Von der Sache mit der App

In meinem letzten Artikel (wenn Du jetzt geklickt hast, dann hast Du in etwa gleiche Aufmerksamkeitsspanne wie Donald Trump – herzliche Gratulation) habe ich ja zu erklären versucht, dass wir aus meiner Sicht weiterhin 1. die Ausbreitung des Corona-Virus eindämmen und dabei 2. Wege wählen sollten mit möglichst tiefen sozialen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen (Neben-) Kosten. Daher meine Erkenntnis, dass es weniger „weh“ tut, im Zug oder beim Einkaufen eine Maske zu tragen, als nicht mehr ins Restaurant zu können oder Geisterspiele im Fussball anzusehen – oder gar wieder einen (partiellen) Lockout zu haben.

Seine Ausbreitung wollen wir vermeiden

Weiterer Teil der Eindämmungsstrategie ist ja das konsequente Contact Tracing. Das heisst in etwa so viel, dass eine Person mit positivem Corona-Test nach all ihren näheren Kontakten in letzten Tagen befragt wird. Diese Kontakte werden dann angerufen und aufgefordert, sich selber zu isolieren und/oder (hoffentlich negativ) testen zu lassen, um nicht weitere Personen anzustecken.

Soweit so gut und die entsprechenden Kapazitäten sind gegenüber der ersten (hoffen wir, dass sie die einzige bleibt, mein Optimismus ist (nennen wir es mal) überschaubar) Welle massiv ausgebaut in allen Kantonen. Nun ist dieses manuelle Tracen erstens sehr aufwändig (also die Befragung der einzelnen Person und das Abtelefonieren dieser Kontakte) und zweitens nie vollständig. Eine positiv getestete Person kann nur Kontaktpersonen angeben, welche sie kennt. Kein Problem beim gemeinsamen Restaurantbesuch mit einem Freund, auch kein Problem bei der Bürokollegin, wohl auch recht einfach in Bezug auf die Teilnehmenden an einem hippen Networking-Event von coolen Start-Up-Foundern im Bereich der aufstrebenden digital Life Coaching-Branche (kurzes Selbstlob hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz: Diese Anlassumschreibung finde ich gerade wieder mal saumässig gelungen).

Aber durchaus problematisch in Bezug auf den unbekannten lustigen Engländer von der Alstom, mit dem ich mich im Mr. Pickwick-Pub in Baden (genau, im legendären Piwi, welches noch genau so aussieht wie vor 25 Jahren und dabei war es schon damals leicht schmuddelig) so blendend unterhalten habe. Auch problematisch in Bezug auf den laut (und vor allem saumässig gescheit, so viele englische Fremdwörter wie lean, team, stream, am liebsten in der ververbten Form wie „mir müend das jetzt einfach konsequent leane“) telefonierenden Sitznachbar im vollen Zug nach Zürich (und eine Maske habe ich ja auch nicht getragen, obwohl es an dieser Stelle vor wenigen Tagen ja so eindringlich empfohlen wurde). Und auch problematisch in Bezug auf die attraktive 30jährige, welche ich stylish aufgemotzt an der SaNaPa faktisch niedergeflirtet habe, welche mir ihre Nummer aber trotz aller Ueberredungskünste einfach nicht geben wollte. Nun kann ich ja argumentieren, dass ich auch gar nicht zu wissen brauche, wenn eine mir unbekannte Person Covid-positiv ist, weil ich am nahen Kontakt ja dann eh nichts mehr ändern kann und folglich auch positiv (mit oder ohne Symptome) oder nicht bin. Eine gleich doppelt sehr egoistische Denkweise, denn erstens gefährde ich damit alle mir nahe stehenden und nahe kommenden Personen (sei es bei der Arbeit, z.B. in einem Beruf, welcher Distanz nicht zulässt) oder bei meinen Liebsten, mit denen ich allenfalls ja sogar zusammenwohne oder im Falle der Eltern mal zusammengewohnt habe. Und zweitens verhalte ich mich damit schlicht unsolidarisch mit der „Restschweiz“, welche alles unternimmt, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten und dafür ja grosse (wirtschaftliche) Nebenwirkungen in Kauf nimmt.

Da ich ja nicht unsolidarisch sein will, gehen wir mal davon aus, dass ich grundsätzlich wissen möchte, wenn positiv-gefährdet bin, entweder um mich hoffentlich negativ testen zu lassen oder mich sonst zu isolieren. Und hier kommt nun diese Covid-App ins Spiel, welche mir ja mit gewisser Wahrscheinlichkeit (nein, 100 % Sicherheit gibt es logischerweise nicht, aber nicht alles Unperfekte ist deswegen gleich unterirdisch schlecht) melden würde, wenn eine mir nahe gewesene Person (und eben auch die, die ich nicht kenne) positiv ist. Smart oder?

Verfügbar ab 25.06.2020, weitere Informationen hier

Trotzdem gibt es Argumente gegen das Herunterladen dieser App. Meine persönlichen Favoriten: „ich habe kein entsprechendes Gerät“ – ja solche Personen gibt es ganz sicher. Aber ganz sicher nicht die 11 %, welche diese Antwort in einer Umfrage des Tagesanzeigers gewählt haben. Einfach: Wenn Du diesen Blog auf Deinem Smartphone liest, dann hast Du vermutlich ein passendes Gerät. Nummer zwei: „es funktioniert über Bluetooth, dann ist mein Akku schneller leer“. Rein technisch gesehen korrekt. Auch die modernste Version von Bluetooth benötigt ein wenig Strom, folglich entleert sich der Akku ein wenig schneller. Aber: Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Gruppen von Smartphone-Nutzern: Fast-nie-und-nur-im-Notfall-Nutzer wie meine Mutter, deren Akku sowieso locker einen Tag hält. Und mega-viel-die-ganze-Zeit-auf-den-Bildschirm-Starrer-und-dazu-(mit-Bluetooth)-über-die-coolen-Air-Pods-laut-Musik-Hörer, bei denen der Zusatzverbrauch (also die Zeit, in denen sie gerade nicht Musik hören oder Filme schauen) quasi irrelevant ist, weil sie eh nur mit Zwischenladungen durch den Tag kommen. Ja, genau, und dann gibt es noch die 0.0001% der Bevölkerung, deren Akku jeweils genau beim zu Bett gehen von 2 % auf 1 % wechselt, weil sie auch sonst ihre Energie immer opitmal einteilen. Falls Du zu dieser Gruppe gehörst, akzeptiere ich Deine Ausrede. Bitte ab heute jeden Abend ein Screen-Shot mit Akku-Anzeige an mich. Danke.

Nun aber zu meinen absoluten Favoriten: Den Datenschutz-Aposteln, welche irgendwie verwandt scheinen mit den Verschwörungstheoretikern. Zuerst ganz kurz: Die App zeichnet auf dem Gerät auf, welchen anderen Geräten Du nahe gekommen bist. Dabei interessiert sich die App nicht dafür, wer Du bist, faktisch interessiert sie sich nur für den Standort des Gerätes relativ zu anderen Geräten, egal ob im Zug, an der SaNaPa oder im Piwi. Aber sogar wenn: Es ist der Schweizer Staat, der hier Daten auswerten würde, wenn denn die schiere Menge individuell auswertbar wäre und es jemanden interessieren würde. Und die Auswertung würde (wenn sie denn stattfände) ja maschinell stattfinden, oder meinst Du, dass sich Simonetta Somuaruga jeweils am Abend mit Alain Berset (oder allenfalls Bill Gates) zusammensetzen würde, um dann zu sagen: „Du, lueg, dä Heiri, dä Saucheib isch scho wieder im Piwi. Debi hät er doch am Trudi gseit, er segi hüt im Turnverein“.

Darum geht es aber gar nicht. Es geht darum, dass jeder Smartphone-Nutzer und jede -Nutzerin sowieso schon viel mehr Spuren hinterlässt, als Simonetta und Alain je kennen wollen. Ja, alle Apple-Pay-Bezahler (die dann aber im Restaurant keine Nummer hinterlassen wollen bei der Reservation, übrigens auch die, welche per Karte bezahlen) und alle Facebook- (und damit auch Insta- und Whatsapp-) Nutzer hinterlassen Spuren (vor allem diejenigen, welche bei so lustigen Spielen Religion, Einkommen, sexuelle Orientierung sowie Unterhosefarbe hinterlassen, um dann herauszufinden, dass sie im nächsten Leben ein dreibeiniges Einhorn sein könnten). Auch alle die begeisterten Besteller bei Wish und Ali-Express (weil es eben so viel günstiger ist dort – was Menschenrechte oder Umweltverschutzung in China? hä?) hinterlassen viele Daten genauso wie alle Leser meines Blogs (ja, genau, WordPress weiss jetzt, dass Du hier warst, ich persönlich weiss es trotzdem nicht, aber ich freue mich über Deinen Besuch). Wenn das alles also nicht auf Dich zutritt (einfach gesagt: wenn Du das also gerade auf einem Desktop gelesen hast), dann hast Du die Legitimation, die App App sein zu lassen und Dich und Deine Daten zu schützen. Maximal 1% der Leser hier.

