Über Ambrí und wirklich nur über Ambrí – fast ganz ohne Abschweifer

In meinem letzten Beitrag habe ich ja unter anderem geschrieben, wie ich die Schweiz durchwandert habe, nur um erzählen zu können, einmal zu Fuss an ein Spiel meines geliebten HC Ambrì-Piotta gegangen (im wahrsten Sinn des Wortes gegangen) zu sein. Jener Beitrag entstand auf dem Hinweg an den Spengler Cup. Nun hat Ambrì in Davos ja einen fast schon sporthistorischen Sieg gegen die Russen aus Ufa erzielt. Grund genug, die lange Zugfahrt zurück (und wiederum war es so, dass die Rückreise viel länger dauerte als die Hinreise) diesem Beitrag meine Liebe zu Ambrì zu widmen.

Ich werde ja öfters gefragt, warum ich überhaupt Ambrì-Fan sei. Nun, die Geschichte begann 1996, Kloten (die ich damals noch ziemlich cool fand) als dreifacher Meister hatte die ersten zwei Spiele des Playoff-Halbfinale (damals noch best of five) gewonnen, Ambrì lag nach zwei Dritteln des dritten Spiels 0-7 zurück, womit das Saison-Ende unaufhörlich näher kam. Nun, die Klotener Fans nahmen diesen Sieg mit der Arroganz des bald vierfachen Meisters hin, die Fans aus der Leventina feierten ihre Mannschaft aber für eine tolle Saison und skandierten während des gesamten letzten Drittels „siamo sempre con voi“. Ab diesem Tag war mein Herz vergeben.

Nun, Ambrì und ich hatten bessere und schlechtere Zeiten: Ich war in den Playoffs 2006 dabei, als wir (ab jetzt sage ich wir) die ersten drei Spiele gegen Lugano gewannen und im vierten Spiel wenige Sekunden vor Schluss den Todesstoss gegen Lugano verpassten und dann zur ersten Mannschaft wurden, welche in den Playoffs trotz 3-0-Vorsprung ausscheidet. Das Stadion war damals so voll (eingelassen wurde sicher mehr als die offizielle Zuschauerzahl), dass es kein vor und kein zurück gab. Ich war in den Playoffs 2014 dabei, als wir gegen Fribourg sang- und klanglos ausschieden. Ich war dabei, als wir gegen Rapperswil das erste Spiel der Saison trotz 5-2-Führung kurz vor Schluss noch verloren (ok, seit diesem Unihockey-Halbfinale wissen wir, dass auch ein 6-1 keine Garantie für den Sieg ist). Dutzende Male schworen wir uns auf dem Heimweg, nie mehr nach Ambrì zu fahren, nur um uns am folgenden Wochenende dann doch wieder SMS zu schreiben mit Inhalten wie „fahrsch Du?“ (man merke: es ging schon nicht mehr darum, ob wir gehen sondern nur noch darum, wer fährt).

Zwischenzeitlich wurden die Besuche so regelmässig und damit gewohnt, dass wir uns weder darum kümmerten, gegen wen wir spielten noch wann das Spiel starten könnte. So ist der 2. Januar in der Deutschschweiz ein Feiertag, im Tessin aber nicht. Und so waren wir wie für ein Sonntagsspiel um 16.00 Uhr dort und merkten dann, dass das Spiel erst um 20.00 Uhr starten würde. Oder in Langnau mussten wir einmal feststellen, dass das Spiel im neuen Stadion leider ausverkauft war.

Aber ich war dafür auch dabei, als wir 2004 die Playoffs gegen Servette bestritten, das war wohl meine intensivste Zeit. Montag Ambrì, Donnerstag Genf, Samstag wieder Ambrì und da gewannen wir sogar noch, so dass es am Sonntag zu einem Entscheidungsspiel (wieder in Genf) kommen sollte. Auf der Rückfahrt hörten Knipser Knuser und ich im Radio, dass das Spiel im TV übertragen würde und fragten (damals noch via SMS) scheu im Auto des schicken Möbelhändlers nach, ob man nach den Strapazen der Woche das Spiel allenfalls auch bequem auf dem Sofa schauen könnte. Noch nie hat er er uns so rasch angerufen, noch nie war er so entsetzt, noch nie war seine Stimme lauter und er drohte uns für den simplen Gedanken an etwas mehr Komfort das Ende der damals schon 15jährigen Freundschaft an. Nun, die wollten wir nicht riskieren und nahmen deshalb zu viert die lange Reise nach Genf in einem Seat Ibiza unter die Räder. Da auch gerade noch Autosalon war, war Stau auf dem Hin- und Rückweg im Paket mit dabei. Wir verloren zwar und schieden aus, feierten aber die Mannschaft noch ewig für die tolle Saison – und wenn ich mich recht erinnere, feierten ein paar Genfer Fans mit uns.

2006 war ich dann bei der Playoff-Qualifikation live dabei und auch wenn ich das damals noch nicht wusste, war dies der Beginn einer langen Serie. Denn eine Playoffqualifikation ist ja gleichbedeutend mit dem definitiven Nicht-Abstieg (ja und wir sollten über die Jahre lernen, dass es bei Ambrì wohl vor allem um den Nicht-Abstieg geht). Von 2006 bis 2017 war ich 12 Mal in Folge beim definitiven Nicht-Abstieg dabei (und das ist richtig gerechnet… wie bei den Bäumen und der Allee), wobei leider nur 2014 eine weitere Playoffqualifikation dafür stand. Diesbezüglicher Höhepunkt war wohl 2009 in Biel: Es war Spiel 6 des Playout-Finales, ein Sieg hätte Ambrì gerettet. Nun lagen wir nach 30 Minuten leider 3-0 hinten und mit Eric Westrum war unser Bester grad verletzungsbedingt ausgeschieden. Wir stellten uns also auf eine weitere Reise in den Süden ein. Aber (wie auch immer) schafften wir es, auf 3-3 auszugleichen, was eine Verlängerung erzwang. Diese mussten wir aufgrund einer Strafe leider mit einem Mann weniger in Angriff nehmen, was wir schon als so was wie den Nahtod empfanden. Wie auch immer kam Ambrì zu einem Konter, welcher mit einem Foul und damit einem Penalty endete. Wir werden nie wissen, warum Nick Naumenko diesen unbedingt schiessen wollte in seinem letzten Spiel für Ambrì (er hatte vorher nie einen geschossen und daher auch nie einen verwandelt), aber er wusste was er tat, verwandelte und versetzte uns in Ekstase. So eine Ekstase ist, wenn sich wildfremde Menschen 30 Minuten nach dem Spiel immer noch schreiend in den Armen liegen. Ich weiss nicht, ob der Fall der Berliner Mauer emotionaler war. Am nächsten Tag hatte ich übrigens am frühen Morgen mein Vorstellungsgespräch bei King Roger (nein, nicht Federer, dafür beim Gratis-Esser vom Gotthard) und als mich sein Chef fragte, was ich in den letzten 12 Monaten so erlebt hätte, erzählte ich eigentlich nur von Ambrì – und ich weiss auch nicht warum, aber ich bekam dann die Stelle.

Auf dem Weg zu diesem heroischen Sieg hatte Ambrì die ersten zwei Spiele verloren und war in Spiel 3 zu Hause ziemlich unter Druck. Ich leistete gerade Militärdienst in Andermatt (ja genau, über Andermatt habe ich auch schon berichtet) und beantragte zum Besuch des Spiels Ausdehnung des Augangsrayons. Diese wurde von unserem Kommandanten abgelehnt, da er keine „Schlägereien in Uniformen im TV sehen wolle“ (ziemlicher Hockey-Experte der Mann). Nach langen diplomatischen Verhandlungen reichten wir das Gesuch erneut ein, dieses Mal mit der Begründung „Besuch von Freunden („networking“)“. Es wurde stattgegeben und so reisten wir zu viert durch den Gotthard, drei davon zu ihrem ersten Spiel in der Valascia. Nun, Ambrì führte nach wenigen Minuten 3-0 und das Stadion war ein Tollhaus und auch wenn die drei nicht gerade leidenschaftliche Fans geworden sind, so hegen sie zumindest Sympathien. Nur Lars, der SCB-Fan, fiel primär durch nicht jugendfreie Witze auf. Und ich glaube, an diesem gleichen Abend hätte er sich dann in Andermatt noch fast das Genick gebrochen.

Höhepunkt meiner Liebe zu Ambrì war aber wohl die Reise nach Berlin zum Sommerturnier der Eisbären (welche wir schon kannten, als sie noch Dynamo hiessen, Berlin noch eine Mauer hatte und sie noch im Wellblechpalast spielten). Zu diesem Freundschaftsspiel an einem Freitagnachmittag mittem im Sommer erschienen also über 5000 Zuschauer, was eine lange Schlange an der einzigen geöffneten Kasse nach sich zog (irgendwie ein wenig wiederbelebte DDR-Romantik oder Ostalgie). Mit der Sicherheit, gerade über den Tisch gezogen zu werden, kauften wir bei einem fliegenden Händler drei Tickets mit Eintritt am VIP-Eingang. Keiner wollte vorangehen und sich die Peinlichkeit antun, mit einem gefälschten Ticket als VIP anzustehen. Aber nicht nur wurde uns Einlass gewährt, sondern wir bekamen unsere eigene Business-Lounge zugewiesen und liessen uns von der Schantall genannten Servierfachkraft mit lecker Essen verpflegen. Wie das Spiel ausging? Keine Ahnung aber am Ende hatte ich Gänsehaut als die Dynamo-Fans die Ambrì-Spieler feierten und umgekehrt. Und noch toller wäre der Ausflug gewesen, hätte Knipser Knuser uns nicht ein Raucher-Zimmer gebucht, aber so oft waren wir dann ja gar nicht im Hotelzimmer.

So, und nun gewinnen wir 2019 also den Spengler-Cup. Nein, ganz sicher nicht, denn würden wir am Ende gewinnen, wären wir ja dann doch nicht Ambrì. Aber es spielt überhaupt keine Rolle, der Sieg gegen Ufa war heroisch, die Stimmung grandios und der Mythos Ambrì ist noch grösser geworden, sofern das überhaupt noch möglich war. Oder wie es mein Bruder mal umschrieb: Es ist wie eine Droge, man wird süchtig oder nicht. Er ist es nicht geworden, ich zum Glück schon.

Siamo sempre con voi!

Vom Laufen und Wandern – und vom grossen Kampf zum Schluss – aber eigentlich ist dieser Beitrag nur ein Teaser

Ich muss ein wenig ausholen: Meine Wanderkarriere begann schon als Kind, der Sonntagsspaziergang war meinen Eltern quasi heilig, Wanderferien (welche andere Kinder mit „was Ihr gönd go tschumple i dä Ferie?“ kommentierten) machten wir wohl jedes Jahr. Manchmal war es lustig und manchmal nicht. Weniger lustig war zum Beispiel, als mein Bruder Peter bei der Besteigung des Monte Lema eine Abkürzung kannte, welche sich dann als die Variante „Alpin Sport für Fortgeschrittene“ herausstellte. Spannend auch, wie sich beim Wandern Charaktereigenschaften herauskristallisieren: So wollte meine Mutter einmal mit Rücksicht auf uns Kinder den Weg durchs Tal nehmen, weil dieser die gesamte Wanderung um rund 90 Minuten verkürzt hätte. Dies lehnte mein Vater allerdings ab mit der Begründung, dass der schnellste Weg von A nach B wohl tendenziell mit dem Auto zurückgelegt werden könnte, wir ja aber wanderten, weil wir es gerne machten (er vielleicht) und darum der lange Weg zu beschreiten sei.

Nun, irgendwie machte ich dann einen sehr langen Wanderunterbruch. Dieser endete in einem ganz frühen Stadium der Beziehung mit meiner Frau (sie kennt man schon als die beste Reisesachverständige der Welt). Mit ihr machte ich eine grössere Besteigung in Saas Fee (und wenn man so frisch liiert ist, tut man ja auch noch so, als würde es Spass machen) mit der Aussicht, den Rückweg dann auf den zu mietenden Trottinetts zurückzulegen. Nun waren wir leider einen Tag zu früh dran (oder die Lieferung der Trottis zu spät, so genau wird man es nie wissen) und mussten den Rückweg ins Tal wieder zu Fuss machen. Aber eben: zu Beginn einer Beziehung macht ja sogar das (angeblich) Spass.

Richtig berggängig wurde ich erst nach der Anschaffung von Bailey. Diesbezüglicher Höhepunkt war wohl die Wanderung von Reiden nach Ambri. Claudio (damals war er noch nicht so ein schicker Möbelhändler sondern noch ganz gewöhnlicher Informatiker) und ich wollten zum ersten Match der Saison zu Fuss anreisen und planten dafür eine Woche Ferien ein. Wir starteten in Reiden, weil er gerade da wohnte und so erzählte er unterwegs auch allen Leuten, er laufe von zu Hause ins Tessin, ich halt nur ab Reiden. Die erste Etappe führte nach Hildisrieden, die zweite dann nach Hergiswil. Durch die Stadt Luzern holten wir uns die schlimmsten Blatern (Schwizerhochdütsch, wir liefen so himmeltraurig, dass uns die lokale Drogerie sogar Rabatt gewährte auf Blasenpflastern), welche uns bis zum Ende der Woche begleiten sollten. Wir waren so erschöpft und die Füsse schmerzten so sehr, dass wir uns richtig aufraffen mussten, zum Essen nochmals aufzustehen. Sehr frustierend, dass unsere damals noch jungen Hunde herumhüpften, als wären sie seit Wochen nicht mehr draussen gewesen.

