Über kurze Nächte, lange Flüge und noch längere Fahrten (Punkt 3 ist nur ein Teaser)

Über meinen Aufenthalt in Fiji habe ich ja bereits ausführlich berichtet, wer es verpasst hat, findet es hier. An meinem letzten Abend in Nadi kamen ja noch Nele und Maike an, die geliebten kleinen Schwestern aus der Walfamilie, welche es somit zum vierten Gastauftritt schafft, was gleichzeitig ein neuer Weltrekord ist (wohl leider aber auch der letzte Auftritt…). Aus Angst vor Ungeziefer wie Bedbugs hatten sie auf die Buchung einer Unterkunft vor der Abreise zum Islandhopping verzichtet und sich fest vorgenommen, irgendwo durchzumachen oder am Flughafen zu nächtigen. Dabei hatten sie sich wohl etwas komfortables wie Zürich oder mindestens Basel vorgestellt. Nun, der Flughafen in Nadi bietet vielleicht 20 unbequeme Stühle und das wärs dann auch schon. Ohne vertieftere Diskussionen liessen wir uns erst mal in eine Pizzeria fahren. Und weil wir alle sehr hungrig waren, wählten wir die zweitgrösste der zur Verfügung stehenden Optionen. Sehr gross aber irgendwie habe ich sie dann doch geschafft. Nele hatte im Duty Free sogar noch eine Flasche Wein gekauft, welche wir als bring your own günstig kredenzen wollten. Es blieb teilweise beim Wollen, da Maike und ich in der Aufregung und Freude über das Wiedersehen unsere Becher teilweise verschütteten. Da weder Durchmachen in dieser doch sehr drittweltigen Stadt noch der Flughafen echte Optionen waren, bot ich grossherzig den reichlich bemessenen Raum in meinem Doppelzimmer an (sharing is caring). Auf dem Weg dahin (wir wurden von einem wiehernden (echt jetzt, wirklich) Taxifahrer gefahren, welcher mehrfach leicht zweideutig nachfragte, ob ich die zwei Mädels am Flughafen „picked up“ hätte) kauften wir noch zwei Flaschen Wein, welche wir ohne weitere Verschütter in erstaunlichem Tempo zu leeren vermochten. Und trotz Weinkonsum blieb Nele bis zirka halb elf wach, was doch fast drei Stunden über ihrer üblichen Schlafenszeit lag und wenn nicht persönlicher Rekord dann wohl doch zumindest persönliche Jahresbestleistung darstellte. Nur eines hinderte die durchaus reiseerfahrenen Frauen an einem ruhigen Schlaf: sie hatten einen Transport vom Flughafen (da sie ja dort durchmachen wollten) zum Seehafen gebucht und mochten mir einfach nicht glauben, dass auch bei meinem Hotel täglich um halb acht ein Shuttle vorfuhr und dass sie diesen auch ohne Voucher benützen dürften….und dass im Notfall ein Taxi zur Verfügung stehen würde. Nun, der Shuttle war da und sie wurden ohne weitere Verzögerung transportiert und ich glaube, dass die zwei jetzt denken, dass ich schon wahnsinnig routiniert und gelassen reise. Aber ich kanns Euch jetzt ja sagen: ganz sicher war ich mir auch nicht und darum wahnsinnig froh, als ihr so problemlos in diesen Bus einsteigen durftet.

Ich brach wenig später selber zum Flughafen auf, wo ich die Wartezeit in der Lounge von Fiji Airways überbrückte. Nein, alle die denken, ich hatte mir den Zugang zu dieser Lounge mit einem Flug in der Business Class erkauft, irren. Zu meiner eigenen Überraschung flog ich Economy (nicht einmal Notausgang, dies aber nur, weil die Plätze schon verkauft waren) und erhielt den Zugang über den Priority Pass, welchen ich ja bei meinem MyNAB Paket (ja, das wussten jetzt schon fast alle, weil ich es ja bei jeder passenden und noch lieber unpassenden Gelegenheit erzähle) inbegriffen habe (und ja, der guten Form halber: ich arbeite für die NAB und ich werde für diese Arbeit (nicht aber für diese Erwähnung) auch bezahlt). Bei dieser Lounge könnten sich Swiss oder Lufthansa noch einiges abschauen: sehr schön eingerichtet und zum Zeitpunkt meines Besuches schwach frequentiert und entsprechend ruhig, das Essen wohl „best at an airport ever“ und die Getränke wurden sogar gebracht. Eher nervig dann, dass ich die letzten Fiji Dollar kurz vor dem Abflug in eine Flasche Wasser investierte, welche mir dann beim Besteigen des Flugzeuges mit Verweis auf einen neue Regelung abgenommen wurde.

Der Flug nach Sydney mit Virgin komfortabel, da ich wohl mit viel Losglück Gang mit freiem Mittelsitz hatte, von Sydney bis Adelaide dann eher beengt, da ich mit dem Mittelsitz vorlieb nehmen musste, aber das waren ja dann nur noch zwei Stunden.

In Adelaide angekommen hatte ich ein wenig Mühe, den Treffpunkt für ein Uber zu finden, weshalb ich zum ersten Mal in Australien ein normales Taxi benützte. Uber hätte 20 AUD gekostet (ja, ich weiss schon: hätte, hätte, Fahrradkette), das Taxi kostete 30 AUD. Für die Zahlung mit Kreditkarte wurden mir noch sagenhafte 5 % Zuschlag verrechnet. Gibt es immer noch Leute, welche sich über den Erfolg von Uber oder die Probleme der herkömmlichen Taxiunternehmen wundern?

Der Tag in Adelaide sehr mässig spekatakulär, eher der Wäsche und dem Ersatz meiner kurzen Hose gewidmet. Die alte hatte auf Fiji beim Einstieg auf ein Schiff Totalschaden erlitten (Schranz (einmal Schwiizerhochdütsch pro Beitrag ist zwingend) von rund 10 Zentimeter – genau im Schritt – da nützt auch das sehr gekonnte Umbinden eines Pullovers nichts mehr). Und einen Haarschnitt gab es auch noch. Der nächste wird frühestens in 10 Wochen fällig sein….

Tag 2 dann auf einer Wein Tour im Barossa Valley mit Groovy Grape Tours. Zuerst beim Grossproduzenten Jacobs Creek, danach bei drei kleineren. Und da drei Teilnehmer Rotwein nicht mochten (irgendwie doof auf einer Weintour – ist wie ein Winterausflug in die Berge, wenn man Schnee nicht mag) waren meine Degustationsproben von äusserst vernünftiger, ja sogar grosszügiger Grösse.

Und seit gestern befinde ich mich nun tatsächlich auf einer Gruppentour von Adelaide nach Alice Springs. Nicht auf einer Hoteltour wie in Darwin, wo ich ja bekanntlich eher zum Altenbetreuer mutierte. Nein, dieses Mal ist es eine Mehrbettzimmer- rsp. Swag-Camping-Tour. Ja, irgendwie hatte ich nach viel Komfort noch Lust auf ein wenig Abenteuer und je tiefer der Komfort desto lustiger die Teilnehmer (das ist echt ein Trade off und ich warte immer noch auf das Unternehmen, welches lustige Gruppen mit Kompfort hinkriegt. Wobei mir meine Co-Autorin (kleiner Teaser) sogar ein solches hat nennen können). Die Gruppe auf dieser Tour setzt sich zusammen aus einer Mutter (sogar etwas älter als ich) mit Kind, dem obligaten jungen Paar aus England (und die kommen entweder getrennt oder verlobt zurück, there is nothing in between), einem Deutschen etwa in meinem Alter sowie zwei 18jährigen Holländerinnen. Und wenn ich mir das ausrechne, dann bin ich nicht nur doppelt so alt, sondern sogar 2.33 Mal so alt wie die…aber man ist ja allerhöchstens so alt, wie man sich fühlt. Der Guide verfügt über zwölf Jahre Erfahrung und hat mir gestern Abend erklärt, dass früher gefragt wurde, ab wann man trinken dürfe und ob man überhaupt ins Bett müsse. Und heute fragen die jungen Reisenden tendenziell, ob man trinken müsse und ab wann man ins Bett dürfe. Vielleicht werden wir nur älter (aber deswegen leider nicht zwingend weiser), aber wenigstens scheinen die heutigen Jungen schon recht weise zu sein. Von dieser Tour berichte in dann in der nächsten Ausgabe.

Zum Schluss kurz zurück zum Teaser mit der Co-Autorin. Also begonnen hat das, dass sie mich via Whatsapp (der Link einfach, falls jemand Whatsapp nicht kennt, man weiss ja nie, der Chef der Swisscom soll es gemäss gut unterrichteten Quellen so ungefähr als Wäzzöpp aussprechen) Rechtschreibe-Fehler aufmerksam gemacht hat, eigentlich recht nervig, wenn ich ehrlich bin, wenn auch sicher gut gemeint. Mittlerweile verfügt sie aber über ein Erstleserecht und interpretiert ihre Rolle dahingehend aktiv, dass sie einzelne Abschweifer massiv ausbaut (die Erläuterungen zur Aussprache von Airlie Beach stammen weitestgehend von ihr) oder teilweise gewisse Fun Facts schon im Voraus recherchiert (zum Beispiel das mit der 7-Dollar-Note auf Fiji). Sie möchte anonym bleiben, weshalb sie hier einen anonymen Gastauftritt erhält. Sollte aber jemand einen „guess“ haben, um wen es sich handeln könnte: Tipps via Wäzzöpp an mich, die erste richtige Nennung (oder eher der Nenner oder die Nennerin) gewinnt ein von mir bezahltes Mittagessen, ganz alleine, nur für sich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und sollten keine richtigen Tipps eingehen, gibt es das nächste Mal einen Hinweis.

So, next stop Coober Pedy, das wäre dann die sehr lange Fahrt.

Cheers, mates.