Alle anderen (also die verbleibenden 99%): Bitte legt Euch diese App zu, sie entfaltet ihre Wirkung offenbar nur, wenn ein substantieller Teil der Bevölkerung und vor allem die Aktiven mitmachen. Es braucht also uns alle! Löscht dafür zwei, drei andere Apps, welche ihr nicht mehr nützt. Damit tut ihr was Gutes für Euch und für die Schweiz und gleichzeitig reduziert ihr sogar Eure Spuren im Netz ein wenig. Smart, hä?

Danke – und bliebed gsund!

next stop: sag ich Euch sicher nicht, das ist meine Privatsphäre! 🙂

Cheers, mates

Unmöglich, dass ich einmal Ueli Maurers Meinung (fast) uneingeschränkt teile – aber Corona macht alles möglich

Ja, unser Finanzminister ist wohl eines der beliebtesten Parodie-Opfer der letzten 20 Jahre. Seine clowneske Frisur (welche mit der Kürze ein wenig an diesbezüglicher Würze verloren hat) machte ihn mit oder ohne rote Nase sofort erkennbar.

Quelle: svp.ch

Viktor Giaccobo (den meine Mutter in seinen Anfängen konsequent Giacomo nannte) liess Ueli jeweils nach Uebervater Christoph rufen (weil er grad fragen musste, ob er a) für den EU-Beitritt stimmen soll, b) einem Bundesrat die Hand schütteln soll oder c) rasch zur Toilette dürfe). In einer angeblichen Kindersendung wurde er zum lustigen Mittanzen beim „Ringel-Ringel-Reihe“ animiert genötigt und liess dies gnädig über sich ergehen (der link dazu hier). Ganz generell liess er alles in fast schon stoischer Ruhe über sich ergehen, also zumindest eine dicke Haut hatte er wohl immer.

Quelle: srf.ch

Nur einmal schaffte es Roger Schawinski, ihn aus der Fassung zu bringen, so sehr, dass er kurzerhand das kleine Studio von Tele 24 verliess (wobei ich diese Aktion immer im Verdacht hatte, dass sie abgesprochen war, da das Skandälchen beiden Protagonisten nützte (und irgendwie einstudiert wirkte)). Dass dieser Mann mal Bundesrat werden würde, war etwa so ausgeschlossen wie a) dass die SVP je für eine konstruktive Zusammenarbeit mit Europa wäre, b) ein Dunkelhäutiger US-Präsident würde oder c) Uebervater Christoph selber Bundesrat werden könnte. Nun, die Geschichte lehrt uns ja manchmal, dass unmögliche Dinge möglich sind, in Bezug auf die Zusammenarbeitsfähigkeit der SVP besteht ja allenfalls auch noch Hoffnung.

Nun, Ueli wurde Bundesrat. Sein Start im VBS ziemlich holprig, seine Aussage zur „besten Armee der Welt“ wurde mehr zum Kalauer als zum Ziel, den Kampfjet (-Prototypen) aus Schweden versenkte er in einer Volksabstimmung kollosal (sorry, Ueli, ich habe zu Deiner Niederlage beigetragen). Bei einer Interviewanfrage hatte er auch mal schlicht ‚kä Luscht’. Wie er genau den Finanzolymp erklimmen konnte, ist mir eigentlich eher unerklärlich. Aber aus meiner Sicht hat der Mann seither klar an Format gewonnen. Die Finanzen hat er gut im Griff, die Ueberschüsse waren immer höher als prognostiziert (was keine besondere Qualität ist, aber politisch grundsätzlich nicht ungeschickt, wenn man seinen Finanzhaushalt im Griff haben will).

Nun, bei Corona war er nicht grad der grosse „Bringer“. Angeblich soll er gegen einen Lockdown gewesen sein und sein Interview in der NZZ (die ja auch total gegen zu viel staatliche Hilfe ist, dann aber trotzdem die hohle Hand machte – was sie den Ertrag meines Abos der NZZ am Sonntag kostete) ritzte das Kollegialitätsprinzip aufs äusserste Maximum, was ich besonderns in einer Krisensituation (höflich ausgedrückt) schwierig finde. Bei seiner Finanzhilfe neigte er zur Uebertreibung (angeblich waren an besagten Sonntagmorgen nicht dreihundert sondern nur hundert Bankchefs am Telefon, aber ist ja immer noch recht viel), bei der angekündigten Durchlaufzeit für einen Covid19-Kredit war er dann mit der genannten halben Stunde doch arg optimistisch oder forsch.

Aber mit seiner kurzen Speech (link hier) vor dem Nationalrat (mehr: sein Appell an die Damen und Herren Parlamentarier) vom Mittwochabend riss er es irgendwie heraus. Und ja, eben, obwohl ich es nicht für möglich gehalten hätte, muss ich ihm für einmal einfach komplett und umfassend (naja, ok, dass die Schweiz den besten Wein hat war wieder so eine kleine Uebertreibung, aber die will ich ihm mal nachsehen) recht geben: Lasst uns die Beerdigung(sstimmung) beenden, lasst uns das Leben und den Sommer und unser schönes Land und von mir aus auch den Wein geniessen. Und lasst uns Geld ausgeben: die Rezession wird nicht weniger schlimm sondern schlimmer, wenn jetzt alle möglichst viel Geld zur Seite legen. Lasst uns dabei aber Abstand und Hygiene halten und lasst uns vor allem die Risikogruppen weiter möglichst gut schützen.

Wobei hier der Appell wohl ein wenig zu spät gekommen ist. Angeblich feierten ja rund fünfzig solche Parlamentarier am Dienstagabend zusammen eine lustige, bierseelige und gesellige Corona-Party im Bea-Restaurant, nachdem sie schon während des Tages intensive Diskussionen in dicht beieinanderstehenden, mittelgrossen Gruppen hatten führen müssen. Was Roger Köppel (vielleicht war er sauer, weil er nicht eingeladen war) und Christoph Mörgeli (er wohl sauer, dass er quasi von den Wählenden des Kanton Zürich ausgeladen wurde) und mich mit ihnen recht sauer machte. Also fast schon unglaublich: Ich stimme in Zeiten von Corona sogar mal (und wirklich nur in dieser Sache) mit Köppel und Mörgeli überein. Zumindest interessant, dass auf meinen entsprechenden Tweet zu dieser angeblichen Party bisher mit Thierry Burkart und Lilian Studer (bei ihr war ich recht sicher, dass sie nicht dabei gewesen war) erst zwei eine Teilnahme an dieser dementierten. Was mich zum Umkehrschluss führt, dass – aber ich will ja nicht so böse sein und verzichte darum auf Unterstellungen.

So, dies eine weitere kleine Corona-Geschichte. Geniesst den Sommer und das Leben – bleibt trotzdem auf Distanz – wascht bitte weiter brav die Hände – und vor allem: bleibt gesund.

Next Stop: Home (noch bis Montag)

2 Wochen Lockdown

Vor einer Woche habe ich ja alle, also wirklich alle, aber noch viel mehr alle Personen aus Risikogruppen, und da vor allem die teils sehr uneinsichtigen Rentner, ultimativ aufgefordert, jetzt einfach zu Hause zu bleiben. Zu Neudeutsch #staythefuckhome (ja, ok, es ginge theoretisch auch ohne fuck, aber das ist jetzt wirklich sehr theoretisch) oder auf Schweizerdeutsch wohl am ehesten „bliebed jetzt eifach mal dihei, gopfertelli!“.

Nun, eigentlich würde ich ja jetzt gerne beurteilen, ob sich nun alle brav daran halten. Aber irgendwie kann ich das nicht wirklich. Denn ich selber bin ja kaum noch unterwegs. Eingekauft habe ich diese Woche am Samstag zum ersten Mal, für mich und meine Mutter, die ich nach langem Kampf, unter anderem ausgetragen in den sozialen Medien, dazu bringen konnte, sich einkaufen zu lassen. Sogar online bestellt hat sie Lebensmittel zwischenzeitlich, leider erfolgt aber jene Lieferung erst Mitte April. Offenbar ist sie nicht die Einzige, welche jetzt die Vorteile des Online-Shopping entdeckt. Aber bei diesem Samstagseinkauf stellte ich grosse Disziplin fest: fast schon peinlich genau bemühten sich alle um Abstand, vor der Gemüsewaage wurde brav gewartet, an der Kasse Abstand genommen. Und meine Mutter wäre echt aufgefallen: ich sah genau einen Mann, den man eindeutig der Risikogruppe Rentner zuordnen konnte. Und ihm hätte ich am liebsten direkt gesagt, dass es in praktisch jeder Gemeinde nun doch freiwillige Helfer gibt, welche das erledigen.

Was weiter auffällt, dass Bahnhöfe und Züge wirklich leer sind. Wenn man sich den Wagen (nicht das Abteil) mit einer zweiten Person teilen muss, dann ist es fast schon eng. Nicht nur zu Randzeiten, auch mitten in der (ehemaligen, in Englisch: formerly known as) Stosszeit. Auf den Bänken draussen (also wir würden das ja Bänkli nennen, aber das verstehen dann meine Lieblingsmenschen von der Walfamilie wieder genau so nicht wie sie schon Polterabend nicht verstanden haben oder zumindest nicht verstehen wollten) hat es auch praktisch keine Leute mehr, teilweise sind sie aber auch abgesperrt (ja, und dann hat es halt offensichtlich keine Leute mehr, weil es keine Leute mehr haben kann). Gewisse Menschen gehen wirklich auf Distanz. Ich absolviere den Arbeitsweg jetzt teilweise zu Fuss. Und es gibt also Menschen, die die Strassenseite wechseln, damit wir uns nicht kreuzen müssen. Normalerweise nähme ich dies ja persönlich. Also jetzt auch, aber irgendwie dankbar. Mein Arbeitsweg führt zu einem guten Teil entlang der Limmat (Fluss in der Schweiz, für die nicht Ortskundigen), an manchen Stellen ist der Weg recht schmal. Und wenn man sich dort kreuzt, dann sind 2 Meter Abstand gar nicht möglich. Aber meine äusserst vernünftigen „Wegkreuzer“ (und ich auch, also ich halte mich auch für sehr vernünftig, war ich schon immer) nicken uns nur noch zu, um uns nicht versehentlich beim freundlichen „guete Morge“ virenbefallen anzuspucken.