Für Tag drei reiste Willi (hoi Willi, hoi; der Vater von Stammgast Knipser Knuser) an, welcher als Proviant eine ganze Flasche Cola Zero dabeihatte, diese aber erst nach Ankunft in Seelisberg wieder in seinem Rucksack fand. Da Willis Tenu mit seinem Petar Aleksandrov-Stirnband sehr sportlich aussah, legten wir ein entsprechendes Tempo vor. Was Willi dann zum Kommentar veranlasste, dies würde er nicht mehr als Wandern bezeichnen. Den Abend in Seelisberg verbrachten wir lustig und lange mit dem lokalen Turnverein, wofür wir dann am nächsten Tag ein wenig ziemlich sehr büssten. Der Weg nach Amsteg war für einen der Hunde sehr beschwerlich, der Tierarzt diagnostizierte dann auch bei ihm Blasen (wusste auch nicht, dass es das gibt, aber offenbar gibt es das). Weiter nach Andermatt, wo die Strecke zwischen Wassen und Göschenen deshalb so tödlich ist, weil man nach 80 Höhenmetern Anstieg (gefühlte) 75 Abstieg macht, so dass die 200 Höhenmeter fast nie enden. Am Abend in Andermatt dann eine lustige Begegnung mit einem älteren Ehepaar, welches sich trotz vieler freier Tische zu uns setzte, weil „sie sich in 64 Jahren Ehe langsam alles gesagt haben“. Der Aufstieg zum Gotthard wunderschön, das Essen oben gut, auch wenn ich damals den Trick mit Rogers Gratisverpflegung noch nicht kannte und deshalb dafür bezahlte. Der Abstieg nach Airolo auch schön, überschattet nur von einem spektakulären Sturz meinerseits, weil Bailey genau im dümmsten Moment unerwartet die Richtung wechselte. Stürze meinerseits haben Tradition auf Wanderungen, dass Beffa darüber lacht auch. Für die letzten 10 Kilometer von Airolo nach Ambri stiess dann Knipser Knuser himself noch zu uns und seither erzählt er allen, er sei auch mal nach Ambri gewandert.

Nun, zwei Jahre später haben wir auch noch die Strecke von Ambri an die italienische Grenze gemeistert (darüber berichte ich dann ein ander Mal) und ich habe zwischenzeitlich auch noch Zurzach-Reiden abgewandert, ich habe die Schweiz also komplett zu Fuss durchquert. Und wenn Du das einem Australier erzählst, dann hat er eine vage Vorstellung davon, wie klein unser Land ist.

Nun, regelmässig zu laufen begann ich eigentlich erst 2013. Mein Gewicht war nach einer Woche in London (es war eine Kurswoche des SKU und Andy wollte das Kursgeld immer bar ins Kässeli der Kursleiterin werfen – übrigens Andy: ich sitze gerade in so einem Schüttelzug Deines Arbeitgebers und es schüttelt als wirklich ein bisschen – sorry not sorry, wollte einfach mal ein wenig SBB-Bashing machen, weil das ja so sehr in Mode ist) und dem Wettiger Fäscht (die Mutter aller Feste) auf gut 99 Kilo (das Gewicht, sorry not sorry, der Satz hat vor rund 3 Minuten begonnen) gestiegen und ich nahm mir vor, dass dieses nie dreistellig werden sollte. Und weil bei allen Diättipps (gar kein Fett, ganz viel Fett, kein Zucker, Friss die Hälfte, Friss gar nichts) wohl einfach die Formel gilt, dass man mehr verbrennen sollte als man zu sich nimmt, begann ich meine morgendlichen Ausmärsche mit Bailey auszudehnen. So hungerte ich mich binnnen 3er Monate auf 86 Kilo runter. Für 2014 ging ich das etwas systematischer an und nahm mir 2000 Kilometer zu Fuss vor, was ich dann mit 2600 locker übertraf. So strebte ich 2015 3000 Kilometer an, was ich knapp schaffte. 2016 fuhr ich sehr intensiv Ski (und hatte neu ein Abo im Basefit), so dass ich die Leistung wieder auf 2600 Kilometer reduzierte. 2017 entdeckte ich, dass es im Basefit auch ein Laufband gibt, so dass ich die 3000 Kilometer wieder schaffte, was ich 2018 wiederholte. Nun, 2019 hatte ich ja 3 Monate unbezahlten Urlaub in Australien (für alle die es verpasst haben, der Rückblick dazu findet sich hier) und so nahm ich mir 3650 Kilometer vor, was genau 10 pro Tag entspricht. Bis zum Ende der Skisaison hatte ich mir einen Rückstand von rund 150 Kilometer eingehandelt, welchen ich bis Ende Juni aufholte. Im Juli erarbeitete ich mir einen kleinen Vorsprung, welchen ich dann in Australien vor allem in Darwin, Noosa und Byron Bay massiv ausbaute. Im Oktober gab ich vor allem auf Fiji etwas von diesem Vorsprung preis, trotzdem hätte es locker reichen müssen. Im November verwaltete ich den Vorsprung geschickt, im Dezember wusste ich, dass es mit dem Start der Skisaison etwas schwieriger werden würde. Aber es wäre locker drin gewesen, hätte mich nicht ein bakterieller Infekt 4 Tage flach gelegt. Und so fehlen mir 5 Tage vor Torschluss noch genau 50 Kilometer, was bedeutet, dass ich wohl am Silvester bis kurz vor Mitternach um den Obersee in Arosa laufen werde. Aber wenn ich mir ein Ziel setze, möchte ich es eigentlich auch erreichen.

Nun, für 2020 habe ich mir etwas mehr vorgenommen. Und darum ist dieser Beitrag eigentlich primär ein Teaser. Nämlich 3660 Kilometer zu Fuss. Das ist nicht mal mehr als 2019, denn 2020 ist zum guten Glück (mit Rücksicht auf die Freitage rund um Weihnachten/Neujahr eher Pech) ein Schaltjahr. Mir aber fehlen 3 Monate zum Nichts-Tun oder eben Laufen, womit ich diese 3660 Kilometer als ambitiös bezeichnen würde. Warum das alles nun ein Teaser ist? Nun, ich verrate nicht zu viel, aber sollte ich es nicht schaffen, kommt 4Africa zu einer grosszügigen Spende – und sollte ich es schaffen, dann hoffentlich auch, denn eigentlich veranstalte ich 2020 einen sehr ausführlichen Sponsorenlauf für einen guten Zweck, welcher mir sehr am Herzen liegt.

More to come, more to read, jeweils zu finden hier oder in allen sozialen Medien unter dem Häschtäg projekt3660 oder eben #projekt3660.

Next Stop: Schuhladen für neue Turnschuhe. Oder mag sich ein netter Produzent als Sponsor hervortun?

Cheers, mates

Der grosse, total unabhängige Test: das Novemberhoch in beloved Arosa

Ja, ich weiss, irgendwie ist dieser Titel ‚Novemberhoch’ eine Provokation für alle Flachländer, welche gefühlt von Mitte Oktober bis Mitte März unter einer Hochnebeldecke verbringen, durch welche die Sonne nur selten durchdrückt (was man dann fast schon abfeiert).

Nun, meine allerliebste Bergdestination Arosa (also bitte null Neutralität bei diesem Test erwarten, er ist nicht unabhängig sondern emotional verblendet durch Erinnerungen, welche bis in die späten 1970er-Jahre zurückreichen…ok, ich kann mich nicht an die späten 1970er erinnern, aber es gibt Fotos von mir in Arosa aus dieser Zeit, ja genau so Fotos mit leichtem orange-Stich und alle Menschen tragen so seltsame Kleidung und die Brillen sind auch so lustig) vermarktet unter dem Titel ‚Novemberhoch’ Kurzurlaube an der Sonne. Man kann da biken, golfen, wandern (so far: who cares?). Vor allem kann man (sofern bereits genug Schnee gefallen ist (er fällt primär aus Schneekanonen, dafür braucht es kalte Nächte)) bereits ab November Ski fahren.

Nun, dieses Jahr mussten sich die Skifahrer (Snowboarder soll es ja auch noch geben, aber genauso wie die männliche Form jeweils auch die weibliche einschliesst (warum eigentlich praktisch nie umgekehrt?) sollen die SkifahrerInnen hier alle SchneesportlerInnen meinen) bis am 16. November gedulden. Dafür hatte es zwischenzeitlich sogar richtig natürlich geschneit und es war gutes Wetter angesagt.

Also entschied ich mich für einen spontanen Tagesausflug nach Arosa. Bisher war ich erst einmal schon im November Ski gefahren, nämlich 2016. Damals hatte ich mit Tom (ihr wisst schon: Knipser Knuser, der Mann von Andrea Mezera) ein Wochenende im Hotel Vetter verbracht. Und weil der Samstag auf der Piste so toll war, reiste Claudio Beffa, ja genau, der mit dem Möbelladen (welcher übrigens auch noch ganz viele Dinge verkauft, welche die Welt eigentlich nicht unbedingt brauchen würde, die aber halt schampar schick aussehen)) am Samstagnachmittag auch grad spontan noch an. Weil es am Sonntag dann aber regnete, reiste er am Morgen schon wieder ab und gehört somit zur exklusiven Sorte Mensch, welche einfach mal rasch nach Arosa in den Ausgang fährt. Dieser Ausgang hatte es aber in sich: wir assen im Hotel, gingen dann zum Eishockey (in Arosa spielt der ehemalige Schweizer Meister EHC Arosa, aber über die schreibe ich dann ein ander Mal, weil sich sonst Töbi (der Mann von der ach so stolzen Claudia) wieder über die Länge meines Beitrages beklagt, aber ganz kurz: Arosa spielte gestern auch und hätte ich das früher realisiert, wäre ich wohl über Nacht geblieben, weil zu einem Besuch in Arosa eigentlich auch der Besuch eines Spiels des EHC gehört. Habe ich aber nicht realisiert, deshalb nur ein Tagesausflug) und landeten dann wieder in der Bar des Hotels Vetter. Dort wurden wir um zirka Mitternacht aufgefordert zu gehen, wogegen wir einen offiziellen Spielfeldprotest einlegten, welcher insofern aufschiebende Wirkung hatte, alsdass uns angeboten wurde, mit dem nur noch auf unseren Abgang wartenden Hotelpersonal weiter auszugehen. Und irgendwie war das dann richtig glatt (ausser für Tom, der wollte irgendwie weder tanzen noch reden noch sonst was und wäre wohl froh gewesen, wenn unser Spielfeldprotest keinen Erfolg gehabt hätte) und dauerte irgendwie auch länger als geplant. Und beim Auschecken fragte uns dann die Wirtin, ob wir eigentlich (und das Wort eigentlich macht in diesem Zusammenhang den Unterschied zwischen interessierter Frage und leichtem Vorwurf) ein Polterabend (für die Deutschen: Junggesellenabschied) seien und seither ist uns das so peinlich, dass wir nie mehr im Vetter abgestiegen sind.

Also, egal, dieses Mal nur ein kurzer seriöser Sporttag auf den Skiern. Das Wetter etwas schlechter als angesagt, auch etwas kühler als erwartet. Der Parkplatz am Hörnli schon voll. Darum parkierte ich im Brüggli, wo mir der Bus grad vor der Nase wegfuhr (ja ok, ich verpasste ihn um 12 Minuten und der nächste wäre bald gekommen) und ich darum den Weg zur Talstation zu Fuss in Angriff nehmen musste (etwa 400 Meter, aber leicht ansteigend und auf 1800 Metern über Meer – aber vor allem hatte ich ja das grosse Reissen nach den ersten Schwüngen des Winters und in diesem Moment zählt jede Minute). Die Hörnlihütte so voll wie der Parkplatz, diverse Speisen schon ausverkauft, die Wartezeit auf eine der übrig gebliebenen (sie hatten passenderweise noch Hörnli) infolge zu wenig Personal lang. Einzige offene Anlage war (neben der Gondelbahn – die heisst so Europa-Park-mässig Hörnli-Express) der Sessellift am Hörnli und das ist der einzige ohne Windschutzhaube und darum mag ich den nicht, nicht mal im Frühling, wenn es wieder wärmer ist. Die Talabfahrt geschlossen, darum ganz zum Schluss nochmals mit dem zugigen Sessel (und es war wirklich ein wenig windig) hoch, um dann mit der Gondel ins Tal zu fahren. Nur zwei Pisten offen, also zu Beginn, dann leider ein erster Unfall der Saison mit Helikoptereinsatz und darum jene Piste gesperrt. Darum nur noch eine offen und die deshalb gut frequentiert und irgendwann auch eher ausgefahren. Und im Schatten lag die auch ab dem frühen Nachmittag, wobei das Hörnli ohne Bösartigkeit sowieso als Schattenloch bezeichnet werden darf, nicht mal im März scheint dort den ganzen Tag die Sonne, darum hält der Schnee auch ewig und im März interessiert es eh nicht so, weil dann ja die restlichen 200 Pistenkilometer zur Verfügung stehen aber die standen ja gestern eben nicht zur Verfügung.

