Ein kleiner Rückblick

Genau heute vor drei Monaten landete ich auf dem Weg nach Australien in Singapur. Und naiv wie ich war, bildete ich mir ein, diese drei Monate Auszeit würden ewig dauern und nie zu Ende gehen. Nun, wie eigentlich absehbar, kam es anders. Morgen beginnt wieder der Ernst des Lebens mit #backtowork und somit habe ich heute die finale Gelegenheit für einen kleinen Rückblick. Und damit ich Euch nicht jedes Mal mit einem Hinweis auf den ausführlichen Bericht nerven muss, ist immer gleich Beginn des Abschnittes der Link. Dies erleichtert auch das diagonale Lesen ganz stark.

Singapur: ich hatte mich im Marina Bay Sands eingemietet, mein Fazit: irgendwie ganz massiv überzahlt (und Food bei weitem nicht auf 5-Sterne-Niveau) aber sein Geld halt doch wert wegen diesem gigantischen Pool mit der gigantischen Aussicht. Weiter berichtenswehrtes aus Singapur: eigentlich nichts.

Darwin: Mein Timing wohl perfekt, im August ist Darwin warm aber nicht heiss und eben trocken (im Vergleich zu schwül oder regnerisch). Die Stadt besteht aus Esplanade (zum Spazieren oder Joggen (nicht persönlich getestet aber andere dabei beobachtet)), Waterfront zum Baden und Essen und Mitchell Street zum Leute treffen, Live-Musik hören und Bier trinken. Für mich war die Gemächlichkeit Darwins auch wunderbar, um herunterzufahren und mich an den Akzent der Australier zu gewöhnen.

Meine Rundreise als Altenbetreuer: Kathrine Gorge, Kakadu und Litchfield sind absolute must-sees und landschaftliche Highlights. Ich würde diese einfach nicht mehr auf einer Hotelrundreise mit primär pensionierten Mitreisenden besuchen. Wäre die Gruppe jünger, könnte man mehr zu Fuss erkunden und so noch viel mehr sehen. Und der Spassfaktor wäre mit jüngeren Teilnehmern vielleicht tendenziell ganz sicher auch höher.

Broome: Dies die einzige Station, welche eine Vorausbuchung des Tagesausfluges in die Kimberleys bedingt hätte, die waren nämlich rest- und ausnahmslos ausgebucht. Aber auch so bot Broome den wohl besten Beach, mit die beste Brauerei, das spannendste Openair-Kino (ok, ich war nur genau in diesem, aber ich masse mir das jetzt mal an) und das wohl schlechteste Hotel (ganz sicher in Bezug auf Preis/Leistung) meiner Reise. Ganz generell ist Broome teuer aber (wie ich finde) den Eintritt wert.

Exmouth: der Weg ab Broome ist runde 1300 Kilometer weit, würde ich ein nächstes Mal auf drei Tage verteilen. Nicht beinflussen konnte ich den lautesten und mühsamsten Hotelnachbar in Karratha. Exmouth selber ist süss und klein, verfügt über einen eigenen Nationalpark, tolle Exkursionen auf das Meer (Chance auf eine Sunsets-Cruise mit ganz viel Gossip…), einen schönen Strand und (ganz wichtig) zwei tolle, lokale Brauereien (etwa eine pro Tausend Einwohner).

Coral Bay: alle, die schon mal da waren, lieben dieses Dörfchen bestehend aus genau einer Strasse. Tolles Reef unmittelbar vor dem Strand, schöne Ausflugsmöglichkeiten mit der guten Chance, Manta Rays und Reef Sharks zu sehen und ganz einfach ein wunderbar ruhiger Ort.

Monkey Mia: die eigentliche Haupattraktion, nämlich die tägliche Fütterung der Delfine, fand ich sehr touristisch und die Reise nicht wert. Aber: wunderschön gelegenes Resort rsp. Camping Platz, feinsandiger Strand, gutes Essen und motivierte Mitarbeitende. Und der Weg dahin bietet schon gefühlte 27 Gründe irgendwo anzuhalten, etwas anzuschauen oder einen kleinen Walk zu machen.

Auf dem Weg nach Perth habe ich es tatsächlich geschafft, den Pink Lake (welcher auch wirklich gerade sehr pink gewesen wäre) zu verpassen. Das hat mich geärgert. Pinnacles Desert dafür aus meiner Sicht der landschaftliche Höhepunkt meiner Reise. Perth selber fand ich nicht so aufregend (ausser dass sich die Möglichkeit ergab, gewisse Reiseutensilien zu kaufen). Rottnest Island ist sicher mindestens einen Tagesausflug wert, Freemantle ebenso (dort hat es eine grosse und eine kleine Brauerei).

Einfach mal nichts tun: mein Reisetempo war ja sehr entspannt, dies liess ganz viel Zeit zum Lesen, Musik hören und vor allem zum ganz ausgiebigen Nichts-Tun. Erst nach Publikation dieses Beitrags für mich entdeckt: irgendwo sitzen und Menschen beobachten.

Airlie Beach und die Whitsunday Islands: mein absoluter Lieblingsort, deshalb bin ich ganz zum Schluss meiner Reise gleich nochmal hingeflogen. Das Städtchen herzig (einmal Schwiizerhochdütsch ist auch im Rückblick zwingend), die Lagoon ‚best place to hang out’, gutes kulinarisches Angebot (keine Selbstverständlichkeit in Australien), viele Orte mit guter Live-Musik und perfekt auf Alleinreisende ausgerichtet (praktisch jedes Restaurant hat grosse Tische zum Dazusitzen). Fast schon unzählige Ausflugsmöglichkeiten auf dem Wasser, wobei ein Besuch von Whitehaven Beach wohl zwingend ist.

Fraser Island: nächster absolut zwingender Stopp bei einer Ostküstenreise, ich war zwei Tage dort, was ich als Minimum bezichnen würde. Zu meinem Glück waren auf meiner Tour zehn Frauen auf Polterwochenende (das verstehen jetzt halt die Deutschen leider nicht), so hatte ich neben landschaftlichen Schönheiten auch viel Spass. Auch der Ort, wo mich eine Deutsche Mitteisende siezte und so mein gefühltes Alter massiv erhöhte.

Noosa bietet einen tollen Strand (also sogar mehrere), einen eigenen Nationalpark ‚within walking distance’ und mediterranes Flair sowie auch eine gute Auswahl wirklich guter Restaurants. In Noosa hatte ich wohl das beste Essen meiner Reise und gleichzeitig den einzigen (kurzen) unangenehmen Moment als Alleinreisender (lustigerweise beides im gleichen Lokal).