Ja, das sind die Vernünftigen. Es gibt aber auch immer noch die Anderen. Kleine Gruppen von Jugendlichen, welche sich trotz aller Warnungen ganz nah zueinander setzen müssen auf dem Schulhausplatz. Bei denen läuft wohl zu Hause irgendetwas schief, wenn sie auch bei 5 Grad lieber draussen rumhängen und von ihren Eltern offenbar auch in keiner Art und Weise daran gehindert werden (können). Oder Frauen mit spielenden Hunden, welche ihren Sidetalk nicht aus 2 Metern Distanz führen können. Und welche mich verständlos anschauen, wenn ich sie frage, ob sie im gleichen Haushalt wohnen würden (ja, klar, es geht mich nichts an und eigentlich ist es mir frei nach Rüdiger Hofmann auch so was von egal). Und wäre ich nicht so höflich, würde ich ihnen am Liebsten #staythefuckhome ins Gesicht brüllen.

Insgesamt würde ich sagen, dass die nicht-Ausgangssperre gut funktioniert. Auch vermeldet nicht-Linguistiker Daniel Koch vom BAG (seine Erklärung, warum er den Konjunktiv nicht erklären könne, ist wohl der humoristische Höhepunk der gesamten Corona-Krise, der link zum kurzen Video hier) zwar noch keine sinkenden aber immerhin weniger steil steigende Neu-Infizierten-Zahlen, obwohl die Tests offenbar massiv ausgeweitet wurden. Wobei die grosse Bewährungsprobe noch kommt: eine leicht abflachende Ansteckungskurve könnte dazu anregen, die Disziplin ein wenig zu reduzieren. Und ein schöner sonniger Frühlingssonntag (heute wohl eher weniger) wird die Leute nach draussen treiben und ob sie dann noch Abstand halten, bleibt abzuwarten. Und sinkende Disziplin würde die Chance auf eine totale Ausgangssperre wieder massiv erhöhen und ja, ehrlich, die möchte ich auf keinen Fall.

Was wird von Corona bleiben, wenn der Virus dann mal überstanden ist? Ich denke, dass Bund und Kantone ihre Notbestände an medizinischem Material aufstocken werden (irgendwie fast schon peinlich, wie uns die Blockierung einer einzigen Lieferung an Schutzmasken durch den grossen Nachbarskanton im Norden in Nöte bringt). Alle Berufe im Gesundheitswesen werden hoffentlich (auch finanziell) mehr Wertschätzung erfahren. Home Office wird etabliert sein (auch für all die Chefs, welche vor 4 Wochen noch dachten und behaupteten, dass dies bei ihnen total unmöglich ja gar undenkbar sei). Wir alle werden bei unseren digitalen Fähigkeiten einen grossen Quantensprung gemacht haben (ich bin jetzt ja nicht grad der Ober-Techie, aber ich unterrichte jetzt virtuell ab I-Phone mit zoom (und ich kann dabei sogar #staythefuckhome als virtuellen Hintergrund einblenden, dies im Klassenzimmer jedes Mal aufzuhängen wäre massiv mühsamer) und auch wenn es noch ungewohnt und eher hölzern ist: die Technik ist dabei nicht das Problem).

Als Entschädigung für den grossen und grossartigen Einsatz in der vergangenen Arbeitswoche bekommt Teststudent Marco Ferrara einen bebilderten Gastauftritt

Und weil ja dann alle die Videotechnik begriffen haben, könnte sich die Geschäftsreisetätigkeit massiv reduzieren. Die für Ferien wohl nicht, Strandurlaub ab Video ist wohl nicht das Gleiche, aber ein dröges, internes Meeting braucht wohl wirklich keine physische Anwesenheit mehr. Und weil wir uns gerade an aus der Form gewachsene Frisuren gewöhnen (müssen), sind wir vielleicht alle ein wenig weniger eitel.

Ja, und dann frage ich mich noch, ob wir uns inskünftig noch bei jeder Gelegenheit die Hände schütteln werden (so zur Begrüssung beim Lunch, war ja eigentlich schon immer eklig). Und ob sich das ‚blieb gsund‘ als das neue ‚en Schöne‘ (habe ich nie besonders gemocht) etablieren wird.

Wir werden sehen. Bis dann gilt weiterhin: #staythefuckhome (so betitelter Beitrag von letzter Woche hier) oder bliebed jetzt eifach dihei, gopfertelli! Und dann erweist sich vielleicht sogar der neue most popular Hashtag #alleswirdgut nicht nur als zweckoptimistische Hoffnung sondern als echte Prognose.

Der grosse, total unabhängige Test: das Novemberhoch in beloved Arosa

Ja, ich weiss, irgendwie ist dieser Titel ‚Novemberhoch’ eine Provokation für alle Flachländer, welche gefühlt von Mitte Oktober bis Mitte März unter einer Hochnebeldecke verbringen, durch welche die Sonne nur selten durchdrückt (was man dann fast schon abfeiert).

Nun, meine allerliebste Bergdestination Arosa (also bitte null Neutralität bei diesem Test erwarten, er ist nicht unabhängig sondern emotional verblendet durch Erinnerungen, welche bis in die späten 1970er-Jahre zurückreichen…ok, ich kann mich nicht an die späten 1970er erinnern, aber es gibt Fotos von mir in Arosa aus dieser Zeit, ja genau so Fotos mit leichtem orange-Stich und alle Menschen tragen so seltsame Kleidung und die Brillen sind auch so lustig) vermarktet unter dem Titel ‚Novemberhoch’ Kurzurlaube an der Sonne. Man kann da biken, golfen, wandern (so far: who cares?). Vor allem kann man (sofern bereits genug Schnee gefallen ist (er fällt primär aus Schneekanonen, dafür braucht es kalte Nächte)) bereits ab November Ski fahren.

Nun, dieses Jahr mussten sich die Skifahrer (Snowboarder soll es ja auch noch geben, aber genauso wie die männliche Form jeweils auch die weibliche einschliesst (warum eigentlich praktisch nie umgekehrt?) sollen die SkifahrerInnen hier alle SchneesportlerInnen meinen) bis am 16. November gedulden. Dafür hatte es zwischenzeitlich sogar richtig natürlich geschneit und es war gutes Wetter angesagt.

Also entschied ich mich für einen spontanen Tagesausflug nach Arosa. Bisher war ich erst einmal schon im November Ski gefahren, nämlich 2016. Damals hatte ich mit Tom (ihr wisst schon: Knipser Knuser, der Mann von Andrea Mezera) ein Wochenende im Hotel Vetter verbracht. Und weil der Samstag auf der Piste so toll war, reiste Claudio Beffa, ja genau, der mit dem Möbelladen (welcher übrigens auch noch ganz viele Dinge verkauft, welche die Welt eigentlich nicht unbedingt brauchen würde, die aber halt schampar schick aussehen)) am Samstagnachmittag auch grad spontan noch an. Weil es am Sonntag dann aber regnete, reiste er am Morgen schon wieder ab und gehört somit zur exklusiven Sorte Mensch, welche einfach mal rasch nach Arosa in den Ausgang fährt. Dieser Ausgang hatte es aber in sich: wir assen im Hotel, gingen dann zum Eishockey (in Arosa spielt der ehemalige Schweizer Meister EHC Arosa, aber über die schreibe ich dann ein ander Mal, weil sich sonst Töbi (der Mann von der ach so stolzen Claudia) wieder über die Länge meines Beitrages beklagt, aber ganz kurz: Arosa spielte gestern auch und hätte ich das früher realisiert, wäre ich wohl über Nacht geblieben, weil zu einem Besuch in Arosa eigentlich auch der Besuch eines Spiels des EHC gehört. Habe ich aber nicht realisiert, deshalb nur ein Tagesausflug) und landeten dann wieder in der Bar des Hotels Vetter. Dort wurden wir um zirka Mitternacht aufgefordert zu gehen, wogegen wir einen offiziellen Spielfeldprotest einlegten, welcher insofern aufschiebende Wirkung hatte, alsdass uns angeboten wurde, mit dem nur noch auf unseren Abgang wartenden Hotelpersonal weiter auszugehen. Und irgendwie war das dann richtig glatt (ausser für Tom, der wollte irgendwie weder tanzen noch reden noch sonst was und wäre wohl froh gewesen, wenn unser Spielfeldprotest keinen Erfolg gehabt hätte) und dauerte irgendwie auch länger als geplant. Und beim Auschecken fragte uns dann die Wirtin, ob wir eigentlich (und das Wort eigentlich macht in diesem Zusammenhang den Unterschied zwischen interessierter Frage und leichtem Vorwurf) ein Polterabend (für die Deutschen: Junggesellenabschied) seien und seither ist uns das so peinlich, dass wir nie mehr im Vetter abgestiegen sind.