Das schlechte Wetter am Schattenloch Hörnli 😉

Aber wisst ihr was: es war wunderbar. Weil es kalt war, war der Schnee super (ein richtiger Knaller waren diese Pisten (später: diese Piste)), es war toll, so früh in der Saison die ersten Schwünge zu ziehen und so zu Beginn der Saison sind ja auch die Kanten noch frisch geschliffen und greifen (bei Eis im Februar sind sie dann schon schön abgefahren, darum rutschen dann alle nur noch rum). Und das Wetter war wegen der zwei Wolken zwar etwas schlechter als angesagt aber immer noch lange ausreichend für einen Sonnenbrand (und für alle die grad fragen wollten: klar war ich eingecremt). Und dass der Lift keine Haube hat, wusste ich und die Temperatur hätte ich vorgängig recherchieren können und somit war es rein meine Schuld, dass mir igendwann kalt war (es gibt eh kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung). Und vor allem: wir fuhren auf frischem Naturschnee und rundherum war alles frisch eingeschneit (nicht wie im Winter 2016, als es zu Neujahr überall in den Bergen wie im November aussah und sich gefühlt wanderwegbreite Kunstschneepisten ins Tal schlängelten) und so war dieser Novembertag ein richtig toller, sonniger Wintertag! Und stellt Euch vor, wie geil es erst wird, wenn ich warm angezogen bin, alle Bahnen, Pisten und Restaurants in Betrieb sind und ich sowohl den Busfahr- wie auch dem Spielplan des EHC Arosa im Kopf habe.

Fazit: Ich freue mich auf die kommende Saison wie jedes Jahr wie ein kleines Kind (warum sagt man das eigentlich so? habe ich mich als Kind anders gefreut als jetzt?) und ich bin ja so was von froh, dass ich das ganz grosse Reissen vor der ersten Fahrt bereits ein wenig kurieren konnte (und schon wertvolles Know How zum Beispiel rund um den Bus aufbauen konnte). Und Tom ist sicher auch froh, so können wir bei unserem Ausflug im Dezember allenfalls sogar das Frühstück geniessen, ohne dass ich wegen der ersten Gondel stürme (fast hätte ich es geschafft, aber ganz ohne Schwiizerhochdütsch geht es dann doch nicht). Sorry Tom: Vergiss das mit dem Frühstück – bei gutem Wetter können wir es eh nicht geniessen, dass Reissen ist bis dann zurück.

Next stop – Arosa

Cheers, mates

Über Reiseblogs und Bier und lustige Geschichten

So ein Reiseblog handelt ja vom Reisen (mal ein wenig Logik zum Einstieg), mehr oder weniger ausgeschmückt mit lustigen oder halt auch nicht so lustigen, allenfalls sogar traurigen oder interessanten (ja, ich gebs zu: eher selten) Geschichten. Nachdem meine wunderbare Reise durch Australien (falls jemand nicht gemerkt hat, dass ich weg war, der Reisebericht in Kurzform findet sich hier) ja mit der Landung in Zürich (für Deutsche Leser) rsp. Kloten (für besserwissende Schweizer) ein jähes Ende gefunden hatte, frage ich mich schon ein wenig (also sogar recht fest (Schwiizerhochdütsch)), wie es mit meinen (aus meiner Sicht) lustigen Geschichten weiter gehen soll. Eine Möglichkeit wäre ein Unterbruch bis zur nächsten Reise, aber so gefühlte zehn Jahre wären doch ein wenig zu viel des Wartens. Also einfach lustige Geschichten erzählen? Wäre möglich, aber irgendwie würde wohl doch der Aufhänger oder rote Faden fehlen. Da war dann guter Rat teuer – aber die (mal ganz unbescheiden so bezeichnete) geniale Idee nicht weit.

Ich werde zum Tester von Produkten und Dienstleistungen. Was mir gerade in den Sinn kommt, was mir gerade über den Weg läuft und vor allem was sich gerade eignet, um Geschichten zu erzählen.

Wir beginnen mit dem Anker Bier. Ja, richtig gelesen, Anker aus dem Coop, der grosse Bruder des 1291 aus dem Denner. Eigentlich bin ich ja Migros-Kind aber alkoholfreies Bier ist immer noch nicht so gut wie in der Werbung beschrieben.

Warum gerade Anker Bier? Nun, ich habe ein bisschen Expertise zum Thema Bier (stark ausgebaut in Australien, zum Beispiel in Exmouth), es ist mir am ersten Tag zurück im Büro ins Auge gesprungen und Bier eignet sich hervorragend für Abschweifer.

Warum ist mir das Anker am ersten Tag im Büro ins Auge gesprungen? Nun, kurz vor meiner Abreise nach Australien lud ich meine Mitarbeitenden (zusammen mit Nicolas, der anschliessend grosse Karriere im Private Banking machte) zu einem kleinen Abschiedsumtrunk ein. Und da die meisten Feldschlösschen mögen (und ein Anker ist faktisch ein Feldschlösschen, auch wenn sie das nicht zugeben würden. Aber es wird bei Feldschlösschen in Rheinfelden gebraut und wenn ausreichend kalt könnten ab Dose wohl nur die Allerwenigsten das Orignial mit Sicherheit erkennen) und wir eher in die Menge als in die Marke investieren wollten, wurde Anker aufgetischt (professionell gekühlt in einem mit Eis gefüllten Sandkasten, so das Modell hellblau, muschelförmig, mit Deckel, einfach ohne Sand drin). Nun, gewisse Mitarbeitende empfanden das Aufstellen eines Markenimitats als zu wenig Wertschätzung und boykottierten deshalb das Bier. Irgendwie wurde trotz grosser Hitze weniger als erwartet getrunken und so haben wir immer noch Restbestände.

Anker kann man zum Normalpreis von CHF 1.20 (alle genannten Preise beziehen sich auf einen halben Liter in der Aludose) in jedem Coop kaufen. Faktisch sind die CHF 1.20 ein Mondpreis, denn man kauft es nur, wenn es (wie alle paar Wochen) zum halben Preis angeboten wird. Verlangt Coop den vollen Preis, weicht man aus auf das Tell (welches von Heineken in Chur gebraut wird und damit ein verkapptes Calanda ist. Halt einfach ohne Bündner Feriengefühle dazu), welches CHF 0.75 kostet. Und legt man überhaupt keinen Wert auf Status und Prestige, begnügt man sich mit der Billigabfüllung Prix Garantie auch aus Chur, somit wieder ein Bergbier ohne Berggefühl und eigentlich ist Prix Garantie recht kultig, denn die Kultmarke M-Budget von der Konkurrenz produziert ja kein Bier und so konnte Coop hier in die Bresche springen. Schade ist, dass Coop das Design von Prix Garantie (rein grammantikalisch wäre oder ist es übrigens le prix und darum frage ich mich, was dieses e hinter garanti soll) ein wenig aufgefrischt hat (fast schon edel), die alte Version war bedeutend kult-freundlicher.

All diese Biere sind keine geschmacklichen Offenbarungen wie die in Australien gekosteten Kunstwerke von Little Creatures oder Stone Wood, aber sie löschen den Durst (so zum Beispiel im Sommer nach dem Rasenmähen, ok, es ist jetzt nicht Sommer und den Rasen muss man auch nicht mehr mähen aber trotzdem) hervorragend und (sofern dies das Bedürfnis sein sollte) sie machen gleich schnell betrunken wie andere Lagerbiere.

Prix Garantie hält dazu noch Extra-Spass bereit (welcher bei Anker nur teilweise funktioniert), aber nur wenn man nach Plan vorgeht. Mein Plan war es, zusammen mit Thomas Mezera (Knisper Knuser für Insider und der Mann von Andrea Mezera, welche ich nur erwähne, damit ich den Beitrag auf Facebook taggen kann) ein Eishockeyspiel in Langnau zu besuchen. Vereinbart war die Anreise mit dem Zuge (wenn es Prix Garantie heisst, darf ich auch ein e an den Zug dranhängen), ich ab Turgi, er ab Aarau. Ausgemacht war weiter, dass ich Biere (die Mehrzahl von Bier, vor allem wollte ich aber nochmals ein sinnloses e anhängen) mitbringen würde (da sprechen wir uns immer ab, nicht weil wir sonst kein Bier hätten, sondern ganz sicher zu viel). Da ich von je drei solchen Aludosen pro Nase (also 1.5 pro Auge, das ist jetzt aber mal ein Lacher) plus einer für mich für die Strecke Turgi-Aarau ausging (von welcher ich Tom nicht erzählte, sonst hätte er auch vier gewollt), kaufte ich sieben Dosen. Der Spass besteht darin, mit diesen sieben Dosen ein Abteil der ersten Klasse zu betreten, die Dosen auszupacken (die Mitreisenden wissen ja nicht, dass noch wer zusteigt), kurz zu murmeln „hoffe, dass das reicht bis Olten“ und dann zügig unter lautem Zischen die erste Dose zu öffnen. Blicke so unbezahlbar, dass geeignet für die Mastercard-Werbung. Wobei dies dann auch der einzig lustige Teil dieses Reise war, denn da Langnau damals gerade ein neues Stadion hatte und Ambri völlig ausserplanmässig erfolgreich war, war das Spiel leider (also ich freute mich zusammen mit dem Kassenwart des Heimteams wie verrückt, beinahe hätte ich über dem Kopf geklatscht) ausverkauft, so dass wir unverrichteter Dinge (und ohne Biervorrat) wieder nach Hause reisen mussten.

Meine Mitarbeitenden hatten ein wenig den Status und das Prestige oder von mir aus die gezeigte Wertschätzung vermisst beim Anker Bier. Nun, da ein substantieller Teil von Bier ausgeschüttet wird, spielt das wirklich keine Rolle. Drei Beispiele, alle auch wieder an Hockeyspielen und die waren nicht ausverkauft und wir darum sogar im Stadion. Tom (wieder er) wollte uns die Geschichte erzählen, wie ein Freund beim Torjubel das Bier hochwarf (vermutlich wollte der zu einem Überkopfklatscher ansetzen, Anmerkung der Redaktion) und sich so mit Bier zuschüttete. Eigentlich mässig spektakulär, nur dass Tom die Geschichte real nachspielte und zu Demonstrationszwecken tatsächlich ein Bier in die Höhe warf, was ja noch gegangen wäre, aber leider mangelte es ihm ein wenig an Souveränität beim Versuch es wieder aufzufangen und so schaffte er es, sich in der wie immer frischen Valascia zu bierduschen (gibt es das als Verb?). Anders als meine Mutter, welche zum Spiel in die sehr kalte Valascia ihren neuen todschicken und doppelt gefütterten Mantel vom nicht-Billiglabel Max Mara ausführte. Und nach dem ersten Tor der Heimmannschaft hatte sie dann dank Gollo (der vor der Kesb, der sich dem Internet verweigert, er ist zwar nicht verheiratet aber seit immer zusammen mit Karin (von Gollo, dieses von Gollo versteht nur der very inner circle, sorry not sorry)) einen nicht mehr neuen, immer noch recht schicken dafür mit Bier würdevoll getauften doppelt gefütterten Mantel des immer noch nicht billigen Labels. Wobei sie sehr gelassen reagierte (zumindest äusserlich), ganz im Gegensatz zu den Anzug tragenden Sitzplatz-Modefans in Lausanne. Das war an Toms Polterabend (für Deutsche: Junggesellenabschied, weiss nur dank der Walfamilie, dass ihr Polterabend nicht versteht), also Tom wollte ja keinen Polterabend (falls ihr es grad überlesen habt, liebe Deutsche Leser: Junggesellenabschied, hatte übrigens auch ein entsprechendes Erlebnis in Australien), deshalb bezeichneten wir diesen lustigen Abend einfach als seinen Polterabend (für die Deutschen: ihr wisst schon) und Töbi (der mir dann irgendwann noch Pulp Fiction erklärt und dessen Frau Claudia ja so grausam stolz auf ihren Tobiässli ist) war auch dabei. Bei allen Geschichten war übrigens auch Claudio Beffa (der vom schicken Möbelladen) dabei, aber das wäre auch ohne Erwähnung klar gewesen. Auf jeden Fall wollte Tom im Zug kein Bier (schon gar kein Billigbier) sondern Wein im Speisewagen kredenzen. Und zwar nicht billigen in der 1.875-Deziliter-Flasche (welcher für Töbi und mich absolut ausreichend war, fand Tom), sondern die echte Flaschenqualität, von welcher er uns dann auch bei jedem Schluck vorschwärmte. Auch noch, als er schon lange von der Toilette zurück war und Töbi und ich sein Glas schon lange mit dem billigen Fusel aufgefüllt hatten und an seiner Stelle das genau gleich gut oder schlecht schmeckendes teures Edelgesöff tranken….aber das war ja nur die Anreise, denn das Bier wurde erst am Spiel verschüttet. Weil Lausanne für Gästefans gefühlte 12 (vielleicht waren es 150) Stehplätze zur Verfügung stellte, wichen wir auf die Sitzplätze aus (also wären wir wohl eh, aber war eine gute Ausrede) und da Ambri ja immer noch die überraschend erfolgreiche Saison spielte und mehr Tore also der Gegner schoss und wir bei jedem Tor euphorischer wurden, passierte es, dass wir (ganz versehentlich und ohne jede böse Absicht, ich schwörs, im Fall) den Anzugträgern vor uns ein paar Schlucke (Schluck wäre die korrekte Mehrzahl, aber ich wollte nochmals ein sinnloses e anhängen und ok, es waren allenfalls mehrere Becher) über ihre sicher gar nicht so teueren Anzüge schütteten. Und auch der Verweis auf meine in solchen Situationen so gelassen regierende Mutter half gar nichts mehr, sondern liess die Situation eher noch mehr eskalieren. Egal, wir kamen heil raus und Töbi konnte sich auf den Heimweg noch zwei Bier kaufen. Eigentlich hätte ihm eins genügt, da er aber nicht wusste, ob es eher un oder une bière heissen würde, bestellte er zur Sicherheit grad deux. Wer mit gleicher Unsicherheit wirklich nur eins möchte, der möge ausweichen auf „trois bières et deux retour“. Von diesem Abend gibt es sogar ein Bild (vermutlich aufgenommen von einem der später biergeduschten Anzugträger). Fazit zum Bild: der Mann vom Möbelladen und Tobiässli hatten mehr Haare als heute, ich mehr Kilos, Tom dafür klar weniger graue Haare. Egal, herzliche Gratulation zum ersten bebilderten Gastauftritt.

