Was Coral Bay mit Manta-Witzen zu tun hat

Von Exmouth fuhr ich die rund 150km nach Coral Bay. Lustig, wenn dieses Coral Bay bereits am Ortsausgang in Exmouth als nächste „Stadt“ angegeben ist, wenn man doch weiss (im Lonely Planet gelesen hat), dass dort nur rund 150 Menschen leben und das Dorf eigentlich aus genau einer Strasse besteht.

Coral Bay ist wirklich einfach ein Backpacker mit Restaurant, Bar und Bottle Shop, dann ein unendlicher Caravan Park und dann ein kleines Resort (ebenfalls mit Restaurant, Bar und Bottle Shop). Dies alles gruppiert sich um eine süsse kleine Bucht mit wunderschönem Sandstrand und unmittelbar vorgelagertem Korallenriff.

Coral Bay dreht sich also vor allem um Baden, Schnorcheln und Tauchen….und Bier trinken, aber das ist nicht Coral Bay-spezifisch, sondern gilt wohl für ganz Australien. Am ersten Tag unternahm ich einen Gruppenausflug auf einem Glasbodenboot, durchgeführt von Coral Bay Eco Tours. Ich hatte aus Ägypten schreckliche Erinnerungen an ein Glasbodenboot: kleines Fenster, grosse Masse an Touristen und ein Guide, der so kompetente Kommentare wie „here you see a red fish, here you see a colorful coral“ von sich gab (ok, allenfalls war ich ohne es zu merken auf dem Ausflug der Sehbeeinträchtigten…). Meine Erwartungen also sehr tief, diese wurden dann bei weitem übertroffen: Sehr grosses Boot mit sehr grossem Fenster zum Wasser und genau 6 Gäste. Dazu eine Skipperin, welche es echt im Griff hatte, das Boot genau über einer Turtle zum Stehen zu bringen und so perfekte Ansichten bot. Inbegriffen war auch zweimal Schnorcheln im eigentlich recht warmen Wasser. Leider herrschte sehr starker Wind, so dass für einmal nicht das ins Wasser steigen sondern das aus dem Wasser steigen einiges an Überwindung brauchte – verkehrte Welt.

Am Folgetag dann die etwas ausführlichere Tour, wiederum mit Coral Bay Eco Tours. Da gab es neben Schnorcheln die Gelegenheit, mit Manta Rays zu schwimmen. Für alle, die nicht wissen was das ist, hier der Link zu Wikipedia. Bin übrigens sehr dankbar, wenn ihr beim Lesen mal einfach so einen link anklickt, soll scheinbar die Relevanz und damit Auffindbarkeit dieses Blogs erhöhen. Sehr schön, wie sich drei konkurrierende Touranbieter die Suche nach dem Tier aufteilen mit grosser Selbstverständlichkeit auch den Gästen des Konkurrenten den Zugang ermöglichen. Da steht tendenziell das Gästeerlebnis als ganzes im Vordergrund und nicht kleinkariertes Gärtlidenken. Könnte wohl Schweiz Tourismus noch ein wenig dazulernen. Lustig, dass die Guide einem noch sagt „once you see the Manta, do not get too excited und stop swimming“ und man dann dieses schöne Tier erblickt und so aufgeregt ist, dass man glatt den Anschluss verliert, weil man vergisst zu schwimmen. Ihr Kommentar (zu uns allen) war nur: „see, told you“. Und um mit noch ein wenig unnützem (gerade erst recherchiertem) Wissen zu glänzen: Das Kultauto Opel Manta ist (vermutlich in Anlehnung an die schnittige Form) nach diesem Meeresbewohner benannt. Und wenn wir schon dabei sind, hier der Link zu ein paar Manta Witzen. Der Kürzeste: Es steht ein Manta vor der Uni. Ich schweif grad wieder mal ab, sorry not sorry. Anschliessend fanden wir dann noch eine Gruppe von Reef Sharks an einem weiteren Riff. Und für alle die jetzt an den weissen Hai denken: diese Tiere haben bedeutend mehr Angst vor uns als wir vor ihnen und sie werden uns bestimmt nie ausrotten, wir sie aber allenfalls schon. Die folgenden Fotos sind nicht von mir sondern von Daniel Thomas Brown, ich würde mal sagen: he knows what he is doing…

Der Rest ist rasch erzählt: Ein wenig hängen am Strand, ein Hoodie-Pic, zweimal selber kochen, da ich im Coral Bay Resort sogar eine eigene Küche hatte. Danach auch die Entscheidung, inskünftig wieder auswärts zu essen. Dazu ein netter Abend mit einem Renter-Paar aus Perth. Wir hatten rasch ein gemeinsames Thema gefunden, weil „you know we fly on business class, when we go to Europe“…worauf ich antwortete „but once you have started flying on business class, you hate economy even more“…worauf sie nur zustimmend und vielsagend lächelten.

So, next stop Monkey Mia.

Cheers, mates.

Eine lange Fahrt, ein lauter Nachbar und tolle Tage in Exmouth

Der Weg von Broome nach Exmouth lässt sich in zwei oder drei Tagesetappen aufteilen. Logischerweise entschied ich mich für die Variante Sport (wie schon damals an Claudio Beffas und Andrea Kamms Hochzeit, wo man zwischen drei Wanderungen (Sport, Turnschuh und Kinderwagen) wählen konnte und ich für den Todesmarsch angemeldet wurde…..und als erster oben war….und mich hundeelend fühlte….nur weil Ambri am Vortag gewonnen hatte, nein nicht deswegen, ich schweife ab, sorry not sorry), eine Wahl die ich auch hier nicht gerade bereue, die ich aber bei einem nächsten Mal etwas genauer überlegen würde. Somit bestanden meine zwei Tage aus total 14 Stunden rund 15 Stunden (sonst könnte ein Polizist noch ausrechnen, dass es in 14 unter Einhaltung der Geschwindigkeitslimite gar nicht machbar ist) Autofahrt. 8.5 an Tag eins und 5.5 an Tag zwei. Und die Geschichte ist auch rasch erzählt, einziger Spannungshöhepunkt war die Frage, ob mein Benzin bis zur nächsten Tankstelle reicht (natürlich hatte ich mir vorgenommen, an jeder Tankstelle zu tanken, natürlich hatte ich diesen Vorsatz ignoriert). Aber es reichte ja dann.

