielleicht der nächste Seitenwechsel.

Gestern war so ein Tag. Es regnete aus Kübeln, also: ab auf meine Lieblingsliege im Wellnessbereich. Stundenlanges Dahindämmern, gelegentliches Blättern – und ein Espresso zur Krönung. Als dann überraschend die Sonne hervorlugte, nutzte ich die Gelegenheit für einen ausgedehnten Spaziergang ins Karwendeltal. Ein Klassiker, der nie langweilig wird. Frische Luft, rauschende Bäche, und dieses beruhigende Gefühl von Natur ganz nah.

Auf dem Rückweg meldete sich dann ein sehr menschliches Bedürfnis: Durst. Und zwar kein x-beliebiger Durst, sondern ganz konkret: Bierdurst! Noch konreter: Achenseebier-Durst. Nun, das Hotel Rieser hat viele Stärken – aber leider kein Achenseebier auf der Karte. Also zog es mich spontan in ein anderes Hotel, das diese lokale Spezialität im Ausschank hat.

Zwei Biere später (sehr lecker!) war die Welt noch ein kleines Stückchen besser. Bis zur Bezahlung.

10 Euro. Fair. Sehr fair! Aus Schweizer Optik fast ein Schnäppchen. Ich zückte meine Kreditkarte – wie man das eben tut im Jahr 2025. Der Kellner holte die Wirtin. Mir ahnte Böses. Die Wirtin blickte mich dann an, als hätte ich eine Zahlung mit Bitcoin verlangt oder einen Ziegenbock zum Tausch angeboten. Sie war not amused. Gar nicht. Ihr Blick hätte töten können.

„Kreditkarte? Für externe Gäste erst ab 50 Euro.“

Ich: „Wie bitte?“

Sie: „Die Gebühren. Das zahlt sich sonst nicht aus.“

Ich begann zu ahnen, warum ich der einzige Gast war.

Natürlich habe ich später nachrecherchiert: Bei 10 Euro liegen die Kreditkartengebühren je nach Modell bei maximal 80 Cent. Von angeblichen 2 Euro, wie behauptet, keine Spur. Und rechtlich? Auch in Österreich gilt: Wenn man Kreditkarten akzeptiert, dann bitte ohne Mindestbetrag. Nennt sich Vertragstreue. Gilt sogar auf 1.000 Meter Seehöhe.

Ich bot höflich an (der möglicherweise tödliche Blick hatte mich verängstigt) kurz in mein Hotel zu gehen und Bargeld zu holen. Fünf Minuten Fußweg, wenn man noch einen Keks vom Frühstück dabei isst. Die Antwort: „Na passt schon diesmal.“ In einem Ton, der sagte: „Aber wirklich nur diesmal.“ und eigentlich verstand ich: „Komm dafür bloss nie wieder.“

Mein Fazit? Es geht nicht um 10 Euro oder 80 Cent. Es geht nicht mal ums Bier. Es geht um das Gefühl, willkommen zu sein. Wenn man schon keine Karte will – dann bitte vorher sagen. Freundlich. Mit einem kleinen Schild (aber allzu offen vertragsbrüchig möchte man ja dann doch nicht sein, oder?). Oder besser noch: mit einem Lächeln, das den Gast nicht vertreibt, sondern einlädt, wiederzukommen. Man könnte ja auch sagen: „Für einen Stammgast mache ich gerne eine Ausnahme“ und damit faktisch eine Reservation für den Folgetag entgegennehmen. Dann mit Bargeld. Dafür mit Vorfreude. Und einem guten Gefühl.

Ich trinke mein nächstes Bier lieber wieder dort, wo der Umgang mit Gästen stimmt – auch wenn’s dort kein Achenseebier gibt. Denn im Rieser schmeckt mir der Aufenthalt trotzdem am besten. Vielleicht liegt’s an der Liege. Vielleicht am Lesen. Oder vielleicht auch daran, dass das Bier da auch ganz ok ist.

digitaler Unterricht – durch einen „digital idiot“ – ja, genau ich meine mich

Nun, ich bin ja nicht gerade bekannt als der digitale Ober-Nerd. Die Installation des ersten (damals noch analogen) Internet-Anschlusses kostete mich einiges an Schweiss (allenfalls waren es sogar Tränen). Der Wechsel zur damaligen Cablecom (welche dann später zur absoluten Hass-Firma der Schweiz wurde und sich darum (weiss nicht, ob es darum war, aber es hört sich irgendwie logisch an) später in UPC umbenennen musste) war so komplex, dass ich den Mann vom schicken Möbelhändler aufbieten musste zwecks Hilfestellung. Er schaltete meinen Laptop einmal aus und wieder ein und schon waren wir „drin“. Ja, irgendwie hat wohl alles im Leben mit dieser viel zitierten Aura zu tun.

Das erste elektronische Gerät, welches ich wirklich gerne mochte, war mein Iphone 4. Und so habe ich mich zwischenzeitlich bis zur 10 (sorry X) hochgearbeitet, ein wenig frustiert davon, dass meine Mutter sich nun mal locker das Nachfolgemodell angeschafft hat. Nun kann ich also ein superintuitives Produkt wie ein IPhone (IPad kann ich übrigens auch) bedienen, bleibe aber tendenziell immer noch überfordert davon, das Telefon bei meinem Lieblingsarbeitgeber auf meine Lieblingsstellvertreterin umzuleiten.

Insofern war der totale Shutdown und damit die Instruktion meines zweiten Lieblingsarbeitgebers zum virtuellen Unterrichten ein ziemlicher Schock. Hätte ich gewusst, wie einfach das geht, hätte ich mir die schlaflosen Nächte (ja, ok, grad ganz so schlimm wars nicht, aber ein wenig übertrieben habe ich ja schon immer) mit gutem Gewissen sparen können. Da zu Beginn noch keine Lösung seitens der Schule bereit stand, hielt ich meine ersten Schulstunden via zoom ab (ja genau, das zoom, bei dem ja zwischenzeitlich offenbar jede amerikanische Regierungsbehörde mitgehört hat – macht aber nichts, solange der #AmericanIdiot dort an der Macht ist, habe ich eh nicht vor einzureisen). Nach zehn Minuten hatte ich es mehr oder weniger begriffen und bereits eine tollen virtuellen Hintergrund installiert.

Und nach weiteren zehn Minuten war mein erster Testlauf mit dem immer nach Gastauftritten lechzenden Marco absolviert.

Marco: tief beeindruckt!