Was das alles jetzt genau mit dem angekündigen Produkttest zu tun haben mag, weiss ich selbst nicht mehr. Ich würde zusammenfassen: Ein ganz normales (hundskommunes) Lagerbier lässt sich wunderbar in der Billigversion geniessen, selbstverständlich hat dies aber wenig mit dem Genuss eines Spezialbieres zu tun.

So, das war die erste Folge meines Produkttest-Blogs (formerly known as Travelblog, wie Prince, der irgendwann Mr. Symbol formerly known as Prince hiess). Falls jemand gerne ein Produkt getestet haben möchte: jederzeit eine Meldung an mich. Sofern es sich halbwegs sinnvoll mit Geschichten aus dem Leben verknüpfen lässt, bin ich da also sehr offen.

Somit next stop oder next product: your choice.

Cheers, mates.

Ein kleiner Rückblick

Genau heute vor drei Monaten landete ich auf dem Weg nach Australien in Singapur. Und naiv wie ich war, bildete ich mir ein, diese drei Monate Auszeit würden ewig dauern und nie zu Ende gehen. Nun, wie eigentlich absehbar, kam es anders. Morgen beginnt wieder der Ernst des Lebens mit #backtowork und somit habe ich heute die finale Gelegenheit für einen kleinen Rückblick. Und damit ich Euch nicht jedes Mal mit einem Hinweis auf den ausführlichen Bericht nerven muss, ist immer gleich Beginn des Abschnittes der Link. Dies erleichtert auch das diagonale Lesen ganz stark.

Singapur: ich hatte mich im Marina Bay Sands eingemietet, mein Fazit: irgendwie ganz massiv überzahlt (und Food bei weitem nicht auf 5-Sterne-Niveau) aber sein Geld halt doch wert wegen diesem gigantischen Pool mit der gigantischen Aussicht. Weiter berichtenswehrtes aus Singapur: eigentlich nichts.

Darwin: Mein Timing wohl perfekt, im August ist Darwin warm aber nicht heiss und eben trocken (im Vergleich zu schwül oder regnerisch). Die Stadt besteht aus Esplanade (zum Spazieren oder Joggen (nicht persönlich getestet aber andere dabei beobachtet)), Waterfront zum Baden und Essen und Mitchell Street zum Leute treffen, Live-Musik hören und Bier trinken. Für mich war die Gemächlichkeit Darwins auch wunderbar, um herunterzufahren und mich an den Akzent der Australier zu gewöhnen.

Meine Rundreise als Altenbetreuer: Kathrine Gorge, Kakadu und Litchfield sind absolute must-sees und landschaftliche Highlights. Ich würde diese einfach nicht mehr auf einer Hotelrundreise mit primär pensionierten Mitreisenden besuchen. Wäre die Gruppe jünger, könnte man mehr zu Fuss erkunden und so noch viel mehr sehen. Und der Spassfaktor wäre mit jüngeren Teilnehmern vielleicht tendenziell ganz sicher auch höher.

Broome: Dies die einzige Station, welche eine Vorausbuchung des Tagesausfluges in die Kimberleys bedingt hätte, die waren nämlich rest- und ausnahmslos ausgebucht. Aber auch so bot Broome den wohl besten Beach, mit die beste Brauerei, das spannendste Openair-Kino (ok, ich war nur genau in diesem, aber ich masse mir das jetzt mal an) und das wohl schlechteste Hotel (ganz sicher in Bezug auf Preis/Leistung) meiner Reise. Ganz generell ist Broome teuer aber (wie ich finde) den Eintritt wert.

Exmouth: der Weg ab Broome ist runde 1300 Kilometer weit, würde ich ein nächstes Mal auf drei Tage verteilen. Nicht beinflussen konnte ich den lautesten und mühsamsten Hotelnachbar in Karratha. Exmouth selber ist süss und klein, verfügt über einen eigenen Nationalpark, tolle Exkursionen auf das Meer (Chance auf eine Sunsets-Cruise mit ganz viel Gossip…), einen schönen Strand und (ganz wichtig) zwei tolle, lokale Brauereien (etwa eine pro Tausend Einwohner).

Coral Bay: alle, die schon mal da waren, lieben dieses Dörfchen bestehend aus genau einer Strasse. Tolles Reef unmittelbar vor dem Strand, schöne Ausflugsmöglichkeiten mit der guten Chance, Manta Rays und Reef Sharks zu sehen und ganz einfach ein wunderbar ruhiger Ort.

Monkey Mia: die eigentliche Haupattraktion, nämlich die tägliche Fütterung der Delfine, fand ich sehr touristisch und die Reise nicht wert. Aber: wunderschön gelegenes Resort rsp. Camping Platz, feinsandiger Strand, gutes Essen und motivierte Mitarbeitende. Und der Weg dahin bietet schon gefühlte 27 Gründe irgendwo anzuhalten, etwas anzuschauen oder einen kleinen Walk zu machen.

Auf dem Weg nach Perth habe ich es tatsächlich geschafft, den Pink Lake (welcher auch wirklich gerade sehr pink gewesen wäre) zu verpassen. Das hat mich geärgert. Pinnacles Desert dafür aus meiner Sicht der landschaftliche Höhepunkt meiner Reise. Perth selber fand ich nicht so aufregend (ausser dass sich die Möglichkeit ergab, gewisse Reiseutensilien zu kaufen). Rottnest Island ist sicher mindestens einen Tagesausflug wert, Freemantle ebenso (dort hat es eine grosse und eine kleine Brauerei).

Einfach mal nichts tun: mein Reisetempo war ja sehr entspannt, dies liess ganz viel Zeit zum Lesen, Musik hören und vor allem zum ganz ausgiebigen Nichts-Tun. Erst nach Publikation dieses Beitrags für mich entdeckt: irgendwo sitzen und Menschen beobachten.

Airlie Beach und die Whitsunday Islands: mein absoluter Lieblingsort, deshalb bin ich ganz zum Schluss meiner Reise gleich nochmal hingeflogen. Das Städtchen herzig (einmal Schwiizerhochdütsch ist auch im Rückblick zwingend), die Lagoon ‚best place to hang out’, gutes kulinarisches Angebot (keine Selbstverständlichkeit in Australien), viele Orte mit guter Live-Musik und perfekt auf Alleinreisende ausgerichtet (praktisch jedes Restaurant hat grosse Tische zum Dazusitzen). Fast schon unzählige Ausflugsmöglichkeiten auf dem Wasser, wobei ein Besuch von Whitehaven Beach wohl zwingend ist.

Fraser Island: nächster absolut zwingender Stopp bei einer Ostküstenreise, ich war zwei Tage dort, was ich als Minimum bezichnen würde. Zu meinem Glück waren auf meiner Tour zehn Frauen auf Polterwochenende (das verstehen jetzt halt die Deutschen leider nicht), so hatte ich neben landschaftlichen Schönheiten auch viel Spass. Auch der Ort, wo mich eine Deutsche Mitteisende siezte und so mein gefühltes Alter massiv erhöhte.

Noosa bietet einen tollen Strand (also sogar mehrere), einen eigenen Nationalpark ‚within walking distance’ und mediterranes Flair sowie auch eine gute Auswahl wirklich guter Restaurants. In Noosa hatte ich wohl das beste Essen meiner Reise und gleichzeitig den einzigen (kurzen) unangenehmen Moment als Alleinreisender (lustigerweise beides im gleichen Lokal).

Surfers Paradise und Byron Bay: Surfers ist nicht zwingend, es ist quasi das Mallorca der Australischen Ostküste. Sehenswert ist es trotzdem und ‚good fun for one weekend‘. Byron Bay ist dann doch schon eher ein Klassiker, wobei diese Destination schon primär aus dem wunderschönen Städtchen mit den vielen netten Cafés und Restaurants (und dem Strand mit den guten Surfmöglichkeiten) besteht, sonst ist da nicht so viel.

Ausflüge habe ich im Dutzend gemacht, Dauer von zwei Stunden bis zu sechs Tagen, den wohl absurdesten beschreibt dieser Beitrag. Tendenziell lohnt es sich, die Preise ein wenig zu vergleichen, vor allem in der Nebensaison bietet eine kurzfristige Buchung gute Chancen auf Rabatte. Und häufig ist das gebuchte Datum eher eine Indikation, bei zu wenigen Buchungen werden zwei Tage zusammengelegt, darum lohnt sich das langsame Reisen, dann verpasst man auch bei Verschiebungen nichts.

Fiji war quasi eine holiday from the holiday. Fiji ist wunderbar, sehr entspannt, bietet viele naturnahe Erlebnisse und vor allem herrlich warmes Wasser zum stundenlangen Schnorcheln. Ich würde Island Hopping empfehlen, ich hatte jeweils ein eigenes Zimmer, aber immer in Resorts, welche auch Mehrbettzimmer haben (sorgt für junge, unterhaltsame Mitreisende).

Menschen: eigentlich handelt dieser Bericht vor allem von meiner Reise nach Adelaide oder meinem Aufenthalt dort. Aber eigentlich geht es vor allem um die vielen wunderbaren Menschen, welche ich auf meiner Reise getroffen habe, hier am Beispiel der Walfamilie (welche ja regelmässige Leser schon bestens kennen).

Das Abenteuer Outback wird hier beschrieben, Abenteuer im Sinne von viel roter Erde, beindruckenden Felsformationen, grosser Hitze und vielen Fliegen. Aber auch Abenteuer im Sinne von Camping in einem Swag, gemeinsamem Kochen und viel Spass haben. Und ja irgendwie wurde ich wieder massiv älter, als mir zwei Töchter angedichtet wurden.

Von meiner Reise zurück nach Airlie Beach handelt dieser Post – eigentlich. Denn er handelt auch vom ganz grossen Zufall, dass ich in Australien insgesamt vielleicht eine Stunde TV schaute und mich dabei um ein Haar selber gesehen hätte. Und dann geht es auch noch um einen weiteren tollen Schnorchelausflug ab Airlie Beach.

Leider bereits mein letzter Ausflug, nochmals ein richtig toller, zwei Tage und zwei Nächte auf einer paradiesischen Insel. Und dann gehts noch darum, dass die Parties vor 17 Jahren irgendwie grösser waren (vielleicht nicht besser aber ganz sicher grösser).

Ums alleine reisen und was gewisse Menschen davon abhält gehts hier. Und alle, welche sich diesen Bericht antun diesem Bericht lesen, erhalten ein kostenloses Frühstück auf dem Gotthardpass (also eigentlich überall auf der Welt).

Ganz zum Schluss war ich noch zwei Tage in Sydney, als sehr typischer Tourist, welcher möglichst zügig die Hot Spots Opera House, Harbour Bridge, Watson’s Bay, Bondi Beach und Darling Harbour abgearbeitet hat. Und dann genoss ich noch mein last beer und zuletzt noch mein very last beer.