Also, egal, dieses Mal nur ein kurzer seriöser Sporttag auf den Skiern. Das Wetter etwas schlechter als angesagt, auch etwas kühler als erwartet. Der Parkplatz am Hörnli schon voll. Darum parkierte ich im Brüggli, wo mir der Bus grad vor der Nase wegfuhr (ja ok, ich verpasste ihn um 12 Minuten und der nächste wäre bald gekommen) und ich darum den Weg zur Talstation zu Fuss in Angriff nehmen musste (etwa 400 Meter, aber leicht ansteigend und auf 1800 Metern über Meer – aber vor allem hatte ich ja das grosse Reissen nach den ersten Schwüngen des Winters und in diesem Moment zählt jede Minute). Die Hörnlihütte so voll wie der Parkplatz, diverse Speisen schon ausverkauft, die Wartezeit auf eine der übrig gebliebenen (sie hatten passenderweise noch Hörnli) infolge zu wenig Personal lang. Einzige offene Anlage war (neben der Gondelbahn – die heisst so Europa-Park-mässig Hörnli-Express) der Sessellift am Hörnli und das ist der einzige ohne Windschutzhaube und darum mag ich den nicht, nicht mal im Frühling, wenn es wieder wärmer ist. Die Talabfahrt geschlossen, darum ganz zum Schluss nochmals mit dem zugigen Sessel (und es war wirklich ein wenig windig) hoch, um dann mit der Gondel ins Tal zu fahren. Nur zwei Pisten offen, also zu Beginn, dann leider ein erster Unfall der Saison mit Helikoptereinsatz und darum jene Piste gesperrt. Darum nur noch eine offen und die deshalb gut frequentiert und irgendwann auch eher ausgefahren. Und im Schatten lag die auch ab dem frühen Nachmittag, wobei das Hörnli ohne Bösartigkeit sowieso als Schattenloch bezeichnet werden darf, nicht mal im März scheint dort den ganzen Tag die Sonne, darum hält der Schnee auch ewig und im März interessiert es eh nicht so, weil dann ja die restlichen 200 Pistenkilometer zur Verfügung stehen aber die standen ja gestern eben nicht zur Verfügung.

Das schlechte Wetter am Schattenloch Hörnli 😉

Aber wisst ihr was: es war wunderbar. Weil es kalt war, war der Schnee super (ein richtiger Knaller waren diese Pisten (später: diese Piste)), es war toll, so früh in der Saison die ersten Schwünge zu ziehen und so zu Beginn der Saison sind ja auch die Kanten noch frisch geschliffen und greifen (bei Eis im Februar sind sie dann schon schön abgefahren, darum rutschen dann alle nur noch rum). Und das Wetter war wegen der zwei Wolken zwar etwas schlechter als angesagt aber immer noch lange ausreichend für einen Sonnenbrand (und für alle die grad fragen wollten: klar war ich eingecremt). Und dass der Lift keine Haube hat, wusste ich und die Temperatur hätte ich vorgängig recherchieren können und somit war es rein meine Schuld, dass mir igendwann kalt war (es gibt eh kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung). Und vor allem: wir fuhren auf frischem Naturschnee und rundherum war alles frisch eingeschneit (nicht wie im Winter 2016, als es zu Neujahr überall in den Bergen wie im November aussah und sich gefühlt wanderwegbreite Kunstschneepisten ins Tal schlängelten) und so war dieser Novembertag ein richtig toller, sonniger Wintertag! Und stellt Euch vor, wie geil es erst wird, wenn ich warm angezogen bin, alle Bahnen, Pisten und Restaurants in Betrieb sind und ich sowohl den Busfahr- wie auch dem Spielplan des EHC Arosa im Kopf habe.

Fazit: Ich freue mich auf die kommende Saison wie jedes Jahr wie ein kleines Kind (warum sagt man das eigentlich so? habe ich mich als Kind anders gefreut als jetzt?) und ich bin ja so was von froh, dass ich das ganz grosse Reissen vor der ersten Fahrt bereits ein wenig kurieren konnte (und schon wertvolles Know How zum Beispiel rund um den Bus aufbauen konnte). Und Tom ist sicher auch froh, so können wir bei unserem Ausflug im Dezember allenfalls sogar das Frühstück geniessen, ohne dass ich wegen der ersten Gondel stürme (fast hätte ich es geschafft, aber ganz ohne Schwiizerhochdütsch geht es dann doch nicht). Sorry Tom: Vergiss das mit dem Frühstück – bei gutem Wetter können wir es eh nicht geniessen, dass Reissen ist bis dann zurück.

Next stop – Arosa

Cheers, mates

Über Reiseblogs und Bier und lustige Geschichten

So ein Reiseblog handelt ja vom Reisen (mal ein wenig Logik zum Einstieg), mehr oder weniger ausgeschmückt mit lustigen oder halt auch nicht so lustigen, allenfalls sogar traurigen oder interessanten (ja, ich gebs zu: eher selten) Geschichten. Nachdem meine wunderbare Reise durch Australien (falls jemand nicht gemerkt hat, dass ich weg war, der Reisebericht in Kurzform findet sich hier) ja mit der Landung in Zürich (für Deutsche Leser) rsp. Kloten (für besserwissende Schweizer) ein jähes Ende gefunden hatte, frage ich mich schon ein wenig (also sogar recht fest (Schwiizerhochdütsch)), wie es mit meinen (aus meiner Sicht) lustigen Geschichten weiter gehen soll. Eine Möglichkeit wäre ein Unterbruch bis zur nächsten Reise, aber so gefühlte zehn Jahre wären doch ein wenig zu viel des Wartens. Also einfach lustige Geschichten erzählen? Wäre möglich, aber irgendwie würde wohl doch der Aufhänger oder rote Faden fehlen. Da war dann guter Rat teuer – aber die (mal ganz unbescheiden so bezeichnete) geniale Idee nicht weit.

Ich werde zum Tester von Produkten und Dienstleistungen. Was mir gerade in den Sinn kommt, was mir gerade über den Weg läuft und vor allem was sich gerade eignet, um Geschichten zu erzählen.

Wir beginnen mit dem Anker Bier. Ja, richtig gelesen, Anker aus dem Coop, der grosse Bruder des 1291 aus dem Denner. Eigentlich bin ich ja Migros-Kind aber alkoholfreies Bier ist immer noch nicht so gut wie in der Werbung beschrieben.

Warum gerade Anker Bier? Nun, ich habe ein bisschen Expertise zum Thema Bier (stark ausgebaut in Australien, zum Beispiel in Exmouth), es ist mir am ersten Tag zurück im Büro ins Auge gesprungen und Bier eignet sich hervorragend für Abschweifer.

Warum ist mir das Anker am ersten Tag im Büro ins Auge gesprungen? Nun, kurz vor meiner Abreise nach Australien lud ich meine Mitarbeitenden (zusammen mit Nicolas, der anschliessend grosse Karriere im Private Banking machte) zu einem kleinen Abschiedsumtrunk ein. Und da die meisten Feldschlösschen mögen (und ein Anker ist faktisch ein Feldschlösschen, auch wenn sie das nicht zugeben würden. Aber es wird bei Feldschlösschen in Rheinfelden gebraut und wenn ausreichend kalt könnten ab Dose wohl nur die Allerwenigsten das Orignial mit Sicherheit erkennen) und wir eher in die Menge als in die Marke investieren wollten, wurde Anker aufgetischt (professionell gekühlt in einem mit Eis gefüllten Sandkasten, so das Modell hellblau, muschelförmig, mit Deckel, einfach ohne Sand drin). Nun, gewisse Mitarbeitende empfanden das Aufstellen eines Markenimitats als zu wenig Wertschätzung und boykottierten deshalb das Bier. Irgendwie wurde trotz grosser Hitze weniger als erwartet getrunken und so haben wir immer noch Restbestände.

Anker kann man zum Normalpreis von CHF 1.20 (alle genannten Preise beziehen sich auf einen halben Liter in der Aludose) in jedem Coop kaufen. Faktisch sind die CHF 1.20 ein Mondpreis, denn man kauft es nur, wenn es (wie alle paar Wochen) zum halben Preis angeboten wird. Verlangt Coop den vollen Preis, weicht man aus auf das Tell (welches von Heineken in Chur gebraut wird und damit ein verkapptes Calanda ist. Halt einfach ohne Bündner Feriengefühle dazu), welches CHF 0.75 kostet. Und legt man überhaupt keinen Wert auf Status und Prestige, begnügt man sich mit der Billigabfüllung Prix Garantie auch aus Chur, somit wieder ein Bergbier ohne Berggefühl und eigentlich ist Prix Garantie recht kultig, denn die Kultmarke M-Budget von der Konkurrenz produziert ja kein Bier und so konnte Coop hier in die Bresche springen. Schade ist, dass Coop das Design von Prix Garantie (rein grammantikalisch wäre oder ist es übrigens le prix und darum frage ich mich, was dieses e hinter garanti soll) ein wenig aufgefrischt hat (fast schon edel), die alte Version war bedeutend kult-freundlicher.