Über Fiji, Fiji Time und Wilson selig

Fiji (die zweite Schreibweise Fidschi hört sich zwar ganz wahnsinnig stark nach Schwiizerhochdütsch an, ist aber nicht minder korrekt als die erste) ist bei uns wohl unter anderem bekannt wegen Fiji Water. Dieses wird ähnlich gehyped wie Voss Water, einen gesundheitlichen Nutzen können wohl beide nicht nachweisen und gerade in der Schweiz ist der Konsum von Flaschenwasser, herangeschifft vom anderen Ende der Welt, wohl doch eher fragwürdig fragwürdig nicht erklärbar eigentlich unentschuldbar. Etwas weniger bekannt ist, dass Fiji eine der grossen Rugby-Nationen dieser Welt ist und vor allem im 7-er Rugby fast schon dominiert. So wurde Fiji 2016 sogar Olympiasieger und damit zum ersten pazifischen Inselstadt mit einer olympischen Goldmedaille. Die Leute aus Fiji (heissen die wohl Fijianer?) waren darob so aus dem Häuschen, dass seither im Land eine 7-Dollar-Note zirkuliert. Fiji hat übrigens nichts mit Fuji zu tun (der eigentlich Ralph heisst, aber so nennt ihn niemand). Aber er verdient seinen Gastauftritt als grosser Fan meiner Beachwalk-Videos (er produziert mittlerweile schon Imitate, muss aber noch an der Verhinderung des Schattenwurfs arbeiten).

Mein Entschluss für meine kleine holiday from the holiday entstand relativ spontan, dabei standen drei Reisevarianten zur Auswahl: Flug nach Nadi mit Unterkunft in einem Resort und der Zubuchung von Tagesausflügen wurde rasch verworfen, da Nadi an sich nicht gerade überragend schön ist und man bei Tagesausflügen viel Zeit mit Warten am Hafen verliert. Variante 2 wäre der Kauf eines Bula Pass (Quasi das GA für den Schiffsverkehr zwischen den kleinen Inseln) mit spontaner Buchung von Unterkünften gewesen. Birgt aber die Gefahr, dass gewisse Inseln dann halt schon ausgebucht sind und hätte auch ein wenig vorgängige Auseinandersetzung mit der Reise benötigt. Variante 3 ist die Buchung einer Pauschalreise, sprich man hat alle Transporte, Unterkünfte und Verpflegungen sowie zum Teil auch Aktivitäten im Voraus gebucht und lehnt sich entspannt zurück. Gebucht habe ich bei Jemma bei Peter Pans in Airlie Beach. Sie hatte recht rasch mein Bedürfnis erkannt: ein eigenes Zimmer (mit eigenem Bad) in einem Resort, das daneben auch über Mehrbettzimmer verfügt. Denn wenn es nur Doppelzimmer gibt, dann werde ich entweder zum Honeymoon-Zuschauer oder zum Altenbetreuer, wie beschrieben in meinem Beitrag über Darwin. Und aus dem „dorm with shared facilities“-Alter bin ich irgendwie hinausgewachsen. Faszinierend an Jemma fand ich aber vor allem, wie sie telefonisch mit einer Person auf Fiji meine Unterkünfte zusammenstellte (das läuft noch recht analog), mir dazu einen Flug buchte (das dann schon online), ihre zwei jungen (und nicht gerade übermotivierten) „holiday workers“ instruierte (wieder analog) und mit einem geduldigen Lächeln auch noch einer Nicht-Kundin den Wunsch nach einer wunderschönen gelben Peter Pans-Stofftüte erfüllte. Meine Bestätigung erhielt ich dann via e-mail mit der Aufforderung, diese doch am Standort Noosa (da ich schon weitergereist war, auch darüber kann man lesen, nämlich hier) bei einer Kollegin ausdrucken zu lassen. So aus Verkäufer-Optik mässig attraktiv, den Verkauf eines Dritten administrativ abzuschliessen. Aber auch hier wurde ich von Hanna positiv überrascht, sie erklärte mir alles noch einmal ganz geduldig und dies obwohl ich vor der offiziellen Öffnungszeit dafür aber schön nassgeschwitzt von meinem ausgedehnten morning walk eintraf. Und als sie meine Nationalität sah, hatte sie sogar noch den umwerfenden Charme zu sagen, ich würde aber ganz wunderbar englisch sprechen und man höre gar keinen Akzent. Ihr merkts, ich bin ein bisschen Fan von Peter Pans geworden und habe darum auch schon eine Weiterempfehlung ausgesprochen gegenüber Marc Sarasin (vielleicht solltest Du dich wieder mal um deinen Auftritt in den sozialen Medien kümmern, auf Xing findet man Dich als Mitarbeitenden der AKB, ich wusste nicht mal, dass Du mal dort warst, aber wenn Du es wirklich mal warst, dann muss das lange her sein). Das war jetzt nur eine kleine Überleitung, um kurz zum legendären Ausflug in den Europa-Park mit Marc abzuschweifen. Das muss 2001 gewesen sein und die Credit Suisse hatte rasch für ein Wochenende den ganzen Park für das damals noch herzlich geschätzte Personal gemietet. So richtig mit Abendunterhaltung, DJ Bobo trat sogar noch auf. Und alle waren ganz aus dem Häuschen und kriegten sich fast nicht mehr ein oder kurz zusammengefasst: Mann, waren das noch Zeiten. Wenn ich mich richtig erinnere, war Markus Grimm (der hat gar keinen Auftritt auf Social Media, der braucht das offenbar nicht) auch am Start. Und Markus, falls Du dies liest, wollte ich nachfragen, ob das traditionelle Weihnachtsessen eigentlich wieder stattfindet?

So, aber eigentlich wollte ich ja von Fiji erzählen. Hingeflogen ab Brisbane, mit dem Nachtflug, welcher um 00.30 abfliegt und am Morgen um 05.00 in Nadi landet. Man verliert keinen Reisetag und spart erst noch eine Nacht. So die Theorie. Der Flug hatte leider mehr als zwei Stunden Verspätung und so eine Nacht auf einem Flughafen mit ausschliesslich geschlossenen Läden und Restaurants bei sich zu Ende neigenden Akkus aller elektronischer Geräte (das war das wahre Drama) ist dann doch nicht so geil. Egal, kurz vor 08.00 landeten wir auf Fiji. Dort erhielt ich dann für jeden Transport, jede Mahlzeit, jede Übernachtung und jede Aktivität tatsächlichen einen papiereren Voucher in die Hand gedrückt. Ja, Fiji ist noch sehr traditionell oder eben anlog. Aber obwohl alles immer ein wenig chaotisch und unorganisiert wirkt (so auf Zuruf) hat immer alles ausnahmslos geklappt und obwohl immer auf die Fiji-Time verwiesen wird (in der Schweiz würde man sagen: chumi hüt nöd, chumi morn) war auch immer alles überraschend pünktlich. Vielleicht ist das mit der Fiji Time auch einfach sehr durchdachtes Expectation Management.

Den ersten Tag verbrachte ich auf der Seaspray Adventure, toller Tagesausflug zur Insel, auf der Cast Away mit Tom Hanks (und dem verschollenen Wilson, er ruhe in Frieden) gedreht wurde. Und auch wenn wir alle ganz sentimental waren (weil der arme Tom doch sieben Jahre darum kämpft, seine grosse Liebe wiederzusehen und dann hat die dummerweise in der Zwischeinzeit mit einem anderen angebandelt), so ist diese Insel doch einfach wahnsinnig sehenswert. Und das Wasser kristallklar und so wunderbar warm, dass sogar Menschen mit Kaltwasserphobie einfach reinspringen können. Der Ausflug ist nicht ganz billig, dafür „all inclusive“, wobei zwei durchaus trinkfreudige Paare aus Kanada dafür sorgten, dass der Weissweinvorrat irgendwann zur Neige ging. Wir wurden dann damit entschädigt, dass uns beim Schwimmen am Nachmittag Bier direkt ins Meer zugeworfen wurde. Und „all inclusive“ beinhaltet vor allem auch ein hervorragendes Barbecue zum Lunch.

Die erste Nacht verbrachte ich auf Beachcomber Island, so gross oder klein, dass man in 5 Minuten um die ganze Insel spazieren kann. Eigentlich wäre ich auf South Sea (noch ein wenig kleiner) gebucht gewesen, aber ich wurde dann kurzfristig auf dem Boot (improvisiert, auf Zuruf) umgebucht. Beachcomber ist ein wenig als Partyplace verschrien. Da wir aber nur rund ein Dutzend Gäste waren, hielten sich die Feierlichkeiten in engen Grenzen. Immerhin holten wir im Beer Drinking Contest bei drei startenden Teams sehr ehrenvoll und nach hartem, aufopfernden Kampf die wohlverdiente Bronzemedaille.

Tag zwei war der Verschiebung nach Wayalailai gewidmet, ein sehr süsses, sehr liebevoll gestaltetes kleines Resort. Direkt vor der Insel liegt ein zum Resort passendes (also kleines und süsses) Reef, an dem man wunderbar schnorcheln kann. Höhepunkt ist aber der Ausflug zu den Reef Sharks, welche so zahm sind, dass sie sich auf touch distance nähern. Und während man in Australien nie irgendetwas anfassen soll, sind die Fijianer wesentlich entspannter, sprich man wird aufgefordert, die süssen kleinen Haie zu streicheln. Und auch sehr wichtig: Sehr gutes Essen.

Nach zwei Nächten dann die Weiterreise zur Nabua Lodge. Auch dort eine sehr familiäre Atmosphäre. Eine der Aktivitäten ist Fischen und wenn ein Gast etwas fängt, wird dieser Fang auch gleich für die nächste Mahlzeit gekonnt verwertet. Ein Franzose war ganz angefressen vom Fischen und seine Frau ging immer mit, um ihm beim Fischen zuzuschauen und weil sie das so toll fand wird „watching somebody else fishing“ nun versuchsweise ins Aktivtätenprogramm aufgenommen. Also ich würde ja Fischen an sich schon langweilig genug finden, aber in einem Dritten dabei zuzuschauen, könnte dann doch eine tödliche Dosis an Langeweile sein. Darum ging auch auf den sehr kostengünstigen Snorkling Trip, welcher einen zu drei verschiedenen Reefs bringt. Und bei einem hat so viele Fische, dass man sich fast schon durchkämpfen muss. Am Abend spielten wir 5 Stunden UNO. Es war nie geplant, so lange zu spielen aber ein armer Engländer schaffte es sicher 20 Mal auf eine Karte runter aber nie zum Sieg und weil er uns so leid tat, spielten wir solange weiter, bis er dann doch mal noch gewann. Sehr spannend auch die länderspezifischen Regelinterpretationen, wobei wir uns irgendwann auf Demokratie einigten und bei Unsicherheiten einfach abstimmten. Was dann zu kleinen Unstimmigkeiten bei einem Paar führte, weil er einfach konsequent gegen die Interessen seiner Frau stimmte und dies auch noch lustig fand. Wir auch.