Surfers Paradise und Byron Bay: Surfers ist nicht zwingend, es ist quasi das Mallorca der Australischen Ostküste. Sehenswert ist es trotzdem und ‚good fun for one weekend‘. Byron Bay ist dann doch schon eher ein Klassiker, wobei diese Destination schon primär aus dem wunderschönen Städtchen mit den vielen netten Cafés und Restaurants (und dem Strand mit den guten Surfmöglichkeiten) besteht, sonst ist da nicht so viel.

Ausflüge habe ich im Dutzend gemacht, Dauer von zwei Stunden bis zu sechs Tagen, den wohl absurdesten beschreibt dieser Beitrag. Tendenziell lohnt es sich, die Preise ein wenig zu vergleichen, vor allem in der Nebensaison bietet eine kurzfristige Buchung gute Chancen auf Rabatte. Und häufig ist das gebuchte Datum eher eine Indikation, bei zu wenigen Buchungen werden zwei Tage zusammengelegt, darum lohnt sich das langsame Reisen, dann verpasst man auch bei Verschiebungen nichts.

Fiji war quasi eine holiday from the holiday. Fiji ist wunderbar, sehr entspannt, bietet viele naturnahe Erlebnisse und vor allem herrlich warmes Wasser zum stundenlangen Schnorcheln. Ich würde Island Hopping empfehlen, ich hatte jeweils ein eigenes Zimmer, aber immer in Resorts, welche auch Mehrbettzimmer haben (sorgt für junge, unterhaltsame Mitreisende).

Menschen: eigentlich handelt dieser Bericht vor allem von meiner Reise nach Adelaide oder meinem Aufenthalt dort. Aber eigentlich geht es vor allem um die vielen wunderbaren Menschen, welche ich auf meiner Reise getroffen habe, hier am Beispiel der Walfamilie (welche ja regelmässige Leser schon bestens kennen).

Das Abenteuer Outback wird hier beschrieben, Abenteuer im Sinne von viel roter Erde, beindruckenden Felsformationen, grosser Hitze und vielen Fliegen. Aber auch Abenteuer im Sinne von Camping in einem Swag, gemeinsamem Kochen und viel Spass haben. Und ja irgendwie wurde ich wieder massiv älter, als mir zwei Töchter angedichtet wurden.

Von meiner Reise zurück nach Airlie Beach handelt dieser Post – eigentlich. Denn er handelt auch vom ganz grossen Zufall, dass ich in Australien insgesamt vielleicht eine Stunde TV schaute und mich dabei um ein Haar selber gesehen hätte. Und dann geht es auch noch um einen weiteren tollen Schnorchelausflug ab Airlie Beach.

Leider bereits mein letzter Ausflug, nochmals ein richtig toller, zwei Tage und zwei Nächte auf einer paradiesischen Insel. Und dann gehts noch darum, dass die Parties vor 17 Jahren irgendwie grösser waren (vielleicht nicht besser aber ganz sicher grösser).

Ums alleine reisen und was gewisse Menschen davon abhält gehts hier. Und alle, welche sich diesen Bericht antun diesem Bericht lesen, erhalten ein kostenloses Frühstück auf dem Gotthardpass (also eigentlich überall auf der Welt).

Ganz zum Schluss war ich noch zwei Tage in Sydney, als sehr typischer Tourist, welcher möglichst zügig die Hot Spots Opera House, Harbour Bridge, Watson’s Bay, Bondi Beach und Darling Harbour abgearbeitet hat. Und dann genoss ich noch mein last beer und zuletzt noch mein very last beer.

#verylastbeerwithaview

Und das wars dann auch schon. Wer genau mitgelesen hat (und Australien ein wenig kennt) wird feststellen, dass ich diverse sehenswerte Orte nicht gesehen habe. Ich habe mich bewusst für eine sehr gemächliche Gangart entschieden, so war ich nicht überall. Dort wo ich war, hatte ich aber wunderbar viel Zeit und auch die Flexibilität, etwas länger zu bleiben. Und da meine Bucket List somit auch noch nicht komplett abgearbeitet ist, kann ich ja mit gutem Gewissen meine nächste Australien-Reise planen.

So, next Stopp, Neue Aargauer Bank in Brugg.

Cheers, mates

Vom alleine Essen und von Roger und von Kinobesuchen

Wie bereits mehrfach berichtet, hält ja die Aussicht, alleine in einem Restaurant essen zu müssen, gewisse Menschen vom Reisen, ja sogar von Ausflügen ab. Diese Geschichte soll alle Mitglieder dieser Gruppe ermutigen, es mal zu versuchen.

Zuerst aber ein Abschweifer, der handelt auch vom alleine essen. Und enthält eine freie Mahlzeit auf dem Gotthard-Pass für alle Leser (also nicht etwa einen Gutschein oder so, aber eine ziemlich brauchbare Anleitung). Die Geschichte handelt von Roger Keller. Es ist wohl der Chef, dem ich am meisten zu verdanken habe (das gäbe einen eigenen Beitrag), andere würden es wohl mit ein paar Kisten Wein tun, ich mit einem Gastauftritt, um den er fast schon flehentlich gebettelt hat (und Roger, falls Christiane (Paar-Gastauftritt) die Geschichte noch nicht kennt: Jetzt wäre ein guter Moment, sie mal zu erzählen). Die Geschichte geht so: Roger lud einmal alle seine Direktunterstellten zu einer Wanderung auf den Gotthardpass ein (also eigentlich zwang er uns). Das Bild stammt von meinem Instagram-Profil, einfach falls jemand noch nicht weiss, dass ich auf Instagram bin:

Die Einladung von Roger grosszügig, denn in Andermatt (von Andermatt handelt übrigens einer meiner ersten Blogposts (ja genau der, in dem ich ganz nah am Olympiasieg Olympiasieger in der Herrenabfahrt dran war und Reto (der einfach nie ins Bett wollte) und Lars (der hätte bei einer Tanzeinlage noch fast einen Unfall gehabt) hatten tragende Nebenrollen)) stellte sich Roger im Coop an die Kasse und wir durften uns alle unseren Proviant (ein sogenannter Zwipf (militärische Kurzform von Zwischenverpflegung) in Rogers Sprache) zusammenstellen. Der Unverschämteste (nicht ich) deckte sich gleich noch mit einer Kurpackung der teuren Gilette-Rasierklingen ein. Nun, die Wanderung war für die einen wunderschön, für andere eher anstrengend, mir mich beides. Oben angekommen bezogen wir die schönen Zimmer im Hospiz und dann gab es wohlverdient was zu Essen und ein paar Bier oder Gläser Wein. Um Mitternacht wollte die Wirtin schliessen, unter grossen persönlichen Einsatz erkämpfte Roger fünf weitere Runden für seine festfreudigen Mitarbeitenden, die zweitletzte durch Androhung des Anstimmens von „einer geht noch, einer geht noch rein“, die allerletzte durch tatsächliches Absingen dieses Partykrachers (so zumindest meine Erinnerung).