All diese Biere sind keine geschmacklichen Offenbarungen wie die in Australien gekosteten Kunstwerke von Little Creatures oder Stone Wood, aber sie löschen den Durst (so zum Beispiel im Sommer nach dem Rasenmähen, ok, es ist jetzt nicht Sommer und den Rasen muss man auch nicht mehr mähen aber trotzdem) hervorragend und (sofern dies das Bedürfnis sein sollte) sie machen gleich schnell betrunken wie andere Lagerbiere.

Prix Garantie hält dazu noch Extra-Spass bereit (welcher bei Anker nur teilweise funktioniert), aber nur wenn man nach Plan vorgeht. Mein Plan war es, zusammen mit Thomas Mezera (Knisper Knuser für Insider und der Mann von Andrea Mezera, welche ich nur erwähne, damit ich den Beitrag auf Facebook taggen kann) ein Eishockeyspiel in Langnau zu besuchen. Vereinbart war die Anreise mit dem Zuge (wenn es Prix Garantie heisst, darf ich auch ein e an den Zug dranhängen), ich ab Turgi, er ab Aarau. Ausgemacht war weiter, dass ich Biere (die Mehrzahl von Bier, vor allem wollte ich aber nochmals ein sinnloses e anhängen) mitbringen würde (da sprechen wir uns immer ab, nicht weil wir sonst kein Bier hätten, sondern ganz sicher zu viel). Da ich von je drei solchen Aludosen pro Nase (also 1.5 pro Auge, das ist jetzt aber mal ein Lacher) plus einer für mich für die Strecke Turgi-Aarau ausging (von welcher ich Tom nicht erzählte, sonst hätte er auch vier gewollt), kaufte ich sieben Dosen. Der Spass besteht darin, mit diesen sieben Dosen ein Abteil der ersten Klasse zu betreten, die Dosen auszupacken (die Mitreisenden wissen ja nicht, dass noch wer zusteigt), kurz zu murmeln „hoffe, dass das reicht bis Olten“ und dann zügig unter lautem Zischen die erste Dose zu öffnen. Blicke so unbezahlbar, dass geeignet für die Mastercard-Werbung. Wobei dies dann auch der einzig lustige Teil dieses Reise war, denn da Langnau damals gerade ein neues Stadion hatte und Ambri völlig ausserplanmässig erfolgreich war, war das Spiel leider (also ich freute mich zusammen mit dem Kassenwart des Heimteams wie verrückt, beinahe hätte ich über dem Kopf geklatscht) ausverkauft, so dass wir unverrichteter Dinge (und ohne Biervorrat) wieder nach Hause reisen mussten.

Meine Mitarbeitenden hatten ein wenig den Status und das Prestige oder von mir aus die gezeigte Wertschätzung vermisst beim Anker Bier. Nun, da ein substantieller Teil von Bier ausgeschüttet wird, spielt das wirklich keine Rolle. Drei Beispiele, alle auch wieder an Hockeyspielen und die waren nicht ausverkauft und wir darum sogar im Stadion. Tom (wieder er) wollte uns die Geschichte erzählen, wie ein Freund beim Torjubel das Bier hochwarf (vermutlich wollte der zu einem Überkopfklatscher ansetzen, Anmerkung der Redaktion) und sich so mit Bier zuschüttete. Eigentlich mässig spektakulär, nur dass Tom die Geschichte real nachspielte und zu Demonstrationszwecken tatsächlich ein Bier in die Höhe warf, was ja noch gegangen wäre, aber leider mangelte es ihm ein wenig an Souveränität beim Versuch es wieder aufzufangen und so schaffte er es, sich in der wie immer frischen Valascia zu bierduschen (gibt es das als Verb?). Anders als meine Mutter, welche zum Spiel in die sehr kalte Valascia ihren neuen todschicken und doppelt gefütterten Mantel vom nicht-Billiglabel Max Mara ausführte. Und nach dem ersten Tor der Heimmannschaft hatte sie dann dank Gollo (der vor der Kesb, der sich dem Internet verweigert, er ist zwar nicht verheiratet aber seit immer zusammen mit Karin (von Gollo, dieses von Gollo versteht nur der very inner circle, sorry not sorry)) einen nicht mehr neuen, immer noch recht schicken dafür mit Bier würdevoll getauften doppelt gefütterten Mantel des immer noch nicht billigen Labels. Wobei sie sehr gelassen reagierte (zumindest äusserlich), ganz im Gegensatz zu den Anzug tragenden Sitzplatz-Modefans in Lausanne. Das war an Toms Polterabend (für Deutsche: Junggesellenabschied, weiss nur dank der Walfamilie, dass ihr Polterabend nicht versteht), also Tom wollte ja keinen Polterabend (falls ihr es grad überlesen habt, liebe Deutsche Leser: Junggesellenabschied, hatte übrigens auch ein entsprechendes Erlebnis in Australien), deshalb bezeichneten wir diesen lustigen Abend einfach als seinen Polterabend (für die Deutschen: ihr wisst schon) und Töbi (der mir dann irgendwann noch Pulp Fiction erklärt und dessen Frau Claudia ja so grausam stolz auf ihren Tobiässli ist) war auch dabei. Bei allen Geschichten war übrigens auch Claudio Beffa (der vom schicken Möbelladen) dabei, aber das wäre auch ohne Erwähnung klar gewesen. Auf jeden Fall wollte Tom im Zug kein Bier (schon gar kein Billigbier) sondern Wein im Speisewagen kredenzen. Und zwar nicht billigen in der 1.875-Deziliter-Flasche (welcher für Töbi und mich absolut ausreichend war, fand Tom), sondern die echte Flaschenqualität, von welcher er uns dann auch bei jedem Schluck vorschwärmte. Auch noch, als er schon lange von der Toilette zurück war und Töbi und ich sein Glas schon lange mit dem billigen Fusel aufgefüllt hatten und an seiner Stelle das genau gleich gut oder schlecht schmeckendes teures Edelgesöff tranken….aber das war ja nur die Anreise, denn das Bier wurde erst am Spiel verschüttet. Weil Lausanne für Gästefans gefühlte 12 (vielleicht waren es 150) Stehplätze zur Verfügung stellte, wichen wir auf die Sitzplätze aus (also wären wir wohl eh, aber war eine gute Ausrede) und da Ambri ja immer noch die überraschend erfolgreiche Saison spielte und mehr Tore also der Gegner schoss und wir bei jedem Tor euphorischer wurden, passierte es, dass wir (ganz versehentlich und ohne jede böse Absicht, ich schwörs, im Fall) den Anzugträgern vor uns ein paar Schlucke (Schluck wäre die korrekte Mehrzahl, aber ich wollte nochmals ein sinnloses e anhängen und ok, es waren allenfalls mehrere Becher) über ihre sicher gar nicht so teueren Anzüge schütteten. Und auch der Verweis auf meine in solchen Situationen so gelassen regierende Mutter half gar nichts mehr, sondern liess die Situation eher noch mehr eskalieren. Egal, wir kamen heil raus und Töbi konnte sich auf den Heimweg noch zwei Bier kaufen. Eigentlich hätte ihm eins genügt, da er aber nicht wusste, ob es eher un oder une bière heissen würde, bestellte er zur Sicherheit grad deux. Wer mit gleicher Unsicherheit wirklich nur eins möchte, der möge ausweichen auf „trois bières et deux retour“. Von diesem Abend gibt es sogar ein Bild (vermutlich aufgenommen von einem der später biergeduschten Anzugträger). Fazit zum Bild: der Mann vom Möbelladen und Tobiässli hatten mehr Haare als heute, ich mehr Kilos, Tom dafür klar weniger graue Haare. Egal, herzliche Gratulation zum ersten bebilderten Gastauftritt.

Was das alles jetzt genau mit dem angekündigen Produkttest zu tun haben mag, weiss ich selbst nicht mehr. Ich würde zusammenfassen: Ein ganz normales (hundskommunes) Lagerbier lässt sich wunderbar in der Billigversion geniessen, selbstverständlich hat dies aber wenig mit dem Genuss eines Spezialbieres zu tun.

So, das war die erste Folge meines Produkttest-Blogs (formerly known as Travelblog, wie Prince, der irgendwann Mr. Symbol formerly known as Prince hiess). Falls jemand gerne ein Produkt getestet haben möchte: jederzeit eine Meldung an mich. Sofern es sich halbwegs sinnvoll mit Geschichten aus dem Leben verknüpfen lässt, bin ich da also sehr offen.

Somit next stop oder next product: your choice.

Cheers, mates.

Ein kleiner Rückblick

Genau heute vor drei Monaten landete ich auf dem Weg nach Australien in Singapur. Und naiv wie ich war, bildete ich mir ein, diese drei Monate Auszeit würden ewig dauern und nie zu Ende gehen. Nun, wie eigentlich absehbar, kam es anders. Morgen beginnt wieder der Ernst des Lebens mit #backtowork und somit habe ich heute die finale Gelegenheit für einen kleinen Rückblick. Und damit ich Euch nicht jedes Mal mit einem Hinweis auf den ausführlichen Bericht nerven muss, ist immer gleich Beginn des Abschnittes der Link. Dies erleichtert auch das diagonale Lesen ganz stark.

Singapur: ich hatte mich im Marina Bay Sands eingemietet, mein Fazit: irgendwie ganz massiv überzahlt (und Food bei weitem nicht auf 5-Sterne-Niveau) aber sein Geld halt doch wert wegen diesem gigantischen Pool mit der gigantischen Aussicht. Weiter berichtenswehrtes aus Singapur: eigentlich nichts.