Letzte Station war das Manta Ray Island Resort. Etwas grösser, daher etwas lauter, dafür mit sehr gutem Essen und tollen Mitarbeitenden, welche sich die Goldmedaille in der Kategorie „farewell songs“ holten. Schade, dass keine Mantas gesichtet wurden (wie intensiv sie gesucht wurden, kann ich nicht beurteilen), womit die entsprechende Aktivität ins Wasser fiel. Aber die Mantas hatte ich ja schon in Coral Bay gesehen und darüber berichtet. Und so ein Tag in der Hängematte kann auch sehr attraktiv sein.

Ja, und so verbringe ich nun noch einen letzten Tag zurück in Nadi. Der erste wirkliche Regentag auf meiner bisherigen Reise, somit leider keine wirkliche Chance auf Tan Improvement. Was schade ist, denn ich habe mir extra noch eine Sonnencreme mit Schutzfaktor 30 gekauft, denn von diesem 50-Zeugs wird man einfach nicht braun (und ein bisschen rot muss es eh werden, damit es richtig braun werden kann – ein absoluter Evergreen dieser Reise, wobei immer alle Männer zustimmen und alle Frauen vehement widersprechen). Heute reisen noch zwei Schwestern aus der Walfamilie an, womit auch diese bereits zum dritten Gastauftritt kommt. Sie haben keine Unterkunft gebucht und wollen gemäss Ankündigung „durchmachen“ (habe ich zum letzten Mal wohl im Skilager in der Lenzerheide ca. 1993 gemacht), mal schauen, ob und was ich darüber berichten werde.

Next stop Adelaide.

Cheers mates.

Wenn es total absurd und darum so lustig ist…

Bevor ich über Fiji berichte (wo es also wirklich sehr geil ist, das mal als kleine Vorschau auf die nächste Ausgabe) muss ich erst noch den letzten Tag in Byron Bay aufarbeiten….da war ich nämlich auf der Grasshopper Nimbin Tour, gebucht über getyourguide.ch und ja genau, seither beschallen sie mich mit Remarketing zu eben diesem Ausflug und haben es jetzt mit dieser erneuten Erwähnung in den Status des Running Gags geschafft (was die dicken Kinder von Landau bei Harald Schmidt mal waren). Nimbin ist das, was Byron wohl auch mal war: eine kleine verträumte Hippie- oder Kiffer-Stadt. Der Ausflug besteht aus der Fahrt nach Nimbin (in einem 1978 gebauten Bus, jüngere Teilnehmer bezeichneten diese 41 Jahre als uralt…), 2 Stunden Aufenthalt in Nimbin sowie einem Barbecue-Lunch, welcher die Rückfahrt unterbricht. Zwei Dinge sind an diesem Ausflug aussergewöhnlich, ja absurd aber eben auch lustig und darum erzählenswert:

erster Akt: Der Tankstop

Normalerweise ist bei der Buchung schon deklariert, ob ein Ausflug ‚licenced‘ (also man kann Alkohol kaufen) oder ‚bring your own‘ (man bringt die Getränke selber mit, was ja z.B. auf den Whitsunday Islands nicht alle Mitglieder der Walfamilie getan hatten). Nun, da dieser Ausflug ja eigentlich nur aus Hin- und Rückfahrt bestand, machte ich mir diesbezüglich überhaupt keine Gedanken, denn ausser in ganz extremen Notfällen wie bei Busfahrten nach Paris mit Claudio Beffa (der mit dem Möbelladen) und Dubi (der hat eine Privatschule, ist fast noch hipper als so überteuerte Designersachen) – und Nick, Nick war ja auch dabei und konnte den ganzen Rückweg nicht schlafen und hat alle zwei Minuten zur Uhr geschaut und war immer ganz enttäuscht, weil wieder nur zwei Minuten vergangen waren, aber das tut grad herzlich wenig zur Sache – trinke ich auf Busfahrten eigentlich kein Bier. Leicht anders kann es sich auf Zugfahrten verhalten wie beschrieben in Das Wunder von Neuenburg – ja genau, der Beitrag über den gar nicht mehr veryoungboysbaren Aufstieg des FC Aarau, welchen sie dann doch noch veraarauert haben….sorry not sorry für die vielen Abschweifer. Nun, auf dieser Tour wurde einem vom Busfahrer richtiggehend eingehämmert, dass man so viel trinken könne wie man wolle, dies sei eben eine Fun-Tour und man könne sich also richtig hart wegschiessen und einzig kotzen dürfe man nicht….dummerweise hatte ja aber gar niemand was dabei, um sich so richtig heftig wegzuknallen (das wäre auch mal ein glattes (Schwiizerhochdütsch) Spiel: Begriffe für sich betrinken aufzählen…ich wäre wohl nicht mal so schlecht…) – aber auch dafür hatte unser Fahrer eine Lösung: auf dem Höhepunkt seiner Heissmacherei hielten wir ganz zufällig bei einem Pub in the middle of nowhere (da wo weder jemand wohnt noch hält), wo man zu total überhöhten Preisen Bier über die Gasse kaufen konnte. Nicht nur war es Zufall, dass wir diesen Pub genau dann entdeckten, sondern der Pubbesitzer war auch noch ein guter Freund des Fahrers und ich bin wohl nicht allzu bösartig, wenn ich vermute, dass in diesem Fall verdeckte Kickbacks noch nicht verpönt sind. Einige vergassen in diesem provozierten Kaufrausch glatt, dass es in Nimbin rund eine Stunde später einen ganz normalen bottle shop mit ganz normalen Preisen gibt….darum tankten sie gleich mal für den Rest des Tages.

zweiter Akt: Das Laientheater

Mit stark unterschiedlichem Alkoholpegel aber alle wohlbehalten und amüsiert kamen wir in Nimbin an. Dort wurde uns vom Busfahrer sehr eindringlich erklärt, dass alle berauschenden Marihuana-Produkte in Australien verboten seien….aber auch wo man entsprechende Cookies kaufen könne….natürlich nicht offiziell, nur unter dem Ladentisch und unter der Hand und nur ganz leise und geheim. Nun, wir fragten in einem Café, das nach solchen Produkten ausschaute (man kann die Merkmale nicht genau beschreiben, aber wir wussten, dass wir am richtigen Ort waren). Der Besitzer schaute uns fast ein wenig schockiert an und erklärte, er führe ein seriöses Business und würde bestimmt nicht mit illegalen Produkten handeln. Und auf meine Nachfrage verneinte er auch die unter dem Tisch-Möglichkeit, er wurde dabei sogar ein wenig lauter und bestimmter. Also fragte ich ihn, ob er allenfalls denn jemanden wüsste, der so was, was er nie tun würde, eben doch tun würde. Worauf er mir sagte, allenfalls würde mir einer seiner Gäste so was besorgen können, wobei er mir natürlich nicht sagen könne welcher, denn dies wäre aus seiner Sicht schon hart an der Grenze zur Illegalität. Nun fragten wir uns also durch, worauf uns ein älterer Herr mit diskretem Handzeichen bedeutete, ihm (natürlich ganz unauffällig, vor allem nie zurückblicken, das erweckt sofort Aufsehen) zu folgen. Er war der gewünschte Dealer, sprach aber nur ganz leise mit uns (und so fast ohne die Lippen zu bewegen) und verbat sich Wörter, welche in irgendeiner Form auf ein illegales Geschäft hätten hinweisen können. Dann ging er mit konspirativem Blick zu seinem Wagen und kam mit einer Papiertüte zurück. Diese wurde dann ganz unauffällig unter dem Tisch gegen Geld getauscht, zusammen mit der Mahnung zum ganz vorsichtigen Umgang mit solch toxischen Substanzen. Hier könnte ich einen Mitarbeiter von mir nennen, der Gerüchten zufolge in jungen Jahren einmal ganz seltsame Erfahrungen gemacht haben soll beim nicht sachgemässen Umgang mit solcher Art Gebäck. Sein Name sei nicht genannt, aber im Nebenamt soll er noch Redaktor bei Netz Natur beim Schweizer Farbfernsehen sein.

Ob diese Cookies irgendetwas Berauschendes enthielten, fanden wir nicht heraus, aber die nächste Stunde war sehr lustig (richtig sauglatt war sie sogar). Ob das an den Cookies, dem Bier dazu oder einfach daran lag, dass wir das eben erlebte Theaterspektakel noch mindestens 12mal und immer ausufernder nachspielten, lässt sich leider oder zum Glück nicht mehr rekonstruieren. Wobei der Videobeweis durch den neu eingeführten VAR tendenziell auf eine leicht berauschende Wirkung schliessen lässt

Ja, und mit diesem Video wäre auch der zweite Gastauftritt meines namentlich höchstens aus Versehen genannten Mitarbeiters perfekt, denn diese junge Frau fasst all seine Ängste vor unbegleiteten Restaurantbesuchen perfekt zusammen. Und falls sich jetzt mein Mami Sorgen macht, weil ich doch auch so alleine und ganz sicher einsam bin: kann sie jemand anrufen und ihr sagen, dass es mir gut geht und mir die Alleinreiserei immer noch super gefällt? Die Telefonnummer findet sich hier.

Next stop Fiji 🇫🇯.

Cheers, mates.