Aber eigentlich handelt die Geschichte ja vom alleine Essen und ihr alle wollt ja vor allem kostenlos speisen auf dem Gotthard. Und das war so: Alle sassen beim Frühstück, nur Roger fehlte. Als die Abfahrt des Buses nur noch 20 Minuten entfernt war, versuchten wir in grösser werdender Panik, Roger zu erreichen. Als er endlich den Anruf entgegennahm, fragte er sogleich leicht genervt: „wo sind ihr?“. Auch Roger war beim Frühstück (allein oder einfach mit sich selber) und fragte sich, wo wir waren. Er war über die Strasse ins Selbstbedienungsrestaurant gegangen, hatte sich reichlich mit Kaffee, Obst, Müesli, Käse, Wurstwaren und Brot mit Butter (und sicher auch noch Honig und Konfitüre, womöglich hat er noch nach seiner persönlichen Lieblingssorte gefragt) eingedeckt und die Kasse selbstbewusst mit „bin Hotelgast“ passiert. Und das wäre jetzt die Anleitung zur Gratisverpflegung gewesen: Einfach selbstbewusst (am besten hart an der Grenze zur Arroganz) an der Kasse vorbeischreiten und mit Bestimmtheit etwas halbwegs plausibles sagen, Variationen könnten sein: „gehöre zur Bustour“, „bitte auf Rechnung Meier“ oder „Skiclub Gontenschwil“ – die gewagteste Variante (hier für den Gastauftritt von Pippo und Lukas (er der mutigste Lernende, dem ich je begegnet bin)) wäre sicher #TeamSchletzBier. Und so was funktioniert alleine tendenziell besser als in der Gruppe.

Damit haben wir diesen Abschweifer endlich hinter uns. Er leitet mich aber zu einem zweiten, sehr kurzen (versproche, im Fall). Rogers Auftritt erinnert ja stark an Leonardo di Caprio und seine Rolle in Catch me if you can. Über Leo (für Freunde) habe ich bereits In meinem Beitrag über Broome geschrieben. Catch me if you can sah ich 2003 in Sydney, an einem regnerischen Nachmittag in einem fast leeren Kino. Und weil mir der Film so gut gefiel und ich fand, dass man bei einer zweiten Betrachtung sicher weitere amüsante Details entdecken würde (und vor allem auch, weil es immer noch regnete), war Vorstellungsende plus zehn Minuten für mich auch grad nochmals Vorstellungsbeginn. Habe ich vorher nie gemacht, habe ich danach nie mehr gemacht. Aber genau darum ist Reisen so wunderbar, weil man (leicht absurde) Dinge tun kann, die man sonst nie tut (und wenn man alleine reist, muss man sich nicht mal rechtfertigen).

So, aber jetzt genug der Abschweifer, jetzt gehts ums alleine Essen: Am Abend nach der nicht ganz so wilden Return-Party (nachzulesen hier) sass ich gemütlich in der Breeze Bar in Airlie Beach. Natürlich alleine, also mit meinem I-Pad, auf dem ich ein Buch las. Und obwohl es gar nicht so war, können wir uns ja vorstellen, dass sowohl die Pärchen an den Nebentischen wie auch die grosse Männergruppe am grossen Tisch immer wieder mitleidig zu mir schauten. Allenfalls machten sie noch Aussagen wie „poor guy“, „lonely“, „lonesome“ oder „no wonder he has no friends, just look at him“. Vielleicht lachten sie dazu und zeigten mit dem Finger auf mich und vielleicht fragte mich noch einer direkt „why are you alone?“. Machten sie alles nicht, in Airlie Beach sind viele Alleinreisende unterwegs und alle Restaurants haben grosse Tische und man kann sich überall dazusetzen (also vielleicht nicht grad bei den Frischverliebten, welche die Finger keine Sekunde von einander lassen können, aber bei allen anderen schon).

Aber stellen wir uns vor, es wäre so gewesen oder zumindest gefühlt so gewesen. Denn genau in jenem Moment als ich mich unter meinem Tisch vergraben wollte, erschien Esther, regelmässige Leser kennen sie schon als weiblichen Teil aus dem Schweizerischen-Holländischen Doppel von der Return-Party. Und ab hier hat es sich zu 100 % genau so zugetragen (ich schwörs, im Fall). Nun, Esther ist so die Person, die tendenziell auffällt, ein Bild mag es schon zum Teil erklären:

Wer mehr von ihr sehen möchte, der folge ihr auf Instagram, wenig überraschend hat sie ein leicht besseres Likes/Follower-Verhältnis als ich. Aber auch sie hat ihre bad-hair-moments, zum Beispiel, wenn sie grad aus einem Flugzeug springt (Foto offiziell autorisiert von der Protagonistin):

Nun hat sie auch einen Gang, der gewisse Männerköpfe (und auch die der Frauen) drehen lässt, vor allem aber ist sie tendenziell manchman eher wahnsinnig laut und extrovertiert im Vergleich zu anderen Menschen. Und sie lacht immer. Und so rief schrie sie meinen Namen durch die ganze Bar und da ich in mein Buch vertieft war sogar mehr als einmal und darum schauten auch all die Pärchen (sogar die Frischverliebten) auf. Zweite auffällige Eigenschaft an Esther ist, dass Begrüssung ohne Umarmung nicht geht, so richtig fest mit drücken und auf den Rücken klopfen, dazu laut lachen. Erste neidische Blicke von der grossen Männergruppe trafen mich, erste giftige Blicke des weiblichen Teils der Frischverliebten trafen Esther. In diesem Moment wurde mein Essen serviert, was Esther mit ‚oh, I have already had my dinner, so I cannot join you‘. Leichte Schadenfreude vom Männertisch, gewisse Erleichterung bei der Frischverliebten. Aber ohne Aufforderung meinerseits fuhr Esther fort mit „but you know what, I will just join you for a drink“ und führte damit zu einer leichten Gesichtsentgleisung bei der Frischverliebten, weil ihr Frischverliebter darob erfreut zu sein schien. Hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz (habe trainiert für den Gotthard) antwortete ich „well, you know, I actually would have preferred to keep going with my book (kurzes Aufflackern von Hoffnung am Nebentisch) – but if you do not have any other plans, why not?“