#verylastbeerwithaview

Und das wars dann auch schon. Wer genau mitgelesen hat (und Australien ein wenig kennt) wird feststellen, dass ich diverse sehenswerte Orte nicht gesehen habe. Ich habe mich bewusst für eine sehr gemächliche Gangart entschieden, so war ich nicht überall. Dort wo ich war, hatte ich aber wunderbar viel Zeit und auch die Flexibilität, etwas länger zu bleiben. Und da meine Bucket List somit auch noch nicht komplett abgearbeitet ist, kann ich ja mit gutem Gewissen meine nächste Australien-Reise planen.

So, next Stopp, Neue Aargauer Bank in Brugg.

Cheers, mates

Über Sydney und über die flying doctors oder Männergrippen

Dies wäre oder vielmehr ist dann wohl der letzte Bericht über meine Australien-Reise. Nachdem mein Hotelzimmer in Sydney über eine Personenwaage verfügt, muss ich auch zugeben, dass dies vielleicht gar nicht nur schlecht ist. Die Ausdehnung meiner erotischen Nutzfläche (Danke, Laura, dass Du mich mit diesem Begriff bekannt gemacht hast, er hat es von Null in die Top 5 meiner Lieblingsbegriffe geschafft) nimmt langsam epische Züge an. Somit ein guter Zeitpunkt, um mal wieder Diät zu halten. Aber davor noch mein Aufenthalt in Sydney. Von Airlie Beach flog ich mit Tiger Air (das ist so quasi die Easy Jet Australiens, einfach teurer) nach Sydney. Dort hatte ich für drei Nächte einen room with a view (die Waage war nicht erwähnt, allenfalls hätte ich es mir anders überlegt). Aber neben dieser Waage bekam ich wirklich eine tolle Aussicht.

Meine Pläne für die zwei vollen Tage bescheiden: ein wenig Shoppen bei Uniqlo (das trägt jetzt ja King Roger, also muss es gut sein) und Kathmandu (meine neue liebste Outdoormarke), Darling Harbour und Opernhaus (von aussen) besuchen und allenfalls den rund zwei stündigen Walk von der Watsons Bay an den Bondi Beach machen.

Geplant zusammen mit Jessi, rund 20jährige Schweizerin aus dem schönen Solothurn. Sie war eine derjenigen, welche in Airlie Beach zusammen mit mir für Sekunden auf den Tischen getanzt hatte (bevor wir ziemlich barsch der Unterlassung gemahnt wurden, nachzulesen hier). Und da sich unsere Tage in Sydney überschnitten und wir ähnliche Pläne hatten (vor allem aber, da wir beide keine Lust hatten, uns für ein paar wenige Tage nochmals neue Freunde zu suchen, in den grossen Städten ist es zwar auch nicht schwierig, aber allenfalls ein wenig schwieriger). Und als ausgebildete Kinderbetreuerin (in Deutschland heisst der genau gleiche Beruf übrigens Erzieherin (ich muss dann immer an Fräulein Rottenmeier aus Heidi denken), ob das nur eine sprachliche oder doch eher eine kulturelle Unterscheidung ist, bleibe mal dahin gestellt) ist sie doch bestens als Aufsichtsperson für mich geeignet. Und allenfalls verbloggt sie ihre Erlebnisse mit mir dann auch in einem Post, in welchem sie ihre Erfahrungen als Altenbetreuerin beschreibt. Wer sich vielleicht schon die ganze Zeit fragt, warum ich immer von Frauen begleitet werde und fast nie von Männern: Es sind praktisch nur Frauen unterwegs. Die einzigen Männer sind die Pensionierten, welche von ihren Frauen zum Reisen genötigt werden. Bei den jungen (und teilweise sehr jungen) Reisenden bekomme ich echt das Gefühl, dass die jungen Männer ihrer Karriere nachrennen und möglichst rasch ihre Ausbildungen hinter sich bringen wollen, während die Frauen ihre Sprachkenntnisse verbessern und ihren Horizont erweitern. Womit ich zum doppelten Exoten werde, denn Reisende in meinem Alter sind etwa so selten wie Männer. Lustig war noch, dass Jessi in der Millionentadt Sydney auf der Strasse drei Schweizer Kolleginnen aus der Sprachschule in Noosa (dort war ich auch, hatte aber primär über Cannes und Erinnerungen berichtet) antraf. Irgendwie bei zwei sich bewegenden Punkten ja fast nicht möglich, aber ich liebe ja solch statistische Wahnsinne (ist das die Mehrzahl von Wahnsinn?). Sprachschulen in Noosa haben teilweise fast reine Schweizer Klassen, da unsere Nation dort so übermässig vertreten sind. Mag zwar den Spassfaktor erhöhen, wird aber tendenziell die Verbesserung der Englischkenntnisse bremsen (habe ich jetzt einfach noch geschrieben, damit auch dieser Post einen added value hat, wenn es dieses Mal schon kein kostenloses Frühstück gibt).

Also, der Darling Harbour ist immer noch so schön wie 2003, mein damaliger Lieblings-Starbucks existiert nicht mehr, vielleicht wurden die Mieten sogar für den teuren Kaffeeröster zu hoch. Aber es hat Dutzende andere Restaurants, alle in Anbetracht der Lage preislich ok (vor allem während der Happy Hour und von Mittag bis acht Uhr abends hat immer irgendwer Happy Hour und diese gilt für Drinks und für Food), daher dort ein Abendessen. Ums Opernhaus die genau gleiche Szenerie, in der Opera House Bar zu meiner Freude noch mein Lieblingsbier (Gatherer) von meiner Lieblingsbrauerei (Stonewood in Byron Bay). In der Happy Hour fast schon ein Schnäppchen (umgerechnet 6 Franken für einen Pint, im Piwi in Baden bezahlt man für einen stinknormalen halben Liter Lagerbier mehr und das Piwi punktet jetzt ja nicht gerade mit schöner Einrichtung oder aufregender Aussicht), deshalb nach dem last beer with a view noch das very last beer with a view. Und anschliessend das zweite Abendessen, immer noch mit spektakulärer view.

Bei Kathmandu hatte ich ein weiteres Hoodie gekauft, bei Uniqlo primär günstige Kinderkleider für die Nichten und Neffen. Und wer jetzt denkt, dass dieser Aufenthalt so weit so langweilig ist, dann war er das eigentlich auch, aber wäre es eben doch nur gewesen (seltsamer Satz – wer es nicht verstanden hat: einfach weiterlesen). Ich habe natürlich mit dem neuen Hoodie auch noch ein Hoodie-Pic (und auch das war halt leider very last one, langsam werde ich leicht melancholisch und hoffe auf Euer Mitgefühl) gemacht, gebe aber zu, dass damit das Spannungsmoment nur unwesentlich steigt.

Aber der Aufenthalt in Sydney wurde doch noch ein wenig aufregend (ohne, dass ich auf Tischen getanzt oder im falschen Moment ein Wifi gesucht hätte wie bei der Einreise in Darwin), denn in meiner zweitletzten Nacht (nachdem ich drei Monate lang nie auch nur das geringste Wehwehchen gehabt hatte) in Australien überfiel mich sehr fieses Halsweh. Ja, und als Mann sind ja nur schon Anzeichen einer möglichen Männergrippe Signale von aktuer Todesgefahr, aber dieser Schmerz war dann verbunden mit dem Husten doch mehr als nur ein Grippchen. Trotzdem hätte ich das zu Hause heldenhaft durchgestanden (auch wenn mir meine ehemalige Lieblingsmitarbeiterin Christina stets eine leichte Wehleidigkeit unterstellt hat, sorry, Christina, genau jetzt isch dis Whatsapp cho, Du häsch Dich indirekt ufdrängt für dä Uftritt und gibs zue, wärsch enttüscht gsi, wännd nie erwähnt worde wärsch), mir graute aber vor den sehr bald anstehenden 20 Stunden Flugzeit nach Hause. Und so fragte ich im Hotel der Möglichkeit eines Arztbesuches. Und tatsächlich gibt es in Sydney flying hotel doctors, die fliegen zwar nicht, aber springen von Hotel zu Hotel. Und so hatte ich zwar keinen kulinarischen aber einen medizinischen Room Service und Medikamente wurden direkt aus dem mitgebrachten Rucksack abgegeben.

Und so brachte ich dann in leicht geschwächt aber dafür im gedopten Zustand auch noch die Wanderung an den Bondi Beach hinter mich. Geschwitzt wie noch selten (obwohl es gar nicht sooo heiss war), aber das soll ja nicht ungesund sein.

Sehr nett (und von guter Organisation und Ausbildung zeugend) dann die handgeschriebene Nachricht, welche mir das Zimmermädchen hinterliess: „Dear Thomas, I hope you feel better. I have left you some extra tea bags“. Ja, und hätte ich es fotografiert, könnte ich es hier zeigen, aber wieder einmal muss die Nacherzählung genügen, sorry not sorry.

So, und das wars dann also aus Sydney und damit auch aus Australien. Next stop und dort bleibe ich ja dann eine Weile: Untersiggenthal.

Cheers, mates.

Vom alleine Essen und von Roger und von Kinobesuchen

Wie bereits mehrfach berichtet, hält ja die Aussicht, alleine in einem Restaurant essen zu müssen, gewisse Menschen vom Reisen, ja sogar von Ausflügen ab. Diese Geschichte soll alle Mitglieder dieser Gruppe ermutigen, es mal zu versuchen.

Zuerst aber ein Abschweifer, der handelt auch vom alleine essen. Und enthält eine freie Mahlzeit auf dem Gotthard-Pass für alle Leser (also nicht etwa einen Gutschein oder so, aber eine ziemlich brauchbare Anleitung). Die Geschichte handelt von Roger Keller. Es ist wohl der Chef, dem ich am meisten zu verdanken habe (das gäbe einen eigenen Beitrag), andere würden es wohl mit ein paar Kisten Wein tun, ich mit einem Gastauftritt, um den er fast schon flehentlich gebettelt hat (und Roger, falls Christiane (Paar-Gastauftritt) die Geschichte noch nicht kennt: Jetzt wäre ein guter Moment, sie mal zu erzählen). Die Geschichte geht so: Roger lud einmal alle seine Direktunterstellten zu einer Wanderung auf den Gotthardpass ein (also eigentlich zwang er uns). Das Bild stammt von meinem Instagram-Profil, einfach falls jemand noch nicht weiss, dass ich auf Instagram bin:

Die Einladung von Roger grosszügig, denn in Andermatt (von Andermatt handelt übrigens einer meiner ersten Blogposts (ja genau der, in dem ich ganz nah am Olympiasieg Olympiasieger in der Herrenabfahrt dran war und Reto (der einfach nie ins Bett wollte) und Lars (der hätte bei einer Tanzeinlage noch fast einen Unfall gehabt) hatten tragende Nebenrollen)) stellte sich Roger im Coop an die Kasse und wir durften uns alle unseren Proviant (ein sogenannter Zwipf (militärische Kurzform von Zwischenverpflegung) in Rogers Sprache) zusammenstellen. Der Unverschämteste (nicht ich) deckte sich gleich noch mit einer Kurpackung der teuren Gilette-Rasierklingen ein. Nun, die Wanderung war für die einen wunderschön, für andere eher anstrengend, mir mich beides. Oben angekommen bezogen wir die schönen Zimmer im Hospiz und dann gab es wohlverdient was zu Essen und ein paar Bier oder Gläser Wein. Um Mitternacht wollte die Wirtin schliessen, unter grossen persönlichen Einsatz erkämpfte Roger fünf weitere Runden für seine festfreudigen Mitarbeitenden, die zweitletzte durch Androhung des Anstimmens von „einer geht noch, einer geht noch rein“, die allerletzte durch tatsächliches Absingen dieses Partykrachers (so zumindest meine Erinnerung).

Aber eigentlich handelt die Geschichte ja vom alleine Essen und ihr alle wollt ja vor allem kostenlos speisen auf dem Gotthard. Und das war so: Alle sassen beim Frühstück, nur Roger fehlte. Als die Abfahrt des Buses nur noch 20 Minuten entfernt war, versuchten wir in grösser werdender Panik, Roger zu erreichen. Als er endlich den Anruf entgegennahm, fragte er sogleich leicht genervt: „wo sind ihr?“. Auch Roger war beim Frühstück (allein oder einfach mit sich selber) und fragte sich, wo wir waren. Er war über die Strasse ins Selbstbedienungsrestaurant gegangen, hatte sich reichlich mit Kaffee, Obst, Müesli, Käse, Wurstwaren und Brot mit Butter (und sicher auch noch Honig und Konfitüre, womöglich hat er noch nach seiner persönlichen Lieblingssorte gefragt) eingedeckt und die Kasse selbstbewusst mit „bin Hotelgast“ passiert. Und das wäre jetzt die Anleitung zur Gratisverpflegung gewesen: Einfach selbstbewusst (am besten hart an der Grenze zur Arroganz) an der Kasse vorbeischreiten und mit Bestimmtheit etwas halbwegs plausibles sagen, Variationen könnten sein: „gehöre zur Bustour“, „bitte auf Rechnung Meier“ oder „Skiclub Gontenschwil“ – die gewagteste Variante (hier für den Gastauftritt von Pippo und Lukas (er der mutigste Lernende, dem ich je begegnet bin)) wäre sicher #TeamSchletzBier. Und so was funktioniert alleine tendenziell besser als in der Gruppe.