Über Surfers Paradise, Byron Bay, Kapitalisten und Hippies

Von Noosa reiste ich mit dem Bus weiter nach Surfers Paradise. Ich hatte mir kurz überlegt, ob ich wirklich nach Surfers zurückkehren oder direkt nach Byron Bay weiterreisen sollte. Die Tage 2003 waren richtig fett gewesen und mir war es klar, dass sich diese 2019 nicht wiederholen liessen. Warum war 2003 so fett gewesen? Nun, irgendwie hatten wir uns zu einer lustigen Gruppe junger, testosterongeladener Schweizer Männer gefunden, welche nach eher beschaulichen Tagen in Byron Lust auf die Woche ihres Lebens hatten. Was so viel hiess, wie den Nachmittag am Strand chillen (das Wort gab es damals wohl noch gar nicht), dann beim Essen vorglühen, anschliessend bei der Triple Happy Hour nachlegen. Und dann nicht einfach das Shooters besuchen, sondern das Shooters als Legenden verlassen. Ja, und am nächsten Morgen irgendwie alle Ereignisse der Nacht rekonstruieren, oder es zumindest versuchen. Etwa so war es. Lustig, dass ich anschliessend zu keinem der vier Kontakt hatte, zwei davon aber ganz zufällig wieder traf (mit dieser Geschichte erkläre ich übrigens Australiern, wie klein die Schweiz ist): Sandro im Militär (und auch dort gab es ein, zwei Nächte mit Sufers-ähnlichen Bedingungen, herzliche Gratulation zu Euren hart erarbeiteten und wohlverdienten Gastauftritten Reto und Patrick) und Chistian (auch er mittlerweile Model des HKV Aarau) als Teilnehmer des Verkaufsleiterlehrgangs, der mir irgendwie bekannt vor kam…ja, irgendwann fanden wir dann heraus, dass und woher wir uns tatsächlich kannten.

Nun, meine Erkenntnis nach zwei Tagen und Nächten in Surfers ist: Es ist noch genau gleich. Aufgebrezelte, aufgekratzte, laute junge Erwachsene am Vorglühen oder schon vorgeglüht auf dem Weg ins Shooters. Viel Licht, viel Musik, alles greller und lauter als sonst wo. Aber auch für mittlerweile eher genussorientierte Besucher wie mich bietet Surfers einiges (ausser den Jungen (tut schon ein wenig weh, das so zu schreiben) zuzuschauen und in alten Erinnerungen zu schwelgen und natürlich einem fast schon unendlich langen Sandstrand): gutes Essen, coole Bars und vor allem (wieder einmal) ein Craft Beer House mit 36 Sorten und Live-Musik, insofern wäre es länger auszuhalten gewesen. Und sehr schön: als ich um ca. halb eins des Morgens nochmals Hunger kriegte, hatte ich die Auswahl unter Dutzenden von Restaurants, welche danach lechzten, mir was zu servieren. Sonst ist das in Australien ja eher anspruchsvoll: alle haben zwar angeschrieben „open till late“, aber das kann auch 9 pm sein…

Von Surfers nahm ich dann den Bus nach Byron Bay. Auch diese irgendwie verträumte Küstenstadt (notabene der östlichste Punkte von Australien) liebte ich schon 2003. Und ich muss (ungern) zugeben, dass Fausto (auch er hatte schon seine 5 seconds of fame in der AZ – vor allem aber: herzliche Gratulation zum dritten Gastauftritt in Folge, das ist ein klassischer Hattrick) recht hat, wenn er Byron gegenüber Noosa den Vorzug gibt. Irgendwie ist hier alles hang loose, entspannt, relaxed und gemütlich. Wenn wir bei Hattrick (wer von den ehemals süchtigen Spielern dies liest, möge die Hand erheben) bleiben (das ist jetzt eine geniale Ueberleitung, ich weiss), dann wäre in der damaligen Spielerbewertung Noosa „Weltklasse“, Byron aber halt schon verdammt nah dran an „göttlich“. Und gemäss Wikipedia verfügt Byron über den ‚sexiest beach on earth’ – muss basierend auf meinem letzten Besuch 2003 entstanden sein. Byron ist seither ein wenig grösser, ein wenig besser gepflegt, ein wenig kommerzieller und ein wenig voller geworden. Den Kern der alten Hippie-Stadt hat es aber wohl mehr oder weniger erhalten. Unter anderem mit fast schon unzähligen Strassenmusikern oder Strassencafés, oder weil es (wegen Bürgerprotesten) keinen McDonalds gibt. Oder weil es total ok ist, 4 Stunden vor einem Kaffee zu sitzen (ginge wohl auch mit Bier, aber die halten nie vier Stunden) und einen Blog zu schreiben. Und im Gegensatz zu Surfers Paradise bietet die Bucht perfekte Bedingungen für Surfer, auch für Anfänger.

Auf einer Tagestour war ich natürlich auch: und zwar auf der Hinterland-Tour mit Rise Up. Wunderschöne Wasserfälle, ein beeindruckender Regenwald mit perfekter Szenerie für ein Hoddie-Pic, gutes Essen und nach Einbruch der Dunkelheit tausende von Glühwürmchen. Geführt von Chris, einem leicht abgedrehten Hippie aus Brasilien. Ich fasse zusammen: If you want wo know, what Byron is about, go with Chris.

Chris

Zum Schluss noch zwei Geschichten, welche Australien irgendwie gut zusammenfassen, mir zu Ohren gebracht von zwei „darf ich einen Gastauftritt haben? Kriegst dafür die Geschichte? liebschau.“

Roland (er versteht übrigens was von LinkedIn, falls sich da jemand noch ein wenig pimpen möchte) war in jungen Jahren zweimal im Sprachaufenthalt in Surfers. Überschattet wurde der Besuch eines nahe liegenden Vergnügungsparks davon, dass er zu einem Kollegen nach einer Achterbahnfahrt sagte: „fuck, isch das geil gsi“….und wegen Benützung des F-Wortes des Parks verwiesen wurde. Jaja, ein wenig Doppelmoral gibt es auch hier, in Byron gibt es zwar keinen Mc, Subway und Dominos Pizza gehen aber schon…

Svenja (Freunde dürfen Sie Svene nennen) verbrachte ihren Sprachaufenthalt in Byron. Dort wurde ihr das Velo (die Deutschen verstehen das jetzt wieder nicht, ich meine Fahrrad) gestohlen, obwohl Australien ja so sicher ist, dass man es nicht abschliessen muss. Dank Videoüberwachung (das dann doch) konnte der Täter (in Byron kennt jeder jeden) rasch ermittelt werden, so dass Svenja (sie soll übrigens in den Genuss des längsten Stages meiner bisherigen Laufbahn gekommen sein, behaupten böse Zungen) das Velo am Folgetag wieder zurück erhielt.

So, und mit diesem wunderbaren Happy End verabschiede ich mich vorerst aus Australien, fliege mal rasch nach Fiji (wämer scho mal i dä Nöchi isch und „wäg einisch“ (gäll, Tina, Gratulation zum bisher jüngsten Gastauftritt)).

Cheers, mates.

Über Noosa, Cannes und Erinnerungen

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich mochte Noosa schon 2003 und mag es auch jetzt. Warum Fausto Giardina also wie in der letzten Ausgabe beschrieben schon nach wenigen Stunden abreiste, bleibt mir ein Rätsel.

Warum ich Noosa mag: Nun, es bietet eine schöne, feinsandige Main Beach, dazu aber auch separat eine Sunrise und eine Sunshine Beach. Die zwei letzteren erreicht man per Fahrzeug (wohl 99 % der Besucher) oder via einen Scenic Walk durch den Noosa National Park. Ich habe Variante zwei gewählt und zum allerersten Mal kam ich mir unter all den beturnschuhten Joggern ein wenig deplatziert vor in meinen Flip Flops. Daneben bietet Noosa sehr viele Aktivitäten wie z.B. Lektionen in Surfen, Stand Up Paddeln, einen Fluss zum drauf bööteln oder Kayak fahren oder diverse geführte Touren. Und auf so einer geführten Kayak-Tour ins Meer hinaus war ich dann auch. Delfine in touch-distance (but do not touch them) und ein absolut wahnsinnig grosser Wal, der in 2, 8, 12 (ok es waren wohl) 25 Metern Distanz aus dem Wasser sprang und beim Wiedereintauchen mit der Flosse aufklatschte – ja, das war zwar sehr cool aber auch ein bisschen sehr nah. Und noch cooler: Der Ausflug bot eine Chance für ein neues Hoodie-Pic. Und damit keine Langeweile aufkommt, habe ich in ein neues Hoodie investiert.

Vor allem bietet Noosa aber das, was ich mediteranes Flair nennen würde. Eine schöne Einkaufsstrasse mit vielen Cafés, die Sitze nebeneinander, so dass alle rausschauen können. Und dazu gutes Essen, für australische Verhältnisse sogar sehr gutes. Am ersten Abend war ich beim Italiener, konkret bei 250 Grammi, die servierten mir Insalata Caprese con Burrata (welchen sie auf der Karte fälschlicherweise als Mozzarella-Untersorte darstellten, um nicht als Klugscheisser zu wirken, habe ich nicht auf den Fehler aufmerksam gemacht). Ok, da kann man nicht sooo verrückt viel falsch machen, wenn man die richtigen Zutaten hat, aber die hatten sie. Danach eine Pizza Parma (mit Parmaschinken, nicht Pharma, hat nichts mit Novartis und Konsorten zu tun). Die war schlicht delicious. Ok, ehrlich gesagt, war sie genau gleich gut wie im Roten Haus in Brugg (herzliche Gratulation zum Gastauftritt, Vittorio). Zeigt einfach wie verwöhnt wir wohl sind, wenn ich hier fast ausraste ab dem (Schwiizerhochdütsch!), was ich zu Hause faktisch zweimal die Woche esse. Wirklich gerissen haben sie es aber mit dem Dessert. Das war so ein Schokoladenküchlein mit flüssigem Kern (ja genau, so ein Ding, das sie im Swissdinner nie hinbekommen und dann findet es Eric Hämmerli immer so furchtbar schade, weil eigentlich hatte diese nennen wir sie mal Damaris wahnsinnig viel Potential für ihr Alter).