Die Nacht zwischen den langen Fahrten verbrachte ich im Karratha International Hotel, welches, wie es der Name ja schon sagt, in Karratha liegt. Oder kennt jemand eine Stadt die International heisst? Gem. den einschlägigen Portalen best place in town, aus meiner Sicht irgendwie ein seltsamer Ort: Die Zimmer innen neu und modern und eigentlich sogar chic. Von aussen betrachtet hat das Motel etwa die Bauart dessen, was wir einen „Schopf“ nennen würden. Am Pool hat es keinen einzigen Liegestuhl. Das Essen ok. Die Mitarbeitenden freundlich, aber nicht gerade überschäumend motiviert. Die wohl eher kostengünstige Bauweise bekam ich dann zur Schlafenszeit zu spüren. Mein Zimmernachbar führte offenbar ein sehr wichtiges oder zumindest sehr lautes Telefongespräch. So was kann ja nicht lange dauern, vor allem nicht abends um 10. Nach zwanzig Minuten fühlte ich mich an die SKU 94 2013-Studienreise nach Shanghai erinnert, als irgendein sich wichtig vorkommender Alumni auf jeder Busfahrt mit seinem Sekretär Josef telefonieren musste, der gerade an der Erstellung einer weltbewegenden Offerte war (falls ein Teilnehmer von SKU 94 hier mitliest, ich freue mich über ein Lebenszeichen, bei allen anderen Lesern entschuldige ich mich für das erneute Abschweifen). Nach 30 Minuten brach ich den Versuch einzuschlafen ab, rief die Rezeption an und verlangte den Umzug in ein anderes Zimmer. Ich rechnete mit dem schlimmsten, unter anderem mit einen Hausverbot (bin ja diesbezüglich ein wenig geschädigt), aber wie schon Nena sang: Wunder geschehen: innert 5 Minuten hatte ich ein anderes Zimmer und dann einen herrlich erholsamen Schlaf.

Soweit also der Weg nach Exmouth. In Exmouth war ich gebucht in der Ningaloo Lodge. Nun, Zimmer hatte ich schon schönere, auch Aussicht gab es keine. Aber dafür ist die Lodge sehr zentral gelegen (wirklich alles in walking distance), hat sehr freundliche Mitarbeitende (und Inhaber) und sehr liebevoll gepflegte „shared facilities“ (wie Pool, Küche und living room). Die Gäste nett und auf ihre Art lustig (also die anderen, weiss ja nicht, was die über mich schreiben würden).

Am ersten Abend die obligate Sunset Cruise. Wie immer war ich der Jüngste, by far. Die Cruise war vor allem gebucht von den Teilnehmern einer Gruppenreise. Diese hatten schon mehr als die Hälfte ihrer Reise hinter sich, den stimmungsmässigen Höhepunkt ganz offenbar auch. Wirklich lustig, wie es einige Teilnehmer kaum erwarten konnten, bei den „Fremden“ die anderen Teilnehmer mal so richtig abzudissen. Aktiv zuhören, den Kopf schräg halten, hie und da nicken und verständnisvoll schauen (alles erlernbar in Kursen mit Titeln wie „aktiv zuhören“) machte die Erzählungen noch weit ergiebiger, unterhaltsamer, lustiger. Noch einmal war ich einfach nur froh, nicht bei dieser Gruppe gelandet sondern als Alleinreisender unterwegs zu sein. Wale sahen wir nebenbei auch sowie einen schönen Sonnenuntergang. Und für ein Hoodie-Pic reichte es auch noch.

Weiter machte ich einen rund 6stündigen Schnorchelausflug. War toll. Zweimal schnorcheln (und ja, ich bin jetzt genug alt, um ohne Hemmungen einen Anzug gegen das Kalte Wasser und einen Nudel als Schwimmhilfe zu verlangen, macht vieles einfacher, ich sags Euch), gut gegessen, viel Spass gehabt, ein Hoodie-Pic gemacht. Und vor allem war ich einmal nicht der Jüngste. 6 Schulfreunde im zarten Alter von 23 waren auf gemeinsamem Wochenendausflug (und dafür mal locker 13 Stunden Auto gefahren). Wirklich ein lustiger Tag.

Auch noch erwähnenswert wäre Town Beach. Die hat sogar einen eigenen Food Truck, man kann dort Frühstück und Kaffee kaufen. Wirklich gemütlich, schöner Sandstrand. Dazu Picknicktische, beschattet (also vor der Sonne geschützt, nicht das, was Matula jeweils in ein Fall für zwei macht). Lustig, dass es dort nie mehr als 10 Personen gleichzeitig hatte. Vielleicht war ich zur falschen Zeit da.

Die Abende verbrachte ich in den zwei Brauereien des Ortes. Ja genau, ein Ort mit ein paar Tausend Einwohnern hat mal locker zwei Brauereinen. Und was für welche, wirklich tolle. Die Whale Bone Brewing Company ist auf einem alten Industriegelände untergebracht. Tolle Anlage. Mit Kinderspielplatz, darum auch viele Familien. Mit Live Musik (und zwar richtig guter). Mit tollem Bier. Und noch tollerer Pizza. Die Froth Craft Microbrewery ist eher ein Pub, guter Pub-Food (und guter Salat, die Variante mit Haloumi (schreibt man das so? Also dieser griechische Schafskäse zum Anbraten halt) eher besser als mit Chicken und sogar 1 AUD billiger, wenn das mal kein Argument ist) ebenfalls tolles Bier. Und von Donnerstag bis Samstag ein DJ, sodass das nette Lokal dann eher zum Club wird. Und schön finde ich, dass das Ganze um 7 startet und um halb 11 wieder zu Ende ist. Irgendwie sehr altersgerechte Ausgangszeiten.

So, das war Exmout, next stop Coral Bay..

Cheers, mates.

Wie ich nach Broome fand, Broome nicht fand und Broome am Ende richtig toll fand.

Ab Darwin flog ich mit Air North nach Broome. Kleines, süsses Flugzeug(chen) mit 19 Reihen mit jeweils 4 Plätzen, also total 76 Plätze, zu rund 60 % gefüllt. Zwischenstopp in Kununarra. Wir waren total rund 2 Stunden in der Luft, erhielten aber aufgrund des Zwischenstopps zweimal Getränke und Snacks (und jeweils ein kostenloses Lächeln dazu). Da können sich Swiss und Co. eine Scheibe abschneiden.

In Broome mein Auto (einen Toyota RAV 4, ich hatte ja gedacht, einmal im Leben ein Auto nicht aus dem Hause Toyota fahren zu dürfen, sollte nicht so sein) in Empfang genommen. Dann auf direktem Weg mit nur zwei Umwegen ins Hotel. Ich hatte mich im Mercure Broome einquartiert. Eines der teureren Hotels meiner Reise, eines der günstigeren auf Platz. Nicht, dass Broome nur aus Luxushäusern bestehen würde, Broome ist einfach generell sehr teuer. Das Hotel war irgendwie ein überdimensioniertes Kleinstadt-Motel im Amerika der 1980-er-Jahre. Dort wo sich der Mörder mit der entführten Schülerin unter falschem Namen eincheckt.