Und so setzte sich Esther nieder, erzählte lustige Geschichten (laut und extrovertiert mit vielen Lachern). Zwischenzeitlich verliess sie mich mal kurz wortlos (kurze Hoffnung oder Schadenfreude an den Nebentischen), aber nur um eine zu rauchen (und das ist in Australien schon so was von rebellisch, die Raucher müssen sich ihre Zonen richtiggehend suchen). Sie kam wieder. Als ich fertig gespiesen und wir beide fertig getrunken hatten, forderte sie mich auf (wieder nahe 100 Dezibel), noch in ein anderes Lokal auf ein Bier zu kommen. Und so verliessen wir den Tatort (ganz kurz: der letzte Schweizer Tatort war ja so was von unterirdisch schlecht, ich fühle mich fast genötigt, mich bei allen Deutschen und Österreichern dafür zu entschuldigen) gemeinsam. Ich spürte die Blicke in unseren Rücken (schaute aber nicht zurück) und als wäre mein Triumpf nicht schon umfassend genug gewesen, fragte ich Esther (ja und genau da könnte man mal auf die Schnauze fliegen, weil man übertreibt), ob sie sich nicht bei mir einhängen wolle, was sie mit lautem Lachen freudig tat.

Und was Lernen wir draus: Alleine Essen kann gratis sein, alleine Essen muss überhaupt nicht einsam sein, falls man mit einem Auftritt Esthers rechnet, empfiehlt sich allenfalls ein Pamir und zum Glück bekommt der Tatort ein neues Schweizer Ermittlerduo.

Next Stop: immer noch Sydney.

Cheers, mates.

Fraser Island – über den Dingo und über Hennen

Zuerst eine kleine Ergänzung zu meinem letzten Bericht über die Whitsunday Islands rsp. Airlie Beach. Meinem Bruder (ich bin fast versucht zu sagen: wem sonst) ist folgende mathematische Unlogik aufgefallen: Bei zehn Frauen erweisen sich drei als die lauten und laut lachenden, was ich als die eine Hälfte beschreibe. Nun ist drei nicht die Hälfte von zehn und mein Bruder fühlte sich an seine Zeit an der Bezirksschule Wettingen und den Unterricht bei Matthias Steinemann (Mathematiklehrer) erinnert, welcher sich immer mal wieder aufregte: ‚weil ein Drittel der Klasse schwatzte und die andere Hälfte nach hinten schaute‘ (sic.). Also herzliche Entschuldigung für diesen redaktionellen Fehler Vermutlich interessiert sich ausser meinem Bruder niemand wirklich für solche Nebensächlichkeiten, aber sollten sich weitere solche eingeschlichen haben, bitte ich um Rückmeldung. Entschädigung ist natürlich die wertschätzende aufs Korn nehmende persönliche Erwähnung in einem künftigen Beitrag.

So, jetzt aber zu Fraser Island.

Gebucht war ich auf einen 2-Tages-Trip ab Hervey Bay mit Fraser Explorer Tours. Gebucht erneut über Get your guide und seit ich das gebucht habe, ballert mich diese Firma mit Werbung zu für genau die Tour, welche ich ja eben schon gebucht habe. Jungs, ihr habt zu wenig Know How oder zu viel Geld. Oder beides. Irgendwie hatte ich von meiner Australienreise 2003 im Kopf, dass man Fraser fast schon zwingend ab Hervey Bay bereist. Nun, genau so irgendwie stelle ich im Nachhinein fest, dass Rainbow Beach wohl gerade so geeignet gewesen wäre. Dies einerseits, weil der Weg auf die Insel kürzer (schneller) ist, andererseits auch weil Rainbow-Beach etwa zwei Busstunden südlich liegt, was als „Southbounder“ zu um zwei Stunden schlaftauglicheren Fahrzeiten führen würde. Und Hervey Bay ist irgendwie einfach ein riesengrosses Dorf ohne Zentrum (also gewissermassen das Wettingen der Ostküste, sorry not sorry), Rainbow Beach wäre kleiner und kompakter. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Aber eigentlich waren wir (also ja vor allem ich) ja auf Fraser Island: Wirklich sehenswert und aus meiner Sicht mit genügend Sehenswertem für zwei Tage. Lake McKenzie, Lake Wabby, Champagne Pools, Indian Heads oder Eli Creek, um nur einige zu nennen. Und wenn man zwei Tage da ist, kann man die Seen auch wirklich geniessen. Und den jungen Backpackers zuschauen, welche bis zu 20 Mal die Sanddüne runterrennen, um das perfekte Video mit dem Sprung ins kalte Nass zu erhalten (vielleicht auch um den Backpackerinnen zu imponieren). Die letztgenannte Sehenswürdigkeit wird übrigens ähnlich ausgesprochen wie Eloy (einfach, damit ich Dich auch mal erwähnt habe, alter Freund….und dabei habe ich gerade festgestellt, dass Du sogar auf Transfermarkt zu finden bist, Du bist ja schon eine Nummer). Bei Eli Creek zeigt sich aber auch, dass Fraser wohl tendenziell overtourism-gefährdet ist. Klar, es war Sonntag, deshalb auch viele Einheimische in ihren eigenen Fahrzeugen da, aber es sind keine Schulferien hier und es ist immer noch low season….und trotzdem war es doch schon sehr voll und sehr laut (wozu unsere Hennen (die werden erst unten erläutert, was Euch zum Weiterlesen nötigt) auch etwas beitrugen). Dass wir unterwegs drei Dingoes sahen, war mit ein wenig Glück verbunden, was unserer Freude und Aufregung keinen Abbruch tat (und den Hennen die neue Erkenntnis brachte, was ein Überkopfklatscher ist).