Auch die erste Schulstunde funktionierte sehr gut und dies obwohl ich mit der technischen Minimalvariante ab IPhone antrat. Terminaufsetzung sehr einfach, Ton- und Bildqualität gut, sharen (sharing is caring) von Inhalten selbsterklärend. Später setzte die HKV Aarau eine Lösung mit Microsoft Teams auf. Und obwohl der böse Bill Gates gewisse Funktionalitäten Benützern von Geräten seines Erzfeindes Steve Jobs (may he rest in peace) verwehrt, ist auch Teams einfach und gut anzuwenden. Zusätzlich bietet es die Möglichkeit, Dateien abzulegen, also quasi ein integriertes Share Point oder eine Drop Box. Was ich bei Teams vermisse (und was zoom bietet), ist die Möglichkeit, sich mittels „Hand hochhalten“ zu melden oder mittels Applaus einen Beitrag zu wertschätzen.

Nun, ich musste mich ein wenig an den virtuellen Unterricht an sich gewöhnen. Wenn man als Dozent etwas vorstellt, muss man erst einmal damit umgehen können, dass man nur sich selber reden hört (ja, normalerweise höre ich mich ja schon am liebsten selber reden, aber nicht grad stundenlang) ohne jegliche Möglichkeit des Feedbacks. Könnte man etwas reduzieren, wenn man die Studenten zwingen würde, ihre Kameras einzuschalten. Aber die Studenten sind ja Kunden, daher ist ihre Privatsphäre zu respektieren. Das klassische Lehrgespräch ist auch ein wenig anders: Normalerweise stellt man ja einfach eine Frage in den Raum und schaut dann, wer es kaum erwarten kann, seine Meinung zu äussern – oder wer grad intensiv mit seinem Smart Phone beschäftigt ist und daher einen wake up call benötigen könnte. Im virtuellen Unterricht muss man konkret jemanden aufrufen – hat aber auch den Vorteil, dass ja alle (immer und jederzeit und ohne jegliche Vorankündigung) aufgerufen werden können und daher aufmerksam bleiben müssen. Und damit ich mich möglichst nicht dem Verdacht aussetze, immer die gleichen (oder die einen gar nie) aufzurufen, lasse ich jeweils den sprechenden Studenten gleich den nächsten aufrufen.

Auch Gruppenarbeiten funktionieren wunderbar. Und obwohl Teams mir als Konkurrenz-Nutzer die Funktion von Sub-Teams nicht bietet (vielleicht habe ich sie auch einfach noch nicht gefunden), löse ich das mit whatsapp. Sprich ich formiere Gruppen und diese connecten sich ausserhalb des Calls über die whatsapp-conference-Funktion. Technisch einwandfrei. Allerdings entfällt nach Start der Gruppenarbeit die Interaktion, sprich es können keine Fragen mehr gestellt werden. So musste ich gestern feststellen, dass meine äusserst liebevolle Instruktion für die praktische Anwendung meiner liebsten Kreativitätstechnik 6-3-5 (über die habe ich übrigens damals im SVEB I bei der Lernwerkstatt Olten meine Minilektion gehalten – und bestanden – bin immer noch schaurig und schampar stolz drauf) wohl nicht liebevoll genug gewesen war und von drei Gruppen genau 0 (in Worten: null) den Ablauf verstanden hatten. So konnte ich der Klasse halt nur die Erkenntnis anbieten, dass eine gute Instruktion Grundbedingung für jeden Auftrag ist (ok, hätten sie wohl auch ohne dieses Erlebnis verstanden, aber sie waren so höflich, richtige Begeisterung für diese Erkenntnis zu zeigen (ich glaube, dass sie nahe an einem virtuellen Ueberkopfklatscher waren)).

Wunderbar am virutellen Unterricht ist, dass Unterrichtsende + 10 Sekunden = Bieröffnung. Die gesparte Zeit kann ich einsetzen, um meinen Studenten die Möglichkeit zu geben, mir Aufgaben via mail oder als Foto via whatsapp zu schicken und direkt ein Feedback zu erhalten. So können wir die nicht vorhandene Möglichkeit von „Du, häsch gschnäll e Minute?“ mehr oder weniger kompensieren. Und etwas, was ich auch nach Corona beibehalten werde: eine whatsapp-Chatgruppe mit jeder Klasse. Sehr einfache und praktische Möglichkeit, um Unklarheiten zu klären, an Hausaufgaben zu erinnern oder um mal etwas Vergessenes zu erinnern.

Fazit: Wenn ich das kann, kann es nicht so schwierig sein. Grad Kurse in virtuellem Unterricht werde ich wohl nicht anbieten, aber ich schlage mich (persönliche Einschätzung hart an der Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz) so weit so erfolgreich durch.

Hoffentlich next stop ab 08.06.: real class room. Cheers, mates.

Damals 2020 – als sich Ambrì im letzten Spiel der Ligaquali heroisch gerettet hätte

Nun, wir alle wissen ja, dass die Eishockey-Saison 2019 / 2020 wegen Corona nicht zu Ende gespielt werden konnte. Dass es also keinen Meister, keinen Absteiger und damit auch keinen Aufsteiger aus der Swiss League gab. Dass sich die Kolummnen von Eismeister Zaugg auf Watson irgendwie noch inhaltsleerer und damit länger als sonst anfühlten und dass man im Blick tatsächlich einmal zuerst Politik und Wirtschaft las – mangels spannender Sportnews (vom selbsternannten pensionierten Radiopionier Roger Schawinski immer noch „Nuus“ ausgesprochen).

Nun, leider wissen wir ja, dass es so war. Aber angenommen, wir wüssten es nicht. Dann könnten wir uns vorstellen, wie abartig spannend diese Saison ausgegangen wäre. Hätte ausgehen können.

Ambrì hatte ja eigentlich schon eine sehr ansprechende und aufregende Saison hinter sich. Der Herbst war geprägt von legendären Nächten in der Champions Hockey League, welche ich nur aus der Ferne mitbekam, weil ich ja ein wenig durch Australien reiste. Nicht mitbekommen? Der Bericht dazu hier. Zwischen Weihnachten und Neujahr spielte sich der Verein mit beherzten Auftritten am Spengler-Cup in die Herzen der ganzen Hockeyschweiz (ach was, der gesamten Hockeywelt). Über diesen Höhepunkt berichtete ich hier. Und es ist wohl nicht total vermessen zu behaupten, dass die Playoffs zumindest nicht unrealistisch gewesen wären ohne diese zwei doch sehr viele Ressourcen fressenden Saisonhöhepunkte. Nun, immerhin reichte es dank einem kleinem Schlussspurt und einem grossen und grossartigen Sieg gegen die bösen Bianconeri aus Lugano zum Abschluss der Qualifikation noch zu Rang 10 und damit zum Heimrecht in der ersten Playoutrunde. Ja ich weiss, diese Playout-Halbfinals gibt es seit Jahren nicht mehr, aber damals, als es sie noch gab, war alles noch viel lustiger (weil früher eh alles besser war) und darum gibt es sie in der imaginären Ausgabe 2020 wieder. Nur einmal, nur der Geschichte wegen.