Egal, ich war ja nicht wegen des Hotels da, sondern wegen Cable Beach und dem Sonnenuntergang. Und da dieser in einer knappen Stunde bevorstand, entschied ich ich mich für den nach intensivem Kartenstudium auf geschätzt 15-16 Minuten dauernden sicher nicht so langen Fussmarsch. Nun, nach rund 40 Minuten war der ferne Himmel rot, die Sonne offenbar weg, nach 60 Minuten war es dunkel, ich immer noch des Strandes fern. Dann erblickte ich zwei Pubs, in einem trank ich ein Bier und traf sofort neue Freunde. Eines war leer, eines „pumpenvoll“ mit sehr lauten betrunkenen Gästen. Ich entschied mich für den sofortigen Rückmarsch und hatte auf der Karte sogar eine Abkürzung vermeintliche Abklürzung entdeckt. Nun, die Abkürzung erwies sich am Umweg und nach rund einer Stunde Rückweg war ich soweit, sofort wieder aus Broome abzureisen war ich am Ende. Aber dann sah ich entfernt den rettenden Anker, ein gelbes M auf rotem Grund. Nie hatte ich mich so gefreut, einen alten Freund wieder zu sehen. Mit Rücksicht auf meine Figur ass ich nur einen kleinen Gartensalat. Ich bestellte einen Quarter Pounder (den wir ja unverständlicherweise „Royal with Cheese“ nennen). Ich haute rein und ass frass mit schlechtem Gewissen Wollust einen Double Quarter Pounder. War geil.

Am Folgetag war ich auf eine halbtätige Tour in und um Broome gebucht. Zu meiner Überraschung und Freude waren vor allem Leute in meinem jugendlichen Alter dabei Ich war erneut „by far“ der Jüngste. Aber die Tour war ihr Geld wert: Wir besichtigen Das älteste noch betriebene Open Air Kino der Welt, die Bar der sehr coolen lokalen Craft Brewery, einen sehr attraktiven Aussichtspunkt und bekamen am Cable Beach die perfekten Spot für die Mutter aller Sonnneuntergänge. Mehr dazu auf meinem legendären Instagram-Profil. Dazu ein paar Chips und ein Glas Wein und plötzlich waren meine Geriantrie-Forschungen an den Mitreisenden ganz lustig.

Wieder einen Tag später besuchte ich die lokale Perlen-Farm. Erwartet hatte ich primär eine Verkaufsveranstaltung. Ich bekam einen rund zwei stündigen Vortrag über die Produktion von Perlen. Noch zwei weitere Stunden und es wäre wohl als CAS anrechenbar. Aber ich weiss jetzt den Unterschied zwischen Naturperlen, Zucht-Salzwasser-Perlen, Zucht-Süsswasser-Perlen und Plastik-Perlen. Am Schluss dann noch ein bisschen Verkauf.

Am Abend besuchte ich erwähntes Outdoor-Kino und sah mir Once upon a time in Hollywood von Quentin Tarantino an. Von ihm hatte ich bisher zwei Filme gesehen: Pulp Fiction (verstehe ich bis heute nicht, falls also jemand den Film begriffen hat, ich freue mich über Aufklärung) und die aus meiner Sicht abgefahren-genialen Reservoir Dogs. Nun, der neue Film ist irgendwie eine tragische Komödie oder komische Tragödie über Hollywood in den späten 1960ern. Brad Pitt aus meiner Sicht „Weltklasse“, Leo di Caprio doch etwas tiefer (und hoffnungsvoller Newcomer ist er ja auch nicht mehr), der Schluss total verstörend. Und was Quentin gegen Hippies hat, erschliesst sich mir auch nicht. Aber Fazit inklusive der Outdoor-Atmosphäre: sehenswert.

Der Rest von Broome ist rasch erzählt: den Tag an Cable Beach und den Abend mit einem Bier bei der Brauerei. Beides auch keine Nachwuchshoffungen, aber beides Weltklasse. Und vor allem möglichst wenig Zeit im Hotel, wollte ja den flüchtenden Mörder nicht provozieren.

Cheers, mates.

Gruppenreisen oder wie ich zum Altenbetreuer mutierte…

Nun, eigentlich hatte ich ja vorgehabt, die Westküste im Rahmen einer rund dreiwöchigen Gruppenreise zu erkunden. Man muss sich um nichts kümmern, man findet quasi automatisch Anschluss, man wird überall hingebracht, wo man eh nach der Reise gewesen sein muss. Nach reiflicher Ueberlegung kam ich zum Schluss, dass dies nicht das Richtige für mich ist. Die weltbeste Reiseberaterin (welche mich ja ziemlich gut und lange kennt) brauchte genau drei Wörter („bist Du sicher“?) und einen Blick, um mich vom Plan abzubringen.

Um etwas Sicherheit zu haben, entschied ich mich dann für die Buchung einer 4tägigen Kurzgruppenreise durch die Nationalparks des Nordens. Da ich die Alterslimite für Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftsbad und für Campingsafaris gefühlt überschritten habe, entschied ich mich für die von AAT Kings angebotene „Northern Top End Tour“.

Der Start soweit so gut: 23 Personen in einem Bus mit 48 Personen Fassungsvermögen, USB-Anschluss an jedem Platz, zwei Fernseher, welche die Perspektive des Fahrers übertrugen, soweit also sehr bequem. Wir fuhren also rund eine Stunde, als wir beim „jumping crodile“ ankamen. Da fährt man auf einem Boot für eine Stunde auf einen Billabong und während dieser Stunde wird (abwechslungsweise für die linke und die rechte Seite des Bootes) einem namentlich genannten Krokodil Fleisch vor die Nase gehalten, in der Hoffnung dieses Krokodil möge aus dem Wasser springen. Also quasi ein Zirkus in freier Natur. Leider waren die Krokodile nicht gerade übermotiviert, sodass keine wirklich beindruckenden Sprünge zu bewundern gewesen wären. Höhepunkt waren damit die tollen Jokes des Guides, welche ich ja leider schon von der letzten Ausfahrt kannte. Für die unregelmässigen Leser meines Blogs: „Please clap your hands, so I know that you still have both hands“…harrharrharr.

Die Busfahrt wurde primär darauf verwendet, einen scenic flight zu verkaufen. Da ich diesen nicht wollte, kriegte ich am Nachmittag zwei Stunden Freizeit am Pool. Danach gingen wir auf einen scenic walk, auf welchem wir durchaus beindruckende Höhlenmalereien besichtigen. Anschliessend bestiegen wir eine Felsformation mit toller Aussicht. Mit „wir“ meine ich den Teil der Gruppe, welcher genügend fit für diese Besteigung war. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Gruppe einiger Teilnehmer war das rund ein Drittel. Bei zwei der Besteiger fragte ich mich während des Aufstieges, wie die es je wieder nach unten schaffen sollten. Oben angekommen beobachtete ich Teilnehmer einer Camping-Safari (alle jung, lustig und in Flip Flops) beim Vertilgen von Bier und Chips. Für uns gab es ebenfalls Bier, dazu auch Wein oder einen G&T, ergänzt von schmackhaften Häppchen. Ja, wäre eine tolle Idee gewesen, hatte bei unserem Veranstalter offenbar noch nie jemand. Wobei wir sowieso nicht bis zum Sonnenuntergang bleiben konnten, da ja gewisse Teilnehmer länger für den Abstieg brauchten und es in der Dunkelheit zu gefährlich gewesen wäre….

Auf das Buffet im Hotel (und damit auf die Gesellschaft meiner Reisegruppe) verzichtete ich dann, ich genoss dafür kühles Bier, einen guten Hamburger und das Rugby-Derby Australien gegen Neuseeland im Pub. Ich verstehe zwar nichts von dem Spiel, aber Australien erzielte einen heroischen Sieg über Neuseeland.