Auf Fraser Island gibt es verschiedene Arten von Touren: Selbstfahrer, Selbstfahrer in Kolonne mit Guide-Fahrzeug, 1-Tages-Bustour (eher die älteren Semester), 2-Tages-Bustour für die Jugendlichen (explitzit für 18-35 Jahre, wenn das mal nicht diskriminierend ist für Hobbyjugendliche wie mich) und 2 Tage für eben Leute wie mich. Insgesamt 33 Teilnehmer auf unserer Tour, bunt gemischt. Zum Beispiel drei Deutsche Stundentinnen, wobei mich beim Mittagessen am ersten Tag die eine tatsächlich siezte (oh, mein Gott, entweder ist die so höflich und wohlerzogen oder ich einfach doch so alt, ich tippe auf höflich und wohlerzogen). Dazu 10 Frauen auf „Hen’s Party (wir nennen das Polterabend, Deutsche nennen das explizit Junggesellinnenabschied und wollen Polterabend nicht einmal verstehen). Wieder die Wahl, sich über die (auf Schweizerhochdeutsch, für welches ich immer ausgelacht werde, würde es ab den heissen) lauten und laut lachenden zu nerven oder sich ihnen anzuschliessen. Klar, ich wählte Option 2. Und was die Mädchen boten, war schlicht sensationell: Sie trugen den ganzen Tag Ihre Tu-Tus, waren immer lustig aber nie störend und zum Abendessen kamen sie alle (richtig aufgebretzelt) in Abendkleidern (ich fühlte mich in Shorts, Flip Flops und Hoodie leicht underdressed, wobei Flip Flops in Australien immer gehen und ich das Hoodie immer tragen muss, weil sich daraus Chancen auf Hoodie-Pics ergeben). Und laut (und laut falsch oder vor allem sehr laut und sehr falsch) singen können sie auch (die Hennen, Hoodies können nicht singen…).

Untergebracht waren wir im Eurong Beach Resort, perfekte Lage, Essen ok, die Beach Bar lustig. Aber halt gebaut 1969 und in einem entsprechend eher dürftigen Zustand. Von meinem Onkel Adi (ja, von Dir gibts leider nur den Tel-Search-Eintrag…, dieser Link ist keine Aufforderung für unerwünschte Werbeanrufe oder ähnliches, einfach damit ich nicht falsch verstanden werde) habe ich mal gelernt, dass man auch einen alten Pulli waschen kann, wenn einem z.B. das Geld für einen neuen fehlt. Und ja, genau diese einfache Erkenntnis fehlt wohl den Betreibern des Eurong Beach Resort. Aber völlig ok für eine (kurze) Nacht.

Vorteil der Reise über Hervey Bay ist übrigens, dass man auf der Rückfahrt gratis und inklusive eine perfekte Sunsetcruise erhält. Auf dieser wurde auch ein weiteres absolutes perfektes Hoodie-Pic erstellt. Ich war so fasziniert von dem Sonnenuntergang, dass ich hier das Hoodiepic glatt vergass. Aber ich habe ja ein breites Sortiment an Hoodie-Pics.

Positiv zu erwähnen ist unser Guide Paul (welcher um jeden Preis nicht Paul sondern PT genannt werden wollte, uns aber nie sagte warum). Sehr guter Fahrer (sage ich mit der Erfahrung eines durch die beste Armee der Welt (war sie damals zwar noch nicht, aber ist ja egal) ausgebildeten Fahrers) auch im trockenen, tiefen Sand. Sehr viel Wissen, welches er bereitwillig teilte und sehr hohe Sozialkompetenz. Ich weiss nicht, ob ich es geschafft hätte, der ewig schwatzenden Teilnehmerin (welche es echt erschwerte, den Ausführungen des Guides zu folgen) so höflich zu sagen shut the fuck up „would you mind telling others your interesting stories once I am done so others can listen to me now“, dass die Angesprochene erst laut lachte und dann sogar noch klatschte…und dann wirklich ruhig war. Ich hätte wohl die stfu-Variante gewählt und hätte wenige Monate später unter einer Brücke gewohnt. Auch er nicht ganz sicher vor Guide-Jokes, aber bei „If have not liked me, please call me Steve in your review“ musste sogar ich lachen, weil Steve eben der Guide des anderen Busses und sein ‚best buddy‘ ist.

So, das war Fraser Island. Nach 46 Tagen ist bereits genau die Hälfte meiner Reise vorbei….ich hoffe, dass dies auch einer mathematischen Überprüfung durch meinen Bruder (oder wen auch immer, tendenziell mein Bruder…) standhält.

Next Stop, Noosa (wo es so hässlich sein soll, dass Fausto Giardina nach wenigen Stunden wieder abgereist ist). Der Link führt übrigens zu meinem Lieblings-Zweitarbeitgeber, dem HKV Aarau, wo Fausto einst seine Modelkarriere begann (und meines Wissens auch gleich wieder beendete).

Cheers, Mates.

Mein Weg nach Perth oder I don’t wanna miss a thing

Nach dem lustigen Abendessen mit der lustigen Reisegruppe nahm ich also die Strecke von Coral Bay nach Perth in Angriff. Dabei hatte ich eine Übernachtung in Geraldton eingeplant. Geraldton ist weder spektakulär noch hässlich sondern eher unscheinbar, aber hätte ich den gleichen Weg noch einmal vor mir, würde ich wohl eher in Carnarvon nächtigen, da man dann auch den Kalbarri National Park und den Pink Lake ganz sicher nicht verpasst. Warum das wichtig ist? Weil ich es nämlich tatsächlich schaffte, eine Abbiegung zu verpassen und so in Geraldton ankam, ohne den Pink Lake passiert zu haben. Ob das nun ein grosser Verlust ist, mag ich gar nicht beurteilen (denn ich habe ihn ja wie gerade geschrieben gar nicht gesehen). Den Berichten anderer Reisender Glauben schenkend, wäre es aber ein potentieller Höhepunkt gewesen. Aus vorbei, nicht mehr veränderbar.

Lernen kann man ja nur für die Zukunft und so zog ich meine Konsequenzen und hielt am Folgetag bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Und so sah ich Teiche in der Grösse des Eigi-Weihers von ganz nah, Aussichtspunkte so spektakulär wie das Steienbühl und Bäume so alt wie die Pappeln im Garten meines Vaters (ok, die sind alt und als Kind fand ich die recht spektakulär aber ein Schild für einen Aussichtspunkt hat es trotzdem nicht). Aber natürlich auch Spektakuläres, wie die Pinnacles Desert, welche ich rein optisch als Höhepunkt der bisherigen Reise bezeichnen würde (und ich mag dem Park Management sogar verzeihen, dass man den Ort auch per Auto besichtigen kann und es so fast unmöglich ist, ein Bild ohne Auto drauf zu bekommen). Für ein Hoodie-Pic (ohne Auto drauf; also auf dem Bild, ich habe keine Hoodies mit Autos drauf) reichte es dann auch noch. Am anderen Ende der Punkt-Skala (so müsste die Skalierung von Tiefpunkt zu Höhepunkt wohl heissen) dann die Sanddünen in Lancelin. Ich hatte mir da so eine Art kleiner Big Daddy aus Namibia vorgestellt, etwas spazieren, die Ruhe der Wüste geniessen….es hatte sehr viele, sehr laute Leute, teilweise auf Sandboards (bis hier hin alles gut), aber eher auf Moto-Cross-Motorrädern, noch eher auf Quads und noch eher auf einer Art vergittertem Quad für 4 Personen. Alles sehr laut und alles vor allem sehr gefährlich, da wild durcheinander. Empfehlung: never ever go there.