Der legendäre Sieg am Spengler-Cup in Davos

Ich bin sicher: Ambrì hätte die ersten zwei Spiele gewonnen, ja regelrecht an die Wand gespielt hätten sie den zweiten Dorfklub in der National League aus Langnau. Nach diesen zwei grandiosen Siegen hätte sich ein wenig der Schlendrian eingestellt, wären die Spiele drei und vier knapp (eines nach Verlängerung und auch nur weil der Schiedsrichter total unnötigerweise eine völlig übertriebene Strafe für gar nicht vorhandene übertriebene Härte (wir sind ja nicht beim Kindervolleyball) zu einem mental ungünstigen Zeitpunkt gepfiffen hätte. Nun, die Spiele fünf und sechs wären dann eher langweilig gewesen, zu sehr surfte Langnau auf einer perfekten Welle und zu tief unten im Tal waren die Leventiner.

Finanziell ja gar nicht so unattraktiv: Da die Lakers aus Rapperswil den überheblichen Meister in einem zähen, nervenaufreibenden Kampf (und Krampf) niedergerungen hatten, ging es im Playout-Final tatsächlich gegen die Millionarios aus der Bundeshauptstadt. Hier umgekehrte Vorzeichen: Spiel eins und zwei gewannen die Berner überlegen, einmal fünf zu eins und einmal gleich mit neun zu zwei. Innerlich bereiteten sich die Fans aus dem Tessin bereits auf die Spiele gegen Kloten und damit gegen den Abstieg vor. Doch Ambrì zeigte das gewohnte und erwartete ja viel beschworene Kämpferherz und siegte in Spiel drei nach heroischem Kampf in der 19. Minute der Verlängerung, dies sensationellerweise mit einem wunderschönen Konter in Unterzahl. Spiel vier dann fast schon unaufgeregt: Ein diskussionsloser Sieg nach 60 Minuten. Leider verwendeten die angezählten Berner die letzten Spielminuten primär darauf, den ersten Block von Ambrì zu provozieren rsp. mit unzähligen Unsportlichkeiten verletzungsbedingt zu dezimieren. So sollte der gesamte erste Sturm von Ambrì wegen Sperren oder Verletzungen den Rest der Serie verpassen. Bern im Gegenzug mobilisierte die unerschöpflichen finanziellen Ressourcen und engagierte gleich einen gesamten Block an Verstärkungsspielern, auch das Gentleman’s Agreement in Bezug auf die maximale Anzahl Ausländer wurde gebrochen. Marc Lüthy liess sich im Blick zitieren, er würde sich nicht an solche Vereinbarungen halten, wenn sich Ambrì nicht an die alte Regel hielte, am Schluss zu verlieren. Die verstärkte Juniorenauswahl aus dem Tessin kämpfte heroisch, konnte die Niederlagen gegen die übermächtigen Berner aber nicht abwenden. So sicherte sich Bern den Ligaerhalt, allerdings unter wüsten Schmährufen der enttäuschten Fans aus dem Tessin. Knipser Knuser wollte ein Bier aufs Eis werfen, traf sich aber selber, der Mann vom schicken Möbelladen kam mit seinem Gerstensaft ein wenig weiter und schoss den vor ihm stehenden Vater von Knipser Knuser ab.

Kloten war im Verlaufe der Swiss League Playoffs immer besser in Form gekommen und hatte das Finale locker mit vier Siegen zu null Niederlagen gewonnen. Der B-Meister ging somit erholt und als Favorit in die Serie gegen Ambrì. Beide Mannschaften gewannen ihre jeweiligen Heimspiele, mal ein wenig knapper, mal ein wenig klarer. So stand es nach sechs Spielen unentschieden und es stand die erwartete und befürchtete Belle in der Valascia an. Und von diesem Spiel sollten die Anwesenden noch lange erzählen, ihren Kindern, Enkeln, Schwiegermüttern und auch sonst allen, die es eigentlich gar nicht interessierte. Kloten führte nach vier Minuten mit drei zu null, alle drei Tore waren äusserst knapp und jedes mal studierten die Schiedsrichter das Video mindestens (gefühlte) sieben Minuten. Jedes Mal entschieden die Schiedsrichter auf Tor, wütende Proteste konnten sie nicht davon abhalten. Darauf beruhigte sich das Geschehen ein wenig bis zur neunzehnten Minute, als gleich zwei Leventiner gleichzeitig auf die Strafbank geschickt wurden. Kloten suchte mit aller Vehemenz die frühzeitige Entscheidung (Chris McSorley hätte vermutlich den Torhüter rausgenommen aber so weit gingen die Flughafenstädter dann doch nicht), stand dabei sehr offensiv und lief gleich zweimal fast schon fahrlässig in Konter, welche zu einem doppelten Shorthander in doppelter Unterzahl führten. Zwei zu drei nach dem ersten Drittel. In Drittel zwei spielte Ambrì gross auf und kam zu drei Toren, wobei einmal Torhüter Conz den Assist gab und die erstmalige Führung gleich selber mit einem verunglückten Befreiungsschlag erzielte. Somit fünf zu drei vor dem Schlussdrittel. In diesem erhöhte Ambrì auf sieben zu drei, worauf Kloten den Torhüter zwölf Minuten vor Schluss durch einen weiteren Feldspieler ersetzte und so drei Minuten vor Schluss ausgleichen konnte. Den Torhüter liessen sie gleich draussen (es lief ja so gut oder sie hatten den Ausgleich in der Euphorie nicht realisiert), worauf Luca Cereda (er hatte sich wegen der vielen Verletzungen selbst aufgestellt) wenige Sekunden vor Schluss mit einem Konter auf das leere Tor zusteuerte. Er wurde unmittelbar vor Schussabgabe von hinten niedergemäht (nicht mal Tobiässli (der das Stadion einmal hoch oben in Altanca vergeblich gesucht hatte) von Claudia hätte eine bessere Blutgrätsche hingekriegt), worauf der Puck am Tor vorbeikullerte. Wieder lange Diskussionen, welche dann kurz vor Mitternacht aber im Entscheid „technisches Tor“ mündeten und womit sich Ambrì zwei Sekunden vor Schluss rettete. Und auch wenn es zum Spiel gepasst hätte, konnte Kloten diesen Rückstand nicht mehr aufholen. Ambrì war einmal mehr nicht abgestiegen, noch legendärer als 2009 in Biel und viel legendärer als gegen Visp 2012 und vor allem viel legendärer als 2013 in Langenthal. Stundenlang lagen sich Spieler und Fans in den Armen, dankten dem Hockeygott, feierten den Präsidenten, Trainer, Materialwart und Stadionbeizer. Genau erinnern kann sich niemand mehr, kurz nach Mitternacht war das Bier alle und ab dann wurde wahlweise Wein oder Nussschnaps in Bierbechern ausgeschenkt.

Ja, es war nicht so, aber es hätte so sein können und es wäre grandios gewesen. Und wir hätten noch lange darüber geredet. Und uns noch viel länger daran erinnert.

Und ja, irgendwann über Ostern war mir ein wenig langweilig.