Das Frühstück am nächsten Morgen wollte ich eigentlich auslassen, da ich mässig Hunger hatte. Allerdings hatte das Hotel eine sehr stylische Maschine von Nespresso, wo ich den Eintritt für das Frühstück nur schon mit dem Konsum von 4 Espresso-Machiato herausholte. Ich würde diese Maschine als mässig sehr ungeeignet betrachten für Hotels mit Gästen, welche 1. Nespresso als System nicht kennen, 2. grösstenteils über 70 sind und 3. grösstenteils nur für eine Nacht bleiben. Da die Gäste dieses Hotels alle drei Kritierien grossmehrheitlich erfüllten, ergab sich eine nette Schlange vor der Maschine, welche ich dann aber quasi als David Hasselhoff aller Kaffeezubereiter mittels geduldigen Instruktionen abzubauen half.

Tag zwei soweit so gut. Ein Bush Walk. Eine weitere Ausfahrt auf einem Billabong, dieses Mal aber landschaftlich durchaus bemerkenswert und der Guide kannte neben den Krokodilen sogar einige Vögel, welche er uns zeigte. Dann quasi als Höhepunkt die Möglichkeit eines Bades an den Edith Falls. Bei 14 Grad Wassertemperatur überwand ich meine diesbezügliche Phobie und sprang todesmutig ins Wasser. Bei 20 Grad Wassertemperatur netzte ich mich vorbildlich an und war als einer der ersten der Gruppe im Wasser. Nein, bei rund 24 Grad Wassertemperatur war ich als rund 5. unserer Gruppe im Wasser. Gleichzeitig auch als letzter, der grösste Teil der Gruppe fand das Umziehen zu aufwändig. Anschliessend spazierten wir auf dem wunderschönen Spazierweg. Es hatte einen Spazierweg, diesen benützten wir aber nicht, wir musste ja zum Nachtessen ins Hotel. Dieses ein Ibis Styles. Der Name war das einzig stylische. Nachtessen liess ich aus und nützte die Zeit für einen Spaziergang.

Tag 3 war wohl so etwas wie der Höhepunkt. Eine wundervolle Ausfahrt auf Katherine Gorge. Wirklich sehenswert. Und zum Glück ein offenbar frischer Guide, welcher all die alten Jokes noch nicht kannte. Dies wäre nun ein Ort, an dem ich als Individualreisender länger geblieben wäre. Aber wenigstens blieb Zeit für ein Hooddie-Pic ;-).

Dann eine sehr lange Rückfahrt nach Darwin. Hier löste sich die Gruppe dann auf, einige hatten 3 Tage gebucht, andere wie ich noch einen vierten Tag.

Tag 4 führt uns in den Litchfield National Park. Heute gab es zwei Gelegenheiten für ein Bad. An zwei wundervollen Orten, darunter die Wangi Falls, wo sogar genügend Zeit blieb für den Loop Walk.

Fazit: ich bin wohl irgendwo in einem alters- und anspruchsmässigen Niemandsland: zu alt und verwöhnt für Camping- oder Mehrbettzimmer-Touren aber eben auch zu jung und abenteuerlustig für die klassischen Hoteltouren. Also würde ich jedem Touroperator raten, Angebote auf die Komfort suchende und durchaus zahlungswillige aber deswegen immer noch coole Hipster-Generation auszurichten…dass ich mich zu den Hipsters zähle, versteht sich wohl von selbst…Erwähnen möchte ich noch Warren, unseren sehr engagierten und motivierten Fahrer. Auch er nicht ganz sicher vor den Guide-Jokes (seinen finde ich aber sogar noch lustig): „Thank you for having chosen AAT Kings, if you had not, I would have had to look for a serious job“.

Cheers, mates.

Darwin oder wie der FC Aarau doch noch aufstieg

Ab Singapur nahm ich also den Weg nach Darwin unter die Füsse….naja, genau genommen waren meinen Füsse genau bis zum Taxi und dann wieder bis zum Gate in Charge, aber egal, ich flog also nach Darwin. Mein erster Flug mit Silk Air, von welcher ich gerade gelesen habe, dass die Mutter Singapore sie nun offenbar mehr oder weniger komplett integrieren will. Der Flieger nicht aufregend, das Essen eher bescheiden, dafür die Flight Attendants äusserst aufmerksam, freundlich und zuvorkommen.

In Dawin gelandet, natürlich die zwei Minuten des Anstehens am Zoll genützt, um mir ein Wifi zu suchen. Worauf mich eine Zöllnerin sehr freundlich äusserst aufgebracht aufforderte „put your phone away“. Ich sah mich bereits in Handschellen abgeführt zu werden und dann stundenlang in einem fensterlosen Raum auf die Ausschaffung zu warten. Dabei natürlich gefilmt von den kompetenten Investigativjournalisten reisserischen Boulevard-Bros von „Boarder Patrol“. Ich dachte mir schon alle Argumente aus, welche noch für mich sprachen wie „tourism industry“ oder „Instafame“. Aber Australien gab mir eine weitere Chance und ich durfte einreisen.

Taxis und Uber leider nicht verfügbar. Irgendein netter Australier erklärte mir, warum. Ich dankte ihm freundlich für die informative Auskunft. Ich verstand kein Wort und lächelte ihn an wie ein Idiot. So kam ich zu meinem ersten Gruppentransport im Airport Shuttle. Günstig und rasch kam ich ins Hotel.

Hier dann doch ein zu erwartender leichter Down Grade zum Marina Bay Sands in Singapur. Aber das Kalidonis Village bietet saubere Zimmer mit Klimaanlage, Kühlschrank und Wasserkocher. Es verfügt über einen Pool, welcher zwar unspektakulär ist, aber für eine Abkühlung taugt.

Noch am Abend der Ankunft erkundete ich ein wenig das Nachtleben. Das ging schnell: Auf einer Distanz von vielleicht 200 Metern hat es rund 5 Pubs, alle mit Live Musik und alle mit einer ziemlich guten Bierauwahl. Die Musik ist nicht wie in Irland einheimische Volksmusik, es wird eher Populäres zum Mitsingen gecovered. So spielte der Solokünstler in Pub Nr. 1 nach rund 10 Minuten „Mr. Jones“, welches irgendwie das Lied meiner Australienreise 2003 war und in Pub Nr. 2 liessen sie mit einem lauthals mitgegrölten „Sweet Caroline“ die Barrageschlappe des FC Aarau vergessen.

Am nächsten Tag erkundete ich dann Darwin bei Tage. Die Stadt ist sehr übersichtlich und irgendwie friedlich oder gemütlich. Es verfügt an der Esplanade über einen grossen und sehr schön gepflegten Park und an der Waterfront über einen gigantische Ueberbauung zur Touristenbespassung. Dort hat es fast schon unzählige Restaurants, welche auch mehr als Burger an Fries bieten. Weiter verfügt es auch noch über einen Lagoon, wo man gefahrlos baden kann. Einen vollen Nachmittag habe ich dort mit viel Freude geplanscht. Dies habe ich allerdings aufgrund meiner Kaltwasserphobie noch nicht getan….