Darwin: Mein Timing wohl perfekt, im August ist Darwin warm aber nicht heiss und eben trocken (im Vergleich zu schwül oder regnerisch). Die Stadt besteht aus Esplanade (zum Spazieren oder Joggen (nicht persönlich getestet aber andere dabei beobachtet)), Waterfront zum Baden und Essen und Mitchell Street zum Leute treffen, Live-Musik hören und Bier trinken. Für mich war die Gemächlichkeit Darwins auch wunderbar, um herunterzufahren und mich an den Akzent der Australier zu gewöhnen.

Meine Rundreise als Altenbetreuer: Kathrine Gorge, Kakadu und Litchfield sind absolute must-sees und landschaftliche Highlights. Ich würde diese einfach nicht mehr auf einer Hotelrundreise mit primär pensionierten Mitreisenden besuchen. Wäre die Gruppe jünger, könnte man mehr zu Fuss erkunden und so noch viel mehr sehen. Und der Spassfaktor wäre mit jüngeren Teilnehmern vielleicht tendenziell ganz sicher auch höher.

Broome: Dies die einzige Station, welche eine Vorausbuchung des Tagesausfluges in die Kimberleys bedingt hätte, die waren nämlich rest- und ausnahmslos ausgebucht. Aber auch so bot Broome den wohl besten Beach, mit die beste Brauerei, das spannendste Openair-Kino (ok, ich war nur genau in diesem, aber ich masse mir das jetzt mal an) und das wohl schlechteste Hotel (ganz sicher in Bezug auf Preis/Leistung) meiner Reise. Ganz generell ist Broome teuer aber (wie ich finde) den Eintritt wert.

Exmouth: der Weg ab Broome ist runde 1300 Kilometer weit, würde ich ein nächstes Mal auf drei Tage verteilen. Nicht beinflussen konnte ich den lautesten und mühsamsten Hotelnachbar in Karratha. Exmouth selber ist süss und klein, verfügt über einen eigenen Nationalpark, tolle Exkursionen auf das Meer (Chance auf eine Sunsets-Cruise mit ganz viel Gossip…), einen schönen Strand und (ganz wichtig) zwei tolle, lokale Brauereien (etwa eine pro Tausend Einwohner).

Coral Bay: alle, die schon mal da waren, lieben dieses Dörfchen bestehend aus genau einer Strasse. Tolles Reef unmittelbar vor dem Strand, schöne Ausflugsmöglichkeiten mit der guten Chance, Manta Rays und Reef Sharks zu sehen und ganz einfach ein wunderbar ruhiger Ort.

Monkey Mia: die eigentliche Haupattraktion, nämlich die tägliche Fütterung der Delfine, fand ich sehr touristisch und die Reise nicht wert. Aber: wunderschön gelegenes Resort rsp. Camping Platz, feinsandiger Strand, gutes Essen und motivierte Mitarbeitende. Und der Weg dahin bietet schon gefühlte 27 Gründe irgendwo anzuhalten, etwas anzuschauen oder einen kleinen Walk zu machen.

Auf dem Weg nach Perth habe ich es tatsächlich geschafft, den Pink Lake (welcher auch wirklich gerade sehr pink gewesen wäre) zu verpassen. Das hat mich geärgert. Pinnacles Desert dafür aus meiner Sicht der landschaftliche Höhepunkt meiner Reise. Perth selber fand ich nicht so aufregend (ausser dass sich die Möglichkeit ergab, gewisse Reiseutensilien zu kaufen). Rottnest Island ist sicher mindestens einen Tagesausflug wert, Freemantle ebenso (dort hat es eine grosse und eine kleine Brauerei).

Einfach mal nichts tun: mein Reisetempo war ja sehr entspannt, dies liess ganz viel Zeit zum Lesen, Musik hören und vor allem zum ganz ausgiebigen Nichts-Tun. Erst nach Publikation dieses Beitrags für mich entdeckt: irgendwo sitzen und Menschen beobachten.

Airlie Beach und die Whitsunday Islands: mein absoluter Lieblingsort, deshalb bin ich ganz zum Schluss meiner Reise gleich nochmal hingeflogen. Das Städtchen herzig (einmal Schwiizerhochdütsch ist auch im Rückblick zwingend), die Lagoon ‚best place to hang out’, gutes kulinarisches Angebot (keine Selbstverständlichkeit in Australien), viele Orte mit guter Live-Musik und perfekt auf Alleinreisende ausgerichtet (praktisch jedes Restaurant hat grosse Tische zum Dazusitzen). Fast schon unzählige Ausflugsmöglichkeiten auf dem Wasser, wobei ein Besuch von Whitehaven Beach wohl zwingend ist.

Fraser Island: nächster absolut zwingender Stopp bei einer Ostküstenreise, ich war zwei Tage dort, was ich als Minimum bezichnen würde. Zu meinem Glück waren auf meiner Tour zehn Frauen auf Polterwochenende (das verstehen jetzt halt die Deutschen leider nicht), so hatte ich neben landschaftlichen Schönheiten auch viel Spass. Auch der Ort, wo mich eine Deutsche Mitteisende siezte und so mein gefühltes Alter massiv erhöhte.

Noosa bietet einen tollen Strand (also sogar mehrere), einen eigenen Nationalpark ‚within walking distance’ und mediterranes Flair sowie auch eine gute Auswahl wirklich guter Restaurants. In Noosa hatte ich wohl das beste Essen meiner Reise und gleichzeitig den einzigen (kurzen) unangenehmen Moment als Alleinreisender (lustigerweise beides im gleichen Lokal).

Surfers Paradise und Byron Bay: Surfers ist nicht zwingend, es ist quasi das Mallorca der Australischen Ostküste. Sehenswert ist es trotzdem und ‚good fun for one weekend‘. Byron Bay ist dann doch schon eher ein Klassiker, wobei diese Destination schon primär aus dem wunderschönen Städtchen mit den vielen netten Cafés und Restaurants (und dem Strand mit den guten Surfmöglichkeiten) besteht, sonst ist da nicht so viel.

Ausflüge habe ich im Dutzend gemacht, Dauer von zwei Stunden bis zu sechs Tagen, den wohl absurdesten beschreibt dieser Beitrag. Tendenziell lohnt es sich, die Preise ein wenig zu vergleichen, vor allem in der Nebensaison bietet eine kurzfristige Buchung gute Chancen auf Rabatte. Und häufig ist das gebuchte Datum eher eine Indikation, bei zu wenigen Buchungen werden zwei Tage zusammengelegt, darum lohnt sich das langsame Reisen, dann verpasst man auch bei Verschiebungen nichts.

Fiji war quasi eine holiday from the holiday. Fiji ist wunderbar, sehr entspannt, bietet viele naturnahe Erlebnisse und vor allem herrlich warmes Wasser zum stundenlangen Schnorcheln. Ich würde Island Hopping empfehlen, ich hatte jeweils ein eigenes Zimmer, aber immer in Resorts, welche auch Mehrbettzimmer haben (sorgt für junge, unterhaltsame Mitreisende).

Menschen: eigentlich handelt dieser Bericht vor allem von meiner Reise nach Adelaide oder meinem Aufenthalt dort. Aber eigentlich geht es vor allem um die vielen wunderbaren Menschen, welche ich auf meiner Reise getroffen habe, hier am Beispiel der Walfamilie (welche ja regelmässige Leser schon bestens kennen).

Das Abenteuer Outback wird hier beschrieben, Abenteuer im Sinne von viel roter Erde, beindruckenden Felsformationen, grosser Hitze und vielen Fliegen. Aber auch Abenteuer im Sinne von Camping in einem Swag, gemeinsamem Kochen und viel Spass haben. Und ja irgendwie wurde ich wieder massiv älter, als mir zwei Töchter angedichtet wurden.

Von meiner Reise zurück nach Airlie Beach handelt dieser Post – eigentlich. Denn er handelt auch vom ganz grossen Zufall, dass ich in Australien insgesamt vielleicht eine Stunde TV schaute und mich dabei um ein Haar selber gesehen hätte. Und dann geht es auch noch um einen weiteren tollen Schnorchelausflug ab Airlie Beach.

Leider bereits mein letzter Ausflug, nochmals ein richtig toller, zwei Tage und zwei Nächte auf einer paradiesischen Insel. Und dann gehts noch darum, dass die Parties vor 17 Jahren irgendwie grösser waren (vielleicht nicht besser aber ganz sicher grösser).

Ums alleine reisen und was gewisse Menschen davon abhält gehts hier. Und alle, welche sich diesen Bericht antun diesem Bericht lesen, erhalten ein kostenloses Frühstück auf dem Gotthardpass (also eigentlich überall auf der Welt).

Ganz zum Schluss war ich noch zwei Tage in Sydney, als sehr typischer Tourist, welcher möglichst zügig die Hot Spots Opera House, Harbour Bridge, Watson’s Bay, Bondi Beach und Darling Harbour abgearbeitet hat. Und dann genoss ich noch mein last beer und zuletzt noch mein very last beer.