Damit haben wir diesen Abschweifer endlich hinter uns. Er leitet mich aber zu einem zweiten, sehr kurzen (versproche, im Fall). Rogers Auftritt erinnert ja stark an Leonardo di Caprio und seine Rolle in Catch me if you can. Über Leo (für Freunde) habe ich bereits In meinem Beitrag über Broome geschrieben. Catch me if you can sah ich 2003 in Sydney, an einem regnerischen Nachmittag in einem fast leeren Kino. Und weil mir der Film so gut gefiel und ich fand, dass man bei einer zweiten Betrachtung sicher weitere amüsante Details entdecken würde (und vor allem auch, weil es immer noch regnete), war Vorstellungsende plus zehn Minuten für mich auch grad nochmals Vorstellungsbeginn. Habe ich vorher nie gemacht, habe ich danach nie mehr gemacht. Aber genau darum ist Reisen so wunderbar, weil man (leicht absurde) Dinge tun kann, die man sonst nie tut (und wenn man alleine reist, muss man sich nicht mal rechtfertigen).

So, aber jetzt genug der Abschweifer, jetzt gehts ums alleine Essen: Am Abend nach der nicht ganz so wilden Return-Party (nachzulesen hier) sass ich gemütlich in der Breeze Bar in Airlie Beach. Natürlich alleine, also mit meinem I-Pad, auf dem ich ein Buch las. Und obwohl es gar nicht so war, können wir uns ja vorstellen, dass sowohl die Pärchen an den Nebentischen wie auch die grosse Männergruppe am grossen Tisch immer wieder mitleidig zu mir schauten. Allenfalls machten sie noch Aussagen wie „poor guy“, „lonely“, „lonesome“ oder „no wonder he has no friends, just look at him“. Vielleicht lachten sie dazu und zeigten mit dem Finger auf mich und vielleicht fragte mich noch einer direkt „why are you alone?“. Machten sie alles nicht, in Airlie Beach sind viele Alleinreisende unterwegs und alle Restaurants haben grosse Tische und man kann sich überall dazusetzen (also vielleicht nicht grad bei den Frischverliebten, welche die Finger keine Sekunde von einander lassen können, aber bei allen anderen schon).

Aber stellen wir uns vor, es wäre so gewesen oder zumindest gefühlt so gewesen. Denn genau in jenem Moment als ich mich unter meinem Tisch vergraben wollte, erschien Esther, regelmässige Leser kennen sie schon als weiblichen Teil aus dem Schweizerischen-Holländischen Doppel von der Return-Party. Und ab hier hat es sich zu 100 % genau so zugetragen (ich schwörs, im Fall). Nun, Esther ist so die Person, die tendenziell auffällt, ein Bild mag es schon zum Teil erklären:

Wer mehr von ihr sehen möchte, der folge ihr auf Instagram, wenig überraschend hat sie ein leicht besseres Likes/Follower-Verhältnis als ich. Aber auch sie hat ihre bad-hair-moments, zum Beispiel, wenn sie grad aus einem Flugzeug springt (Foto offiziell autorisiert von der Protagonistin):

Nun hat sie auch einen Gang, der gewisse Männerköpfe (und auch die der Frauen) drehen lässt, vor allem aber ist sie tendenziell manchman eher wahnsinnig laut und extrovertiert im Vergleich zu anderen Menschen. Und sie lacht immer. Und so rief schrie sie meinen Namen durch die ganze Bar und da ich in mein Buch vertieft war sogar mehr als einmal und darum schauten auch all die Pärchen (sogar die Frischverliebten) auf. Zweite auffällige Eigenschaft an Esther ist, dass Begrüssung ohne Umarmung nicht geht, so richtig fest mit drücken und auf den Rücken klopfen, dazu laut lachen. Erste neidische Blicke von der grossen Männergruppe trafen mich, erste giftige Blicke des weiblichen Teils der Frischverliebten trafen Esther. In diesem Moment wurde mein Essen serviert, was Esther mit ‚oh, I have already had my dinner, so I cannot join you‘. Leichte Schadenfreude vom Männertisch, gewisse Erleichterung bei der Frischverliebten. Aber ohne Aufforderung meinerseits fuhr Esther fort mit „but you know what, I will just join you for a drink“ und führte damit zu einer leichten Gesichtsentgleisung bei der Frischverliebten, weil ihr Frischverliebter darob erfreut zu sein schien. Hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz (habe trainiert für den Gotthard) antwortete ich „well, you know, I actually would have preferred to keep going with my book (kurzes Aufflackern von Hoffnung am Nebentisch) – but if you do not have any other plans, why not?“

Und so setzte sich Esther nieder, erzählte lustige Geschichten (laut und extrovertiert mit vielen Lachern). Zwischenzeitlich verliess sie mich mal kurz wortlos (kurze Hoffnung oder Schadenfreude an den Nebentischen), aber nur um eine zu rauchen (und das ist in Australien schon so was von rebellisch, die Raucher müssen sich ihre Zonen richtiggehend suchen). Sie kam wieder. Als ich fertig gespiesen und wir beide fertig getrunken hatten, forderte sie mich auf (wieder nahe 100 Dezibel), noch in ein anderes Lokal auf ein Bier zu kommen. Und so verliessen wir den Tatort (ganz kurz: der letzte Schweizer Tatort war ja so was von unterirdisch schlecht, ich fühle mich fast genötigt, mich bei allen Deutschen und Österreichern dafür zu entschuldigen) gemeinsam. Ich spürte die Blicke in unseren Rücken (schaute aber nicht zurück) und als wäre mein Triumpf nicht schon umfassend genug gewesen, fragte ich Esther (ja und genau da könnte man mal auf die Schnauze fliegen, weil man übertreibt), ob sie sich nicht bei mir einhängen wolle, was sie mit lautem Lachen freudig tat.

Und was Lernen wir draus: Alleine Essen kann gratis sein, alleine Essen muss überhaupt nicht einsam sein, falls man mit einem Auftritt Esthers rechnet, empfiehlt sich allenfalls ein Pamir und zum Glück bekommt der Tatort ein neues Schweizer Ermittlerduo.

Next Stop: immer noch Sydney.

Cheers, mates.

Vom Aufräumen und Abschweifen – also eigentlich wieder mal über Airlie Beach – und über den Kronzeugen

Ich muss zuerst ein wenig Aufräumen (weiter unten räumt dann noch jemand auf) respektive zum allerersten Mal in der 100-jährigen tägigen Geschichte dieses Blogs offiziell eine Falschaussage korrigieren. Alle, die gerade um Ihre Gastauftritte fürchten: Nein, keine Angst, Claudio Beffa, ich finde Mooris weiterhin einen stylishen Möbelladen und nein, liebe Walfamilie, ihr bleibt meine liebste Walfamilie. Nein, es geht darum, dass ich ja darüber berichtet habe, dass wir den Quarterpounder nicht kennen, da wir diesen ja Royal with Cheese nennen würden. Natürlich nennen wir ihn nicht so, in Pulp Fiction (der Film, den ich nicht verstehe – aber Töbi hat versprochen, ihn mir nach meiner Rückkehr zu erklären und seine Frau Claudia ist jetzt sicher wahnsinnig stolz, dass ihr Tobiässli hier im Internet so prominent erwähnt wird und sie gleich noch dazu) wird nur erzählt, dass er in Paris „Royale with Cheese“ (und weil es in Paris ist, schreibe ich anstelle von Royal Royale) heisst. Bei uns wird er vermarktet als „Cheeseburger Royal“. Ich finde es bemerkenswert, dass nur bei uns der Burger im Namen erwähnt wird, wahrscheinlich unterstellt McDonalds uns damit, dass wir ohne explizite Erwähnung eine Pizza oder einen Auflauf erwarten würden. Ich entschuldige mich auf jeden Fall in aller Form für diesen gravierenden Faux Pax.

So, haben wir das also hinter uns gebracht. Zu berichten habe ich noch von meinem letzten (und zwar leider wirklich last und nicht latest) Ausflug. Die Whitsunday Islands kann man ab Airlie wohl auf drei Arten erkunden. Mit Tagesausflügen, welche aber ziemlich viel schnelle und laute Fahrt enthalten, wenn man Whitehaven Beach besuchen will. Oder ein Zweitagesausflug mit Uebernachtung auf einem Boot (irgendwie ein wenig Abenteuer, ein wenig romantisch (je nach Anbieter auch ziemlich partylastig), aber halt mässig komfortabel – hatte ich bei meinem letzten Besuch gemacht und hier darüber berichtet). Oder man kann auch einen Mehrtagesausflug machen, bei welchen man die Tage zwar auf See verbringt, in der Nacht aber in einem Resort auf einer Insel untergebracht ist. Diese Option wählte ich dieses Mal, wiederum in der für mich stimmigen Version mit meinem Einzelzimmer (und es war ein richtig geiles, eigentlich war es eher eine Beach Villa) in einem Resort, welches aber vor allem Backpackers in Dorms beherbergt. Und trotzdem war ich nicht der älteste Teilnehmer, war auch mal wieder schön.

Wir waren bestellt auf 14.00 Uhr, das Boot sollte um 14.30 Uhr loslegen. Als vorbildlicher Schweizer war ich natürlich kurz vor halb zwei da, ich war zu meiner Beruhigung aber nicht mal der Erste. Insgesamt hatten sich um 14.00 Uhr rund 30 Leute eingefunden. Nur einfach niemand, um uns abzuholen. Kurz vor 14.30 Uhr erschien unser Guide dann doch noch, eine Begründung oder gar Entschuldigung für die Verspätung fand er nicht so wichtig. Es war ein schlechter Start und leider sollte das Schema ‚Gäste da – Crew noch nicht‘ so etwas wie der rote Faden oder Running Gag der Tour werden. Und alle die schon mal mit mir zusammengearbeitet haben, wissen, dass ich bei Unpünktlichkeit tendenziell spassreduziert bin.

Wir wurden überschifft auf Paradise Cove, eine kleine Insel mit tollem Resort. Dort konnten wir uns eher aktiv (so seltsame Dinge wie Kanufahren) oder passiv (so wunderbares Zeugs wie in der Hängematte hängen) beschäftigen, was wir auch ausgiebig taten. Nachtessen gut (aber doch recht Convenience-lastig), anschliessend wurde das Campfire gezündet und man konnte Marshmallows (bitte nicht versehentlich Marshmello übers Feuer halten) darüber grillen. Und da dieser Ort als „best place to have a glass of wine“ einzustufen ist (und ich habe da jetzt ein wenig Expertise), wurde es zwar überhaupt keine wilde Partynacht aber trotzdem ein „quite remarkable evening“. Am nächsten Tag dann der Hauptausflug zum Whitehaven Beach. Nun war es insgesamt schon mein dritter Besuch da, aber man könnte auch 10 Mal gehen, der Ausblick ist jedes Mal wieder fantastisch und infolge von Ebbe und Flut auch jedes Mal ein wenig anders. Und natürlich gab es auch eine Gelegenheit für ein Hoodie-Pic.

Auf der Rückfahrt dann leider Regen, starker Wind und recht hoher Wellengang, so dass wir immer wieder nassgespritzt wurden. Und so entstehen dann so lustige Instagram-Stories wie „come to Australia they said – it will be fun they said – it will always be sunny and warm they said“ (ja, wäre als Original sicher noch viel lustiger gewesen, aber habe leider vergessen, einen Screen Shot zu machen, weshalb hier die Nacherzählung reichen muss). Auf dieser Rückfahrt noch ein wenig Schnorcheln am besten Spot meiner Reise (und leider entfällt hier das „bisher“, denn leider ist das Schnorcheln in Australien nun Geschichte – also für mich, ich gehe schon davon aus, dass diese Ausflüge weiterhin angeboten werden). Wirklich unzählige Fische in fast unzähligen Arten und unterschiedlichsten Grössen. Und mittlerweile hat das Wasser auch eine Temperatur erreicht, welche sogar Menschen mit Kaltwasserphobie nicht mehr vom Reinspringen abhält. Am Abend dann nochmals die gleiche Routine, also Wein am Campfire, beim zweiten Mal zwar immer noch super aber das Überraschungsmoment fehlt halt ein wenig (ist wie bei Filmen, die zweite Ausgabe ist nie besser als die Erste. Wobei es katastrophale Ausreisser nach unten gibt wie „dumb an dumber“ aber auch löbliche Ausnahme wie „Terminator“, wo Nummer zwei massiv besser war als die schon sehr gute Erstausgabe). Am nächsten Morgen ein wirklich letztes Mal Schnorcheln (gut aber halt nicht so überragend wie am Vortag aber niemals so stark abfallend wie „dumb and dumber“) und dann war die Sause auch schon wieder zu Ende.

