Regelmässige Leser:innen wissen, dass ich seit Jahren Kunde fast schon Fan der Coiffeurkette Coiffina bin. Wer es noch nicht wusste, dem oder der sei mein Beitrag zum Verkauf von Shampoo wärmstens empfohlen.
Bisher war es so, dass ich jeweils am Tag vor dem Besuch eine Bestätigungs-SMS bekam, auf welche ich mit J oder N antworten konnte. Ich mag solch niederschwellige Möglichkeiten der Terminverschiebung oder -absage, aus Anbietersicht reduziert sich die No-Show-Quote und damit Leerzeiten. Und da ich wusste, dass die Antworten im Salon gelesen werden, habe ich mir irgendwann einen Spass daraus gemacht, abwechslungsreich und aus meiner Sicht witzig zu antworten…ja, eben, aus meiner Sicht witzig.
Nun hat Coiffina ein neues CRM. Neu heisst vielleicht sogar irgendwann besser aber aus meiner Sicht im Moment leider nicht wirklich gut.
Vorteil Nummer 1 ist, dass nun alle Salons vernetzt sind, sprich als Kunde in Brugg könnte ich auch mal ins Glattzentrum und die wüssten dann, wer ich wäre (und (noch) nicht so relevant für mich, aber sie wüssten dann auch gleich, welche Farbe sie zu verwenden hätten). Sich daraus ergebender Nachteil ist, dass es in der Schweiz mit guter Wahrscheinlichkeit mehrere Kund:innen mit gleichem Namen gibt, so dass bei der Terminvereinbarung der oder die richtige zuerst gefunden werden muss. Vor allem mühsam bei Kunden, welche nur die Telefonnummer aber nicht den Wohnort hinterlegt haben. Bei jenen findet nun ein fröhliches Nummernabfragen statt. Zum Glück heissen nicht alle Hans Meier oder Peter Müller und irgendwann sind ja dann alle Wohnorte hinterlegt.
Vorteil Nummer 2 ist, dass die Terminbestätigung nun automatisiert vonstatten geht und direkt ins Online Buchungstool verlinkt. Wenn es denn mal läuft, sehe ich alle Vorteile, nämlich, dass ich nicht nur absagen sondern auch schieben kann. Aktuell ist es aber so, dass es eine reine Terminbestätigung mit einem Link ist, es ist nicht ersichtlich, ob eine Interaktion gewünscht ist oder nicht.

Gravierender ist aber, dass der link ins Buchungstool-Nirvana führt

Und da ich nun auf die SMS nicht mehr antworten kann, muss ich bei Verhinderung wieder anrufen (wie damals in den 1990-Jahren auf den letzten Wählscheiben-Telefonen). Kein Riesenaufwand aber halt ein unnötiger Medienbruch und darum glaube denke weiss ich, dass dies besser gelöst werden könnte.
Das neue CRM bietet aber noch weitere Vorteile. Bei der Abrechnung wird nun meine Coiffeuse aufgefordert, nach einem Folgetermin zu fragen. Hier sehe ich zwei Potentiale: Sie wird aktuell nämlich vor und nach Bezahlung gefragt. Vor Bezahlung entspricht intuitiv nicht der normalen Customer Journey (ich bezahle und schliesse damit den heutigen Besuch ab, dann vereinbare den nächsten Termin). Die Anzeige vor der Bezahlung könnte man für die Aufforderung für einem Zusatzverkauf verwenden (das wäre intuitiv richtig platziert vor der Bezahlung), im besseren Fall würde ein konkretes Angebot angezeigt («15 % Rabatt auf alle Wachse»), im besten Fall wäre das Angebot kundenindividuell (Kundin hat vor drei Monaten ein Shampoo der Marke «Schiess-mich-tot» gekauft, jetzt nach Zufriedenheit und dann Wiederkauf fragen).
Nach dem Besuch hat das CRM auch noch eine Dankesmail mit Feedbackmöglichkeit geschickt. Das finde ich sehr gut, die Anzeige es Fotos meiner Coiffeuse wirkt professionell, die Eingabe dauert keine 30 Sekunden. Weniger gut ist, dass ich in dieser Mail aufgefordert werde, einen Folgetermin zu buchen. Liebes CRM, Du solltest am besten wissen, dass ich genau eine Stunde zuvor einen solchen vereinbart habe. Aber weil ich meine Agenda wieder nicht sauber geführt hatte, wollte ich den Termin grad umbuchen und habe darum auf den link geklickt. Ich landete, ihr ahnt es schon, wieder im ausser-Betrieb-Modus und damit Vorhof zur Customer-Experience-Hölle.
Fazit: Ich finde es positiv, dass sich auch eine absolut undigitale Berufsgruppe (oder kennt jemand einen Coiffeur-Roboter?) der Digitalisierung annimmt. Und ganz sicher stiftet das neue CRM, wenn es dann mal läuft, auch wirklich Nutzen. Fraglich ist aus meiner Sicht, wieso mit einem Beta-Pre-Minimum-Viable-Product, welches zu einer Verschlechterung der #CustomerExperience führt, live gegangen wurde.
Next Stop: Coiffina