Ich freue mich auf die nächste Saison.

Über Reiseblogs und Bier und lustige Geschichten

So ein Reiseblog handelt ja vom Reisen (mal ein wenig Logik zum Einstieg), mehr oder weniger ausgeschmückt mit lustigen oder halt auch nicht so lustigen, allenfalls sogar traurigen oder interessanten (ja, ich gebs zu: eher selten) Geschichten. Nachdem meine wunderbare Reise durch Australien (falls jemand nicht gemerkt hat, dass ich weg war, der Reisebericht in Kurzform findet sich hier) ja mit der Landung in Zürich (für Deutsche Leser) rsp. Kloten (für besserwissende Schweizer) ein jähes Ende gefunden hatte, frage ich mich schon ein wenig (also sogar recht fest (Schwiizerhochdütsch)), wie es mit meinen (aus meiner Sicht) lustigen Geschichten weiter gehen soll. Eine Möglichkeit wäre ein Unterbruch bis zur nächsten Reise, aber so gefühlte zehn Jahre wären doch ein wenig zu viel des Wartens. Also einfach lustige Geschichten erzählen? Wäre möglich, aber irgendwie würde wohl doch der Aufhänger oder rote Faden fehlen. Da war dann guter Rat teuer – aber die (mal ganz unbescheiden so bezeichnete) geniale Idee nicht weit.

Ich werde zum Tester von Produkten und Dienstleistungen. Was mir gerade in den Sinn kommt, was mir gerade über den Weg läuft und vor allem was sich gerade eignet, um Geschichten zu erzählen.

Wir beginnen mit dem Anker Bier. Ja, richtig gelesen, Anker aus dem Coop, der grosse Bruder des 1291 aus dem Denner. Eigentlich bin ich ja Migros-Kind aber alkoholfreies Bier ist immer noch nicht so gut wie in der Werbung beschrieben.

Warum gerade Anker Bier? Nun, ich habe ein bisschen Expertise zum Thema Bier (stark ausgebaut in Australien, zum Beispiel in Exmouth), es ist mir am ersten Tag zurück im Büro ins Auge gesprungen und Bier eignet sich hervorragend für Abschweifer.

Warum ist mir das Anker am ersten Tag im Büro ins Auge gesprungen? Nun, kurz vor meiner Abreise nach Australien lud ich meine Mitarbeitenden (zusammen mit Nicolas, der anschliessend grosse Karriere im Private Banking machte) zu einem kleinen Abschiedsumtrunk ein. Und da die meisten Feldschlösschen mögen (und ein Anker ist faktisch ein Feldschlösschen, auch wenn sie das nicht zugeben würden. Aber es wird bei Feldschlösschen in Rheinfelden gebraut und wenn ausreichend kalt könnten ab Dose wohl nur die Allerwenigsten das Orignial mit Sicherheit erkennen) und wir eher in die Menge als in die Marke investieren wollten, wurde Anker aufgetischt (professionell gekühlt in einem mit Eis gefüllten Sandkasten, so das Modell hellblau, muschelförmig, mit Deckel, einfach ohne Sand drin). Nun, gewisse Mitarbeitende empfanden das Aufstellen eines Markenimitats als zu wenig Wertschätzung und boykottierten deshalb das Bier. Irgendwie wurde trotz grosser Hitze weniger als erwartet getrunken und so haben wir immer noch Restbestände.

Anker kann man zum Normalpreis von CHF 1.20 (alle genannten Preise beziehen sich auf einen halben Liter in der Aludose) in jedem Coop kaufen. Faktisch sind die CHF 1.20 ein Mondpreis, denn man kauft es nur, wenn es (wie alle paar Wochen) zum halben Preis angeboten wird. Verlangt Coop den vollen Preis, weicht man aus auf das Tell (welches von Heineken in Chur gebraut wird und damit ein verkapptes Calanda ist. Halt einfach ohne Bündner Feriengefühle dazu), welches CHF 0.75 kostet. Und legt man überhaupt keinen Wert auf Status und Prestige, begnügt man sich mit der Billigabfüllung Prix Garantie auch aus Chur, somit wieder ein Bergbier ohne Berggefühl und eigentlich ist Prix Garantie recht kultig, denn die Kultmarke M-Budget von der Konkurrenz produziert ja kein Bier und so konnte Coop hier in die Bresche springen. Schade ist, dass Coop das Design von Prix Garantie (rein grammantikalisch wäre oder ist es übrigens le prix und darum frage ich mich, was dieses e hinter garanti soll) ein wenig aufgefrischt hat (fast schon edel), die alte Version war bedeutend kult-freundlicher.

All diese Biere sind keine geschmacklichen Offenbarungen wie die in Australien gekosteten Kunstwerke von Little Creatures oder Stone Wood, aber sie löschen den Durst (so zum Beispiel im Sommer nach dem Rasenmähen, ok, es ist jetzt nicht Sommer und den Rasen muss man auch nicht mehr mähen aber trotzdem) hervorragend und (sofern dies das Bedürfnis sein sollte) sie machen gleich schnell betrunken wie andere Lagerbiere.

Prix Garantie hält dazu noch Extra-Spass bereit (welcher bei Anker nur teilweise funktioniert), aber nur wenn man nach Plan vorgeht. Mein Plan war es, zusammen mit Thomas Mezera (Knisper Knuser für Insider und der Mann von Andrea Mezera, welche ich nur erwähne, damit ich den Beitrag auf Facebook taggen kann) ein Eishockeyspiel in Langnau zu besuchen. Vereinbart war die Anreise mit dem Zuge (wenn es Prix Garantie heisst, darf ich auch ein e an den Zug dranhängen), ich ab Turgi, er ab Aarau. Ausgemacht war weiter, dass ich Biere (die Mehrzahl von Bier, vor allem wollte ich aber nochmals ein sinnloses e anhängen) mitbringen würde (da sprechen wir uns immer ab, nicht weil wir sonst kein Bier hätten, sondern ganz sicher zu viel). Da ich von je drei solchen Aludosen pro Nase (also 1.5 pro Auge, das ist jetzt aber mal ein Lacher) plus einer für mich für die Strecke Turgi-Aarau ausging (von welcher ich Tom nicht erzählte, sonst hätte er auch vier gewollt), kaufte ich sieben Dosen. Der Spass besteht darin, mit diesen sieben Dosen ein Abteil der ersten Klasse zu betreten, die Dosen auszupacken (die Mitreisenden wissen ja nicht, dass noch wer zusteigt), kurz zu murmeln „hoffe, dass das reicht bis Olten“ und dann zügig unter lautem Zischen die erste Dose zu öffnen. Blicke so unbezahlbar, dass geeignet für die Mastercard-Werbung. Wobei dies dann auch der einzig lustige Teil dieses Reise war, denn da Langnau damals gerade ein neues Stadion hatte und Ambri völlig ausserplanmässig erfolgreich war, war das Spiel leider (also ich freute mich zusammen mit dem Kassenwart des Heimteams wie verrückt, beinahe hätte ich über dem Kopf geklatscht) ausverkauft, so dass wir unverrichteter Dinge (und ohne Biervorrat) wieder nach Hause reisen mussten.