Am zweiten Abend landete ich dann bei einem Asiaten (ist ja nicht so total meins, aber die hatten aussen gross „craft beer“ angeschrieben und da war ich so begeistert, dass ich schlicht übersah, dass es ein Asiate war). Der Start verhalten optimal, als der Kellner mit gefühlt 100 Dezibel sagte schrie: „Oh, just for you, you mean you are alone, so go sit at the bar, so we can save the tables for bigger parties“. Ja genau, und alle die den einen bestimmten nicht namentlich genannten Mitarbeiter von mir kennen, die wissen jetzt, dass er genau darum nie alleine reisen würde (nicht mal einen Kaffee trinken gehen), weil er ständig das Gefühl hätte, alle würden ihn mitleidig anschauen, weil er ja allerhöchstens sich selber zum Reden hat. Da er aber nicht namentlich erwähnt werden möchte, wird er hier vertreten von Rossy (sie hat übrigens etwas geschafft, was noch auf meiner bucket list steht, eine ganze Seite in der AZ, siehe link). Erstens weil er dank ihr bei uns arbeitet und weil ich ganz sicher bin, dass Rossy auch diese Challenge meistern würde, weil ich bisher noch nichts gefunden habe, das sie nicht meistern würde. Das mit dem alleine Essen haben wir bisher nicht überprüft, daher würde ich sagen „here is a challenge for you“: Lunch irgendwo in Brugg nur mit Dir selber. (Also Hauptgrund für die Vertretung von Patrik (ups, jetzt ist sein Name doch noch gefallen) ist, dass Rossy nach meinem Aufruf vom letzten Mal um einen Gastauftritt gebeten hat, selber schuld). Aber eigentlich war ich ja beim Asiaten. Und was der servierte, war nun echt „best food of this trip“. Thunfisch und eine Cheese Cake Variante (also Hauptspeise und Dessert, der Cheese Cake war nicht die Beilage zum Fisch). Der Cheese Cake erinnerte mich an Whistler Mountain, wo mir eine (sicher umsatzbeteiligte) Servicefachangestellte (Serviertochter sagt man ja nicht mehr) ein „tiny little dessert“ verkaufte, welches dann Kalorien für zwei Tage hatte.

Der Thunfisch (einfach falls es jemand für den Cheese Cake gehalten hätte)

Womit wir bei den Erinnerungen wären. Und warum es mir in Noosa wohl vor allem gefällt, ist, weil es eben solche weckt. Konkret an Cannes im Sommer 1993 (shit, 26 Jahre her). Da wohnte ich bei einer Madame, ging am Morgen zur Schule und am Nachmittag zum Plage (womit alles erlernte Französisch in einen kurzen Satz gepackt wäre). Und auf dem Rückweg vom Strand stoppten wir jeweils bei Häagen-Dazs (das so heisst, weil der Gründer einen Namen wollte, welcher sich schwedisch anhört, es gibt aber kein Wort auf schwedisch, dass Häagen Dazs heisst, erzählte uns damals Henning. Woher er das wissen sollte, wüsste ich auch nicht, aber er war ein Jahr älter als wir und daher Instanz). Nun, hier in Noosa hat es einen Laden von Ben and Jerry. Und während das Eis 1993 simpel „Belgian Chocolate“ hiess, so heisst es hier halt „double half baked chocolate cookie chrunch red sweet berries creamy sommer love“ – das Konzept ist aber das gleiche: süsse, cremige Masse mit Stücklein drin, kalorienreich, schön drapiert und darum hochpreisig. Auch noch zu erwähnen an Cannes wäre Reto, der bei der gleichen Madame wie ich untergebracht war. Während ich überschüssige Sandwiches (liebevoll von Madame zubereitet, nicht alle eine kulinarische Offenbarung) einem Clochard schenkte, lagerte Reto diese unter seinem Bett für schlechte Zeiten. Und als dann Madame nach zwei Wochen das Bett frisch bezog….ihr wisst schon. Beim Bettbeziehen schleicht sich Eloy (hier nun mit ganz seriösem Business-link, aber der von Transfermakt ist schon irgendwie geiler) wieder rein, denn er hat von seiner Mutter mit auf den Weg bekommen, dass Betten zwingend immer mindestens alle zwei Wochen frisch zu beziehen sind, folglich hätte er das Sandwich-Lager rechtzeitig geräumt. Apropos Mutter von Eloy: Frau van der Sman, finde ich Sie auch irgendwo im Internet (vielleicht bei Spielermutti.de oder so?) dann würde ich Sie auch noch verlinken…).

Aber ich war ja in Cannes, wohin wir 1994 mit Interrail (damals, als Fliegen noch teuer und Zug fahren noch billig war) zurückkehrten. Damit herzliche Gratulation zum Gastauftritt an Claudio Beffa (how about a Mooris-Flagshipstore in Noosa?) und Gollo (ohne Internetpräsenz, er hatte auch ganz lang kein Natel und rief deshalb immer aus Telefonzellen an). In Cannes wurde Gollo (der schlauerweise unsere Reisekasse komplett auf sich trug, also was nach seinem unbedachten Batterienkauf noch übrig war, Insidergeschichte) überfallen und hatte eine krasse Schnittwunde am Hals (die Narbe sieht man immer noch) und musste ins Spital. Und wäre beinahe von Organhändlern entführt worden. Legendär ist aber vor allem der Anruf bei seinen Eltern am Folgetag: „Hoi Mami, Du, ich bin überfalle worde. Sorry, mini Taxcard isch grad leer. Tschüss“. Womit er Mutter Gollonitsch für 72 Stunden (so regelmässig musste der junge Gollo zu Hause anrufen) in grosser Sorge um ihren Filius zurückliess.

Ok, ich gebs zu, so verrückt viel hat dieser Beitrag nun nicht mehr mit Noosa zu tun. Und unterhaltsam war er wohl vor allem für die Insider…wobei nicht mal für die, weil die haben ja alle Geschichten schon 100mal gehört. Sorry, not sorry.

So, next stop Surfers Paradise. Genau, Christian Zimmerli (auch er ein Model des HKV Aarau), freu Dich auf Deinen Gastauftritt.

Cheers, mates.

Fraser Island – über den Dingo und über Hennen

Zuerst eine kleine Ergänzung zu meinem letzten Bericht über die Whitsunday Islands rsp. Airlie Beach. Meinem Bruder (ich bin fast versucht zu sagen: wem sonst) ist folgende mathematische Unlogik aufgefallen: Bei zehn Frauen erweisen sich drei als die lauten und laut lachenden, was ich als die eine Hälfte beschreibe. Nun ist drei nicht die Hälfte von zehn und mein Bruder fühlte sich an seine Zeit an der Bezirksschule Wettingen und den Unterricht bei Matthias Steinemann (Mathematiklehrer) erinnert, welcher sich immer mal wieder aufregte: ‚weil ein Drittel der Klasse schwatzte und die andere Hälfte nach hinten schaute‘ (sic.). Also herzliche Entschuldigung für diesen redaktionellen Fehler Vermutlich interessiert sich ausser meinem Bruder niemand wirklich für solche Nebensächlichkeiten, aber sollten sich weitere solche eingeschlichen haben, bitte ich um Rückmeldung. Entschädigung ist natürlich die wertschätzende aufs Korn nehmende persönliche Erwähnung in einem künftigen Beitrag.

So, jetzt aber zu Fraser Island.

Gebucht war ich auf einen 2-Tages-Trip ab Hervey Bay mit Fraser Explorer Tours. Gebucht erneut über Get your guide und seit ich das gebucht habe, ballert mich diese Firma mit Werbung zu für genau die Tour, welche ich ja eben schon gebucht habe. Jungs, ihr habt zu wenig Know How oder zu viel Geld. Oder beides. Irgendwie hatte ich von meiner Australienreise 2003 im Kopf, dass man Fraser fast schon zwingend ab Hervey Bay bereist. Nun, genau so irgendwie stelle ich im Nachhinein fest, dass Rainbow Beach wohl gerade so geeignet gewesen wäre. Dies einerseits, weil der Weg auf die Insel kürzer (schneller) ist, andererseits auch weil Rainbow-Beach etwa zwei Busstunden südlich liegt, was als „Southbounder“ zu um zwei Stunden schlaftauglicheren Fahrzeiten führen würde. Und Hervey Bay ist irgendwie einfach ein riesengrosses Dorf ohne Zentrum (also gewissermassen das Wettingen der Ostküste, sorry not sorry), Rainbow Beach wäre kleiner und kompakter. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Aber eigentlich waren wir (also ja vor allem ich) ja auf Fraser Island: Wirklich sehenswert und aus meiner Sicht mit genügend Sehenswertem für zwei Tage. Lake McKenzie, Lake Wabby, Champagne Pools, Indian Heads oder Eli Creek, um nur einige zu nennen. Und wenn man zwei Tage da ist, kann man die Seen auch wirklich geniessen. Und den jungen Backpackers zuschauen, welche bis zu 20 Mal die Sanddüne runterrennen, um das perfekte Video mit dem Sprung ins kalte Nass zu erhalten (vielleicht auch um den Backpackerinnen zu imponieren). Die letztgenannte Sehenswürdigkeit wird übrigens ähnlich ausgesprochen wie Eloy (einfach, damit ich Dich auch mal erwähnt habe, alter Freund….und dabei habe ich gerade festgestellt, dass Du sogar auf Transfermarkt zu finden bist, Du bist ja schon eine Nummer). Bei Eli Creek zeigt sich aber auch, dass Fraser wohl tendenziell overtourism-gefährdet ist. Klar, es war Sonntag, deshalb auch viele Einheimische in ihren eigenen Fahrzeugen da, aber es sind keine Schulferien hier und es ist immer noch low season….und trotzdem war es doch schon sehr voll und sehr laut (wozu unsere Hennen (die werden erst unten erläutert, was Euch zum Weiterlesen nötigt) auch etwas beitrugen). Dass wir unterwegs drei Dingoes sahen, war mit ein wenig Glück verbunden, was unserer Freude und Aufregung keinen Abbruch tat (und den Hennen die neue Erkenntnis brachte, was ein Überkopfklatscher ist).

Auf Fraser Island gibt es verschiedene Arten von Touren: Selbstfahrer, Selbstfahrer in Kolonne mit Guide-Fahrzeug, 1-Tages-Bustour (eher die älteren Semester), 2-Tages-Bustour für die Jugendlichen (explitzit für 18-35 Jahre, wenn das mal nicht diskriminierend ist für Hobbyjugendliche wie mich) und 2 Tage für eben Leute wie mich. Insgesamt 33 Teilnehmer auf unserer Tour, bunt gemischt. Zum Beispiel drei Deutsche Stundentinnen, wobei mich beim Mittagessen am ersten Tag die eine tatsächlich siezte (oh, mein Gott, entweder ist die so höflich und wohlerzogen oder ich einfach doch so alt, ich tippe auf höflich und wohlerzogen). Dazu 10 Frauen auf „Hen’s Party (wir nennen das Polterabend, Deutsche nennen das explizit Junggesellinnenabschied und wollen Polterabend nicht einmal verstehen). Wieder die Wahl, sich über die (auf Schweizerhochdeutsch, für welches ich immer ausgelacht werde, würde es ab den heissen) lauten und laut lachenden zu nerven oder sich ihnen anzuschliessen. Klar, ich wählte Option 2. Und was die Mädchen boten, war schlicht sensationell: Sie trugen den ganzen Tag Ihre Tu-Tus, waren immer lustig aber nie störend und zum Abendessen kamen sie alle (richtig aufgebretzelt) in Abendkleidern (ich fühlte mich in Shorts, Flip Flops und Hoodie leicht underdressed, wobei Flip Flops in Australien immer gehen und ich das Hoodie immer tragen muss, weil sich daraus Chancen auf Hoodie-Pics ergeben). Und laut (und laut falsch oder vor allem sehr laut und sehr falsch) singen können sie auch (die Hennen, Hoodies können nicht singen…).