Am Abend des ersten vollen Tages habe ich eine Sunset Cruise unternommen. Gebucht über Get your Guide, diese bearbeiten mich seither mit Werbung auf Facebook für genau den Ausflug….offenbar noch Potential beim Datamining. Selten habe ich mich so jung gefühlt, war ich doch der einzige Teilnehmer unter 40 (grad gemerkt, dass ich selber schon 42 bin) unter 50 unter 60. Wieder unterhielt ich mich mit diversen netten Australiern ohne ein Wort zu verstehen. Ich ergänzte mein doofes unwissendes Grinsen aber durch gelegentlich eingefügte Ausdrücke wie „mate“ oder „no worries“ und wäre nach Bier Nummer 3 wohl schon fast als Einheimischer durchgegangen. Ah ja, und einen perfekten Sonnenuntergang sowie das obligate Hoddie-Bild gab es auch noch.

Am Folgetag dann der Ausflug zu einem Billabong (kannte ich vom letzten Mal irgendwie nur noch als Kleidermarke, gem. Wikipedia handelt es sich aber um einen toten rsp. nicht fliessenden Seitenarm eines Flusses). Lustiger Guide, welche seine Jokes routiniert zum richtigen Zeitpunkt vorbrachte („please clap at the end of the tour – just for me to know that you still have both arms“ – harrharrharr). Auch da gab es ein nettes Bild für Instagram.

Auf dem Rückweg entliess er uns am Strand, wo es noch einen Handwerkermarkt geben sollte. Dieser erwies sich allerdings eher als Street Food Festival. Auch Recht. Am Strand dann noch eine recht grosse Militärparade der Marines. Alle die ich fragte, was genau der Inhalt sei, erwiesen sich ebenfalls als Touristen und hätten die gleiche Frage gehabt. Auf jeden Fall war es durchaus spannend mitanzusehen und etwas viel weniger steif als ich meinen RS-Besuchstag in Erinnerung habe.

Am Strand dann nochmals der spektakuläre Sonnenuntergang. Dieses mal setzte mich eine Schweizerin nach detaillierten Anweisungen von mir mit offenbar vorhandenen Fotographie-Kenntnissen ohne weiteres Zutun von mir so ins Bild, dass ich nun frustriert feststellen muss, dass mein bisher bester Insta-Shot („die Mutter aller Aufnahmen“) leider nicht von mir ist. Natürlich war mein Beitrag, mit optimalem Einsatz der Filter das Maximum herauszuholen. Ich finde das Bild so gut, dass ich es sogar in der Kategorie #nofiltersneeded starten lasse.

So, das war Darwin. Blog geschrieben im gemütlichsten Kaffee der Stadt, geführt von Aboriginees. Man wartet rund 10 Minuten auf den Cappucino, aber das Warten lohnt sich.

Cheers, Mates.

Wenn sich alles um den Pool dreht

Auf dem Weg ins ferne Australien machte ich drei Nächte Zwischenstopp in Singapur. Bei der Hotelauswahl tendierte ich zu zentral und mindestens 4 Sterne und stelle erfreut fest, dass in Singapur auch zentrale 5-Sterne-Häuser durchaus erschwinglich sind wären. Wirklich zu teuer war aus meiner Sicht nur das Marina Bay Sands, ja genau das Marina Bay Sands bestehend aus drei Türmen mit einem riesigen Pool auf dem Dach.

Nun erzählte mir dann leider eine nicht namentlich erwähnte Arbeitskollegin, dass ihr Gatte in Singapur faktisch drei Tage (und wohl auch Nächte) „getäubelt“ habe (nein hat er nicht, aber ist so lustig, sich das vorzustellen), da sie zwar das Marina Bay Sands besichtigten, als Nicht-Hotelgäste den Pool aber nicht betreten durften. Und da ich als grossartiger Instagram-Influencer (nein, so bezeichnete sie mich ganz sicher nicht, aber ich habe es so wahrgenommen) ja sicher auf ein paar gute Bilder aus sei, würde sich das für mich schon lohnen. Ihr wisst, wie es weiter geht, ich habe es gebucht.

Nach Singapur bin ich ab Zürich mit der Swiss geflogen (und für die, die mich kennen: ja klar, vornesitzend und mit herrlich gestreckten Beinen).

Wunderbar entspannter Nachtflug, welcher Singapur ca. um 5 Uhr des Nachmittags erreicht. Passkontrolle nach 10 Minuten passiert, Gepäck nach weiteren 10 in Empfang genommen und so Touchdown plus 45 Minuten im Hotel angekommen. Der Taxifahrer entschuldigte sich noch für die Verzögerung in Folge einer gesperrten Srasse. Süss.

Im Hotel wird einem das Gepäck abgenommen und mit einem Srichcode versehen. Die andere Hälfte des Strichcodes gibt man beim Check in ab. So schafft es das Gepäck gut organisiert und rasch ins Zimmer. Check in an sich ein Schockerlebnis: 15 Schalter nebeneinander und trotzdem eine kleine Warteschlange. Ja, das Hotel ist gross. Ich war gebucht im 41. Stock des Tower 3. Ab Stockwerk 40 kostet es 10 % mehr, da Booking offenbar aufgrund meiner Recherchen gemerkt hat, dass ich eine grössere Reise plane aber nicht bei ihnen buche, haben sie mir einen Gutschein von 10 % geschenkt. Und ja klar, ich habe nicht 10 % gespart sondern einfach das besser gelegene Zimmer genommen. Ich wurde mit etwas Aussicht belohnt.

Und weil mein Koffer ja auch rasch im Zimmer war, stand ich als 1 Stunde nach der Landung tatsächlich an der Pforte zu diesem angeblich ach so tollen Pool, welcher einen doppelten Preis rechtfertigt. Ich weiss nicht, ob er ihn rechtfertigt, aber für mich war es den Eintritt wert. Im Pool schwimmen mit dem Handy in der Hand Fotos machen (ok, ein paar Spinner haben doch tatsächlich Bahnen gezogen, dafür würde das Tägi in Wettingen locker reichen) und dabei auf die Marina runter zu blicken, auf die anderen Hotels, das ganze Finanzviertel. Wow.

Dazu ein Bier….muss ich wohl nicht erwähnen. Einzig das Feuerwerk am Abend war wohl fast ein wenig verschenkt, ein grosser Teil der Raketen explodierte eher unter als über uns, wäre vermutlich von unten und damit vor der Skyline spektakulärer gewesen. Aber ich habe dann aus reiner Höflichkeit trotzdem wie ein verrückter bei jedem Knaller oh und ah gerufen.

Mein weiterer Aufenthalt ist rasch erzählt: eine Runde um die Marina, einfach um das Hotel und den Pool mal von unten zu sehen.

Dann eine Runde durch den nahe gelegenen Park, sonst immer am oder im Pool und zweimal im Fitness, dort auch geile Aussicht.