Meine Mitarbeitenden hatten ein wenig den Status und das Prestige oder von mir aus die gezeigte Wertschätzung vermisst beim Anker Bier. Nun, da ein substantieller Teil von Bier ausgeschüttet wird, spielt das wirklich keine Rolle. Drei Beispiele, alle auch wieder an Hockeyspielen und die waren nicht ausverkauft und wir darum sogar im Stadion. Tom (wieder er) wollte uns die Geschichte erzählen, wie ein Freund beim Torjubel das Bier hochwarf (vermutlich wollte der zu einem Überkopfklatscher ansetzen, Anmerkung der Redaktion) und sich so mit Bier zuschüttete. Eigentlich mässig spektakulär, nur dass Tom die Geschichte real nachspielte und zu Demonstrationszwecken tatsächlich ein Bier in die Höhe warf, was ja noch gegangen wäre, aber leider mangelte es ihm ein wenig an Souveränität beim Versuch es wieder aufzufangen und so schaffte er es, sich in der wie immer frischen Valascia zu bierduschen (gibt es das als Verb?). Anders als meine Mutter, welche zum Spiel in die sehr kalte Valascia ihren neuen todschicken und doppelt gefütterten Mantel vom nicht-Billiglabel Max Mara ausführte. Und nach dem ersten Tor der Heimmannschaft hatte sie dann dank Gollo (der vor der Kesb, der sich dem Internet verweigert, er ist zwar nicht verheiratet aber seit immer zusammen mit Karin (von Gollo, dieses von Gollo versteht nur der very inner circle, sorry not sorry)) einen nicht mehr neuen, immer noch recht schicken dafür mit Bier würdevoll getauften doppelt gefütterten Mantel des immer noch nicht billigen Labels. Wobei sie sehr gelassen reagierte (zumindest äusserlich), ganz im Gegensatz zu den Anzug tragenden Sitzplatz-Modefans in Lausanne. Das war an Toms Polterabend (für Deutsche: Junggesellenabschied, weiss nur dank der Walfamilie, dass ihr Polterabend nicht versteht), also Tom wollte ja keinen Polterabend (falls ihr es grad überlesen habt, liebe Deutsche Leser: Junggesellenabschied, hatte übrigens auch ein entsprechendes Erlebnis in Australien), deshalb bezeichneten wir diesen lustigen Abend einfach als seinen Polterabend (für die Deutschen: ihr wisst schon) und Töbi (der mir dann irgendwann noch Pulp Fiction erklärt und dessen Frau Claudia ja so grausam stolz auf ihren Tobiässli ist) war auch dabei. Bei allen Geschichten war übrigens auch Claudio Beffa (der vom schicken Möbelladen) dabei, aber das wäre auch ohne Erwähnung klar gewesen. Auf jeden Fall wollte Tom im Zug kein Bier (schon gar kein Billigbier) sondern Wein im Speisewagen kredenzen. Und zwar nicht billigen in der 1.875-Deziliter-Flasche (welcher für Töbi und mich absolut ausreichend war, fand Tom), sondern die echte Flaschenqualität, von welcher er uns dann auch bei jedem Schluck vorschwärmte. Auch noch, als er schon lange von der Toilette zurück war und Töbi und ich sein Glas schon lange mit dem billigen Fusel aufgefüllt hatten und an seiner Stelle das genau gleich gut oder schlecht schmeckendes teures Edelgesöff tranken….aber das war ja nur die Anreise, denn das Bier wurde erst am Spiel verschüttet. Weil Lausanne für Gästefans gefühlte 12 (vielleicht waren es 150) Stehplätze zur Verfügung stellte, wichen wir auf die Sitzplätze aus (also wären wir wohl eh, aber war eine gute Ausrede) und da Ambri ja immer noch die überraschend erfolgreiche Saison spielte und mehr Tore also der Gegner schoss und wir bei jedem Tor euphorischer wurden, passierte es, dass wir (ganz versehentlich und ohne jede böse Absicht, ich schwörs, im Fall) den Anzugträgern vor uns ein paar Schlucke (Schluck wäre die korrekte Mehrzahl, aber ich wollte nochmals ein sinnloses e anhängen und ok, es waren allenfalls mehrere Becher) über ihre sicher gar nicht so teueren Anzüge schütteten. Und auch der Verweis auf meine in solchen Situationen so gelassen regierende Mutter half gar nichts mehr, sondern liess die Situation eher noch mehr eskalieren. Egal, wir kamen heil raus und Töbi konnte sich auf den Heimweg noch zwei Bier kaufen. Eigentlich hätte ihm eins genügt, da er aber nicht wusste, ob es eher un oder une bière heissen würde, bestellte er zur Sicherheit grad deux. Wer mit gleicher Unsicherheit wirklich nur eins möchte, der möge ausweichen auf „trois bières et deux retour“. Von diesem Abend gibt es sogar ein Bild (vermutlich aufgenommen von einem der später biergeduschten Anzugträger). Fazit zum Bild: der Mann vom Möbelladen und Tobiässli hatten mehr Haare als heute, ich mehr Kilos, Tom dafür klar weniger graue Haare. Egal, herzliche Gratulation zum ersten bebilderten Gastauftritt.

Was das alles jetzt genau mit dem angekündigen Produkttest zu tun haben mag, weiss ich selbst nicht mehr. Ich würde zusammenfassen: Ein ganz normales (hundskommunes) Lagerbier lässt sich wunderbar in der Billigversion geniessen, selbstverständlich hat dies aber wenig mit dem Genuss eines Spezialbieres zu tun.

So, das war die erste Folge meines Produkttest-Blogs (formerly known as Travelblog, wie Prince, der irgendwann Mr. Symbol formerly known as Prince hiess). Falls jemand gerne ein Produkt getestet haben möchte: jederzeit eine Meldung an mich. Sofern es sich halbwegs sinnvoll mit Geschichten aus dem Leben verknüpfen lässt, bin ich da also sehr offen.

Somit next stop oder next product: your choice.

Cheers, mates.

Ein kleiner Rückblick

Genau heute vor drei Monaten landete ich auf dem Weg nach Australien in Singapur. Und naiv wie ich war, bildete ich mir ein, diese drei Monate Auszeit würden ewig dauern und nie zu Ende gehen. Nun, wie eigentlich absehbar, kam es anders. Morgen beginnt wieder der Ernst des Lebens mit #backtowork und somit habe ich heute die finale Gelegenheit für einen kleinen Rückblick. Und damit ich Euch nicht jedes Mal mit einem Hinweis auf den ausführlichen Bericht nerven muss, ist immer gleich Beginn des Abschnittes der Link. Dies erleichtert auch das diagonale Lesen ganz stark.