Untergebracht waren wir im Eurong Beach Resort, perfekte Lage, Essen ok, die Beach Bar lustig. Aber halt gebaut 1969 und in einem entsprechend eher dürftigen Zustand. Von meinem Onkel Adi (ja, von Dir gibts leider nur den Tel-Search-Eintrag…, dieser Link ist keine Aufforderung für unerwünschte Werbeanrufe oder ähnliches, einfach damit ich nicht falsch verstanden werde) habe ich mal gelernt, dass man auch einen alten Pulli waschen kann, wenn einem z.B. das Geld für einen neuen fehlt. Und ja, genau diese einfache Erkenntnis fehlt wohl den Betreibern des Eurong Beach Resort. Aber völlig ok für eine (kurze) Nacht.

Vorteil der Reise über Hervey Bay ist übrigens, dass man auf der Rückfahrt gratis und inklusive eine perfekte Sunsetcruise erhält. Auf dieser wurde auch ein weiteres absolutes perfektes Hoodie-Pic erstellt. Ich war so fasziniert von dem Sonnenuntergang, dass ich hier das Hoodiepic glatt vergass. Aber ich habe ja ein breites Sortiment an Hoodie-Pics.

Positiv zu erwähnen ist unser Guide Paul (welcher um jeden Preis nicht Paul sondern PT genannt werden wollte, uns aber nie sagte warum). Sehr guter Fahrer (sage ich mit der Erfahrung eines durch die beste Armee der Welt (war sie damals zwar noch nicht, aber ist ja egal) ausgebildeten Fahrers) auch im trockenen, tiefen Sand. Sehr viel Wissen, welches er bereitwillig teilte und sehr hohe Sozialkompetenz. Ich weiss nicht, ob ich es geschafft hätte, der ewig schwatzenden Teilnehmerin (welche es echt erschwerte, den Ausführungen des Guides zu folgen) so höflich zu sagen shut the fuck up „would you mind telling others your interesting stories once I am done so others can listen to me now“, dass die Angesprochene erst laut lachte und dann sogar noch klatschte…und dann wirklich ruhig war. Ich hätte wohl die stfu-Variante gewählt und hätte wenige Monate später unter einer Brücke gewohnt. Auch er nicht ganz sicher vor Guide-Jokes, aber bei „If have not liked me, please call me Steve in your review“ musste sogar ich lachen, weil Steve eben der Guide des anderen Busses und sein ‚best buddy‘ ist.

So, das war Fraser Island. Nach 46 Tagen ist bereits genau die Hälfte meiner Reise vorbei….ich hoffe, dass dies auch einer mathematischen Überprüfung durch meinen Bruder (oder wen auch immer, tendenziell mein Bruder…) standhält.

Next Stop, Noosa (wo es so hässlich sein soll, dass Fausto Giardina nach wenigen Stunden wieder abgereist ist). Der Link führt übrigens zu meinem Lieblings-Zweitarbeitgeber, dem HKV Aarau, wo Fausto einst seine Modelkarriere begann (und meines Wissens auch gleich wieder beendete).

Cheers, Mates.

You always meet twice oder wie Airlie Beach seine zweite Chance nützte

Von Perth flog ich via Brisbane nach Proserpine, runde 30 Kilometer von Airlie entfernt. Und die Ostküste und ich hatten quasi einen Traumstart: ich hatte mir einen Airport Shuttle gebucht. Natürlich hatte ich mir den Namen des Operators nicht gemerkt, ich hatte einfach eine Bestätigungs-SMS einer Linda und wusste, dass ich in der Ankunftshalle auf ein Schild mit meinem Namen drauf achten sollte. Nun, es hatte diverse Anbieter und viele Tafeln mit noch mehr Namen drauf, einfach suchte niemand nach einem Thomas. Also begann ich mich durchzufragen, unter anderem mit Hilfe des Nachweises der Abbuchung auf meiner Kreditkarte. Alle 5 anwesenden Fahrer kümmerten sich liebevoll um mein Anliegen, ohne allerdings herauszufinden, wer für mich verantwortlich sein könnte. Darren (love you, mate) beendete die aufkommende Hektik dann, indem er entschied: „Well, he obviously paid the 20 Dollers to somebody, so let just anybody take him.“ Und so durfte ich mit ihm mitfahren und wir werden nie erfahren, ob ich ihn dafür auch bezahlt habe.

An Airlie (man spricht es übrigens nicht Örli sondern Ärli aus…es schreibt sich ja auch mit einen A…) (noch eine Klammer: ausserdem hat es weder mit dem Flughafen in Paris noch mit einem Berg zu tun und übrigens auch nichts mit zu klein geratenen/besonders süssen Lauschern) habe ich durchaus gemischte Erinnerungen: mein eigentlich supertoller Besuch 2003 mit dem megatollen Segelausflug in die Whitsunday Islands wurde ein wenig ziemlich stark vollkommen spassbeschnitten von einer fiesen Angina. Und wenn man sich ab dem Morgen von Tag zwei nur noch auf das Ende und die Rückkehr am Abend von Tag drei freut (und dann auch noch auf die welcome back Party verzichten muss), dann war es irgendwie einfach nicht so wahnsinnig geil total ungeil.

Nun, Airlie sollte eine zweite Chance bekommen und diese auch nützen. Ich startete am Tag nach der Ankunft mit einem Tagesausflug ans Reef. Tendenziell gehörte ich wieder zu den jüngeren Teilnehmern, aber Rentner, die schnorcheln sind näher bei aktiv als bei scheintot, daher alles im grünen Bereich. Die Tage zwei und drei verbrachte ich auf der Waltzing Mathilda. Nun, eigentlich ein mässig toller Ausflug: die versprochene Tasche (Rücksäcke und ähnliches waren streng verboten) habe ich nie erhalten, bestellt waren wir alle auf 08.00 Uhr und während alle anderen Operators ihre Teilnehmer eincheckten warteten wir bis rund 08.25 (ja, es war wohl eher 10 nach 8, aber wir werden ja schon unruhig, wenn die S-Bahn mehr als 28 Sekunden Verspätung hat) bis dann auch jemand für uns kam. Die Crew wirkte mässig motiviert und das Essen war zwar gut aber nicht gerade reichlich zu wenig. An Teilnehmern hatte es zwei Paare und rund 10 Frauen zwischen 19 und 40 – und mich. Die ältere Hälfte der Frauen (sorry Mädels, nicht persönlich nehmen, ist einfach so) fand sich rasch zu einem Dreiergrüppchen, welches sich fast noch rascher als die laute und laut lachende Gruppe aus dem grossen Nachbarskanton im Norden herausstellte. Und in diesem Moment hat man genau zwei Möglichkeiten: man kann sich über die Deutschen nerven oder man kann sich ihnen anschliessen. Da die Alternative wenig bis gar nicht sprechende 19-23jährige waren, suchte ich den Anschluss – und fand ihn. Mein Eintrittsticket war mein Alkoholvorrat. Die Tour war Bring your own, also kein Alkohol zu kaufen an Board. Nun, da ich davon ausgegangen war, dass sich nicht alle so umfassend und seriös auf einen solchen Ausflug vorbereiten würden wie ich (ich hatte meine Lehren ja gezogen und in einem Beitrag verarbeitet), hatte ich immerhin 4 Bier und einen Liter Weisswein (so der leckere aus der Packung, in der wir zu Hause Apfelsaft kaufen) im Gepäck. Diesen teilte ich ganz brüderlich (oder war es schwesterlich, weil es ja drei Frauen waren, es könnte auch väterlich gewesen sein, da die zwei jüngeren bei einem Frühstart meinerseits durchaus noch knapp als Töchter durchgehen würden, ja, ich weiss, ich schweife ab, sorry not sorry) Auf jeden Fall hatten wir vier sauglatte zwei Tage, die anderen fanden uns nicht ganz so glatt, aber wir konnten ja nichts dafür, dass die es nicht so glatt hatten und nur weil wir es weniger glatt gehabt hätten, hätten die es noch lange nicht glätter gehabt….So waren wir also unsere kleine Familie (und konnten wunderbar darüber tratschen, ob die zwei Paare wohl noch „in love“ seien und warum zwei der 19jährigen den gleichen Bikini trugen, der der einen einfach um einiges besser stand als der anderen) und weil wir uns gewählt hatten, waren wir eine Wahlfamilie. Weil wir aber auch Wale sahen zusammen, nannten wir uns die Walfamilie (wohl nur für direkt Beteiligte das geniale Wortspiel, für das ich es halte). Und so zum allerersten Mal hatte ich ein klein wenig Herzschmerz, als wir uns dann nach der Rückkehr doch irgendwann verabschieden mussten. Zum Glück hat diese Walfamilie keine Kinder, Kinder leiden unter Auflösungen von Familien immer am meisten….und wer zu Walkindern recherchieren will, findet zuerst mal nur das. Der Ausflug selber ist sehr rasch erzählt: Schnorcheln in den Whitsundays (die übrigens nicht white sondern bewaldet sind, sie heissen ja auch whit und nicht white) und der obligate Halt am Whitehaven Beach (der ist weiss, heisst ja auch white und nicht whit, haven hat aber nichts mit heaven und damit auch nichts mit einem Himmel zu tun).

The Waltzing Mathilda – im Gegenlicht – leicht unscharf
Zum Usraschte schön

Der Trennungsschmerz wurde ein wenig gelindert, da ich am Abend der Rückkehr Gaby und Dubi traf. Sie wohnen in Erlinsbach, wäre bei wenig Verkehr eine gute halbe Stunde nach Untersiggenthal. Aber warum sollten wir uns da verabreden, wenn man sich auch am anderen Ende der Welt treffen kann. Haben wir gemacht, war die lange Anreise wert. Guter Abend auch wenn das Essen eher untersalzen war. Aber ja, das wissen wir ja schon: you do not come to Australia for the food.