Lunch direkt am Pool und Abendessen in einem der Restaurants der ebenfalls zugehörigen Mall. Auch dort lässt man sich alles aufs Zimmer schreiben, eine Kontrolle fand meines Erachtens nie statt, bevor ich ging. Erstaunlich und erfreulich. Die Mall an sich ebenfalls erstaunlich: fast ausschliesslich Flagship Stores aller grossen Luxusmarken. Kunden in den Läden eher nicht, Umsatz wohl auch nicht, aber offenbar muss man da vertreten sein.

Zwei lustige Ergänzungen:

Ich fragte mich die ganze Zeit, wie viele Mobiltelefone wohl schon in diesem Pool gelandet sind, denn man badet mit Handy (allenfalls in Plastikhülle, allenfalls mit Selfie-Stick), um auch ja keinen Schnappschuss zu verpassen. Einige Gäste (eher weiblich, eher asiatisch) drapieren sich liebevollst vor der Skyline. Nun ich weiss es nicht, aber ein riesiger Fan meiner Bilder auf Instagramm Insta-Follower schrieb mir: Pass einfach auf Dein Handy auf, meines ist im Pool gelandet.

Aufgrund meiner tollen Bilder vom Hoteldach gewann ich eine neue Followerin auf Insta. Sie fand meine Bilder so toll, dass sie mich sofort kontaktierte und mit Komplimenten überhäufte. Nein, eine deutsche Studentin hatte eine Wette geschlossen und wollte als nicht Hotel-Gast in den Pool. Das ist so nicht erlaubt (darum der täubelnde Gatte von oben) und wird auch kontrolliert. Man muss durch eine Schleuse, eine Person pro vorhandene Zimmerkarte. Also kontaktierte sie jeden mit einem entsprechenden Post auf Insta, ob er ihr allenfalls seine Zimmerkarte für 10 Minuten für einen einmaligen Eintritt leihen könnte. Dutzende schrieben ihr zurück, einige wollten sie gleich ins Hotel einladen. Sie erhielt entweder keine Reaktion oder freundlich Absagen. Ausser von mir. Da ich ja ein Doppelzimmer und somit zwei Karten hatte (und so ein wenig Rebel bin ich ja auch noch und ein bisschen „fuck the system“ hält jung), erfüllte ich ihr den Wunsch. Sie hat nun keine Wettschulden, musste mir aber versprechen, für den Rest ihres Lebens jedes Bild von mir zu liken. Ich weiss nicht, was schlimmer ist.

So, das wars aus Singapur. Nächster Halt in Darwin. Also ich bin schon da, aber habe erst jetzt über Singapur geschrieben. Ich sags Euch, so Langzeiturlaub ist streng.

Eine Ode an perfekte Tage und Abende

Nachdem wir in Andermatt den Hotelausgang und damit den Bahnhof gefunden hatten (siehe Letzter Blog von gestern) fuhren wir mit dem Postauto über den Gotthardpass. Immer wieder eine beeindruckende Kulisse und wenn man sieht, wie lange das Postauto da aufwärts fährt, steigt der Stolz auf die entsprechenden Bezwingungen zu Fuss mit jeder Minute weiter an.

Ab Airolo direkt nach Locarno, wo wir im La Palma au Lac eincheckten. Das Zimmer war noch nicht fertig (wir auch zu früh dran), es wurden uns aber Tücher für dem Badeplausch im direkt davor liegenden See angeboten. Den Plausch wollten wir mit der Anmietung eines Pedalos erhöhen, steigerten ihn dann mit einem Motorboot fast schon ins Unermessliche. Ja bei Motorboot denke ich an eine Jacht mit mindestens 212 PS, 3 Kabinen und 4 Butlern, aber manchmal kommt es anders. Auch wenn die 8 PS dem Bötchen wohl kaum mehr als 10 km/h entlockten, sich einmal im Leben als El Capitano zu fühlen, war den Eintritt allemal wert.

Danach genossen wir den #roomwithaview und nützten diesen, um ein wenig vorzuglühen.

Der eigentliche Höhepunkt sollte aber ja noch folgen. Wir hatten uns preiswerte eher teure absolut wahnsinnig teure VIP-Tickets für das Moon and Stars genauer für das grande Finale mit Patent Ochsner und Stephan Eicher erworben. In der Kurzfassung für Schnellleser: Es war ganz grosses Kino:

Die Infrastruktur und das Catering wirklich auf VIP-Niveau. So Häppchen und Drinks bis zum Abwinken. Tolle Plattform, welche zu keinem Zeitpunkt irgendwie ‚crowded‘ war. Wie Geberit sein Dusch-WC an einem Open Air vermarktet, ist so übertrieben, dass man es direkt übertrieben finden könnte – vielleicht ist es einfach nur gut saumässsig gut.

Aber primär waren wir ja der Konzerte wegen dort. Und das war ja das Geile: es waren nicht zwei Konzerte unterteilt in eine Vorband, die keiner hören will und nur das Warten auf den Mainact verkürzt bis dieser Mainact dann endlich mit grosser Verspätung anfängt. Nein, die zwei grossen alten (sorry) Männer der Schweizer Musik gaben hier eben zusammen ein Konzert mit dem absolut besten aus den zwei doch recht unterschiedlichen Welten. Die absolut epische 11-minütige Version von Scharlachrot inkl. dem wohl geilsten Saxophonsolo der Musikgeschichte (sorry das immer noch vorhandene Adrenalin lässt mich schwärmen) war nur ein Höhepunkt des höhepunktreichen Abends…dass sich die zwei Protagonisten des Abends einen kurzen Moment nicht ganz einig waren in Bezug auf den Text gab dem ganzen einen zusätzlichen leicht improvisierten Touch (wäre ich böse, würde ich unterstellen, sie hätten das absichtlich gemacht ich bin ja mal nicht böse).

Die Bühne rsp. die Ausrichtung der Tribüne sowie die Farbe der Getränke waren eine faktisch perfekte Inszenierung für die Generation Instagram – interessiert wohl nicht so viele aber für so gefühlte Influencer wie mich natürlich Teil des Spasses.

Und weil ja schöne Geschichten ein Happy End brauchen: Dass ich dann am nächsten Morgen einen Schulkollegen an der Hotelrezeption antraf, den ich zuletzt wohl ca 1995 mit 18 Jahren vor über 20 Jahren ziemlich sicher 1995 getroffen hatte, rundete das nette Reislein noch wunderbar ab.

So, next Stop Singapur 🇸🇬.