Singapur: ich hatte mich im Marina Bay Sands eingemietet, mein Fazit: irgendwie ganz massiv überzahlt (und Food bei weitem nicht auf 5-Sterne-Niveau) aber sein Geld halt doch wert wegen diesem gigantischen Pool mit der gigantischen Aussicht. Weiter berichtenswehrtes aus Singapur: eigentlich nichts.

Darwin: Mein Timing wohl perfekt, im August ist Darwin warm aber nicht heiss und eben trocken (im Vergleich zu schwül oder regnerisch). Die Stadt besteht aus Esplanade (zum Spazieren oder Joggen (nicht persönlich getestet aber andere dabei beobachtet)), Waterfront zum Baden und Essen und Mitchell Street zum Leute treffen, Live-Musik hören und Bier trinken. Für mich war die Gemächlichkeit Darwins auch wunderbar, um herunterzufahren und mich an den Akzent der Australier zu gewöhnen.

Meine Rundreise als Altenbetreuer: Kathrine Gorge, Kakadu und Litchfield sind absolute must-sees und landschaftliche Highlights. Ich würde diese einfach nicht mehr auf einer Hotelrundreise mit primär pensionierten Mitreisenden besuchen. Wäre die Gruppe jünger, könnte man mehr zu Fuss erkunden und so noch viel mehr sehen. Und der Spassfaktor wäre mit jüngeren Teilnehmern vielleicht tendenziell ganz sicher auch höher.

Broome: Dies die einzige Station, welche eine Vorausbuchung des Tagesausfluges in die Kimberleys bedingt hätte, die waren nämlich rest- und ausnahmslos ausgebucht. Aber auch so bot Broome den wohl besten Beach, mit die beste Brauerei, das spannendste Openair-Kino (ok, ich war nur genau in diesem, aber ich masse mir das jetzt mal an) und das wohl schlechteste Hotel (ganz sicher in Bezug auf Preis/Leistung) meiner Reise. Ganz generell ist Broome teuer aber (wie ich finde) den Eintritt wert.

Exmouth: der Weg ab Broome ist runde 1300 Kilometer weit, würde ich ein nächstes Mal auf drei Tage verteilen. Nicht beinflussen konnte ich den lautesten und mühsamsten Hotelnachbar in Karratha. Exmouth selber ist süss und klein, verfügt über einen eigenen Nationalpark, tolle Exkursionen auf das Meer (Chance auf eine Sunsets-Cruise mit ganz viel Gossip…), einen schönen Strand und (ganz wichtig) zwei tolle, lokale Brauereien (etwa eine pro Tausend Einwohner).

Coral Bay: alle, die schon mal da waren, lieben dieses Dörfchen bestehend aus genau einer Strasse. Tolles Reef unmittelbar vor dem Strand, schöne Ausflugsmöglichkeiten mit der guten Chance, Manta Rays und Reef Sharks zu sehen und ganz einfach ein wunderbar ruhiger Ort.

Monkey Mia: die eigentliche Haupattraktion, nämlich die tägliche Fütterung der Delfine, fand ich sehr touristisch und die Reise nicht wert. Aber: wunderschön gelegenes Resort rsp. Camping Platz, feinsandiger Strand, gutes Essen und motivierte Mitarbeitende. Und der Weg dahin bietet schon gefühlte 27 Gründe irgendwo anzuhalten, etwas anzuschauen oder einen kleinen Walk zu machen.

Auf dem Weg nach Perth habe ich es tatsächlich geschafft, den Pink Lake (welcher auch wirklich gerade sehr pink gewesen wäre) zu verpassen. Das hat mich geärgert. Pinnacles Desert dafür aus meiner Sicht der landschaftliche Höhepunkt meiner Reise. Perth selber fand ich nicht so aufregend (ausser dass sich die Möglichkeit ergab, gewisse Reiseutensilien zu kaufen). Rottnest Island ist sicher mindestens einen Tagesausflug wert, Freemantle ebenso (dort hat es eine grosse und eine kleine Brauerei).

Einfach mal nichts tun: mein Reisetempo war ja sehr entspannt, dies liess ganz viel Zeit zum Lesen, Musik hören und vor allem zum ganz ausgiebigen Nichts-Tun. Erst nach Publikation dieses Beitrags für mich entdeckt: irgendwo sitzen und Menschen beobachten.

Airlie Beach und die Whitsunday Islands: mein absoluter Lieblingsort, deshalb bin ich ganz zum Schluss meiner Reise gleich nochmal hingeflogen. Das Städtchen herzig (einmal Schwiizerhochdütsch ist auch im Rückblick zwingend), die Lagoon ‚best place to hang out’, gutes kulinarisches Angebot (keine Selbstverständlichkeit in Australien), viele Orte mit guter Live-Musik und perfekt auf Alleinreisende ausgerichtet (praktisch jedes Restaurant hat grosse Tische zum Dazusitzen). Fast schon unzählige Ausflugsmöglichkeiten auf dem Wasser, wobei ein Besuch von Whitehaven Beach wohl zwingend ist.

Fraser Island: nächster absolut zwingender Stopp bei einer Ostküstenreise, ich war zwei Tage dort, was ich als Minimum bezichnen würde. Zu meinem Glück waren auf meiner Tour zehn Frauen auf Polterwochenende (das verstehen jetzt halt die Deutschen leider nicht), so hatte ich neben landschaftlichen Schönheiten auch viel Spass. Auch der Ort, wo mich eine Deutsche Mitteisende siezte und so mein gefühltes Alter massiv erhöhte.

Noosa bietet einen tollen Strand (also sogar mehrere), einen eigenen Nationalpark ‚within walking distance’ und mediterranes Flair sowie auch eine gute Auswahl wirklich guter Restaurants. In Noosa hatte ich wohl das beste Essen meiner Reise und gleichzeitig den einzigen (kurzen) unangenehmen Moment als Alleinreisender (lustigerweise beides im gleichen Lokal).

Surfers Paradise und Byron Bay: Surfers ist nicht zwingend, es ist quasi das Mallorca der Australischen Ostküste. Sehenswert ist es trotzdem und ‚good fun for one weekend‘. Byron Bay ist dann doch schon eher ein Klassiker, wobei diese Destination schon primär aus dem wunderschönen Städtchen mit den vielen netten Cafés und Restaurants (und dem Strand mit den guten Surfmöglichkeiten) besteht, sonst ist da nicht so viel.

Ausflüge habe ich im Dutzend gemacht, Dauer von zwei Stunden bis zu sechs Tagen, den wohl absurdesten beschreibt dieser Beitrag. Tendenziell lohnt es sich, die Preise ein wenig zu vergleichen, vor allem in der Nebensaison bietet eine kurzfristige Buchung gute Chancen auf Rabatte. Und häufig ist das gebuchte Datum eher eine Indikation, bei zu wenigen Buchungen werden zwei Tage zusammengelegt, darum lohnt sich das langsame Reisen, dann verpasst man auch bei Verschiebungen nichts.