Just another hoodiepic 🙂

Auf dem Rückweg ins Hotel sah ich in einem Pub eine Frau, welche ich irgendwo schon mal gesehen hatte….ja, in solchen Situationen kann man (vor allem als Mann) ja eigentlich nur verlieren. Aber no risk no fun, so sprach ich sie an (wow, das reimt sogar noch). Und tatsächlich sprach sie die Mutter aller ablehnenden Sätze aus: „sorry, but am I supposed to know you?“. Da ich aber ganz sicher war, insistierte ich mit einem selbstbewussten (hart an der Grenze zur Arroganz) „yes“ und nachdem wir unsere Reiserouten verglichen hatten, fanden wir heraus, dass wir einen Tag gemeinsam schnorchelnd in Exmouth verbracht hatten. Exmouth und Airlie sind wohl runde 4000 km voneinander entfernt….aber ja „you always meet twice“…ach, möge das doch auch für die Walfamilie gelten :-).

Noch eine Bemerkung zum Hotel, in dem ich wohne. Das Heart Hotel and Gallery liegt genau gegenüber von Magnums und Beaches und damit im Zentrum des Nachtlebens, ist aber selber ruhig und still und nett. Irgendwie bin ich wohl das Zentrum ihrer Zielgruppe: schon noch ausgehen, aber trotzdem „decent“ wohnen. Bemerkenswert ist aber vor allem der Receptionist: Sobald man das Hotel betritt, springt er hinter seiner Reception hervor, um den Lift zu bestellen. Es geht nicht um die Sekunde, die man dadurch spart, es ist irgendwie einfach eine süsse Geste.

So, das wars, hänge jetzt bis zur Weiterreise noch ein wenig am Lagoon rum, die wohl am besten gepflegte kostenlose Touristenbespassung des Kontinents, ach was der südlichen Hemnisphäre, ach was der Welt.

Next stop Hervey Bay rsp. Fraser Island.

Cheers, Mates.

Anleitung zum gepflegten Nichts-Tun

Allenfalls fragt sich ja der eine oder andere (natürlich auch die eine oder andere), was ich genau mache, während ich ja eben gerade nichts mache. Nun auch nichts zu tun respektive „no schedule“ will gelernt sein oder zumindest geübt werden. Deshalb ein kurzer Erfahrungsbericht (allenfalls ist der Titel ein wenig hoch gegriffen, aber man braucht ja einen attention getter) über meinen ersten Monat im fernen Australien.

1. Ich lese

Meine Büchersammlung auf meinen Ipad ist nicht nur ein aktiv kommuniziertes Positionierungsinstrument (das schon auch), sondern sie existiert tatsächlich. Und tatsächlich ist es so, dass jedes gelesene Buch auf mindestens zwei weitere lesenswerte referenziert (gescheites Wort, finde ich), womit eben die Sammlung mit jedem gelesenen Buch eher grösser als kleiner wird. Daher während meiner Auszeit die wunderbare Gelegenheit, die Sammlung zumindest mal anzugreifen. Dabei erweise ich drei Autoren kurz die Referenz (und zeige damit auch die relative Erfolgslosigkeit beim Abbau der Sammlung auf):

John Grisham: Habe auf dieser Reise bereits drei Bücher vom Meister des anwaltlichen (oder heisst es anwaltschaftlich?) Krimis hinter mich gebracht. Bei einem habe ich ziemlich nahe am Ende bemerkt, dass ich ihn (den Krimi) vor rund 10 Jahren schon einmal gelesen habe. Vielleicht sind seine Geschichten zu austauschbar oder ich lese zu oberflächlich. Egal, gute und süffige Unterhaltung sind sie immer. Nach Abchecken seiner gesammelten Werke bin ich aber nun ziemlich sicher, jedes seiner je erschienenen Bücher gelesen zu haben, womit die Sammlung tatsächlich ein wenig reduziert ist.

Peter Beutler arbeitet in Form von Kriminalromanen Ereignisse aus der jüngeren Schweizer Geschichte auf. Also unseres Vaterlandes, was dann sofort die Frage nach dem Mutterland (und das Mutterland gibt es, ist aber ganz was anderes und taugt maximal als unnützes aber imponierendes Wissen für ein first date, immerhin das – wirklich kompliziert wird es sowieso erst bei den Russen mit (why the hell ever) Mütterchen Russland) hervorruft (aber das alles diskutiert Peter Beutler zum Glück sowieso nicht, das ist jetzt von mir, als gewohnter Abschweifer, sorry not sorry). Jetzt gelesen habe ich „Morgarten“ über Steuer-CDs und deren Folgen. Leider muss ich sagen, dass dies aus meiner Sicht sein bisher schwächstes Werk ist. Wer Lust auf ein Buch von ihm hat (sonst lese ich ihn wahnsinnig gerne), dem würde ich „Müstersturz“ rund um die Affäre Jeanmaire empfehlen. Sein neustes Buch erscheint noch diesen Monat, ist bereits wieder vorbestellt (also keine Reduktion der Sammlung).

Ja, und dann habe ich gerade noch das Thema der Verdingkinder in der Schweiz wiederentdeckt. Darüber bin ich auf die in der Schweiz durchgeführte Todesstrafe im zweiten Weltkrieg gestossen (gab es) und darüber auf Niklaus Meienberg. Begnadeter linker Reportagenschreiber, leider schon 1993 verstorben. Er hat eine recht grosse Sammlung an Reporten gebündelt in Form von heute elektronisch verfügbaren Büchern hinterlassen…womit meine Sammlung leider bereits wieder wächst….aber ich habe es versucht und ein sinnstiftender Zeitvertreib ist es alleweil.

2. Musik hören

Kann geschehen als Ergänzung zum oben erwähnten Zeitvertreib. Oder natürlich auch als Hauptbeschäftigung. Und Apple Music und Spotifiy machen uns ja fast alles zugänglich. Da kann man ein wenig stöbern und hängen bleiben und wieder auf neues stossen und wieder hängen bleiben. Und wenn man eben Zeit hat, hört man nicht wie auf einer Autofahrt zur Arbeit nur mal so rasch die immer zwei oder drei gleichen Lieder, man kann sich auch mal ein ganzes Konzert oder gar eine ganze Sammlung anhören. Aha, Elton John oder Phil Collins werde ich mir wohl nochmals zu Gemüte führen. Irgendwann ist mir die Badener Band Betterworld in den Sinn gekommen, die hatten in den 1990er-Jahren mal eine Art Hit mit La Luna. Das findet sich nirgends. Wenn das noch jemand irgendwo auf irgendeiner CD hat, dann wäre ich dankbarer Kopierer. Und falls die Band dann Tantiemen dafür einfordert: bezahle ich gerne.

3. Das Land kennenlernen

Meine Reisetaktung ist in etwa die Folgende: Reisetag, Ausflugstag, Rumhäng-Tag, Ausflugstag, Reisetag….und so weiter und so fort. Reisetag kann natürlich Sehenswertes enthalten, sofern man es nicht verpasst, wie ich erst kürzlich. Aber nicht jeder Ausflug dauert ja einen ganzen Tag, hört sich also strenger an als es ist. Und es geht bei Ausflügen nicht nur (aber auch) um das immer sehr wichtige Hoodie-Pic. Man lernt viel über Fauna, Flora, Geschichte und (neben überflüssigen Guide-Jokes) auch lustige Geschichten rund um die Orte, an denen man gerade ist. Und Spass macht es auch! Nicht alle Ausflüge sind top, wirklich schlechte gibt es nur, wenn man schlecht aussucht. Daneben lernt man auf Ausflügen viele Leute kennen, was zu Beschäftigung 4 führt:

4. Die Menschen kennenlernen

Geht auf einem Ausflug quasi nebenbei, aber auch sonst reicht ein „mind if I join you?“ eigentlich aus. Schön an der Westküste ist, dass neben Touristen aus aller Herren Länder (gibt es eigentlich auch aller Damen Länder?) auch sehr viele Australier (häufig im Pensionsalter mit dem Camper) reisen. Nicht alle diese Rentner sind gleich spannend (siehe Ausflug als Altenbetreuer), aber wenn man ein wenig zuhört, bekommt man (also frau bestimmt auch, aber es heisst ja auch nicht mann sondern Mann und deshalb dann auch Frau, Mann! Und Frau!) viele Tips zu Restaurants, Bars, Bieren, Weinen, Ausflügen und zu allen möglichen Don’ts (die sind das Allerwichtigste überhaupt). Nebenbei weiss ich jetzt aber auch, wie das australische Rentensystem funktioniert, was sie von den „Greenies“ halten (von Greta haben sie noch nicht gehört) und warum sie ihre Kinder an Privatschulen schicken.

So, dies ein kleiner Ausschnitt aus dem Nichts-Tun. Also eben eigentlich gar nicht gar nichts tun, nicht einmal ein simples nichts tun. Ich verstehe mittlerweile die Rentner, welche fast nie für irgendetwas Zeit haben. Und ja, es gibt tatsächlich Abende, an denen ich wunderbar gerne ganz alleine für mich esse und dabei ein wenig die Menschen beobachte und eigentlich vor allem hoffe, dass niemand fragt „may I join you?“.

Cheers, mates.

Mein Weg nach Perth oder I don’t wanna miss a thing

Nach dem lustigen Abendessen mit der lustigen Reisegruppe nahm ich also die Strecke von Coral Bay nach Perth in Angriff. Dabei hatte ich eine Übernachtung in Geraldton eingeplant. Geraldton ist weder spektakulär noch hässlich sondern eher unscheinbar, aber hätte ich den gleichen Weg noch einmal vor mir, würde ich wohl eher in Carnarvon nächtigen, da man dann auch den Kalbarri National Park und den Pink Lake ganz sicher nicht verpasst. Warum das wichtig ist? Weil ich es nämlich tatsächlich schaffte, eine Abbiegung zu verpassen und so in Geraldton ankam, ohne den Pink Lake passiert zu haben. Ob das nun ein grosser Verlust ist, mag ich gar nicht beurteilen (denn ich habe ihn ja wie gerade geschrieben gar nicht gesehen). Den Berichten anderer Reisender Glauben schenkend, wäre es aber ein potentieller Höhepunkt gewesen. Aus vorbei, nicht mehr veränderbar.