Am Abend war noch die grosse grossartige gross angekündigte Return-Party angesagt. Nun, diese Parties haben im Vergleich zu 2003 massiv abgegeben. Ein Teil der Gruppe war schon weitergereist, andere hatten schlicht keine Lust. Eine Kanadierin war wahnsinnig enttäuscht, da der Guide sich um eine Stunde verspätete (ich war irgendwie nicht so überrascht) und ihr Interesse auch nicht erwiderte (auch das war mit etwas Lebenserfahrung eigentlich recht absehbar). Ein Engländer verschwand bald mit einer Engländerin (sie wollten den Brexit wohl ungestört diskutieren). Und so war unsere Gruppe recht früh auf ein gemischtes Schweizerisch-Holländisches Doppel reduziert, welches dann mit anderen Restgruppen fusionierte und doch noch einen sauglatten Abend hatte.

Damit endet heute meine short holiday from the long holiday. Und genau hier kommt nun Morena zu ihrem lange ersehnten und erkämpften Gastauftritt (Dein Feedback – war fast schon ein Coaching hart an der Grenze zum Todescoaching – betreffend Länge und Häufigkeit meiner Abschweifer habe ich mir sehr zu Herzen genommen und diese stark reduziert, leider wirst jetzt genau Du zum Hauptabschweifer). Morena hat eine sehr eigene Definition von holiday oder Ferien wie wir das nennen. So fuhr sie einmal (nach gängiger Sprachregelung) in die Skiferien, nach ihrer Definition waren das aber nur Skitage, da weniger als eine Woche. Es war aber auch kein verlängertes Wochenende, denn das müsste gemäss ihr an einem Freitag beginnen und dann am Montag oder Dienstag enden, was es aber nicht tat, denn sie fuhren ja erst am Samstag. Darum Skitage. Wenn ich „sie“ schreibe, dann beinhaltet das unter anderem Morenas Mann Franco. Von dem erzählte sie mir, er sei 1978 geboren und in Wettingen aufgewachsen. Nun kannte ich ihn aber nicht und ich kannte auch niemanden, der ihn als Kind oder Jugendlichen gekannt hätte oder nur schon jemanden gekannt hätte, der jemanden gekannt hätte, der ihn allenfalls hätte kennen können. Somit kam ich irgendwann zur festen Überzeugung, diese Legende sei im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes (Franco = Italien = Sizilien = Mafia = der musste Kronzeuge gewesen sein (und der erste Mensch, der es zu einem Gastauftritt im Titel schafft)) entstanden. Aber so war es nicht. Denn tatsächlich fand Morena beim Aufräumen (und hier schliesst sich jetzt der Kreis, kurzer Szenenapplaus für den Autor) den Juniorenkalender des FC Wettingen selig in der Ausgabe von 1990. Und tatsächlich hatten Franco und ich eine Saison in der gleichen Mannschaft gespielt. Wobei gespielt eher übertrieben wäre, denn er hat meist gespielt und ich war maximal Ersatzspieler (ich positionierte mich konsequent als Edelreservist oder Joker). Und Morena: Falls Du das Bild noch hast, poste es doch. Ich kann nicht nur über andere sondern auch über mich selber herzhaft lachen. Und Morena: Wie würdest 90 Tage Ferien am Stück nennen? Und Morena: Wir wollten seit über einen Jahr mal zusammen lunchen gehen (diese letzten drei Einschübe wirklich nur, um diesen Abschweifer zum längsten ever zu machen).

So, das wars nun mit Australien. All good things come to an end, das wusste schon Nelly Furtado. Wobei noch nicht ganz: next und very last stop: Sydney.

Cheers, mates.

Wie ich beinahe zum TV-Star wurde, über Emil und über die lustigste Autofahrt meines Lebens

Kurz zurück zum Preisausschreiben aus dem Beitrag über kurze Nächte (und wer jetzt auf diesen Link geklickt hat, hat eine klar unterdurchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne). Gewonnen mit der schnellsten aller richtigen Einsendungen hat Marco Ferrara (der sieht nicht nur seriös aus, der ist es auch, begnadeter Fussballer war er ebenfalls, darum auch er mit dem heiss begehrten Profil auf Transfermarkt.de). Er gewinnt damit neben diesem Gastauftritt ein Mittagessen auf meine Kosten, nur halt leider ganz ohne Begleitung und nur mit sich alleine.

Eigentlich war die Reise von Adelaide nach Alice Springs ja schon zu Ende erzählt. Nicht erwähnt hatte ich dabei, dass am Uluru ein TV-Team ein wenig filmte und in unserer Nähe Aufnahmen des Sundowners machte. Es war mir als nicht genügend wichtig erschienen, obwohl es durchaus lustig war, denn wir waren nahe dran, mittels Photobombing ein wenig zu stören oder zumindest Spass zu haben. Es wäre wichtig gewesen, wie sich gleich zeigen wird (hervorragender Spannungsbogen, ich feiere mich gerade überkopfklatschend dafür). Zuerst aber mal noch ein Bild (WordPress nimmt immer das erste Bild als Titelbild und das nächste ist nicht schön genug dafür):

Ich flog also von Alice Springs nach Brisbane, dort hatte ich eine Nacht Aufenthalt, bevor ich dann weiterfliegen sollte nach Airlie Beach. Einquartiert hatte ich mich in einem der Flughafenhotels, einzige Auswahlkriterien waren Pool und Gym gewesen, da sich die Flughafenumgebung nicht so recht für Spaziergänge aufdrängte. Also überbrückte ich die Zeit zwischen Aufwachen und Weiterflug auf dem Laufband im Gym, sogar richtig ausgerüstet mit meinem zweiten Paar Sneakers (sollte je jemand nach Australien verreisen: ein Paar genügt vollauf, man trägt sowieso immer Flip Flops – und da Australien kein Drittweltland ist, könnte man im Notfall auch noch welche kaufen), denn ich wollte ja verhindern, wie damals in Andermatt des Fitnessraums verwiesen zu werden. Und als ich da recht gemütlich auf diesem Laufband spazierte (einfach falls jemand gedacht haben sollte, ich wäre gejoggt), da wurde im TV ein Bericht über Uluru gezeigt….und irgendwie ahnte ich, dass es der Bericht sein musste, der unmittelbar neben uns gedreht worden war. Und darum filmte ich also diesen TV-Bericht (und dabei fühlte ich mich wie ein Idiot, aber schliesslich musste ich ja den potentiellen Start meiner grossen TV-Karriere in Australien festhalten). Nun, ich war nicht zu sehen (wenn die gewusst hätten, welch grossartige Nachwuchshoffnung ich hätte werden können…), aber unser legendärer Guide Dan (Diesel Dan für Freunde) sowie meine zwei Töchter aus der letzten Folge waren klar zu erkennen.

Am Nachmittag flog ich dann nach Proserpine, wo ich dieses Mal ohne Komplikationen einen Shuttle nach Airlie fand, beim letzten Mal war dies wie beschrieben nur bedingt der Fall gewesen. Ja, genau, ich bin spontan nochmals nach Airlie geflogen für meine letzte Woche. Airlie gefällt mir wahnsinnig gut und wenn man sich gerne am, auf dem oder im Wasser aufhält, gibt es fast keine bessere Destination für eine short holiday from the long holiday.

Spontan buchte ich für den Sonntag einen Schnorchelausflug zum Outer Reef. Eigentlich nicht der Typ Ausflug, der mir sonderlich gefällt: ein grosses Boot mit sehr vielen (und lauten) Menschen drauf wird mittels 4-stündiger Fahrt (diese wird dann für recht aufdringliches Cross Selling verwendet, aber nein, ich wollte trotzdem keine Unterwasserkamera für 68 Australische Dollar mieten – gibt es eigentlich Cross Selling für Mietwaren oder wäre das dann eher Cross Renting?) zu einer Plattform gebracht. Dort kann man sich vier Stunden selber bespassen, also primär Schnorcheln oder Tauchen oder auch einfach in der Sonne liegen (aber das könnte man in Airlie selber ja schöner und günstiger), dazwischen gibt es noch etwas Kalorien (viel mehr war es leider nicht), um neue Energie zum Schnorcheln zu tanken. Aber ja, das Reef ist sehr schön und die Anzahl und Vielfalt der farbenfrohen Fische faszinierend und eine Meeresschildkröte sah ich aus vielleicht drei Metern – insofern den Eintritt allemal wert. Und vor allem fand ich auf der Rückfahrt (wieder vier Stunden, jetzt konnte man Fotos bestellen) auch wieder neue Freunde (und sogar noch eine alte Bekannte, nämlich die Spanierin, welche ich zu Beginn meiner Reise in Exmouth und im September in Airlie und somit jeden Monat mindestens einmal getroffen habe), so dass sich weiterhin niemand Sorgen machen muss, ich würde hier in Australien doch noch einsam werden. Mit diesen neuen Freunden überbrückte ich mit Essen, Trinken und Live-Musik (und für ein paar wenige Sekunden tanzten wir sogar noch auf den Tischen, wurden dann aber recht zügig zurecht gewiesen) die Zeit bis zur Schlafenszeit.

Und als diese Schlafenszeit schon lange überfällig war, assen wir noch bei McDonalds (und das habe ich wohl fast 10 Jahre nicht mehr gemacht: so nach einem lustigen Abend noch so richtig fett einen fetten Quarterpounder (kann man bei uns ja auch nicht, weil wir nennen ihn ja Royal with Cheese) geniessen essen verspeisen verschlingen. Und als ich dann wirklich müde war, kam mir in den Sinn, dass ja die Wahlresulate (hat nichts mit Walen zu tun, sorry liebe Walfamilie) aus der Schweiz vorliegen müssten. Und es war sogar schon so spät, dass gerade zur Elefantenrunde (und die hat auch nichts mit den Tieren in Afrika zu tun) geladen wurde. Und als dann da Albert Rösti (eigentlich finde ihn ja noch einen ganz gmögigen Kerli, seine Ansichten und Argumente erscheinen mir manchmal einfach ein wenig abstrus) die Niederlage seiner Sonnenscheinpartei als etwas reduzierten aber immer noch grossartigen Sieg zu verkaufen versuchte, musste ich (ehrlich gesagt mit kleiner Schadenfreude) an Emil als Wahlverlierer denken. Für mich in etwa das Beste, was die Schweizer Kleinkunstszene (für die jüngeren LeserInnen: heute heisst das eher (stand up) Comedian) herausgebracht hat, so in einer Liga mit Ces Kaiser, der als Kunz aus Bünzen (oder war es doch Boswil?) telefoniert. Weniger bekannt dafür umso lustiger (man könnte es legendär oder gar epic nennen) ist Dr schnäuscht Wäg nach Worb von Ernst Mischler. Diese grossartige Nummer habe ich wohl zum letzten Mal auf einer der vielen langen Rückfahrten aus Ambri gehört zusammen mit Claudio Beffa (ja genau, wieder der vom schicken Möbelladen). Die grosse Heiterkeit tröstete uns damals sogar ein wenig darüber hinweg, dass keiner ein Schoggelädli mitgebracht hatte. Die wirklich beste Rückfahrt war aber die, als man beim staatlichen Rundfunksender (so quasi der ältere Bruder des Schweizer Farbfernsehens) anrufen konnte, das Thema war relativ weit umschrieben mit ‚Essen‘. Der erste Anrufer hatte sich ein tolles Mahl gegönnt, da er gerade aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen worden war, so weit so tragischkomisch. Nummer zwei gönnte sich ebenfalls ein tolles und sogar opulentes Mahl, weil es ihr letztes werden sollte, da ihr zwei Tage später ein Magenband installiert wurde. Wir waren aufgrund der Ausführlichkeit der Umschreibungen schon sehr nahe dran an der Realsatire. Nummer drei war sturzbetrunken und hatte gerade ein tolles Fondue gegessen, zubereitet aber nicht von seiner Frau (die kann das nämlich nicht, zumindest damals nicht, vielleicht hat sie zwischenzeitlich ja Fortschritte gemacht), sondern von einer thailändischen Freundin. Ja, wir mussten einfach hoffen, dass seine Frau nicht mithörte, denn es war recht klar, dass er nicht nur das Fondue genossen hatte. Nummer vier war dann irgendwie noch der ultimative Höhepunkt, aber den habe ich leider vergessen (Beffa, falls Du Dich erinnern kannst, würde ich es das nächste Mal noch ergänzen – so, und das ist jetzt ein sehr geiler Cliffhanger). Und ich bewundere die Moderatorin immer noch, denn die konnte tatsächlich ernst bleiben. Und noch ein kleiner Tip für alle (gratis und inbegriffen): nie betrunken beim Radio anrufen.