Fiji war quasi eine holiday from the holiday. Fiji ist wunderbar, sehr entspannt, bietet viele naturnahe Erlebnisse und vor allem herrlich warmes Wasser zum stundenlangen Schnorcheln. Ich würde Island Hopping empfehlen, ich hatte jeweils ein eigenes Zimmer, aber immer in Resorts, welche auch Mehrbettzimmer haben (sorgt für junge, unterhaltsame Mitreisende).

Menschen: eigentlich handelt dieser Bericht vor allem von meiner Reise nach Adelaide oder meinem Aufenthalt dort. Aber eigentlich geht es vor allem um die vielen wunderbaren Menschen, welche ich auf meiner Reise getroffen habe, hier am Beispiel der Walfamilie (welche ja regelmässige Leser schon bestens kennen).

Das Abenteuer Outback wird hier beschrieben, Abenteuer im Sinne von viel roter Erde, beindruckenden Felsformationen, grosser Hitze und vielen Fliegen. Aber auch Abenteuer im Sinne von Camping in einem Swag, gemeinsamem Kochen und viel Spass haben. Und ja irgendwie wurde ich wieder massiv älter, als mir zwei Töchter angedichtet wurden.

Von meiner Reise zurück nach Airlie Beach handelt dieser Post – eigentlich. Denn er handelt auch vom ganz grossen Zufall, dass ich in Australien insgesamt vielleicht eine Stunde TV schaute und mich dabei um ein Haar selber gesehen hätte. Und dann geht es auch noch um einen weiteren tollen Schnorchelausflug ab Airlie Beach.

Leider bereits mein letzter Ausflug, nochmals ein richtig toller, zwei Tage und zwei Nächte auf einer paradiesischen Insel. Und dann gehts noch darum, dass die Parties vor 17 Jahren irgendwie grösser waren (vielleicht nicht besser aber ganz sicher grösser).

Ums alleine reisen und was gewisse Menschen davon abhält gehts hier. Und alle, welche sich diesen Bericht antun diesem Bericht lesen, erhalten ein kostenloses Frühstück auf dem Gotthardpass (also eigentlich überall auf der Welt).

Ganz zum Schluss war ich noch zwei Tage in Sydney, als sehr typischer Tourist, welcher möglichst zügig die Hot Spots Opera House, Harbour Bridge, Watson’s Bay, Bondi Beach und Darling Harbour abgearbeitet hat. Und dann genoss ich noch mein last beer und zuletzt noch mein very last beer.

#verylastbeerwithaview

Und das wars dann auch schon. Wer genau mitgelesen hat (und Australien ein wenig kennt) wird feststellen, dass ich diverse sehenswerte Orte nicht gesehen habe. Ich habe mich bewusst für eine sehr gemächliche Gangart entschieden, so war ich nicht überall. Dort wo ich war, hatte ich aber wunderbar viel Zeit und auch die Flexibilität, etwas länger zu bleiben. Und da meine Bucket List somit auch noch nicht komplett abgearbeitet ist, kann ich ja mit gutem Gewissen meine nächste Australien-Reise planen.

So, next Stopp, Neue Aargauer Bank in Brugg.

Cheers, mates

Wie ich nach Broome fand, Broome nicht fand und Broome am Ende richtig toll fand.

Ab Darwin flog ich mit Air North nach Broome. Kleines, süsses Flugzeug(chen) mit 19 Reihen mit jeweils 4 Plätzen, also total 76 Plätze, zu rund 60 % gefüllt. Zwischenstopp in Kununarra. Wir waren total rund 2 Stunden in der Luft, erhielten aber aufgrund des Zwischenstopps zweimal Getränke und Snacks (und jeweils ein kostenloses Lächeln dazu). Da können sich Swiss und Co. eine Scheibe abschneiden.

In Broome mein Auto (einen Toyota RAV 4, ich hatte ja gedacht, einmal im Leben ein Auto nicht aus dem Hause Toyota fahren zu dürfen, sollte nicht so sein) in Empfang genommen. Dann auf direktem Weg mit nur zwei Umwegen ins Hotel. Ich hatte mich im Mercure Broome einquartiert. Eines der teureren Hotels meiner Reise, eines der günstigeren auf Platz. Nicht, dass Broome nur aus Luxushäusern bestehen würde, Broome ist einfach generell sehr teuer. Das Hotel war irgendwie ein überdimensioniertes Kleinstadt-Motel im Amerika der 1980-er-Jahre. Dort wo sich der Mörder mit der entführten Schülerin unter falschem Namen eincheckt.

Egal, ich war ja nicht wegen des Hotels da, sondern wegen Cable Beach und dem Sonnenuntergang. Und da dieser in einer knappen Stunde bevorstand, entschied ich ich mich für den nach intensivem Kartenstudium auf geschätzt 15-16 Minuten dauernden sicher nicht so langen Fussmarsch. Nun, nach rund 40 Minuten war der ferne Himmel rot, die Sonne offenbar weg, nach 60 Minuten war es dunkel, ich immer noch des Strandes fern. Dann erblickte ich zwei Pubs, in einem trank ich ein Bier und traf sofort neue Freunde. Eines war leer, eines „pumpenvoll“ mit sehr lauten betrunkenen Gästen. Ich entschied mich für den sofortigen Rückmarsch und hatte auf der Karte sogar eine Abkürzung vermeintliche Abklürzung entdeckt. Nun, die Abkürzung erwies sich am Umweg und nach rund einer Stunde Rückweg war ich soweit, sofort wieder aus Broome abzureisen war ich am Ende. Aber dann sah ich entfernt den rettenden Anker, ein gelbes M auf rotem Grund. Nie hatte ich mich so gefreut, einen alten Freund wieder zu sehen. Mit Rücksicht auf meine Figur ass ich nur einen kleinen Gartensalat. Ich bestellte einen Quarter Pounder (den wir ja unverständlicherweise „Royal with Cheese“ nennen). Ich haute rein und ass frass mit schlechtem Gewissen Wollust einen Double Quarter Pounder. War geil.

Am Folgetag war ich auf eine halbtätige Tour in und um Broome gebucht. Zu meiner Überraschung und Freude waren vor allem Leute in meinem jugendlichen Alter dabei Ich war erneut „by far“ der Jüngste. Aber die Tour war ihr Geld wert: Wir besichtigen Das älteste noch betriebene Open Air Kino der Welt, die Bar der sehr coolen lokalen Craft Brewery, einen sehr attraktiven Aussichtspunkt und bekamen am Cable Beach die perfekten Spot für die Mutter aller Sonnneuntergänge. Mehr dazu auf meinem legendären Instagram-Profil. Dazu ein paar Chips und ein Glas Wein und plötzlich waren meine Geriantrie-Forschungen an den Mitreisenden ganz lustig.

