Von Perth flog ich via Brisbane nach Proserpine, runde 30 Kilometer von Airlie entfernt. Und die Ostküste und ich hatten quasi einen Traumstart: ich hatte mir einen Airport Shuttle gebucht. Natürlich hatte ich mir den Namen des Operators nicht gemerkt, ich hatte einfach eine Bestätigungs-SMS einer Linda und wusste, dass ich in der Ankunftshalle auf ein Schild mit meinem Namen drauf achten sollte. Nun, es hatte diverse Anbieter und viele Tafeln mit noch mehr Namen drauf, einfach suchte niemand nach einem Thomas. Also begann ich mich durchzufragen, unter anderem mit Hilfe des Nachweises der Abbuchung auf meiner Kreditkarte. Alle 5 anwesenden Fahrer kümmerten sich liebevoll um mein Anliegen, ohne allerdings herauszufinden, wer für mich verantwortlich sein könnte. Darren (love you, mate) beendete die aufkommende Hektik dann, indem er entschied: „Well, he obviously paid the 20 Dollers to somebody, so let just anybody take him.“ Und so durfte ich mit ihm mitfahren und wir werden nie erfahren, ob ich ihn dafür auch bezahlt habe.
An Airlie (man spricht es übrigens nicht Örli sondern Ärli aus…es schreibt sich ja auch mit einen A…) (noch eine Klammer: ausserdem hat es weder mit dem Flughafen in Paris noch mit einem Berg zu tun und übrigens auch nichts mit zu klein geratenen/besonders süssen Lauschern) habe ich durchaus gemischte Erinnerungen: mein eigentlich supertoller Besuch 2003 mit dem megatollen Segelausflug in die Whitsunday Islands wurde ein wenig ziemlich stark vollkommen spassbeschnitten von einer fiesen Angina. Und wenn man sich ab dem Morgen von Tag zwei nur noch auf das Ende und die Rückkehr am Abend von Tag drei freut (und dann auch noch auf die welcome back Party verzichten muss), dann war es irgendwie einfach nicht so wahnsinnig geil total ungeil.
Nun, Airlie sollte eine zweite Chance bekommen und diese auch nützen. Ich startete am Tag nach der Ankunft mit einem Tagesausflug ans Reef. Tendenziell gehörte ich wieder zu den jüngeren Teilnehmern, aber Rentner, die schnorcheln sind näher bei aktiv als bei scheintot, daher alles im grünen Bereich. Die Tage zwei und drei verbrachte ich auf der Waltzing Mathilda. Nun, eigentlich ein mässig toller Ausflug: die versprochene Tasche (Rücksäcke und ähnliches waren streng verboten) habe ich nie erhalten, bestellt waren wir alle auf 08.00 Uhr und während alle anderen Operators ihre Teilnehmer eincheckten warteten wir bis rund 08.25 (ja, es war wohl eher 10 nach 8, aber wir werden ja schon unruhig, wenn die S-Bahn mehr als 28 Sekunden Verspätung hat) bis dann auch jemand für uns kam. Die Crew wirkte mässig motiviert und das Essen war zwar gut aber nicht gerade reichlich zu wenig. An Teilnehmern hatte es zwei Paare und rund 10 Frauen zwischen 19 und 40 – und mich. Die ältere Hälfte der Frauen (sorry Mädels, nicht persönlich nehmen, ist einfach so) fand sich rasch zu einem Dreiergrüppchen, welches sich fast noch rascher als die laute und laut lachende Gruppe aus dem grossen Nachbarskanton im Norden herausstellte. Und in diesem Moment hat man genau zwei Möglichkeiten: man kann sich über die Deutschen nerven oder man kann sich ihnen anschliessen. Da die Alternative wenig bis gar nicht sprechende 19-23jährige waren, suchte ich den Anschluss – und fand ihn. Mein Eintrittsticket war mein Alkoholvorrat. Die Tour war Bring your own, also kein Alkohol zu kaufen an Board. Nun, da ich davon ausgegangen war, dass sich nicht alle so umfassend und seriös auf einen solchen Ausflug vorbereiten würden wie ich (ich hatte meine Lehren ja gezogen und in einem Beitrag verarbeitet), hatte ich immerhin 4 Bier und einen Liter Weisswein (so der leckere aus der Packung, in der wir zu Hause Apfelsaft kaufen) im Gepäck. Diesen teilte ich ganz