Lernen kann man ja nur für die Zukunft und so zog ich meine Konsequenzen und hielt am Folgetag bei jeder sich bietenden Gelegenheit an. Und so sah ich Teiche in der Grösse des Eigi-Weihers von ganz nah, Aussichtspunkte so spektakulär wie das Steienbühl und Bäume so alt wie die Pappeln im Garten meines Vaters (ok, die sind alt und als Kind fand ich die recht spektakulär aber ein Schild für einen Aussichtspunkt hat es trotzdem nicht). Aber natürlich auch Spektakuläres, wie die Pinnacles Desert, welche ich rein optisch als Höhepunkt der bisherigen Reise bezeichnen würde (und ich mag dem Park Management sogar verzeihen, dass man den Ort auch per Auto besichtigen kann und es so fast unmöglich ist, ein Bild ohne Auto drauf zu bekommen). Für ein Hoodie-Pic (ohne Auto drauf; also auf dem Bild, ich habe keine Hoodies mit Autos drauf) reichte es dann auch noch. Am anderen Ende der Punkt-Skala (so müsste die Skalierung von Tiefpunkt zu Höhepunkt wohl heissen) dann die Sanddünen in Lancelin. Ich hatte mir da so eine Art kleiner Big Daddy aus Namibia vorgestellt, etwas spazieren, die Ruhe der Wüste geniessen….es hatte sehr viele, sehr laute Leute, teilweise auf Sandboards (bis hier hin alles gut), aber eher auf Moto-Cross-Motorrädern, noch eher auf Quads und noch eher auf einer Art vergittertem Quad für 4 Personen. Alles sehr laut und alles vor allem sehr gefährlich, da wild durcheinander. Empfehlung: never ever go there.

Angekommen in Perth bezog ich mein Zimmer. Dieses hatte ich gebucht über Priceline als „hidden buy“, sprich ich wusste ungefähr, wo das Hotel war, ich wusste, was es es zu bieten hatte und ich kannte die Anzahl Sterne. Für die Ungewissheit erhielt ich einen „unbeatable price“. Hotel und Preis ok aber auf Hotels hätte ich es zum genau gleichen Preis bekommen. Also wurde die Unsicherheit (das Risiko, kann ja nach oben wie unten ausschlagen), welches Hotel es war, nicht wirklich entschädigt. Egal, vielleicht war dieser Thrill ja ein „added value“ und so wichtig ist es dann auch nicht.

Am Abend durfte ich am Abschlussessen der lustigen Gruppe aus Coral Bay teilnehmen. Ich wusste dies erst im Nachhinein richtig zu schätzen, denn tatsächlich war eine Teilnehmerin des Abschnitts von Perth bis Broome (welche auch grad in Perth war) nicht eingeladen (auch die lustige Gruppe hatte also die Outsiderin, welche offenbar alle nervte). Aber welche Ehre für mich. Ein lustiger Abend.

Folgetag in Perth eher „hang out“ und „hang up“ (die Wäsche). Am Abend der Besuch einer mir empfohlenen Hinterhof-Bar. Auf meine Frage „do you have any IPAs“ räumte der Kellner etwa 5 Minuten den Kühlschrank aus und präsentierte mir rund 12 verschiedene. Aufgrund des hohen Alkoholgehalts der Biere musste ich mich nach zweien verabschieden mit den Worten „come back tommorow“.

Rottnest Island am folgenden Tag: ein must go. Bei der Fährenüberfahrt würde ich künftig einen Platz auf dem Unterdeck suchen, es schüttelt weniger, folglich wird weniger gekotzt (sinngemässe Übersetzung aus dem Englischen). Die Insel fast ein wenig Irisch oder ein perfekter Schauplatz für alle Filme von Rosamunde Pilcher. Aber bei aller landschaftlichen Schönheit sind die Quokkas, welche sich bereitwillig für Selfies zur Verfügung stellen, die Touristenattraktion schlechthin. Und noch „glätter“ ist es, die Selfies von Dritten zu „crashen“. Ok, sie kannte mich, sie hat mich aufgefordert, mit aufs Selfie zu kommen, aber das wäre ja keine gute Insta-Story geworden, oder?

Am Abend dann eine sehr nette Einladung zum Nachtessen bei einem Australischen Ehepaar. Sie hatten schon ganz spontan „der auf dem Selfie gecrashten“ (sie führt übrigens auch einen Blog) eine Bleibe für 3 Nächte angeboten. Und da ich sie am Morgen im Zug kennenlernte, luden sie mich spontan auch grad noch zum Essen ein, wahrscheinlich zum bisher besten Essen in Australien (you do not come for the food), da es offenbar auch in Australien mehr als Pub Food gibt. So in Bezug auf Gastfreundschaft könnten wir uns wohl noch die eine oder andere Scheibe abschneiden.

Und heute nun die weitere Reise ein wenig geplant. So fliege ich morgen nach Airlie Beach und erkunde von dort die Whitsundays. Von dort dann der Ostküste entlang Richtung Süden. Mal sehen, was es dort zu erleben und erkunden gibt.

Cheers, mates.

Wenn es nicht mehr kleiner geht, dann geht es eben doch noch kleiner…

Wie in meiner letzten Wortmeldung über Coral Bay beschrieben, war dieser Ort an Kleinheit eigentlich nicht zu unterbieten (oder wäre es rein sprachlich überbieten, wenn wir von Kleinheit ausgehen?). Dachte ich. Denn von Coral Bay fuhr ich runde 5 Stunden an die sogenannte Shark Bay, genau genommen nach nach Monkey Mia. Und dieses Monkey Mia besteht nicht wie Coral Bay aus einer Strasse mit mehreren Unterkünften, es besteht aus ganz genau einem Resort.

Irgendwie schon der Eintritt überzeugend: Man wird gebeten, eine Parkgebühr zu entrichten, entweder in Bar oder durch Angabe der Kreditkartendaten auf einem Formular. Und sollte das nicht möglich sein, so möge man sich bitte an der Rezeption melden. Und kontrolliert wird es aus meiner Sicht nicht. In Bezug auf die Anzahl Personen pro Auto auch gar nicht möglich. Irgendwie sympathisch vertrauend.

Das Resort besteht aus einem recht grossen Campingplatz sowie Mehrbettzimmern, sehr schönen Hotelzimmern und grosszügigen Beach Villas. Und dies führt dazu, dass man zwar ein sehr schönes Zimmer mit Beach View haben kann, trotzdem aber ein wenig Caravan- und Backpacker-Feeling bekommt. Sehr gemischtes Publikum in der Bar und im Restaurant, beide nicht die absolute Topliga ihrer Kategorie, aber beide sehr gemütlich mit freundlichen und motivierten „Holiday Workers“. Kleine, absolut unpolitische, dafür sehr sachliche Information: Allen Bürgern und Bürgerinnen der EU ist es möglich, Australien fast schon unendlich lange im Rahmen einer working holiday zu bereisen. Uns Schweizern nicht. Betrifft mich persönlich nicht (mehr), aber wenn ich alle die jungen, freundlichen, motivierten EngländerInnen, Deutschen und ItalienerInnen sehe, dann denke ich, dass so was auch noch der einen oder anderen jungen Person aus der Schweiz Spass machen könnte. Aber ich war ja beim Restaurant: Das Essen sehr ok für Australische Verhältnis („you do not come to Australia for the food“).

Nach Monkey Mia geht man eigentlich wegen der Dolphin Experience. Jeden Morgen um 8 Uhr (und dann noch zweimal im Verlaufe des Morgens) schwimmen Delfine vor, welche dann mit je einem Fisch gefüttert werden. Da somit jeder Delfin mit maximal 3 Fischen maximal 10 % seines Tagesbedarfes erhält, bleibt er (also die weiblichen Delfine natürlich auch) gezwungen, weiterhin auch selber zu jagen und bleibt so „wild“. Habe ich erfahren, die Informationen zu den Delfinen durchaus hörenswert. Soweit ja so nett, aber wenn namentlich benannte Delfine da vorschwimmen, um dann unter vielen Ohs und Ahs (um ein Haar hätte ich mich zu einem Überkopfklatscher hinreissen lassen) einen Fisch zu erhalten, ist es für mich halt doch ein wenig zu sehr Zirkus und ein wenig zu wenig Natur. Irgendwie hatte ich das ja schon mal bei den mässig motivierten Krokodilen nahe Darwin. Aber egal, gerade störend war es auch nicht.

Was Monkey Mia dafür hat: einen schönen weitläufigen Strand, den man für lange Spaziergänge quasi für sich hat, einen spektakulären Sonnenuntergang, die Möglichkeit von Touren auf einem Katamaran. Und eine grosse Portion Gelassenheit und Gemütlichkeit.

Auf jeden Fall entschied ich mich für eine Zusatznacht. Dies führte dann dazu, dass die Reisegruppe mit der Schweizer Fotografin vom Darwin-Blog (welche bisher immer so 1-2 Tage hinter mir zurücklagen) mich hier einholten. Lustig gemischte Gruppe von 20-74 Jahren. Beste Freunde nach 3 Wochen, viele lustige Geschichten. Irgendwie anders als die Gruppen , die ich bisher getroffen hatte. Ok, auch wenig verschworen gegen den Guide, gemeinsame Feindbilder verbinden immer. Gegen Einbringung einer Flasche Wein wurde ich zum Nachtessen in der Gemeinschaftsküche eingeladen. Also eigentlich wurde ich einfach eingeladen und habe dann absolut freiwillig dafür freundlich eine Flasche Wein gebracht. Sehr gut und reichlich, also das Essen. Am Tisch nebenan versuchten sich vier junge Frauen aus Argentinien am Gesang, begleitet von einer Gitarre. Und ja, genau darum ist Monkey Mia so wunderbar, weil sich so spontane Begegnungen ergeben, ohne dass man sie suchen muss. Und dass solche Begegnungen (ausgesprochen oder nicht) mit „it has been a pleasure, enjoy the rest of your life“ enden, spielt eigentlich keine grosse Rolle.

So, next stop und grand final of Western Australia: Perth.

Cheers, mates.