Wieder einen Tag später besuchte ich die lokale Perlen-Farm. Erwartet hatte ich primär eine Verkaufsveranstaltung. Ich bekam einen rund zwei stündigen Vortrag über die Produktion von Perlen. Noch zwei weitere Stunden und es wäre wohl als CAS anrechenbar. Aber ich weiss jetzt den Unterschied zwischen Naturperlen, Zucht-Salzwasser-Perlen, Zucht-Süsswasser-Perlen und Plastik-Perlen. Am Schluss dann noch ein bisschen Verkauf.

Am Abend besuchte ich erwähntes Outdoor-Kino und sah mir Once upon a time in Hollywood von Quentin Tarantino an. Von ihm hatte ich bisher zwei Filme gesehen: Pulp Fiction (verstehe ich bis heute nicht, falls also jemand den Film begriffen hat, ich freue mich über Aufklärung) und die aus meiner Sicht abgefahren-genialen Reservoir Dogs. Nun, der neue Film ist irgendwie eine tragische Komödie oder komische Tragödie über Hollywood in den späten 1960ern. Brad Pitt aus meiner Sicht „Weltklasse“, Leo di Caprio doch etwas tiefer (und hoffnungsvoller Newcomer ist er ja auch nicht mehr), der Schluss total verstörend. Und was Quentin gegen Hippies hat, erschliesst sich mir auch nicht. Aber Fazit inklusive der Outdoor-Atmosphäre: sehenswert.

Der Rest von Broome ist rasch erzählt: den Tag an Cable Beach und den Abend mit einem Bier bei der Brauerei. Beides auch keine Nachwuchshoffungen, aber beides Weltklasse. Und vor allem möglichst wenig Zeit im Hotel, wollte ja den flüchtenden Mörder nicht provozieren.

Cheers, mates.

Eine lange Zugfahrt hin, das Wunder von Neuenburg und eine sehr lange Zugfahrt zurück

Als in Wettingen aufgewachsener jugendlicher Fan des FC Wettingen (in Konkurs gegangen 1993, er möge in Frieden ruhen) konnte ich mich über den Meistertitel des FC Aarau 1993 nicht wirklich freuen. Nicht, dass er mich geärgert hätte, aber auch nicht wirklich gefreut. 2007 in der Barrage gegen Bellinzona entwickelte ich erstmals so etwas wie Gefühle für den FC Aarau. Dass die die Fans der AC Bellinzona die gleichen Lieder sangen wie diejenigen des HC Ambrí-Piotta störte meine junge Liebe zum FCA aber doch noch erheblich.

Erstmals echtes Feuer entfachte ich 2013, beim grandiosen Aufstieg. Als die Spieler schon am Abklatschen waren, als Wohlen plötzlich noch ein Tor in Bellinzona gelang und Aarau völlig überraschend schon an diesem Abend uneinholbar wurde. Als alle auf den Platz rannten, gefolgt von einem Platzregen und ‚Sweet Caroline‘ in die Welt hinausposaunten.

Also wurde ich halbwegs regelmässiger Matchbesucher, lieber bei Sonne als bei Regen, lieber im Mai als im November, lieber gegen Basel als gegen Chiasso, aber doch halbwegs regelmässig.

Was der FC Aarau dieses Jahr aber geboten hat, übersteigt alles. Mit tollem Kader und vielen Vorschusslorbeeren in die Saison gestartet, dann grandios fehlgestartet und dann die geilste Aufholjagd, die der Schweizer Fussball je gesehen hat. 6 Spiele, 0 Punkte, dann 11 Spiele, 4 Punkte und am Schluss in der Barrage. Ich gönne dem ganzen Verein, dass er für den Mut belohnt wurde, am Trainer und Sportchef festzuhalten. Und der Major wird nur schon dafür eine Legende, dass er sich eine Aufstiegsprämie in den Vertrag schreiben liess.

Die Barrage war quasi das Dessert, welches man sich nicht entgehen lässt, obwohl man doch schon satt ist. Und so entschloss auch ich mich zur Reise nach Neuenburg im Extrazug. Auch wenn meine resultatmässigen Erwartungen bescheiden waren, so freute ich mich auf ein unterhaltsames Spiel in einem tollen Stadion an toller Lage mit ein paar Bier dazu.

Die Zugfahrt lang, aber kurzweilig, versüsst mit einem offerierten Bier. Mit lustiger Kondukteuse, welche sich einen Aarau-Schal zu einer Krawatte binden liess. Welche Verständnis dafür hatte, dass mein Ticket der mit meinem Ticket gerade am Bier holen war. Mit ewigen Lobgesängen auf die Saison, den Trainer, die Mannschaft. Mit Hoffnung. Mit nicht endenden Gesängen von in Aarau bis und Neuenburg.

Dann ein Fanmarsch mit toller Aussicht, welche niemand offenbar nur ich wahr nahm. Ok, irgendwie war der Fanmarsch auch wirklich toller als die Aussicht!

Und dann ein Spiel, welches allen den Atem nahm. 0-3 zur Pause – 0-4 zum Schluss. Das Stadion ein Aarauer Tollhaus. Wildfremde Menschen, die sich umarmen. Die den Namen des offenbar abgangsgefährdeten Sportchefs skandieren. Die sich zwingen müssen, den Aufstieg nicht zu verschreien und die es dann doch ein wenig tun. Die sich nicht mehr erholen. Die fast zu ein wenig Mitleid mit Xamax und seinen Fans fähig sind. Toll der Xamax-Fan nehmen mir: nach dem 0-4 hat er mir anerkennend zugenickt und dann dem FC Aarau ehrfurchtsvoll zugeklatscht.

Einziger Wehrmutstropfen: Das Catering von Xamax. Eine Katastrophe. Zu keinem Zeitpunkt war dir Wartezeit kürzer als eine Viertelstunde. Die Organisation irgendwo zwischen 2. Liga regional und 1. Liga Promotion. Und das in diesem Stadion. Schade. Aber allenfalls mit Rücksicht auf den Folgetag eine durchaus erwünschte Bierzuflussbeschränkung.

Die Rückfahrt: ewig! Lang! Undendlich! Irgendwann untersuche ich wissenschaftlich, warum sich ein Hinweg meistens immer viel kürzer anfühlt als der Rückweg. Egal, irgendwann schlief ich ein, sonst würde die Rückfahrt wohl immer noch andauern.

Das einzige doofe an diesem Resultat? Aarau hatte nichts, aber auch gar nichts zu verlieren in dieser Barrage. Xamax hatte nur zu verlieren und nach Spiel 1 auch schon alles verloren. Somit umgekehrte Vorzeichen vor dem Rückspiel: jetzt kann Aarau eigentlich nur noch verlieren. Werden sie aber nicht, dieses kleine Fussballmärchen verdient sein Happy End.

#zämeförAarau