Andermatt – 10 Jahre später

Wie doch so einige habe auch ich paar Wochen meines Lebens im grünen Kampfdress der besten Armee der Welt in Andermatt verbracht. Als unsere Truppe das erste Mal in Andermatt stationiert war, hiess uns der Präsident des damals dahinsiechenden Bergdorfes persönlich mit einem Apéro willkommen. Sein wichtigstes Argument für Andermatt war die fehlende Polizeistunde und damit die Möglichkeit zum masslosen militärischen Abfeiern. Wir nützten diese rege. Ein Jahr später war der reiche Onkel aus Ägypten mit seinem Projekt www.andermatt-swissalps.ch aufgetaucht und weil man diesen wohl nicht verschrecken wollte, wurde eine militärische Polizeistunde um Mitternacht erlassen. Bussenandrohung 100 Franken, Kontrolle durch die Militärpolizei. Nun, da gestohlene Äpfel ja am besten schmecken, erhöhte das auf Umwegen zu spät nach Hause schleichen den Spass des nächtlichen Tuns noch mehr. Ein Jahr später fand dann der Spatenstich für das Luxushotel The Chedi statt (www.thechediandermatt.com) und die ganze Bevölkerung (wir zählten uns dazu) wurde zu Brot und Spiele Wurst und Brot eingeladen. Später in einer Bar sahen wir den reichen Onkel dann noch mit der für sein Projekt werbenden Skilegende. Ja und so entstehen lustige Militärgeschichten, in denen ich mal ganz nah am Olympiasieg Olympiasieger in der Herrenabfahrt war.

Soweit mal mein Bezug zu Andermatt.

Jetzt, ziemlich genau 8 Jahre nachdem ich mein seit der RS liebevoll gehütetes und mehrfach gezügeltes Armeematerial in einer grauen Turnhalle zu entsorgen hatte, kehrte ich auf dem Weg ans Moon and Stars in Locarno für eine Nacht nach Andermatt zurück.

Gebucht hatten wir ein Zimmer im neuen Radisson Blu. Zwei sehr chice Holzchalets am Dorfeingang, leider auch sehr nahe an der Gotthardstrasse. Offenbar ist das Hotel nicht primär überhaupt nicht auf mit dem Zug reisende ausgerichtet, der Weg vom Bahnhof ist nicht wirklich beschriftet…und als Mann ist es ja sowieso ausgeschlossen, jemanden nach dem Weg zu fragen…und so sahen wir das Hotel zwar schon von weitem, mussten aber irgendwie noch über die stark befahrene Hauptstrasse und die Bahngeleise kommen…irgendwie haben wir es dann geschafft und später den direkten Weg auch noch gefunden.

Check in freundlich und schnell und schon um 13 Uhr möglich. Das Zimmer chic und stylish, mit Kaffeemaschine und fast schon spektakulärem Bad. Und riesigem Fernseher, den ich aber irgendwie nicht brauchte.

Nach dem Spaziergang wollte ich eigentlich ins Hallenbad. Da die Beschriftung auch innerhalb des Hotels mehr als dürftig ist (die Badtücher suchen wir immer noch haben wir nicht gefunden), bin ich zuerst im Fitness gelandet. Und da im TV gerade die Schlusssteigung der Tour de France lief, entschied ich mich für ein wenig gemütliches Spazieren auf dem Laufband (4.5 km/h). Ich wurde dann von einer Angestellten in englisch und eher sehr barsch darauf aufmerksam gemacht, dass ich für ein ‚excercise‘ gefälligst vernünftige Schuhe tragen solle. Auch meine Erwiderung, dass 4.5 km/h nicht Training sondern maximal aktive Erholung sei, konnte ihre offensichtlichen Sicherheitsbedenken nicht aus der Welt schaffen. Nun, auf dem Weg ins Bad bin ich dann in einer Pfütze beinahe zu Fall gekommen…soviel zu Sicherheit. Das Bad toll, geräumig mit riesigen Liegen…die Aussicht leider direkt auf die Hauptstrasse. Den Rest des Spas hätte ich auch noch besichtigt, leider mangels Beschriftung nicht gefunden…und ich hätte sogar gefragt, hätte ich irgendeine Badeaufsicht gesehen…

Die Bar: toll eingerichtet – bequeme Sitze und Sofas – gute Getränkeauswahl – freundliche Bedienung.

Das Restaurant konnten wir leider erst um 20.30 Uhr betreten, da es vorher ‚ausgebucht‘ war. Allerdings war es dann um halb 9 leer und irgendwie hatten wir nicht gerade viele Leute rauskommen sehen. Aber egal: die Einrichtung überzeugt, die Speisen sogar sehr, die Weinkarte ist umfassend und aus meiner Sicht fairpreisig, das Essen sehr gut!

Am nächsten Morgen eines der besten Frühstücksbuffets, welches ich je gesehen habe. Der selbst geräucherte Lachs (unten zu sehen im Bild welchen ich leider nicht fotografiert habe) war der Höhepunkt. Mäkeln auf ganz hohem Niveau: der Käseauswahl würde etwas Regionalität mit einem Urner Alpkäse oder so nicht schaden.

Check out anschliessend wieder bei Etienne, bei dem wir schon eingecheckt hatten: schnell, freundlich und zuvorkommend. Er hat uns sogar den schnellsten Weg zum Ausgang im zweiten UG erklärt…welchen wir mangels Beschriftung dann doch noch ein wenig suchen mussten…

Fazit zum Hotel: supertolle Hardware – Software noch mit einigen Bugs und daher Luft nach oben.

So, das wars, machen und jetzt auf den Weg zum Bahnhof…es regnet…darum auf direktem Weg…

Eine lange Zugfahrt hin, das Wunder von Neuenburg und eine sehr lange Zugfahrt zurück

Als in Wettingen aufgewachsener jugendlicher Fan des FC Wettingen (in Konkurs gegangen 1993, er möge in Frieden ruhen) konnte ich mich über den Meistertitel des FC Aarau 1993 nicht wirklich freuen. Nicht, dass er mich geärgert hätte, aber auch nicht wirklich gefreut. 2007 in der Barrage gegen Bellinzona entwickelte ich erstmals so etwas wie Gefühle für den FC Aarau. Dass die die Fans der AC Bellinzona die gleichen Lieder sangen wie diejenigen des HC Ambrí-Piotta störte meine junge Liebe zum FCA aber doch noch erheblich.

Erstmals echtes Feuer entfachte ich 2013, beim grandiosen Aufstieg. Als die Spieler schon am Abklatschen waren, als Wohlen plötzlich noch ein Tor in Bellinzona gelang und Aarau völlig überraschend schon an diesem Abend uneinholbar wurde. Als alle auf den Platz rannten, gefolgt von einem Platzregen und ‚Sweet Caroline‘ in die Welt hinausposaunten.

Also wurde ich halbwegs regelmässiger Matchbesucher, lieber bei Sonne als bei Regen, lieber im Mai als im November, lieber gegen Basel als gegen Chiasso, aber doch halbwegs regelmässig.

Was der FC Aarau dieses Jahr aber geboten hat, übersteigt alles. Mit tollem Kader und vielen Vorschusslorbeeren in die Saison gestartet, dann grandios fehlgestartet und dann die geilste Aufholjagd, die der Schweizer Fussball je gesehen hat. 6 Spiele, 0 Punkte, dann 11 Spiele, 4 Punkte und am Schluss in der Barrage. Ich gönne dem ganzen Verein, dass er für den Mut belohnt wurde, am Trainer und Sportchef festzuhalten. Und der Major wird nur schon dafür eine Legende, dass er sich eine Aufstiegsprämie in den Vertrag schreiben liess.