#verylastbeerwithaview

Und das wars dann auch schon. Wer genau mitgelesen hat (und Australien ein wenig kennt) wird feststellen, dass ich diverse sehenswerte Orte nicht gesehen habe. Ich habe mich bewusst für eine sehr gemächliche Gangart entschieden, so war ich nicht überall. Dort wo ich war, hatte ich aber wunderbar viel Zeit und auch die Flexibilität, etwas länger zu bleiben. Und da meine Bucket List somit auch noch nicht komplett abgearbeitet ist, kann ich ja mit gutem Gewissen meine nächste Australien-Reise planen.

So, next Stopp, Neue Aargauer Bank in Brugg.

Cheers, mates

Über Sydney und über die flying doctors oder Männergrippen

Dies wäre oder vielmehr ist dann wohl der letzte Bericht über meine Australien-Reise. Nachdem mein Hotelzimmer in Sydney über eine Personenwaage verfügt, muss ich auch zugeben, dass dies vielleicht gar nicht nur schlecht ist. Die Ausdehnung meiner erotischen Nutzfläche (Danke, Laura, dass Du mich mit diesem Begriff bekannt gemacht hast, er hat es von Null in die Top 5 meiner Lieblingsbegriffe geschafft) nimmt langsam epische Züge an. Somit ein guter Zeitpunkt, um mal wieder Diät zu halten. Aber davor noch mein Aufenthalt in Sydney. Von Airlie Beach flog ich mit Tiger Air (das ist so quasi die Easy Jet Australiens, einfach teurer) nach Sydney. Dort hatte ich für drei Nächte einen room with a view (die Waage war nicht erwähnt, allenfalls hätte ich es mir anders überlegt). Aber neben dieser Waage bekam ich wirklich eine tolle Aussicht.

Meine Pläne für die zwei vollen Tage bescheiden: ein wenig Shoppen bei Uniqlo (das trägt jetzt ja King Roger, also muss es gut sein) und Kathmandu (meine neue liebste Outdoormarke), Darling Harbour und Opernhaus (von aussen) besuchen und allenfalls den rund zwei stündigen Walk von der Watsons Bay an den Bondi Beach machen.

Geplant zusammen mit Jessi, rund 20jährige Schweizerin aus dem schönen Solothurn. Sie war eine derjenigen, welche in Airlie Beach zusammen mit mir für Sekunden auf den Tischen getanzt hatte (bevor wir ziemlich barsch der Unterlassung gemahnt wurden, nachzulesen hier). Und da sich unsere Tage in Sydney überschnitten und wir ähnliche Pläne hatten (vor allem aber, da wir beide keine Lust hatten, uns für ein paar wenige Tage nochmals neue Freunde zu suchen, in den grossen Städten ist es zwar auch nicht schwierig, aber allenfalls ein wenig schwieriger). Und als ausgebildete Kinderbetreuerin (in Deutschland heisst der genau gleiche Beruf übrigens Erzieherin (ich muss dann immer an Fräulein Rottenmeier aus Heidi denken), ob das nur eine sprachliche oder doch eher eine kulturelle Unterscheidung ist, bleibe mal dahin gestellt) ist sie doch bestens als Aufsichtsperson für mich geeignet. Und allenfalls verbloggt sie ihre Erlebnisse mit mir dann auch in einem Post, in welchem sie ihre Erfahrungen als Altenbetreuerin beschreibt. Wer sich vielleicht schon die ganze Zeit fragt, warum ich immer von Frauen begleitet werde und fast nie von Männern: Es sind praktisch nur Frauen unterwegs. Die einzigen Männer sind die Pensionierten, welche von ihren Frauen zum Reisen genötigt werden. Bei den jungen (und teilweise sehr jungen) Reisenden bekomme ich echt das Gefühl, dass die jungen Männer ihrer Karriere nachrennen und möglichst rasch ihre Ausbildungen hinter sich bringen wollen, während die Frauen ihre Sprachkenntnisse verbessern und ihren Horizont erweitern. Womit ich zum doppelten Exoten werde, denn Reisende in meinem Alter sind etwa so selten wie Männer. Lustig war noch, dass Jessi in der Millionentadt Sydney auf der Strasse drei Schweizer Kolleginnen aus der Sprachschule in Noosa (dort war ich auch, hatte aber primär über Cannes und Erinnerungen berichtet) antraf. Irgendwie bei zwei sich bewegenden Punkten ja fast nicht möglich, aber ich liebe ja solch statistische Wahnsinne (ist das die Mehrzahl von Wahnsinn?). Sprachschulen in Noosa haben teilweise fast reine Schweizer Klassen, da unsere Nation dort so übermässig vertreten sind. Mag zwar den Spassfaktor erhöhen, wird aber tendenziell die Verbesserung der Englischkenntnisse bremsen (habe ich jetzt einfach noch geschrieben, damit auch dieser Post einen added value hat, wenn es dieses Mal schon kein kostenloses Frühstück gibt).

Also, der Darling Harbour ist immer noch so schön wie 2003, mein damaliger Lieblings-Starbucks existiert nicht mehr, vielleicht wurden die Mieten sogar für den teuren Kaffeeröster zu hoch. Aber es hat Dutzende andere Restaurants, alle in Anbetracht der Lage preislich ok (vor allem während der Happy Hour und von Mittag bis acht Uhr abends hat immer irgendwer Happy Hour und diese gilt für Drinks und für Food), daher dort ein Abendessen. Ums Opernhaus die genau gleiche Szenerie, in der Opera House Bar zu meiner Freude noch mein Lieblingsbier (Gatherer) von meiner Lieblingsbrauerei (Stonewood in Byron Bay). In der Happy Hour fast schon ein Schnäppchen (umgerechnet 6 Franken für einen Pint, im Piwi in Baden bezahlt man für einen stinknormalen halben Liter Lagerbier mehr und das Piwi punktet jetzt ja nicht gerade mit schöner Einrichtung oder aufregender Aussicht), deshalb nach dem last beer with a view noch das very last beer with a view. Und anschliessend das zweite Abendessen, immer noch mit spektakulärer view.

Bei Kathmandu hatte ich ein weiteres Hoodie gekauft, bei Uniqlo primär günstige Kinderkleider für die Nichten und Neffen. Und wer jetzt denkt, dass dieser Aufenthalt so weit so langweilig ist, dann war er das eigentlich auch, aber wäre es eben doch nur gewesen (seltsamer Satz – wer es nicht verstanden hat: einfach weiterlesen). Ich habe natürlich mit dem neuen Hoodie auch noch ein Hoodie-Pic (und auch das war halt leider very last one, langsam werde ich leicht melancholisch und hoffe auf Euer Mitgefühl) gemacht, gebe aber zu, dass damit das Spannungsmoment nur unwesentlich steigt.

Aber der Aufenthalt in Sydney wurde doch noch ein wenig aufregend (ohne, dass ich auf Tischen getanzt oder im falschen Moment ein Wifi gesucht hätte wie bei der Einreise in Darwin), denn in meiner zweitletzten Nacht (nachdem ich drei Monate lang nie auch nur das geringste Wehwehchen gehabt hatte) in Australien überfiel mich sehr fieses Halsweh. Ja, und als Mann sind ja nur schon Anzeichen einer möglichen Männergrippe Signale von aktuer Todesgefahr, aber dieser Schmerz war dann verbunden mit dem Husten doch mehr als nur ein Grippchen. Trotzdem hätte ich das zu Hause heldenhaft durchgestanden (auch wenn mir meine ehemalige Lieblingsmitarbeiterin Christina stets eine leichte Wehleidigkeit unterstellt hat, sorry, Christina, genau jetzt isch dis Whatsapp cho, Du häsch Dich indirekt ufdrängt für dä Uftritt und gibs zue, wärsch enttüscht gsi, wännd nie erwähnt worde wärsch), mir graute aber vor den sehr bald anstehenden 20 Stunden Flugzeit nach Hause. Und so fragte ich im Hotel der Möglichkeit eines Arztbesuches. Und tatsächlich gibt es in Sydney flying hotel doctors, die fliegen zwar nicht, aber springen von Hotel zu Hotel. Und so hatte ich zwar keinen kulinarischen aber einen medizinischen Room Service und Medikamente wurden direkt aus dem mitgebrachten Rucksack abgegeben.

Und so brachte ich dann in leicht geschwächt aber dafür im gedopten Zustand auch noch die Wanderung an den Bondi Beach hinter mich. Geschwitzt wie noch selten (obwohl es gar nicht sooo heiss war), aber das soll ja nicht ungesund sein.

Sehr nett (und von guter Organisation und Ausbildung zeugend) dann die handgeschriebene Nachricht, welche mir das Zimmermädchen hinterliess: „Dear Thomas, I hope you feel better. I have left you some extra tea bags“. Ja, und hätte ich es fotografiert, könnte ich es hier zeigen, aber wieder einmal muss die Nacherzählung genügen, sorry not sorry.

So, und das wars dann also aus Sydney und damit auch aus Australien. Next stop und dort bleibe ich ja dann eine Weile: Untersiggenthal.

Cheers, mates.