Angekommen in Perth bezog ich mein Zimmer. Dieses hatte ich gebucht über Priceline als „hidden buy“, sprich ich wusste ungefähr, wo das Hotel war, ich wusste, was es es zu bieten hatte und ich kannte die Anzahl Sterne. Für die Ungewissheit erhielt ich einen „unbeatable price“. Hotel und Preis ok aber auf Hotels hätte ich es zum genau gleichen Preis bekommen. Also wurde die Unsicherheit (das Risiko, kann ja nach oben wie unten ausschlagen), welches Hotel es war, nicht wirklich entschädigt. Egal, vielleicht war dieser Thrill ja ein „added value“ und so wichtig ist es dann auch nicht.

Am Abend durfte ich am Abschlussessen der lustigen Gruppe aus Coral Bay teilnehmen. Ich wusste dies erst im Nachhinein richtig zu schätzen, denn tatsächlich war eine Teilnehmerin des Abschnitts von Perth bis Broome (welche auch grad in Perth war) nicht eingeladen (auch die lustige Gruppe hatte also die Outsiderin, welche offenbar alle nervte). Aber welche Ehre für mich. Ein lustiger Abend.

Folgetag in Perth eher „hang out“ und „hang up“ (die Wäsche). Am Abend der Besuch einer mir empfohlenen Hinterhof-Bar. Auf meine Frage „do you have any IPAs“ räumte der Kellner etwa 5 Minuten den Kühlschrank aus und präsentierte mir rund 12 verschiedene. Aufgrund des hohen Alkoholgehalts der Biere musste ich mich nach zweien verabschieden mit den Worten „come back tommorow“.

Rottnest Island am folgenden Tag: ein must go. Bei der Fährenüberfahrt würde ich künftig einen Platz auf dem Unterdeck suchen, es schüttelt weniger, folglich wird weniger gekotzt (sinngemässe Übersetzung aus dem Englischen). Die Insel fast ein wenig Irisch oder ein perfekter Schauplatz für alle Filme von Rosamunde Pilcher. Aber bei aller landschaftlichen Schönheit sind die Quokkas, welche sich bereitwillig für Selfies zur Verfügung stellen, die Touristenattraktion schlechthin. Und noch „glätter“ ist es, die Selfies von Dritten zu „crashen“. Ok, sie kannte mich, sie hat mich aufgefordert, mit aufs Selfie zu kommen, aber das wäre ja keine gute Insta-Story geworden, oder?

Am Abend dann eine sehr nette Einladung zum Nachtessen bei einem Australischen Ehepaar. Sie hatten schon ganz spontan „der auf dem Selfie gecrashten“ (sie führt übrigens auch einen Blog) eine Bleibe für 3 Nächte angeboten. Und da ich sie am Morgen im Zug kennenlernte, luden sie mich spontan auch grad noch zum Essen ein, wahrscheinlich zum bisher besten Essen in Australien (you do not come for the food), da es offenbar auch in Australien mehr als Pub Food gibt. So in Bezug auf Gastfreundschaft könnten wir uns wohl noch die eine oder andere Scheibe abschneiden.

Und heute nun die weitere Reise ein wenig geplant. So fliege ich morgen nach Airlie Beach und erkunde von dort die Whitsundays. Von dort dann der Ostküste entlang Richtung Süden. Mal sehen, was es dort zu erleben und erkunden gibt.

Cheers, mates.

Darwin oder wie der FC Aarau doch noch aufstieg

Ab Singapur nahm ich also den Weg nach Darwin unter die Füsse….naja, genau genommen waren meinen Füsse genau bis zum Taxi und dann wieder bis zum Gate in Charge, aber egal, ich flog also nach Darwin. Mein erster Flug mit Silk Air, von welcher ich gerade gelesen habe, dass die Mutter Singapore sie nun offenbar mehr oder weniger komplett integrieren will. Der Flieger nicht aufregend, das Essen eher bescheiden, dafür die Flight Attendants äusserst aufmerksam, freundlich und zuvorkommen.

In Dawin gelandet, natürlich die zwei Minuten des Anstehens am Zoll genützt, um mir ein Wifi zu suchen. Worauf mich eine Zöllnerin sehr freundlich äusserst aufgebracht aufforderte „put your phone away“. Ich sah mich bereits in Handschellen abgeführt zu werden und dann stundenlang in einem fensterlosen Raum auf die Ausschaffung zu warten. Dabei natürlich gefilmt von den kompetenten Investigativjournalisten reisserischen Boulevard-Bros von „Boarder Patrol“. Ich dachte mir schon alle Argumente aus, welche noch für mich sprachen wie „tourism industry“ oder „Instafame“. Aber Australien gab mir eine weitere Chance und ich durfte einreisen.

Taxis und Uber leider nicht verfügbar. Irgendein netter Australier erklärte mir, warum. Ich dankte ihm freundlich für die informative Auskunft. Ich verstand kein Wort und lächelte ihn an wie ein Idiot. So kam ich zu meinem ersten Gruppentransport im Airport Shuttle. Günstig und rasch kam ich ins Hotel.

Hier dann doch ein zu erwartender leichter Down Grade zum Marina Bay Sands in Singapur. Aber das Kalidonis Village bietet saubere Zimmer mit Klimaanlage, Kühlschrank und Wasserkocher. Es verfügt über einen Pool, welcher zwar unspektakulär ist, aber für eine Abkühlung taugt.