brüderlich (oder war es schwesterlich, weil es ja drei Frauen waren, es könnte auch väterlich gewesen sein, da die zwei jüngeren bei einem Frühstart meinerseits durchaus noch knapp als Töchter durchgehen würden, ja, ich weiss, ich schweife ab, sorry not sorry) Auf jeden Fall hatten wir vier sauglatte zwei Tage, die anderen fanden uns nicht ganz so glatt, aber wir konnten ja nichts dafür, dass die es nicht so glatt hatten und nur weil wir es weniger glatt gehabt hätten, hätten die es noch lange nicht glätter gehabt….So waren wir also unsere kleine Familie (und konnten wunderbar darüber tratschen, ob die zwei Paare wohl noch „in love“ seien und warum zwei der 19jährigen den gleichen Bikini trugen, der der einen einfach um einiges besser stand als der anderen) und weil wir uns gewählt hatten, waren wir eine Wahlfamilie. Weil wir aber auch Wale sahen zusammen, nannten wir uns die Walfamilie (wohl nur für direkt Beteiligte das geniale Wortspiel, für das ich es halte). Und so zum allerersten Mal hatte ich ein klein wenig Herzschmerz, als wir uns dann nach der Rückkehr doch irgendwann verabschieden mussten. Zum Glück hat diese Walfamilie keine Kinder, Kinder leiden unter Auflösungen von Familien immer am meisten….und wer zu Walkindern recherchieren will, findet zuerst mal nur das. Der Ausflug selber ist sehr rasch erzählt: Schnorcheln in den Whitsundays (die übrigens nicht white sondern bewaldet sind, sie heissen ja auch whit und nicht white) und der obligate Halt am Whitehaven Beach (der ist weiss, heisst ja auch white und nicht whit, haven hat aber nichts mit heaven und damit auch nichts mit einem Himmel zu tun).


Der Trennungsschmerz wurde ein wenig gelindert, da ich am Abend der Rückkehr Gaby und Dubi traf. Sie wohnen in Erlinsbach, wäre bei wenig Verkehr eine gute halbe Stunde nach Untersiggenthal. Aber warum sollten wir uns da verabreden, wenn man sich auch am anderen Ende der Welt treffen kann. Haben wir gemacht, war die lange Anreise wert. Guter Abend auch wenn das Essen eher untersalzen war. Aber ja, das wissen wir ja schon: you do not come to Australia for the food.

Auf dem Rückweg ins Hotel sah ich in einem Pub eine Frau, welche ich irgendwo schon mal gesehen hatte….ja, in solchen Situationen kann man (vor allem als Mann) ja eigentlich nur verlieren. Aber no risk no fun, so sprach ich sie an (wow, das reimt sogar noch). Und tatsächlich sprach sie die Mutter aller ablehnenden Sätze aus: „sorry, but am I supposed to know you?“. Da ich aber ganz sicher war, insistierte ich mit einem selbstbewussten (hart an der Grenze zur Arroganz) „yes“ und nachdem wir unsere Reiserouten verglichen hatten, fanden wir heraus, dass wir einen Tag gemeinsam schnorchelnd in Exmouth verbracht hatten. Exmouth und Airlie sind wohl runde 4000 km voneinander entfernt….aber ja „you always meet twice“…ach, möge das doch auch für die Walfamilie gelten :-).
Noch eine Bemerkung zum Hotel, in dem ich wohne. Das Heart Hotel and Gallery liegt genau gegenüber von Magnums und Beaches und damit im Zentrum des Nachtlebens, ist aber selber ruhig und still und nett. Irgendwie bin ich wohl das Zentrum ihrer Zielgruppe: schon noch ausgehen, aber trotzdem „decent“ wohnen. Bemerkenswert ist aber vor allem der Receptionist: Sobald man das Hotel betritt, springt er hinter seiner Reception hervor, um den Lift zu bestellen. Es geht nicht um die Sekunde, die man dadurch spart, es ist irgendwie einfach eine süsse Geste.
So, das wars, hänge jetzt bis zur Weiterreise noch ein wenig am Lagoon rum, die wohl am besten gepflegte kostenlose Touristenbespassung des Kontinents, ach was der südlichen Hemnisphäre, ach was der Welt.
Next stop Hervey Bay rsp. Fraser Island.
Cheers, Mates.