Über kurze Nächte, lange Flüge und noch längere Fahrten (Punkt 3 ist nur ein Teaser)

Über meinen Aufenthalt in Fiji habe ich ja bereits ausführlich berichtet, wer es verpasst hat, findet es hier. An meinem letzten Abend in Nadi kamen ja noch Nele und Maike an, die geliebten kleinen Schwestern aus der Walfamilie, welche es somit zum vierten Gastauftritt schafft, was gleichzeitig ein neuer Weltrekord ist (wohl leider aber auch der letzte Auftritt…). Aus Angst vor Ungeziefer wie Bedbugs hatten sie auf die Buchung einer Unterkunft vor der Abreise zum Islandhopping verzichtet und sich fest vorgenommen, irgendwo durchzumachen oder am Flughafen zu nächtigen. Dabei hatten sie sich wohl etwas komfortables wie Zürich oder mindestens Basel vorgestellt. Nun, der Flughafen in Nadi bietet vielleicht 20 unbequeme Stühle und das wärs dann auch schon. Ohne vertieftere Diskussionen liessen wir uns erst mal in eine Pizzeria fahren. Und weil wir alle sehr hungrig waren, wählten wir die zweitgrösste der zur Verfügung stehenden Optionen. Sehr gross aber irgendwie habe ich sie dann doch geschafft. Nele hatte im Duty Free sogar noch eine Flasche Wein gekauft, welche wir als bring your own günstig kredenzen wollten. Es blieb teilweise beim Wollen, da Maike und ich in der Aufregung und Freude über das Wiedersehen unsere Becher teilweise verschütteten. Da weder Durchmachen in dieser doch sehr drittweltigen Stadt noch der Flughafen echte Optionen waren, bot ich grossherzig den reichlich bemessenen Raum in meinem Doppelzimmer an (sharing is caring). Auf dem Weg dahin (wir wurden von einem wiehernden (echt jetzt, wirklich) Taxifahrer gefahren, welcher mehrfach leicht zweideutig nachfragte, ob ich die zwei Mädels am Flughafen „picked up“ hätte) kauften wir noch zwei Flaschen Wein, welche wir ohne weitere Verschütter in erstaunlichem Tempo zu leeren vermochten. Und trotz Weinkonsum blieb Nele bis zirka halb elf wach, was doch fast drei Stunden über ihrer üblichen Schlafenszeit lag und wenn nicht persönlicher Rekord dann wohl doch zumindest persönliche Jahresbestleistung darstellte. Nur eines hinderte die durchaus reiseerfahrenen Frauen an einem ruhigen Schlaf: sie hatten einen Transport vom Flughafen (da sie ja dort durchmachen wollten) zum Seehafen gebucht und mochten mir einfach nicht glauben, dass auch bei meinem Hotel täglich um halb acht ein Shuttle vorfuhr und dass sie diesen auch ohne Voucher benützen dürften….und dass im Notfall ein Taxi zur Verfügung stehen würde. Nun, der Shuttle war da und sie wurden ohne weitere Verzögerung transportiert und ich glaube, dass die zwei jetzt denken, dass ich schon wahnsinnig routiniert und gelassen reise. Aber ich kanns Euch jetzt ja sagen: ganz sicher war ich mir auch nicht und darum wahnsinnig froh, als ihr so problemlos in diesen Bus einsteigen durftet.

Ich brach wenig später selber zum Flughafen auf, wo ich die Wartezeit in der Lounge von Fiji Airways überbrückte. Nein, alle die denken, ich hatte mir den Zugang zu dieser Lounge mit einem Flug in der Business Class erkauft, irren. Zu meiner eigenen Überraschung flog ich Economy (nicht einmal Notausgang, dies aber nur, weil die Plätze schon verkauft waren) und erhielt den Zugang über den Priority Pass, welchen ich ja bei meinem MyNAB Paket (ja, das wussten jetzt schon fast alle, weil ich es ja bei jeder passenden und noch lieber unpassenden Gelegenheit erzähle) inbegriffen habe (und ja, der guten Form halber: ich arbeite für die NAB und ich werde für diese Arbeit (nicht aber für diese Erwähnung) auch bezahlt). Bei dieser Lounge könnten sich Swiss oder Lufthansa noch einiges abschauen: sehr schön eingerichtet und zum Zeitpunkt meines Besuches schwach frequentiert und entsprechend ruhig, das Essen wohl „best at an airport ever“ und die Getränke wurden sogar gebracht. Eher nervig dann, dass ich die letzten Fiji Dollar kurz vor dem Abflug in eine Flasche Wasser investierte, welche mir dann beim Besteigen des Flugzeuges mit Verweis auf einen neue Regelung abgenommen wurde.

Der Flug nach Sydney mit Virgin komfortabel, da ich wohl mit viel Losglück Gang mit freiem Mittelsitz hatte, von Sydney bis Adelaide dann eher beengt, da ich mit dem Mittelsitz vorlieb nehmen musste, aber das waren ja dann nur noch zwei Stunden.

In Adelaide angekommen hatte ich ein wenig Mühe, den Treffpunkt für ein Uber zu finden, weshalb ich zum ersten Mal in Australien ein normales Taxi benützte. Uber hätte 20 AUD gekostet (ja, ich weiss schon: hätte, hätte, Fahrradkette), das Taxi kostete 30 AUD. Für die Zahlung mit Kreditkarte wurden mir noch sagenhafte 5 % Zuschlag verrechnet. Gibt es immer noch Leute, welche sich über den Erfolg von Uber oder die Probleme der herkömmlichen Taxiunternehmen wundern?

Der Tag in Adelaide sehr mässig spekatakulär, eher der Wäsche und dem Ersatz meiner kurzen Hose gewidmet. Die alte hatte auf Fiji beim Einstieg auf ein Schiff Totalschaden erlitten (Schranz (einmal Schwiizerhochdütsch pro Beitrag ist zwingend) von rund 10 Zentimeter – genau im Schritt – da nützt auch das sehr gekonnte Umbinden eines Pullovers nichts mehr). Und einen Haarschnitt gab es auch noch. Der nächste wird frühestens in 10 Wochen fällig sein….

Tag 2 dann auf einer Wein Tour im Barossa Valley mit Groovy Grape Tours. Zuerst beim Grossproduzenten Jacobs Creek, danach bei drei kleineren. Und da drei Teilnehmer Rotwein nicht mochten (irgendwie doof auf einer Weintour – ist wie ein Winterausflug in die Berge, wenn man Schnee nicht mag) waren meine Degustationsproben von äusserst vernünftiger, ja sogar grosszügiger Grösse.

Und seit gestern befinde ich mich nun tatsächlich auf einer Gruppentour von Adelaide nach Alice Springs. Nicht auf einer Hoteltour wie in Darwin, wo ich ja bekanntlich eher zum Altenbetreuer mutierte. Nein, dieses Mal ist es eine Mehrbettzimmer- rsp. Swag-Camping-Tour. Ja, irgendwie hatte ich nach viel Komfort noch Lust auf ein wenig Abenteuer und je tiefer der Komfort desto lustiger die Teilnehmer (das ist echt ein Trade off und ich warte immer noch auf das Unternehmen, welches lustige Gruppen mit Kompfort hinkriegt. Wobei mir meine Co-Autorin (kleiner Teaser) sogar ein solches hat nennen können). Die Gruppe auf dieser Tour setzt sich zusammen aus einer Mutter (sogar etwas älter als ich) mit Kind, dem obligaten jungen Paar aus England (und die kommen entweder getrennt oder verlobt zurück, there is nothing in between), einem Deutschen etwa in meinem Alter sowie zwei 18jährigen Holländerinnen. Und wenn ich mir das ausrechne, dann bin ich nicht nur doppelt so alt, sondern sogar 2.33 Mal so alt wie die…aber man ist ja allerhöchstens so alt, wie man sich fühlt. Der Guide verfügt über zwölf Jahre Erfahrung und hat mir gestern Abend erklärt, dass früher gefragt wurde, ab wann man trinken dürfe und ob man überhaupt ins Bett müsse. Und heute fragen die jungen Reisenden tendenziell, ob man trinken müsse und ab wann man ins Bett dürfe. Vielleicht werden wir nur älter (aber deswegen leider nicht zwingend weiser), aber wenigstens scheinen die heutigen Jungen schon recht weise zu sein. Von dieser Tour berichte in dann in der nächsten Ausgabe.

Zum Schluss kurz zurück zum Teaser mit der Co-Autorin. Also begonnen hat das, dass sie mich via Whatsapp (der Link einfach, falls jemand Whatsapp nicht kennt, man weiss ja nie, der Chef der Swisscom soll es gemäss gut unterrichteten Quellen so ungefähr als Wäzzöpp aussprechen) Rechtschreibe-Fehler aufmerksam gemacht hat, eigentlich recht nervig, wenn ich ehrlich bin, wenn auch sicher gut gemeint. Mittlerweile verfügt sie aber über ein Erstleserecht und interpretiert ihre Rolle dahingehend aktiv, dass sie einzelne Abschweifer massiv ausbaut (die Erläuterungen zur Aussprache von Airlie Beach stammen weitestgehend von ihr) oder teilweise gewisse Fun Facts schon im Voraus recherchiert (zum Beispiel das mit der 7-Dollar-Note auf Fiji). Sie möchte anonym bleiben, weshalb sie hier einen anonymen Gastauftritt erhält. Sollte aber jemand einen „guess“ haben, um wen es sich handeln könnte: Tipps via Wäzzöpp an mich, die erste richtige Nennung (oder eher der Nenner oder die Nennerin) gewinnt ein von mir bezahltes Mittagessen, ganz alleine, nur für sich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und sollten keine richtigen Tipps eingehen, gibt es das nächste Mal einen Hinweis.

So, next stop Coober Pedy, das wäre dann die sehr lange Fahrt.

Cheers, mates.