Noch am Abend der Ankunft erkundete ich ein wenig das Nachtleben. Das ging schnell: Auf einer Distanz von vielleicht 200 Metern hat es rund 5 Pubs, alle mit Live Musik und alle mit einer ziemlich guten Bierauwahl. Die Musik ist nicht wie in Irland einheimische Volksmusik, es wird eher Populäres zum Mitsingen gecovered. So spielte der Solokünstler in Pub Nr. 1 nach rund 10 Minuten „Mr. Jones“, welches irgendwie das Lied meiner Australienreise 2003 war und in Pub Nr. 2 liessen sie mit einem lauthals mitgegrölten „Sweet Caroline“ die Barrageschlappe des FC Aarau vergessen.

Am nächsten Tag erkundete ich dann Darwin bei Tage. Die Stadt ist sehr übersichtlich und irgendwie friedlich oder gemütlich. Es verfügt an der Esplanade über einen grossen und sehr schön gepflegten Park und an der Waterfront über einen gigantische Ueberbauung zur Touristenbespassung. Dort hat es fast schon unzählige Restaurants, welche auch mehr als Burger an Fries bieten. Weiter verfügt es auch noch über einen Lagoon, wo man gefahrlos baden kann. Einen vollen Nachmittag habe ich dort mit viel Freude geplanscht. Dies habe ich allerdings aufgrund meiner Kaltwasserphobie noch nicht getan….

Am Abend des ersten vollen Tages habe ich eine Sunset Cruise unternommen. Gebucht über Get your Guide, diese bearbeiten mich seither mit Werbung auf Facebook für genau den Ausflug….offenbar noch Potential beim Datamining. Selten habe ich mich so jung gefühlt, war ich doch der einzige Teilnehmer unter 40 (grad gemerkt, dass ich selber schon 42 bin) unter 50 unter 60. Wieder unterhielt ich mich mit diversen netten Australiern ohne ein Wort zu verstehen. Ich ergänzte mein doofes unwissendes Grinsen aber durch gelegentlich eingefügte Ausdrücke wie „mate“ oder „no worries“ und wäre nach Bier Nummer 3 wohl schon fast als Einheimischer durchgegangen. Ah ja, und einen perfekten Sonnenuntergang sowie das obligate Hoddie-Bild gab es auch noch.

Am Folgetag dann der Ausflug zu einem Billabong (kannte ich vom letzten Mal irgendwie nur noch als Kleidermarke, gem. Wikipedia handelt es sich aber um einen toten rsp. nicht fliessenden Seitenarm eines Flusses). Lustiger Guide, welche seine Jokes routiniert zum richtigen Zeitpunkt vorbrachte („please clap at the end of the tour – just for me to know that you still have both arms“ – harrharrharr). Auch da gab es ein nettes Bild für Instagram.

Auf dem Rückweg entliess er uns am Strand, wo es noch einen Handwerkermarkt geben sollte. Dieser erwies sich allerdings eher als Street Food Festival. Auch Recht. Am Strand dann noch eine recht grosse Militärparade der Marines. Alle die ich fragte, was genau der Inhalt sei, erwiesen sich ebenfalls als Touristen und hätten die gleiche Frage gehabt. Auf jeden Fall war es durchaus spannend mitanzusehen und etwas viel weniger steif als ich meinen RS-Besuchstag in Erinnerung habe.

Am Strand dann nochmals der spektakuläre Sonnenuntergang. Dieses mal setzte mich eine Schweizerin nach detaillierten Anweisungen von mir mit offenbar vorhandenen Fotographie-Kenntnissen ohne weiteres Zutun von mir so ins Bild, dass ich nun frustriert feststellen muss, dass mein bisher bester Insta-Shot („die Mutter aller Aufnahmen“) leider nicht von mir ist. Natürlich war mein Beitrag, mit optimalem Einsatz der Filter das Maximum herauszuholen. Ich finde das Bild so gut, dass ich es sogar in der Kategorie #nofiltersneeded starten lasse.

So, das war Darwin. Blog geschrieben im gemütlichsten Kaffee der Stadt, geführt von Aboriginees. Man wartet rund 10 Minuten auf den Cappucino, aber das Warten lohnt sich.

Cheers, Mates.

Eine lange Zugfahrt hin, das Wunder von Neuenburg und eine sehr lange Zugfahrt zurück

Als in Wettingen aufgewachsener jugendlicher Fan des FC Wettingen (in Konkurs gegangen 1993, er möge in Frieden ruhen) konnte ich mich über den Meistertitel des FC Aarau 1993 nicht wirklich freuen. Nicht, dass er mich geärgert hätte, aber auch nicht wirklich gefreut. 2007 in der Barrage gegen Bellinzona entwickelte ich erstmals so etwas wie Gefühle für den FC Aarau. Dass die die Fans der AC Bellinzona die gleichen Lieder sangen wie diejenigen des HC Ambrí-Piotta störte meine junge Liebe zum FCA aber doch noch erheblich.

Erstmals echtes Feuer entfachte ich 2013, beim grandiosen Aufstieg. Als die Spieler schon am Abklatschen waren, als Wohlen plötzlich noch ein Tor in Bellinzona gelang und Aarau völlig überraschend schon an diesem Abend uneinholbar wurde. Als alle auf den Platz rannten, gefolgt von einem Platzregen und ‚Sweet Caroline‘ in die Welt hinausposaunten.

Also wurde ich halbwegs regelmässiger Matchbesucher, lieber bei Sonne als bei Regen, lieber im Mai als im November, lieber gegen Basel als gegen Chiasso, aber doch halbwegs regelmässig.

Was der FC Aarau dieses Jahr aber geboten hat, übersteigt alles. Mit tollem Kader und vielen Vorschusslorbeeren in die Saison gestartet, dann grandios fehlgestartet und dann die geilste Aufholjagd, die der Schweizer Fussball je gesehen hat. 6 Spiele, 0 Punkte, dann 11 Spiele, 4 Punkte und am Schluss in der Barrage. Ich gönne dem ganzen Verein, dass er für den Mut belohnt wurde, am Trainer und Sportchef festzuhalten. Und der Major wird nur schon dafür eine Legende, dass er sich eine Aufstiegsprämie in den Vertrag schreiben liess.

Die Barrage war quasi das Dessert, welches man sich nicht entgehen lässt, obwohl man doch schon satt ist. Und so entschloss auch ich mich zur Reise nach Neuenburg im Extrazug. Auch wenn meine resultatmässigen Erwartungen bescheiden waren, so freute ich mich auf ein unterhaltsames Spiel in einem tollen Stadion an toller Lage mit ein paar Bier dazu.