Die Barrage war quasi das Dessert, welches man sich nicht entgehen lässt, obwohl man doch schon satt ist. Und so entschloss auch ich mich zur Reise nach Neuenburg im Extrazug. Auch wenn meine resultatmässigen Erwartungen bescheiden waren, so freute ich mich auf ein unterhaltsames Spiel in einem tollen Stadion an toller Lage mit ein paar Bier dazu.

Die Zugfahrt lang, aber kurzweilig, versüsst mit einem offerierten Bier. Mit lustiger Kondukteuse, welche sich einen Aarau-Schal zu einer Krawatte binden liess. Welche Verständnis dafür hatte, dass mein Ticket der mit meinem Ticket gerade am Bier holen war. Mit ewigen Lobgesängen auf die Saison, den Trainer, die Mannschaft. Mit Hoffnung. Mit nicht endenden Gesängen von in Aarau bis und Neuenburg.

Dann ein Fanmarsch mit toller Aussicht, welche niemand offenbar nur ich wahr nahm. Ok, irgendwie war der Fanmarsch auch wirklich toller als die Aussicht!

Und dann ein Spiel, welches allen den Atem nahm. 0-3 zur Pause – 0-4 zum Schluss. Das Stadion ein Aarauer Tollhaus. Wildfremde Menschen, die sich umarmen. Die den Namen des offenbar abgangsgefährdeten Sportchefs skandieren. Die sich zwingen müssen, den Aufstieg nicht zu verschreien und die es dann doch ein wenig tun. Die sich nicht mehr erholen. Die fast zu ein wenig Mitleid mit Xamax und seinen Fans fähig sind. Toll der Xamax-Fan nehmen mir: nach dem 0-4 hat er mir anerkennend zugenickt und dann dem FC Aarau ehrfurchtsvoll zugeklatscht.

Einziger Wehrmutstropfen: Das Catering von Xamax. Eine Katastrophe. Zu keinem Zeitpunkt war dir Wartezeit kürzer als eine Viertelstunde. Die Organisation irgendwo zwischen 2. Liga regional und 1. Liga Promotion. Und das in diesem Stadion. Schade. Aber allenfalls mit Rücksicht auf den Folgetag eine durchaus erwünschte Bierzuflussbeschränkung.

Die Rückfahrt: ewig! Lang! Undendlich! Irgendwann untersuche ich wissenschaftlich, warum sich ein Hinweg meistens immer viel kürzer anfühlt als der Rückweg. Egal, irgendwann schlief ich ein, sonst würde die Rückfahrt wohl immer noch andauern.

Das einzige doofe an diesem Resultat? Aarau hatte nichts, aber auch gar nichts zu verlieren in dieser Barrage. Xamax hatte nur zu verlieren und nach Spiel 1 auch schon alles verloren. Somit umgekehrte Vorzeichen vor dem Rückspiel: jetzt kann Aarau eigentlich nur noch verlieren. Werden sie aber nicht, dieses kleine Fussballmärchen verdient sein Happy End.

#zämeförAarau

Eine lange Zugfahrt (also zwei), kulinarische Höhenflüge und die üblichen sinnstiftenden sinnlosen Gespräche – das war Bologna

Claudio wurde 2017 40, ist seither also näher an 50 als an 30. Genau aus diesem Grund hat er diesen Umstand wohl ignoriert und den runden Geburtstag nie gefeiert. Irgendwann im Frühjahr 2019 ist er dem wachsenden Druck aber unterlegen und hat das Bubenreislein des Jahres organisiert. Infolge der knappen Planung war sein Bruder leider verhindert (sorry, Bruder), dafür waren am Start: Claudio der Jubilar, bekannt von (oder eher zu finden auf) beffa.ch – dann Thomas Mezera, der Hockeygott, der seine Karriere in der legendären Keba ausklingen lässt – dann Mic, die Gourmetlegende aus TschechoSlowenien (sorry, Insidergag) – gefolgt von Sam (niemand weiss warum, aber auf Instragram schmückt er seinen Namen mit dem Zusatz ‚official‘) – dann Simon, der seinem früheren Übernamen Bier nicht mehr ganz gerecht werden mag sowie Gollo, der Oesterreicher, der alleine 17 Blogs füllen könnte – gefolgt von Benj (der mit dem Insektenburger vom vorletzten Blog) – und zu guter letzt ich, bekannt aus Film, Funk und Instagram.

Mitten in der Nacht (also am Freitag um 7) trafen wir uns am HB in Zürich. Alle, ausser Gollo, der vorausschauend ein Hotelzimmer in Erstfeld gebucht hatte und sich um diese Uhrzeit gemütlich aufmachte zum Frühstück. Und ausser Claudio, ja, genau, der Claudio, der die Tickets für den Zug hatte. Es brauchte viel Charme, Ueberredungskunst und Drohungen mit sozialen Medien, um zu verhindern, dass wir den Zug in Zug wieder verlassen mussten. Anstelle von Tickets hatten wir dafür Früchte, Gemüse, Schwarzbrot und- Tee sowie etwas Bier, Wein und Chips. Eine lustige Fahrt mit erstaunlich pünktlichen Anschlüssen. In Bologna angekommen assen wir Pasta mit der heimischen Sauce (ab jetzt bei jeder Mahlzeit, daher keine weitere Erwähnung) sowie ein zu einer Tagliata kredenztes T-Bone-Steak. Ich flippe jetzt noch aus nur schon beim Gedanken daran. Und dazu tranken wir den (leichter taktischer Fehler) besten Wein des Wochenendes.

Die Unterkunft war perfekt, sehr geräumige Doppelzimmer und ein gemeinsamer Innenhof mit Lounge. Umgeben von Anwohnern eines typisch italienischen Hinterhofs – unser Lärm störte niemanden. Speziell der Zugang: durch vier verschlossene Türen zu öffnen mit vier nicht beschrifteten unterschiedlichen Schlüsseln, welche mit Bart nach oben oder unten eingeführt werden mussten und teilweise klemmten…wir nannten es Rätsel…zufällig zuschauende Passanten schwankten zwischen lachen und die Polizei rufen…

Am Freitagabend vor dem Essen ein ausführlicher Apéro mit der angeblich besten Mortadella der Welt, danach ausnahmsweise mal ein Essen, ausnahmsweise: also es gab eine Karte und als wir alle gewählt hatten, erklärte uns der Wirt, dass die Karte nicht relevant sei, er uns aber schon das Richtige zu bringen wisse. Beim Wein gab es nicht mal eine Karte…er brachte das Richtige. Es war erneut Weltklasse. Leicht getrübt war der Gaumenschmaus nur von der auf gefühlte 48 Grad steigenden Raumtemperatur…

So, da die Müdigkeit noch ein wenig zehrt, hier der Cliffhanger: es folgen Kaffee, ein Ausflug nach Rimini, mehr Wein, mehr Essen und nochmals mehr Wein und nochmals mehr Essen…sobald ich dazu komme…versprochen….wird allenfalls in Gedenken an den Organisator 2021…