Aber eigentlich war ich ja bei Albert Rösti (sorry, not sorry für den sehr ausführlichen Abschweifer, aber er war mir den Umweg wert). Seine Niederlage relativierte sich ein wenig, als dann Martin Landolt von der BDP ins Bild kam. Sollte je in einem Film die Rolle des geschlagenen Hundes zu besetzen sein, dann würde er wohl das Casting locker gewinnen. Ja, und irgendwie tat er mir nicht nur ein wenig sondern sogar richtig fest leid. Teil seines Schmerzes war ja der Verlust des Aargauer BDP-Sitzes, welchen sich Lilian Studer geschnappt hat. Über ihre Wahl habe ich mich trotz des BDP-Schmerzes sehr gefreut (die 1977 geborenen Wettinger verdienen endlich mal eine Vertretung, wir sind jetzt schon 42 und Wettingen ist das grösste Dorf des Landes) und darum kommt sie hier zu einem wohlverdienten Gastauftritt (und ich finde ja vor allem auch, dass meinen Blog mal so wenig Prominenz gut ansteht, auf die Dauer wird sogar der lustigste Möbelhändler langweilig).

So, nächste Station – immer noch Airlie Beach.

Cheers, mates.

Über lange Fahrten, Hitze, Fliegen und Naturwunder – und wie ich plötzlich zwei 18jährige Töchter hatte!

Zuerst mal kurz zum Preisausschreiben betreffend meiner ehemaligen Lektorin, welche sich ja zuerst zur Head of Research und dann Co-Autorin befördert hat. Nun, es ist genau eine richtige Antwort eingegangen, nämlich von meiner geschätzten Stellvertreterin Rossy, welche ja hier bereits die zweite Erwähnung findet, nachdem sie um den Auftritt im Beitrag über Noosa (welchen ich hart an der Grenze von Selbstbewusstsein zu Arroganz von allen meinen bisherigen den besten finde) fast schon gebettelt hatte. Nun, ihre Antwort war richtig, da ich von der anonymen Co-Autorin wusste, dass sie es eben auch wusste, musste nach langen Beratungen mit meinem Roger Cahn (wer sich noch an ihn erinnern kann, ist definitiv vor 1980 geboren, genau, gemeint ist der absolut unbestechliche Juror aus Tellstar). Wir werten das Vorgehen Rossy nicht als Betrugsversuch (kleiner Abschweifer zu Tommaso Ramundo, wer sich an ihn erinnern kann, muss wohl vor 1990 auf der Welt gewesen sein) und verzichten daher auf ein Disziplinarverfahren. Damit bleibt das Rennen um das Mittagessen auf meine Kosten (aber ohne meine Begleitung) weiter offen. Dass Rossy die gesuchte Person kennt, sollte als Hinweis mal reichen.

Aber eigentlich wollte ich ja von langen Fahrten erzählen, genauer von den langen Fahrten auf meiner Gruppentour von Adelaide nach Alice Springs. Tag 1 wurde schon im letzten Post verwurstet, weshalb ich nicht noch einmal darauf eingehe. Am zweiten Tag fuhren wir (also primär Dan, der sich später noch als the world‘s best guide herausstellen wird – und ich habe jetzt ja doch so zwei oder drei Guides kennengelernt) runde sechs Stunden nach Coober Pedy, das liegt mitten in der Wüste, hat zirka 3000 Einwohner (welche wegen der grossen Hitze vor allem unterirdisch hausen), besteht eigentlich einfach aus einer langen Strasse. Aber: Coober Pedy ist das selbsternannte Weltzentrum der Opal Produktion, womit die einzige Touristenattraktion aus dem Opal Museum besteht, welches auch nicht mehr benützte unterirdische Stollen beinhaltet. Und bei aller Heimatliebe: diese sind den Meyerschen Stollen in Aarau doch ein wenig überlegen. Aber nur deswegen würde ich jetzt nicht grad nach Australien fliegen. Den Abend verbrachten wir in der unterirdischen Bar (welche an ein unterirdisches Casino angeschlossen ist) und übernachtet haben wir ebenfalls unterirdisch (ehrlich gesagt nicht aufregender als ein WK in einer Zivilschutzanlage, aber meine Mitreisenden kriegten sich fast nicht mehr ein). Aber in Anbetracht der im wahrsten Sinne des Wortes umwerfenden Temperaturen angenehm kühl. Kleiner Fun-Fact am Rande: In Coober Pedy kann man golfen, der grasfreie 18-Lochplatz ist wohl einer der ungewöhnlichsten der Welt.

Am nächsten Tag verschoben wir uns fast 8 Stunden in Richtung Zentrum Australiens. Ausser dieser Fahrt enthielt der Tag kein weiteres Programm, weshalb wir nach der Ankunft auf dem Camp Ground (hört sich irgendwie abenteuerlicher an als Camping-Platz (das erinnert mich so an die entsprechende TV-Serie auf RTL (womit Harley Jenkins zu seinem ersten und Eloy van der Sman zu seinem dritten Gastauftritt kommt, sorry, der ist jetzt wirklich nur für Insider des ‚inner circle’))) (Dreifachklammer – new personal best) nur noch ein wenig im Pool planschten. Wäre ja nicht aufregend, hat aber zum bisherigen Höhepunkt der Reise geführt. Die acht Teilnehmer unserer Gruppe badeten also ein wenig im kleinen Schwimmbad und kamen dabei mit den Teilnehmern einer anderen Gruppe ins Gespräch. Und irgendwann sagt ein Engländer zu mir: ‚You know, I find this awesome’ und auf meine Frage, was er denn so wahnsinnig awesome fände, ergänzte er mit Blick auf die zwei holländischen Schulabsolventinnen: ‚that you travel with your daughters and get along so well with them’. Ja, und seither heisse ich ‚Dad‘ und werde unter anderem von Guide Dan regelmässig aufgefordert , nach den ‚girls’ zu schauen im Sinne von ‚Thomas, could you make sure that the girls brush their theeth before they go to bed?‘.

Kurzer oder sogar langer Abschweifer zu Dan. Er hat von 2007 bis 2017 als Tourguide gearbeitet, ist dann aber in seinen ursprünglichen Beruf als Automechaniker zurückgekehrt (‚higher pay, relationsship-friendlier and you do not have to deal with weird tour guides anymore – i got sick of that’ – und dabei bringt er mindestens dreimal das f-Wort unter). Nun wurde er von Groovy Grape Tours kurzfristig angefragt, ob er infolge Personalmangel einspringen könnte (auch so typisch Australien: am Dienstag einen Guide für eine 6-Tages-Tour startend am Samstag zu suchen, aber irgendwie klappt es immer). Und so hatten wir also einen Guide, der (da selber gewissermassen auf einer ‚working holiday’) sich fast noch mehr als wir auf die Tour freute und ‚really excited’ war, uns alle Schönheiten des Landes zu zeigen und seine alten Freunde an jeder Station zu treffen. Zwei Dinge machen Dan besonders: Er ist extrem engagiert, legt zum Beispiel eine Vollbremsung hin, wenn er am Strassenrand ein Reptil sieht, welches uns interessieren könnte oder hält bei jedem überfahrenen Kangoroo, um zu schauen, ob es im Beutel ein zu rettendes Jungtier hat). Oder hält auch einfach mal an, um ein 2-Dollar-Stück, welches er angeblich im Vorbeifahren gesehen hatte, aufzulesen – und lacht sich dann fast kaputt, weil es fast alle glauben. Daneben kann er sich sich extrem aufregen, wenn sich andere Guides nicht an Regeln halten („he is not (fucking) supposed to (fucking) stop there, they (fucking) spoil our (fucking) view“) oder (noch schlimmer) wenn sich andere Verkehrsteilnehmer nicht an Verkehrsregeln halten und ihn zum Beispiel bei durchgezogener Linie überholen. Pech für das Deutsche Camper-Paar, dass sie am Folgetag genau neben uns parkierten…ich glaube, sie werden nie mehr irgendetwas überholen, auch nicht einen taubstummen Blinden an einer Migros-Kasse. Aber ja, sein Vater war Rescuer gewesen und hatte „too many dead bodies out of cars“ gezogen. Daneben hat Dan umwerfenden Humor und liebt es, alle mit seiner Plastikschlange (Slang ausgesprochen als Schlaang auf Holländisch) zu erschrecken (fast lieber fremde Gruppen als die eigene) oder mal rasch einen Sekundenschlaf am Steuer anzudeuten (‚loved your scared face’) oder auch einfach alte Räubergeschichten zu erzählen und so in zehn Jahren als Tourguide kommt ziemlich was zusammen. Sehr umfassend sein Wissen zu Aboriginees. Ein Ausschnitt: Der Uluru (ehemals Ayers Rock) wäre ja noch genau eine Woche für die Besteigung offen gewesen, endgültig verboten wird es am 26.10.2019. Ein paar Details dazu hier. Seine Erklärung, warum man das nicht tun sollte, auch wenn es noch möglich wäre, war sehr einleuchtend: Wenn man in einer Turnhalle die Strassenschuhe ausziehen soll, dann tun das alle und wenn man bei McDonalds seine Schuhe anziehen soll, dann machen das auch alle, wir halten uns also eigentlich an (wichtige und unwichtige) Regeln. Also warum den Wunsch der Ureinwohner (you know: they were there first) nicht einfach respektieren? Dass es in Zukunft nicht nur nicht erwünscht sondern verboten ist, liegt daran, dass die Zahl der Besteiger relativ zu den Besuchern unter 20 % gefallen ist. So konnte sogar der Tourismusminister dem Verbot zustimmen, da offenbar der Grossteil der Touristen nicht wegen dieser Besteigung kommt. Kleiner Fun Fact am Rande (auch gelernt von Dan): Wer schon einmal bei Beds are burning von Midnight Oilmitgesungen mitgegrölt hat:

‚The time has come to say fair’s fair
To pay the rent, to pay our share
The time has come, a fact’s a fact
It belongs to them, let’s give it back’ handelt genau von diesem Berg und dass man ihn den Ureinwohnern doch zurückgeben soll. Das ist schon lange geschehen, jetzt wird sogar ihr Wille nach Nicht-Besteigung umgesetzt.

Ich gehe davon aus, dass alle den Uluru schon mal auf einem Bild gesehen haben, Dan bezeichnete ihn als ein Geschenk des Marketing-Gotts (und fand es sauglatt, pseudo-nackt davor zu posen, ich auch, die girls mussten wir zum mitposen überreden). Eigentlich aber viel spektakulärer ist der Kings Canyon (heisst original Watarrka), in welchem wir eine rund 3stündige wirklich spektakuläre Wanderung (‚is this fucking amazing or is this not?‘) unternahmen und das bisher wohl beste non-hoodiepic dieser Reise geschossen wurde. Temperaturen sehr hoch und daher die Fliegen auch sehr aktiv. So konnte die Anschaffung eines Fliegennetzes wenigstens amortisiert werden. Und mit diesen Fliegennetzten ist es wie mit Skihelmen mit Visier (und ja: herzliche Gratulation zu Euren Auftritten Nathalie Nussbaumer und Thomas Mezera, frühere Fans kennen ihn noch als KK, Knipser Knuser): extrem praktisch, aber sieht halt Scheisse aus.

Und auch The Olgas (die heissen jetzt wieder Katja Tujta, dort wanderten wir wieder 3 Stunden) sind umwerfend schön oder einfach „fucking spectacular“. Und dort zum Glück etwas tiefere Temperaturen und recht heftiger Wind, welcher die Fliegen von allzu brutalen Attacken abhielt. Darum konnten wir uns blendend amüsieren ab den (primär asiatischen) Touristen, welche trotzdem so ein Netz trugen. Wahrscheinlich hatte es irgendeine eine Anleitung empfohlen.

Wer jetzt auch an eine entsprechende Reise denkt: ich würde das Zentrum Australiens wirklich im Rahmen einer Camping-Safari bereisen – mit Groovy Grapes – und nach Dan als Guide (man nennt ihn auch Diesel Dan, wir haben aber nicht herausgefunden warum) fragen. Nächte im Swag (eine Art Überschlafsack, bitte keine Verwechslungen mit dem Jugendwort des Jahres 2011) sind abenteuerlich, zusammen kochen (und halt auch Abwaschen) macht durchaus Spass und ein paar Tage „shared facilities“ überleben alle. Vor allem aber sind die Teilnehmer solcher Touren im Vergleich zu den Hoteltouren jünger, fitter, aktiver und wohl vor allem lustiger. Wenn halt auch teilweise so jung, dass sie meine Töchter sein könnten. Und wer Angst hat, diese jungen Reisenden würden dann allzu ‚blöd tun’ (Schwiizerhochdütsch), der irrt. Vor 20 Jahren feierte man auf Reisen primär die Party seines Lebens und schaute nebenbei noch ein bisschen ein schönes Land an. Heute wird primär das Land bereist und wenn man um halb fünf aufstehen muss, dann muss man um spätestens 10 ins Bett, damit man dann auch was davon hat. Wirklich doof an den jungen Mitreisenden ist eigentlich nur, dass sie bei allen Abstimmungen betreffend der zu hörenden Musik absolute Mehrheiten für Justin Bieber finden…

So, das wars aus dem heissen Zentrum. Das grande finale meiner Reise führt mich zurück nach Airlie Beach, wo ich noch ein wenig segeln und die Lagoon geniessen werde. Leider dieses Mal ohne die Walfamilie, welche ich hier nur noch einmal erwähne, weil sie sich jedes Mal so schaurig fest freuen.

Cheers, mates