Die Zugfahrt lang, aber kurzweilig, versüsst mit einem offerierten Bier. Mit lustiger Kondukteuse, welche sich einen Aarau-Schal zu einer Krawatte binden liess. Welche Verständnis dafür hatte, dass mein Ticket der mit meinem Ticket gerade am Bier holen war. Mit ewigen Lobgesängen auf die Saison, den Trainer, die Mannschaft. Mit Hoffnung. Mit nicht endenden Gesängen von in Aarau bis und Neuenburg.

Dann ein Fanmarsch mit toller Aussicht, welche niemand offenbar nur ich wahr nahm. Ok, irgendwie war der Fanmarsch auch wirklich toller als die Aussicht!

Und dann ein Spiel, welches allen den Atem nahm. 0-3 zur Pause – 0-4 zum Schluss. Das Stadion ein Aarauer Tollhaus. Wildfremde Menschen, die sich umarmen. Die den Namen des offenbar abgangsgefährdeten Sportchefs skandieren. Die sich zwingen müssen, den Aufstieg nicht zu verschreien und die es dann doch ein wenig tun. Die sich nicht mehr erholen. Die fast zu ein wenig Mitleid mit Xamax und seinen Fans fähig sind. Toll der Xamax-Fan nehmen mir: nach dem 0-4 hat er mir anerkennend zugenickt und dann dem FC Aarau ehrfurchtsvoll zugeklatscht.

Einziger Wehrmutstropfen: Das Catering von Xamax. Eine Katastrophe. Zu keinem Zeitpunkt war dir Wartezeit kürzer als eine Viertelstunde. Die Organisation irgendwo zwischen 2. Liga regional und 1. Liga Promotion. Und das in diesem Stadion. Schade. Aber allenfalls mit Rücksicht auf den Folgetag eine durchaus erwünschte Bierzuflussbeschränkung.

Die Rückfahrt: ewig! Lang! Undendlich! Irgendwann untersuche ich wissenschaftlich, warum sich ein Hinweg meistens immer viel kürzer anfühlt als der Rückweg. Egal, irgendwann schlief ich ein, sonst würde die Rückfahrt wohl immer noch andauern.

Das einzige doofe an diesem Resultat? Aarau hatte nichts, aber auch gar nichts zu verlieren in dieser Barrage. Xamax hatte nur zu verlieren und nach Spiel 1 auch schon alles verloren. Somit umgekehrte Vorzeichen vor dem Rückspiel: jetzt kann Aarau eigentlich nur noch verlieren. Werden sie aber nicht, dieses kleine Fussballmärchen verdient sein Happy End.

#zämeförAarau

Eine lange Zugfahrt (also zwei), kulinarische Höhenflüge und die üblichen sinnstiftenden sinnlosen Gespräche – das war Bologna

Claudio wurde 2017 40, ist seither also näher an 50 als an 30. Genau aus diesem Grund hat er diesen Umstand wohl ignoriert und den runden Geburtstag nie gefeiert. Irgendwann im Frühjahr 2019 ist er dem wachsenden Druck aber unterlegen und hat das Bubenreislein des Jahres organisiert. Infolge der knappen Planung war sein Bruder leider verhindert (sorry, Bruder), dafür waren am Start: Claudio der Jubilar, bekannt von (oder eher zu finden auf) beffa.ch – dann Thomas Mezera, der Hockeygott, der seine Karriere in der legendären Keba ausklingen lässt – dann Mic, die Gourmetlegende aus TschechoSlowenien (sorry, Insidergag) – gefolgt von Sam (niemand weiss warum, aber auf Instragram schmückt er seinen Namen mit dem Zusatz ‚official‘) – dann Simon, der seinem früheren Übernamen Bier nicht mehr ganz gerecht werden mag sowie Gollo, der Oesterreicher, der alleine 17 Blogs füllen könnte – gefolgt von Benj (der mit dem Insektenburger vom vorletzten Blog) – und zu guter letzt ich, bekannt aus Film, Funk und Instagram.

Mitten in der Nacht (also am Freitag um 7) trafen wir uns am HB in Zürich. Alle, ausser Gollo, der vorausschauend ein Hotelzimmer in Erstfeld gebucht hatte und sich um diese Uhrzeit gemütlich aufmachte zum Frühstück. Und ausser Claudio, ja, genau, der Claudio, der die Tickets für den Zug hatte. Es brauchte viel Charme, Ueberredungskunst und Drohungen mit sozialen Medien, um zu verhindern, dass wir den Zug in Zug wieder verlassen mussten. Anstelle von Tickets hatten wir dafür Früchte, Gemüse, Schwarzbrot und- Tee sowie etwas Bier, Wein und Chips. Eine lustige Fahrt mit erstaunlich pünktlichen Anschlüssen. In Bologna angekommen assen wir Pasta mit der heimischen Sauce (ab jetzt bei jeder Mahlzeit, daher keine weitere Erwähnung) sowie ein zu einer Tagliata kredenztes T-Bone-Steak. Ich flippe jetzt noch aus nur schon beim Gedanken daran. Und dazu tranken wir den (leichter taktischer Fehler) besten Wein des Wochenendes.

Die Unterkunft war perfekt, sehr geräumige Doppelzimmer und ein gemeinsamer Innenhof mit Lounge. Umgeben von Anwohnern eines typisch italienischen Hinterhofs – unser Lärm störte niemanden. Speziell der Zugang: durch vier verschlossene Türen zu öffnen mit vier nicht beschrifteten unterschiedlichen Schlüsseln, welche mit Bart nach oben oder unten eingeführt werden mussten und teilweise klemmten…wir nannten es Rätsel…zufällig zuschauende Passanten schwankten zwischen lachen und die Polizei rufen…

Am Freitagabend vor dem Essen ein ausführlicher Apéro mit der angeblich besten Mortadella der Welt, danach ausnahmsweise mal ein Essen, ausnahmsweise: also es gab eine Karte und als wir alle gewählt hatten, erklärte uns der Wirt, dass die Karte nicht relevant sei, er uns aber schon das Richtige zu bringen wisse. Beim Wein gab es nicht mal eine Karte…er brachte das Richtige. Es war erneut Weltklasse. Leicht getrübt war der Gaumenschmaus nur von der auf gefühlte 48 Grad steigenden Raumtemperatur…

So, da die Müdigkeit noch ein wenig zehrt, hier der Cliffhanger: es folgen Kaffee, ein Ausflug nach Rimini, mehr Wein, mehr Essen und nochmals mehr Wein und nochmals mehr Essen…sobald ich dazu komme…versprochen….wird allenfalls in Gedenken an den Organisator 2021…